Nur Liebe lässt den Menschen sein - Rudolf Winterer - E-Book

Nur Liebe lässt den Menschen sein E-Book

Rudolf Winterer

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Beschreibung

Eigentlich war das Leben für jemanden, der 1913 geboren ist, alles andere als leicht: Zwei Weltkriege, Zukunftsangst und persönliche Schicksale – all das hätte in dem Gedichtband von Rudolf Winterer Eingang finden können, denn die Entstehungszeit seines OEuvres umfasst fünf Jahrzehnte, von den frühen Dreißigern bis in die späten Achtziger. Und dennoch, seine Gedichte sind durchweg hoffnungsvoll, warmherzig und voller Freude, denn: „Nur Liebe lässt den Menschen sein“! Gabriele Sachs, Rudolf Winterers Tochter, setzt ihrem 1993 verstorbenen Vater als Herausgeberin einer Auswahl seiner Gedichte ein liebevolles und bewegendes Denkmal, das uns daran erinnert, worauf es im Leben wirklich ankommt!

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EPUB

Seitenzahl: 45

Veröffentlichungsjahr: 2016

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Rudolf Winterer

Nur Liebe lässt den Menschen sein

Gedichte und Essays

Herausgegeben von Gabriele Sachs

AUGUST VON GOETHE LITERATURVERLAG

FRANKFURT A.M. • LONDON • NEW YORK

Die neue Literatur, die – in Erinnerung an die Zusammenarbeit Heinrich Heines und Annette von Droste-Hülshoffs mit der Herausgeberin Elise von Hohenhausen – ein Wagnis ist, steht im Mittelpunkt der Verlagsarbeit. Das Lektorat nimmt daher Manuskripte an, um deren Einsendung das gebildete Publikum gebeten wird.

©2016 FRANKFURTER LITERATURVERLAG FRANKFURT AM MAIN

Ein Unternehmen der

FRANKFURTER VERLAGSGRUPPE

AKTIENGESELLSCHAFT

In der Straße des Goethehauses/Großer Hirschgraben 15

D-60311 Frankfurt a/M

Tel. 069-40-894-0 ▪ Fax 069-40-894-194

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Medien- und Buchverlage

DR. VON HÄNSEL-HOHENHAUSEN

seit 1987

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Lektorat: Gerrit Koehler

Titelbild: Gabriele Sachs

ISBN 978-3-8372-1833-6

Inhaltsverzeichnis

Alles drängt zum Werde

Tag der Entscheidung

Natur und ich

Sonett

Gralsglaube

Erwachen

Jugend

Was den Menschen macht

Mutter

Die Frau

Die Größe

Rosen blühen

Mein Lieb!

Carpe diem!

Sommersang

Maria auf der Brücke

Advent

Spätes Gelingen

Bedingung an die Natur

Der Blinde

Die Orgel spielt im Münster

Oh Heimat!

Matterhorn

Das Leben

Weihnacht 1934

Hohes Licht

Frühsommer

Zum Firnenglanz, zum Sternenlicht!

Novemberspaziergang

Du!

Der Traum vom Glück

Noch

Liebe Augen!

Meines Lebens Stern

Auferstehung!

Mahnung

Heimweh

Das blinde Mädchen

Wunsch der Unsterblichkeit

Wenn ein Schicksal dich geschlagen ...

Ferne Ziele

Erwartung

Ewigen Geistes Ruf

Frühlingswiese

Herr schicke Stürme

Die große Frage

Kinderaugen

Des Lebens Krone

Tröstlich Licht

Melodie des Lebens

Traum und Tat

Kriegsende

Ein Traum

Gang durch das Jahr

Am Bett unseres Kindes

Sternstunden

Die schwarzen Wälder

Gotischer Meister

Der Erde Odem

Herbstzeitlose

Sieg des Lichts

Erinnerung

Gelassenheit des Lebens

Stunden des Glückes

Die Nachtigall

Die Einheit des Seins

Der Lebensstrom

Leben aus dem Licht

Voran, nur voran

Kreisende Raubvögel

Unserer Jugend goldene Träume

Die Masken

Fernweh

Der Traum

Engelsmusik

Ach, zu sagen ...

Ebenbild

Trösterin Kunst

Juli

Der Trost

Küsten des Lichts

Ostern 1984

Mistral

Liebe Gabi!

Gott gibt

Letzter Gruß

Botschaft von den Sternen

Sterben wie eine Blume

Dem Lichte danke ich mein Sein!

Alles drängt zum Werde

„Wir schauen jetzt durch einen Spiegel

im Rätsel, dann aber von Angesicht

zu Angesicht. Jetzt erkenne ich’s teilweise,

dann aber werde ich erkennen, wie ich

auch erkannt bin. Nun aber bleiben

Glaube, Hoffnung, Liebe, diese drei;

das größte aber von diesen ist die Liebe.“

(1. Kor. 13, 12-13)

November 1930

Tag der Entscheidung

Erst seit kurzem lebe ich in der Stadt.

Jäh riss mich die Versetzung meines

Vaters aus altgewohntem Landleben,

aus engem Verbundensein mit der Natur, und

namentlich raubte sie mir den Rhein, dessen Rauschen

17 Jahre lang mein Leben durchklungen hatte,

Tag und Nacht. Um keinen Preis wollte ich mich

von all dem trennen; Vater und Mutter

allein fortziehen zu lassen war ich bereit.

Aber was väterliche Autorität nicht vermochte,

das gelang der unermüdlichen Liebe einer

gütigen Mutter.

Jetzt bin ich in Freiburg, für meine Begriffe:

Großstadt. Lange konnte ich mich nicht in

die gegebene Lage hineinfinden: Ich wollte

nicht in die Schule, machte gleichgültig

meine Aufgaben, drückte mich herum, sprach

mit niemandem und weinte nächtelang. Oh, wie

sehnte ich mich nach den grünen Ufern des

Rheins, die unser altes Haus tragen, nach dem

starren Titlis, der abends rosarot vom Süden

herübergrüßt!

Meine Klassenkameraden scheinen mir alle

schrecklich alt und erfahren. Viele hatten einen

so wissenden Zug um den Mund, und sie sprachen

über Dinge, bei denen ich mich schämte für die,

die zuhörten, und die mir die Röte in das Gesicht

trieben: Ich erfuhr von den Gefahren der Stadt.

Und wenn ich mit offenen Augen durch die Straßen

ging, sah ich manches, was mich entsetzte. Ich

dankte – was ich übrigens auch jetzt noch tue –

Gott dafür, dass er mich auf jenem irdischen

Paradies aufwachsen ließ und mir so gute

Eltern gab.

Doch auch manches Schöne bot mir Freiburg

bisher. Ich lernte den Wald lieben und erkannte

den ganz eigenen Reiz des Gebirges mehr als vorher.

Theater, Konzerte, Bibliotheken, Vorträge und nicht

zuletzt der bessere Schulbetrieb gaben mir viele

Bewegungen auf geistigem – zum Teil mir vorher

unbekannten – Gedanken.

In dem halben Jahr, das ich bis jetzt in

Freiburg verbrachte, öffneten sich mir

viele neue Gesichtspunkte. Ich habe das

Gefühl, um Jahre älter geworden zu sein. Ob

alles, was ich Neues lernte oder erfuhr, zu

meinem Vorteil oder Nachteil ist – wer

kann das jetztentscheiden? Aber dass der Tag

der Versetzung meines Vaters, der zufällig

mein Geburtstag war, mein weiteres

Leben entscheidend beeinflusste, steht außer

Zweifel.

März 1931

Natur und ich

Und frische Nahrung, neues Blut

saug ich aus freier Welt.

Wie ist Natur so hold und gut,

die mich am Busen hält!

Goethe: Auf d. Inn

Hoch oben, fern vom Stadtgetriebe

und dem Getöse moderner Technik liegt

es in stiller Waldeinsamkeit – mein

Königreich! Seiner winzigen Kleinheit

zum Trotz birgt es unendlich viel.

So oft ich den Lernbüchern entschlüpfen