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Anja und Leonhardt telefonieren einmal miteinander und sehen sich einmal. Schon beginnt ein phantasievoller, monatelanger Schlagabtausch. Und trotzdem sie sich nie wieder sehen, können sie nicht aufhören, immer wieder den Kontakt des Anderen zu suchen. Werden sie voneinander loskommen oder tatsächlich zueinander finden?
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Seitenzahl: 197
Veröffentlichungsjahr: 2021
ALEXANDRA EDAM
***
NIE BERÜHRT
© 2021 Alexandra Edam
Verlag und Druck:
tredition GmbH, Halenreie 40-44, 22359 Hamburg
ISBN
Paperback:
978-3-347-32361-2
Hardcover:
978-3-347-32362-9
e-Book:
978-3-347-32363-6
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PROLOG
06. April
12. Mai
17. Mai
4. Juni
5. Juni
9. Juni
12. Juni
23. Juni
03. Juli
6. Juli
14. Juli
15. Juli
16. Juli
22. Juli
27. Juli
29. Juli
31. Juli
2. August
3. August
10. August
12. August
13. August
17. August
31. August
08. September
06. November
24. November
26. November
27. November
1. Dezember
11. Dezember
16. Dezember
17. Dezember
18. Dezember
21. Dezember
24. Dezember
31. Dezember
2. Februar
3. Februar
5. Februar
10. Februar
16.Februar
6. Februar
7. März
11. März
12. März
13. März
15. März
16. März
24. März
EPILOG
Irgendwann im Mai
Irgendwann im nächsten Jahr
PROLOG
Der kostbarste Besitz einer Frau, ist die Phantasie des Mannes.
Beate Uhse
Alle Dinge auf dieser Welt haben ihren Grund, Niemandem begegnet man ohne Grund.
06. April
Anja
Und schon wieder sitzen sie neben mir. Sagen mir wieder, dass ich mich endlich entscheiden soll. Ich sehe so unglücklich aus. Was das soll? Und wieder kommt mein Gedankenkarussell ins Drehen, ich nicht zur Ruhe. Habe Angst davor, eine Entscheidung für meine beiden Mädels und mich zu fällen.
Soll ich wirklich gehen? Wieso sehen Kinder die Situation klarer als ich?
So eindeutig, es lässt ja nicht einmal eine Alternative zu.
Ich gebe zu, dass ich mich mit dem Gedanken auszuziehen schon beschäftigt habe. Nachdem mir erklärt wurde, dass ich ruhig verschwinden kann und Geld dalassen kann und dass die Kinder mitkommen können oder dableiben, das wäre ja egal.
Nur leider haben Cora und Fabienne das mitgehört. Eine Aussage, die ihnen nachhaltig weh getan hat und das ist eigentlich das, was auch mir am meisten weh getan hat und die Entscheidung befeuert hat.
Im Internet habe ich schonmal nachgeschaut, was es denn so an Wohnungen gibt, die Katzen müssen ja mit und deshalb wäre ein kleiner Garten ganz praktisch.
Das Haus, was mir sofort gefallen hat, war das grüne Doppelhaus in Marberg.
Das haben wir uns dann auch Mitte April angeschaut. Wunderschön: hell, lichtdurchflutet, großer Garten, aber erst zu Anfang August bezugsfertig.
Ende April habe ich den Mietvertrag unterschrieben.
Am 11. Mai haben wir uns beim Vermieter wegen Erstbezug Türen, Fliesen, Böden etc. aussuchen dürfen. Weiße Türen wollte Cora, einig waren wir uns auch schnell bei den Fliesen. Der Fußboden hat etwas länger gedauert und wurde dann grau. Dann noch die Küche im Küchenstudio aussuchen, das hat echt Spaß gemacht.
Dazu gabs eine Liste mit den Namen der Handwerker, die er vertraglich gebunden hat und die ich wegen Abstimmung der Termine anrufen sollte.
12. Mai
Anja
Dann will ich mal anfangen, die Handwerker anzurufen, so wie Herr Schneider das empfohlen hat.
Anfangen werde ich, klar, oben, beim Malermeister, Leonhardt Reller.
Habe direkt angerufen, war nett, alles klar, wir verständigen uns auf kurzem Wege, wenn es dann soweit ist.
Hr. Zeiger, der Bauleiter, als Nächster. Och, das hat alles noch Zeit, es reicht, wenn wir uns Anfang Juli zu den Tapeten abstimmen. Alles klar, schade, solange noch. Der ist ja die Ruhe in Person.
Leonhardt
Anruf, unbekannte Nummer. Aha, eine Frau Marisch, sie zieht nach Marberg und will mit mir Tapeten abstimmen. Echt angenehme Stimme, die Frau. Mal sehen, wie sie so drauf ist. Aber ich glaube, das hat noch Zeit, bis es soweit ist.
Gleich mal die Nummer speichern, ach, sie hat ja noch eine Nachricht geschickt. Okay, das mit der Tapete hat noch Zeit, habe ich mir doch gedacht.
17. Mai
Leonhardt
Mal Statusbilder anschauen. Ach, Anja Marisch, das war doch die, die nach Marberg ziehen will. Was postet die denn?
Biathlon, aha, ist doch eigentlich was ganz anderes, die hat wohl Humor? 10 km laufen und 20 km Radfahren. Wie ist die denn drauf?
Da fällt mir direkt auf, dass ich so gar keinen Sport mache, wann auch, sollte ich aber und es täte mir bestimmt gut, mal etwas Bewegung bei dem ganzen Stress.
Eine Runde Laufen mit Anja Marisch, netter Gedanke.
Das muss ich doch gleich mal kommentieren. Und sie hat sogar geantwortet, bringt sie nicht an ihre Leistungsgrenze, aha, na so jung ist sie ja auch nicht mehr für so ein Programm. Klingt ja spannend. Mal sehen, wie das weiter geht.
Anja
Da antwortet der Malermeister auf mein Statusbild: ich war 10 km gelaufen und dann 20 km Fahrrad gefahren und er meinte so, dass ich verrückt wäre. Was ist das denn für Einer, der soll meine Tapete an die Wände bringen. Mehr nicht. Hab höflich geantwortet, daraus entspann sich dann eine kleine Kommunikation. In dessen kurzem Verlauf haben wir dann über Sinn von verrückten Aktivitäten und wie denn Menschen allgemein zu sowas stehen, geschrieben.
Warum tut er das? Langeweile? Laut seinem Profilbild hat er ein kleines Kind, vielleicht 4 oder so. Dann hat er sicher ne Frau dazu. Dazu selbständig, sicher mit ein paar Angestellten. Da hat man doch eher niemals Langeweile. Warum schreibt er mir dann? Das macht man doch nur, wenn man Zerstreuung irgendeiner Art sucht. Aber langweilig ist es einem Selbständigen doch nie. Komische Sache.
04. Juni
Leonhardt
Schon wieder diese Anja Marisch. Was postet sie denn nun schon wieder?
„Wenn man morgens statt zur Arbeit gleich ans Meer fährt geht es eigentlich.“
Da hat sie schon mal recht. Aha, sie fährt an die Ostsee. Mit wem sie da wohl hinfährt? Da würde ich auch mitfahren. Ein paar Tage ausspannen täte mir auch gut. Bin schon bissel neidisch. Die hat es gut.
Und sie tankt am besten auf, an immer mal einem Wochenende. Ja, das stimmt, das ist auch genau meins, wenn ich bloß mehr Zeit dafür hätte.
3 Wochen am Stück schafft sie auch nicht, aha, ist ja auch nicht das Wahre.
Morgen will sie mich anrufen, na klar doch. Freue ich mich drauf, die ist interessant.
Anja
Da antwortet der Malermeister mir schon wieder auf mein Statusbild, dass ich in 8 Tagen an die Ostsee fahre. Wenn sie nichts zu verlieren haben, auf jeden Fall mitnehmen.
Was denn nun schon wieder? Hab ihm dennoch geantwortet, irgendwie ist es interessant, wenn einfach ein relativ Unbekannter antwortet. Und was tue ich damit schon. Es entspann sich ein nettes Geplänkel über positive und negative Erfahrungen im Leben und dass die negativen doch den höheren Lerneffekt hätten. Das stimmt auf jeden Fall.
Und 3 Wochen Urlaub am Stück würde er auch nicht aushalten und unausstehlich werden, na wer nicht, wenn man solange zur Ruhe verdammt werden soll.
Genau mein Stil, der wird immer interessanter und verschafft mir irgendwie Spaß.
Das tut mir gerade gut.
Aha, ein Philosoph also, das wird ja gerade interessant. Männer, die so tiefgründig sind, stehen ja auf meiner Beliebheits-Liste ganz oben.
Dann schrieb er noch: …kleine Ausreißer sind auch mein Lebenselixier. Gedanken und Träume beleben unseren Körper und lassen uns spüren „wir leben noch“ …wer beides nicht mehr hat tut mir leid.
Stopp! Bitte was? Spätestens jetzt hast Du meine volle Aufmerksamkeit. Wer bist Du? Wie kann ein Mann denn so schön Schreiben. Ist das sein Repertoire im Umgang mit seinen Kundinnen? Das und nur so etwas ist es, was in mir Interesse an einem Mann auslösen kann. Vermutlich ist er sich seiner Worte sehr bewusst.
05. Juni
Anja
Hab gestern noch um ein Telefonat gebeten. Schon mal ein Bild von der schönen blauen Tapete geschickt. Haben dann kurz telefoniert, war sehr angenehm, mit ihm zu sprechen.
Soll ihm dann noch die Nummer meiner Tapete schicken. Habe ich dann gemacht und ihm geschrieben, dass ich sie schon bestellt habe.
Schrieb er zurück: „Frauen…können einfach nicht abwarten.“ Ganz schön flirty drauf, der Typ.
Natürlich können wir nicht abwarten, zumindest habe ich nicht soviel Zeit um ewig über etwas zu philosophieren, was ich sowieso haben will.
Ich habe dann geschrieben, dass ich alles andere kann, also vielleicht.
Kam zurück: naaaaaa maaaal schauen…
Leonhardt
Was kommt denn da? Aha, Fr. Marischs Tapete. Die sieht aber echt gut aus. Hat Geschmack die Frau. Mal sehen, was sie will, wenn sie anruft.
Haben gerade telefoniert. Wow, hat die eine Stimme. Hätte gern noch länger mit ihr telefoniert, aber bestimmt nicht über Tapete. Aber natürlich habe ich schon den nächsten Termin und musste sie leider abwimmeln.
09. Juni
Leonhardt
Ah, Frau Marisch hat wieder was im Status, gleich mal schauen: „Je älter wir werden, desto kleiner werden unsere Wunschzettel. Denn die Dinge, die wir uns wirklich wünschen, kann man nicht kaufen.“
Also das ist mal echt wahr. Ich habe auch einen großen Wunsch: Zeit, endlich mal Zeit haben.
Das schreib ich gleich mal: „Wunschzettel – ZEIT!!!
Was? Sie schreibt: „Ja, ja, ja…Woher wissen Sie das? Oder war es Ihr Wunsch?“
Sehr witzig, ICH brauche diese Zeit, sie fährt ja schon an die Ostsee. Beneidenswert, so ist das eben, wenn man angestellt ist, bei mir wäre es der pure Luxus: Freitag los und das Wochenende genießen. Da wäre mir schon fast egal, wo es hin geht. Eigentlich bin ich ja eher der Wanderer, aber Ostsee ließe ich mir auch einmal gefallen.
Anja
Da hat doch der Malermeister schon wieder reagiert und schrieb: Wunschzettel - ZEIT !!!
Okay, kannst Du haben, jetzt drehe ich es mal um. Dann habe ich geschrieben: Ja, ja, ja…woher wissen Sie das, oder war es Ihr Wunschzettel?
Klar weiß ich, dass es sein Wunschzettel war, aber bisschen Spaß muss sein. Dann haben wir vermutlich den Gleichen. Und dass, laut Herrn Reller wohl wie so viele und dass ich es guthabe. Ja, das stimmt und es wird höchste Zeit für eine Auszeit bei mir. Bloß gut, dass kaum jemand weiß, dass ich vorhabe, allein zu fahren. Das wäre ein Theater und schon wären wir zu viert unterwegs. Ich brauche einfach ein paar Tage nur für mich. Und das habe ich noch nie gemacht. Wieder etwas aus der Kategorie: Dinge, die ich schon immer mal tun wollte!
Ich habe geschrieben, dass ich mich mit meiner Vorfreude grad sehr, sehr gut fühle und ihn gefragt, wie er es damit hält? Und er meinte, dass Vorfreude doch die schönste Freude ist und dass das Leuchten der Augen bei der Erfüllung…einmalig ist. Na die Augen bei ihm würde ich ja zu gern mal in so einer Situation sehen. Dann habe ich ihm noch geschrieben, dass er sich Freitagmittag meine leuchtenden Augen vorstellen kann, denn dann bin ich schon da.
Leonhardt
Freitagmittag soll ich mir die leuchtenden Augen von Frau Marisch vorstellen, da ist sie schon an der Ostsee.
Und ich antworte: „…wenn Ihre Augen dann so Leuchten wie Ihre Stimme klingt, daaaann kann ich mir das sehr gut vorstellen!“
Ob ich da grad etwas zu weitgegangen bin? Mal sehen wie sie reagiert. Sie hat aber auch eine schöne Stimme. Wie die wohlklingt, wenn sie mir einen guten Morgen wünschen würde, neben mir, ganz dicht und nackt?
Sie schreibt nur „Dankeschön!“ Echt? Da kann eine Frau einfach mal nur Dankeschön sagen und nicht gleich entrüstet zurückschreiben, was mir denn einfällt, na das gefällt mir ja.
Dann schickt sie mir noch ein Bild von einer kleinen Gasse und schreibt dazu: „…nicht einmal Italien und trotzdem so traumhaft schön!“ Das stimmt und dort wäre ich jetzt gern. Ich schreibe ihr: „…jetzt dort sitzen mit einem leckeren Teller Pasta und einem schönen Chardonnay!“ Das wäre echt schön. Das schöne Wetter genießen, großartige Gespräche, die Gegend anschauen. Einfach nur schön. Dann meint Frau Marisch noch so, dass ich es zu verstehen scheine, was sie mit den kleinen Auszeiten und dem Schönen meint. Klar verstehe ich das. Wenn ich mir diese Auszeiten nicht nehme, gehe ich hier kaputt, obwohl ich eigentlich noch jung bin. Aber das Schöne genießen ist eine meiner liebsten Übungen. Wenn ich nur Zeit dafür hätte und schon bin ich zurück beim Wunschzettel – ZEIT!
Anja
Hui, das war ja fast mehr als „charming“ mit dem „…wenn meine Augen dann so Leuchten wie meine Stimme klingt…“.
Als er zu dem Bild aus Neuhaus noch das mit der Pasta und dem Chardonnay schrieb, war ich endgültig überwältigt und hatte direkt Hunger und Durst auf Beides.
Ich habe dann noch spät geantwortet, aber da kam dann nichts mehr.
12. Juni
Leonhardt
Ach ja, Frau Marisch ist ja an der Ostsee. Und da liegt sie am Ostseestrand und liest. Welch ein Luxus. Das könnte ich auch grad gebrauchen. Sehen die Brüste nur so groß aus oder sind sie es auch?
Dann werde ich ihr mal viele schöne Stunden wünschen und liebe Grüße natürlich.
Sie schickt mir ein Bild von einer Flasche Chardonnay. Ostseestrand, rauschende Anja, ein schöner Wein, ja, so lässt es sich genießen. Das könnte ich jetzt auch gebrauchen.
Anja
Herr Reller schon wieder. Er wünscht mir viele schöne Stunden. Auch wieder etwas, was ich noch nie gemacht habe. Heute sage ich darüber, dass ich das mindestens jedes Jahr einmal machen werde. Ich habe noch nie 5 Stunden irgendwo gelegen, in Ruhe gelesen, hatte Gesellschaft, wenn ich drauf Lust hatte, musste mich nach wirklich, wirklich Niemandem richten. Und das ganz 2 Tage lang. Glauben Sie mir, Herr Reller, ich lerne langsam zu genießen, was mir das Leben schenkt.
23. Juni
Anja
Heute habe ich die Tapete bei Hammer geholt. Die sieht echt schön aus. Seidentapete, dunkelblau mit grau und einem wunderschönen Motiv. Wieder ein Traum, den ich mir erfülle. Die kommt an die Schräge in meinem Zimmer und dann könnten die anderen Wände so richtig dunkel werden, dazu weiße Möbel. Das wird schön, ich fange langsam an mich zu freuen.
Werde mal dem Herrn Reller schreiben, ob er eine Idee für die Wohnzimmerwand hat. So mit der Chesterfield Couch davor. Noch so ein Traum, eine Chesterfield Couch, ich finde dieses Muster so edel, mal sehen wie sie in echt aussieht. Leider kommt die Couch erst Mitte August, aber dann habe ich noch etwas Vorfreude.
Leonhardt
Oh, am späten Abend noch eine Nachricht von Frau Marisch. Ob ich eine Idee habe, wie eine Wand in ihrem Wohnzimmer gestaltet werden könnte. Die ist aber ungeduldig. Aber die Couch ist ja wirklich schön, das Muster mit dieser antiken Steppung finde ich auch klasse, na mal schauen was mir einfällt. Aha, und sie wollte mich nicht so überfallen, na das geht mit mir eh nicht. Dann kann ich ihr ja gleich mal schreiben, dass sie letztens in meiner kleinen neuen Heimat war. Hab ihren Status gesehen, irgendwas haben sie da gefeiert, sah aus wie Schulabschluss.
Anja
Gut, Herr Reller lässt sich also nicht überfallen, gut so, deshalb habe ich ja ausreichend vorher geschrieben, weil ich ihn ja nicht unter Druck setzen wollte.
03. Juli
Anja
Nicht einmal mehr ein Monat, dann ziehe ich aus. Und hoffe, dass ich dann zur Ruhe komme. So einen Schritt zu gehen, niemals hätte ich gedacht, dass mir das passiert. Normalerweise findet man sich doch in meinem Alter mit den Gegebenheiten ab und hält einfach aus. Aber was ist bei mir schon normalerweise. Nur, zugetraut hätte ich es mir selbst nicht.
Jetzt muss ich doch mal den Herrn Reller fragen, wann es mit dem Tapezieren los geht. Herr Zeiger meinte ja im Juli. Juli ist jetzt. Also frag ich mal nach.
06. Juli
Leonhardt
Ach, ich sollte vielleicht noch Frau Marisch antworten, wann es bei ihr losgeht. Ihre Doppelhaushälfte ist als Nächstes dran. Mal sehen, was sie für Sonderwünsche hat. Die Couch sah ja super aus, da wollte sie ja auch noch, dass ich ihr eine Idee unterbreite, wie die Wohnzimmerwand aussehen könnte. Dann werde ich ihr mal schreiben, dass ich noch im Urlaub bin und dass es ab 13. Juli bei ihr losgeht.
Anja
Jetzt hat Herr Reller geantwortet. Ach, im Urlaub ist er, na das muss ja auch sein. In Saalbach-Hinterglemm, das ist doch auch ein Skigebiet in Österreich. Da wäre ich jetzt auch gern. Wandern, die Natur genießen, stundenlang die Berge anschauen, vielleicht mit einem schönen Glas Wein an einem kleinen plätschernden Bächlein. Das werde ich alles machen, egal mit wem. Ich darf ja eh nicht mehr allein wegfahren. War das ein Theater, als meine Freunde erfahren haben, dass ich allein an der Ostsee war. Aber allein im Sinne von einsam war ich zu keinem Zeitpunkt. Aber ich hatte meine Ruhe als ich sie wollte und die habe ich auch dringend gebraucht. Und Gesellschaft, wenn ich sie wollte. Ich habe viele Menschen kennen gelernt. Sollte ich viel öfter machen. Das nächste Mal fahre ich aber erstmal mit Fabienne und Cora. Die haben zwar keine Lust, aber wenn sie erstmal weg sind, kann man sie ja meistens und trotz Pubertät für alles begeistern.
Aber das wird dieses Jahr nichts. Muss ja schließlich für die Mädels und mich die Wohnung einrichten, das wird teuer genug werden. Dafür das mir immer vorgeworfen wurde, dass ich das Geld nur so aus dem Fenster werfe und den Mädels alles kaufen würde, ist aber genug gespart.
Okay, ab 13. Juli geht es in unserer Doppelhaushälfte los. Da werde ich ihn dann sehen, bin ja gespannt, was für ein Typ das ist. Ich schätze mal so Typ Mister Charming, immer flirty drauf.
14. Juli
Anja
Eine Sprachnachricht von Herrn Reller. Mal sehen, was er für eine Stimme hat. Aha, sie sind schon bei uns am Arbeiten und er will wissen, wo er überall Rauhfaser tapezieren kann. Na, das kann ich doch sofort beantworten. Nur Fabienne und ich wollen Farbe im Zimmer, Cora konnte sich nicht entscheiden.
Wir verabreden uns für morgen 10 Uhr.
15. Juli
Anja
Heute werde ich den flirty Malermeister kennenlernen, um 10 Uhr treffen wir uns im Haus. Da bin ich ja auf das echte Exemplar gespannt.
Leonhardt
Um 10 Uhr werde ich diese Frau Marisch das erste Mal sehen. Bin ja gespannt, wie sie in echt aussieht und was sie so für Wünsche hat.
Anja
Da sind wir. Unfassbar, dass es in 2 Wochen so weit sein soll. Und wie sie das alles noch schaffen wollen, ist mir ein Rätsel. Da sind wir schon. Und da ist Herr Reller. Ich gebe ihm die Hand und es trifft mich wie ein Blitzschlag. Das ist mir auch noch nicht passiert. So gut sieht er ja nun auch nicht aus, dass ich gleich elektrisiert sein müsste. Aber das ist es nicht. Optisch kann ein Mann mich sowieso nicht fesseln. Ich glaube, das ist eher das, was ich im Vorfeld über ihn kennengelernt habe. Nur das, was ein Mann sagt und tut kann mich wirklich beeindrucken, eine schöne Hülle allein könnte mich vielleicht begeistern, aber nur kurz. Da braucht es schon etwas mehr.
Hoch darf ich nicht, ist ja nur eine Leiter da und die Versicherung und so. Wenn er wüsste, dass ich Frank schon genötigt hatte und oben war.
Wir holen die Tapete aus der Garage. Charmant ist er und fragt, ob er was tragen soll. Gerne doch, ich mag zuvorkommende Männer und habe ihm das Paket mit der Tapete für mein Zimmer in die Hände gedrückt. Später habe ich Michaela geschrieben. Dass der Maler 12 von 10 möglichen Punkten bekommen hat, weil - toller Typ mit großartigen Ideen. Den Blitzschlag habe ich aber nicht erwähnt.
Leonhardt
Da ist sie also, Frau Marisch. Kommt mit 2 pubertären Mädels, ob die hier allein einzieht? Scheint so, fragen werde ich nicht. Ist ja pflegeleicht, schöne Tapeten hat sie ausgesucht und die Garage ist ja auch schon ganz schön gut gefüllt. Hoch kann ich sie leider nicht lassen. Also müssen wir das so besprechen. Sie soll mir noch die Küche als Bild schicken und wo sie sie bestellt hat, dann fahre ich da hin und nehme die Farben ab, damit ich weiß, welche Farbe passen könnte. Und dann sehe ich sie nochmal und freue mich drauf.
Dann wollten wir ja noch die Wand im Wohnzimmer abstimmen, ich zeige ihr die Tapete, die ich gut finde. Sie findet sie auch sehr schön.
16. Juli
Leonhardt
Ach, Frau Marisch schreibt, dass sie nur noch morgen Urlaub hat und wir uns nächste Woche ganz früh oder ganz spät treffen müssen. Na klar, dass bekommen wir schon hin, nur leider schaffe ich es morgen nicht. Ach ja, von der Tapete für ihr Wohnzimmer wollte ich ja noch ein Bild schicken.
22. Juli
Anja
Wieder eine Sprachnachricht von Herrn Reller, er entschuldigt sich, dass er sich nicht mehr gemeldet hat, hatte so viel Stress. Aber er hat alles so vorbereitet, dass morgen der Kühlschrank und Freitag die Küche kommen kann. Freitag sollen auch die Schrägen in den oberen Zimmern tapeziert werden. Er hat mir nun die Tapeten für das Wohnzimmer geschickt. Der Mann versteht sein Handwerk aber. Auf den ersten Blick scheinbar nichts Besonderes, aber man muss ja immer genau hinschauen. Dieses sehr helle grau, was er mir empfohlen hat, finde ich auch Klasse. Jetzt muss er mir noch sagen, was das Ganze kosten soll, aber ich weiß schon, dass ich mir auch diesen Traum erfüllen werde. Fabienne wollte auch noch wissen, welche Farbe in ihr Zimmer könnte. Er schaut später und schreibt mir, dass er sie morgen in Ruhe aussuchen wird. Schreibt dann aber sofort „schwarz“. Na klar, ein Scherz, findet Fabienne bestimmt toll. Ich schreibe ihm, dass Fabienne sich freut, er hat den Spaß verstanden.
Leonhardt
Mensch, jetzt muss ich endlich Frau Marisch antworten. Aber ich habe so viel Stress, dass ich manchmal eben Dinge vergesse. Aber es passt ja alles noch von der Zeit her und nervig ist sie ja irgendwie gar nicht. Ich habe ihr meine Idee für die Tapete im Wohnzimmer geschickt. Scheint im ersten Moment nichts Besonderes zu sein, aber die ist echt schön, so mit groben Fasern durchzogen, wenn das von einer Stehlampe angeleuchtet wird, sieht es bestimmt ganz toll aus. Sie fragt mich, welche ich ihr empfehlen würde. Also ich hätte die Helle genommen. Ist auch ihr erster Impuls, sie will noch den Preis wissen. Muss ich aber erst schauen, werde ich ihr dann schicken.
27. Juli
Anja
So, jetzt müssten wir aber irgendwann schonmal die Tapetenfarbe abstimmen, ich schreibe mal Herrn Reller. Bestimmt hat er wieder Stress. Er ruft an, könnte in einer halben Stunde da sein. Prima, wir sind auch gleich im Rewe fertig, dann eben nochmal durch die Stadt, das schaffen wir.
Leonhardt
Jetzt habe ich doch schon wieder Frau Marisch vergessen, wir wollten doch noch die Farben oben abstimmen. Ich rufe gleich mal durch, so in einer halben Stunde hätte ich Zeit. Perfekt, das passt auch bei Frau Marisch. Na dann drehe ich mal um und fahre nach Marberg.
Anja
Heute darf ich die Leiter hoch, irgendwie müssten wir ja mal an der Wand die Farbe sehen und abstimmen. Sehr charmant der Herr Reller, er reicht mir die Hand, hilft mir hoch, so etwas mag ich ja ganz besonders. Ich sage auch nicht, dass ich das schon allein schaffe. Klar könnte ich, aber wenn einem so etwas Charmantes passiert, einfach mal annehmen und bedanken.
Leonhardt
Oh, mal eine Frau, die sich die Leiter hoch helfen lässt. Heute können Frauen ja alles allein und Mann darf einfach nicht mehr Mann sein.
Schön, wie mein Frank die Tapete klebt. Seht jetzt schon gut aus. Dann wollen wir mal schauen, ob sich Frau Marisch traut, mal richtig mit Farbe zu spielen.
Anja
