Nichts ist vollkommen - Lothar Wagner - E-Book

Nichts ist vollkommen E-Book

Lothar Wagner

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Beschreibung

Nach Kriegsende kämpfte sich der Autor - ermutigt durch Erfolge im Schach - vom Lehrling im Steinkohlenbergbau ohne Abitur zum Hochschulstudium durch. Später nahm er als Angehöriger eines Industrieforschungsinstitutes und als Hochschullehrer vielfältige verantwortungsvolle Aufgaben wahr. Dabei stand dem politisch geforderten Tun oft das Gewissen entgegen. Das hatte Folgen … und nach der Wende war er froh, überhaupt überlebt zu haben. Erst ein anonymer Anruf aus seiner Heimatstadt Chemnitz im März 2013, die er im Frühjahr 1989 auf dringenden ärztlichen Rat verließ, veranlasste ihn dazu, das Geschehen vor und nach der Wende aufzuarbeiten. Was er erkannte, ließ ihn am demokratischen Rechtsstaat zweifeln und bewog ihn, zur Feder zu greifen. Dies ist seine bewegende Geschichte.

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Seitenzahl: 260

Veröffentlichungsjahr: 2016

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Inhaltsverzeichnis

Impressum

Vorbemerkungen

I Das Leben im Überwachungsstaat

1 Im Blickfeld der „Firma“

1.1 Der beharrliche Türsteher und seine unerfreulichen Parteigenossen

1.2 Erinnerungen an ein Vorbild

1.3 Das Studium, die lieben Genossen und deren „Firma“

1.4 Erste Erfahrungen in der Praxis nach dem Studium

2 Aufbruch in ein beruflich erfülltes Leben

2.1 Berufliche Entwicklung ohne politische Drangsalierung

2.2 Einarbeitung in die Informationstechnik unter der Obhut der „Firma“

3 Der Einstieg in das Leben eines Hochschullehrers

3.1 Hoffnungsvoller Neubeginn an der TH KMST

3.2 Wer sich der „Firma“ nicht fügt, wird bestraft

3.3 Heikle Situationen bei der Betreuung von Promovenden

3.4 Ein Stalinist in Aktion

3.5 Der lange Arm der Partei und ihrer „Firma“ – kleinere Stiche

4 Sibirien und danach

4.1 Studienaufenthalt in Sibirien

4.2 Langfristige Zusammenarbeit

4.3 Wider dem „Herrmann“

5 Verantwortung wahrnehmen im Überwachungsstaat – ein brisantes Jahrzehnt

5.1 Die Anwendung der in Sibirien gewonnenen Erkenntnisse und der lange Arm der Stasi

5.2 Berufung zum Stellvertreter des Sektionsdirektors für Erziehung-, Aus- und Weiterbildung (EAW)

5.3 Dubiose Begebenheiten um die Dissertation B eines hochkarätigen IM – Der Beginn eines Rachefeldzuges

5.4 Ein IM der Stasi als Wissenschaftsbereichsleiter

5.5 Aufgaben und Probleme des Ausbildungsverantwortlichen im Überwachungsstaat

5.5.1 Brisante Erlebnisse als Vertreter des abwesenden Sektionsdirektors

5.5.2 Politisch geprägte Aufgaben und Entscheidungsfelder des Stv. SD für EAW

5.5.3 Exmatrikulationen mit politischer Brisanz

5.5.4 Heikle Vorkommnisse mit Wohnheim-Studenten

5.5.5 Gerechtigkeit kontra Staatsbewusstsein

5.5.6 Der Überwachungsstaat in Aktion

5.5.7 Ausbildung libyscher Staatsbürger, die sich als Gaddafi-Offiziere entpuppten

5.6 Der lang anhaltende Rachefeldzug eines betrügerischen Stasioffiziers

6 Eingriff der „Firma“ in das Privatleben

7 Die Stasi und die Wende

7.1 Ränkespiele der Stasi am Hochschulteil Plauen der TH Zwickau

7.2 Städtepartnerschaft Plauen – Siegen

7.3 Hilfe aus der Partnerstadt Hof

7.4 Letzte Aktionen der „Firma“

8 Ursachen des offenen Protestes der Bevölkerung

9 Die berufliche Situation nach der Wende

9.1 Die „Abwicklung“ und der Neuanfang an der Hochschule in Zwickau

9.2 Das Zusammenfinden auf gesamtdeutscher Ebene

9.3 Das Vorlesungsverhalten von Studenten nach der Wende

II Die Ernüchterung im demokratischen Rechtsstaat

1 Die Situation nach der Wende in den neuen Bundesländern

1.1 Freudiges Erwachen und „Wild-West“-Zustände

1.2 Die „selbstlose Hilfe“ für die verschuldete DDR – Negieren der Reparationslasten

1.3 Die Weiterbildungsfirmen und deren Geschäftsführer

1.4 Die Situation 25 Jahre danach

2 Vereinnahmung statt neue gemeinsame Verfassung

2.1 Die Vereinnahmung

2.2 Ursachen der Probleme und Hindernisse für ein echtes Zusammenfinden

2.3 Das Beseitigen der Konkurrenz im Osten – zum Schicksal der Industriebetriebe

2.4 Die Reaktion der Bevölkerung

3 Die Diskriminierung im Rechtsstaat

3.1 Der Rechtsstaat in Aktion

3.2 Der lange Weg zum Gericht – Sechs Jahre Kampf bis zur Zulassung

3.3 Vor dem Landessozialgericht

3.4 Die Gerechtigkeit des Rechtsstaates

3.5 Verlogenheit bei der öffentlichen Darstellung der Altersversorgung im Osten

3.6 Die Schizophrenie der Gerechtigkeit des Rechtsstaates

Abkürzungen

Literaturnachweis

Impressum

Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek:

Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie­.

Detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://www.d-nb.de abrufbar.

Alle Rechte der Verbreitung, auch durch Film, Funk und Fern­sehen, fotomechanische Wiedergabe, Tonträger, elektronische Datenträger und ­auszugsweisen Nachdruck, sind vorbehalten.

© 2016 novum Verlag

ISBN Printausgabe: 978-3-95840-103-7

ISBN e-book: 978-3-95840-104-4

Lektorat: Pia Euteneuer

Umschlagfotos: Andromachi Mitropoulou, Benoit Daoust, Yanlev, Olga Reutska | Dreamstime.com

Umschlaggestaltung, Layout & Satz: novum verlag

www.novumverlag.com

Vorbemerkungen

Der Verfasser dieser Zeilen hatte im Frühjahr1989 seine Geburts- und langjährige Heimatstadt Chemnitz/Karl-Marx-Stadt und damit die Technische Universität Karl-Marx-Stadt aufgrund eines dringenden ärztlichen Rates verlassen.

Nachdem er betrügerische, gesetzeswidrige Handlungen abgelehnt hatte, wurde 1973 die bereits eingerichtete Professur für das neue Lehrgebiet „Wirtschaftsinformatik“ gestrichen und 1980 ein operativer Vorgang gegen ihn eingeleitet. Dem schlossen sich jahrelange Vorladungen und Schikanen an, bis er physisch und psychisch am Ende war. Er wurde mit diversen Drohungen aus der Wohnung gedrängt, für die er sich an den VEB ELREMA (später Kombinat ROBOTRON, Fachgebiet Geräte) für zwei Drittel seines damals am Zentralinstitut für Fertigungstechnik (ZIF) erhaltenen Gehaltes regelrecht verkauft hatte, um seiner werdenden Familie eine Bleibe zu sichern. Danach erleichterte man ihn durch eine Unterschriftsfälschung um nahezu alles, was er sich bis dahin in seinem Leben erarbeitet hatte.

Seine berufliche Entwicklung begann 1945 als Berglehrling im Steinkohlenbergbau. Nach dem Kriegsende war kein Vater da, der einen höheren Schulbesuch hätte ermöglichen können, aber drei noch schulpflichtige Geschwister und eine kranke Mutter, die ihre Kinder tapfer über die Kriegsjahre betreut hatte. Über mehrere berufliche Entwicklungsstufen kämpfte er sich ohne Abitur zum Hochschulstudium durch.

Die ersten Berührungen mit der Staatssicherheit hatte er mit der Vollendung seines 18. Lebensjahres. Er galt als Schachtalent. Man wollte ihn vereinnahmen. Nach dem überlegenen, vorzeitigen Gewinn der 1. Gesamtdeutschen Jugend-Fernschachmeisterschaft während des ersten Studienjahres und der außerplanmäßigen Verleihung der internationalen Meisterklasse durch die Hamburger Turnierleitung, versuchte man ihn durch härtere, gesundheitsschädigende Handlungen „weichzuspülen“ und nach dem Studienabschluss mit einem verlockenden Angebot zu gewinnen.

Seine ehemaligen Kollegen an der Technischen Universität Karl-Marx-Stadt, mit denen er noch längere Zeit Kontakt hielt, fragten ihn wiederholt, warum er seine Lebenserfahrungen nicht festhalte und veröffentliche, vor allem das Erlebte in den Jahren vor der Wende und beim Übergang in den demokratischen Rechtsstaat.

Auch ein wiedergefundener Schachfreund aus der Leipziger Studienzeit meinte:

„Wenn nicht du zur Feder greifst, wer sonst? In wenigen Jahren ist alles vergessen.“

Selbst verschiedene Fachärzte, die die entstandenen langjährigen gesundheitlichen Probleme verstehen wollten und nach seinem „Werdegang“ fragten, forderten ihn auf, über sein Erleben zu schreiben.

Doch nach der Wende war er froh, überlebt zu haben.

Erst ein anonymer Anruf aus Chemnitz im März 2013, der ihn anhand einer Homepage auf das hervorgehobene Leben desjenigen aufmerksam machte, der 1992 anhand seiner Stasi-Akte als hochkarätiger Stasi-Offizier enttarnt wurde, veranlasste ihn nunmehr das zu tun, wozu er nach der Wende nicht in der Lage war.

Dieser ehemalige Hochschullehrer der Technischen Universität Karl-Marx-Stadt hatte 1980 einen operativen Vorgang gegen ihn ausgelöst und weitgehend in sein Leben eingegriffen, weil er sich angesichts einer dubiosen, fragwürdigen Situation weigerte, an der Verteidigung der Dissertation B (Habilitationsschrift) dieses Herrn an der Humboldt-Universität Berlin teilzunehmen.

Der „Hochkarätige“ thronte an der Spitze eines sich über Sachsen, Thüringen und Oberfranken erstreckenden Weiterbildungsimperiums und betitelte sich wieder Professor.

Was er seitdem bei seinen Recherchen feststellte, ist eines demokratischen Rechtsstaates schlicht und einfach unwürdig.

Er erkannte, dass diejenigen, die die Evaluierung nach der Wende aufgrund ihrer politischen Vergangenheit nicht überstanden, mit ihrer Altersversorgung erheblich bessergestellt werden als die Professoren der Jahrgänge 1930 bis 1940, welche nach ihrer mehrfachen fachlichen und politischen Überprüfung in den höheren Staatsdienst aufgenommen wurden.

Weder die Intelligenzrente, noch die freiwillige Zusatzversicherung (FZR), mit der sie ihre Intelligenzrente abgesichert hatten, werden anerkannt. „Es war ja nichts mehr da“, wurde begründet.

Diese Altersruhestandsgelder waren jedoch mit Immobilien und Hypotheken abgesichert. Niemand kann oder will sagen, wohin diese Werte verschwunden sind.

Dadurch werden die evaluierten Professoren mit ca. 25 % bis max. 30 % des Ruhestandsgeldes der Berufskollegen in den alten Bundesländern diskriminiert. Doch diejenigen, die die Evaluierung nicht überstanden, erhalten etwa 50 % dieses Ruhestandsgeldes. Dabei beruft man sich auf den „Bestandsschutz“.

Seine Recherchen führten überdies zu der erschreckenden Erkenntnis, dass das merkwürdige, oft unbegreifliche Verhalten seiner damaligen Frau, welches zur Scheidung führte, Ausdruck ihrer Verzweiflung war. Nach der Ablehnung, sich als Vertreter der Technischen Universität Karl-Marx-Stadt hinter die fragwürdige Dissertation B dieses „Hochkarätigen“ zu stellen, wurde sie als seine Frau in ihrer hervorgehobenen beruflichen Position von der Stasi erpresst. Nach der Wende nahm sie sich das Leben.

Diese Feststellungen veranlassten Ludwig, wie er sich in den folgenden Ausführungen nennt, zur schonungslosen Aufzeichnung seines Lebens im Überwachungsstaat und der nach der Wende folgenden Ernüchterung im einst so begehrten demokratischen Rechtsstaat.

Seit seinem 18. Lebensjahr beeinflussten und prägten sein Leben Handlungen von Menschen, die sich der SED und ihrem „Schild und Schwert“, der Stasi, verschrieben hatten. Oft waren es Menschen, die das Leben der Bürger in der DDR in ihrem Sinne bestimmten und die ihre Möglichkeiten, wie der „Hochkarätige“, mitunter auch zum Eigennutz missbrauchten.

Es ist eine bittere Erkenntnis, dass heute die Schlimmsten von ihnen in einem Staat, der sich als „Demokratischer Rechtsstaat“ ausgibt, bessergestellt werden als diejenigen, die sich nicht vereinnahmen ließen. Dabei beruft man sich meist auf Gesetze.

Doch wer hat diese Gesetze geschaffen? Unter der Ägide welcher Partei sind sie entstanden?

Oder war hier ein Überirdischer am Werk?

Es ist ein für einen Rechtsstaat höchst unredliches Spielchen.

I Das Leben im Überwachungsstaat

1 Im Blickfeld der „Firma“

1.1 Der beharrliche Türsteher und seine unerfreulichen Parteigenossen

Kaum hatte Ludwig das 18. Lebensjahr vollendet, stand Hugo Hummel vor der Wohnungstür seiner Eltern. Immer wieder. Für besondere Aufgaben im Staatsdienst wollte er ihn werben: „Zunächst eine kurze militärische Grundausbildung, danach Einsatz mit großartigen Entwicklungsmöglichkeiten.“

Er war der Onkel eines Schulfreundes, den Ludwig oft mit nach Hause nahm, als dessen Mutter gestorben war und der Vater kriegsdienstverpflichtet Militärtransporte im Osten zu leiten hatte. Der Schulfreund wurde von Verwandten notdürftig „über Wasser“ gehalten. „Bring ihn mit. Wo vier Kinder sind, hat auch ein fünftes Platz“, sagte Ludwigs Mutter.

„Warum ich?“, überlegte er.

War es die Anteilnahme für den Neffen dieses Herrn in den letzten Kriegsmonaten weshalb man mich wollte?“

„War es die aktive Tätigkeit in der Antifa-Jugend und in der neu gegründeten FDJ, die die im Aufbau befindliche Staatssicherheit auf mich aufmerksam machte?“

„Oder waren es die Zeitungsartikel, in denen wiederholt über meine Achtungserfolge als junges Schachtalent berichtet wurde?“

Das Schachspiel hatte Ludwig mit 13 Jahren in der Zeit der ständigen Fliegeralarme kennengelernt. Der Unterricht fiel oft aus und die Schüler hatten Langeweile. Die Jungs vertrieben sich die Zeit meist mit dem Skatspiel. Der Klassenlehrer, der als Objektverantwortlicher in dieser Zeit andere Aufgaben zu erfüllen hatte, war damit nicht einverstanden. Er zog alle Skatkarten ein und übergab sie dem Heizer der Schule. Dieser hatte in den nächsten Wochen viele fleißige Helfer beim Einschaufeln des angelieferten Kokses − und die Klasse ihre Skatkarten zurück.

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