Nights of Surrender - Shelly Bell - E-Book
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Nights of Surrender E-Book

Shelly Bell

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Beschreibung

Eine dunkle Vergangenheit, geheime Wünsche und eine verbotene Liebe

Bevor Tristan für einen neuen Job als Wirtschaftsprofessor in eine andere Stadt zieht, will er noch ein letztes Abenteuer ohne Verpflichtungen erleben. Doch was er stattdessen auf der Play-Party seines besten Freundes findet, ist eine unschuldige junge Frau, die ihn fast von seinen Plänen abbringt.
Isabella will etwas Neues ausprobieren und sich nicht länger von den schlimmen Erfahrungen ihrer Vergangenheit einschränken lassen. Als sie zum ersten Mal eine Play-Party besucht, trifft sie dort auf Tristan. Der ist zwar ein vollkommen Fremder, aber sie fühlt, dass sie ihm vertrauen kann, und in dieser einen Nacht verliert sie all ihre Hemmungen.
Die beiden müssen jedoch feststellen, dass sie sich schneller wiedersehen als gedacht. Denn schon ein paar Wochen später treffen sie sich an der Uni wieder. Nur ist Tristan Isabellas neuer Professor ...

"Ich war von diesem Buch von der ersten Seite an gefesselt. Es hat mich in seinen Bann gezogen und mich bis zur letzten sexy Seite nicht losgelassen. Dieses Buch hatte einige der heißesten Szenen, die ich je gelesen habe." NEW-YORK-TIMES-Bestseller-Autorin ALESSANDRA TORRE

Band 1 der FORBIDDEN-LOVERS-Reihe

Dieser Roman ist in einer früheren Ausgabe bereits bei LYX.digital unter dem Titel FESSELNDES VERLANGEN - FORBIDDEN LOVERS erschienen.

Das E-Book können Sie in Legimi-Apps oder einer beliebigen App lesen, die das folgende Format unterstützen:

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Seitenzahl: 418

Veröffentlichungsjahr: 2020

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Inhalt

TitelZu diesem BuchWidmungProlog123456789101112131415161718192021222324252627282930EpilogDanksagungÜber die AutorinDie Romane von Shelly Bell bei LYXImpressum

SHELLY BELL

Nights of Surrender

Roman

Ins Deutsche übertragen von Mara Hoffmann

Zu diesem Buch

Eine dunkle Vergangenheit, geheime Wünsche und eine verbotene Liebe

Bevor Tristan für einen neuen Job als Wirtschaftsprofessor in eine andere Stadt zieht, will er noch ein letztes erotisches Abenteuer ohne Verpflichtungen erleben. Doch was er stattdessen auf der Playparty seines besten Freundes findet, ist eine unschuldige junge Frau, die ihn fast von seinen Plänen abbringt. Isabella will etwas Neues ausprobieren und sich nicht länger von den schlimmen Erfahrungen ihrer Vergangenheit einschränken lassen. Als sie zum ersten Mal eine Playparty besucht, trifft sie dort auf Tristan. Der ist zwar ein vollkommen Fremder, aber sie fühlt, dass sie ihm vertrauen kann, und in dieser einen Nacht verliert sie all ihre Hemmungen.Die beiden müssen jedoch feststellen, dass ihre gemeinsame Nacht, nicht wie gedacht, ihr letztes Treffen war. Denn schon ein paar Wochen später treffen sie sich an der Uni wieder. Nur ist Tristan Isabellas neuer Professor …

Für Melanie

Meine beste Kritikerin, Erstleserin, meine beste Freundin. Du bist mein Fels in der Brandung. Denk dran, wo auch immer ich wohne, ich bin nur einen Anruf weit entfernt.

Prolog

Achtzehn Monate zuvor …

Isabella kam nur langsam zu Bewusstsein, es dämmerte in ihr herauf wie das erste Licht am Morgen. In ihren Schläfen pochte es beständig, und Schmerz lag um ihren Kopf wie eine Schlinge, die sich um einen Hals zuzog. Sie versuchte zu schlucken, aber ihre Kehle verweigerte sich.

Aber sie konnte noch atmen, was hieß, dass sie nicht tot war.

Noch nicht.

Doch der Tod fühlte sich zu nah an, hing über ihr wie die Schneide einer Guillotine.

Warum konnte sie sich nicht bewegen?

Ihre Augen wollten sich nicht öffnen. Nein. Sie konnte sie nicht öffnen, als wären sie mit irgendetwas zugeklebt. Ihr Herz hämmerte abgehackt in ihrer Brust, Panik stieg in ihr auf.

Irgendetwas war falsch.

Da war etwas, an das sie sich erinnern sollte …

»Schsch, Izzy.« Jemand tätschelte ihr sanft den Kopf, so wie früher ihr Vater es tat, wenn sie schlecht geträumt hatte. »Kein Grund zu weinen. Ich bin ja hier.«

Weinte sie?

Die sanfte Stimme, süß wie ein Schlaflied, brachte ihren Puls zum Rasen. Sie fühlte sich, als stecke sie fest zwischen Schlaf und Erwachen, unfähig, dem Albtraum zu entkommen, der sie verfolgte. Diese Stimme war so quälend vertraut. Einst hatte sie sie so gern gehört. Dann hatte sie ihr nur noch Tränen gebracht. Jetzt weckte sie etwas anderes in ihr …

Angst.

Die Erinnerungen an die letzten Wochen explodierten in ihr.

Sie erinnerte sich.

Sie erinnerte sich an alles …

An alles, nur nicht daran, wie sie hierhergekommen war.

An die Trennung. An Hunderte Anrufe und SMS, die sie danach bekommen hatte.

»Lass mich in Ruhe«, sagte sie.

»Ich weiß nicht wie«, antwortete er mit Tränen in den Augen.

»Dann tu so, als sei ich tot.«

Worte hatten Macht, nicht wahr? Sobald sie die Worte herausgeschleudert hatte, war ihr klar gewesen, dass sie nicht ohne Folgen bleiben würden.

Sie richtete all ihre Kraft darauf, die Augenlider zu öffnen. Wenn ihr das nicht bald gelang, würde sie vielleicht nie wieder die Chance dazu haben. Sie musste dem Jungen, den sie einmal geliebt hatte, in die Augen sehen.

Dem Jungen, der beschlossen hatte, sich ihren Tod nur vorzustellen, genügte nicht.

Das spürte sie in ihren Knochen.

Er wollte es Realität werden lassen.

Sie bekam die Augen auf. Das Licht der untergehenden Sonne schien durchs Fenster herein, hüllte ihren Entführer ein. Er blickte mit größter Zuneigung auf sie hinab, während er das Fleischermesser an ihre Kehle hielt. »Hallo, meine Schöne. Ich habe dich vermisst, als du geschlafen hast.« Er beugte sich zu ihr, drückte die Lippen auf ihre, gab ihr einen langen, schlichten Kuss, bei dem ihr übel wurde. »Ich dachte schon, ich hätte dir zu viel Ketofol gegeben und du würdest nicht rechtzeitig aufwachen.«

Rechtzeitig wofür?

Sie wollte sich bewegen, doch es fühlte sich an, als wäre ihr Körper in Beton gegossen.

Was hatte er ihr angetan?

Ein ängstliches Wimmern entwich ihrer Kehle.

Er hob ihre schlaffe Hand hoch. »Ich habe begriffen, dass du recht hattest. Ich werde niemals ohne dich leben können. Aber das muss ich auch nicht. Ich weiß, wie wir beide für immer zusammen sein können.«

Das Licht funkelte auf der Schneide des Messers, als es durch die staubige Luft schnitt.

Ein stummer Schrei schrillte durch ihren Kopf.

Ohne jede Kontrolle über ihren Körper, ohne Stimme, konnte sie dem Unausweichlichen nicht entkommen.

Sie war ihm ausgeliefert.

Scharfer Schmerz explodierte in ihrem Arm, als das Blut über ihr Handgelenk lief, auf das makellos weiße Laken floss.

Sie wollte nicht sterben.

Doch während die Welt sich um sie drehte und die Sonne abermals verschwand, begriff sie …

Sie hatte keine Wahl.

1

Einen unwahrscheinlicheren Ort für eine Sexparty als dieses Haus im Tudorstil gab es wohl nicht. Auf dem Nachbargrundstück lagen Kinderfahrräder auf dem Rasen, um Himmels willen.

Ihre Cousine Dreama musste ihr eine falsche Adresse gegeben haben.

Isabella Lawton durchwühlte ihre Handtasche, verfluchte die sternenlose Nacht und wünschte sich zum tausendsten Mal, jemand würde eine Handtasche erfinden, bei der sich ein Licht einschaltete, wenn man sie öffnete. Als sie sich endlich zum Boden durchgekramt hatte, fand sie ihr Handy.

Der Bildschirm blieb dunkel.

Natürlich war der Akku leer.

Sie lehnte sich gegen den alten Buick ihres Großvaters und grummelte frustriert vor sich hin. Würde irgendwann einmal irgendetwas nach Plan laufen?

Heute Abend wollte sie auf ihre erste Sexparty gehen. Und voraussichtlich auch ihre letzte. Aber da sie nicht einmal Dreama anrufen konnte, um sie nach der richtigen Adresse zu fragen, war sie aufgeschmissen und konnte ihre Pläne für den Abend wohl abschreiben.

»Was hast du denn an?«, erklang unerwartet Dreamas Stimme.

Überrascht fuhr Isabella herum, presste eine Hand auf die Brust, als müsste sie ihr rasendes Herz davon abhalten hinauszuspringen. Ihre Cousine hatte sie zu Tode erschreckt. Sie blickte an sich hinunter. »Was ich den ganzen Sommer über getragen habe.« Selbst sie gab zu, dass eine schwarze Stretchhose und ein rosa T-Shirt mit dem Logo ihrer Familienbäckerei vermutlich kein Standardoutfit für eine Sexparty war.

Dreama blies einen Rauchring in die feuchte Luft, dann zog sie wieder an ihrer Zigarette. »Das habe ich nicht gemeint. Ich frage mich nur, warum verdammt du das immer noch anhast.«

Den Rauch von sich wegwedelnd hustete Isabella übertrieben. »Ich komme direkt von der Arbeit. Ich hatte keine Zeit zum Umziehen. Außerdem ist bei mir eh alles in Kartons.« Da sie demnächst aufs College gehen würde, hatte sie bereits die meisten ihrer Klamotten eingepackt. »Und Mom wollte ich bestimmt nicht fragen, ob sie mir was leiht. Sie hätte mich ausgefragt, bis ich mit der Wahrheit herausgerückt wäre.« Isabella nahm ihrer Cousine die Zigarette weg, ließ sie auf den Asphalt fallen und trat sie aus. »Oder wäre es dir lieber, ich hätte deiner Tante gesagt, dass du mich zu meiner ersten Sexparty mitnimmst?«

Dreama schüttelte den Kopf und lachte leise. »Genau das hätte mir noch gefehlt: Tante Maria, die mir vorwirft, ihre unschuldige Tochter zu verderben, und die mich in die Kirche zerrt, damit ich meine Sünden beichte.« Sie setzte sich auf die Motorhaube von Isabellas Auto und wühlte in ihrer Handtasche. »Und das ist keine Sexparty, sondern eine Playparty.«

Isabella zog eine Augenbraue hoch, zum einen weil sie verwirrt war, zum anderen wegen der weiteren Delle, die ihre Cousine der Beulensammlung des Autos hinzugefügt hatte. »Da ist ein Unterschied?«

Eine Zigarette zwischen den Fingern strich Dreama mit dem Daumen über ihr Feuerzeug und lächelte. »Ja. Auf einer Playparty ist kein Geschlechtsverkehr erlaubt.«

»Das hast du mir nicht erzählt.«

»Klar hab ich das«, behauptete Dreama und beugte sich vor, um die Zigarette anzuzünden.

Was sollte dann das Ganze hier überhaupt? Keinen Sex konnte sie überall haben. Der Gedanke hinter diesem Partybesuch war schließlich, BDSM in einem relativ sicheren Rahmen zu erleben.

Isabella klaute ihrer Cousine auch diese Zigarette und zertrat sie. »Nein, hast du nicht. Ich bin sicher, an so eine Kleinigkeit wie ›kein Sex auf einer Sexparty‹ würde ich mich erinnern.« Wenn die Party sie anmachen sollte, wie würde sie ohne Sex Befriedigung finden? Ihren Vibrator hatte sie schon in einem der Umzugskartons verstaut.

»Playparty«, wiederholte Dreama und sprang von der Motorhaube. »Und mach dir keine Sorgen. Es gibt andere Wege zum Höhepunkt als Geschlechtsverkehr.« Sie wackelte anzüglich mit den Fingern, lachte und streckte die Zunge raus.

Isabellas Wangen wurden heiß. »Oh.«

Dreama stützte eine Hand auf die Hüfte. »Vielleicht hätte ich dich nicht mitnehmen sollen. Du bist so unschuldig.«

Mit einem Finger fuhr Isabella die rosafarbene Narbe auf ihrem linken Unterarm entlang. Sie hatte immer geglaubt, Unschuld bezöge sich darauf, jungfräulich zu sein. Wie falsch sie damit gelegen hatte. Unschuld war ein Seelenzustand, und den hatte sie auf die harte Tour verloren. Daran würden ihre Narben sie immer erinnern. »Ich bin nicht unschuldig«, sagte sie leise. »Nicht mehr.«

Ihre Cousine gehörte zu den wenigen Menschen, die wussten, was Isabella letztes Jahr passiert war, und so füllten sich ihre Augen mit Mitgefühl. »Nein, ich denke mal, das bist du nicht.« Für einen Moment legte sie die Hände um Isabellas Schultern und sah sie voller Besorgnis an. »Bist du bereit, da reinzugehen und dir das mit eigenen Augen anzusehen, oder willst du lieber irgendwo was trinken gehen? Mir ist beides recht.«

»Wartet dein Dom nicht da drin auf dich?«, fragte Isabella.

Dreama verzog die Lippen zu einem Lächeln. »Master Jamie ist dort, ja, aber er versteht, wenn wir was trinken gehen. Er weiß, dass wir beide uns eine für ganze Weile nicht mehr sehen werden.«

»Ich will reingehen«, sagte sie. Und trotz ihres rasenden Herzens und ihrer schwitzigen Hände wollte sie genau das. »Ich muss das tun. Das weißt du.«

Nachdem Isabella überlebt hatte, was sie und ihre Eltern nur den »Vorfall« nannten, hatte sie jedes Vertrauen in Menschen verloren und insbesondere zu sich selbst. Daher war sie nicht wie geplant aufs College gegangen, sondern hatte sich von ihren Eltern dazu überreden lassen, zu Hause zu bleiben und in der Familienbäckerei mitzuarbeiten. So war ihr Leben in einer Art Pausenzustand geblieben, und sie verbrachte die Tage in der Bäckerei und die Abende entweder bei der Therapie oder daheim, versteckte sich in ihrem Schlafzimmer.

Aber alles hatte sich an dem Abend bei Dreama verändert, als sie deren breit gefächerte Buchsammlung zu BDSM entdeckte.

Nach einem langen Gespräch mit ihrer Cousine entschied Isabella, dass sie mehr über BDSM erfahren wollte und lieh sich ein paar der Bücher aus. Irgendetwas daran zog sie an. Wärme durchströmte ihren Körper, wenn sie sich vorstellte, wie ein Mann ihr bestimmte Regeln vorgab, in dem Wissen, dass es abgesprochene Grenzen gab, die sie beide nicht überschreiten würden. Das Gefühl war ihr so fremd, dass sie es beinah nicht erkannte.

Bis ihr klar wurde, dass es innerer Friede war.

Die beunruhigenden Gefühle, die sie seit der Pubertät in sich trug, bedeuteten also nicht, dass mit ihr etwas nicht stimmte. Auch andere Menschen ergingen sich in Fantasien, gefesselt und bestraft zu werden. Natürlich wurde in ihrer großen italienisch-irisch katholischen Familie über solche Dinge nicht gesprochen. Nein, man erwartete von ihr, ihre Pflicht gegenüber ihrem Ehemann zu erfüllen, die Beine gespreizt, die Augen geschlossen, ohne sich zu beklagen. Ein Ehemann sollte seine Ehefrau nicht ans Bett fesseln und auf jede erdenkliche Art nehmen, während sie »Nein« schrie und sich unter ihm wand und ein ums andere Mal heftig kam.

Die folgenden sechs Monate hatte sie mit der Recherche zu BDSM verbracht und darüber mit ihrer Therapeutin gesprochen. Am Anfang konnte sie nicht verstehen, warum sie dominiert werden wollte oder warum sie sich nach etwas Schmerz bei ihrer Lust sehnte. Hätte ihre Vergangenheit sie von solchem Verlangen nicht abbringen müssen?

Tagelang war sie mit dem Gefühl von Schuld und Scham herumgelaufen, bis sie endlich akzeptieren konnte, dass ihr sexuelles Begehren nichts mit dem zu tun hatte, was ihr zugestoßen war. Ja, sie empfand submissiv. Das bedeutete nicht, dass sie schwach war oder ein Opfer sein wollte.

Jetzt, nachdem sie den achtwöchigen Einführungskurs einer lokalen BDSM-Gruppe hinter sich hatte, war sie bereit für ihr erstes Erlebnis mit einem erfahrenen Dom. Dreama hatte ihr versichert, so gut wie alle Doms auf der Party zu kennen, und da es feste Regeln gab, wäre Isabella vollkommen sicher.

In Isabellas Vorstellung würde es ihr dabei helfen, die Kontrolle über ihr Leben zurückzugewinnen, wenn sie einem Dom die Macht über sie gab. Heute Nacht würde sie sich zurückholen, was sie verloren hatte, und wieder ganz werden. Und verdammt, wenn es so lief, wie sie vermutete, und es sie erregte, sich dominieren zu lassen, dann würde sie auch akzeptieren, dass ihre Sexualität anders funktionierte. Aber es war ihre und sie würde sie annehmen.

»Ja, ich weiß, warum du das brauchst«, entgegnete Dreama. »Aber wenn du eine Kostprobe bekommst, wirst du vielleicht eine bestimmte Vorliebe entwickeln. Dein Leben wird komplizierter werden.«

Isabella zuckte mit den Schultern. Nach heute Nacht würde ihre »Vorliebe« vier Jahre warten müssen, bis sie erneute Kostproben bekäme. Auf dem College würde sie keine Zeit für eine Dom-/Sub-Beziehung haben, selbst wenn sie in der College-Kleinstadt Edison von Michigan Upper Peninsula einen passenden Partner finden würde. »Darüber mache ich mir keine Sorgen, aber danke für die Warnung. Das behalte ich im Kopf.«

Dreama musterte sie und schürzte die Lippen. »Bevor wir reingehen, müssen wir noch was wegen deiner Klamotten unternehmen.«

Gesprochen wie eine echte Modeexpertin. Dreama trug eine ihrer eigenen Kreationen: ein schwarzes Bustier mit metallicblauen Bändern und einem daran befestigten Spitzenröckchen. In Anbetracht ihrer Abendgarderobe würde niemand darauf kommen, dass sie zu Bürozeiten eine zugeknöpfte, stets die Regeln befolgende Bewährungshelferin war.

Doch auch bei allem Talent ihrer Cousine blieb Isabellas Outfit hoffnungslos.

Sie zog ihr T-Shirt straff, präsentierte das Logo der Familienbäckerei. »Falls du nicht was im Auto hast, bin ich mit dem geschlagen, was ich anhabe.«

Dreama musterte sie von oben bis unten und lächelte. »Das bekommen wir hin. Schlüpf mal aus den Ärmeln.« Als Isabella tat wie ihr geheißen, rollte Dreama die Ärmel auf und steckte sie unter den Stoff. »Jetzt zieh deine Hose aus.«

Isabella hob eine Augenbraue. »Bei dem Gedanken an meine erste Playparty warst irgendwie nicht du diejenige, die mir befohlen hat, meine Klamotten auszuziehen.« Kichernd wand sie sich aus ihrer schwarzen Hose und drehte sich im Kreis in nichts als einem zum Kle id verwandelten T-Shirt und weißen Boyshorts. »Was sagst du?«

Ihre Cousine pfiff leise. »Du siehst heiß aus.«

Isabella lachte und hob ihre Hose auf, warf sie auf den Rücksitz ihres Autos, bevor sie es abschloss. »Ich sehe wie eine Stripperin aus.«

»Dann passt du perfekt rein.« Dreama zwinkerte ihr zu und legte einen Arm um Isabellas Schultern, führte sie zur Haustür. »Bereit zu spielen?«

Spielen. Was für ein unverfängliches Wort für diese Dekadenz. War sie wirklich bereit dafür?

Mit einem Lächeln wandte sie sich zu ihrer Cousine. »Verdammt, ja.«

***

Die große Tasche mit den Spielutensilien über eine Schulter gehängt wich Tristan Kelley der blonden Sub Yvette aus, die auf ihn zukam, und ging schnurstracks auf den Ausgang zu. Keine einzige Sub hier verlockte ihn zum Bleiben, und obwohl sich sein Schwanz in letzter Zeit mit seiner eigenen Hand und etwas Gleitgel begnügen musste, hatte heute Abend nichts sein Interesse geweckt.

»Du gehst schon?«, fragte eine belustigte Stimme hinter ihm.

Nur noch wenige Schritte von der Haustür entfernt drehte er sich zu seinem besten Freund und Geschäftspartner Ryder um. »Ich muss noch ein paar Dinge erledigen, bevor ich in den Norden ziehe.«

Solange er noch unsicher gewesen war, die richtige Entscheidung getroffen zu haben, hatte er das Packen bis zur letzten Sekunde aufgeschoben. Aber jetzt, nachdem der Vertrag unterschrieben war, stand sein Entschluss fest.

»Blödsinn, Tristan. Was ist los?«

Er fuhr sich mit einer Hand über den Zweitagebart. »Auf jeder Playparty sehe ich dieselben Singlefrauen, und jede hat mich irgendwann mal wissen lassen, dass sie gerne meine feste Sub wäre. Warum kann ich keine finden, die sich einfach mit ein oder auch zwei Nächten begnügt, ohne mehr zu erwarten?«

Mit seinen achtundzwanzig Jahren suchte er nicht nach einer festen Beziehung, ob vanilla oder mit anderem Interesse. Jede Sub, mit der er dieses Jahr gespielt hatte, glaubte, die eine zu sein, die ihn zähmen würde, aber er hatte diesen ganzen Beziehungsmist schon einmal mitgemacht und das mit grauenhaftem Ausgang. Wegen seiner Exfrau Morgan hatte er alles verloren, was ihm etwas bedeutet hatte. Auf gar keinen Fall würde er sich mit irgendeiner Frau wieder auf etwas Festes einlassen.

»Schau mich nicht so an. Ich bin ganz auf deiner Seite.« Ryder grinste. »Wenigstens muss ich mir bei Maggie darüber keine Gedanken machen. Man muss offene Ehen einfach lieben. Wir Singlemänner streichen alle Vorteile ein, während die armen verheirateten Kerle sich mit dem Alltagsmist herumärgern müssen, der zu einer Beziehung gehört. Wo ich gerade von ihr spreche, ich teile sie gern mit dir. Sie hat bestimmt nichts dagegen.«

Ryders Abneigung gegen feste Bindungen war noch größer als seine eigene, er schlief mit keiner Frau ein zweites Mal. Irgendwann würde Ryder derjenigen begegnen, die ihn vollkommen umhaute, und wenn es so weit war, würde Tristan sich einen Platz in der ersten Reihe sichern.

Tristan schüttelte den Kopf. »Nein, danke. Nicht in Stimmung.«

Ein Dreier war zwar verdammt heiß, und er hatte seine Erfahrungen damit gemacht, aber heute Abend gab es keine Frau hier, die seinen Schwanz aus dem Schlaf wecken konnte.

Außerdem spielte es für ihn keine Rolle, dass Maggie eine offene Ehe führte. Vielleicht lag das an seiner Vergangenheit, aber seiner Meinung nach war Sex mit jemandem außerhalb der Ehe schlicht und einfach Untreue, auch mit dem Einverständnis des Ehepartners. Aber er urteilte nicht über andere, genauso wie er nicht von anderen wegen seiner sexuellen Vorlieben verurteilt werden wollte.

Ryder zuckte mit den Schultern. »Mach, was du willst. Sie wartet im großen Schlafzimmer auf mich.«

»Dachte, du hältst dich an die Kein-Sex-Regel bei deinen Partys.«

»Das ist mein Haus. Wenn ich hier keinen Sex haben kann, wo dann?«, fragte Ryder den Blick auf Yvette geheftet, die noch keine Kerbe in seinem Bettpfosten war. Typisch für seinen besten Freund, seine nächste Eroberung klarzumachen, während eine nackte Frau in seinem Bett auf ihn wartete. Verglichen mit Ryder war Tristan prüde. »Wenn du deine Meinung änderst und doch bleibst, das andere Schlafzimmer steht zur Verfügung. Ebenso wie alle Subs.« Er schnappte sich eine Wasserflasche von der Bar und zwinkerte Yvette zu, bevor er sich wieder Tristan widmete.

»Das ist genau das Problem. Ich will nur eine für eine Nacht. Eine, die ich nicht wiedersehe.«

»Das sollte jetzt ja kein Problem mehr sein, da du diese Woche noch wegziehst.«

»Ist ja nicht für ewig. Und ich werde immer mal wieder in der Stadt sein. Da oben finde ich sicher keine, die auf BDSM steht.« Obwohl er angesichts der Frauen, auf die er in letzter Zeit getroffen war, ernsthaft erwog, ein Jahr lang auf vanilla zu machen. Das konnte unmöglich weniger erfüllend sein.

»Daran hättest du vielleicht denken sollen, bevor du den Job angenommen hast«, sagte Ryder und runzelte die Augenbrauen. »Aber hey, kinky Leute gibt es überall. Und deine ersten BDSM-Erfahrungen hast du schließlich dort gemacht.«

»Ich habe das dumpfe Gefühl, die Chance, in dem Kaff eine zweite Olivia zu finden, ist mehr als gering.« Olivia war vier Jahre älter als er, und sie hatte ihn in diese Welt eingeführt. »Sicher, dass du ohne mich klarkommst?«

Ryder verschränkte die Arme vor der Brust. »Du kannst mir den Laden ruhigen Gewissens überlassen. Ich habe schon meine Leute kontaktiert wegen unserer Expansion in den Südwesten.«

Mist. Ryder und er hatten darüber gesprochen, dass sie Empfehlungen für ihre Produkte brauchten, um deren langfristigen Erfolg zu gewährleisten, bevor sie in andere Gebiete expandierten. »Du machst Witze, oder? Uns fehlt das Kapital, um –« Ryder grinste, und Tristan erkannte, dass er ihm auf den Leim gegangen war. »Du Arsch.«

»Trau mir ein bisschen was zu. Ich würde doch keine so großen Entscheidungen ohne deine Zustimmung treffen.« Ryder gab ihm einen harten Klaps auf den Rücken, bei dem seine Zähne aufeinanderschlugen. »Hab Spaß und tu nichts, was ich nicht auch tun würde.«

Tristan boxte ihn gegen den Arm. »Es gibt nichts, was du nicht tun würdest.«

»Stimmt absolut. Wo wir gerade davon reden, ich gehe besser zu Maggie, bevor sie noch ohne mich anfängt.« Lachend spazierte Ryder davon mit dem Gang eines Mannes, der gleich Sex haben würde.

Tristan hingegen hatte eine Verabredung mit seiner rechten Hand.

Während er sich durch die Menge Richtung Tür schob, kam Dreama herein, eine Sub, die er zwar kannte, aber mit der er noch nie gespielt hatte. Sie lächelte ihm flüchtig zu, achtete darauf, keinen Augenkontakt herzustellen und suchte sich einen Weg Richtung Keller. Sie war süß, aber zwischen ihnen hatte es nie gefunkt, und jetzt war sie in einer festen Dom-/Sub-Beziehung.

Er erspähte die Chance sich hinauszuschleichen, bevor ihn wieder jemand stoppte, und ging zur Tür.

Und da war sie.

Tristan stockte der Atem, als hätte ihm jemand gegen die Brust getreten. Sie war ein Traum in Rosa. Ihr langes rotes Haar floss über ihre Schultern hinab, und ihre blasse Haut bettelte geradezu darum, dass er seine Spuren darauf hinterließ. Er konnte schon den roten Abdruck seiner Hand auf ihrem Hintern sehen und sich genau vorstellen, wie sein Flogger die Haut überall auf ihrem Körper zum Erröten brachte.

Wie etliche der anderen Doms im Raum verfolgte er sie mit seinem Blick, als sie das Haus betrat, die Augen gesenkt. Ihre Unschuld lockte ihn … sie alle. Sie war frisches Blut, ein kleines Lamm, das in eine Höhle voll hungriger Wölfe gestolpert war. Es war nur eine Frage der Zeit, bis sie alle sie umkreisen würden, begierig auf eine Kostprobe.

Jetzt, da seine Neugier von diesem Engel in Rosa geweckt worden war, zögerte er zu gehen. War sie mit Dreama gekommen? Wer zum Teufel war sie?

Er wollte diese Unschuld erobern. Er wollte sie sich unterwerfen, sie vor ihm knien sehen und ihre seidige Haut unter seinen rauen Händen spüren. Wie angewurzelt stand er da, als sie an ihm vorüberging, den Duft nach Vanille hinter sich zurückließ.

Sein Körper pochte vor Erwartung, als würde er sich auf etwas Bedeutsames vorbereiten. Sein Schwanz, der den ganzen Abend über im Winterschlaf verharrt hatte, erwachte plötzlich und drängte sich schmerzhaft gegen seine Hose. Tristan konnte sich nicht erinnern, wann er sich zuletzt so gefühlt hatte. Falls er sich je so gefühlt hatte. Er war so lange wie betäubt gewesen, nichts hatte ihn erregt außer dem gelegentlichen High der Dominanz. Jetzt fühlte sich jeder Teil von ihm lebendig an.

Es gab keinen Grund zu bleiben, doch er konnte sich nicht dazu bringen hinauszugehen. Nicht bevor er mehr über die geheimnisvolle Schöne erfuhr und verstand, warum gerade sie ihn so betörte.

Er lehnte sich an die Wand und beobachtete sie. Die Art, wie sie sich vorsichtig durch das Haus bewegte, machte klar, dass diese Szene neu für sie war. Sie zupfte an ihren Haaren, wand sich eine Strähne um den Finger und zog immer wieder an ihrem ungewöhnlichen Kleid, schien sich unwohl darin zu fühlen. Himmel, es war so kurz, dass es kaum ihren Hintern bedeckte. Was auf einer Playparty nicht ungewöhnlich war. So etwas trug eigentlich mehr als die Hälfte der Frauen hier.

Dreama legte der geheimnisvollen Frau einen Arm um die Schultern, flüsterte ihr etwas ins Ohr. Sie lenkte sie zur gegenüberliegenden Seite des Raums, wo ein Mann in offensichtlicher Begierde auf sie wartete.

Tristan verschränkte die Arme und runzelte die Stirn. Er kannte den Typen nicht gut, aber er wusste, dass er nicht viel Erfahrung mit BDSM hatte. Sie sollte mit jemand Erfahrenerem spielen, insbesondere wenn sein Instinkt ihn nicht trog und sie so unerfahren war, wie sie wirkte.

Aber das ging ihn nichts an.

Sein rothaariger Engel wiegte sich von einem Fuß auf den anderen, während Dreama die beiden einander vorstellte und dann davonschlenderte, sie sich selbst überließ. Ich sollte gehen.

So, wie es aussah, hatte für heute Nacht schon jemand Anspruch auf sie erhoben. Zuzusehen, wie sie mit einem anderen spielte, machte keinen Sinn. Voyeurismus war nicht sein Kink, insbesondere nicht, wenn es ihn danach verlangte, derjenige zu sein, der dominierte.

Seine Füße setzten sich in Bewegung, doch statt Richtung Ausgang zu gehen, fand er sich nur Zentimeter von ihr entfernt wieder, hielt sich, als würde er das grässliche Bild an der Wand betrachten, während er das Gespräch neben sich belauschte.

»Ich weiß, Dreama hat es nur gut gemeint, aber ich will ehrlich sein. Ich glaube, ich bin noch nicht so weit, mit jemandem zu spielen, der keinerlei Erfahrung hat«, sagte der Typ und überraschte Tristan mit dieser zutreffenden Einschätzung.

Wenigstens musste er sich jetzt nicht mehr darum sorgen, dass sie mit jemandem spielte, der nicht wusste, was er tat. Hier waren genug erfahrene Doms, die nur zu gern Hand an sie legen würden.

Sein Körper spannte sich an. Warum fühlte er sich dann nicht besser?

Zeit zu verschwinden, bevor er etwas Dummes tat … wie zum Beispiel sich selbst anzubieten.

»Oh. Klar. Das verstehe ich«, antwortete sie. Ihre Stimme klang so lieblich, wie er sie sich vorgestellt hatte.

Entschlossen zu gehen, machte er einen Schritt zurück und drehte sich Richtung Ausgang, als sie gegen ihn prallte. So viel also dazu, sich davonzumachen. Er wollte nicht unhöflich sein und wandte sich um, eine Entschuldigung auf den Lippen, und blickte direkt in ihr Gesicht.

Mit ihren hellen grünen Augen schaute sie zu ihm auf. »Das tut mir so leid.«

Ihre blassrosa Lippen waren geschwollen, als hätte sie die letzten zehn Minuten seinen Schwanz zwischen ihnen gehabt. Himmel, waren die von Natur aus so voll? Sie fuhr sich mit der Zunge über die Unterlippe, ließ sie feucht glänzend zurück, eine Einladung für eine Geschmacksprobe.

»Nein«, sagte er, die Stimme etwas rauer als sonst, »mir tut das leid.« Das war eine Lüge. Er hätte das nicht besser planen können. Er räusperte sich, bevor er seine Hand ausstreckte. »Ich bin Tristan.«

Zwischen ihren Augenbrauen formte sich eine süße kleine Falte, als sie seine Hand ergriff. Ihre Haut war so weich, wie er gedachte hatte.

»Ich bin …« Sie senkte den Blick, und sie errötete wundervoll bis hinunter in den Ausschnitt.

Auf diesen Partys wollten viele ihren echten Namen nicht verraten, aus etlichen Gründen. Er wusste nicht, warum sie zögerte, aber bei diesem Erröten durchfuhr ihn ein elektrischer Stoß.

»Soll ich dich einfach Angel nennen?«

»Angel?«, fragte sie atemlos und spähte durch ihre Wimpern zu ihm auf. »Das gefällt mir.«

Alle Gedanken daran, von der Party zu verschwinden, verflüchtigten sich. Er konnte nicht gehen, bevor er eine Kostprobe bekam. Sie sah zum Anbeißen aus, und er konnte nicht erwarten, die Zähne in ihr zu versenken.

Er trat näher an sie heran, ihre harten Nippel streiften seine Brust. Er senkte den Kopf an ihren Hals, atmete ein. Himmel, sie machte ihm den Mund wässrig. »Du riechst nach Vanille.«

»Ich bin Konditorin«, sagte sie mit zittriger Stimme. Sie krampfte die Hände in sein Hemd, als suche sie daran Halt. »Ich hatte keine Zeit zum Duschen. Oder zum Umziehen.«

Das erklärte, weshalb sie dieses überraschend sexy improvisierte Kleid trug. Es war eigentlich ein T-Shirt. »Du riechst köstlich.« Er knabberte an ihrem Ohrläppchen. Sie schmeckte wie süßer Kuchen, und wenn auch der Rest ihres Körpers nur halb so köstlich schmeckte, würde er nach dieser Nacht in ein Zuckerkoma fallen.

In ihr leises Stöhnen hinein flüsterte er: »Und deine Kleider spielen keine Rolle. In fünf Minuten trägst du sowieso nur noch ein Lächeln. Wenn du deine Einwilligung gibst.«

Ihr Atem beschleunigte sich. »Wenn ich Ja sage, wozu genau gebe ich meine Einwilligung?«

Bilder von ihr, nackt und gefesselt, fuhren ihm durch den Kopf. Da war so vieles, was er mit ihr tun wollte, und alles endete damit, dass sie härter kam als jemals zuvor. Und er war genau der richtige Mann dafür.

Er legte die Hände um ihr herzförmiges Gesicht. »Zum Paradies.«

2

Nie zuvor in ihrem Leben war Isabella so erregt gewesen. Ihr Körper vibrierte förmlich. Ihre einzige Erfahrung war Tony, und der war ein Junge gewesen. Tristan hingegen war das Ebenbild eines Mannes. Er überragte ihren schmalen Körper, und obwohl er nicht klobig war, spürte sie die harten Muskeln seiner Brust unter ihren Händen. Er ließ sie an einen Löwen denken, so, wie sein dichtes blondes Haar sein Gesicht einrahmte und mit den Bartstoppeln auf seinem eckigen Kinn. Sein Blick ruhte auf ihr, als wäre sie seine Beute, als würde er sie gleich verschlingen.

Vom Aussehen her erfüllte er alles, worüber sie je fantasiert hatte und mehr. Ehrlich gesagt, stellte sie sich gerade jetzt vor, wie sie die Finger in seinen Haaren vergrub, während er den Mund zwischen ihren Schenkeln hatte. Aber nicht nur sein Aussehen erregte sie mit jeder Sekunde mehr.

Ihr schien, sie hätte ihr ganzes Leben lang auf diesen Moment gewartet. Aller Schmerz, den sie erfahren hatte, war es wert, denn er hatte sie hierher zu diesem Mann geführt. Zwischen ihnen floss eine Energie, von der sie sich angezogen fühlte wie Eisen von einem Magneten, oder in ihrem Fall eine Sub von einem Dom. Sie hatte einige getroffen, die sich als Dom bezeichneten, aber das hier war das erste Mal, dass ihr das nicht gesagt werden musste. Dieser Mann strahlte Selbstvertrauen und Kontrolle aus. So, wie sein Blick ihren Gehorsam verlangte, so, wie seine Lippen sich zu einem leichten Grinsen verzogen, als wüsste er genau, wie ihr Körper auf ihn reagierte.

Ein Mann wie Tristan war genau das, was sie heute Nacht brauchte. Temporär und unkompliziert. Wäre sie an einem anderen Punkt in ihrem Leben, hätte sie ihr Herz ebenso wie ihren Körper verschenken können. Aber sie vermochte ihr Herz nicht mehr voll und ganz zu geben. Es schlug gerade mal. Vielleicht wenn sie ihn in ein paar Jahren getroffen hätte, nach ihrem College-Abschluss, dann hätte heute Nacht ein wundervoller Anfang sein können statt eines kurzen Moments, in dem sich ihre Wege trafen, bevor sie wieder auseinandergingen.

Doch auch als sie zu ihm aufblickte, während er ihr Gesicht zwischen den Händen hielt, war sie nicht so naiv zu glauben, dass er dieselbe Verbindung zu ihr spürte. Nicht, wenn er jede Frau im Raum haben konnte.

Hoffentlich würde er seine Meinung nicht ändern, wenn er die Wahrheit erfuhr. »Ich brauche ein wenig mehr als dein Versprechen vom Paradies, bevor ich einwillige.« Sie atmete schnell durch. »Du solltest eins wissen … das hier ist alles neu für mich.«

Obwohl sein Ausdruck sich nicht veränderte, zuckten seine Finger an ihrem Hals. »Und mit neu meinst du …?«

»Dass das meine erste Playparty ist.«

Er nahm seine warmen, sanften Hände von ihr.

Ein scharfer Schmerz der Enttäuschung durchfuhr sie. Aber was hatte sie auch erwartet? Warum sollte er sich für sie interessieren, eine Frau in einem rosa T-Shirt, die nach Konditorei roch, wenn er eine wie Dreama haben konnte, eine Frau, die ihre Sexualität zur Schau stellte und sich entsprechend anzog? Sie konnte ihm nicht vorwerfen, jemanden mit mehr Erfahrung zu wollen.

Während die Fantasie von dem, was hätte sein können, langsam verblasste, fragte sie sich, warum seine Zurückweisung so wehtat.

Mit einem gezwungenen Lächeln nickte sie ihm zu und drehte sich weg, um Dreama zu suchen. Doch bevor sie noch einen Schritt machen konnte, packte er sie am Arm und zog sie an sich, bis seine muskulöse Brust sich gegen ihren Rücken drückte. »Ich kann mich nicht erinnern, dir erlaubt zu haben zu gehen, Angel. Gleich als ich gesehen habe, wie du hier reingekommen bist, habe ich gewusst, dass du so etwas noch nie gemacht hast. Das macht mir nichts aus. Der Gedanke, dein Erster zu sein, macht mich verdammt heiß.«

Sie hielt den Atem an. Er hatte sie bemerkt, als sie hereingekommen war? Ein erregter Schauer lief über ihre Arme, über ihre Brust.

»Du möchtest wissen, was ich mit dir anstellen werde, wenn du dich darauf einlässt, heute mit mir zu spielen?« Sein heißer Atem kitzelte ihre Ohrmuschel. »Alles, was ich will.« Er biss in ihr Ohrläppchen, besänftigte dann das leichte Stechen mit seiner Zunge. »Und ich will deine zarte, blasse Haut dazu bringen, die Farbe deines T-Shirts anzunehmen. Dann, wenn du feucht und voller Erregung bist und nur noch kommen willst, werde ich dich mit den Fingern verwöhnen, bis du Sterne siehst. Wie ist das für den Anfang? Trifft das deine Zustimmung?«

Oh mein Gott.

Bei der Vorstellung loderte Hitze in ihren unteren Regionen auf, sie brachte sie aus dem Gleichgewicht und ließ sie schwanken, denn ihre Knie waren plötzlich so wacklig wie die eines neugeborenen Fohlens. Die Muskeln zwischen ihren Schenkeln zogen sich zusammen und zuckten in einem Mini-Orgasmus, das konnte sie beschwören. »Ja.« Sie räusperte sich, um die raue Erregung in ihrer Stimme loszuwerden. »Ganz ehrlich, da stimme ich von ganzem Herzen zu.«

Mit einem hungrigen Ausdruck in den Augen musterte er sie von oben bis unten. Kurz überkam sie das Verlangen zu fliehen, nur um zu sehen, ob er sie jagen würde. Sie erschauerte. Der Gedanke war überraschend erregend. Was würde er tun, wenn er sie erwischte?

Er gab ihr keine Gelegenheit, das herauszufinden, nahm seine schwarze Tasche auf, bevor er ihre Hand ergriff und sie durch das Gedränge zog.

Sie fragte sich unweigerlich, was sich in der Tasche verbarg, das ihre Haut zum Erröten brächte. »Wo bringst du mich hin?« Ihr Herz hämmerte wie wild.

»Irgendwohin, wo wir reden können.«

Reden war das Letzte, was sie wollte. Sie war der Grenze zum Unbekannten so nah und mit jeder Faser ihres Körpers bereit, den Sprung zu wagen. »Können wir das mit dem Reden nicht auslassen?«

Tristan legte eine Hand auf ihren Rücken und lenkte sie an der Küche vorbei. Obwohl die Geste vermutlich nichts bedeutete, fühlte sie sich … besitzergreifend an, als würde er sein Gebiet abstecken. »Sicherheit geht vor. Das ist dein erstes Mal und du verdienst das komplette Paket. Außerdem ist Verhandeln Teil des Vergnügens. Sieh es einfach als gedankliches Vorspiel an.«

Er hatte recht. Bis auf seinen Namen wusste sie nichts über ihn. Es wäre leichtsinnig, sich ihm zu unterwerfen, wenn sie vorher nicht wenigstens über Safewörter und Grenzen sprachen. Aber Verhandeln als Vergnügen? Sie konnte sich einiges vorstellen, was sie jetzt lieber mit ihrem Mund täte. »In meinem BDSM-Einführungskurs habe ich Verhandeln geübt. Das hat sich überhaupt nicht wie ein Vorspiel angefühlt.«

Sie näherten sich der Kellertreppe, und Isabellas Blick fiel auf ihre Cousine, gegen eine Wand gepresst von einem Mann, der sie küsste, als wollte er ihren Atem stehlen. Er hatte eine Hand unter ihren Rock geschoben, berührte sie eindeutig zwischen den Schenkeln.

Isabella sog scharf die Luft ein, ihre Bauchmuskeln zogen sich zusammen. Sie blickte weg, zugleich erregt und verlegen davon, ihre Cousine bei einer so öffentlichen Zurschaustellung von Leidenschaft zu beobachten.

Tristan beugte sich hinunter zu ihrem Ohr. Sein Atem streifte sie, ließ sie seine Wärme spüren. »Vielleicht hast du mit dem falschen Partner verhandelt.«

Statt sie hinunter in den Keller zu führen, öffnete er die Fliegengittertür zum hinteren Garten. Bis auf das Zirpen der Grillen war die Nacht still, und wieder war sie erstaunt darüber, dass diese Art von Party in einer gutbürgerlichen Vorstadt stattfand. Ein hoher Holzzaun schloss den Garten ein, und sie konnte von den umstehenden Häusern nur die Dächer sehen. Vermutlich wusste der Besitzer dieses Hauses seine Privatsphäre zu schätzen.

Sie verschränkte die Arme vor der Brust, bemühte sich zu ignorieren, wie ihr improvisiertes Kleid dabei hochrutschte. Natürlich ignorierte Tristan das keineswegs, richtete den Blick hemmungslos auf ihre nackten Schenkel. »Und ich nehme an, du bist der richtige Partner? Du bist ziemlich anmaßend, findest du nicht?«

Er kam näher, drang in den kleinen Abstand ein, den er ihr noch gewährt hatte, bis sie den Kopf zurücklehnen musste, um ihn anzublicken. »Bin ich. Und das mit gutem Grund. Aber ich bin der richtige Partner für dich, und das hat nichts mit Anmaßung zu tun.« Sie berührten sich nirgendwo, und doch spürte sie seine Hitze auf ihrer Haut wie ein Brandzeichen. Irgendwann, und sie erinnerte sich nicht an den Zeitpunkt, hatte sie die Arme sinken lassen. Außer einigen wenigen Zentimetern und ein paar Lagen Kleidung gab es nichts mehr zwischen ihnen. Seine Lippen verharrten dicht vor ihren, und von ihm strömte ein ihr unbekannter, köstlicher Duft aus, der sie einhüllte wie eine warme Decke an einem Wintertag. »Ich weiß, dass du das auch spürst.«

Sie schluckte. »Dass ich was spüre?«

Die Luft zwischen ihnen pulste vor Spannung.

Erregung.

Gefahr.

Sie sollte fliehen, doch der Bann, den er um sie gewoben hatte, hielt sie fest. Die Leichtigkeit, mit der er sie dominierte, erregte und beängstigte sie zugleich. Ihr Herz pochte heftig, und ihr Slip wurde immer feuchter angesichts der Macht, die er über sie hatte. Das war, was sie wollte. Wonach sie sich verzehrte. Und doch hätte sie sich darauf niemals vorbereiten können, denn die Wirklichkeit war um vieles überwältigender als alles, was sie sich je vorgestellt hatte.

Er fuhr mit einem Finger über ihren Hals und über ihr Schlüsselbein, ließ eine Spur aus Gänsehaut zurück. »Diese Energie, die in dir pulst wie Strom. Das kann man nicht künstlich erzeugen, Angel.« Er hielt den Blick auf sie gerichtet, fuhr mit dem Finger zwischen ihren Brüsten hinab, und sie hielt den Atem an, wartete darauf, wo er sie als Nächstes berühren würde. »Das macht mich zum richtigen Partner für dich.«

Er trat einen Schritt zurück, beraubte sie seiner Berührung.

Mistkerl.

Wie mit einem Köder am Haken hatte er ihr einen Vorgeschmack gegönnt, nur um ihn ihr wieder zu entziehen, bevor sie sich daran festbeißen konnte.

»Also was jetzt?«, fragte sie, begierig seine Hände wieder auf sich zu spüren.

Ein Lächeln umspielte seine Lippen. Dieser Mann wusste ganz genau, was er bei ihr auslöste. »Eins nach dem anderen. Ich muss sichergehen, dass du deine Einwilligung geben kannst. Du bist eindeutig über dem Schutzalter, sonst hätte deine Cousine dich nicht mitgenommen.«

Kurz darüber, und sie war eindeutig die Jüngste hier auf der Party. Sie musterte sein Gesicht, suchte nach Hinweisen auf sein Alter, entdeckte keinerlei verborgene Falten unter den leichten Bartstoppeln oder graue Haare in seiner Löwenmähne. Wenn sie eine Schätzung abgeben müsste, würde sie auf Ende zwanzig, Anfang dreißig wetten. Würde er seine Meinung ändern, wenn er erfuhr, dass sie erst neunzehn war?

»Woher weißt du, dass ich über dem Mindestalter bin?«

»Weil ich Dreama als aktives Mitglied unserer BDSM-Szene kenne, und sie weiß, dass wir die Regel ›Safe, Sane, Consensual‹ sehr ernst nehmen. Wenn sie wissentlich eine unserer Regeln brechen würde und dich mit hierher genommen hätte, obwohl du keine Einwilligung geben kannst, wäre sie hier auf keiner Playparty mehr willkommen, bis sie wieder durch ein Basistrainigsprogramm gegangen ist und in der Community Abbitte geleistet hat. Und selbst dann würde sie vielleicht nie wieder aufgenommen.«

Das klang furchtbar. Trotz der Tendenz ihrer Cousine, von einer Leidenschaft zur nächsten zu hüpfen, schien sie sich dem BDSM-Leben voll verpflichtet zu haben. Isabella würde sich hassen, sollte sie ihr das zerstören. »Heißt das, wenn man einen Fehler macht, wird man für immer aus der Community verbannt?«

»Nein.« Er schüttelte den Kopf. »Viele Subs und Doms machen Fehler. Nehmen wir mal an, du wärst meine Sub, und entgegen meiner Anweisung, bei unserer Restaurantverabredung keinen Slip zu tragen, spüre ich da etwas Satinstoff, wenn ich dich unter dem Tisch befingere. Du würdest nicht nur einen Orgasmus verpassen, ich würde dir für die nächsten vierundzwanzig Stunden auch jeden verweigern.«

»Vierundzwanzig Stunden könnte ich ohne …« – verdammt, sie wurde tatsächlich rot bei dem Wort – »… Orgasmus aushalten. Das mache ich ständig.«

Er schlang einen Arm um ihre Taille und zog sie an sich, entlockte ihr ein unwillkürliches Aufstöhnen. »Aber nicht mit mir.« Eine Hand lag tief auf ihrem Rücken, seine andere umfasste ihren Hinterkopf. Er hielt sie gefangen und ließ sie jeden harten Zentimeter von sich spüren. Als wäre der Beweis, der sich gegen ihren Bauch drückte, nicht genug, nahm sein Stimme eine raue, tiefe Färbung voller Verlangen nach ihr an. »Stell dir vor, du hast einen Vibrator in dir, stundenlang. Ich verfüge über die Fernbedienung, kann dich bis kurz vor den Höhepunkt bringen, bevor ich ihn wieder runterdrehe und dir diesen Genuss verwehre. Stell dir meine Hände vor, wie sie dich überall berühren, meine Zunge auf deinen Nippeln, zwischen deinen Beinen. Dein ganzer Körper pulsiert vor Verlangen, aber ich verweigere dir die Erfüllung. Dann ziehe ich den Vibrator raus, gleite stattdessen selbst tief in dich hinein und benutze deinen Körper für meine Erfüllung, nach der du dich so verzweifelt sehnst.«

Er hielt inne, und die Bilder, die er so eindringlich gemalt hatte, hingen wie erstarrt zwischen ihnen in der Luft.

»Und dann?«, fragte sie atemlos.

Er zuckte mit den Schultern und entließ sie aus seinem Griff. »Dann würde ich einschlafen.«

Ihr stand der Mund offen. »Das … das ist …«

»Bestrafung.« Sein siegesgewisses Lächeln verriet ihr alles, was sie wissen musste. Er hatte mit ihr gespielt, ihr gezeigt, wie es sein würde, von ihm bestraft zu werden.

»Die Hölle, wollte ich sagen.«

Er lachte. »Das ist BDSM. Meine Version davon jedenfalls. Das nennt sich Orgasmuskontrolle. Und es ist sehr effektiv.« Er musterte sie. »Nach der Größe deiner Pupillen zu urteilen, würde ich sagen, das würde bei dir hervorragend funktionieren.«

Tja, zu dumm, dass sie das nie herausfinden würde. »Was machst du sonst noch so zur Bestrafung?«

»Ich brauche den ganzen Klimbim nicht, auf den manche meiner Freunde in der Szene stehen. Es ist viel intimer, wenn meine Hand auf deine Haut trifft statt eines Floggers oder Paddels.« Er strich mit beiden Händen über ihren Rücken, zog sie nah an sich. »Aber für alles gibt es den richtigen Zeitpunkt, und was heute Nacht angeht, will ich deine zarte Haut zum Erröten bringen. Das heißt, wenn du einwilligst.«

»Ja, ich willige ein«, sagte sie leise, und Hitze stieg in ihrem Inneren auf, als er über den Stoff an ihrem Hintern strich. Keine Sekunde länger würde sie sein aufreizendes Necken ertragen können. Würde es sich so anfühlen, ihm zu gehören? Wenn dem so war, bezweifelte sie, mit einem Mann wie Tristan länger als eine Nacht umgehen zu können.

»Das ist deine erste Playparty. Bedeutet das auch, dass du noch nie einen Flogger gespürt hast?«

»Ich war bei dem Einführungskurs von Metro Leather und habe ein paar Schlagwerkzeuge ausprobiert. Ich bin keine große Masochistin.«

Fragend hob er die Augenbrauen. »Aber du bist schon eine?«

Sie zuckte mit einer Schulter. »Ich glaube nicht, aber gegen ein bisschen Schmerz ist nichts einzuwenden.«

Er ließ eine Hand auf ihrem Hintern liegen und vergrub die andere in ihrem Haar, wand es um seine Finger. »Wenn ich also so an deinen Haaren ziehe …?« Wo er sie zuvor sanft und aufreizend berührt hatte, riss er nun ihren Kopf so hart zurück, dass ihr Tränen in den Augen standen. »Ja oder nein, Angel.«

»Ja«, sagte sie automatisch, überraschte sich selbst mit der schnellen Antwort und dem Prickeln, das sie tief in ihr auslöste.

»Und wenn ich dich beiße, so …« Er neigte den Kopf und versenkte die Zähne an ihrem Hals, entflammte jeden Nerv in ihrem Körper mit dem kurzen, beißenden Schmerz.

Ihre Lider flatterten, sie schloss die Augen, heiße Wellen der Wonne überfluteten sie. »Oh, ja.«

»Wenn ich dich kneife, so …« Er fuhr von ihrem Hintern hinauf, legte den Arm um sie, berührte ihre Brust. Tristan legte die Finger um einen ihrer Nippel und drückte zu, härter und härter, bis sie stöhnte und versuchte zu entkommen und darüber vergaß, dass seine andere Hand immer noch ihre Haare gepackt hielt, bis der Schmerz an ihrem Kopf aufflammte.

»Mm.« Für den Moment verlor sie jede Fähigkeit, etwas zu sagen, zu viele Empfindungen brachen auf einmal über sie herein. Das Prickeln zwischen ihren Beinen wurde zu einem fast unerträglichen Pochen.

»Wir müssen uns noch weiter über das Einverständnis unterhalten. Darf ich deine Pussy berühren?«

Wenn er das nicht täte, würde sie sterben. Sie wollte nicken, doch seine Hand in ihrem Haar verhinderte das. »Ja«, wimmerte sie.

Ihr gequälter Nippel pochte, als er ihn losließ und … ihren Schoß berührte, über dem Stoff ihres Slips. Er rieb seine Hand gegen sie, seine Finger glitten leicht an ihr entlang, vor und zurück, ohne jedoch genug Druck auszuüben, um ihr Befriedigung zu verschaffen. Sie versuchte, sich näher an ihn zu drängen, um mehr Reibung zu spüren, doch sein Griff hinderte sie daran. Wieder quälte er sie, spielte ein Spiel mit ihr, dessen Regeln sie nicht kannte.

Er nahm die Hand zwischen ihren Beinen weg und stieß ein tiefes Geräusch aus, wie ein Knurren. Sie wimmerte protestierend, hatte genug von seinen Neckereien und riss die Augen auf, nur um zu sehen, wie er die Hand vors Gesicht hielt und tief einatmete.

So.

Verdammt.

Heiß.

»Du bist so empfänglich«, sagte er, als wäre es das Beste überhaupt. »Und es macht unglaublich Spaß, dich zu quälen.« Bei ihrem Stirnrunzeln lachte er leise auf, zeigte viel zu viel Vergnügen an ihrer Qual. »Wie sieht es mit Bondage aus? Magst du es, gefesselt zu sein? Mit Seilen festgebunden?«

Ein erstickendes Gefühl breitete sich in ihrer Brust aus, schwarze Punkte tanzten vor ihren Augen. Plötzlich war sie wieder in Tonys Gewalt, in ihrem Körper erstarrt, konnte nicht um Hilfe schreien, während er ihre Handgelenke aufschnitt. Sie war hilflos gewesen, blutete aus, während die Sonne unterging und die Hütte in Dunkel hüllte. Ihr einziger Gefährte war der Junge gewesen, der nach ihren seine eigenen Handgelenke aufgeschnitten und sich dann neben sie gelegt hatte wie ein Liebhaber, während er darauf wartete, dass der Tod sie beide mit sich fortnähme.

Sie atmete laut durch und zwang den Albtraum zurück ins Dunkel.

Nein, sie würde ihrer Vergangenheit nicht erlauben, ihr das hier zu verderben.

Tristan umfasste sanft ihr Kinn, blickte sie besorgt an. Er legte einen Daumen an ihren Hals. »Angel. Alles gut?«

»Ja. Mir geht’s gut.« Weil es heute Nacht anders war. Sie hatte die Macht, Nein zu sagen. »Aber Fesseln sind ein Hard Limit für mich.«

Sein fragender Blick brannte sich in sie ein. »Dein Puls rast. Das ist mehr als ein Hard Limit«, sagte er weich. »Da ist irgendetwas passiert.«

»Ja, aber darüber will ich nicht reden. Das liegt in der Vergangenheit.«

»Das mag für dich in der Vergangenheit sein, aber ich will nichts tun, was dich in Panik versetzen könnte. Wenn ich deine Handgelenke so festhalte, triggert dich das?« Sanft drückte er ihren Rücken gegen die Hauswand und packte ihre Handgelenke, hob sie über ihren Kopf.

Sie wartete auf die aufsteigende Panik, doch bei Tristans frischem Duft, der sie einnahm, und der Umsicht, mit der er sie behandelte, fühlte sie sich nur erregt. Schon wieder. »Nein, ich glaube nicht. Ich mag das.«

»Gut zu wissen.« Seine Augen blitzten, als würde er bereits überlegen, wie er das zu seinem Vorteil nutzen konnte. Dann wurde sein Blick wieder ernst. »Hast du heute Abend Alkohol getrunken oder Drogen genommen?«

Würde er ihr glauben, dass sie noch nie getrunken oder Drogen genommen hatte?

»Nein. Nichts davon.«

Er lächelte, bis sein Blick auf ihre Handgelenke fiel. Sie versuchte, sie wegzureißen, aber es war zu spät. Der Schaden war schon passiert. »Diese Narben an deinen Handgelenken –«

»Darüber will ich nicht reden.« Sie hasste es, wenn Leute voreilige Schlussfolgerungen aus den Narben zogen, aber ebenso wenig verspürte sie den Drang, überall herumzuerzählen, dass jemand versucht hatte, sie umzubringen. »Du musst dir keine Sorgen machen. Ich bin nicht selbstmordgefährdet.«

Sie war darauf gefasst, dass er es sich anders überlegen würde. Sich umdrehen und weggehen. Oder, noch schlimmer, auf dem Thema beharrte.

Er strich mit einem Daumen über die hellrosa Narben. »Du hast gesagt, du bist direkt von der Arbeit gekommen. Hast du was gegessen?«

Sie blinzelte bei dem Themenwechsel und schaute zur Tür, die ins Haus führte. Das war alles? Er würde sie nicht bedrängen, um zu erfahren, wie sie zu den Narben gekommen war? »Ich habe auf dem Weg hierher ein Sandwich gegessen. Warum?«

»Ich will nur sichergehen, dass du mir nicht zusammenbrichst und ohnmächtig wirst.«

»Ich kippe nie weg.«

Sein Griff wurde härter, sein ganzer Körper presste sich gegen ihren. »Das bedeutet nur, du bist noch nie ordentlich gevögelt worden.«

Wie zum Beweis seiner Worte schwankte sie, und ihre Beine fühlten sich schwach an. Ein Schweißtropfen rollte langsam zwischen ihren Brüsten entlang. »Weil ich beim Sex noch nie ohnmächtig geworden bin? Wer zum Teufel verliert beim Sex das Bewusstsein?«

»Nicht beim Sex. Niemand wird beim Sex ohnmächtig.« Er gab eines ihrer Handgelenke frei und strich mit dem Daumen über ihre Unterlippe. »Ordentlich gevögelt, habe ich gesagt. Bist du je ordentlich durchgevögelt worden, Angel?« Sie fühlte seine Stimme wie eine zärtliche Berührung an ihrem ganzen Körper. »Hat dich ein Mann je so in den Wahnsinn getrieben, dass du gemeint hast zu sterben, wenn du seinen Schwanz jetzt nicht sofort in dir spürst? Wenn du nicht gleich fühlst, wie seine Finger deine Schenkel packen, dich spreizen, und er dich voll und ganz nimmt? Bist du je wieder und wieder gekommen, so heftig und so oft, dass du nicht mehr sagen konntest, wo du anfängst und der andere aufhört?« Er schob den Daumen in ihren Mund, glitt über ihre Zunge, zog sich zurück. »Nicht. Ordentlich. Durchgevögelt.«

Ihr Herz schlug im Gleichtakt mit dem Pochen zwischen ihren Beinen. Nein, sie war noch nie ordentlich durchgevögelt worden. Sie war nie wirklich gevögelt worden. Das war einer der Gründe, warum sie hier war. Natürlich hatte Dreama diese Fantasie brutal zerstört, als sie ihr vorhin erzählte, richtiger Sex sei nicht gestattet.

Sie hustete, um die Erregung loszuwerden, die ihr die Kehle zusetzte, und spähte erneut zur Tür. »Ähm, ich habe gegessen, also keine Sorge, ich werde nicht wegkippen.«

Er umfasste ihr Kinn, zwang sie, ihn anzuschauen. »Du siehst mich nicht an, und das verrät mir, dass du etwas verbirgst. Hast du wirklich ein Sandwich gegessen?«

»Hab ich.« So was in der Art. »Ein Kekssandwich aus gesalzenem Karamell mit Vanillefüllung.«