No MOM is perfect! - Susanne Dietz - E-Book

No MOM is perfect! E-Book

Susanne Dietz

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Beschreibung

No MOM is perfect!

Der ehrliche Ratgeber, den ich mir vor dem Mutterwerden gewünscht hätte

Vereinbarkeit von Chaos, Kind und Karriere

Jetzt mal ehrlich: Ein Kind läuft nicht einfach so mit. Deshalb ist Elternsein anstrengend und auch nicht immer erfüllend. Es wird Zeit, sich von zuckersüßen und pastellfarbenen Illusionen zu verabschieden und auch die Seiten der Mutterschaft zu thematisieren, über die niemand so gerne spricht.

Ja, es gibt sie, die Mütter, die kompromisslos in ihrem Mamasein aufgehen und dabei glücklich sind. Und es gibt auch die Mütter, die sechs Wochen nach der Geburt fokussiert wieder in den Job einsteigen. Doch dazwischen gibt es sehr, sehr viele Frauen, die weder noch sind. Mütter, die ihre Kinder und ihren Beruf gleichermaßen lieben und deren innere Zerrissenheit trotz aller Vereinbarkeitsrhetorik in kein Klischee passt.

Mütter, die eine Sehnsucht nach sich selbst haben und dieses Selbst zu einem großen Teil durch ihre bisher erreichten Ziele, Leistungen und Erfolge im Arbeitsleben definieren. Es geht darum, die neue Rolle als Mutter mit der der Projektmanagerin, der Teamleiterin, der Führungskraft, der Angestellten oder Unternehmerin in Einklang zu bringen. Das ist wahre Vereinbarkeit, nämlich „Vereinbarkeit mit sich selbst“.

In einem abwechslungsreichen Mix aus eigenen Erfahrungen und unterhaltsamen Anekdoten, erzählt Susanne Dietz von ihrer Identitätsentwicklung als berufstätige Mutter von drei Kindern. „Mutterwerden war ein Entwicklungsbooster für mich“, sagt sie und verheimlicht dabei nicht, wie sehr ihr ihre Arbeit und der Sinn gerade nach der ersten Geburt gefehlt haben. Sie plädiert für einen offenen und ehrlichen Umgang mit den eigenen Zweifeln und wünscht sich einen verständnisvollen Blick der Mütter auf sich selbst.

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Seitenzahl: 350

Veröffentlichungsjahr: 2025

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1. Auflage

© WALHALLA Fachverlag, Regensburg

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Kurzbeschreibung

No MOM is perfect!

Der ehrliche Ratgeber, den ich mir vor dem Mutterwerden gewünscht hätte

Vereinbarkeit von Chaos, Kind und Karriere

Jetzt mal ehrlich: Ein Kind läuft nicht einfach so mit. Deshalb ist Elternsein anstrengend und auch nicht immer erfüllend. Es wird Zeit, sich von zuckersüßen und pastellfarbenen Illusionen zu verabschieden und auch die Seiten der Mutterschaft zu thematisieren, über die niemand so gerne spricht.

Ja, es gibt sie, die Mütter, die kompromisslos in ihrem Mamasein aufgehen und dabei glücklich sind. Und es gibt auch die Mütter, die sechs Wochen nach der Geburt fokussiert wieder in den Job einsteigen. Doch dazwischen gibt es sehr, sehr viele Frauen, die weder noch sind. Mütter, die ihre Kinder und ihren Beruf gleichermaßen lieben und deren innere Zerrissenheit trotz aller Vereinbarkeitsrhetorik in kein Klischee passt.

Mütter, die eine Sehnsucht nach sich selbst haben und dieses Selbst zu einem großen Teil durch ihre bisher erreichten Ziele, Leistungen und Erfolge im Arbeitsleben definieren. Es geht darum, die neue Rolle als Mutter mit der der Projektmanagerin, der Teamleiterin, der Führungskraft, der Angestellten oder Unternehmerin in Einklang zu bringen. Das ist wahre Vereinbarkeit, nämlich „Vereinbarkeit mit sich selbst“.

In einem abwechslungsreichen Mix aus eigenen Erfahrungen und unterhaltsamen Anekdoten, erzählt Susanne Dietz von ihrer Identitätsentwicklung als berufstätige Mutter von drei Kindern. „Mutterwerden war ein Entwicklungsbooster für mich“, sagt sie und verheimlicht dabei nicht, wie sehr ihr ihre Arbeit und der Sinn gerade nach der ersten Geburt gefehlt haben. Sie plädiert für einen offenen und ehrlichen Umgang mit den eigenen Zweifeln und wünscht sich einen verständnisvollen Blick der Mütter auf sich selbst.

Autor

Dr. Susanne Dietz - Keynote-Speakerin, Autorin, Podcasterin, Sinnforscherin, Trainerin und Coach – studierte und promovierte an der Ludwig-Maximilians-Universität München. Bereits mit 26 Jahren begeisterte sie als promovierte Dozentin in Lehrveranstaltungen an Hochschulen.

Schnellübersicht

Vorwort

1. Lügen und wie sie uns quälen

2. Identitätsentwicklung zur Mutter

3. Mutter und Gesellschaft

4. Mutter und Arbeit

Zu guter Letzt

Vorwort

Dieses Buch ist nichts für dich, wenn …

Warum es Zeit ist, Abschied vom Müssen zu nehmen

Warum ich dieses Buch schreibe

Dieses Buch ist nichts für dich, wenn …

du dich voll und ganz erfüllt in der Rolle als Mutter fühlst,

du nie an dir zweifelst,

du die Elternzeit als „Erlösung“ von deinem Job siehst,

das Muttersein für dich wie Urlaub ist,

das Leben sich anfühlt wie in einer Fernsehwerbung für Babybrei,

du am liebsten den ganzen Tag mit deinem Kind verbringst,

du alles immer perfekt hinbekommst.

„Der ehrliche Ratgeber, den ich mir vor dem Mutterwerden selbst gewünscht hätte.“

Ehrlich.

Ja, auf jeden Fall. Und ich muss auch gestehen, es hat mich sehr viel Mut gekostet, so viel von mir, meinen Höhen und vor allem meinen Tiefen des Mutterseins niederzuschreiben. Zu groß war die Angst, in meiner Mutterrolle, in meiner Kompetenz oder Persönlichkeit bewertet zu werden. Oft war da noch der Gedanke aus der Anfangszeit präsent: „Und was, wenn es nur mir so geht?“ Doch gleichermaßen weiß ich: Eine muss damit anfangen – anfangen, ehrlich zu sein. Es ist meine Wahrheit, die niemals für alle stimmen kann. Aber nur, wenn wir ehrlich sind und die Masken fallen lassen, schaffen wir es, die ideale und perfekte Mutter vom Sockel zu holen und uns Mütter von dieser großen Last des Perfektionismus und der Unerreichbarkeit zu hoch gesteckter Ideale zu befreien.

Ratgeber

Nein. Es ist kein Ratgeber im eigentlichen Sinn, da ich in diesem Buch ausschließlich meine Sicht der Dinge beschreibe. Deshalb ist es keine allgemeingültige Wahrheit, sondern meine ganz persönliche. Jedoch möchte ich mit meinen ehrlichen Impulsen das Gefühl vermitteln, das mir als junge Mama mit Baby am meisten gefehlt hat: Du bist nicht allein.

Das Buch, das ich mir vor dem Mutterwerden gewünscht hätte

Ja. Denn hätte mich diese „liebevolle Freundin“ in Form eines Buches immer wieder in den dunklen Momenten in den Arm genommen, wären mir viele Umwege erspart geblieben. Viele Jahre des traurigen Schweigens, Gefühle des Scheiterns und des Nichthinbekommens wären einfacher zu ertragen gewesen. So oft dachte ich vor allem in den ersten Monaten mit Baby: „Geht es nur mir so? Bin ich die Einzige, die es nicht hinbekommt? Bei den anderen läuft alles so perfekt. Ich bin die, die täglich gnadenlos scheitert, während ich doch bisher alles immer so gut hinbekommen habe.“ Die Wahrheit ist – und hier traue ich mich nach zehn Jahren Muttersein, das Wort „Wahrheit“ zu verwenden: Ich war und bin nicht die Einzige, der es so ging und der es noch immer so geht. Es hat nur kaum jemand darüber gesprochen, da niemand den schönen „Zauber der ersten Zeit“ kaputt machen will oder genau wie ich so sehr an sich selbst zweifelt und sich selbst infrage stellt: Wie kann man denn eine gute Mutter sein, wenn es sich so hart anfühlt?

Ich möchte ehrlich sein. Ich möchte jeder Mama sagen: Du bist nicht allein! Keine Mutter ist perfekt und du bist gut so, wie du bist! Mamasein ist eine Reise mit Höhen und Tiefen. Manchmal ist es schön, manchmal lustig, manchmal zum Davonlaufen. Doch wenn wir die Herausforderungen dieser Reise annehmen, dann sind es die mitgebuchten Turbulenzen – die niemand haben will – immer wert. Diese turbulente Reise führt uns zu einer besseren Version von uns selbst.

Warum es Zeit ist, Abschied vom Müssen zu nehmen

Manchmal wünsche ich mir, ich hätte eine Art Mutterschaftszeitmaschine. Dann könnte ich zurückreisen in meine ersten Nächte mit einem Baby an der Brust und mich selbst in den Arm nehmen und mich halten. Ich könnte mir einen Tee bringen, das Kissen aufschütteln und fragen, ob ich mir das Kind eine Weile abnehmen soll – und es dann sanft wiegen mit der Ruhe und Erfahrung von mittlerweile 13 Jahren Mutterschaft. Und ich könnte mir vielleicht eine Frage stellen (denn ein Rat sollte es zu diesem Zeitpunkt lieber nicht sein): „Willst du nicht vom Müssen lassen?“

Klingt paradox, aber aus dem Blickwinkel von heute, 13 Jahre später, nur logisch. Denn kaum etwas hat mir als Mutter das Leben schwerer gemacht als das Müssen. Du musst stillen, tragen, wiegen. Du musst bedenken, planen, erledigen. Das Kind muss im Beistellbettchen schlafen, Brei essen und im Kinderwagen liegen. Und dass das klappt, dafür bist du verantwortlich, nur du allein, und für das Lebensglück des Kindes gleich mit.

Heute in meiner Mutterschaftsgegenwart weiß ich: Das ist Quatsch. Niemand stand nach einem Jahr bereit, um mir die Prüfung für den Elternführerschein abzunehmen. Es gab kein Zeugnis, keine Zensuren, kein Diplom. Niemand kann bis heute beurteilen, ob ich es richtig mache. Und wer es sich anmaßt, den kann ich getrost ignorieren.

Heute weiß ich: Für unsere Kinder müssen wir erstmal gar nichts. Selbstverständlich sollten wir dafür sorgen, sie zu trösten und zu füttern. Und das schaffen wir auch, wenn wir sonst nicht allzu viel müssen. Wenn wir in Ruhe herausfinden können, was für uns funktioniert und nur für uns. Wenn wir Unterstützung 13bekommen, ohne beurteilt zu werden oder immer neue Ratschläge zu bekommen. Wenn wir wachsen dürfen und lernen, weil wir gemeinsam größer werden. Wenn wir durch unsere Mutterschaft verstehen dürfen, wie es uns als Frauen, als Menschen weiterbringt, wenn wir vom Müssen lassen können – von unseren eigenen Erwartungen und denen der anderen.

All das schützt uns und unsere Kinder übrigens nicht davor, dass wir auch mal unzufrieden sind oder unglücklich. Das gehört zum Dasein als Mensch wohl dazu. Und egal, wie perfekt wir als Mutter sind, wir werden es nicht verhindern können.

Würde ich mit meiner Mutterschaftszeitmaschine in die Zukunft reisen, vielleicht noch einmal 13 Jahre, dann wären meine Kinder erwachsen oder beinahe erwachsen. Bald werden sie vielleicht selbst Eltern ... Was würde ich ihnen sagen? Gar nichts, glaube ich. Ich würde sie fragen: „Was habe ich falsch gemacht?“ Ich glaube, sie werden eine Menge dazu zu sagen haben. Genauso, wie ich meinen Eltern einiges zu sagen hätte darüber, wie sie mich manchmal verletzt haben oder übersehen. Und ich hoffe, ich werde zuhören und lernen, wachsen und gemeinsam mit meinen Kindern noch größer werden. Vielleicht, hoffentlich, schaffe ich es sogar, mich zu entschuldigen und ihnen zu sagen: „Ich habe getan, was ich konnte und oft noch mehr. Aber das war mein Weg und ich stehe zu ihm. No Mom is perfect.“

Dieses Buch kann hoffentlich für viele Mütter am Anfang ihrer Mutterschaft diese Zeitmaschine sein. Denn je früher wir erfahren, dass wir fast gar nichts müssen, aber sehr viel dürfen, solange der Weg unser eigener ist und er zu uns passt, umso besser!

Kristina WeberJournalistin und Teamlead des Bayern 2-Podcasts „Eltern ohne Filter“

Warum ich dieses Buch schreibe

Weil ich fertig bin. Fertig mit all den Lügen, fertig mit all den vielen Sackgassen, in die ich mit Vollgas gefahren bin, und auch fertig mit den Illusionen – selbst gemachten und auch von der Gesellschaft auferlegten. Ich bin dahingehend fertig, weil es mich nach wie vor wütend macht, wie viel Unehrlichkeit und Illusionen in der Welt der Mütter herrschen. Ich bin aber auch deshalb fertig, weil ich einfach viel abgearbeitet und Sinn in all dem Wirrwarr des Mutterseins gefunden habe. Nach intensiver, jahrelanger Arbeit an mir selbst und meinen Themen habe ich das Mamasein in all seinen Irrungen, Wirrungen und Anstrengungen als die Chance für ein erfülltes Leben und eine bessere Version von mir selbst erfahren. Nichtsdestotrotz hätte ich mir an vielen Stellen eine Abkürzung gewünscht, die aus meiner Sicht absolut machbar gewesen wäre, stünden da nicht all die Tabus rund um das Mutterwerden, Muttersein und Muttersein im Job im Raum.

Ich bin Mama von drei Kindern. Die älteste Tochter ist zehn Jahre alt, das jüngste Kind drei Jahre. Ich liebe meine drei Kinder, aber – und ich sollte eher „und“ schreiben, denn das „aber“ beinhaltet schon das ganze Problem –, also und: Ich liebe auch meinen Job. Als ich vor zehn Jahren das erste Mal Mama wurde, ahnte ich nicht, was wirklich auf mich zukommen würde. Meine erste Schwangerschaft war wohl die einzige Zeit, in der Vereinbarkeit wirklich gelungen ist. Ich fühlte mich blendend, hatte dieses kleine Leben im Körper, arbeitete gefühlt mehr als je zuvor und schrieb damals mein Buch „Sinnkrieger – die sechs Stufen zu mehr Sinn in der Arbeit“. Bis zum Tag der Entbindung saß ich, wenn dann doch bewegungseingeschränkt, vor meinem Manuskript, sprühte vor waghalsigen Gedanken und blumigen Ideen und hatte das Gefühl, das würde ewig so weitergehen. Wie sollte ich auch auf den absurden Gedanken kommen, es könnte alles anders werden, wenn es doch bisher alles gut war? Und dann kam diese eine Nacht, die Nacht, die alles veränderte. Meine Tochter wurde geboren. Und ab da lief mein Leben auf Autopilot, denn von diesem Moment an war ich nie mehr allein.

So begann meine Identität als Mama, wobei ich damals sicher noch nicht Mama war. Ich hatte all die glücklichen wunderschönen Mütter mit ihren Babys im Kopf. Doch ich war weder wunderschön – mit meinen Augenringen bis zu den Knien – noch glücklich. Zu all der körperlichen Anstrengung fehlte mir etwas ganz Essenzielles. Etwas, das mich ausmachte, etwas, das mir so viel Freude bereitete und gleichzeitig manchmal den letzten Nerv raubte. Etwas, das meinem Leben so oft Sinn gab und in das ich so viel Herzblut investierte: mein Job. Ja, mein Job fehlte mir und es zerriss mich fast. Damals hatte ich keine Ahnung, was wirklich mit mir los war. Ich spürte einen ungemeinen Schmerz. Aber auch Hilflosigkeit, Einsamkeit, Isolation, Fehlschläge … Es war mir schier unmöglich, all das einzuordnen, denn ich sollte ja nun glücklich sein. Ich hatte ein gesundes Baby, ein Dach über dem Kopf und einen Ehemann. Warum sollte mir etwas fehlen?

Über all die schmerzhaften Erfahrungen und Fehler, die ich machte, und auch Illusionen, mit denen ich aufräumte, hinweg habe ich erst nach Jahren verstanden, was Mutterwerden und meine Jobidentität wirklich bedeuteten. Es war so unfassbar anstrengend, sodass ich mir im Nachhinein wünschte, mir wäre vieles davon erspart geblieben.

Genau das ist einer der Gründe, warum ich dieses Buch schreibe: Ich möchte (werdenden) Müttern durch dieses Buch Abkürzungen geben und zugleich Begleiterin auf ihrem Weg zur Mutteridentität sein. Ich möchte sie aber auch darin bestärken, dass es mehr als okay, dass es sogar wichtig ist, die Jobidentität zu sehen, zu pflegen und weiterzuentwickeln.

Als ehemalige Personalentwicklerin sehe ich gleichzeitig aber auch so viel Potenzial brachliegen. Da sitzen sie, die gut ausgebildeten Frauen. Frauen, die berufliche Träume hatten und nun einfach vergessen wurden. Statt dieses Potenzial zu Zeiten des Fachkräftemangels zu nutzen, werden diese oftmals ganz hässlich vergrault.

Deshalb ist dieses Buch eine Herzensangelegenheit. Und wenn ich es damit schaffe, nur einer einzigen Frau ein Lächeln bei der Lektüre auf die Lippen zu zaubern, ein Gefühl der Leichtigkeit zu vermitteln und vor allem die Erkenntnis „Du bist nicht allein“, dann hat das Schreiben dieses Buches für mich absolut Sinn gemacht.

Wenn ich eine schwangere Frau sehe – vermutlich schwanger mit dem ersten Kind, denn ab dem zweiten ist es weniger romantisch und mit den meisten Illusionen aufgeräumt –, wünsche ich mir oft die Sorglosigkeit aus meiner ersten Schwangerschaft zurück. Unbeschwert, voller Hoffnung und in dieser rosaroten Blase: Wie schön es doch werden würde, lächelnd dieses kleine, ebenso lächelnde Wesen auf den Armen wiegend in ein erfülltes Leben zu begleiten. Freudig auf einer Decke mit meinem Baby im Park liegen und das Leben genießen. Mit wehendem Haar und Kinderwagen durch die City spazieren, während ich mit milde lächelndem Gesichtsausdruck in den Kinderwagen auf mein zufrieden schlummerndes Baby blicke …

Nichts davon trat ein. Nichts. Nicht einmal im Ansatz. Damals, in meinem seidenweichen Kokon aus naiven Mamaträumen, dachte ich noch, das Schlimmste wären die Schmerzen bei der Geburt, die mir vorher niemand beschreiben konnte. Heute weiß ich, das war nichts im Vergleich zu dem, was dann alles auf mich zukam: ein Tsunami an Emotionen, Entwicklungsaufgaben und Herausforderungen, an denen ich erst mal scheitern würde. Aber vor allem Enttäuschungen. Weil ich mich getäuscht hatte. Mit so vielem.

Eine Enttäuschung ist nichts anderes als das Ende der Täuschung. Ich hatte den Mythen der sinnvollsten Sache der Welt 17und dem Zauber der ersten Zeit blind vertraut. Ich habe all die verklärten Erzählungen übers Mamawerden nie hinterfragt. Heute denke ich, ich wollte es einfach glauben. Deshalb fühlte ich mich lange Zeit betrogen, betrogen vom Leben, weil ich viel zu lange an den schönen Illusionen festgehalten hatte. Betrogen, weil ich nichts von dem bekommen habe, was ich mir so wunderschön vorgestellt hatte. Weil es stattdessen existenziell, anstrengend und wohl die größte Challenge meines Lebens wurde. Weil ich ein kompletter Anfänger war und jeden Stein in mir umdrehen musste, um schlussendlich dann doch irgendwann das Gefühl zu bekommen, eine kompetente Mutter zu sein.

Heute, fast zehn Jahre später, kommen mir diese Vorstellungen von der Leichtigkeit des Mutterseins in schwachen Augenblicken töricht vor. Ich habe gemischte Gefühle. Würde ich mein altes Ich auslachen? Würde ich sagen: „Wie kann man nur so naiv sein und auf all die Lügen rund um Baby und Mamasein reinfallen?“ Wie konnte das alles nur passieren? Wie konnte ich das alles nicht vorhergesehen haben? Manchmal fühlte es sich an, als wäre ich falsch abgebogen, als wäre das Projekt gescheitert, weil ich es nicht hinbekommen habe. Aber nein: Statt mit mir selbst hart ins Gericht zu gehen, nehme ich heute mein altes Ich liebevoll in den Arm. Schließlich wusste ich es nicht besser, ich konnte nichts dafür. Ich hatte schlichtweg zu hohe Ansprüche an mich selbst gestellt, eben weil ich dadurch immer erfolgreich war. Diese Ansprüche kamen oft von außen, ich habe sie unreflektiert als die meinen übernommen und sie nochmals erhöht, sodass sie unerreichbar waren und ich scheitern musste. Heute kann ich sagen, ich habe durch harte Arbeit meinem alten Ich schonungslos, aber auf humorvolle und konstruktive Art und Weise diese Illusionen genommen, da ich heute weiß, dass mir die Wahrheit auf lange Sicht gesehen noch weitere, viele schmerzhafte Jahre der Verunsicherung, Einsamkeit und des scheinbaren Scheiterns beschert hätte.

Und genau das soll dieses Buch tun: Es soll in den Arm nehmen und Licht ins Dunkel bringen. Es soll eine Versöhnung mit den eigenen (überhöhten) Ansprüchen werden. Wir Frauen leiden nicht an den Umständen, wir leiden an den Ansprüchen, die wir an uns selbst stellen. Ansprüche, die – geschürt aus der Kindheit, aus dem Schulsystem, an die gute und perfekte Frau und damit auch an die perfekte Mutter – von außen übernommen und als die eigenen auf einen Sockel gestellt werden. Ein Sockel, der so hoch ist, dass man ihn nie erklimmen kann. Denn nicht selten lautet ein unbewusstes Mantra: „Einfach kann jeder!“ Und gleichzeitig ist es ja auch ein Erfolgsrezept, sich die Ziele und Ansprüche hoch zu setzen. Nur so sind wir leistungsfähig. Ein Phänomen, das ich nicht nur bei Müttern, sondern bereits bei kleinen Mädchen und dann auch in meinen Seminaren an der Universität bei jungen Frauen erkenne. Da sitzen sie und leiden an ihrem Perfektionismus, während ihre männlichen Kollegen mit Leichtigkeit und Mut zur Lücke an ihnen auf den Karriereleitern vorbeirauschen. Weil wir Frauen ja in dieser Zeit noch ein Buch dazu lesen, ein Seminar oder eine Weiterbildung besuchen müssen. Erst wenn wir perfekt sind, können wir ins Tun kommen.

Das Muttersein jedoch „bestraft“ uns Frauen in diesem Erfolgsrezept. Denn was uns einst zu den High Potentials im Arbeitsleben gemacht hat, ist nun hinderlich. Das Leben funktioniert nicht so. Mit Baby ist jeder Tag anders, mit Baby braucht es Mut zum Unperfekten und die Fähigkeit, das auch auszuhalten. Und genau darin sind viele von uns Frauen nicht gut trainiert.

Das Buch soll daher wieder mehr Leichtigkeit ins Leben bringen, indem es aufzeigt, dass jede noch so große Anstrengung einen Sinn und eine wertvolle Entwicklungsaufgabe hat. Es soll vor allem in der wirren Welt der Mütter, in der alles so perfekt und rosarot scheint, Illusionen und Erwartungen von außen entzaubern und signalisieren: Du bist nicht allein!

Jede Mütter kämpft. Jeden Tag. Mit den eigenen Ressourcen, mit dem Umfeld und vor allem mit den eigenen Ansprüchen. Das Buch soll eine Abkürzung im Dschungel des Mutterseins sein. Es soll dabei helfen, sich selbst zu akzeptieren, mit sich selbst aufzuräumen sowie Standfestigkeit in der Mutterrolle zu erlangen, und damit zu einem leichten und erfüllten (Mama-)Leben beitragen. Es soll Leichtigkeit (zurück-)bringen und es möglich machen, auch mal über sich selbst lachen zu können, eigene Ansprüche zu prüfen, neu zu justieren oder vielleicht sogar loszulassen. Denn Kinderkriegen macht uns nicht dümmer, sondern nur klüger, wenn wir die Herausforderung wirklich im Herzen annehmen und uns auf die größte Entwicklungsreise unseres Lebens machen.

Susanne Dietz

1. Lügen und wie sie uns quälen

1. Entspannte Eltern, entspanntes Kind. – Die erste Lüge gleich nach der Geburt.

2. Ich vermisse eine Gebrauchsanweisung. – Warum Menschen unterschiedlich sind und Babys auch.

3. Ein Luftschloss aus pastellfarbenen Illusionen. – Warum niemand vorher die Schattenseiten sehen kann und warum Enttäuschungen ein Segen sind.

4. Schlaf. – Wie ein so kurzes Wort so übermächtig groß für mich und mein Baby wurde.

5. „Üben Sie bitte das Ablegen Ihres Babys.“ – Oder warum man einem Baby nichts lernen kann.

6. Wie konnte ich nur so gefühlsduselig werden? – Über die Transformation im Wochenbett.

7. Nie wieder Feierabend. – Warum Pausen anfangs nicht drin sind und die Gegenwart meine Rettung war.

1. Entspannte Eltern, entspanntes Kind. – Die erste Lüge gleich nach der Geburt.

Da liegt sie nun. Unsere Tochter. Noch nicht einmal zehn Stunden ist es nun her, seit sie das Licht der Welt erblickt hat, wie man so schön sagt. Zugegeben, das erste Licht der Welt, das dieses kleine Wesen im Kreißsaal wahrnehmen durfte, war alles andere als willkommen heißend. Allein deshalb kann ich gut verstehen, dass unsere Tochter lauthals – und damit meine ich so laut, dass niemand in diesem Raum das Wort des anderen verstehen konnte – ihren ganzen Schmerz aus der Seele schrie. Aber nach etwa 30 Minuten Schreiarie war unsere Tochter erschöpft auf mir eingeschlafen und schläft nun dort, seelenruhig. Ich schaue immer wieder nervös nach, ob sie noch atmet. Doch, das tut sie.

Es ist nun 6.30 Uhr. Auf dem Krankenhausflur wird es zunehmend lauter. Das Frühstück wird verteilt. Vielleicht ist auch Schichtwechsel. Mein Mann wacht langsam neben mir auf. Wir haben das Glück, ein Familienzimmer bekommen zu haben. Ich schaue wieder zu meiner friedlichen Tochter. Schläft immer noch.

Plötzlich reißt eine Schwester mit einem lautstarken „Guten Morgen!!“ die Tür auf. „Wie geht es Ihnen heute Morgen? Waren Sie schon auf Toilette? Hatte das Kind schon eine nasse Windel? Wie oft haben Sie das Kind angelegt?“ So viele Fragen überfordern mich maßlos, ich fühle mich wie von einem riesigen Lkw überfahren. Ich antworte auf die letzte Frage: „Seit gestern Abend 23 Uhr schläft sie.“ Innerlich freue ich mich und habe ein Grinsen im Gesicht, denke heimlich: „Sie schläft quasi durch. Was bin ich für ein Glückspilz.“ Doch die Freude ist nicht aufseiten der Schwester. „Was?! Seit fast acht Stunden hat das Kind nicht getrunken? Wir müssen sie sofort wecken und anlegen.“ Hektisch deutet sie auf das Stillprotokoll, das ich angewiesen bin zu führen. Alle zwei bis drei Stunden soll das Kind trinken, steht da. Und ich solle aufschreiben, wann sie trinkt und welchen Windelinhalt sie hat. Das war mir schon zu kompliziert. Ich sah auch keinen Sinn darin. Jahre später habe ich das Stillprotokoll der ersten Wochen wiedergefunden und ich war schockiert. Da hatte ich wirklich Tag und Nacht alle zwei bis drei Stunden das Kind sowohl gefüttert als auch gewickelt. Und noch schlimmer: alles akribisch dokumentiert. Gruselig. Keine Ahnung, wie Frau das überlebt …

Hektisch nimmt die Schwester das Kind aus dem Bettchen, das ebenso wenig erfreut ist wie ich. Genervt verzieht meine Tochter das Gesicht und brummt etwas mürrisch. Verstehe ich, total ätzend. Aber sie trinkt. Ich mache brav das Kreuzchen auf dem Stillprotokoll und alle sind zufrieden, vor allem die strenge Krankenschwester.

Die nächsten beiden Tage verlaufen überaus ruhig. Während wir aus dem Nachbarzimmern immer wieder laute und unzufriedene Kinder hören, lege ich wie mir aufgetragen mein Baby alle zwei bis drei Stunden an, „wickle sie wach“ – ein neuer Begriff und Trick, wenn das Kind nicht aufwacht, einfach wickeln – und führe weiter vorbildlich das Protokoll. Krankenhauspersonal sehen wir nur zu den Essenszeiten, aber irgendwie bin ich auch ganz froh, nach dem energischen Auftritt an Tag 1.

Bei unserer Entlassung sagt die Schwester zu uns: „Also, Sie sind ja mal tolle Eltern. Wir haben auf Station schon gesagt: ,Von Ihnen bekommt man ja gar nichts mit. ‘ So entspannt, wie Sie sind. Toll! Das merkt man ja auch an Ihrem Kind. So ein zufriedenes Mädchen. Entspannte Eltern, entspanntes Kind.“ Und innerlich freue ich mich als Leistungstochter dieser Gesellschaft, dass ich alles richtig und perfekt zur Zufriedenheit der Fachfrauen mache. Wusste ich’s doch: Man muss es einfach nur intuitiv richtig machen, dann ist die Babyzeit ein Klacks.

Der Zauber der Entspanntheit und der damit vermeintlich korrelierenden Elternkompetenz sollte jedoch nicht ewig halten. Nach zwei Wochen entspanntem Kind daheim kam die Wende. Das Kind schrie, schrie und schrie. Nichts half. Kein Anlegen, kein Hautkontakt, kein Tragen. Es schien so, als wolle unsere Tochter einfach schreien. Schreien über Stunden. Was war plötzlich kaputt? War sie krank? Wir waren doch so entspannt! Nun ja, nach drei Stunden Geschrei – und das konnte meine Tochter immer noch in einer Lautstärke, die beinahe die Sirenen der Feuerwehr übertönte – war ich nicht mehr entspannt. Und mein Mann auch nicht. Wir waren nicht mehr die entspannten Eltern, die im Krankenhaus so himmelhoch gelobt wurden. Und wir hatten von heute auf morgen kein entspanntes Kind mehr, obwohl wir anfangs doch so entspannt waren.

Dass es noch mehrere Monate so gehen sollte und wir ein überaus sensibles Kind bekommen hatten, das wussten wir zu diesem Zeitpunkt nicht. Doch was ich recht früh wusste oder zumindest ahnte, war:

Tipp:

„Entspannte Eltern, entspanntes Kind“ ist eine doofe und zugleich sehr fiese Lüge.

Und das auch noch gleich nach der Geburt. Wir waren entspannt. Wir waren mehr als entspannt. Wir waren fast schon so entspannt, dass man es naiv nennen könnte. Doch dann kam der Tag, an dem unsere Tochter „wach“ wurde. Sie nahm immer mehr von der Welt wahr und ihr war das Leben schlichtweg zuviel. Selbstregulationsstörung nennt man das, klärte mich Jahre später ein Kinderarzt auf. Das klingt im ersten Moment wie eine schlimme Krankheit, ist aber im Grunde gar nicht mal so unlogisch, wenn man sich vor Augen führt, welch großen Umbruch jeder Mensch beim Übergang vom wohlbehüteten Mutterleib in eine turbulente Welt erfährt, in der es Hunger, Kälte und Lärm gibt. Kinder mit einer solchen Störung nehmen zu viel wahr, filtern zu wenig. Das Gehirn schafft es nicht mehr, die Vielzahl an Reizen zu verarbeiten. Stress wird ausgelöst und um diesen Stress abzubauen, schreien die Kinder. Das kommt gar nicht mal so selten vor. Unser Kind wurde noch nicht mal als Schreibaby klassifiziert. Dazu müsste es nämlich an drei Tagen die Woche mehr als drei Stunden am Stück schreien, so die Definition von Schrei babys. Wir dagegen hatten ein sogenanntes High-Need-Baby. Davon habe ich später gelesen. Das sind Kinder, die vor allem viel Körperkontakt brauchen und sehr sensibel auf das Umfeld reagieren. Auch nicht mal so unlogisch, wenn man bedenkt, dass der Körperkontakt die einzige Sicherheit eines kleinen Wesens ist, um nicht hilflos irgendwo liegengelassen und vergessen zu werden. Anfangs dachten wir auch, es wären Bauchweh und die berühmten Dreimonatskoliken. Tatsächlich herausgefunden haben wir es nie, weil unsere Tochter bis heute nicht davon erzählt hat, was sie wirklich hatte. Vermutlich war es wie so oft im Leben eine Mischung aus beidem: ein unausgereiftes Verdauungssystem gekoppelt mit einem unausgereiften Filtersystem, wodurch die Welt unserer Tochter zu viel wurde und sie in ihrem kleinen Körper keine andere Wahl hatte, als ihren ganzen Schmerz des Übergangs in die neue Welt herauszuschreien. Die Erkenntnis, die leider erst sehr spät, nach Monaten des innerlichen Aufriebs, kam: Als Eltern kann man da gar nicht so viel machen. Es geht um Akzeptanz dessen, was ist, und nach und nach lernten wir situativ, dass in unserer Wohnung kein Radio und schon gar kein Fernseher laufen durfte, Restaurantbesuche mit Baby für uns einfach unmöglich waren, Autofahrten vermieden und stattdessen feste Strukturen im Tagesablauf eingeführt werden mussten. So konnten wir das erste Jahr einigermaßen überstehen.

Doch das Gefühl des Scheiterns, es nicht hinzubekommen, Fehler gemacht zu haben und der Illusion der schönen Babyzeit beraubt worden zu sein, lastete lange auf mir.

Tipp:

Erst Jahre später verstand ich, was für ein Fluch mit dem Satz „Entspannte Eltern, entspanntes Kind“ über mich ausgesprochen wurde.

Ich war entspannt und doch war es mein Kind plötzlich nicht mehr. Dass dieser Wechsel zum unentspannten Kind nichts mit mir zu tun hatte und ich akzeptieren durfte, dass mein Kind nun mal so war, wie es war, kostete mich Jahre der Selbstreflektion und Selbsterkenntnis.

All das, was mich all die Jahre im Berufsleben so erfolgreich gemacht hatte, wie Disziplin, Zuverlässigkeit und Planung, war mit Kind wenig hilfreich, sogar hinderlich. Ein schmerzhafter Abschied vom Perfektionismus, der mich über Jahre aus- und erfolgreich gemacht hatte. Es ging nun vielmehr darum, situativ zu reagieren und körperlich belastbar zu werden, das Thema „Schlaf“ und wie viel ich wirklich zum Leben brauchte neu zu definieren und alte Glaubenssätze loszulassen. Und immer wieder zu akzeptieren – auch wenn es sich jedes Mal wie ein Biss in eine saure Zitrone anfühlte –, dass es Tage gab, die nicht schön waren, ich daran aber nichts ändern konnte.

Als drei Jahre später unsere zweite Tochter geboren wurde, war ich auf alles vorbereitet – dachte ich. Schließlich hatte ich mit Kind 1 die „Masterclass der Babyzeit“ absolviert. War also den „Ironman des Mamawerdens“ gelaufen. Was sollte da jetzt noch kommen, das mich aus der Bahn werfen konnte?

Und doch hat es mich dann voll erwischt. Ich war derart angespannt wie im ersten Jahr mit meinem ersten Kind und eben keineswegs so entspannt wie in den ersten Tagen mit erstem Kind. Das „Trauma“ aus der ersten Babyzeit saß so tief, dass es sich bei der Geburt der zweiten Tochter mit in mein Wochenbett legte und sich lauthals in meinem Kopf und meiner Gefühlswelt bemerkbar machte. Sobald unsere zweite Tochter nur ein wenig quäkte, fuhr ich hoch. Ich war alarmbereit. Es hat mich Wochen gekostet, dass ich wirklich im Kopf und im Herzen verstand, dass es sich hier um eine komplett andere Persönlichkeit handelte – eine entspannte Persönlichkeit.

Ich kann mich noch gut an unseren Schlüsselmoment erinnern. Ich musste dringend einkaufen, wir hatten kaum etwas Brauchbares zu essen im Haus. Allein der Gedanke, mit meiner dreijährigen Erstgeborenen und dem vier Wochen alten Neugeborenen einen Supermarkt zu betreten, versetzte mich in Panik. Doch es gab keine andere Option. So packte ich das Baby samt Babyschale auf den Einkaufswagen, meine Tochter tippelte folgsam neben mir her. Ich hatte den Adrenalinspiegel eines Kampfjetpiloten im Einsatz. Meine erste Tochter konnte ich nie in eine Babyschale legen oder mit ihr Auto fahren. Das war immer mit lautem Geschrei verbunden. Ich habe solche waghalsigen Aktionen wie Autofahren mit Baby damals einfach aus meinem Handlungsrepertoire gestrichen. Doch nun betrachtete ich Kind zwei in der Babyschale, während ich hektisch und hastig die Einkäufe einsammelte. „Das läuft doch gut. Entspann dich“, sagte ich mir. „Alles gut, keiner schreit.“ Aber entspannt war ich immer noch nicht. Plötzlich wurde ich aus meinem unentspannten Gedankenkarussell gerissen. Wo war meine älteste Tochter? Einfach weg. Sie war doch gerade noch neben mir am Einkaufswagen?! Hektisch drehte ich mich nach links und rechts. Tunnelblick. Mein Kind war weg. Panik. Ich rannte in den nächsten Gang, sah sie nicht. Die anderen Supermarktkunden sahen mich fragend an. Ich ließ den Einkaufswagen stehen, rannte panisch in den nächsten Gang. Und da stand sie. Einen Schokoweihnachtsmann in der Hand. „Kann ich den haben?“, fragte sie mich und drehte sich strahlend zu mir um. Ich umarmte sie so stürmisch, als wäre sie 27nach einem Jahr Auslandsaufenthalt wieder zurück zu Hause. Ich hatte solche Angst um sie. All die Panik über ein schreiendes Baby beim Einkaufen war wie weggeblasen. Ich nahm sie auf den Arm und schnell rannte ich zurück zum Einkaufswagen. Ich hatte ja noch ein Kind! Als Neumama eines zweiten Kindes darf man sich das noch bewusst machen. Und da traute ich meinen Augen nicht. Das konnte nicht sein, das war mir noch nie passiert. Mein Baby war bei all der Hektik um sie herum in der Babyschale in diesem überfüllten Supermarkt einfach so und völlig mit sich zufrieden eingeschlafen.

Und da war es mir klar – der Fluch „Entspannte Eltern, entspanntes Kind“ war von mir genommen. Es sind nicht entspannte Eltern, die entspannte Kinder haben.

Tipp:

Es sind Kinder mit entspannten Persönlichkeiten, die eben entspannt sind und ihren Müttern und Vätern die Chance geben, auch entspannt zu sein.

Denn die Korrelation ausgehend von den Kindern, das habe ich für mich über die Jahre herausgefunden, stimmt so gut wie immer: Wenn meine Kinder traurig sind, dann bin ich es automatisch auch. Wenn meine Kinder glücklich sind, bin ich es auch. Entspannte Kinder, entspannte Eltern – so wird ein Schuh draus.

Sätze, die mir wirklich geholfen hätten

Es hat nichts mit Können oder Kompetenz zu tun, wenn dein Kind entspannt ist. Vielmehr ist es der individuelle Charakter, der uns Menschen ausmacht, als deren Umfeld. Das gilt auch für Babys. Klar, das Baby ist vor allem im ersten Jahr eng mit der Mutter verbunden, weil das das Überleben sichert und es instinktiv spürt, wie es der Mutter geht. Das wirkt sich wiederum auf den Gemütszustand des Kindes aus. Doch wenn du entspannt bist, heißt es nicht automatisch, dass dein Kind entspannt ist und andersherum. Es gibt noch so viel mehr Faktoren, die das Baby beeinflussen, wie Geräusche, Tages ablauf, Gesundheitszustand und vor allem aber auch seine genetisch bedingte Persönlichkeit. Kurzum: Es liegt nicht an dir. Das Einzige, das hilft und Energie spart, ist: Akzeptanz. Nimm es so an, wie es ist, ohne die Situation zu bewerten. Und dann sei mutig und probiere aus, was für dich und dein Kind funktioniert.

Du kannst dich nicht gut oder schlecht vorbereiten – das Einzige, das du tun kannst, ist die Situation mit deinem Baby betrachten, ausprobieren, weitermachen. Trial and Error.

2. Ich vermisse eine Gebrauchsanweisung. – Warum Menschen unterschiedlich sind und Babys auch.

Mein Baby, gerade drei Wochen alt, ist fest an mich geschnallt in einem dieser elastischen Tragetücher, die einem den Alltag mit Baby so erleichtern sollen. Ja – zumindest habe ich zwei Hände frei. Dazu aber Augenringe, schmerzende Füße, Kopfschmerzen vom Schlafmangel, ein diffuses Hunger- und gleichzeitig Übelkeitsgefühl. Auf die Hormone schieben? Keine Ahnung. Hinsetzen darf ich mich nicht, denn sonst zappelt und schreit das kleine Bündel wie wild vor meiner Brust. Also laufe ich in meiner Wohnung hin und her. Ich habe Sportschuhe an. Nein, nicht weil ich Workout mache. Sondern weil mir sonst am Abend die Füße weh tun vom Barfußherumlaufen auf den Fliesen. Ich trage einen Stapel Papier mit mir rum. Mein Buch ist so gut wie fertig. Das Manuskript hatte ich noch vor der Geburt abgegeben. Aber jetzt kommen die Anmerkungen der Lektorin. In meinem „alten“ Leben ohne Baby wäre die Überarbeitung wohl eine Sache von maximal zwei Tagen gewesen. Inzwischen schleppe ich diese Aufgabe samt Nicht-Anfänger-Baby seit fast zwei Wochen mit mir herum. Immer wieder versuche ich im Hin- und Herlaufen ein paar Seiten durchzulesen und danach die Anmerkungen der Lektorin einzuarbeiten. Es geht schleppend voran. Es frustriert mich. Hatten nicht alle zu mir gesagt: „Das kannst du locker in den ersten Wochen nach der Geburt noch erledigen. Babys schlafen ja am Anfang so viel.“ Alle – nur meins nicht. Meins schläft mal 20 Minuten, aber nur, wenn es wie jetzt vor mich geschnallt im Tragetuch hängt und ich dabei laufe. Ansonsten ist es übellaunig und unzufrieden wieder zwei Stunden wach. In dieser Zeit will es gefüttert, gewickelt und eben auch herumgetragen werden. Hinlegen geht nicht. Das wird sofort mit lautem Protest quittiert. An konstruktives Arbeiten ist dabei nicht zu denken. Ich bin traurig, frustriert und ja, verärgert. Babys schlafen ja so viel … Wieso hat mein Baby noch nie davon gehört?! Und der nächste, noch bescheuertere Satz ist: „Schlaf, wenn das Kind schläft.“ Genau. „Und koche, wenn das Kind kocht!“

Fakt ist – und das durfte ich mir ganz ehrlich selbst eingestehen:

Tipp:

Ja, es gibt sie, die Babys, die am Anfang oder vielleicht sogar ein ganzes Jahr so viel schlafen.

Mein drittes Kind war so eines. Es hat die ersten sechs Monate quasi nur geschlafen. Es konnte maximal 20 Minuten wach sein, was Aktionen wie Baden oder Einkaufen unmöglich machte. Es wollte immer schlafen. Nur blöd, dass mein drittes Kind nur AUF mir schlafen wollte und dass das mit zwei anderen Kindern im Haushalt gar nicht so praktisch ist. Schlafen konnte das dritte Baby nie wirklich, weil es ja nie wirklich ruhig war. Dafür war es dann recht übellaunig, weil immer müde. Mein drittes Kind wäre ein gutes Anfängerkind gewesen. Dann hätten wir wohl einfach sechs Monate zusammen auf der Couch verbracht: Das Baby auf mir liegend und ich hätte zum Beispiel ein Buchmanuskript überarbeiten können. Aber man kann sich die Geschwisterfolge nicht aussuchen.

Gleichzeitig weiß ich heute, es gibt eben auch sehr viele Babys, die nicht viel schlafen, weil sie einen wacheren oder vielleicht auch unruhigeren Charakter haben. Die nicht schlafen können. Also wirklich nicht KÖNNEN, weil ihnen die Kompetenz zum 31Schlafen fehlt. Sie schaffen es nicht, allein zur Ruhe zu kommen. Sie legen sich nicht hin, wenn sie müde sind, und schlafen ein. Sie brauchen immer ein wachsames Auge von außen, das erkennt, wenn es müde wird und es dann rechtzeitig in den Schlaf schuckelt. Denn überschreitet man diesen Punkt, ist das Baby überreizt, es wird immer schwieriger und alles wird mit lautem Geschrei honoriert. Das durfte ich alles selbst herausfinden. Es hat mir wohl niemand erzählt, weil es unbequem ist. Oder weil diese Eltern – wie ich damals –, einfach keine Zeit haben, es zu erzählen.

Dieses Phänomen der Viel- und Wenigschläfer bestätigte mich wiederum in meiner schon längst verfochtenen Hypothese: Menschen sind nun mal einfach unterschiedlich. Und „erstaunlicherweise“ gilt das auch für Babys. Das heißt aber auch für Mütter mit mehreren Kindern: Selbst wenn vieles beim ersten Kind gut geklappt hat, muss es beim zweiten nicht wieder klappen. Ich habe mich bei jedem meiner drei Kinder als Anfängerin gefühlt. Jedes einzelne dieser Wesen aus demselben Genpool war im Aussehen und auch im Charakter komplett unterschiedlich zu den Geschwistern. Die Schnittmengen waren kaum sicht- und spürbar. Logisch ist man nach dem ersten Kind routinierter im Windelwechseln oder sich auch klarer, was die Babyernährung angeht. Aber warum das Kind zufrieden oder unzufrieden ist, das ist nicht selten ein Blick in die Glaskugel. Welche Stärken es hat, welche Vorlieben, warum ein Kind gerne schläft und es schafft, sich komplett von der Welt abzukapseln, während das andere Angst hat, etwas zu verpassen oder hypersensibel ist. Reine Spekulation.

Tipp:

Ich durfte mit all meinen Kindern lernen: Menschen sind unterschiedlich und so eben auch Babys.

Ich konnte damals nicht wissen, welchen Menschen ich zur Welt gebracht hatte, welchen Charakter dieses kleine Wesen einmal entwickeln würde. Das habe ich immer erst rückblickend verstanden. Heute, im Jetzt, da ich meine Kinder und ihre Persönlichkeit, ihre Stärken, Vorlieben etc. kenne, kann ich das Verhalten, das sie bereits als Baby gezeigt haben, ganz wunderbar schlüssig erklären. Im Nachhinein macht immer alles Sinn. Doch damals konnte ich dieses Wissen über ihren individuellen Charakter nicht haben und so war es ein ständiges Ausprobieren und auch immer wieder ein Scheitern.

Meine drei Kinder, alle aus demselben Genpool derselben Eltern, hatten von Anfang an ganz unterschiedliche Charaktere: Meine erste Tochter konnte so laut schreien, dass bei ihrer eigenen Taufe niemand mehr die Worte des Pfarrers verstehen konnte – trotz Mikrofon –, als dieser ihr das Weihwasser über den Kopf goss und dies selbstverständlich lauthals mit Protest quittiert wurde. Mein Umfeld meinte natürlich, das läge hauptsächlich an mir, weil ich eben unentspannt war. Meine zweite Tochter hingegen war von Anfang an ein sehr sonniger und ausgeglichener Charakter. Sie quengelte wirklich nur selten und war die meiste Zeit gut gelaunt. Natürlich nur, weil ich ja so gut trainiert war, meinten Freunde und Bekannte. Jetzt würde ich alles richtig machen. Das tat mir damals zugegebenermaßen sehr gut und ich fühlte mich selbstbewusst. Doch dieses Selbstbewusstsein fiel bei Kind Nummer 3 wie ein Kartenhaus in sich zusammen, weil mit ihm erneut ein sehr sensibler und nähebedürftiger Charakter auf die Welt gekommen war. Wie bereits erwähnt hatte mein Sohn beschlossen, die ersten Monate quasi auf mir zu wohnen. Das machte meinen Alltag als Dreifachmama nicht einfacher.

Unterm Strich kann ich sagen: Natürlich ist es gut, sich als Mutter kompetent und entspannt zu fühlen.

Tipp:

Doch auch mit viel Erfahrung gibt es genetisch bedingt einfach entspanntere Kinder und solche, die ihre Eltern mehr fordern.

Und das ist gänzlich ohne Wertung zu sehen, was besser oder schlechter ist.

Was mir vor allem beim ersten Kind im Weg stand, war mein vermeintliches „Erfolgsrezept des Lebens“, das ich als disziplinierte Leistungstochter der Gesellschaft bereits in Schule, Studium und dann auch Job verfeinert hatte. Bis zu diesem Zeitpunkt hatte ich es dank schlauer Planung und mit cleveren Lösungen schnell geschafft, an mein Ziel zu kommen. Mit Baby hat aber erst mal gar nichts funktioniert. Ich konnte nicht mehr planen, weil es einfach keinen Sinn machte. Ich wusste nicht, wie dieser kleine Mensch „funktionierte“. Ich durfte das Trial-and-Error-Prinzip von Grund auf lernen und auch wertschätzen lernen. Denn was vielen Frauen von uns zu eigen ist, ist, dass wenn etwas nicht funktioniert, wir den Fehler bei uns suchen. Bei Männern beobachte ich vielmehr, dass diese zum einen vieles „sportlicher“ nehmen – eben einfach ausprobieren und wenn man(n) „verliert“, wird es wieder und einfach anders versucht. Zum anderen suchen Männer nicht immer den Fehler bei sich, was den Selbstwert schützt. Vielmehr ist dann die schlecht übersetzte Aufbauanleitung schuld, wenn der Schrank immer wieder in sich zusammenfällt, oder aber der Markt gerade schlecht, weil ein Kunde nicht angebissen hat. Im Zusammenleben mit Baby, das keine Gebrauchsanweisung im Gepäck hat, konnte ich für mich lernen, dass dieses sportliche Ausprobieren und dann auch wieder Loslassen von Konzepten, die nicht funktionieren, sehr selbstwert- und energieschonend war.

Tipp:

So habe ich vor allem durch meine Babyzeit eine sehr wertvolle Lektion gelernt: Lernen durch Ausprobieren.

Wenn es funktioniert, freuen, und wenn nicht, dann einfach wieder loslassen und wieder von vorne anfangen – völlig losgelöst von eigenen Ansprüchen, die sich unmittelbar auf den Selbstwert auswirken und uns traurig oder übellaunig machen.

Vor einigen Jahren fiel mir ein sehr spannendes Buch des schwedischen Jugendpsychiaters David Eberhard – Kinder an der Macht (2015)1