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Wish it. Dream it. Do it. Tabea Oppliger wagt es zu träumen - und diese Träume auch in die Tat umzusetzen. Schweiß, Blut und Tränen sind ein lohnendes Pfand, wenn man ein klares Ziel hat. Für sie ist #nofilter nicht nur ein Hashtag, sondern Lifestyle und Berufung. Ihr Kampf gegen moderne Sklaverei, Menschenhandel und Prostitution ist oft ungeschliffen, aber immer echt und relevant. Mitten im Schmelztiegel Tel Aviv/Israel setzt Tabea sich mit ihrem Social Business "KitePride" und ihrer Non-Profit-Organisation "GlowbalAct" für gepeinigte Menschen ein. Mit jeder Zeile dieses Buches werden die Leserinnen und Leser herausgefordert, selbst aktiv zu werden, die eigene Berufung zu entdecken und einfach mal anzufangen. Damit auf Hashtags Taten folgen und aus Träumen gelebte Wirklichkeit wird. "Warte nicht, bis du bereit bist, sonst wirst du den Rest deines Lebens mit Warten verbringen." - Tabea Oppliger Tabea Oppliger wuchs als Tochter eines Schweizer Ehepaars in Papua-Neuguinea auf. Später lebte sie zwanzig Jahre in der Schweiz, trieb ihre berufliche Karriere voran, heiratete Matthias und wurde Mutter von drei Kindern. In ihrem unermüdlichen Kampf um Gerechtigkeit und Freiheit gründete Tabea Oppliger "GlowbalAct", eine Wohltätigkeitsorganisation, die sich für die Abschaffung moderner Sklaverei und gegen Menschenhandel engagiert. Seit August 2014 lebt sie mit ihrer Familie in Tel Aviv.
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Seitenzahl: 196
Veröffentlichungsjahr: 2019
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Tabea Oppliger #nofilter
Ich widme dieses Buch Tabea Legler, der ersten Person, die keine Angst vor meiner starken Präsenz als Frau hatte –
Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über www.dnb.de abrufbar.
Übersetzung aus dem Englischen: Shiloh Zache, Düsseldorf Support und Feintuning: Christian Rendel, Witzenhausen
© 2019 by Fontis-Verlag, Basel
Umschlag: René Graf, Fontis-Verlag, Basel Fotos Umschlag: © by Tabea Oppliger Fotografen des Bildteils innen: Tim Carr, Bosa Feurer, Saskia Koch, Stefan Mikolon, Oppliger Family, Leon Seierlein Alle gemalten Bilder: © by Tabea Oppliger E-Book-Vorstufe: InnoSet AG, Justin Messmer, Basel E-Book-Herstellung: Textwerkstatt Jäger, Marburg
#eineeinladungfürdich
#lassdichindeinerbahnfinden
#fühlstdudichsicher
#massagevontabea
#gehorsamistgottesliebessprache
#israel
#trainierenstattzähmen
#komplizen
#mehralseinetasche
#beziehungstattreligion
#kunstvontabea
Epilog
#dankbarkeit
Über die Autorin
Kontaktmöglichkeiten
Warum ein Buch schreiben? Die Welt hat genügend Bücher.
Aber wenn du deine Geschichte immer und immer wieder erzählst, und die Reaktion darauf ist: «Hast du eigentlich schon ein Buch geschrieben? Du musst unbedingt ein Buch schreiben! Wann schreibst du ein Buch?», tja, dann machst du es einfach.
Den richtigen Zeitpunkt gibt es nicht. So wie das Sprichwort heißt:
«Wenn du wartest, bis du bereit bist, wirst du für den Rest deines Lebens warten.»
Also, hier ist sie. Meine bescheidene Geschichte eines laut gelebten Lebens.
Dies ist kein gewöhnliches Buch. Und es ist sicherlich nicht voll mit noch mehr Informationen, die du bereits kennst: Es ist vielmehr eine Einladung.
Ich lade dich ein, deinen Geist herauszufordern, sich nicht nur von Inspirierendem zu ernähren, sondern dann auch dementsprechend zu handeln.
Ich werde dich mit auf eine Reise nehmen und einfach ein bisschen davon teilen, was ich gelernt habe und auf meinem Weg noch immer lerne. Wir sind auf einer Augenhöhe. Ich bin noch immer mittendrin, und ich werde immer inmitten dessen stehen, worüber ich schreibe. Denn was ich mache, das ist LEBEN. Ich lebe als Tochter, Ehefrau, Mutter, Schwester und Freundin. Als Leiterin einer Bewegung, die für soziale Gerechtigkeit kämpft, lebe ich meine Rolle mit Leib und Seele. Und all diese unterschiedlichen Hüte, die ich trage, bedeuten eine lebenslange Verpflichtung.
Ich bin also auf lange Sicht dabei.
Dieses Buch ist in Wartezimmern, in Zügen, zwischen Besorgungen, an meinem einzigen freien Tag, nachdem die Kinder im Bett waren, in Hotelzimmern und in Flugzeugen geschrieben worden.
Es ist eine Mischung aus Momenten und Erinnerungen, Erfahrungen und Lektionen, Rezepten und Bildern. Mitten aus dem Leben. Mitten im Leben. Hab Geduld mit mir, falls du ein bisschen auf heißen Kohlen sitzt und nicht immer gleich alles kapierst, was ich dir sagen will – vielleicht knallt das Popcorn noch, das ich dir serviere.
Ich spreche eine Vielzahl von Sprachen fließend, und dennoch habe ich nicht das Gefühl, dass ich eine von ihnen zu hundert Prozent beherrsche – vielleicht merkst du das hie und da. Aber die Sache ist die: Ich schreibe dieses Buch selbst, und es wird nur zwecks Rechtschreibung und Grammatik korrigiert, damit du nicht gleich aufhörst zu lesen, falls dich solche Fehler stören. Hier geht alles um #nofilter, will heißen: Meine Worte sind ungefiltert, echt und nahbar.
Das Manuskript für dieses Buch ist, obwohl ich Schweizerin bin und meine Muttersprache Schweizerdeutsch ist, ursprünglich in Englisch geschrieben worden und wurde dann ins Deutsche übersetzt. Ihr werdet bald herausfinden, warum.
Hier zum Start vierzehn bunt zusammengewürfelte Fakten über mich – einfach so:
1. Ich war als Kind extrem schüchtern.
2. Soweit meine Vorfahren zurückverfolgt werden können, habe ich nichts anderes als Schweizer Blut in meinen Adern. (Ich weiß, enttäuschend, oder?!)
3. Meine Lieblingsschokolade ist die von Läderach aus der Schweiz.
4. Mein allererster Kinobesuch war mit sechzehn, mit meiner Schulklasse, und wir haben «Schindlers Liste» gesehen!
5. Große Wellen zu kitesurfen macht mir eine Scheißangst.
6. Ich hatte nie in meinem Leben einen Fernseher und habe noch immer keinen.
7. Espresso, doppelt und schwarz.
8. Grau ist das neue Schwarz. Ich färbe meine Haare nicht.
9. Bitte bring mir keine Blumen. Lass sie wild in der Natur.
10. Ich habe meinen Namen «Tabea» gehasst, als ich jünger war. Denn in der englischsprachigen Welt, in der ich aufgewachsen bin, konnte ihn niemand richtig aussprechen.
11. Ich mochte lange Zeit mein breites Gesicht nicht. Besonders meine Wangen waren anscheinend eine offene Einladung für Fremde, mal ungeniert hineinzukneifen.
12. Ich trage kein Make-up. So ziemlich nie.
13. Die Freunde meiner Söhne beschreiben mich so: «Sie fährt wie eine Verrückte.»
14. Mein Mann und ich sind Geburtstagszwillinge.
Bestimmt habt ihr euch alle schon mal olympische Wettläufe angeschaut. Jedem Athleten ist eine Bahn zugewiesen, in der er antritt und in der er bleibt. Nicht einer von ihnen würde auf die Idee kommen, auf eine andere Bahn zu wechseln, da er sonst disqualifiziert werden würde.
Wir alle haben eine Bahn zugewiesen bekommen im Leben, um in ihr zu laufen und darin auszuharren. Es liegt an uns, dass wir treu in ihr wiedergefunden werden.
Ich weiß nicht, wie es dir geht, aber ich identifiziere mich gerne mit der Hauptfigur in einer Geschichte, einem Film oder einem Theaterstück. Obwohl es in diesem Buch wirklich nicht um mich geht, sondern um das, was Gott durch dich und andere bewirken kann, wenn du bereit bist, einfach mal loszuziehen – erlaube mir bitte, mich richtig vorzustellen.
Ich bin eine ganz gewöhnliche Frau, die alltägliche Dinge tut und es wagt, etwas so Großes zu versuchen, dass es eigentlich nur scheitern kann … es sei denn, Gott schreitet ein. (Diese Erkenntnis verdanke ich einem Impuls von Bruce H. Wilkinson, der «Das Gebet des Jabez» geschrieben hat.)
Ja, ich glaube. Ich glaube an Jesus, den Sohn Gottes, und an Seine Wundertaten, aber bitte leg deswegen dieses Buch nicht gleich weg. Ich will dich hier nicht anpredigen oder mit Bibelstellen zutexten. Du musst nicht mit mir einer Meinung sein, um zu verstehen, dass ich das, was ich mache, ohne meinen Glauben nicht tun könnte. Hör mir einfach bis zum Ende zu, und lass mein Leben und meine Liebe zu den Menschen die Botschaft sein.
Ich bin als sechstes und letztes Kind meiner Eltern geboren und in Papua-Neuguinea aufgewachsen, einer Insel im Pazifik, direkt neben Australien. Meine Eltern bauten dort über vierzig Jahre lang eine recht einflussreiche christliche sozial-humanitäre Bewegung auf.
Ich wuchs die ersten sechzehn Jahre meines Lebens in einem Dritte-Welt-Land auf und bin somit ein sogenanntes «Third Culture Kid», ein Drittkulturkind. Ich könnte mit meinen Erlebnissen in der Kindheit ein ganzes Buch füllen, aber darum geht es mir hier nicht. Du wirst hier und da Kleinigkeiten über mich erfahren, die mich offensichtlich geprägt haben und mich zum größten Teil zu derjenigen Frau gemacht haben, die ich heute bin.
Als ich anfing, mich innerlich darauf vorzubereiten, dieses Buch zu schreiben, fragte ich ein paar meiner engsten Freunde, was ihnen als Erstes in den Sinn kommt, wenn sie an mich denken. Es konnte ein Nomen sein, ein Verb, ein Adjektiv, irgendetwas, was ihnen zu mir einfiel. Folgende Antworten stachen für mich heraus:
Leidenschaftliche Abenteurerin
Liebevolle Macherin
Erstaunlicher Gehorsam
Mutiger Glaube
Risikofreudig
Stark und doch sensibel
Das klingt vielleicht so, als wäre ich einfach schon immer so eine Person gewesen. Es hört sich ziemlich einschüchternd an. Wie eine, die alles im Griff hat. Eine, der ich selber nicht das Wasser reichen kann. Und denken wir nicht alle oftmals so, wenn wir uns an anderen messen, anstatt uns darauf zu konzentrieren, wer wir sind und was wir als eigenständige Person mitbringen?
Ich hoffe, dieses Buch wird dir helfen, das zu finden, was nur du geben kannst. Ich schreibe es in Gedanken an dich und bete, dass du mit meiner Geschichte etwas anfangen kannst.
Worte haben Macht, und daran müssen wir uns jeden einzelnen Tag erinnern. Was meine Freunde in mir sahen, das riefen sie in mir wach und förderten es gewissermaßen aus meinem Innern zutage. Indem wir diese Eigenschaften laut benennen, bezeugen wir, dass sie in unserem Leben tatsächlich vorhanden sind. Von da aus zu leben und auf die «Play»-Taste zu drücken, statt auf «Rewind»: Das ist eine Entscheidung, die wir täglich treffen müssen.
Ich lebe zurzeit in Israel, und als wir vor fünf Jahren hierher gezogen sind, haben wir uns zunächst auf eine Mission begeben: Hebräisch zu lernen. So wollten wir auch ein besseres Verständnis für die Kultur entwickeln. Ich erinnere mich, wie ich im Unterricht saß, völlig überwältigt von einer komplett anderen Sprache. Einer Sprache, mit der ich mich auf logischer Ebene nicht identifizieren konnte – was gelinde gesagt frustrierend war, da ich eine Vielzahl von anderen Sprachen spreche. Aber ich erschloss sie mir auf einer geistlichen Ebene und bekam ein erweitertes Verständnis von Gott und Seiner Denkweise.
Wie du bereits weißt, glaube ich an Gott und Sein Wort. Mein Leben ist aufgebaut auf den Werten der Bibel. Anstatt religiöse Regeln zu befolgen, lebe ich in Beziehung zu Ihm. Als Gott uns Menschen schuf, schuf Er uns als Sein Ebenbild, um eine Beziehung zu uns zu haben. Er sprach die Welt ins Dasein. Mit Seinen Worten schuf Er Dinge und rief sie so ins Leben.
Die meisten hebräischen Wörter stammen ab von einer Wurzel aus drei Buchstaben. Das Wort für «Sprechen» im Hebräischen ist «ledaber», und das Wort für «Sache» ist «davar». Beide Worte stammen ab von der gleichen dreibuchstabigen Wurzel «Dalet, Bet, Reysh». Mit anderen Worten: Wenn du zu sprechen beginnst, dann nennst du etwas beim Namen und rufst es in deinem Leben ins Dasein.
Ein weiterer Punkt, der mich im Unterricht an der Universität von Tel Aviv sehr beeindruckt hat, ist die Tatsache, dass es im Hebräischen kein Verb für «haben» gibt. Das bedeutet schlichtweg, dass wir nichts besitzen. Anstelle von: «Ich habe», sagt man: «Für mich gibt es» (yesh li1). Und statt: «Ich habe nicht», sagt man: «Es gibt nicht für mich» (en li2). Zusammenhängend würdest du sagen: «Es gibt für mich Zeit», im Sinne von: «Es ist mir Zeit gegeben worden.» Oder das Gegenteil: Statt «Ich habe keine Zeit», sagst du dann: «Es gibt keine Zeit für mich», im Sinne von: «Es ist mir keine Zeit gegeben.»
Das rückt mein ganzes Leben in Perspektive! Entweder ist mir etwas gegeben, oder es ist mir eben nicht gegeben. Dies bringt mich von einer Position des Strebens dazu, Dinge besser aus einer Ruhe-Stellung heraus zu tun. In diesem Sinne besitze ich überhaupt nichts. Was ich habe, ist ein Geschenk, das mir anvertraut worden ist. Und dieses Geschenk ist da, um der Welt zu dienen. Nicht mir selbst.
Erinnerst du dich daran, wie ich bei den Fakten über mich selbst als Erstes gesagt habe, dass ich früher extrem schüchtern war?
Aus Angst, etwas falsch zu machen oder mich mit einer Frage zu blamieren, war ich die meiste Zeit über still, was einfach bedeutete, dass ich nicht in meiner Identität verwurzelt war.
Warum das so war? Ich könnte meiner Erziehung die Schuld geben. Ich komme aus einem sehr strengen Elternhaus, in dem Regeln und Vorschriften Vorrang vor Beziehung hatten. Ich habe meine Mutter und meinen Vater nicht in erster Linie als meine Freunde erlebt, sondern eher als strenge Lehrer.
Versteh mich nicht falsch, sie haben uns sechs Kinder sehr geliebt, aber sie konnten es nicht immer auf eine Art und Weise ausdrücken, die mein Herz erreicht hätte.
Wir haben heute eine tolle Beziehung, und sie sind meine größten Fans! Doch damals hinterließ diese kühle Strenge eine große Unsicherheit in mir. Es gab mir das Gefühl, dass ich nicht gut genug war, wenn ich nicht perfekt funktionierte.
Mein Vater war ein Genie, und es gab absolut nichts, was er nicht tun, konstruieren, bauen, reparieren oder managen konnte. Außerdem beherrschte er die Dinge nicht einfach nur so ein kleines bisschen, nein, er machte und bearbeitete sie auch noch perfekt. Ich meine das jetzt ganz ernst. Hier spricht nicht nur ein Kind, das mit den Superhelden-Fähigkeiten seines Vaters prahlen will.
Die Tatsache, dass ich gezwungen war, schneller erwachsen zu werden, als es meinem Alter entsprach, als ich mit elf Jahren auf ein Internat kam, Hunderte Kilometer weit weg von meinen Eltern, mag zwar für meine Selbstständigkeit förderlich gewesen sein, doch es brachte mitunter auch sehr viele Selbstzweifel mit sich.
Aber unsere Umstände bestimmen nicht, wer wir sind. Gott hat uns mit einer einzigartigen DNA erschaffen; mit einer Identität, die uns niemand nehmen kann!
Als ich vier Jahre alt war, fing unser Haus in Wewak auf Papua-Neuguinea Feuer und brannte buchstäblich bis auf den Grund nieder. Bis heute wissen wir nicht genau, wie das passiert ist und was der Auslöser war. Mein Vater jedoch glaubt, dass jemand vorsätzlich den Raum im Erdgeschoss in Brand gesetzt hat – dieser Raum diente als ein Minilager für alle Bibeln, für christliche Literatur und etliche weitere Hilfsmittel.
Das Verrückte dabei: Unsere Familie hatte geplant, in den nächsten Tagen das Land zu verlassen …
Die Flüge in die Schweiz waren gebucht und viele Koffer bereits gepackt. Und dann kam dieses verheerende Feuer – so kurz vor der Abreise. Ich sehe uns immer noch an einem Samstagabend zusammengedrängt in der Dunkelheit stehen und verzweifelt und ehrfürchtig beobachten, wie unser geliebtes Zuhause mit all unseren Sachen ein Opfer der Flammen wird und in sich zusammenfällt.
Meine ältere Schwester weinte um ihre Zahnspange, mein Bruder war wütend, dass er einen leeren Koffer gegriffen hatte anstelle eines gepackten, und meine andere Schwester jammerte über den Verlust ihrer Lieblingskuscheldecke.
Wir verloren alles, was wir an materiellen Dingen besaßen. Aber das, was mein Vater und meine Mutter über Jahre hinweg aufgebaut hatten, das verloren wir nicht. Denn sie hatten kein Imperium aus materiellen Gütern geschaffen, sie bauten vielmehr mit Menschen und für Menschen etwas, das Bestand hat.
Die Leute in unserer Umgebung unterstützten uns enorm und boten uns sofort einen Schlafplatz an. Familien öffneten ihre Häuser und überschütteten uns mit Liebe und Gütern!
Innerhalb von Stunden kam es uns Kindern so vor, als hätten wir mehr Spielsachen als jemals zuvor; Spielsachen, großzügig gespendet, unter anderem von einem Jungen, der später mein Ehemann werden sollte! Freu dich auf die Geschichte mit dem ganz speziellen Stofftier, sie folgt in einem späteren Kapitel!
Unsere Pässe waren ziemlich verbrannt, aber wir sahen offenbar glaubwürdig genug aus, um Papua-Neuguinea ein paar Tage später via Hongkong in Richtung Schweiz zu verlassen. Freilich ahnten wir nicht, dass die Grenzkontrolle in Hongkong unsere verkohlten, verbrannten und unleserlichen Pässe nicht akzeptieren und uns stundenlang warten und wie Kriminelle behandeln würde.
Meine armen Eltern … Wir Kinder hatten ja keine Ahnung, was sie durchmachten. Wir wussten nur, dass wir sicher waren, solange wir zusammen und bei unseren Eltern sein konnten. Wir hatten einander. Außerdem hatten wir Spaß und lachten uns einen Ast ab, als wir in dem kleinen kalten und kahlen Raum saßen, uns gegen die Glasfenster lehnten und den geschäftigen Reisenden zuhörten, die unten vorbeiliefen und Trolleys hinter sich herzogen, deren Räder und Rollen sich auf dem unebenen Boden des Terminals anhörten wie unzählige kleine Fürze. Ich höre es noch heute, das «Furzkonzert» und unser Gekicher.
Wie lange sie uns da festhielten, weiß ich nicht mehr, aber du musst bedenken, das war Anfang der 80er Jahre. Die Kommunikation zwischen Botschaften und Behörden war ein langsames, kompliziertes Hin und Her per Telefax (euch Millennials wird Google bestimmt erklären können, was ein Telefax ist!).
Die Moral von der Geschichte? Unsere Pässe mochten verbrannt und unsere beglaubigte Identifizierung auf einem juristischen Dokument dadurch zerstört sein, aber das Feuer konnte nicht unsere wahre Identität verbrennen, unser ursprüngliches Design, das Gott so liebevoll in jede Faser unserer geistlichen DNA eingewoben hat!
Uns können in unserer Kindheit Dinge widerfahren, die uns schwer verwundet und vernarbt zurücklassen, und manche Träume können bis auf den Grund niederbrennen. Aber das kann uns nicht wegnehmen, wer wir sind und wie Gott uns nach Seinem ursprünglichen Design gemacht hat.
Gott ist auf Wiederherstellung spezialisiert, und Er wird alles tun, um uns zurück auf die Bahn zu bringen, für die Er uns gemacht hat, damit wir Seine Hände und Füße auf dieser Erde sein können und so das ausführen werden, was Er in vielen Situationen auf diesem manchmal ungastlichen Planeten am liebsten mit uns zusammen ausführen möchte. Er will mit dir eine Partnerschaft eingehen, eine Freundschaft, um den Himmel auf die Erde zu bringen. Und Er wird uns oft wiederherstellen und in die richtige Spur zurück setzen, und das auf eine derart unaufdringliche und schöne Weise, dass wir nicht einmal bemerken, wie Er alles zu unserem Besten wirkt. Alles, was es braucht, ist, dass wir Ihm stillhalten und von Ihm heil gemacht werden wollen. Das ist die Entscheidung, die es uns abfordert, immer wieder neu.
Die mangelnde enge Beziehung zu meiner Mutter und meinem Vater hinterließ in mir ein paar deutlich spürbare Risse. Ich war jetzt eine junge Erwachsene und sehnte mich danach, gesehen und für das, was ich leistete, auch anerkannt und gelobt zu werden. Gegenüber anderen Leuten, die mir auf irgendeine Weise bedürftig vorkamen, hatte ich eine harte innere Einstellung, so nach dem Motto: «Come on, stell dich nicht so an!»
Generell versuchte ich verzweifelt, mich anzupassen, um dazuzugehören.
Im Alter von sechzehn Jahren aus einem Dritte-Welt-Land in die Schweiz zurückzuziehen war heftig. Natürlich passte ich da nicht hin und konnte mich nicht mit der Schweizer Kultur identifizieren, die Konformität zu verlangen schien, wenn man vorwärtskommen wollte.
Wie gesagt, Gott kennt sich mit Wiederherstellung aus. Er will dich da haben, wo Er weiß, dass du glänzen wirst.
Gott hatte ein Auge auf mich, als Er dafür sorgte, dass sich meine Wege mit einer unglaublichen Frau kreuzten, die ich wegen der ermutigenden Botschaft, die sie in die Welt trägt, bewundere und liebe. Auf einer Konferenz, bei der sie zu Tausenden von Menschen sprach, nahm sich diese großartige Frau die Zeit, ganz persönlich auf mich einzugehen. Sie sprach Worte des Lebens in meine hungernde Seele – ohne mich zu kennen oder zu ahnen, welchen Einfluss ihr Akt der Liebe auf mich haben würde.
Ich erinnere mich an ihre Worte, als wäre es gestern gewesen: «Ich kenne dich nicht, aber mein Geist kennt dich.» Es war eine so kraftvolle Aussage, die meine Identität bestätigte und mich für immer veränderte.
Seitdem haben sie und ich eine enge Mutter-Tochter-Beziehung. Ich bin Menschen wie ihr zutiefst dankbar: Menschen, die sich trotz ihrer vollen Terminkalender und ihrer begrenzten Zeit einen wachen Geist bewahren, um sich von dem Gott des Universums leiten zu lassen, der sie in eine einflussreiche Leiterposition gestellt hat. So wie meine Mentorin: Während sie Tausende mit ihrer Botschaft inspirierte, sah sie dennoch die einzelne Person – mich! – und trat mit mir in Kontakt.
Ich bin nicht die Einzige, die in ihrer Seele Heilung erleben darf, um vorwärtszugehen und alles zu tun, wozu ich geschaffen worden bin. Auch du bist der Augapfel Gottes. Er lebt dafür, zu sehen, wie du aufblühst und deine Bestimmung findest und auslebst. Und Er bringt dich zu Seiner Zeit mit den richtigen Leuten zusammen!
Marianne Williamson, die Autorin von «A Return to Love» (deutsch: «Rückkehr zur Liebe») sagt so schön:
Unsere tiefste Angst ist nicht, dass wir unzureichend sind. Unsere tiefste Angst ist, dass wir über alle Maßen fähig, kräftig und wirkungsvoll sind. Es ist unser Licht, nicht unsere Dunkelheit, die uns am meisten Angst macht. Wir fragen uns: «Wer bin ich schon, dass ich brillant, wunderschön, talentiert, fabelhaft sein soll?» Aber wer bist du eigentlich nicht? Du bist ein Kind Gottes. Es nützt der Welt nichts, wenn du dich klein- machst.
Es ist nicht besonders heilig, zu schrumpfen, nur damit sich andere Menschen um dich herum nicht verunsichert fühlen. Wir alle sollen leuchten, so wie Kinder. Wir wurden geboren, um die Herrlichkeit Gottes, die in uns ist, zu verkünden. Sie ist nicht nur in ein paar wenigen, sie ist in jedem von uns. Und wenn wir unser eigenes Licht leuchten lassen, geben wir unbewusst anderen Menschen die Freiheit, dasselbe zu tun. Wenn wir von unserer eigenen Angst befreit sind, befreit unsere Gegenwart automatisch andere.
Ist das nicht stark?! Indem du deine Gaben und Talente glanzvoll auslebst, lädst du andere dazu ein, das Gleiche zu tun. Wenn du vollkommen du selbst bist, setzt du andere frei. Deine Gegenwart wird für andere einen sicheren Raum schaffen, das Gleiche zu tun.
Wenn wir alle in unserer Bahn laufen, jubelt der Himmel uns zu. Und hier bin ich: Ich laufe in meiner Bahn und erzähle dir nun ein wenig mehr von meiner ungefilterten Geschichte. Ich bin begeistert, dass du in deiner Bahn neben mir läufst!
1 yesh li:
2 en li:
«Fühlst du dich sicher?»
Das ist die Frage, die ich meinen Kindern von dem Moment an gestellt habe, als sie – wenn auch noch wackelig – erstmals auf ihren eigenen zwei Beinen standen. Ich glaube fest daran, dass wir so Vertrauen in unseren Kindern schaffen und ihnen auf diese Art und Weise Selbstvertrauen beibringen können. Denn wer bin ich am Ende des Tages, dass ich wirklich wissen könnte, was sie fühlen und sich zutrauen?
Jede und jeder von uns hat seine ganz eigene Portion Abenteuergeist mitbekommen. Ich meine damit nicht bloß den Mut, Dinge zu wagen, die Adrenalin ausschütten. Ich meine damit auch nicht, dass ich meinen Kindern erlaube, sich in gefährliche Situationen zu stürzen, statt sie davor zu bewahren. Natürlich balanciert mein Zweijähriger nicht über einen Baumstamm am Rande einer hundert Meter tiefen Klippe, und natürlich lehne ich mich dabei nicht relaxed zurück und frage: «Na, fühlst du dich sicher?» Nein, so was tue ich nicht. Aber als Mutter habe ich die Verantwortung, meine Kinder in ihrem Selbstvertrauen zu stärken und ihnen zu helfen, ihre Position und ihren Standpunkt zu finden und sich eine innere Sicherheit aufzubauen.
Ich gebe dir ein Beispiel. Einer unserer Söhne, damals ungefähr fünf Jahre alt, kletterte auf einen Baum in unserem Garten und war bereits auf einer recht schwindelerregenden Höhe angekommen, als ich ihn sah. Es machte mich nervös, ihn an einem ziemlich dünnen, trockenen Ast hängen zu sehen. Ich holte tief Luft und rief:
«Fühlst du dich sicher?»
Er grinste: «Ja, Mami» – und kletterte weiter.
Als er noch etwas höher hinaufgekommen war, wiederholte ich meine Frage. Er schaute herunter und antwortete:
«Ich fühle mich sicher, ja. Was denkst du, wie hoch ich klettern kann, Mami?»
«So hoch und so lange, wie DU dich sicher fühlst.»
Er stieg noch einen Ast höher und machte sich dann, obwohl er noch hätte weiterklettern können, wieder auf den Weg nach unten.
Ich erinnere mich noch an eine andere Situation im Schwimmbad, wo es unterschiedlich hohe Sprungbretter gab. Unser ältester Sohn hatte bereits einen Rückwärtssalto vom Fünfmeterbrett gemacht, als er mich fragte:
«Mami, kann ich einen Rückwärtssalto vom Zehner machen?»
Meine Antwort war – du errätst es:
«Fühlst du dich sicher?»
Er war im Turnverein gewesen, als er kleiner war, und wusste also, wie so ein Rückwärtssalto geht. Er hatte es nur noch nie aus einer derartigen Höhe versucht.
Er stellte sich vor dem Sprungturm an, und ich konnte sehen, wie er ein wenig zögerte. Als er oben angekommen war, wartete er eine Minute und sprang dann direkt hinunter, ohne den Salto zu machen.
