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Martha Simmat

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Beschreibung

Lassen Sie sich vom Leben berühren! Vom Mut, zum zweiten mal zu lieben – der Gewinnertitel der Ausschreibung "Die Macht großer Gefühle" Eheberaterin Eva begleitet Menschen täglich auf dem Weg zu ihrem persönlichen Glück, hat die große Liebe aber selbst nie erlebt. Es trifft sie daher wie der Blitz, als sie dem hinreißenden Sebastian begegnet, bei dem das Leben voller Leichtigkeit und Freude ist. Doch die Realität holt Eva schnell ein, denn Sebastian ist mit ihrer Kindheitsfreundin verheiratet und wünscht sich, dass Eva ihr bei der Rettung ihrer Ehe hilft. Während sie sich zwischen ihrer Freundin und ihrer neuen Liebe zu entscheiden versucht, reißt ihr ein unerwartetes Ereignis den Boden unter den Füßen weg – und Eva muss den Mut finden, ihre größten Ängste zu überwinden. "Nur noch bis morgen" zeigt, dass es nie zu spät für große Entscheidungen ist und jeder von uns die Melodie seines Lebensliedes selbst komponiert. Ein Muss für jede Frau, die auf der Reise zu sich selbst ist. "Lebensklug, mit Gespür und Timing erzählt und eine intensive Mischung aus Humor, Charakter, Drama, Tragik und Glücksgefühlen." - Antje Steinhäuser, Lektorin

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Veröffentlichungsjahr: 2023

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Martha Simmat

Nur noch bis morgen

Roman

Knaur eBooks

Über dieses Buch

Eheberaterin Eva begleitet Menschen täglich auf dem Weg zu ihrem persönlichen Glück, hat die große Liebe aber selbst nie erlebt. Es trifft sie daher wie der Blitz, als sie dem hinreißenden Sebastian begegnet, bei dem das Leben voller Leichtigkeit und Freude ist. Doch die Realität holt Eva schnell ein, denn Sebastian ist mit ihrer Kindheitsfreundin verheiratet und die wünscht sich, dass Eva ihr bei der Rettung ihrer Ehe hilft. Während sie sich zwischen der Loyalität zu ihrer Freundin und ihrer neuen Liebe zu entscheiden versucht, reißt ihr ein unerwartetes Ereignis den Boden unter den Füßen weg – und Eva muss den Mut finden, ihre größten Ängste zu überwinden.

Inhaltsübersicht

Widmung

Kapitel 1

Kapitel 2

Kapitel 3

Kapitel 4

Kapitel 5

Kapitel 6

Kapitel 7

Kapitel 8

Kapitel 9

Kapitel 10

Kapitel 11

Kapitel 12

Kapitel 13

Kapitel 14

Kapitel 15

Kapitel 16

Kapitel 17

Kapitel 18

Kapitel 19

Kapitel 20

Kapitel 21

Kapitel 22

Kapitel 23

Kapitel 24

Kapitel 25

Kapitel 26

Kapitel 27

Kapitel 28

Kapitel 29

Kapitel 30

Kapitel 31

Kapitel 32

Kapitel 33

Kapitel 34

Kapitel 35

Kapitel 36

Danksagung

Für meine Schwester und alle Menschen,

die einen Neubeginn wagen.

Kapitel 1

Ein Wiedersehen

Samstag

Noch ein Drink, dann ist Schluss. Das leere Glas in Evas Hand verschwimmt für wenige Sekunden, als hätte sich Nebel auf ihre Netzhaut gelegt. Sie kneift die Augen zusammen. Konzentriert sich. Das Glas wird wieder scharf, und gleichzeitig nimmt sie die Lounge-Musik, die Stimmen und den Geruch des Lachses auf Weißbrotscheiben intensiver wahr.

Sie muss sich einfach nur von ein paar Leuten sehen lassen, schnell ihre Rede halten und kann dann wieder gehen.

Die Müdigkeit drückt auf ihre Lider. Am liebsten würde sie sich ungesehen in den Nebenraum der ehrwürdigen Aula zurückziehen, wo früher die Kostüme und Kulissen der Theater-AG aufbewahrt wurden. Aus den Klamotten würde sich ein provisorisches Bett bauen lassen.

»Eva?« Die Stimme eines Engels reißt sie aus ihren Gedanken.

Eva atmet tief ein und aus, schwankt und hält sich an einem neuen Sektglas fest, das ein Abiturient ihr anbietet. Sehnsüchtig sieht sie ihm nach. Was für ein Luxus, wenn die ganzen Desillusionierungen noch vor einem liegen und man glaubt, dass nach der Schule das echte Leben beginnt.

Mit dem »echten Leben« meint man Freiheit und Selbstbestimmung. Aber das echte Leben bringt nichts als Leid. Kurz überlegt sie, ob sie den jungen Kerl anhalten und ihm sagen sollte, dass das Gras auf der anderen Seite des Schulabschlusses ziemlich bitter schmeckt, aber dann lässt sie es. Er wird ohnehin früh genug enttäuscht werden.

Mit zwei Gläsern in der Hand dreht sie sich in die Richtung, aus der der Engel gesprochen hat. Sie muss sich konzentrieren, um Frankas Konturen klar zu erkennen, obwohl das nicht nötig wäre: Franka erkennt man überall. Ist sie überhaupt älter geworden? Sie sieht kaum anders aus als bei der Abiturfeier vor fünfundzwanzig Jahren. Groß gewachsen, schlank wie ein Weidenzweig mit einem schmalen Gesicht, das von blonden Locken eingerahmt wird, die auf ihren Schultern wippen. Ihre Wimpern waren schon immer zu lang, zu schwarz und zu dicht. Ihre sorgsam manikürten Fingernägel sind farblich auf ihr samtgrünes Kleid abgestimmt.

Eva kommt sich vor wie ein Kieselstein neben einem Diamanten. Hastig trinkt sie einen großen Schluck. Der Sekt kitzelt am Gaumen, prickelt im Hals und hält im Magen Einzug, wo er mit diversen Kanapees und seinen fünf Vorgängern das Jubiläum feiern kann. »Franka! Das ist ja Jahre her!« Sie umarmt ihre ehemals beste Freundin, weil es seltsam wäre, es nicht zu tun. Dabei weiß sie nicht einmal, ob sie noch den gleichen Nachnamen hat, wo sie wohnt oder was überhaupt aus der ambitionierten Sportfanatikerin geworden ist.

Frankas Locken verdecken Evas Gesicht, als sie sie an sich drückt, um ihr Wiedersehensfreude vorzuspielen. Die Haare riechen nach Schaumfestiger und Haarspray. Eva rümpft die Nase und reibt den Geruch weg.

Franka grinst wie eine Lottogewinnerin. »Du siehst noch genauso aus wie früher«, sagt sie und meint wohl, dass ihre Haare stumpf sind und sie ihre fünf Wohlstandskilos noch nicht losgeworden ist. »Ich habe gehört, dass du gleich die Rede hältst.«

Eva nickt. »Muss man wohl als Jahrgangssprecherin. Ich trinke mir schon Mut an.« Triumphierend hebt sie beide Gläser in die Luft und erwartet, dass Franka ebenfalls lacht, aber mehr als ein mitleidiges Lächeln erwidert sie nicht. In ihrer Hand ruht ein Wasserglas.

Eva trinkt halb aus. Herzukommen war die schlechteste Idee seit der Aktion mit der Dauerwelle Mitte der Neunziger.

Oder seit ihrer Hochzeit. Sie korrigiert sich. Das war mit Abstand die schlechteste Idee ihres Lebens gewesen.

»Was machst du so?«, fragt Eva. »Bist du verheiratet? Hast du Kinder?«

»Verheiratet.« Franka trinkt und lächelt dann so breit, dass Eva sich nicht sicher ist, wie ehrlich das Lächeln gemeint ist. »Wir haben gerade unseren zwanzigsten Hochzeitstag gefeiert. Richtig groß, mit der ganzen Familie, unter freiem Himmel. Basti hat um Mitternacht sogar ein Feuerwerk gezündet, wie zu unserer Hochzeit damals. Das fand ich echt süß.«

»Das klingt aber schön«, meint Eva halb neidisch und halb freudig und denkt an ihre eigenen Hochzeitstage. Letztes Jahr, zum gläsernen Hochzeitstag nach fünfzehn Jahren, hat sie den Mut gefasst und Andreas verlassen. »Bist du die ganze Zeit hier gewesen?«

»Gott bewahre!« Franka lacht auf, als sei das ein lächerlicher Gedanke. »Wir haben in München gewohnt und sind erst letztes Jahr wieder hergekommen. Basti liebt das Meer. Aber wie geht es dir? Wohnst du hier?«

Eva leert ihr Glas. Ihre Zunge ist pelzig, das Sektprickeln nur ein fernes Echo. Ihr Kopf fühlt sich an, als sei er zur Hälfte mit Watte und zur anderen Hälfte mit Alkohol gefüllt, und sie fragt sich, ob die Watte den Alkohol aufsaugt und, wenn ja, wie sich das dann anfühlt. Irgendwie sehr matschig vermutlich. Es kostet sie ihre ganze Kraft, gerade zu stehen, Franka direkt anzusehen und die Worte geordnet aus ihrem Mund zu entlassen. »Ja, ich wohne hier mit meiner Tochter. Sie ist fünfzehn – fast sechzehn – und geht hier zur Schule. Ich habe eine eigene Praxis für Anti-Ehe-Beratungen.«

»Für was?«, fragt Franka irritiert.

Sicheres Terrain. Eva lächelt nachsichtig. »Zu mir kommen Menschen – meistens sind es Frauen –, die sich von ihrem Partner trennen möchten und dabei mentale Unterstützung wollen, um alles in geordneten Verhältnissen über die Bühne zu bringen. Eine Trennungsbegleitung, wenn du so willst.«

Frankas skeptischer Blick spricht Bände. »Ist das ein richtiger Beruf?«

Evas Lächeln schrumpft. »Natürlich. Nach meiner Scheidung habe ich eine Umschulung gemacht und mir den Traum einer eigenen Praxis erfüllt. Was arbeitest du?« Es würde sie nicht wundern, wenn sie sich einen Mann geangelt hätte, der ihr ermöglichte, sich zu Hause auszuleben, ohne dass sie arbeiten musste.

Franka streicht sich eine Strähne hinter das Ohr, sodass es ein klein bisschen absteht. »Ich bin Maklerin für Luxusimmobilien. Ich hatte in den letzten Jahren immer so viel zu tun, dass wir beschlossen haben, es erst einmal ruhiger angehen zu lassen. Mein Arzt meinte, ich sei sonst Burn-out-gefährdet.« Ihr Lachen klingt, als sei sie stolz auf diese Einschätzung.

Evas Magen zieht sich zusammen, und zwar nicht nur wegen des Alkohols und der Lachshäppchen. Das ist zu viel des Guten. Sie hatte sich vorgenommen, heute keine Vergleiche anzustellen und den Abend einfach zu überleben, aber Franka hat es schon immer verstanden, ihre Pläne zu vernichten. Nicht nur, dass sie verdammt gut aussieht, sie scheint auch ansonsten genau das Leben zu führen, an das Eva nicht einmal in ihren kühnsten Träumen zu denken wagt. Sie sollte ihre Gläser loswerden, zum Ausgang wanken und sich ein Taxi rufen, ehe sie in Selbstmitleid versinkt.

Dr. Clausen, der aktuelle Schulleiter, watschelt auf sie zu. Er ist untersetzt, trägt eine Brille aus den Achtzigern, und das Deckenlicht spiegelt sich auf seiner Halbglatze. »Frau Lange-Albrecht? Es wäre Zeit für die Rede.«

Eva lächelt Franka zu. »Entschuldige mich bitte.«

Auf dem Weg zur Bühne tauscht sie ihre Gläser gegen einen Wodka.

Kapitel 2

Es ist nicht alles Gold, was glänzt

Sonntag

Früher hat Eva geglaubt, mit der Zeit werde man trinkfester. So etwas wie einen Kater würde es nur bei jungen Leuten geben. Wie sehr sie sich geirrt hat.

Ihr Kopf pulsiert. Und ihr ist schlecht. Im Gästezimmer – ihrem alten Kinderzimmer – ist es viel zu hell. Wie kann es überhaupt schon morgen sein, wo sie sich doch vor wenigen Minuten erst hingelegt hat? Sie nimmt das dicke Daunenkissen mit dem aufgedruckten Pferdekopf, das sie als Kind geliebt hat, und vergräbt ihren Kopf darunter. Trotzdem dringt die Welt an ihr Ohr. Auf dem Flur hört sie Stimmen. Ihre unbarmherzige Mutter hat noch nie Rücksicht auf sie genommen, wenn sie alkoholisiert im Bett gelegen hat. Der Fernseher scheint zu laufen, das Telefon klingelt, und dann läutet es auch noch an der Tür.

Zu viel Leben für einen Sonntagmorgen.

Sie hätte viel lieber bei sich zu Hause geschlafen, aber die Schule liegt nur ein paar Autominuten von hier entfernt. Ihre Mutter hat ihr im Vorfeld ein schlechtes Gewissen gemacht, weil sie ohnehin selten zu ihr kommt.

Als ob ihr Evas Anwesenheit tatsächlich wichtig wäre.

Sie seufzt.

Ungefragt drängen sich Bilder des Vorabends auf. Sie hat schon lange keinen Filmriss mehr gehabt, aber jetzt stellt Eva fest, dass sie sich nur an Bruchstücke erinnert. Zum Glück ist Emilia bei ihrem Vater und muss dieses Elend nicht mitansehen. Wie durch einen Schleier sieht sie die Aula des Gymnasiums vor sich, in der sie vor fünfundzwanzig Jahren mit wild pochendem Herzen die Urkunde für ihre Hochschulreife in Empfang genommen hat, in der festen (aber falschen) Überzeugung, damit nun auch eine gewisse menschliche Reife zu besitzen.

Gestern sind sogar diejenigen gekommen, die den jährlichen Treffen sonst fernbleiben. Es gab Sekt, Fingerfood und noch mehr Sekt.

Prompt meldet sich ihr Kopf wieder mit einer Welle drückender Schmerzen. Sie greift neben sich und bekommt eine Wasserflasche zu packen.

Was das betrifft, ist auf ihre Mutter Verlass. Auch eine Schüssel steht provisorisch daneben. Schließlich kann man nicht riskieren, dass das betrunkene Kind den Teppich vollkotzt.

Mit zusammengekniffenen Augen setzt sie sich mit der Schwerfälligkeit eines Walrosses auf, die Decke weiterhin wärmend über ihren Beinen, schraubt den Verschluss ab und trinkt.

Sie schüttelt sich. Mineralwasser, bah. Die Luftblasen kribbeln auf ihrer Zunge. Sie zerdrückt sie am Gaumen und spült den faden Schlafgeschmack hinunter.

Es klopft, und eine Sekunde später, noch ehe Eva begriffen hat, dass da jemand zu ihr will, steht ihre Mutter im Zimmer.

Obwohl sie schon viele Töchter in ihrer Praxis bei der Bewältigung und der Reparierung ihrer Beziehungen zu Müttern und Schwiegermüttern beraten hat, ist ihr das bei ihrer eigenen Mutter nie gelungen.

Margret Kohlmann ist zäh wie zu lange gegrilltes Schweinefleisch. An ihr ist alles praktisch: Die grauen Haare trägt sie als Bürstenschnitt, sodass sie morgens nach zweimaligem Kämmen fertig ist. Schminke besitzt sie nicht, selbst die teure Tagescreme, die Eva ihr letztes Jahr zu ihrem sechsundsechzigsten Geburtstag geschenkt hat, steht seitdem ungeöffnet herum. Ihr Gesicht hat deutliche Falten. Augenbrauen sucht man vergeblich, nur ein paar dunkelblonde Härchen haben sich zu einer kleinen Kohorte zusammengefunden. Jahrzehntelanger Zahnarztverzicht hat letztlich zu einem frühen dritten Gebiss geführt, was Eva eine ständige Mahnung ist. Alles an ihrer Mutter erinnert sie an einen Felsenpinguin: der Gang, die Frisur, die geröteten Augen und der stets etwas abfällige Blick.

Sie trägt eine zu weite geblümte Bluse und eine zu enge graue Stoffhose, dazu blaue Schlappen.

»Besuch für dich«, sagt sie tonlos, dreht sich um und geht. Eva kann genau sehen, wo die Naht ihres Schlüpfers verläuft.

Dir auch einen guten Morgen. Sie kennt das Gebaren aus ihrer Jugendzeit. Der stumme Vorwurf ihrer Mutter, dass sie das Frühstück verpasst hat und warum sie nicht öfter zu Besuch kommt. Liebesentzug als Erpressung.

»Kann man etwas entziehen, das man gar nicht hat?«, murmelt sie verschlafen und schüttelt den Kopf.

Eva realisiert, was ihre Mutter gesagt hat. Sie erwartet keinen Besuch. Sie schlägt die kuschelige Decke zurück und bekommt eine Gänsehaut. Anscheinend war sie zu müde gewesen, um sich in ihren Schlafanzug zu zwängen, aber nur mit einer Unterhose und ihrem Unterhemd bekleidet, ist es für Oktober definitiv zu kalt. Dennoch schwingt sie die Beine über die Bettkante und spürt den flauschigen roten Teppich unter ihren Füßen. Dann steht sie auf.

Und sieht Franka ins Gesicht.

Wie aus dem Nichts steht sie im Türrahmen. Eine Erscheinung wie eine Sirene. Ihre Haare hat sie heute zu einem Dutt gebunden, wobei unzählige krause Härchen sich gegen das Flurlicht abheben und sie wie einen Heiligenschein umgeben. Sie trägt kaum Make-up, sieht aber ausgeschlafen und gesund aus. Vielleicht sollte sie es auch einmal mit Wasser statt Sekt versuchen. Eva kennt sich mit Mode nicht besonders gut aus, doch sie könnte wetten, dass der altrosafarbene Blazer von Chanel ist.

»Oh, entschuldige …« Franka macht einen Schritt zurück. »Ich wusste nicht, dass du noch nicht fertig bist.« Sie zeigt mit dem Finger in Richtung Haustür. »Deine Mutter …«

Eva seufzt. Sie will selbstbewusst mit der Situation umgehen, und Franka hat sie schon oft in Unterwäsche gesehen, aber das ist über fünfundzwanzig Jahre her. Damals war ihre Haut noch straffer, der Bauch ohne verblasste Schwangerschaftsstreifen, und ihre Beine haben keine deutlich sichtbaren Dellen gehabt.

Franka kommt ihr erneut zuvor. »Ich warte im Wohnzimmer«, sagt sie. Ihr scheint die Situation ebenso unangenehm zu sein.

»Schon gut.« In gespielter Lässigkeit geht Eva zur Zimmertür, nimmt sich einen Bademantel in der Farbe von Karamell von einem Haken und zieht ihn sich über die Schultern. Sie ahnt, dass ihre Haare in alle Richtungen abstehen und ihre Mascara dunkle Schatten unter den Augen verursacht, aber sie wird so tun, als sei das völlig okay und kein Grund, sich zu schämen.

Es ist nur ein Problem, wenn du ein Problem daraus machst, erinnert sie sich an ein Mantra, das sie ihren Kundinnen und Kunden regelmäßig beibringt. »Komm, wir holen uns einen Kaffee, und dann kannst du mir sagen, was gestern eigentlich passiert ist und was du möchtest. Vielleicht sind auch noch Brötchen da.« Sie steckt das Handy in die Tasche des Bademantels und folgt Franka.

 

Der Kaffee tut richtig gut. Franka sitzt ihr gegenüber auf der uralten Couch aus den Neunzigern, die schwarz und violett gemustert ist. Sie starrt auf die Tasse in ihren Händen, als würde sie dort eine Antwort auf eine stumme Frage finden. In der Küche nebenan hantiert ihre Mutter hinter verschlossenen Türen.

Bei Sonnenlicht und mit Abstand betrachtet, wirkt ihre alte Freundin bedrückt. Eva versucht es mit Small Talk. »Bitte sag mir, dass ich mich gestern nicht total blamiert habe.«

Nun grinst Franka und sieht ihr ins Gesicht. Ihre Schneidezähne sind noch immer etwas zu groß, ihr Mund ist breiter als bei anderen Menschen, aber sie hat dieses Leuchten von innen, diese Ausstrahlung, die sofort Sympathie auslöst. »Fändest du es peinlich, wenn du auf der Bühne Macarena getanzt hättest?«

»Ja.«

»Und wenn du in deiner Rede davon berichtet hättest, wie schwer man es ab vierzig hat, noch attraktiv für seinen Partner zu sein?«

Eva spürt ihre Gesichtszüge entgleiten. »Hab ich nicht …«

Franka lacht. »Nein, du hast gesagt, dass es für Frauen ab dreißig bergab geht mit ihrer Attraktivität und dass wir alle nicht mehr so frisch aussehen wie zu Abizeiten.«

Franka gluckst. Die Erinnerung scheint sie zu erheitern, aber Eva sinkt in sich zusammen. »Und dann hast du ein flammendes Plädoyer für das Leben in der zweiten Hälfte gehalten, das nicht nur mich beeindruckt hat.« Sie wird ernster. »Das war echt toll. Du hast gesagt, dass wir jederzeit die Möglichkeit zur Veränderung haben und uns nicht damit abfinden sollen, in der Vergangenheit falsche Entscheidungen getroffen zu haben, sondern alles dafür tun müssen, um heute das Leben zu führen, das wir uns wünschen.«

»Das hab ich gesagt?« Das klingt nicht nach dem, was sie vorbereitet hatte, aber die Aussage gefällt ihr.

Franka nickt und trinkt einen Schluck. »Es war klasse. Gut, dann hast du uns aufgefordert, Macarena zu tanzen, was außer dir aber niemand getan hat, und Dr. Clausen hat dich sanft von der Bühne geschoben, aber bis dahin war es sehr beeindruckend. Ich habe dich dann später nach Hause gefahren, weil du unbedingt in ein Taxi steigen wolltest, das gar keins war. Könnte sein, dass der Typ, den du bedrängt hast, Angst vor dir hat. Sollte also eine Anzeige kommen, weißt du Bescheid.«

Evas Haut juckt, und ihr wird in dem Bademantel plötzlich viel zu heiß. »Zum nächsten Elternsprechtag werde ich mich definitiv verkleiden müssen. Wie peinlich. Ich hoffe, das hat niemand aufgenommen.«

»Ich fand es total mutig.« Franka zögert, sieht ihr in die Augen, dann zur geschlossenen Wohnzimmertür, als hätte sie Angst, Evas Mutter könne jede Sekunde hereinplatzen. Eine durchaus berechtigte Befürchtung. »Ich war in meinem Leben bisher nie wirklich mutig.«

Eva lehnt sich auf ihrem Sessel zurück. Endlich rückt Franka mit dem wahren Grund heraus, warum sie sie aus dem Bett geholt hat. Ihr fallen mehrere Dinge ein, die Franka Lügen strafen würden, aber sie hat gelernt zu schweigen und wartet ab. Die Taktik wird belohnt.

»Du hast mir gestern erzählt, dass du eine Anti-Ehe-Beraterin bist«, fährt Franka fort. »Und dass du Menschen hilfst, die sich trennen wollen.«

Eva nickt. »Ja, eine Art Trennungsbegleitung. Ich hätte mir so etwas damals gewünscht, als ich meinen Mann verlassen habe, deshalb habe ich umgeschult und meine Praxis eröffnet.« Sie verschweigt an dieser Stelle, wie schleppend das Geschäft läuft.

»Ich glaube, ich bräuchte deine Hilfe.« Franka wiegt die Tasse in den Händen und beobachtet den kreisenden Kaffee. »Ich denke schon lange darüber nach, ob ich mich besser trennen sollte.«

Verwundert starrt sie ihre alte Freundin an. »Das kommt jetzt überraschend.«

Franka lächelt schüchtern. Aus der starken Frau vom Vorabend ist ein Mauerblümchen geworden. »Woher wusstest du, dass es richtig war?«

Fast hätte Eva aufgelacht. Nur mit Mühe unterdrückt sie den Impuls. »Andreas ist einer, der denkt, die ganze Welt sei da, um ihm zu gehorchen. Ich habe ihn kennengelernt, als ich gerade von meinem damaligen Freund verlassen worden war, und auf mich wirkte er wie der Ritter in der weißen Rüstung, der alle Probleme einfach aus dem Weg räumen kann. Ich war achtundzwanzig und wollte Kinder haben, er war vierunddreißig und wollte eine Frau. Wir haben an meinem neunundzwanzigsten Geburtstag geheiratet, und ein halbes Jahr später war Emilia da.«

Auch heute, gut sechzehn Jahre später, füllt sich Evas Herz mit einer Flutwelle reiner Liebe, wenn sie an die ersten Momente mit ihrer Tochter denkt. »Leider hatte ich unterschätzt, was es heißt, mit jemandem zusammenzuleben, der alles und jeden in seinem Umfeld kontrollieren will. Ich mache es kurz: Er hat mein Leben zerstört. Ich konnte irgendwann nicht mehr. Letztes Jahr waren wir fünfzehn Jahre verheiratet, und ich hatte eine solche Krise an dem Tag. Mir wurde klar, dass ich wegmuss, wenn ich einen Funken meiner Würde behalten will. Noch am selben Abend habe ich die Koffer gepackt und bin mit Emilia ausgezogen.« Sie verschweigt vorsorglich, dass sie Andreas bis heute nicht wirklich losgeworden ist und jedes Mal zu zittern anfängt, wenn sie seinen Namen auf ihrem Display liest.

Franka wirkt beeindruckt. »Du warst schon immer stark.«

Eva lacht höhnisch auf. »Ist klar.« Franka ist stets diejenige gewesen, die klare Ziele gesetzt und verfolgt hat und die bei Problemen nach Lösungen und nicht nach Ausreden gesucht hat.

»Wirklich! Es gehört viel Mut dazu, sein Leben so zu verändern. Bist du aktuell vergeben?«

»Bloß nicht.« Eva stellt ihre Tasse auf dem weißen Holztisch ab, der mit einer altmodischen Häkeldecke geschmückt ist. »Derzeit habe ich ganz andere Baustellen, da muss ich mir nicht noch eine Beziehung ans Bein binden. Aber was ist denn bei dir? Wie lange bist du schon verheiratet?«

»Ich habe Basti an der Uni in München wiedergetroffen. Er dümpelte im fünften Semester herum, hatte mehrfach das Fach gewechselt und hat getan und gelassen, was er wollte. Das fand ich toll. Ein Jahr nach unserem ersten Kuss haben wir geheiratet. Es hat sich einfach richtig angefühlt. Ich habe ziemlich schnell das Studium beendet und bin in einem größeren Maklerbüro eingestiegen.«

»Und dein Mann?«, fragt Eva.

Franka schweigt ein paar Sekunden lang. »Weißt du, Basti ist ein Visionär. Er hat immer große Ziele, will die Welt sehen, den Frieden in den Nahen Osten bringen und ein Mittel gegen Aids entwickeln. Nach dem Studium hatte er so viele verrückte Träume, dass er letztlich gar nichts gemacht hat. Er hangelt sich von einer Stelle zur nächsten. Du kennst doch den Spruch Träume nicht dein Leben, sondern lebe deinen Traum. Das ist er.«

»Verstehe.«

»Vielleicht wäre es gut gewesen, wenn wir Kinder bekommen hätten, aber er ist unfruchtbar. Das hat ihn schwer getroffen. Er wäre ein großartiger Vater gewesen. Und ehrlich gesagt bin ich auch traurig darüber.«

»Tut mir leid, dass ihr das erleben musstet.« Eva denkt an Emilias erste Schritte auf dem Laminatboden vor dem Ehebett. An ihr zusammengekniffenes Gesicht beim ersten Brei. An die kleinen Ärmchen, die sich mit aller Kraft an ihren Hals klammerten, als sie sie zum ersten Mal zum Kindergarten gebracht hat. An Emilias Nervosität vor dem ersten Schultag und daran, dass Eva eine ganze Packung Taschentücher vollgeheult hat, weil ihre Kleine plötzlich groß geworden war.

Franka redet weiter. »Wir sind im Grunde ein gut eingespieltes Team.«

»Warum denkst du dann an eine Trennung?«

Sie seufzt. »Wir hatten letztes Jahr Porzellanhochzeit. Zwanzig Jahre. Ich habe dir gestern schon kurz davon erzählt. Es gab eine relativ große Feier, unsere Freunde aus München waren da und natürlich die ganzen Verwandten. Wir haben getanzt, und Basti hat um Mitternacht ein Feuerwerk gezündet. Es war echt romantisch.«

Dunkel erinnert sich Eva an die Geschichte. Ihr Handy vibriert rhythmisch in ihrer Bademanteltasche, aber sie lässt es klingeln.

»Trotzdem fühlte ich mich den ganzen Abend über leer. Ich stand mit meinem Champagner an einem Stehtisch, habe die Gäste beobachtet, Bastian betrachtet und gemerkt: Wir sind wirklich gute Freunde.« Frankas Miene, die bisher neutral war, verdunkelt sich. Eva bemerkt es zuerst an ihrem Blick, der von gleichgültig zu verzweifelt wechselt. Ihre Augenbrauen ziehen sich plötzlich zusammen, ihr Mund zittert. Eva sucht das Zimmer mit den Augen nach Taschentüchern ab, findet aber nichts. Franka wischt sich mit einer Hand über das Gesicht. »Entschuldige«, flüstert sie.

»Entschuldige dich niemals für deine Gefühle.« Eva greift testweise in die Taschen des Bademantels und zieht eine Packung Papiertaschentücher hervor. »Bitte.«

Franka tupft sich Augen und Nase trocken. »Es ist nur so … also …« Sie schnieft. »Mir ist einfach in dem Moment klar geworden, dass ich Bastian als wirklich, wirklich guten Freund ansehe. Meinen allerbesten Freund. Aber ich liebe ihn nicht mehr. Und er hat sich in dem vergangenen Jahr so verändert, Eva. Ich meine, er war schon immer irgendwie anders, aber mittlerweile passen wir nicht mehr zueinander.« Sie drückt sich das Taschentuch auf die Augen. »Jeder lebt seinen eigenen Alltag, und wir nehmen uns kaum Zeit, etwas gemeinsam zu machen. Ich habe das Gefühl, dass unsere Liebe durch die ganzen Verpflichtungen meinerseits, durch meine Arbeit und durch den Alltag irgendwie erstickt worden ist.«

Eva wartet ein paar Augenblicke ab, bis Franka sich wieder fängt. »Bevor wir weitersprechen, muss ich eine Sache klarstellen: Als eine alte Freundin von dir fühle ich mich nicht gut dabei, dich von professioneller Seite aus zu beraten. Ich möchte Privates und Berufliches nicht vermischen.«

Franka steht die Enttäuschung ins Gesicht geschrieben.

»Aber«, schiebt Eva schnell nach, »als Freundin höre ich dir natürlich zu.«

Mit ihrem Handrücken wischt Franka sich die Tränen von den Wangen. »Eine Freundin wäre jetzt super.«

»Gut. Also, du sagst, du liebst Basti nicht mehr. Möchtest du ihn denn wieder lieben?«

Franka zuckt mit den Schultern. Sie verstaut das Taschentuch in ihrer Jeanstasche. »Kann man das einfach entscheiden?«

»Nehmen wir mal an, dass es geht.«

Franka sieht Eva an, als hätte sie ihr die Frage nach dem Sinn des Lebens gestellt. »Ich weiß nicht … also …« Sie denkt nach. »Es wäre toll, wenn alles wieder wie früher wäre. Ja, schon. Ich denke, dann wäre ich glücklich.«

»Schreib doch mal alles auf, was du dir in einem idealen Leben wünschen würdest. Ob mit Bastian oder ohne ihn, mit dem gleichen Job oder einem anderen, hier am Ort oder wieder in München – fantasiere über dein Traumleben, ohne Rücksicht auf die Machbarkeit. Finde heraus, was du eigentlich wirklich willst. Okay?«

Sie nickt. »Klingt gut. Und es gibt keine Chance, dass ich dich buchen kann?«

Einen Moment lang ringt Eva mit sich. Die finanzielle Lage der Praxis erlaubt ihr nicht, wählerisch zu sein. Andererseits ist sie als alte Bekannte keine ideale Ansprechpartnerin. »Ich denke darüber nach.«

In Frankas Augen leuchtet Hoffnung auf.

Kapitel 3

Mittagstisch

Sonntag

Ist sie weg?«, fragt ihre Mutter, als sie etwas später den Kopf zur Küchentür herausstreckt.

»Ja, gerade gegangen.«

»Hat auch ordentlich zugelegt. So wie du.« Margret scannt Evas Körper wie ein Laser.

Aus der Küche dringt der leckere Geruch angebratener Zwiebeln ins Wohnzimmer. »Was kochst du?«

»Zwiebel-Klöße-Suppe.«

»Brauchst du Hilfe?«

Margret betrachtet ihre Tochter einen Moment lang, als wolle sie abwägen, ob Eva schon groß genug ist, um in der Küche zu helfen. »Du kannst die Teller hinstellen.« Sie dreht sich um, öffnet die Geschirrschublade und drückt Eva einen Stapel Porzellan in die Hand. »Aber nicht fallen lassen.«

Gehorsam deckt Eva den Tisch und beantwortet die neugierigen Fragen über alte Schulkameraden und Freundinnen, die ihre Mutter stellt, obwohl sie sich nur an wenige Dinge erinnert.

»Wie läuft deine Praxis?«, fragt sie beim Essen. Ein Tropfen Suppe läuft an ihrem Mundwinkel herunter.

»Nicht gut«, gibt Eva zu. »Ich habe zu wenig Kundschaft.«

Missbilligend schnauft Margret. »Ich wusste gleich, dass das schiefgehen würde.«

»Woher willst du das gewusst haben?«

»Ist doch immer so. Frauen, die in den Wechseljahren lebensverändernde Entscheidungen treffen, ticken nicht ganz richtig.«

»Ich bin noch nicht in den Wechseljahren«, meint Eva, obwohl sie in letzter Zeit öfter mit Hitzeattacken zu kämpfen hatte.

»Und du hattest es so gut mit Andreas«, fährt ihre Mutter fort. »Was er euch alles ermöglicht hat!«

»Das tröstet nicht darüber hinweg, wie er mit mir umgegangen ist. Andreas ist nur sein eigenes Wohl wichtig. Wünschst du dir das für deine Tochter und deine Enkelin?«

Margret schüttelt den Kopf. »Also auf mich hat er immer einen sehr feinen und guten Eindruck gemacht.« Sie wartet ein paar Sekunden ab. »Wenn du so große Geldprobleme hast, musst du vielleicht etwas verkaufen.«

»Was denn?«

Margret pustet auf ihren Löffel und schlürft dann die Suppe. »Vatis Uhr vielleicht.«

Evas Magen wird hart. Vor ihrer Hochzeit hat Margret Eva das größte Geschenk gemacht, das es je in ihrem Leben gegeben hat: eine achtzehnkarätige Armbanduhr, die Evas Vater der Geschichte nach bei einem dubiosen Wetteinsatz gewonnen hat. Viel weiß Eva nicht über die Ehe ihrer Eltern, aber es scheint, als hätten sie ein paar Abenteuer erlebt. Da das Leben mit Andreas nie vor finanziellen Herausforderungen stand, hat Eva auch nie nach dem Wert der Uhr gefragt. »Was ist die denn wert?«

Margret überlegt. »Genau kann ich es nicht sagen, aber dein Vater hat damals unseren Commodore als Einsatz gegeben, der hat ein halbes Jahresgehalt gekostet. Ich schätze mal, dass es heute schon einige Tausend Euro sind. Gib sie doch mal zum Juwelier, der weiß das bestimmt.«

»Hm.« Eva isst zwei Löffel Suppe und ringt mit sich, ob sie ihrer Mutter die Wahrheit sagen soll: dass die Uhr noch immer in Andreas’ Tresor liegt, gut verschlossen und sicher verwahrt. Er wird einen Teufel tun, sie ihr zu geben, und sie ärgert sich schwarz, dass sie bei ihrer Flucht nicht daran gedacht hat, sie mitzunehmen.

Margret ist mit den Gedanken ebenfalls bei Andreas. »Von einem Mann wie Andreas hätte ich geträumt. Ich musste ackern wie ein Gaul, um uns über die Runden zu bringen, als Vati den Unfall hatte. Mein ganzes Leben habe ich nur damit verbracht, dafür zu sorgen, dass es dir gut geht, und was ist der Dank? Ich muss dich beknien, mich mal zu besuchen, und erfahre rein gar nichts über dein Leben, geschweige denn über meine Enkelin.« Beleidigt zieht sie die Mundwinkel nach unten.

Eva dachte, dass ihre Mutter sich fünfunddreißig Jahre nach dem Unfall mit der Situation arrangiert hätte. Seit sie zehn ist, kennt sie ihren Vater nur als Pflegefall, nachdem er von einem Bus angefahren worden war. Seit ein paar Jahren fährt sie jeden Tag ins Pflegeheim zu ihm. Mittlerweile schafft sie es körperlich nicht mehr, ihn selbst zu versorgen.

Eva zwingt sich, ihrer Mutter in die Augen zu sehen. »Tut mir leid, wenn du das Gefühl hast, ausgeschlossen zu werden. Das ist nicht meine Absicht.«

»Ich habe alles gegeben, was ich zu geben hatte«, erwidert ihre Mutter. »Und es kommt nichts zurück. Du weißt ja selbst, wie undankbar der Job als Mutter ist.«

Eva kaut auf einem Einwurf herum, schluckt ihn dann aber herunter. Bittere Galle steigt in ihr auf. Eine Umarmung hätte oft gereicht. Ein »Wie geht es dir?« nach der Trennung oder ein »Ich bin stolz auf dich« gelegentlich. Mehr erwartet sie nicht, aber solche Sätze, die Eva wie selbstverständlich zu ihrer Tochter sagt, wird sie von Margret nicht zu hören bekommen.

Ein paar Bissen lang schweigen sie sich an, bis ihre Mutter das Thema wechselt und sich über ihre Nachbarn auslässt. Eva hört geduldig zu, stellt die richtigen Nachfragen und will gerade anmerken, dass es kein Problem für ihre Mutter sein sollte, wenn die Gardine der Nachbarin von gegenüber schief hängt, da vibriert ihr Handy wieder. Suchend lässt Eva ihren Blick durch das Esszimmer gleiten und entdeckt es auf der Fensterbank.

»Eva, wir essen.«

»Könnte wichtig sein.« Sie greift nach dem Telefon, aber der Anruf ist ihr entgangen. Auf dem Handy stehen drei Anrufe in Abwesenheit von ihrem Ex-Mann. Der Knoten in ihrem Magen zieht sich weiter zu, während sie zurückruft. Sie flattert innerlich, als würde ein Schwarm Motten verrücktspielen.

»Na, erreicht man dich auch mal?«, fragt Andreas in gewohnt bissiger Stimmung.

Eva setzt sich wieder auf ihren Stuhl und lehnt sich zurück. »Du hast angerufen?« Sie hasst es, dass ihre Stimme so mädchenhaft piepsig klingt, wenn sie mit ihm spricht.

»Hol Emmi um sechs ab.«

»Warum? Ist etwas passiert?«

»Nein, nichts ist passiert. Aber sie hat schon dreimal versucht, dich anzurufen.«

Seltsam, von ihr war keine Benachrichtigung auf dem Display. Eva sieht auf die Armbanduhr. Es ist schon drei. Eigentlich hätte sie die verbleibenden Stunden gerne für sich genutzt. Sie schließt die Augen, um die vorwurfsvollen Blicke ihrer Mutter nicht sehen zu müssen. Ihr Körper fühlt sich an wie nach einer Brandrodung. Hier und da rauchen die Reste verkohlter Wurzeln, zentimeterdick mit Asche überzogen. Totes Land, wo nichts mehr wachsen kann. Sie merkt, dass alles zu viel wird. Der Job und der damit verbundene Druck. Der ständige Konflikt mit Andreas und das Geld, das sie ihm schuldet. Ihre Mutter, die sie nie zufriedenstellen kann. An ihr brachliegendes Liebesleben will sie gar nicht denken. Das letzte Mal, als sie wirklich Ruhe für sich hatte, war im Sommer vor zwei Jahren kurz nach der Blinddarm-OP. Wie schön wäre es, wenn sie zu Hause einfach mal ein Bad hätte nehmen können, ohne von irgendwelchen Handys oder Menschen unterbrochen zu werden. »Natürlich kann sie auch früher kommen«, sagt Eva und öffnet ihre Augen. »Dann essen wir zusammen Abendbrot.«

»Mel und ich sind um sechs beim Italiener, also sei rechtzeitig da.«

Seine Tochter in eines der Sternerestaurants mitzunehmen, in denen er ständiger Gast ist, kommt ihm augenscheinlich nicht in den Sinn. Eva schüttelt den Kopf, verkneift sich aber eine Bemerkung. Sie hat keine Energie für diese Diskussion. »Klar, kein Problem. Ich bin dann um sechs da.«

»Wann krieg ich mein Geld?« Sein Ton ist emotionslos, als sei es keine große Sache.

»Ich arbeite daran.«

Er lacht. »Als ob du jemals so viel verdienen könntest mit dem Scheiß, den du machst. Ich glaube, so langsam sollte ich einen Vollstrecker einsetzen.«

»Andreas, bitte.« Eva zwingt sich, nicht ins Betteln zu verfallen. »Du kriegst dein Geld.«

»Na schön. Ich will mal nicht so sein. Wir sehen uns später.« Er legt auf.

In wenigen Worten erklärt sie ihrer Mutter die Situation, ohne das Geld zu erwähnen. »Warum holst du sie nicht gleich ab und gibst mir die Chance, sie auch mal wieder zu sehen?«, fragt sie und legt den Löffel an den Rand des leeren Tellers.

Evas Zwiebel-Klöße-Suppe ist mittlerweile kalt. »Andreas hat ein Recht darauf, den ganzen Tag mit ihr zu verbringen.« Die Worte kommen ihr nur schwer über die Lippen, denn sie weiß genau, dass Emilia Andreas eigentlich egal ist. »Wir können bestimmt in den Herbstferien herkommen. Vielleicht möchte Emilia hier ja sogar übernachten.«

»Das wäre toll. Ich habe sie immer so gern um mich.«

Ein Stich durch die Lunge ins Herz nimmt Eva ein paar Sekunden lang die Luft. Sie wird doch wohl nicht eifersüchtig auf ihre Tochter werden?

Nein. Tief in ihrem Inneren kennt sie die Antwort. Sie buhlt mit Emilia nicht um Margrets Zuneigung.

Emilia kann nichts dafür, dass ihre Oma eine so lieblose Mutter ist.

***

Um Viertel nach sieben sitzen Mutter und Tochter auf der Couch. Die Reste der Tiefkühlpizza liegen auf den Tellern. Sonntags sehen sie beim Essen fern. Um Emilia Zugriff auf Tausende Sendungen und Filme zu ermöglichen und damit sie in der Schule einen Grund weniger hat, um zur Außenseiterin zu werden, verzichtet Eva seit einiger Zeit auf ihren geliebten Zumba-Kurs. So lässt sich der Streamingdienst bezahlen.

Emilia hat sich an ihre Schulter gekuschelt. Beide lieben die Momente inniger Nähe, die immer seltener sind, je älter sie werden. Ein schwer zu definierender Schmerz reißt an ihrer Seele. Der Körperkontakt mit Emilia ist der einzige, den Eva sich derzeit gönnt. Ihren Ausflug in die Dating-Welt hat sie nach ein paar Fehlversuchen frustriert aufgegeben.

Ihr fällt etwas ein. »Wir sollten deinen Geburtstag planen.«

»Ich habe nichts zu feiern.«

Als Eva sich aufsetzt, rutscht der Kopf ihrer Tochter von ihrer Schulter.

»Ey …«

»Du wirst sechzehn, das ist doch ein Grund zum Feiern!«

Emilia zuckt die Schultern. »Erstens wüsste ich gar nicht, wen ich einladen soll, und zweitens haben wir doch eh kein Geld dafür.«

Es macht sie unbeschreiblich traurig, zu sehen, wie bewusst dieses Mädchen alles um sich herum wahrnimmt. »Aber Papa unterstützt uns doch.« Die verdammte Zwickmühle der letzten Jahre engt sie ein. Schon vor ihrer Trennung war sie von Andreas abhängig – erst emotional, dann finanziell. Mit der Trennung hat sich nicht so viel verändert, wie sie gedacht hatte. Die Schulden, die sie bei Andreas hat, erdrücken sie fast, aber normalerweise ist er großzügig, wenn es darum geht, sich die Zuneigung seiner Tochter zu erkaufen.

Emilia spielt mit einer Ecke des grauen Sofakissens. »Ach, nicht nötig.«

»Hey.« Eva nimmt ihre Hand und blickt ihr fest in die Augen. »Sagst du mir, was los ist?«

Es dauert ein paar Sekunden, bis Emilia den Mut findet. »Ich will lieber keine Party als eine langweilige Party. Die anderen aus meiner Klasse feiern ihren Sechzehnten richtig groß. Wir können das nicht.«

»Ach, mein Schatz …« Eva nimmt ihre Tochter fest in den Arm und kämpft gegen die Tränen an. »Möglicherweise kannst du bei Papa feiern. Wenn du Melody sagst, was du dir wünschst, wird sie dich sicherlich unterstützen. Und wir machen hier dann nur den Verwandtenbesuch.« Ein unsichtbares Gewicht zieht sie nach unten. Der sechzehnte Geburtstag ist ein Meilenstein im Leben junger Menschen. Wie gerne würde sie ihn hier bei sich ausrichten, aber Emmi hat recht: Sie können es sich nicht leisten.

Emilia wischt sich über ihre Augen und sieht sie mit seltsamem Blick an, traurig und skeptisch. »Meinst du wirklich?«

»Wirklich. Lass uns doch direkt in drei Wochen deinen Geburtstag mit den Verwandten feiern, das passt eh ganz gut am Samstag. Und Samstag drauf, also in vier Wochen, kannst du bei Papa deine Freundinnen einladen. Soll ich ihn fragen?« Vor jedem Gespräch graut es ihr. Sie versucht, die Enge in ihrem Hals durch einen tiefen Atemzug zu weiten, was aber nicht funktioniert.

»Ich weiß nicht …« Einen Moment lang scheint Emilia sich gefreut zu haben, aber jetzt versickert ihr schwaches Lächeln. »Da wäre noch etwas.«

»Spuck’s aus.«

»Mein Handy ist kaputt.«

Ein hässliches Monster in ihr legt sich in Lauerstellung. »Wie ist das denn passiert?« Sie bemüht sich, ihre Stimme neutral klingen zu lassen, aber es fällt ihr schwer.

»Ist mir ins Klo gefallen«, gibt ihre Tochter kleinlaut zu. »Ich hatte es in der Arschtasche …«

»Gesäßtasche.«

»… und dann – platsch. Scheiße.«

»Eine durchaus treffende Beschreibung.« In ihrem rechten Ohr beginnt es zu piepen. Nicht mehr lange, und sie wird die altbekannten Spannungskopfschmerzen bekommen. »Wie hast du mich denn angerufen?«

»Papas Handy. Er hat meins eingesackt, damit ich lerne, ordentlich mit meinen Sachen umzugehen.«

Mit aufsteigender Verzweiflung stützt Eva ihr Gesicht in die Hände. »Wo soll ich denn jetzt ein neues Handy herkriegen?«

»Weiß nicht«, flüstert Emilia mit tränenerstickter Stimme.

»Was sagt Papa denn dazu?«

»Er meinte, ich sei selbst schuld, ich wäre unfähig, man könne mir eh nicht vertrauen, und ich solle ihn nie wieder um etwas bitten. Ich würde ihn immer nur enttäuschen.«

Emilia hat die Arme um ihren schmalen Körper geschlungen und fällt schluchzend in sich zusammen. Sofort flutet Liebe Evas Herz.

»Hey, schon gut. Komm her.« Sie umarmt ihre Tochter, die sie daraufhin umklammert, als sei sie ein Rettungsanker im Tränenmeer. Die Tropfen sickern durch die einzige Seidenbluse, die Eva besitzt, und die sie heute nur ausgesucht hat, damit ihre Mutter keinen Kommentar über ihre Kleidung loslässt. Wenigstens das hat funktioniert. »Du bist die wundervollste junge Frau, die ich kenne. Jedem kann das Handy ins Klo fallen, das ist kein Drama, okay? Wenn er meint, enttäuscht zu sein, dann ist das sein Problem und nicht deins. Hast du das verstanden? Du bist nicht für seine Gefühle verantwortlich. Es ist allein sein Problem.«

»Ich will da am liebsten nie wieder hin.«

»Ich verstehe, dass du dich verletzt fühlst und nicht mehr zu ihm willst. Lass uns ein paar Tage abwarten und dann noch mal überlegen, wie es weitergeht, okay?« Es ist ein ewiger Balanceakt, Emilias Willen zu berücksichtigen, das gesetzlich geforderte Umgangsrecht von Andreas dennoch zu wahren und sich lieber die Zunge abzubeißen, als Andreas vor ihrer Tochter schlechtzumachen. Am Anfang der Trennung hat sie diesen Fehler begangen, und Andreas hat natürlich davon erfahren und ihr gedroht, das Jugendamt wegen Manipulation einzuschalten, damit ihr das Aufenthaltsbestimmungsrecht entzogen wird. Seither bemüht sie sich um Neutralität und hofft mit jeder Faser ihres Körpers, dass Emilia selbst erkennt, wie ihr Vater tickt.

Wie zwei lose Kopfhörerkabel, die zu lange unbeobachtet in einer Handtasche umhergetragen wurden, liegen Eva und Emilia ineinander verknotet auf dem weichen Polster. Egal, wie oft Eva ihrem Ex sagt, dass er sensibel mit Emilia umgehen soll, weil sie in einer zerbrechlichen Phase ihrer Identitätsfindung ist – er benimmt sich wie eine Abrissbirne. Dieser Mann denkt bei »Empathie« an eine ansteckende Seuche.

Irgendwann durchbricht ihre Tochter die Ruhe. »Warum passiert so etwas eigentlich immer uns?« Sie setzt sich auf und glättet ihre abstehenden Haare mit beiden Händen.

Eva reibt sich eine Wimper aus dem Auge. »Was?«

»Wir haben immer Pech. Je mehr ich mich anstrenge, desto mieser geht es mir. Und bei dir ist es auch nicht anders. Du arbeitest wie eine Irre, und trotzdem sind wir arm.«

»Tja«, überlegt Eva und ringt mit sich, wie viel eine Fünfzehnjährige über das Schlechte in der Welt erfahren sollte. »Man kann die Umstände eben nicht ändern. Wir haben wenig Geld, weil wir eine schöne Wohnung haben wollen. Wir haben ein Auto, du brauchst regelmäßig neue Klamotten und willst auf Klassenfahrt fahren. Manchmal wirfst du Handys in die Toilette. Das kostet alles Geld. Das Leben ist leider teuer, daran lässt sich nichts ändern.« Und sie hat mehrere Tausend Euro Schulden bei ihrem Ex, der die Situation ausnutzt. Das bindet sie ihrer Tochter allerdings nicht auf die Nase.

»Die Mädchen aus meiner Klasse lachen schon jetzt über meine Klamotten. Vielleicht feiere ich doch nicht.«

Das tut weh. Eva stellt sich vor, wie ihre Tochter im Klassenraum sitzt und wie hinter ihr getuschelt wird, weil sie Oberteile aus dem Supermarkt trägt. So oft hat Emilia versucht, ihren Vater zu einer Shoppingtour zu überreden, aber seit sie in die Pubertät gekommen ist, hat er das Interesse an ihr fast verloren. Lieber schenkt er ihr ein Kuscheltier, als dass sie sich Klamotten aussuchen darf, die ihre zart beginnenden Kurven betonen.

»Papa hat gesagt, dass ich dick werde.«

Das darf doch wohl nicht wahr sein.

Der Schmerz in Emilias Stimme zerreißt etwas in Evas Brustkorb. Es ist eine Sache, dass Andreas sie auf ganzer Linie desillusioniert hat, aber eine andere, wenn er seine Tochter fertigmacht. Dieser unfähige, grobe, ignorante und egozentrische Bastard! »Du bist definitiv nicht dick, sondern wunderschön. Wegen des Geldes überlegen wir uns was. Und wenn alle Stricke reißen, kannst du auch einen Ferienjob annehmen und dir das Geld verdienen.«

Emilia stöhnt auf, als hätte man ihr lebenslange Hausaufgaben erteilt. »Ich will einfach Geld haben und tun und lassen können, was ich will!«

Eva lacht auf, obwohl sie am liebsten weinen würde. »Ich auch! So läuft das Leben aber leider nicht. Wir müssen mit dem klarkommen, was wir haben. Und ich glaube, wir haben noch eine Tüte Chips.« Breit lächelnd streichelt sie über Emmis Knie und steht auf. Eine tiefe Traurigkeit wabert durch ihren Brustkorb und legt sich auf das lauernde Biest. Wenn sie bei Andreas geblieben wäre, hätte diese Unterhaltung nie stattgefunden. Sie hätten Emilia ein angenehmes Leben bereitet, ihr den Reitunterricht ermöglicht, den sie sich so sehr wünscht, und sie regelmäßig ins Kino gehen lassen können. Ein neues Handy wäre kein Thema gewesen.

Doch um welchen Preis?

Sie öffnet die Verpackung und atmet genüsslich den Duft von Glutamat und Fett ein. »Wenn nichts mehr hilft, hilft eine Tüte Chips«, sagt sie.

Oder eine Flasche Wein.

Kapitel 4

Letzte Mahnung

Montag

Eva rennt. Der stechende Schmerz in ihren Flanken wird bei jedem Atemzug schlimmer, aber sie hat keine Wahl. Wer – oder was – auch immer hinter ihr her ist: Gleich packt er sie.

»Mama!« Die Stimme kommt aus dem Nichts. Eva blickt nach oben und zur Seite. Um sie herum ist nur Nebel. Hinter ihr streckt ein schwarzer Schatten seine Pranke aus und rüttelt an ihr.

»Wir kommen zu spät! Aufwachen! Ich schreib gleich Mathe!«

Der Nebel lichtet sich langsam. Wie eine Wasserleiche steigt Eva aus dem Schlafsee auf.

Das Leben, in dem sie erwacht, ist grell. Mit einem Stöhnen reißt Eva sich ihre Decke über den Kopf. Vielleicht ist die Flasche Wein am Vorabend doch keine gute Idee gewesen. »Wie spät?«, fragt sie mürrisch.

»Zehn nach acht«, dringt es gedämpft durch den Stoff, aber dieser kleine Satz wirkt wie ein doppelter Espresso.

Binnen einer halben Sekunde sitzt Eva und starrt ihre Tochter an, die mit einer Zahnbürste im Mund gleichzeitig ihre Haare kämmen und sich einen Schuh anziehen will.

»Scheiße!«