Nobby408 - Sophie Leib - E-Book

Nobby408 E-Book

Sophie Leib

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Beschreibung

Sophie ist Ende vierzig und eine echte Powerfrau. Lebensfroh und selbstbewusst hat sie ihr Leben im Griff, als sie in einem Swingerclub Bernd kennen lernt, der wie das Tüpfelchen auf dem i mit allen Attributen gesegnet ist, die sie sich von einem Mann wünscht. Sophie fällt die Entscheidung, dass mit der Variablen Bernd aus der Summe ihrer bisherigen Lebenserfahrungen eine Gleichung wird, die ihrer Meinung nach perfekt aufgeht.

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EPUB
MOBI

Seitenzahl: 338

Veröffentlichungsjahr: 2020

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Die Namen der handelnden Personen wurden von der Autorin geändert.

für Christiane

Die Liebe ist langmütig und freundlich, die Liebe eifert nicht, die Liebe treibt nicht Mutwillen, sie blähet sich nicht, sie stellet sich nicht ungebärdig, sie suchet nicht das Ihre, sie lässt sich nicht erbittern, sie rechnet das Böse nicht zu, sie freuet sich nicht der Ungerechtigkeit, sie freuet sich aber der Wahrheit; sie verträgt alles, sie glaubet alles, sie hoffet alles, sie duldet alles.

1. Brief des Paulus an die Korinther 13, 1-7

Inhalt

Vorwort

Erster Teil

Zweiter Teil

Dritter Teil

Nachwort

Anhang

Danksagung

Vorwort

Jeder Sex in diesem Bericht ist einverständlich und sicher. Um den Fluss der Erzählung nicht zu überfrachten, habe ich darauf verzichtet, jedem der zahlreichen Schwänze darin das Kondom überzuziehen, das er in der Realität getragen hat, und die im Zentrum des Interesses stehenden Körperteile mit den Namen genannt, die sie in meiner Sprache tragen.

Die Benutzung der überall bereit liegenden Kondome ist in einem Swingerclub selbstverständlich, anders als in privater Umgebung habe ich dort nie selbst für ihr Vorhandensein und ihre Verwendung Sorge tragen müssen. In meinen späten Dreißigern hatte ich erstmals durch die Erzählung eines Kollegen, zu vorgerückter Stunde an der Bar eines Seminarhotels, Kenntnis von der Existenz einer solchen Einrichtung erhalten, aber damals konnte ich ein in den Augen meines Gegenübers aufscheinendes Interesse noch lesen und zweifelsfrei deuten. Zehn Jahre später beschlich mich das Gefühl, das Vokabular verlernt zu haben oder schlichtweg keine Gesprächspartner mehr zu finden und ging neugierig auf das Angebot einer flüchtigen Bekannten ein, sie zu einem Clubabend zu begleiten.

Wie jede andere gastronomische Einrichtung ist auch jeder Swingerclub unterschiedlich gestaltet. Die meisten liegen in Industriegebieten, wo es zu den üblichen Öffnungszeiten sonst wenig Verkehr und ausreichend Parkplätze gibt, und versuchen, mit großen und kleinen, offenen und verschließbaren Räumen, Paarezimmern und Darkrooms, Gucklöchern und Pornofilmen, ausrangierten Gynäkologenstühlen und mindestens einer kleinen Auswahl an SM-Gerätschaften, auf dem zur Verfügung stehenden Platz eine möglichst große Bandbreite sexueller Interessen abzubilden. Immer stehen Unmengen von Handtüchern zur Verfügung, zum Unterlegen und Abtrocknen, meist gehört zur Ausstattung auch eine Sauna und oft auch ein Pool, und immer gibt es eine Bar und einen Essbereich mit einem Buffet, denn Sex macht - wie fast alle Drogen - hungrig und in der Regel ist das alles im Eintritt inbegriffen. Das Publikum ist ein Spiegel der Gesellschaft, von Anfang Zwanzig bis Mitte Siebzig, vom Lastwagenfahrer bis zum Professor, von magersüchtig bis fettleibig, von käsigem weiß bis schimmerndem braun, vom protzigen Geck bis zur grauen Maus, alles ist vertreten, vereint in dem Interesse, sexuelle Erregung zu erleben, und in dem Gefühl, außerhalb der Norm zu agieren. Eine Parallelwelt, die deutlich vom normalen Leben getrennt ist, in der diese Leidenschaft meist geheim gehalten wird.

Die Motive für den Besuch in einem Swingerclub sind vielfältig. Die Befriedigung sexueller Bedürfnisse, die über die des Partners in einer festen Beziehung hinausgehen oder von diesem als abartig empfunden werden. Die Wiederbelebung sexuellen Interesses aneinander in einer langjährigen Partnerschaft. Das Ausleben der eigenen Lust in einer Lautstärke, die nicht auf Nachbarn oder andere Familienmitglieder Rücksicht nehmen muss. Ich entdeckte eine Umgebung, in der ich nicht fürchten musste, das Interesse meines Gegenübers aufgrund meiner eigenen Bedürftigkeit mißdeutet zu haben, oder in seiner Wohnung plötzlich mit einem Psychopathen konfrontiert zu sein, oder im Bett einen langweiligen Schwätzer oder egoistischen Liebhaber zu entdecken. Hier begriff ich die Schönheit meines Körpers und die Nichtigkeit seiner vermeintlichen Mängel und lernte ihn in der Gestalt anderer Frauen besser kennen. Hier entdeckte ich das Begehrenswerte an der Intensität und Freude an meiner Lust und genoss, dass der Mann ganz selbstverständlich meiner Befriedigung diente oder in der nächsten Runde ersetzt wurde. Und dann konnte ich einfach nach Hause gehen und entspannt einschlafen.

Ich fühlte mich wie die Königin, als die ich mich im Joyclub anmeldete, einem sozialen Netzwerk für Sexinteressierte, in dem die Verschleierung der tatsächlichen Identität naheliegend ist, denn neben der Angabe von körperlichen Merkmalen wie Größe, Gewicht und Haarfarbe arbeitet man sich zunächst durch einen Katalog von über fünfzig Spielarten, Vorlieben und Tabus, um ein Profil zu erstellen. Geht Intimbehaarung gar nicht oder stehe ich drauf, gehört Fisting in die Rubrik mag ich nicht so oder unbedingt, und ist Telefonsex situationsabhängig? Wer auf der Suche nach Kontakten ist, kann andere Mitglieder nach Namen, Entfernung, körperlichen Merkmalen oder sexuellen Vorlieben filtern und anschreiben, kann Gruppen wie Hoteldates, Camping-, Swinger- oder Saunafreunde, Parkplatztreffen oder diversen Stamm-tischen beitreten oder Chatgruppen für Interessen wie Lack und Leder, Old School BDSM, Partnertausch in getrennten Räumen oder Flotter Dreier MMF besuchen, es gibt nahezu kein Interesse, das sich in diesen Listen nicht wiederspiegelt. Bei den Clubs und Events sind alle Veranstaltungen und privaten Dates gelistet, die an einem bestimmten Tag angeboten werden und die Gästelisten und der beschriebene Dresscode geben wichtige Hinweise für die Wahl des Ereignisses und des Outfits. Eine Anmeldung zur Veranstaltung über dieses Forum ist unkompliziert und wird mit einem Rabatt beim Eintritt belohnt und kann auch anonym erfolgen, was ich bevorzuge, um die Zahl der Nachrichten in meinem Postfach gering zu halten.

Die hier erzählte Geschichte gewinnt durch ihre Nähe zur Swingerclubszene eine besondere Prägung, weil diese eine der nicht alltäglichen Leidenschaften ist, die die Protagonisten miteinander teilen, sie ist in meinen Augen aber auch ohne nähere Kenntnisse oder eigenes Erleben derselben denkbar und verständlich.

Reutlingen, im Juni 2020

Erster Teil

1

Die Außentemperatur beträgt klirrende -10 Grad, als ich am letzten Mittwoch des Februars mein Auto auf den Parkplatz im Industriegebiet abstelle und an der Tür des Swingerclubs läute. Noch während ich an der Kasse bezahle und meinen Schlüssel in Empfang nehme, klingelt es erneut und ein groß gewachsener Mann betritt den Club. Zwangsläufig teilen wir uns den nüchternen und mit roten Spinden vollgestopften Umkleideraum, und er kommentiert die Bemühungen, meine Brüste möglichst vorteilhaft in einem aus viel Netz und wenig Lack-ähnlichem Material bestehenden schwarzen Body zu positionieren, mit einem frechen „sitzt alles?“.

Ich bestelle mir an der Bar einen trockenen Sekt, unterziehe die Anwesenden einer kurzen Musterung - noch ist nichts für mich dabei - bediene mich am liebevoll gestalteten Buffet und ergattere nach einer obligatorischen Zigarette meinen Lieblingsplatz an der Bar, von dem ich sowohl auf die bereits Eingetroffenen als auch auf die neu Ankommenden einen guten Blick habe. Der große Mann bittet um den Platz neben mir und ich kann ihn jetzt im gedämpften Licht ganz unverschämt in Augenschein nehmen. Das Alter schlecht einzuschätzen, aber auf jeden Fall 50plus, die Augen sehr blau und strahlend, das Haar eher weiss als grau und gekonnt frisiert, um nicht mehr ganz volle Stellen sportlich zu kaschieren. Kräftig, aber muskulös. Er heißt Bernd und sein Lachen ist unwiderstehlich.

Ich bin keine Heldin des Smalltalks, aber wir quatschen über Gott und die Welt. Er, ein promovierter Mathematiker, klassifiziert seine Schlüsselnummer 53 als Primzahl und merkt auf, als ich das für meine 48 verneine und sie lässig in 2 hoch 4 mal 3 zerlege. Über die Unterschiede zwischen Potsdam, wo er arbeitet, und Dresden, wo er manchmal arbeitet und ich wohne. Über Musik. Dass er mal in der Deutschen Nationalmannschaft einer etwas abwegigen Sportart war und Russisch kann. Dass er bei der Bundeswehr morsen gelernt hat. Über einen Urlaub in Griechenland, den er in jungen Jahren mit einem Freund gemacht hat. Wie wir zum swingen gekommen sind und wie lange wir das schon machen. Er fragt, warum jemand wie ich Single sei - ich sei doch Single? - und ich antworte ungewöhnlicherweise, dass das daran liegt, dass meine letzte Beziehung durch den Tod beendet worden sei, aber selbst das kann unseren Redefluss nicht stoppen. Irgendwann frage ich schmunzelnd, ob wir uns nicht vielleicht auch körperlich engagieren wollen, was er freudig bejaht.

Das romantisch angehauchte Einzelzimmer ist frei und nach einigen wenigen, aber innigen Küssen schlüpfen wir hungrig und nahtlos ineinander und genießen uns und unsere Lust und ich erlebe das erste Mal, wie urgewaltig dieser Mann seinen Orgasmus hinaus schreit, was mich später zu der kecken Bemerkung veranlaßt, er sei echt ein Brüller. Danach sitzen wir eng umschlungen im kleinen, aber angenehm warmen Pool und unterhalten uns mit einem älteren Herrn, während Bernd zärtlich mit meinen Brustwarzen spielt. Zurück an der Bar quasseln wir einfach weiter und der Herr aus dem Pool neckt uns im Vorbeigehen, wir wären ja wohl offensichtlich auch schon ewig miteinander verheiratet und glaubt uns nicht, dass wir uns heute Abend erst kennen gelernt haben. Wir kehren noch einmal in das Zimmer zurück und entdecken uns mit etwas weniger Überschwang und mehr Neugier weiter und ich genieße die Freude, die es ihm macht, mich mit Zunge, Händen und Schwanz zu verwöhnen und revanchiere mich großzügig.

Wir sind die Letzten, die den Club verlassen. Weil er mit der Bahn gekommen ist, biete ich ihm an, ihn ein Stück mitzunehmen und kurz bevor ich ihn rauslasse, frage ich, ob ich ihm vielleicht meine Telefonnummer aufdrängen soll. „Ich überlegte gerade, ob ich Dich danach fragen soll“ bejaht er freudig. Als ich im Bett liege, kommt seine erste Nachricht. Er bedankt sich fürs Mitnehmen und den schönen Abend und schreibt, dass er jede Minute mit mir genossen habe. Die Nachricht ist mit einem Kuss-Emoji verziert.

2

Ich bin zu diesem Zeitpunkt 48 Jahre alt und zufriedener mit mir und meinem Leben als jemals zuvor. Ich lebe mit Filou, meinem Hund, in einem zu einer sehr individuellen Wohnung umgebauten ehemaligen Ladengeschäft am Rande der Dresdener Neustadt, habe einen kleinen und feinen Freundeskreis, genieße in Konzerten, Theater, Kino und bei Lesungen die Vielfalt des kulturellen Lebens der Stadt und habe als erfolg-reiche freie Handelsvertreterin eine sehr ausgewogene Work-Life-Balance. Das Tüpfelchen auf dem i ist die erst im vergangenen November gemachte Entdeckung, dass ich als Frau ungezwungen und gefahrlos in einem Swingerclub auch endlich meine sexuellen Bedürfnisse befriedigen kann. Wobei für mich die größte Gefahr darin liegt, den Mann nicht wieder loszuwerden. Aber Bernd, den muss ich wiedersehen.

Bereits am nächsten Abend, an dem er lange am Flughafen warten muss und wir ihm die Zeit mit schäkernden sms vertreiben, verabreden wir uns für den nächsten Dienstag, an dem er wieder in Dresden sein wird. Bei mir, da er nur eine kleine Einzimmerwohnung mit schmalem Bett hat. Der Spass aneinander entfacht in den nächsten Tagen ein sprühendes Feuerwerk an hin- und hergehenden Nachrichten, die auch mal ins erotische abgleiten, aber meist ganz Alltägliches betreffen. Ich berichte von einem Konzert, er von einem Essen mit Freunden, ich von einem literarischen Abend, den ich selbst veranstalte, er von einer erotischen Lesung, die er mal besucht hat. Immer wieder überrascht er mich mit einer charmanten, Emojigeschmückten Nachricht und als ich ihn frage, ob er Weiß- oder Rotwein bevorzugt, schreibt er, dass natürlich er den Wein mitbringt und dass er unbedingt noch loswerden muss, dass er nie gedacht hätte, in einem Club eine solch attraktive, selbstbewusste und intelligente Frau wie mich kennenlernen zu können. Währenddessen erhalte ich auf meinem Joyclub-Profil täglich Besuch von Nobby408, der 53 und Single ist und Kinder hat, und obwohl der Name rätselhaft ist, treffen die Angaben zu seinem Aussehen auffallend auf Bernd zu. Das Motto des Profils ist „Sic tacuisses philosophus manisses“.

Er klingelt pünktlich und stürmt mit strahlendem Lächeln und einer Flasche Wein in der Hand um die Ecke im Hausflur. Gleich hinter der Tür fallen wir uns in die Arme und als er dabei entdeckt, dass ich unter meinem kleinen Schwarzen nichts außer Strümpfen trage, noch gleich dort filmreif übereinander her, während uns der Hund fassungslos beobachtet. Nachdem der erste Hunger gestillt ist, wechseln wir ins Schlafzimmer und trinken, nackt im Bett sitzend, Rotwein bis uns das Begehren wieder ineinander treibt. Unbemerkt vergeht der Abend, während wir geniessen - uns gegenseitig Lust zu schenken, zu reden, zu lachen und uns einfach zu umarmen. Ich frage irgendwann, ob er zufällig Nobby408 ist und er lächelt jungenhaft schelmisch ertappt. Als ich zwischendurch ins Bad gehe, denke ich auf der Toilette: DEN will ich haben.

Wie selbstverständlich will er über Nacht bleiben. Nun, für mich ist das alles andere als selbstverständlich, es sind sieben Jahre vergangen, seit ich eine ganze Nacht mit einem Mann im selben Bett verbracht habe. Aber meine Gegenwehr ist schwach und obwohl mein Schlaf unruhig ist, bringt mich die Verzauberung der Geborgenheit in seiner Umarmung und seine Hand auf meinem Bauch gut durch die Nacht. Am nächsten Morgen schlüpfe ich unbemerkt aus dem Bett und eile mit dem Hund zum Bäcker, um Brötchen zu kaufen. Als ich zurück komme, ist er gerade aufgewacht und während er duscht, mache ich uns Frühstück, das wir mit verliebten Blicken miteinander teilen. Kaum ist er aus dem Haus, bedankt er sich mit den kleinen roten Emoji-Küssen, die mir schon ans Herz gewachsen sind, für den schönen Abend, die schöne Nacht und das liebe Frühstück.

3

Wir schreiben und schreiben. Unsere verliebten Erinnerungen an die Nacht; unsere unterschiedlichen Temperaturvorlieben - er bei Kälte ein Weichei, ich temperaturunempfindlich; dass er nach Stuttgart fliegt, um seine Mutter ins Krankenhaus zu begleiten; welche Musik er hört; Tipps für seine sich anbahnende Erkältung; seine Meetings, meine Kundentermine, und vor allem, wann wir uns wiedersehen. Er wird die kommende Woche nicht in Dresden sein, ich habe in der darauffolgenden Woche eine gynäkologische Operation, danach macht er Skiurlaub und wir könnten uns erst nach Ostern wieder verabreden - für uns beide eine unvorstellbar lange Zeit. Ich biete ihm an, nach Potsdam zu kommen, er prüft noch einmal seinen Terminkalender und kann am darauffolgenden Dienstag tagsüber in Dresden sein und wir eine verlängerte Mittagspause miteinander verbringen.

Mit klopfendem Herzen im roten Kleid und natürlich wieder nur bestrumpft klingle ich wahrlich freudig erregt an der Tür des modernen Wohnblocks in der Prager Straße und gerade, als ich mich durch die ausbleibende Reaktion leicht verunsichern lasse, biegt das 1,91 m große Lachen um die gegenüberliegende Hausecke. Schon im Fahrstuhl bestürmen wir uns mit Küssen und entledigen uns in der spartanisch, aber geschmackvoll eingerichteten Einzimmerwohnung hastig unserer Kleidung und verschmelzen miteinander. Seine Anatomie scheint bis aufs Detail auf meine abgestimmt zu sein und der Sex mit ihm erregt mich wie noch keiner zuvor. Klein ist nichts an diesem Mann, aber schön, so schön.

Aber es ist nur eine Mittagspause und auch wenn sie zwei Stunden dauert, schlage ich danach etwas hart wieder in der Wirklichkeit auf. So will ich das nicht mit ihm und überhaupt, warum dieser Dreisprung Potsdam, Dresden und am Wochenende Stuttgart. Ich google ihn und Bernd ist auf Facebook und Instagram, sein Profilbild zeigt ihn nicht allein. In meinem Inneren tobt der Aufruhr. Ich bin unschlüssig, was ich tun soll, aber den Kontakt zu kappen ist für mich bereits unvorstellbar geworden. Schließlich schreibe ich ihm, ob wir uns nicht der Einfachheit halber darauf einigen wollen, dass er und Nobby408 sicherlich viel gemeinsam haben, aber nicht identisch sind. Er versteht die Bemerkung nicht und ich präzisiere, dass mir bewusst ist, dass die Marketingangaben seines Profils wie zum Beispiel der Beziehungsstatus im realen Leben wohl abweichen und ich mich danach richten werde. Mit einem lachenden Emoji gibt er zu, dass da etwas dran sei und wechselt das Thema.

4

Unser Nachrichtenaustausch bleibt intensiv. Mehrmals am Tag lässt das Zischen einer eingehenden sms und die kleine rote 1 im grünen Feld mich freudig erstrahlen und regnen die Küsse und einen Kussmund sendenden Gesichter in mein Herz, das nach der Dürre der letzten Jahre aufblüht. In der kommenden Woche fragt er, ob wir uns nicht an dem Tag, an dem ich meinen sexverhindernden Eingriff habe, einfach zum Billard spielen treffen können oder ob ich ihn nur zum Sex sehen will. Obwohl auch mir das durch den Kopf gegangen war, hatte ich mich nicht getraut, ihm dass vorzuschlagen, weil mich eine abschlägige Antwort gekränkt hätte, und so stimme ich hocherfreut zu.

Er holt mich um acht bei mir zu Hause ab und wir gehen zunächst in die Pizzeria Toscana in der Louisenstraße und er schlägt mit einer für mich unwiderstehlichen Formulierung vor, dass wir uns zur Pizza einen Salat als something to share bestellen. Wie immer in seiner Gegenwart ist es einfach gut, aber ich frage ihn, wo er denn in Potsdam eigentlich wohnt, und leicht unwirsch entgegnet er, was ich denn wissen will. Ich spiele auf die letztwöchige Bemerkung an und ja, er ist verheiratet, wohnt während der Woche in einem Hotel in Potsdam oder der Wohnung in Dresden und verbringt das Wochenende bei seiner Familie in Reutlingen. Einige Jahre hatten sie ein Haus in Potsdam, sich dann aber für diese Variante entschieden, die ihm jedoch einiges abverlangt. Mir scheint, dass ich mit dieser Konstellation erst einmal leben kann, die auch den Vorteil hat, dass ich meine lieb gewonnenen Abläufe kaum verändern muss. Ich lächle ihn an und sage, dass das doch gar nicht so schwer gewesen sei und wir teilen uns die Rechnung und gehen die wenigen Schritte zur Groove Station hinüber, wo wir wie Teenager knutschen, während ich drei Spiele gewinne.

Auf dem Heimweg gestehe ich ihm, dass ich morgen Geburtstag habe und frage, ob er nicht doch bei mir übernachten möchte. Er bedankt sich für das Angebot, lehnt aber ab und wir verabschieden uns an meiner Haustür. Um Mitternacht gratuliert er mir und während ich, mich selbst belächelnd, zu meinem Widder-Sein stehe, weil ich die Eigenarten, die man diesen nachsagt, an mir gern mag, schreibt die Waage, dass er nicht so an den Sternzeichenquatsch glaubt. Seinem gute-Nacht-Wunsch folgen zum ersten Mal nicht nur Küsse sondern auch ein „mein Schatz“ und ich bin glücklich. Zwei Tage später fährt er in den Skiurlaub.

5

Im Medium sms bin ich mittlerweile voll in meinem Element und meine Sehnsucht übersetze ich in ein Feuerwerk von vor Charme und Esprit strotzender Nachrichten mit einem Hang zur Selbstironie. Von Bernd lese ich von seiner Erschöpfung nach dem Skifahren, seinem schmerzenden Meniskus, was er liest, dass ich zu irgendetwas später unbedingt mehr erzählen muss, dass er sich die Theaterkritik später genauer ansehen muss, dass er mich vermisst und keine Frau in der Sauna so schöne Brustwarzen hat wie ich und die kleinen Küsse fliegen hin und her. Ich fühle mich begehrt und mir scheint, dass mir kein Mann, der mir wichtig war, bisher solche Aufmerksamkeit geschenkt hat.

Die Sehnsucht und das Vermissen führen in unserem libidinösem Vollrausch nahezu zwangsläufig dazu, dass wir auch immer wieder auf sexuelle Themen kommen. Wir berichten uns freimütig vom masturbieren und er will ganz genau wissen, wie ich das mache, ob ich Sexspielzeug benutze und wie der Hund darauf reagiert. Er schreibt von den sexuellen Szenen mit mir, die ihm immer wieder durch den Kopf gehen und meine frivolen Entgegnungen steigern unser Verlangen noch. Und dann hat er diesen Traum, in dem er mit mir in einem Pornokino ist und ich nicht nur mit ihm, sondern auch mit anderen Sex habe. Ich bin schon immer auch sexuell ein neugieriger und abenteuerlustiger Mensch gewesen und habe keine sich bietende Erfahrung ausgelassen, mich dabei aber immer im Rahmen des auf ein einzelnes Gegenüber ausgerichteten Mainstreams bewegt, und diese Vorstellung reizt auch mich. Endlich ein Mann, der mit meiner überbordenden Libido mithalten kann und für den eine Beziehung nicht nur dann denkbar ist, wenn ich nur noch mit ihm schlafe. Bernd zählt mir die Dresdener Pornokinos und ihre jeweiligen Vorzüge auf und uns ist klar, dass wir bei diesem Traum den Realitätstest machen werden. Ich erzähle von meinem Interesse, auch mal mit einer Frau zu schlafen und er gibt zu, in seiner Jugend jahrelang ein sexuelles Verhältnis zu einem Jungen in der Nachbarschaft gehabt zu haben. Im Fachjargon bedeutet das, wir sind beide biinteressiert und wir stellen schmunzelnd fest, dass wir uns später unbedingt Spielgefährten suchen müssen, Herren oder Paare. Fast zeitgleich kommen wir auf die Idee, für uns im Joyclub ein Paarprofil anzulegen. Aber im Moment will ich nur ihn, und dann später mit ihm da draußen spielen gehen. Mir scheint, das Einzige, worüber wir uns Sorgen machen müssen, ist aufzupassen, dass wir uns nicht selbst überholen. Endlich geht sein Urlaub zu Ende und Dienstag wird er bei mir sein.

6

Unser Wiedersehen ist ein Fest. Er kommt mit dem Zug aus Berlin und - sich den Zeit fressenden Umweg über Büro und seine Wohnung sparend - vom Bahnhof Neustadt mit seiner Tasche gleich zu mir. Vom ersten Moment an sind wir einander vertraut und es vergehen keine fünf Minuten, bis er mich stehend in der Küche vögelt und meine Lust daran wohl keinem, der durchs Treppenhaus geht, verborgen bleiben kann. Im Bett Lachen, Reden, Wein und wieder Finger, Münder, Haut und Zungen, die nicht satt werden aneinander. Wie Löffel aneinander gekuschelt schlafen wir ein, seine Hand auf meinem Bauch und unser beider Schlaf ist ruhig und tief, bis wir gegen fünf erwachen und uns wieder lieben.

Das Frühstück, das ich zubereite, während er unter der Dusche steht, ist schon etwas professioneller. Ich habe letzte Woche Tee gekauft, weil ich mittlerweile weiß, dass er Kaffee verabscheut und es meiner Sehnsucht für den Augenblick des Einkaufs die Schärfe nahm. Während des Frühstücks sitzen wir beieinander als ob es normal wäre und starren uns über unsere Tassen hinweg vernarrt in die Augen. Er verlässt das Haus nur mit leichtem Gepäck, denn er wird nachmittags zurück kehren und ich ihn später zum Flughafen bringen, da er am Abend noch nach Stuttgart fliegt.

Am Nachmittag schaffen wir es bis ins Schlafzimmer, und ich verwöhne ihn lange mit meiner Zunge, bis er mich abschließend kniend auf dem Bett von hinten nimmt. Als wir danach selig aneinander lehnen, merkt er nach einigem Schweigen an, wie es wäre, wenn wir bei unser Hochzeit gefragt würden, wie wir uns kennen gelernt haben, was mir die Sprache raubt. Trotzdem sage ich auf dem Weg zum Auto, dass sich bei meiner Entdeckung, dass er verheiratet sei, in den Zorn darüber, dass jemand mich für so dumm halten könne, dass ich das nicht heraus finden würde, auch ein kleines bisschen Erleichterung gemischt hat, weil ich ein wenig beziehungsscheu bin. Und dass er ja auch ein Bedürfnis nach Familie habe, das ich nicht befriedigen kann. Unter Küssen verabschieden wir uns am Flughafen, wir wissen schon, dass wir uns nächste Woche wiedersehen werden. Wenig später erkundigt er sich, ob ich gut nach Hause gekommen bin und bedankt sich wieder. Ich erwidere, dass es weit jenseits von Worten wunderschön mit ihm war.

7

Ich bin die Süße, sein Schatz, die wunderschöne und wunderbare Frau und als ich einmal frage, ob ich mich mit etwas aufdränge, entgegnet er, dass das nicht möglich sei, weil er sich sehr dafür interessiert, wie es mir geht und wie ich fühle.

Währenddessen legt er ein Paarprofil für uns an. Auf den Namen komme ich, als ich nach einer Verbindung meines Profilnamens Königin mit seinem Philosophenspruch suche und auf Sophie Charlotte, Königin in Preußen, und ihre enge Freundschaft zu Leibniz stoße. Das Zusammenziehen zu SophiesLeib löst erotische Assoziationen aus und wir sind anzüglich „Nass und spritzig“ und ein Paar, das gerne gemeinsam lacht und zusammen die Welt erkunden möchte. Ein gesichtsloses Foto meiner wunderschönen Brüste soll das Ganze abrunden und wir stimmen uns ab, dass, wer selber nicht besuchbar ist, sich mit uns nur im Club oder in Bernds Wohnung treffen kann, weil mir meine Wohnung zu intim ist und ich anschließend an solche Abenteuer dort in seinen Armen einschlafen möchte. Tatsächlich werden wir sofort von anderen Paaren angeschrieben und ich schlage vor, dass wir uns das bei unserem nächsten Zusammentreffen gemeinsam anschauen. Aber Bernd, der den Schriftverkehr führt und offenbar während seiner Arbeit sehr viel Zeit dazu hat, legt ein Tempo vor, das mich in Panik versetzt, weil ich mit der Abgabe von Entscheidungsgewalt keine Erfahrung besitze und er Treffen vorschlägt, ohne sich mit mir abzustimmen. Er ist beschämt, als ich ihn verstimmt bitte, dass Tempo im Spielzeugladen etwas zurück zu nehmen und ich versichere ihm beruhigend, dass wir nicht in Eile sind, weil ich wirklich selten Feuer fange, aber wenn, dann sehr stetig bin. Dann mische auch ich mich in die Unterhaltungen ein, weil uns zunehmend auch einzelne Männer anschreiben und wir neben dem Besuch im Pornokino in dieser Woche auf meinen Wunsch demnächst auch einen Abend mit einem zweiten Mann in Bernds Wohnung planen. Bei der Menge an Angeboten kann ich mir unbescheiden auch mehr vorstellen. Ich treffe eine Vorauswahl unter den Herren und achte dabei darauf, dass sie auch biinteressiert sind, damit auch Bernd etwas davon hat. Er übernimmt die Verhandlungen mit Ihnen und fühlt sich dabei an die Stellenbesetzung, mit der er sich sonst beruflich viel beschäftigt, erinnert.

8

Es ist endlich wieder Dienstag. Unsere sms sind heute noch aufgeregter als sonst vor unserem Wiedersehen. Er plant einen frühen Feierabend, und ich werde ihn mit dem Auto am Hotel Pullman abholen und ihm ein bisschen was von Dresden zeigen, von dem er in den letzten sechs Jahren nur wenig gesehen hat. Danach steht das Pornokino in der Großenhainer Straße auf dem Programm. Ich trage wieder das Übliche, es ist fast schon sommerlich warm, und wir halten Händchen, während ich mit ihm über Bautzner und Schillerstraße, Blaues Wunder und das Käthe-Kollwitz-Ufer auf einem großen Umweg unser Ziel ansteuere. Das Eckhaus mit dem Ladengeschäft ist mir vorher nie aufgefallen. Wir betreten den kleinen Laden, der wie eine Mischung aus Zeitungskiosk, Eckkneipe und Sexshop wirkt, schauen uns kurz bei den DVDs mit ihren grellen Covern und absurd bis komischen Titeln um, dann bezahlt Bernd den Eintritt und wir bekommen jeder ein Gratis-Getränk und werden durch eine Tür in den hinteren Teil des Geschäfts eingelassen. Links geht ein Gang mit verschließbaren Einzelkabinen ab, in denen man gerade eben stehen kann. In jeder hängt ein Bildschirm, auf jedem spielt ein anderer Film. Geradeaus ist ein vielleicht 20 qm großer verdunkelter Raum, der nur vom Licht eines überdimensionalen Bildschirms, über den ein Allerweltsporno flimmert, erhellt wird. Einige Sofas, ein paar Sessel und vier Männer, die bei unserem Eintreten überrascht aufblicken, sind im Zimmer verteilt. Wir nehmen auf einem der Sofas Platz und verfolgen den Film, während wir anfangen, uns zu befummeln.

Bernds Traum und meine Vorstellung erfüllen sich nicht. Als ich nach kurzer Zeit mein Kleid ablege, nähert sich nur einer der Männer und fragt schüchtern, ob ich seinen Schwanz wichse und wird erhört, zwei andere verlassen, offenbar von meiner Anwesenheit überfordert, den Raum. Also toben wir uns unbeschwert und kichernd miteinander aus, schauen noch ein wenig dem Film zu und sind nach einer Stunde wieder draußen.

Es ist noch immer früh und unser körperliches Verlangen zunächst gestillt und so machen wir nur einen kurzen Zwischenstopp zum Duschen bei mir und gehen dann Händchen haltend weiter in die Neustadt und werten dabei unser kleines Abenteuer aus. Es ist warm genug, um im lauschigen Hinterhof des Raskolnikoff zu essen und anschließend gehen wir ein paar Schritte weiter in die Bar Holda und trinken Gin Tonic und Cuba Libre. Unser Redefluss reißt nicht ab, bis wir wieder zu Hause sind und uns im Bett einer etwas romantischeren Spielart des Sex widmen, bis wir irgendwann erschöpft in unser fast schon üblich zu nennenden Stellung aneinander gekuschelt einschlafen. Tatsächlich können wir morgens um fünf schon wieder etwas miteinander anfangen und frühstücken später wie gewohnt.

9

Unsere Nachrichten der nächsten Tage drehen sich fast nur um Paarprofile, die wir uns gegenseitig vorschlagen und Bernds Fortschritte bei der Terminabstimmung mit den Männern für unseren privaten Herrenüberschussabend in seiner Wohnung, den wir für die nächste Woche planen. Er beklagt sich lachend, dass er tatsächlich seine ganzen Projektmanagementskills dafür benötigt. Dazwischen blitzt wieder seine Verwunderung auf, ausgerechnet in einem Swingerclub jemanden zu treffen, mit dem man sich weit über den Sex hinaus so gut versteht und auch sonst total gerne zusammen ist, und ich antworte, dass ich nicht damit gerechnet habe, überhaupt jemand wie ihn zu treffen und dass der Ort an sich aber auch ideal ist, weil das Einander-Verstehen schon ein großartiges Geschenk ist, aber ich es als extrem bereichernd empfinde, miteinander wirklich freizügig in sexuellen Dingen sein zu können. Und dass, wenn er so zauberhaft um eine Ecke in mein Blickfeld kommt, ohnehin alles gut ist, egal, was dann passiert. Er gesteht, dass er ein wenig besorgt war, was das Experiment Pornokino mit uns machen würde, aber das es einfach nur geil und ungezwungen war und danach genauso entspannt und gut wie zuvor. Meine Anrede für ihn wechselt vom schönen Mann zu mein Geliebter und ich werde seine Allerliebste und wir fangen an, uns gegenseitig vorzuzählen, wie oft wir noch schlafen müssen, bis wir uns wiedersehen. Es gibt keinen Tag und keine Uhrzeit, zu der wir nicht schreiben, und kein Abend und kein Morgen lässt unsere mit Küssen geschmückten guten Wünsche für die Nacht oder den Tag vermissen, was die Vermutung nahelegt, dass ein gemeinsames Schlafzimmer wohl nicht Bestandteil seiner Ehe ist. Damit liege ich richtig, auch wenn wir bei aller Vielfalt unser Gespräche dieses Thema kaum berühren, aber einmal entschlüpft ihm doch die Bemerkung, dass seine Frau seinen sexuellen Bedürfnissen mit der Einstellung begegnet, dass sie einen Akademiker und keinen geilen Bock geheiratet hat, und die Verbitterung darüber ist ihm deutlich anzumerken.

10

Der Dienstag ist mittlerweile mein beliebtester Wochentag. In der Nacht bin ich einmal kurz aufgewacht mit einer ganz konkreten und erregenden Vorstellung unseres heutigen Vorhabens und einem leichten Erschrecken über meine eigene Maßlosigkeit. Unsere sms des Tages albern um die Abendveranstaltung und unsere Aufregung herum. Um halb sieben sammle ich Bernd vor dem Pullman auf und er lotst mich in die Tiefgarage, aus der uns der Fahrstuhl knutschend nach oben bringt. Er hat schon Gläser und Getränke bereit gestellt und so bleibt uns noch Zeit, unsere Körper miteinander auszuprobieren, bevor unsere Gäste eine Stunde später eintreffen sollen, was ich fortan als Vorglühen bezeichne.

John schreibt eine Nachricht, dass er sich ein wenig verspätet, was sich als angenehm herausstellt, denn so kann ich mich in der ersten halben Stunde auf den pünktlich eintreffenden René und Bernd konzentrieren. Wir trinken Aperol Sprizz und René ist zunächst etwas verlegen, aber als ich die Initiative ergreife und meine Hand unter sein T-Shirt schiebe, entkleiden mich die beiden Männer zügig und streicheln meinen nackten Körper, der genügend Möglichkeiten für ein äußerst erregendes Spiel mit vier Händen bietet. Ich lasse die Zwei sich nebeneinander auf das schmale Bett legen und knie mich zwischen ihre Beine und finde es nahezu anrührend, wie der, dessen Schwanz ich jeweils blase, den anderen wichst und wie sie fast synchron tauschen, wenn ich zwischen ihnen hin und her wechsle. Wenig später stößt der Dritte wahrlich dazu, denn er beginnt völlig unkompliziert sofort, in dieser Position meine Möse und meinen Hintern erfreulich gekonnt zu verwöhnen. Die Herren wechseln im Laufe des Abends mehrfach die Stellung und sich ab, nur eines bleibt gleich, ich bin der Mittelpunkt ihres Bemühens und lasse mich selig von Höhepunkt zu Höhepunkt treiben. Einmal, als mich John gerade von hinten vögelt, blicke ich tief in Bernds Augen, der einfach nur auf dem Bett sitzt und mich liebevoll lächelnd beobachtet und fühle mich ihm fast schon schmerzhaft nahe. Irgendwann habe selbst ich genug und wir verabschieden die Beiden und sitzen noch ein wenig auf dem Bett beieinander, bevor auch wir gehen und zu mir nach Hause fahren und aneinander gekuschelt einschlafen. Am nächsten Morgen bedanke diesmal ich mich für die beglückende Erfahrung, nicht ohne das Gefühl der intensiven Nähe zu ihm zu erwähnen und er schildert mir seine Faszination über die Erregung, die es ihn ihm auslöst, mich von anderen Männer befriedigt und begehrt zu sehen.

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Unsere Vorarbeiten für das Abenteuer der folgenden Woche laufen auf Hochtouren. Wir wollen uns mit einem anderen Paar in einem der Dresdener Clubs treffen, aber Paare stellen sich als kompliziert heraus. Viele wollen uns erst bei einem Glas Wein in normaler Umgebung beschnuppern oder eine Freundschaft plus, beides reizt uns schon wegen unserer Zeitknappheit gar nicht. Bei anderen schreibt ganz offensichtlich nur der Mann und auf einmal kommt irgendwas dazwischen, weswegen ein Date doch nicht möglich ist, manche Dialoge brechen einfach ab. Andere finden uns ganz einfach nicht attraktiv, aber wir amüsieren uns großartig über die Eigenheiten dieser für uns neuen Welt.

Meine erste Liebeserklärung an ihn fällt mit einem Rüffel zusammen. Als ich ihm mit einem Zwinkern ein Bild meines Aperol Sprizz sende, den ich am Samstag Nachmittag im Café Neustadt geniesse, vergreift er sich scherzend bei der Wortwahl und äußert seine Besorgnis, dass ich hoffentlich noch nicht so konditioniert sei, dass ich nach diesem Getränk Männer bespringen wolle. Ich weise ihn zurecht, dass ich Dirty Talk mag, wenn er jemandem zuwispert „fick sie doch richtig“, aber bespringen dabei weder aktiv noch passiv zu den zulässigen Vokabeln gehört und dass ich einfach nur so frei sein möchte, wie Männer geboren werden und lieber allein bin, als in Schablonen gepresst zu werden und dass ich ihn unter anderem wegen der Möglichkeit, dass er mich aushalten kann, liebe. Aber er möge meinen Hunger nicht zu etwas wahllosem machen, denn er gelte so nur mit ihm.

Dass es mit dem mich aushalten ein Problem geben könnte, ist ihm fremd. Er schreibt zurück, dass er es liebt, mit mir zusammen zu sein und die Kombination aus meiner Intelligenz, gepaart mit meiner Lust, mag. Und er verspricht, bei unseren Abenteuern auf mich aufzupassen.

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Dienstag. Die Vorfreude ist sogar noch größer, denn er wird bis Donnerstag in Dresden bleiben. Der Dienstagabend ist für uns reserviert und Mittwoch wollen wir zusammen in die Oase gehen, wo wir uns kennen gelernt haben. Eine konkrete Verabredung hat sich trotz unser beider intensiven und mittlerweile recht professionellen Bemühungen zwar nicht ergeben, aber wir sind zuversichtlich, dass wir mindestens mit uns Spass haben werden, und gespannt, ob sich darüber hinaus etwas ergibt.

Schon um fünf kommt er mit dem Zug aus Berlin in Dresden an und direkt zu mir. Nahtlos verschmelzen wir miteinander und es ist, als ob es die zurück liegenden Tage der Trennung nicht gegeben hätte. Nach unserem ersten Tanz treibt uns der Hunger aus dem Bett und Hand in Hand in die Stadt und noch auf dem Weg reserviere ich für uns im Böhme einen Tisch vor der Tür und wir lassen uns das köstliche Essen auf der Zunge zergehen, wie immer tief ins Gespräch versunken. Mich amüsiert sein ausuferndes Detailwissen über nahezu jede Sportart, mir gefällt seine eher linke politische Einstellung und sein kritischer Blick aufs Zeitgeschehen, wir haben beide Spaß an logischen Rätseln und interessieren uns für nahezu jede Fragestellung. Was wir nicht selber wissen, googeln wir, beide sind wir schnell mit unserem iPhone bei der Hand.

Zufrieden wandern wir durch die Nacht zurück nach Hause und vögeln, bis uns die Müdigkeit übermannt und wir Rücken an Bauch einschlafen. Die morgendliche Freude aneinander wird diesmal nicht durch die bevor stehende Trennung getrübt.

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Bereits am Nachmittag schreibt er, dass er gar keine Lust mehr auf Arbeit hat, sondern nur noch auf mich. Weil es regnet, sammle ich ihn wenig später am Bahnhof Neustadt auf, sein Styling Gel im Gepäck. Diesmal betreten wir die Oase gemeinsam, Bernd begleicht den Eintritt, wir ziehen uns um und gehen an die Bar, an der wir ein wenig mit der Bedienung herum albern, bis uns ein leichter Appetit in den Nebenraum ans Buffet treibt. Versuchsweise unterhalten wir uns mit den anderen Gästen am Tisch, schnell tauscht man sich über das Verhältnis zur Oase oder anderen Clubs aus, aber ein erotischer Funkenschlag bleibt aus und wir beschließen, erst einmal eine Runde durch den Club zu drehen.

Im ersten Raum lässt sich eine Frau unter den Blicken mehrerer Beobachter von zwei Herren verwöhnen und wir schauen eine Weile zu, wissen aber nicht, wie wir es anstellen sollen, uns in das Geschehen einzubringen und gehen weiter. Die anderen Räume in dieser Etage sind leer und wir gehen in den Keller, doch auch dieser Raum ist leer. Aber die Szene von eben hat mich erregt und ich habe jetzt Lust, lehne mich leicht an das ein mal zwei Meter große Podest, dass gleich hinter der Eingangstür steht und mir etwa bis zur Hüfte geht und fange an, Bernd zu küssen und zu streicheln, was er ebenso motiviert erwidert. Wir bleiben nicht lange allein, immer wieder öffnet sich die Tür, und während sich einige schüchtern einen Platz im Hintergrund suchen, treten andere an das Podest heran und fangen erst vorsichtig und, wenn ich es zulasse, gezielt an, mich ebenfalls zu berühren. Ich drehe mich um und beuge mich über das Podest, so dass ich die Schwänze der beiden gegenüber stehenden Männer in die Hand und den Mund nehmen kann, während Bernd von hinten in mich eindringt und mich erst langsam und dann immer heftiger stößt. Ein weiterer Mann schafft es, von der Seite aus meine rechte Brust zu kneten und an ihr zu saugen. Irgendwann tauscht Bernd seinen Platz mit einem von den beiden auf der anderen Seite. Ich bin berauscht und zucke in Ekstase. Die kleine Versammlung löst sich sofort auf, als ich nach einer Pause verlange, in der mich Bernd im Pool in den Armen hält.

Nach einer kleinen Stärkung am Buffet fällt uns an der Bar eine einzelne, schon etwas ältere, aber sehr attraktive Blondine auf. Sie ist sehr dünn, in ein auffallendes Ensemble aus weißem Bustier, Slip, Strumpfhalter und schwarzen Strümpfen gekleidet und wirkt nervös. Wir kommen mit ihr ins Gespräch und wechseln zu einer der im Raum verstreuten Sitzgruppen. Sie erwähnt, dass ihr Mann auf dem Parkplatz telefoniert. Nach und nach werden die Sitzplätze in der Umgebung von Männern besetzt, die uns nur beobachten, sich aber nicht an der Unterhaltung beteiligen, was uns ein bisschen merkwürdig vorkommt. Ich mache ihr gegenüber eine Andeutung über die Möglichkeit, in eines der Zimmer zu gehen, und sie steht auf, verlässt den Raum und kehrt mit ihrem Mann zurück. Wir gehen in den hintersten Raum, in dem gedimmtes Licht auf eine etwa drei mal zwei Meter große Liegefläche fällt. Wir Frauen legen uns nebeneinander darauf und ihr Mann beginnt, mich äußerst gekonnt zu fingern, während ich ihre kleine, mir am nächsten liegende Brust vorsichtig aus dem Bustier hebe und an ihrem Nippel sauge, während Bernd ihre Möse leckt und sie lustvoll stöhnt. Der Raum füllt sich mit den Männern, die vorhin um uns herum gesessen haben und sich jetzt an der Wand aufreihen und ihre Schwänze in der Hand haltend das Geschehen beobachten, während unsere beiden Akteure beginnen, uns zu ficken. Sie verlangt schnell eine härtere Gangart und schon kurze Zeit später werde ich das erste Mal Zeugin des Orgasmus einer anderen Frau. Sie kommt in einer Lautstärke, die mir, die ich neben ihr liege, fast das Trommelfell zerreißt. Als ihre Schreie abebben und Bernd aus ihr gleitet und sich zwischen uns legt, winkt sie den Nächsten zu sich, der sie nach dem gleichen Muster befriedigt und vögelt, bis er selber kommt und dann den Nächsten und so fort, bis keiner mehr übrig ist und sie sich noch immer suchend umschaut. Ich selbst kann mich bei dem ohrenbetäubenden Lärm nicht mehr auf Bernds Liebkosungen konzentrieren und verberge mein Gesicht an seiner Schulter, um das in mir aufsteigende Lachen zu ersticken. Wir schleichen uns aus dem Raum und unter der Dusche überlegen wir lachend, ob nicht auch eine Dezibel-Angabe bei den Profilen sinnvoll wäre. Wir holen uns an der Bar noch ein Getränk und ziehen uns auf ein Sofa zurück, wo ich seinen Schwanz hingebungsvoll mit meiner Zunge verwöhne, bis sein urgewaltiger Aufschrei ertönt, der in meinen traumatisierten Ohren heute recht harmlos klingt. Wir sind die letzten Gäste und fahren nach Hause und schlafen aneinander gekuschelt ein. Nach der Morgenroutine bedankt er sich aus dem Büro für die beiden total spannenden und aufregenden Tage und ich entgegne, dass ich jeden Moment davon genossen habe.

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