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Mirjam Rischatsch zog von 2013 bis 2016 nach Peru, um dort an der Schweizerschule in Lima zu unterrichten. Die "Novedades aus Peru" sind 26 Briefe, die sie im Laufe der Zeit an die Familie und Freunde in die Schweiz geschickt hat. Sie erzählen vom Ankommen und Eingewöhnen in einem fremden Land, vom Erlernen einer neuen Sprache, vom Unterricht an der Schweizerschule, aber auch von den Lernfortschritten der eigenen Kinder, vom Finden neuer Freunde, von Reisen und Abenteuern, von Trekkingtouren zu Fuß und mit Pferden, von Begegnungen mit Einheimischen in bekannten, aber auch eher unbekannten Regionen in einem unbeschreiblich überraschenden Land. In den langen Sommerferien wurden diese Reisen bis nach Chile, Argentinien und Ecuador ausgeweitet.
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Seitenzahl: 323
Veröffentlichungsjahr: 2022
Inhalt der Briefe
Novedades aus Peru 1 7
Ankunft Lima
Novedades aus Peru 2 11
San Bartolo, Schulbeginn, Chaclacayo
Novedades 3 18
Colegio Pestalozzi, Paracas
Novedades 4 24
Canta
Novedades 5 36
Lima, Santa Eulalia
Novedades 6 42
Lunahuaná, Laraos, Viñac
Novedades 7 59
Colegio Pestalozzi, Pucusana
Novedades 8 66
Arequipa, Puno, Uros, Amantaní, Taquile
Novedades 9 80
Cuzco, Trekking Salkantay, Machu Picchu
Novedades 10 93
Dschungel Rio Tambopata, Madre de Dios
Novedades 11 101
Piura, Vichayito, Colegio Pestalozzi
Novedades 12 113
Temuco, Villarica, Pucón, Caburga
Novedades 13 127
Puerto Varas, Lago todos los Santos, mit dem Frachtschiff von Puerto Montt nach Puerto Natales
Novedades 14 143
Trekking Torres del Paine
Novedades 15 167
Punta Arenas, Ushuaia, Feuerland
Novedades 16 174
Buenos Aires, Gauchos in Esquina
Novedades 17 183
Lima, Colegio Pestalozzi
Novedades 18 188
La Florida, Ruinen Rupac, Cerro de Pasco, Bosque de Piedras Huayllay, Churín
Novedades 19 203
Lima, Colegio Pestalozzi
Novedades 20 210
Huaraz, Trekking Cordillera Huayhuash
Novedades 21 228
Mancora, Nebeloasen Lomas de Lachay, Dschungel Iquitos, Rio Tapiche
Novedades 22 248
Galapagos
Novedades 23 259
Quito, Mindo, Nationalpark Cotopaxi, Baños
Novedades 24 271
Colegio Pestalozzi, Tarapoto
Novedades 25 280
Ticlio, San Ramón, Pampa Hermosa, Oxapampa, Tarma
Novedades 26 293
Colegio Pestalozzi, Cuzco, Trekking Choquequirao, Dschungel Rio Tambopata
Epilog Novedades aus Peru 312
Impressum
Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek:
Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie.
Detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://www.d-nb.de abrufbar.
Alle Rechte der Verbreitung, auch durch Film, Funk und Fernsehen, fotomechanische Wiedergabe, Tonträger, elektronische Datenträger und auszugsweisen Nachdruck, sind vorbehalten.
© 2022 novum publishing
ISBN Printausgabe: 978-3-99131-095-2
ISBN e-book: 978-3-99131-096-9
Lektorat: Leon Haußmann
Umschlagfoto: Mirjam Rischatsch
Umschlaggestaltung, Layout & Satz: novum publishing gmbh
Innenabbildungen: Mirjam Rischatsch
www.novumverlag.com
Novedades aus Peru 1
22. Februar 2013
Liebe Familie, liebe Freunde
So, endlich melden wir uns!
Vorerst mal allen ganz, ganz herzlichen Dank für alle guten Wünsche, für euer Daumendrücken und für die guten Gedanken, die uns auf unserm Start hier in Peru begleitet haben. Sie haben genützt!
Wir sind gut gestartet und die Reise ist reibungslos geglückt.
Unser großes Abenteuer begann vor erst einer Woche, und es scheint mir, als sei schon eine Ewigkeit vergangen, seit wir die Schweiz verlassen haben.
Morgens um 02.30 holte uns unser Bustaxi in Andeer ab. Wir verabschiedeten uns schweren Herzens von meinen Eltern, stiegen mit unsern 9 riesigen Koffern, unsern 5 Handgepäcken und unserm Prinzenkater ein. Auf der Autobahn zwischen Rapperswil und Uster lag eine beträchtliche Menge Neuschnee, und wir waren froh, dass unser Chauffeur den Start so früh angesetzt hatte.
Die Kinder waren müde und sehr brav, nur Mogli miaute ununterbrochen. Schien ganz so, als hätte die Beruhigungstablette von 02.15 Uhr das Gegenteil bewirkt.
In Zürich waren wir dann zum ersten Mal mit dem enormen Gepäckberg auf uns alleine gestellt. Dumeni und Sina halfen gut mit, und endlich waren alle Aufpreise bezahlt, die Boardingkarten in der Hand und wir mit dem non-stop-miauenden Mogli und meinem Bruder und seiner Frau beim Frühstück. Aber bald schon hieß es, die Passkontrollen überstehen, sich von Shampoos und sonstigen Köstlichkeiten, die nicht in die Kabine durften, verabschieden. In einem Flughafenklo verpassten wir Mogli nochmals eine Beruhigungstablette.
Er aber miaute weiter.
Bis Madrid hatten wir einen eigentlich ruhigen Flug (abgesehen von einem miauenden Kater) und wir wagten schon gar nicht mehr, unsern Mitreisenden in die Augen zu gucken.
Die Landung in Madrid war problemlos und da Mogli immer noch miaute, bekam er (diesmal im Wickelraum) die nächste Tablette. Wir versuchten ebenfalls, ihn zu motivieren, das ausgeklügelt improvisierte Katzenklo zu benützen. Erfolglos.
Nach kurzer Zeit fiel Mogli in einen komaartigen Tiefschlaf und uns packte die Angst, ihm eine Überdosis verpasst zu haben. Er miaute nicht mehr.
Endlich in Lima waren wir beinahe die letzten, die dann alles Gepäck hatten. Sowohl in Madrid wie auch in Lima durften Familien mit Kindern die lange Warteschlange überholen und direkt durch den Zoll gehen. Nur Mogli musste wieder zurück, zum Flughafentierarzt. Dieser aber hatte schon Feierabend und war nirgends mehr zu sehen.
Ich wartete mit dem stinkenden Kater (wie Philipp vorausgesagt hatte, sch … er halt dann doch noch in die schwarze Reisetasche) beim SENASA-Schalter. Einfuhr lebender Tiere. Der Tierarzt hatte keine Lust mehr, zu kommen. Die Frau hinter dem Untersuchungstisch wollte auch nach Hause. Sie sah sich die beeindruckende Anzahl Stempel in Moglis Pass an, kopierte alles und nickte. Das würde dann etwas kosten, meinte sie. Ich zahlte gerne, ging zu einem weiteren Schalter, um Geld zu wechseln, bekam den Einreisestempel und huschte durch den Zoll.
Draussen wurden wir von Urs, dem Direktor der Schule, Otto, Filomeno und Antonio mit dem Schulbus erwartet.
Die Fahrt nach Hause dauerte eine weitere Stunde. Der Verkehr in Lima ist enorm. Unsere Kinder staunten über die überfüllten Busse, die Hupkonzerte und die von rechts und links überholenden Fahrzeuge.
In unserm neuen Zuhause hatten Claudia und Otto, unsere Vorgänger, die Betten schon angezogen, den Kühlschrank gefüllt und das Nötigste war vorhanden, um gut zu starten. Die Kinder wollten sofort ins Bett. Wir ließen den stinkenden Mogli frei und versuchten, ihn etwas abzuwaschen, was nicht ganz so einfach war.
Bereits am nächsten Tag wurden wir von Tito und Filomeno begleitet, um einen Kochherd und ein paar Pfannen für unsere Küche zu kaufen. Dann gingen wir zum ersten Mal in den Schweizer Club, zu welchem wir vom Schulgelände aus Zugang haben. Das Schwimmbad ist toll. Sehr zur Freude unserer Kinder hat es sogar zwei Sprungbretter! Jetzt üben sie täglich Saltos.
Auch das Fussballfeld vor dem Haus ist genial. Duno ist schon am Mittag von Kopf bis Fuß schwarz vor Staub, die andern beiden haben beeindruckend schwarze Füße. Die Sonne brennt heiß vom Himmel.
Dumeni, Sina und Duno teilten sich zu Hause die Zimmer auf und wir erstellten eine Liste, was wir noch alles so brauchen. Es ist unglaublich, aber am Morgen erwachen wir mit Vogelgesang und dem Gurren von Tauben. Unser Garten ist schön geschützt und grün.
Am Montag hatten die Kinder zum ersten Mal Spanischunterricht bei Antonie, unsere Empleada Santos begann zu arbeiten und Beat und ich besuchten die ersten Sitzungen an der Schule.
Mit Santos haben wir großes Glück. Sie kocht sehr gut und ist tüchtig. Sie freut sich, dass die peruanische Küche unseren Kindern schmeckt und ist ganz entzückt, wenn sie den Teller nochmals hinhalten, um nachzuschöpfen. Nur wird sie uns im Sommer bereits wieder verlassen, da sie in den Norden ziehen will, um zu heiraten.
Die Spanischstunden klappen gut. Ende Woche haben die Kinder reklamiert, sie müssten zu viel schreiben und hätten zu wenig Pause. Andere Kinder haben sie noch keine kennengelernt. Aber am nächsten Freitag beginnt die Schule.
So haben wir schon fast einen Rhythmus gefunden. Beat und ich am Morgen Sitzungen und Absprachen in der Schule, die Kinder mit Antonie Spanisch und Schwimmen, Mogli erste erfolglose Vogelfangversuche. Am Nachmittag gehen wir gemeinsam einkaufen. Nun waren wir auch schon auf dem richtigen Markt, wo Früchte und Gemüse wunderschön aufgetürmt sind und Hühnchen ihre Beine in die Luft strecken.
Ja, das wars fürs Erste … Bis bald! Abrazo fuerte
Mirjam, Beat, Dumeni, Sina und Duno
Novedades aus Peru 2
3. März 2013
Liebe Familie, liebe Freunde
Hier sind wir wieder. Schon ist eine weitere Woche vergangen. Unterdessen haben wir mit einigen von euch geskypt … eine wunderbare Sache! Danke auch für alle Rückmeldungen, wir freuen uns riesig über jeden Gruß! Die Kinder sind am Mittag jeweils voller Vorfreude, wer sich wohl melden wird.
Den vergangenen Sonntag haben wir am Meer verbracht. Herbert holte uns am Morgen um 9 Uhr vor der Schule ab, um etwas Vorsprung vor dem allergrößten Verkehr Richtung Süden und Meer zu haben. Während den Stoßzeiten werden alle vier Spuren der Panamericana am Morgen nur nach Süden geführt, am Abend alle vier Spuren nur nach Norden. Wir hatten unsern neuen Sonnenschirm und unser Badezeug dabei. Wenn man aus der Stadt fährt, kommt man an all den Armenvierteln vorbei und uns wurde so richtig bewusst, in welch riesiger Stadt wir jetzt zu Hause sind. Je weiter von unserem Viertel Miraflores entfernt, desto grauer und schmutziger präsentiert sich die Umgebung. Dennoch ist in den 15 Jahren, seit wir aus Peru zurück sind, eine Menge gegangen. Die mottenden, stinkenden Abfallberge haben wir noch nicht gesehen und der Abfall am Straßenrand ist etwas weniger geworden.
Wir parkierten eine Stunde südlich in San Bartolo und machten dann einen Spaziergang über drei weitere Strände.
Wir sahen Seesterne, Vögel mit ganz roten Schnäbeln (Austernfischer), Seeigel, Krebse.
Hier ist das Surfen mit „Tablas“ (Brettern) sehr populär. Im Meer draußen hat es stets große Wellen. Am dritten Strand holten Fischer ihren Fang aus den Netzen, und wir schauten zu. Unsere Augen wurden groß, als uns drei kleine Haifische präsentiert wurden. Einer lebte noch ein bisschen, deshalb warf ihn der Fischer neben den badenden Peruanern wieder ins Meer. Der Hai entschied sich aber doch, zu sterben, und mochte nicht mehr schwimmen. Deshalb warf ihn jemand aus dem Wasser wieder zurück ins Fischerboot. Wir standen da und staunten.
Wie wir dann unsern neuen Sonnenschirm ausprobieren wollten, passte die Stange nicht zum Schirm. Sina und Dumeni quetschten sich also direkt unter das Segel und fanden es gar nicht so schlecht.
Dann genossen wir die Wellen und das kalte Wasser. Um vor dem großen Verkehr wieder zu Hause zu sein, fuhren wir schon um zwei Uhr wieder nach Hause.
Am Mittwoch mussten wir Schuluniformen und alle Bücher kaufen, die Bücher müssen alle mit „Vinifan“, einer Plastikfolie, eingefasst werden. Ihr glaubt gar nicht, welche Berge von Büchern unsere Kinder im nächsten Jahr durcharbeiten und bewältigen werden müssen. Ich bekomme Ohrensausen, wenn ich nur daran denke. Noch ist es nicht überstanden. Ich kaufte also 6 Rollen Vinifan und machte mich an die Arbeit. Nach einer Stunde musste ich verzweifelt um Verstärkung schreien, Beat, die Kinder und Santos, unsere Empleada, mussten mithelfen. Auch zu sechst waren wir nochmals eineinhalb Stunden dran, bis alles eingefasst und beschriftet war.
Zusammen mit Santos präsentieren sich die Kinder stolz in ihrer neuen Schuluniform
Am Freitag war für uns alle der große Tag gekommen: Schulanfang. Die Psychologin der Schule hatte für alle neu eintretenden Kinder ein Begleitkind aus seiner Schuklasse organisiert, welches am Schuleingang wartete und die Neuen den Tag über begleiten würde. Da standen unsere drei dann mit ihren schweren Schulsäcken. Die Kinder kamen, der erste Kontakt war geschafft und ich ging in meine Klasse, welche von 27 Elternpaaren und 27 Kindern belagert wurde. Sara, meine peruanische Lehrerkollegin, hatte sich im Zimmer eingeschlossen, damit sie nicht schon vor dem Einläuten übermannt würde. Ich kam kaum durch all die Eltern durch, welche mich nicht beachteten und schloß die Türe ebenfalls hinter mir zu. Hilfe! Dann läutete es und wir mussten die Türe öffnen. Sara – in dem Gebiet schon ein alter Hase – stemmte sich gegen die Eingangstüre und schaffte es, nur mal die Kinder durchzulassen. Diese suchten sich ihren Platz, alle mit einem riesigen Rollkoffer und einer Lunchtasche bepackt. Das gab einen Stau wie auf der Panamericana Sur sonntags Richtung Süden.
Dann kamen die Eltern. Ich kam mir vor wie auf einer internationalen Fotosession. Da blitzten die Lichter, wildes Wirrwarr von Stimmen und Schreien. Zum Glück stand Sara an meiner Seite und wir verteidigten unsern Platz hinter dem Lehrerpult.
Irgendwie schaffte sie es dann doch, die Eltern zu beruhigen und sie dazu zu motivieren, sich hinten im Zimmer aufzustellen, damit wir ihnen angemessene Begrüßungsworte zukommen lassen konnten. Nach zehn Minuten war dann der Spuk vorbei und sie rauschten davon, wie sie gekommen waren. Alle an ihre Arbeit oder ins Fitnessstudio. Zwei drei Elternpaare grüßten doch noch persönlich, was mich etwas tröstlich stimmte.
Die Kinder packten ihre schweren Taschen aus, legten alle Bücher auf den Tisch und die ersten fragten nach zehn Minuten, wann dann wohl die Pause sei. Die nächsten hatten Hunger oder mussten aufs Klo, wir aber marschierten in Einerkolonne auf den Schulhof, wo das Schuljahr offiziell eröffnet wurde. Die Sonne brannte heiß auf den Asphalt, die Direktoren begrüßten Schüler, Schülerinnen und die Lehrpersonen, die peruanische Hymne und der Schweizerpsalm wurden gesungen, Vorfreude und Spannung lag in der Luft und Schweißtropfen klebten an der Stirn.
Zurück im Schulzimmer versuchten wir dann, den Morgen doch noch irgendwie hinzukriegen, was uns doch auch irgendwie gelang, aber da wartet noch harte Arbeit auf uns.
Am ersten Tag war die Schule für alle schon am Mittag fertig. Dumeni, Sina und Duno waren zufrieden und fanden, sie hätten einen guten Start gehabt. Duno ist bei Beat in der Klasse.
Am Nachmittag kam dann ein Anruf, dass unsere Fracht ankommen würde. Was für ein Jubel! Ein riesiger Lastwagen parkierte vor dem Haus, fünf Männer brachten alle Kisten und unsere Kinder rannten voraus, wo welche Kiste hingestellt werden müsste. Dann wurden die Rollerblades angeschnallt und auf dem superglatten Beton in der Basketballhalle neben unserm Haus eingefahren, dann kuschelten sich alle in ihre eigenen Bettdecken und fühlten sich schon ein wenig mehr zu Hause hier.
Gestern, Samstag, waren wir bei Ruth und Aldo in Chaclacayo eingeladen. Ruth ist auch Lehrerin an unserer Schule und wir kennen sie noch von früher. Chaclacayo liegt etwas oberhalb von Lima, Richtung Carretera Central, der Hauptstraße in die Anden. Ruths Großeltern waren Schweizer, und ihr Großvater hat damals nicht nur eine kastrierte Katze mit nach Peru genommen, sondern einen wahrhaft potenten Zuchtstier mit Marke Brown Suisse, welcher in diesem Land Spuren hinterlassen hat. Das große Grundstück, das heute Ruths Schwestern und ihr gehört, stammt noch aus dieser Zeit. Heute stehen darauf verschiedene Ferienhäuser und es hat ein kleines Schwimmbad, die Familie ist groß und insgesamt sind es 18 Cousins.
Piero war noch ein Baby, als wir damals von Peru gingen und heute 17 Jahre alt, Dante 16 und Romina 7.
Duno fragte nach 10 Minuten, wann wir wohl wieder nach Hause gehen würden.
Piero und Dante, weitere Cousins und die Kinder des Aufsehers begannen bald damit, Fußball zu spielen, unsere beiden Jungs machten mit und der Tag war gerettet.
Romina hatte eine Freundin aus ihrer Klasse dabei, Sina spielte bald auch mit, mit Händen und Füßen, etwas Spanisch und mit viel Wasser ging das ganz gut.
Wir stellten uns in die Küche, die Männer bedienten den Grill und es war eine Freude.
In Chaclacayo kann man sogar Fahrrad fahren. Irgendwo lagen noch einige fahrbare Fahrräder und gegen Abend machten wir einen Dorfrundgang und die Kinder teilten sich die Räder. Aldo kaufte Marshmallows, die wurden über der letzten Glut gebraten und als wir zurück in Lima waren, war es bereits zehn Uhr nachts.
Heute werden Beat und ich für die Schule arbeiten müssen, um einem weiteren Chaos am Montag etwas Gegensteuer zu geben. Der Morgen gehört mir, der Nachmittag ihm, Dumeni, Sina und Duno haben erste Aufgaben und … jeder etwa zehn Hefte für eine weitere Vinifan-Runde.
Ja, dies fürs Zweite … Bis bald! Abrazo fuerte
Mirjam, Beat, Dumeni, Sina und Duno
Novedades 3
18. März 2013
Liebe Familie, liebe Freunde
Habt vielen Dank für all eure Rückmeldungen, welche uns extrem freuen. Ja, wir vermissen euch schon, und der eine oder andere aus unserer Familie leidet immer wieder an ein bisschen Heimweh. Glücklicherweise sind jeweils nicht alle gleichzeitig betroffen, und so kommen wir über die Runden.
Der Schulalltag ist intensiv und streng. Unsere Kinder haben sehr viel mehr Schulstunden und sehr viel mehr Hausaufgaben als in der Schweiz. Alle haben viele verschiedene Lehrkräfte, und jeder gibt seine Aufgaben. Sie haben viel Schreibarbeit, viel Lesearbeit und dazu kommt, dass der Hauptanteil des Unterrichts und die Sprache auf dem Pausenplatz spanisch ist. Dumeni, Sina und Duno schlagen sich ganz tapfer, auch wenn sie mir manchmal Leid tun, wenn sie so verschwitzt, müde, staubig und mit ihren schweren Schulsäcken und den Lunchtaschen nach Hause kommen.
Die Sportlehrer sind begeistert von ihrer Ausdauer und davon, wie schnell sie rennen können. Dumeni darf mit seinem Cornet in die Schulband eintreten.
Die Spanischlehrer hätten am liebsten, sie würden schon morgen perfekt spanisch sprechen und geben sich zwar Mühe, aber ich zittere immer schon, wenn sie in der Pause auf mich zukommen, und mir noch mehr Übungsmaterial und Zusatzaufgaben zustecken. Dann hätten wir noch die Naturwissenschaftslehrer und die Sozialwissenschaftslehrer, die auch höhere akademische Ziele verfolgen, als ich mir jemals auf Primarschulstufe träumen ließ. Ich höre dann allen brav zu und schaue am späten Abend, wenn wir alle fünf bei den Hausaufgaben sitzen, wer noch was verträgt, und das ist meistens nicht mehr sehr viel. Mathematik und Deutsch gehen zum Glück bei allen dreien problemlos, aber auch da gibt es Hausaufgaben.
Daneben bereiten Beat und ich unseren Unterricht so gut wie möglich vor und stellen uns am nächsten Tag vor unsere riesigen Klassen. Die Kinder hier sind spontan, fröhlich und sehr liebevoll.
Für uns ist es wunderbar, hier auf dem Schulareal zu wohnen. So fällt der Weg, der bei den meisten länger als eine halbe Stunde Autofahrt bedeutet, weg. Unterdessen kommt auch schon mal das eine oder andere Kind zu uns zu Besuch, macht hier seine Hausaufgaben und verschwindet dann mit unseren Kindern in den Schweizerclub, um zu schwimmen und zu spielen.
Schon wurde uns ein erstes verlängertes Wochenende beschert. In Lima wurde am Sonntag gewählt, und zwar, ob die Stadträtin, die Alcaldeza de Lima, während ihrer Amtszeit abgewählt wird, oder ob sie – und mit ihr das ganze Kabinett – bleiben kann.
Das Colegio Pestalozzi wurde zum Wahllokal auserwählt und war an diesem Wochenende militärisches Gebiet. Soldaten bewachten das Areal und schliefen in der Turnhalle. Und wir, die wir ja auf dem Schulgelände wohnen, hatten entweder von Freitagabend weg Hausarrest und durften unsere vier Wände nicht verlassen, oder wir hatten die Wahl, selber zu fliehen und nicht vor Sonntagabend zurückzukommen. Natürlich haben wir uns für Letzteres entschieden und fuhren mit unserm Auto am Freitagmittag auf der Panamericana Richtung Süden los. Ob sich Mogli an den Hausarrest halten würde, wussten wir noch nicht. Wir hatten ihm mal gut zugeredet.
Unser Reiseziel war Paracas, 3 Stunden südlich von Lima. Die Straße führt durchwegs durch die Wüste, alles dem Meer entlang. Wo Flüsse aus den Anden ins Meer münden, ist die Gegend schön grün und fruchtbar, die Felder bewirtschaftet und am Straßenrand werden frische Früchte verkauft. Sonst sieht man hunderte Hühnerfarmen mit tausenden eng zusammengepferchten Hühnern, denen das Gackern unter diesen Bedingungen sicher längst vergangen ist. Plastikabfälle aller Art säumen über die ganze Strecke den Straßenrand.
In Paracas haben wir es uns im Hostal El Mirador gemütlich gemacht. Wir teilten uns vier Betten und vier Kissen und hatten eine eigene Dusche in unserem Zimmer, bei welcher man zwischen drei Optionen wählen konnte: winziger Wasserstrahl zu heiß oder winziger Wasserstrahl kalt oder kein Wasser.
Vor unserem Zimmer hatte es einen wunderbaren Swimmingpool, von Palmen und baumhohen Kakteen umsäumt, schön gepflegt und mit Blumen arrangiert. Die größte Attraktion von Paracas sind die Ballestas Inseln, ca. 25 km im Meer draußen. Die kalte Meeresströmung Humboldt, welche ihren Ursprung in der Antarktis hat, ist bekannt für ihren Fischreichtum. Davon profitieren verschiedenste Vögel, Seehunde und natürlich auch Perus Fischer an der Pazifikküste. Verschiedene Anbieter bieten Ausflüge zu den Inseln an. Wir hatten um 08.00 morgens gebucht und wurden um 07.30 beim Hotel abgeholt, mit Schwimmwesten ausgerüstet und dann mit einem Boot zu den Inseln gefahren.
Duno saß ganz zuhinterst im Boot und war total begeistert, als er so richtig nassgespritzt wurde. Bald sahen wir die ersten Vögel, die im Sturzflug auf Fischfang gingen. Dann kamen wir zu den Inseln, die schwarz waren, so dicht saßen die verschiedensten Vögel nebeneinander. Wir sahen hunderte von Seehunden und hatten riesiges Glück, als eine Seehundefamilie gleich neben unserem Boot ihrem Baby Schwimmunterricht erteilte. Unsere Kinder jubelten vor Freude. Die großen Seelöwenbullen wiesen verschiedenste Verletzungen an ihrer Haut auf, die vom großen Gerammel um die besten Weibchen und die besten Plätze auf den Steinen stammten. Nicht gerade zimperliche Typen. Mit lautem Gebrüll wurde die Ankunft unseres Bootes kommentiert. Seehunde erkennen sich untereinander an ihrer Stimme.
Dann entzückten uns die kleinen Humboldt-Pinguine, die in kleinen Grüppchen über die Felsen watschelten und unsere Kinder mussten laut lachen über diese drolligen Kerlchen. Humboldt-Pinguine sind nur etwa 45 cm groß und lassen sich aus der Ferne nur schwer von den vielen anderen Vögeln unterscheiden.
Vor hundert Jahren waren die Ballestas Inseln zwanzig Meter höher. Zwanzig Meter Vogelkot, welcher dann kontinuierlich abgebaut wurde und als natürlicher Dünger ins Ausland verkauft wurde. Damit konnte Peru Ende des 19. Jahrhunderts seine Auslandschulden begleichen.
Heute hat es noch genug Guano (so wird der Vogelkot hier genannt) für einen Abbau alle 7 bis 8 Jahre.
Am Nachmittag reichte uns die Zeit noch für einen Besuch des Naturschutzgebietes der Halbinsel Paracas, einem Stück an den Pazifik grenzende Wüste. Hier sind die Wege nur noch mit Pfählen gekennzeichnet, was jedem Autofahrer eine eigene Interpretation der Wegführung erlaubt. Beat war im Glück und er war so glücklich, dass er Dumeni ans Steuer ließ, was diesen ebenfalls sehr glücklich machte. Sina, Duno und ich klammerten uns derweilen auf den Rücksitzen aneinander fest.
Später hatten die Kinder Lust, die hohen Sanddünen hinauf- und hinunterzurennen. Wir staunten über die Farbenvielfalt und die verschiedenen Sandschichten.
Am Sonntag hatten alle noch Hausaufgaben bzw. Vorbereitungsarbeiten für den Unterricht. Diese machten wir am Pool. Dumeni und Sina wollten noch zum Markt gehen. Hier erstanden wir Halskettchen mit Haifischzähnen, Ohrringe und andere Köstlichkeiten.
Am Nachmittag machten wir uns auf den Rückweg nach Lima, in der Hoffnung, schon vor 19.00 Uhr abends unser Haus wieder beziehen zu können.
Die Einfahrt vor dem Colegio Pestalozzi machte uns wenig Hoffnung. Soldaten, bis auf die Zähne bewaffnet, standen vor dem Eingang und schauten uns etwas irritiert an, als wir ihnen erzählten, wir würden hier wohnen. Zum Glück waren die Vigilantes (Wächter) der Schule auch in der Nähe und freuten sich offensichtlich, dass neben der halben Armee wieder einmal bekannte Gesichter auftauchten. Wir durften also bereits einfahren, obwohl die Soldaten bis um Mitternacht blieben. Mogli hatte sich gut gehalten und war bei unserer Rückkehr noch da.
So viel für heute … Übrigens: Die Alcaldeza darf bleiben. Sie hat 53 % der Wählerstimmen auf ihrer Seite gehabt.
Macht’s gut! Wir freuen uns, von euch zu hören!
Abrazo fuerte Mirjam, Beat, Dumeni, Sina und Duno
Novedades 4
April 2013
Liebe Familie, liebe Freunde
Herzlichen Dank für alle eure Lebenszeichen mit den verschiedenen Neuigkeiten aus der Schweiz, die wir alle hier voller Freude, voller Spannung und auch mit etwas Wehmut lesen. Es ist herrlich, so viele Rückmeldungen zu bekommen!
Heute, Ostermontag, hatten wir schon wieder Schule, dafür begann das verlängerte Wochenende bereits am Mittwochnachmittag.
Von der Schule werden wir euch dann später wieder berichten, sonst wird dieser Brief viel zu lang …
Mit Herbert, Anita und Marianne trafen wir uns also bereits am Mittwochnachmittag um 15.30 Uhr, um das Wochenende so lange wie möglich zu genießen. Canta liegt auf knapp 3000 Höhenmetern, bereits in den Anden. Wir hatten unser Auto prall gefüllt, mit Wanderschuhen, Rucksäcken, Schlafsäcken, Jacken, Notvorräten (inklusive Schweizer Osterhasen!) und Trinkflaschen. Da wir uns auf keine Art und Weise mehr an den Weg nach Canta erinnern konnten (es ist ja auch schon 16 Jahre her, und die Stadt wird immer grösser), durften wir Herberts Auto auf gar keinen Fall aus den Augen verlieren. Dies bedeutet in dem riesigen Verkehrschaos auch, die Ampel mit zugedrückten Augen bei Dunkelorange passieren zu müssen. Die Autos drängelten sich von rechts und links, um, hinter, vor, zwischen und fast auch unter uns. Beat ließ sich nicht unterkriegen und nahm seelenruhig die Verfolgung auf. Die Stadt will auch Richtung Nordwesten einfach kein Ende nehmen. Duno zeigte sich an diesem Wochenende von seiner besten Seite (Sina und Dumeni übrigens auch, in Begleitung von so vielen Lehrerinnen und Lehrern … und wir konnten erleichtert aufatmen) und auch als fleissiger Tagebuchschreiber und notierte am Abend:
Mir sind heute drei schtunden im auto gesein ich ferzele euch ales was ferbikomte es hat so vil heuser und so vil tafeln und es hat eins oder fünf museumen es hat ein schönes museum es hat file glasheuser es hat auch lange heuser es hat auch ein fusbalschtadium es hat auch ein gefennis es hat ein schönes haus es hat blaue fenster und arme heuser ein par tunel und zwei schöne brüke es hat auch sand es gibt auch alte heuser es gibt arme menschen es ist schon nacht wo mir angekomen sind …
Am Straßenrand liegen Abfallberge, auf dem Asphalt tote Hunde, Bettler suchen im Dreck nach etwas Essbarem. Sina meinte: „Das ist jetzt also das Peru, von welchem ihr uns erzählt habt“.
Ja, auch, aber zum Glück nicht nur.
Als wir dann die Stadt endlich hinter uns gelassen hatten, begannen die fruchtbaren Felder der Flussoasen. Die Leute waren am Ernten, ein Bauer mit Pflug und Pferd daran, seinen Acker zu bestellen. Große Ziegenherden, von Eseln angeführt und von Hunden überwacht, kamen uns auf der Straße entgegen. Lustige Ziegen mit Hängeohren, die uns alle zum Lachen brachten. Die Straße nach Canta ist miserabel, und mehr als einmal überquerten wir mit dem Auto kleinere Flüsse. Der Staub hüllt alles ein, und manchmal ist die Sichtweite nicht besser als bei stockdichtem Nebel. Innerhalb von 10 Minuten wird es in diesen Breitengraden dunkel. Den Rest der Fahrt machten wir also bei Nacht, den Kindern schien es weit, lang und sehr holperig.
Das Hostal Cancayvento sah von außen aus wie ein Kloster, im Hoteleingang lagen zwei riesige Hunde auf den Polstersesseln und sabberten vor sich hin. Die Dueña des Hauses begrüßte uns freudig, jeder war „mi amor“ und Beat flickte ihr sogleich den Bostitch, welcher schon seit Wochen kaputt war, worauf sie Beat stürmisch an sich drückte und „eres un genio“, soviel wie „du bist ein Genie“, japste. Dann rief sie die ganze Crew, samt Koch und Putzpersonal, jeder schnappte sich ein Gepäckstück und weg waren sie, im ganzen Hostal verteilt, denn niemand – und wir am wenigsten – wusste, wo unsere Zimmer lagen.
Das erste Zimmer schien uns grässlich, und unsere Kinder waren viel zu weit von uns entfernt untergebracht, das zweite nicht viel weniger, und am Schluss entschieden wir uns für ein gemeinsames Viererzimmer, dessen Decke gerade frisch verputzt worden war und der Verputz wie Neuschnee munter auf die muffigen Teppichböden und unsere Betten fiel. Morgen würden sie wahrscheinlich putzen, meinten sie. Wir machten uns auf die Suche nach dem verstreuten Gepäck. Herbert, Anita und Marianne hatten es sich bereits gemütlich gemacht und wir trafen uns im Speisesaal, welcher noch alles andere als auf den großen Osterandrang gerüstet war. Irgendwie kamen dann doch alle noch zu etwas Essbarem.
Duno konnte sich weder mit den weichgekochten Nudeln vom Vorabend noch mit den Tamales (Polentaschnitten) vom Frühstück anfreunden und entschied sich für eine Glacekur schon zum Frühstück, da eine vielversprechende Kühltruhe im Speisesaal stand. Die Lieblingssorten gab es aber nicht mehr, oder sie waren an der Truhe festgefroren und konnten unmöglich freigegeben werden. Sina entschied sich später für die gleiche Diät. Dumeni aber wagte sich tapfer durch alle möglichen Speisen.
Unsere erste Wanderung führte uns am nächsten Tag nach Obrajillos. Runi, einer der beiden Hotelhunde, grauweiß mit rotunterlaufenen Augen und Hinkebein, hatte sich offenbar dazu entschieden, diesen Tag mit uns zu verbringen, sehr zum Entzücken von unseren Kindern. In Obrajillos standen hunderte von Pferden, wahrscheinlich war jeder Gaul, welcher sich in Canta auftreiben ließ, anwesend, um den Städtern an Ostern einen Ausritt im Grünen zu ermöglichen. Wir wanderten zwischen Autos und Pferden los, in der Hoffnung, bald etwas mehr Ruhe zu finden. Sobald wir mehr Kakteen und Agaven sahen und kleine, mit Steinen gesäumte Wege um uns herum hatten, entspannten wir uns und genossen das frische Grün und die Ruhe. Am Nachmittag begann es plötzlich zu regnen und Runis grauweißes Fell sah in nassem Zustand noch schlimmer aus, da seine blutrote Haut durchschimmerte und Anita überzeugt war, dass dieses Tier irgendeine grässliche Krankheit haben müsste. Duno hatte aber schon so dicke Freundschaft mit ihm geschlossen, dass ihn nichts und niemand davon abringen konnte, diesen Hund zu streicheln und zu liebkosen. Sina schaute zu, dass es Runi auch schaffte, auf unsern Picknickfelsen zu klettern, und so waren die Kinder den ganzen Tag mit dem Tier beschäftigt und merkten gar nicht, wie weit sie gingen.
Zurück in Obrajillos entschieden wir uns, mitten auf dem Markt in ein Micro (Bustaxi) zu steigen, um dem Verkehr nach Canta zurück auszuweichen. Duno hatte Sorgen mit Runi, welcher sich auf dem Markt sehr wohlfühlte und die Leute anbellte, welche uns zuriefen, wir sollten den Hund doch von den Ständen fernhalten. Zwischen Autos, Marktständen, Leuten verfolgte ich Duno und Duno Runi. Die andern hatten einen Bus gefunden, welcher uns mitnehmen würde, aber das konnten wir ohne Runi vergessen. Duno packte die Krise. Dieser Hund wäre genausoweit gewandert und hätte genauso Anrecht auf eine Busfahrt. Irgendwie schaffte es dann Duno, Runi in den Bus zu schieben, alle rutschten noch ein bisschen näher zusammen und niemandem wäre es in den Sinn gekommen, auszurufen. Ich quetschte mich erschöpft in die hinterste Bankreihe.
In Canta trafen wir uns mit den anderen Lehrern und ihren Partnern, Pesche und Patricia, Klaus und Johana mit Nicoletta und Constanza und Ursula und Paul, welche erst am Donnerstag angereist sind.
Runi ruhte sich derweil, so dreckig wie er war, auf der Couch in der Eingangshalle aus, sabberte vor sich hin, sein Fell trocknete, verlor den blutroten Schimmer und wurde wieder grauweiß.
Am Freitag wanderten wir etwas weiter, bis zu einem schönen Wasserfall. Wir starteten mit einem Micro und hatten Runi im Hotel gelassen. Irgendwann kamen wir in ein abgelegenes kleines Dorf voller Hühner, Schweine, Esel, Maultiere, Kühe und Hunde. Herbert und Beat blieben vor einer kleinen Hütte stehen, und Sina entdeckte darin Meerschweinchen und Hasen. Magisch angezogen, schlüpfte sie in die Wohn-Schlaf- und Stallküche.
Die Besitzerin, eine freundliche India, freute sich über die Gringo-Kinder, die so weit gewandert waren und so großen Gefallen an ihren Haustieren fanden. Sie nahm ein Häschen aus dem Käfig, gab es Sina und zeigte uns, wie sie eigenen Käse macht. Ihr Kochherd wird mit Kuhmist angeheizt. Soweit wir etwas in der Dunkelheit erkennen konnten, war alles ganz ausgetüftelt in ihrem einfachen Zuhause.
Zum Abschied bekamen wir ein paar gekochte Kartoffeln und gaben ihr etwas von unserm Proviant ab.
Dann bestaunten wir die Dorfkirche, wo uns – als könnte er Gedanken lesen – sofort Don Antonio mit dem Kirchenschlüssel in der Hand begrüßte. Wir traten ein, immerhin war Karfreitag, und setzten uns auf die Kirchenbänke. Don Antonio steckte das Mikrofon an (die Lautsprecher tönen draußen auf dem Dorfplatz) und begann zu predigen.
Ein richtiger Pfarrer käme nur einmal pro Jahr, aber Don Antonio macht seine Sache ausgezeichnet. Einzig schwierig ist nur, dass er, wenn er einmal so richtig in Fahrt ist, nicht mehr so schnell aufhört mit Beten. Wir rutschten auf den Bänken hin und her, Dumeni schaute sehnsüchtig Richtung Türe, aber nichts da, da mussten wir durch. Dann wollte er noch einen Gruß aus der Schweiz und Beat bekam das Mikrofon überreicht. Wir sahen das Ende unseres Karfreitagsgebetes nahen und standen auf.
Beat sprach ein Vaterunser auf Romanisch, und Don Antonio war entzückt und ließ uns laufen. Er begleitete uns noch ein Stück auf unserer Wanderung und zeigte uns die Abkürzung zurück, einen wunderschönen Weg, ganz nach unserm Geschmack.
Am Abend spielte Beat mit unseren Kindern in der leeren Piscina des Hotels Fußball, und aus allen Ecken kamen Kinder hinzu und spielten mit.
Am Samstag besuchten wir ein weiteres Dorf, diesmal oberhalb von Canta. Auf der Staubstraße entdeckten wir einen toten Skorpion, in einer Schutthalde fand Herbert eine Schlange, welche er als Biologielehrer mit großem Vergnügen fing und uns allen vorzeigte. Sina wagte es auch, das Tierchen zu streicheln, wir andern hielten gebührend Abstand. Die Polizei fuhr mit Rotlicht vorbei und hielt an. Ich glaube, auch die Polizisten sind dieses Wochenende extra aus Lima angereist, um das sonst sehr ruhige Canta zu überwachen. Sie stiegen aus, begutachteten die Schlange und fuhren wieder davon. Als wir später zurückblickten, sahen wir sie nochmals, wie sie ebenfalls auf Schlangenjagd gingen. Dass ein Gringo einfach so eine Schlange in der Hand hält und sie nur dabei zuschauen konnten, ließ ihrem Stolz dann doch keine Ruhe. Vielleicht haben sie das arme Tier ihrem Vorgesetzten nach Lima mitgebracht …
Später kam ein weiteres Polizeiauto mit blinkendem Rotlicht vorbei, diesmal mit einem Pickup. Als sie unsere Kinder mit den Rucksäcken sahen, luden sie uns ein, aufzusteigen. Wir winkten dankend ab, haben wir ja in Lima genug Verkehr und Abgas.
Da hatten wir die Rechnung aber ohne unsere Kinder gemacht. Sina fand uns die Allerletzten, wie kann man nur ein so cooles Angebot ablehnen, grub das Kriegsbeil aus und wollte nichts mehr mit uns zu tun haben. Wir waren einsichtig, konnten aber dem davonrauschenden Wagen nicht mehr hinterherrennen.
Zum Glück fanden wir die Polizisten weiter vorne an einem Stand mit Coca-Cola und Inka-Cola wieder, und die gute Ursula erzählte ihnen sofort von Sinas Enttäuschung. Es verging keine Minute, und Dumeni, Sina und Duno saßen auf der Ladebrücke, Beat als Wache dabei (wer weiß, wann sie die Kinder wieder zurückbringen würden), Rotlicht an und Dorfrundfahrt durch Cantaymarca.
Wir schenkten dann jedem Polizisten ein gefärbtes Osterei und erklärten, wie man in der Schweiz die Eier „tütscht“.
Auf dem Dorfplatz trauten wir uns doch noch einmal in die Kirche, und die Kinder stiegen mit Pesche und Herbert bis zur Glocke im Turm.
Cantaymarca ist bekannt für die beiden Käsereien, in welchen Frischkäse hergestellt wird. Beim Weiterwandern kamen uns immer wieder Leute mit Eseln entgegen, welche mit Milchkannen beladen waren.
Dumeni wäre am liebsten auf einen Berggipfel gestiegen, aber wir mussten mit einem Hügel Vorlieb nehmen. Beim Rasten sahen wir dafür riesige, daumengroße Käfer und Adler auf Mäusefang. Da war auch er zufrieden, packte dann seinen Rucksack aus (Dumeni schleppt unterdessen den schwersten Rucksack von uns allen, obendrauf noch Lektüre) und las im Harry Potter weiter.
Wir waren uns alle einig, dass die Sonne, das frische Grün und die gute Gesellschaft die beste Medizin gegen allen Stress ist.
Das Abendessen war das letzte im Hotel und zugleich auch das bisher beste. Tagsüber ist es in den Anden sehr warm, aber nach Sonnenuntergang wird es rasch kühl. Wir saßen noch gemütlich in unseren Faserpelzjacken bei Cuba libre und Rotwein zusammen und schmiedeten Pläne für die Maiferien, die Kinder durften im Zimmer in ihren Schlafsäcken einen Film auf dem iPad gucken und jede und jeder war sehr zufrieden.
Am Sonntagmorgen fuhren wir schon früh zurück nach Lima, Miraflores erschien uns im Gegensatz zum Stadtrand wunderschön und wir hatten zum ersten Mal das Gefühl, nach Hause zu kommen.
Mogli freute sich über unsere Rückkehr. Den Nachmittag verbrachten wir bei Hausaufgaben, mit Korrigieren und Vorbereiten und Mirjs „Spaghetti Aldente“ setzten der Glace-Diät der Ostertage ein jähes Ende.
Wir hoffen, dass auch ihr alle die Ostereier gefunden habt, und wir schicken euch ganz herzliche Grüße über den Ozean!
Mirjam, Beat, Dumeni, Sina und Duno
Novedades 5
Ende April 2013
Liebe Familie, liebe Freunde
Nun sind wir schon seit zweieinhalb Monaten hier in Peru und mir scheint es, ich hätte euch alle schon eine ganze Ewigkeit nicht mehr gesehen.
Unterdessen haben wir es uns im Haus einigermaßen gemütlich eingerichtet, Pflanzen gekauft und alte Möbel und Lampen entsorgt. Beat hat in allen Schränken Heizstäbe installiert, damit die Wäsche und unser Campingmaterial nicht grau werden, neue Regale gebaut und offene Kabel befestigt und versteckt. Unterdessen wissen wir, dass man die Waschmaschine nicht barfuß bedienen darf und schon gar nicht, wenn der Boden davor nass ist, da man sonst mit elektrischen Schlägen schachmatt gesetzt wird. Auch an den Computer setzt man sich besser mit Schuhen mit Gummisohlen, es ist einfach angenehmer.
In der Küche lassen wir nichts mehr über Nacht stehen, wenn wir es am Morgen nicht mit Ameisen übersät antreffen möchten. Überhaupt hat es immer wieder Ameisenstraßen, an den unmöglichsten Orten.
Mogli hat sich an die südamerikanischen Jagdgründe akklimatisiert, jagt fingerdicke Riesenraupen, Riesenfalter, Ratten und Vögel. Als wir am Sonntag nach Hause kamen, sahen Eingang und Küche aus, als hätte jemand ein Daunendeckbett zerschnitten. Blutspuren an den Wänden und zwei tote Vögel im Haus. Zu allem Elend kamen noch die Naturwissenschaften-Lehrer auf mich zu, der Schulhase sei ausgebüxt und man hätte nur noch die Pfötli gefunden. Ob wohl unser Kater … Nein, ein entschiedenes Nein von meiner Seite. Er bringt alles nach Hause. Aber bisher keine Schulhasen. Ich fühlte mich trotzdem etwas schuldig, habe aber keine Hasenteile gefunden.
Dann kam eine Aufforderung von der Primarschuldirektorin. „Vorfall mit Duno in der Pause“. Du meine Güte. Beat und ich fragten Duno, was wir da wohl zu hören bekämen. Er wüsste das auch nicht so genau, meinte er. Aber er würde zur Sicherheit mal einen Scherenschnitt machen, und den könne man ja dann schenken. Er würde in der Pause immer rennen, und die Mädchen stellten ihm das Bein. Da hätte er halt mal eine gepackt. Beat und ich gingen also zum Termin, und Michelle zeigte uns die E-Mail der Eltern des betroffenen Mädchens, die sich fragten, wie es möglich sei, dass ein Kind von Lehrern so zu Handgreiflichkeiten neige und ihre Tochter sei sehr beunruhigt nach Hause gekommen. Wir unsererseits bestätigten, mit unserm Sohn zu sprechen.
Dann kamen die Lehrer für Naturwissenschaften (oh nein, nicht schon wieder) in der Pause auf Beat und mich zu. Sie müssten mit uns beiden sprechen. Sina würde gar nichts verstehen. Sie musste eine Prüfung (auf Spanisch, natürlich) über Wirbeltiere und wirbellose Tiere, Tiergattungen und Zuordnungen schreiben, und war selbstverständlich chancenlos. Sie würden ihr ab sofort in der Mittagspause Nachhilfeunterricht erteilen (Ihr erinnert euch, Sina hat 41 Lektionen Schule in der Woche, mehr als Dumeni!). Nachdem ich mich vom ersten Schock erholt hatte, sagte ich die beiden, sie müssten sich vorstellen, das würde ihnen selber passieren und dass es auch für sie nach sechs Schulwochen in der Schweiz unmöglich wäre, eine solche Prüfung zu schreiben. Beat bedankte sich für den guten Willen mit dem Angebot für die Nachhilfe, aber Sina würde die Pause dringend für ihre Sozialkontakte brauchen und so bestimmt schneller Spanisch sprechen lernen. Sie zogen dann etwas irritiert von dannen und lassen aber Sina jetzt doch Zeit, sich im Verstehen zu üben.
Das Erlangen unseres „Carnet de Extranjeria“ (Aufenthaltsbewilligung) zögerte sich endlos hin, und in Begleitung eines in die Jahre gekommenen Coronels musste Beat wohl vier Mal und ich drei Mal ins Zentrum von Lima, wo wir immer wieder am falschen Schalter anstanden oder die falschen Stempel in unserem Pass vorwiesen. Der Coronel wanderte derweil aufgeregt hin und her und bestätigte uns, dass hier die Bedingungen fast stündlich wechseln würden.
Unterdessen haben wir aber unser Carnet, es fehlen nur noch die Carnets unserer Kinder.
