Oh Schimmi - Teresa Präauer - E-Book

Oh Schimmi E-Book

Teresa Präauer

4,4

Beschreibung

Ein Liebesreigen, eine Taugenichts-Geschichte, gemacht aus den Elementen, Bildern und Codes des 21. Jahrhunderts. Wie kann einer sich bloß derart zum Affen machen und so blöd anstellen beim Zappen durchs Fernsehprogramm und auf seinen Wegen durch die Bars und Nagelstudios der Großstadt? Ständig auf der Suche nach der nächsten Liebe, meistens im falschen Moment unterbrochen vom Handyläuten der eigenen Mutter. Teresa Präauer hat ein sexuell aufgeladenes, extrem komisches und brutal hartes Buch geschrieben, das unbedingt laut gelesen werden sollte mit viel buntem Kaugummi im Mund, weil hier Sprache performt und zeigt, dass Anbaggern oder Aufreißen noch immer eine sportliche Disziplin ist, die aus kopulierenden Wörtern gemacht ist. "Oh Schimmi" von Teresa Präauer ist das Buch zum von Publikum und Jury enthusiastisch gefeierten Text beim letztjährigen Bachmannwettbewerb, und den Leserinnen und Lesern bleibt nichts anderes übrig, als bei der Lektüre mal ungeduldig, mal kopfschüttelnd, mal lachend "Oh Schimmi!" zu rufen.

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Seitenzahl: 194

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Teresa Präauer

OH SCHIMMI

Roman

Inhalt

Oh no!

Ninni

Mutter

Rodeo

Zindi

Guadalupe

Lilitha

Sam

Vater

Nie, nie

Oh, Schimmi!

Damn, yes!

Impressum

OH NO!

Was erzählt man sich über die internationalen Weltstädte? Indien, Afrika, Asien! Dass dort die Äffchen die Stadt regieren und dabei nichts anderes tun, als die Menschen zu ärgern. Indem sie den Menschen Sachen stehlen, die Mülltonnen durchwühlen, sich schlecht benehmen. Und hässliche Graffiti sprühen. Aber, so sagt man, diese Affen sind auch ziemlich cool und ziemlich vorwitzig.

Es kann also vorkommen, dass ein Reisender, der in Flip-Flops und Safarihose an der hoteleigenen Pool-Bar sitzt, sich schon morgens einen Blue Curaçao bestellt, dass er endlich wieder einmal, anstatt immer übers Tablet zu wischen, die internationale Tageszeitung auffaltet, sich die Sonnenbrille ins Haar schiebt, einen kräftigen Schluck nimmt, dass er die Lektüre der politischen Nachrichten hintanstellt, den Chronikteil und die Motorsport-Beilage stattdessen vorzieht, im Weiteren nach dem Stück Ananas und der kandierten Kirsche an seinem Cocktailglas greifen will und plötzlich, unerwartet, einem felligen Äffchen an den Steiß fasst, das, jetzt sieht er es!, doch tatsächlich seine kleinen Greifhände um die beiden Obststücke gekrallt hat und so, mit unmissverständlicher Geste, die neuen Besitzverhältnisse deutlich macht.

Wollte der Reisende, über diesen bescheidenen Vorfall zuerst erheitert, dann zunehmend verärgert, seinen Blue Curaçao mit den frischen Eiswürfeln und dem schwarzen Trinkhalm zurückerobern, »es handelt sich doch bloß um ein kleines Äffchen, das verscheucht gehört, besser noch erschlagen!«, so wird er sich im Verlauf dieses Vorhabens die sprichwörtlichen Zähne an seinem Gegner ausbeißen.

Er wird seine Zeitung fallen lassen, wird beim Sich-danach-Bücken die Sonnenbrille verlieren und wird sich beim Aufrichten den Kopf an der Tischplatte stoßen. Das Äffchen wird sich trollen, nämlich vom Tisch weg und an den Rand des Pools, erst verschreckt, stets jedoch Ananas und Kirsche fest umschlossen. Der Reisende, jetzt ehrgeizig geworden und sich von den anderen Hotelgästen beobachtet wissend, wird dem dreisten Dieb hinterher hechten, er wird dabei freilich, freilich!, auf den vom Äffchen gerade fallen gelassenen Obststücken ausrutschen, er wird so, unter dem lachenden Beifall der Schaulustigen, in den Pool stürzen, wird erst unter- und dann, mit hochrotem Kopf, an der Wasseroberfläche wieder auftauchen, gerade zur rechten Zeit. Zur rechten Zeit nämlich, um beobachten zu können, wie das Äffchen seinen Platz an der Sonne einnimmt, genussvoll die internationale Tageszeitung in der linken, den Cocktail in der rechten Hand, den schwarzen Trinkhalm grinsend bereits zwischen die blitzenden Zähne gesteckt.

Nun, bei unserem Schimmi liegt der Fall nicht ganz so wie bei jenem Äffchen. Der Schimmi nämlich mag beispielsweise überhaupt kein frisches Obst und Gemüse. Er würde den Blue Curaçao trinken, ohne sich um die Ananas zu balgen, und er würde die Eiswürfel dazu lutschen. Er würde vielleicht noch versuchen, durch den schwarzen Trinkhalm in der Waagrechten hindurchzuspucken.

Bei alldem bliebe der Schimmi doch ein Mensch, mit Dollars in der Hose und einem Hemd dazu, das er aufgeknöpft trägt bis zur Brust, wo ein beachtliches Stück Fell zum Vorschein kommt.

Fell? Nein, sehr helles Brusthaar, das, zu manchen Tageszeiten, rot glänzt. Das Gras wächst, die Vögel fliegen, und Wellen schlagen ans Ufer, sagt man. Und was macht der Schimmi währenddessen? Er lacht, und seine Zähne blinken, nein schimmern so golden aus seinem Mund.

NINNI

Wo ich Ninni zum ersten Mal gesehen habe? Im Dschungel der Großstadt! Nicht in Indien, nicht in Afrika, nicht in Asien, aber doch in einer sogenannten Weltstadt. Mehr sage ich dazu nicht, sonst kommt noch einer angereist. Nur so viel, ich wohne in einem Apartment im obersten Stockwerk, es mangelt, wie man so sagt, an nichts.

Ob ich den Luxus mit einem Mädchen teile? Nun, es ist zu erwarten. Haben?! Kann ich jede. Sieh dir allein meine Schuhe an! Ich will aber nicht jede, denn ich kann’s mir aussuchen. Ninni oder keine. Maguro vielleicht. Zindi vielleicht. Guadalupe? Nein. Yu-Mei Chow? Nur im Rotkäppchenkostüm! Nein, Ninni oder keine. Die anderen sind bloß zum Üben.

Wie oft? Mehrmals am Tag, mehr-mals-am-Tag.

Derweil habe ich ja noch meine Mutter bei mir. Ja, ich kümmere mich um sie. Oh no!, sie führt nicht den Haushalt, dafür haben wir Personal eingestellt.

Wofür das zuständig ist? Allfälliges. Saugen, wischen, putzen.

Ob das Personal viel zu tun hat? Nein, bei uns ist alles abgedichtet gegen den Dreck der Großstadt.

Die Luft? Kommt über die Aircondition. Manchmal kommt darüber doch ein Käfer mit. Oder eine Fliege. Durch den Luftschacht.

Nein, die wird dann weggesaugt. Mit einem Mini Hoover. Einmal hat der graue Beton in der Wand einen Sprung bekommen. Ja, ein Grashalm ist dort gewachsen, kräftig, beinah wie ein zartes Ästchen.

Der Lebensstil? Die americänistische Art. Ja, so leben wir hier. Bekommt man alles als Importware.

Was? Na, alles. Die gesalzenen und gerösteten Kochbananen mit dem Kakadu auf der Verpackung.

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

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