Olympic Academy 3: Aydeen & Mike - Emilia Laforge - E-Book

Olympic Academy 3: Aydeen & Mike E-Book

Emilia Laforge

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Beschreibung

Zwischen uns die Regeln – und eine verbotene Nähe Aydeen kann es kaum fassen: ein Stipendium an der Winter Olympic Academy! Endlich kann sie sich voll und ganz auf ihre Leidenschaft Biathlon konzentrieren, ohne den Spagat zwischen Sport, Studium und Nebenjob. Die Nacht vor dem Aufbruch verbringt sie mit einem Fremden, der sie vom ersten Moment an fasziniert. Leidenschaftlich, intensiv und einmalig. Dachte sie. Doch an der Academy taucht er plötzlich vor ihr auf: Mike, Ex-Olympiasieger, Biathlon-Legende – und ihr neuer Trainer. Plötzlich steht alles auf dem Spiel, wofür Aydeen so lange gekämpft hat. Wie soll sie seine Nähe ignorieren, wenn jede Berührung nach mehr schmeckt? Zwischen Trainingseinheiten im Schnee, heimlichen Blicken und verbotenen Gefühlen muss sie sich entscheiden: für ihre Karriere – oder für das, was ihr Herz will.  Forbidden Love zwischen tougher Biathletin und attraktivem Trainer in einer spicy Opposites Attract Romance an einer Wintersport Academy.   //»Aydeen & Mike« ist der dritte Band der New Adult Serie »Olympic Academy«. Alle Bände der Sports Romance bei Cove Story:   -- Olympic Academy 1: Yvi & Nick   -- Olympic Academy 2: Amelie & Julien  -- Olympic Academy 3: Aydeen & Mike  Alle Bände können unabhängig voneinander gelesen werden.// 

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Veröffentlichungsjahr: 2025

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Emilia Laforge

Olympic Academy 3. Aydeen & Mike

Zwischen uns die Regeln – und eine verbotene Nähe

Aydeen kann es kaum fassen: ein Stipendium an der Winter Olympic Academy! Endlich kann sie sich voll und ganz auf ihre Leidenschaft Biathlon konzentrieren, ohne den Spagat zwischen Sport, Studium und Nebenjob. Die Nacht vor dem Aufbruch verbringt sie mit einem Fremden, der sie vom ersten Moment an fasziniert. Leidenschaftlich, intensiv und einmalig. Dachte sie. Doch an der Academy taucht er plötzlich vor ihr auf: Mike, Ex-Olympiasieger, Biathlon-Legende – und ihr neuer Trainer. Plötzlich steht alles auf dem Spiel, wofür Aydeen so lange gekämpft hat. Wie soll sie seine Nähe ignorieren, wenn jede Berührung nach mehr schmeckt? Zwischen Trainingseinheiten im Schnee, heimlichen Blicken und verbotenen Gefühlen muss sie sich entscheiden: für ihre Karriere – oder für das, was ihr Herz will.

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Vita

Danksagung

© privat

Emilia Laforge wurde in Ostwestfalen, NRW geboren. Zusammen mit ihrem Mann und ihrem Hund lebt sie heute immer noch dort. Hauptberuflich arbeitet sie als Pädagogin im sozialen Bereich. In ihrer Freizeit ist sie neben dem Schreiben am liebsten mit ihrem Pferd unterwegs. Außerdem widmet sie sich als Hobbysängerin der Musik, was sie in ihren musikalischen Lesungen mit ihrer Leidenschaft zu schreiben gern verbindet. Bereits als Kind hat sie ihre Nase immer in ein Buch gesteckt. Heute schreibt sie Romane voller Magie und großer Gefühle. Aktiv ist sie auf Instagram (@emilia.laforge), Tiktok (@emilialaforge) sowie auf ihrer Homepage www.emilialaforge.de

1. Kapitel Aydeen

»Auf eine tolle Zeit, die vor uns liegt!« Breit grinsend hebt Mara ihr Glas und stößt mit mir an.

»Auf die beste Zeit unseres Lebens!« Meine Wangenmuskeln schmerzen, so sehr grinse ich. Ich nehme einen großen Schluck und lasse den Prosecco meine Kehle hinunterrinnen. Normalerweise ist das nicht unbedingt das Getränk meiner Wahl, doch Mara hat darauf bestanden. Ob es daran liegt, dass meine beste Freundin das Gefühl hat, sich dieser vornehmen Gesellschaft anpassen zu müssen, kann ich nur mutmaßen. Aber hier in der Schweiz wirkt alles etwas exklusiver. Die Frauen tragen fast alle Glitzerkleider mit High Heels, die Männer schicke Seidenhemden. Da komme ich mir in meinem grauen Rock, dem schwarzen Oberteil und meinen Ankle Boots ziemlich underdressed vor. Auch Mara trägt ein ähnliches Outfit wie ich. In unserem heimischen Pub gelten wir damit als schick – hier offensichtlich nicht.

Doch davon lasse ich mir die Laune nicht verderben, trinke stattdessen das Prickelwasser und genieße die Musik. Zwar spielen sie keinen Irish Folk, aber aktuelle Charts gemischt mit Hits aus den 80ern und 90ern, was eine akzeptable Alternative darstellt.

»Kannst du dir vorstellen, dass wir es tatsächlich geschafft haben? Ich meine – hallo? Wir sind in der Schweiz, dem Wintersportland schlechthin!« Maras Augen strahlen. »Wir beide. Zusammen.« Fest schließt sie mich in die Arme.

»Du zerquetschst mich.« Mit einem Lachen winde ich mich aus ihren Armen. »Aber ja, das hätte ich niemals für möglich gehalten.«

Mehr aus einer Schnapsidee heraus haben meine beste Freundin und ich die Bewerbung für das Stipendium an der Winter Olympic Academy abgeschickt. Sie für Eisschnelllauf und ich für Biathlon. Bereits als Kinder haben wir uns für die Wintersportarten begeistert, auch wenn unser Heimatland Irland wohl kaum der Vorreiter für diese Sportarten ist. Umso erstaunlich war es, als wir die Zusagen erhielten. Und nun sind wir hier.

Übermorgen wird die Academy losgehen. Doch vorher genießen wir noch unseren Urlaub. Dafür haben wir eine Route ausgesucht, die es uns auch Ende September ermöglicht, unserer großen Wintersportleidenschaft nachzugehen. Nach unserer Landung in München ging es nach Innsbruck und anschließend nach Livigno. Kaum zu glauben, dass es auch in Italien Skipisten gibt, die bereits im Herbst geöffnet haben. Nun sind wir allerdings in der Schweiz, dem Land, das für die nächsten vier Jahre unser Zuhause sein wird.

Und bisher ist der Urlaub einfach nur wundervoll. Obwohl Mara hauptsächlich die Eishallen auskundschaftet und ich die Langlaufstrecken, gehen wir ab und an zusammen auf die Abfahrt. Abfahrtski ist zwar nicht unsere Paradedisziplin, aber es macht Spaß und wir können zusammen den Tag verbringen. Alternativ machen wir das auch beim Sightseeing und die ein oder andere Après-Ski-Party darf natürlich nicht fehlen. Auch wenn wir meistens mit dem Alkohol vorsichtig sind, schließlich sind wir nun Profisportler. Da wir morgen allerdings schon auf dem Weg nach Zermatt sein werden, ist heute der letzte Abend unseres Urlaubs, deshalb lassen wir es uns nicht nehmen noch einmal ausgelassen zu feiern.

»Hoffentlich schaffen wir es beide nach Olympia.« Ihr Blick nimmt einen träumerischen Ausdruck an. »Stell dir das vor. Wir beide ganz oben auf den Treppchen.«

Ich lache. »Jetzt also direkt der olympische Sieg, oder was?« Langsam schüttle ich den Kopf. »Die Zusage hat dir wohl einen Höhenflug verpasst.«

»Na hör mal. Wir hätten wohl kaum das Stipendium bekommen, wenn wir absolut hoffnungslose Fälle wären. Du weißt, wie wenige Stipendien sie vergeben?«

»Dreißig«, antworte ich automatisch. Die Akademie hat hundertfünfzig Plätze und wird hauptsächlich über Studiengebühren finanziert, die ziemlich erheblich sein sollen. Kein Wunder, denn die Lebenskosten in der Schweiz sind hoch und die Akademie ist auf einem top Niveau in allen Bereichen, das will finanziert werden. Allerdings habe ich auch gehört, dass die Akademie es sich auf die Fahne geschrieben hat, nicht nur die Favoriten zu fördern, sondern auch die Außenseiterländer – wie unseres. Deshalb kooperieren sie seit Kurzem mit Biathlon Ireland und der Ice Skating Association of Ireland, den Verbänden unseres Heimatlandes. Gut für uns, dass wir uns in Irland einen Namen in unseren jeweiligen Disziplinen gemacht haben. Wie auch immer – ich bin sehr froh darüber. Den Platz hätten sich weder Maras noch meine Eltern leisten können.

»Na also. Mehr Selbstvertrauen, bitte.« Sie kichert und seufzt gleichzeitig, was ein interessanter Laut ist. »Vermutlich glaubst du noch nicht mal an dich, wenn du Olympia gewonnen hast.«

Hat sie recht? Sollte ich mehr an mich glauben? Ich kaue auf meiner Unterlippe herum. Natürlich weiß ich, dass ich in meinem Heimatland nicht unbedingt die schlechteste Biathletin bin, und dass ich einen Platz an der Academy bekommen habe, ist der Wahnsinn. Aber die Konkurrenz ist groß. Viele der anderen Biathletinnen werden einen unglaublichen Vorsprung haben, schließlich konnten sie unter viel besseren Bedingungen trainieren als ich in meinem Heimatland. Wieso sollte also ausgerechnet ich so gut sein und Olympia gewinnen?

»Hey, Ladys!« Ein Kerl tritt neben Mara an den Tresen. Er hat dunkelbraune Haare und ist ziemlich muskulös. Mit deutlichem Interesse mustert er meine beste Freundin. »Dürfen wir euch einen Drink ausgeben?«

Wir? Mein Blick gleitet weiter. Neben dem Braunhaarigen steht ein weiterer Typ. Unter seiner Basecap schauen blonde Haare hervor, er hat einen Dreitagebart und sieht ebenfalls durchtrainiert aus. Allerdings trägt er im Gegensatz zu seinem Kumpel und allen anderen Hemdträgern ein schwarzes T-Shirt und dunkelblaue Jeans. Insgesamt sieht er nicht so aus, als würde er hierhergehören. Gefällt mir.

Also das Outfit, nicht der Mann.

Wobei, das stimmt nicht. Er sieht schon gut aus, dennoch strahlt er nicht gerade Freundlichkeit aus. Richtig unfreundlich wirkt er jedoch auch nicht – eher reserviert und vorsichtig. Außerdem kommt er mir irgendwie bekannt vor. Aber woher sollte ich ihn kennen? In meinem Hirn rattert es, doch mir will partout nichts einfallen.

»Ähm, ja klar.« Lachend streicht sich Mara eine dunkelblonde Strähne aus dem Gesicht. Im Gegensatz zu meiner roten Mähne ist ihre unauffällig, doch sie hat ein total hübsches Gesicht mit großen Kulleraugen, die viele Männerherzen schwach werden lassen.

»Ich sehe, ihr trinkt Prosecco?«, fragt der Unbekannte, während der Blonde nur danebensteht und die Arme verschränkt.

»Sicher«, sagt Mara.

»Also ich nehme lieber ein Bier.« Ganz sicher kann ich nicht noch ein Prickelwasser trinken, das mir nicht mal schmeckt.

Die Blicke der beiden Männer schnellen zu mir. Der Braunhaarige schaut mich zweifelnd an, während sich ein Schmunzeln auf den Lippen des Blonden ausbreitet. Mit einem Mal sieht er gar nicht mehr so reserviert aus, sondern ziemlich süß.

»Gute Wahl.« Seine Stimme ist angenehm tief und beschert mir eine Gänsehaut. Keine Ahnung, woher das auf einmal kommt. »Ich nehme auch eins«, sagt er an seinen Kumpel gewandt.

Der dreht sich zur Theke, bestellt zwei Bier, einen Prosecco und Whiskey Cola für sich. Ich verkneife mir das missbilligende Verziehen meines Gesichtes. Dort, wo ich herkomme, ist es quasi eine Beleidigung unseres Kulturgutes, Whiskey zu mischen, aber ich will ja nicht kleinlich sein.

»Mein Name ist übrigens Mike«, sagt der blonde Kerl an uns gewandt. »Und das ist mein Kumpel Leano.« Er deutet auf seinen Freund, der sich auf die Theke lehnt, sich zu uns dreht und winkt.

Mikes Aussprache klingt seltsam. Also, er redet Englisch mit uns, aber er klingt im Gegensatz zu seinem Kumpel nicht wie ein Schweizer. Zumindest haben die meisten hier so einen starken Dialekt, dass ich sie kaum verstehe. Wobei man uns Iren das wohl auch nachsagt.

»Ich bin Mara.« Meine Freundin ergreift als Erste das Wort und reicht zuerst Leano und dann Mike die Hand.

»Hallo, Mara, schön, dich kennenzulernen.« Leano zieht sie an sich und haucht ihr einen Kuss auf die Wange.

Das Gesicht meiner Freundin färbt sich rot, allerdings scheint ihr der Annäherungsversuch nicht unangenehm zu sein – im Gegenteil. Sie kichert.

»Und wer bist du?«, fragt Mike mich und erst da wird mir bewusst, dass ich mich noch gar nicht vorgestellt habe. Am Alkohol kann das nicht liegen, so viel habe ich noch nicht getrunken. Also flasht mich Mike vielleicht mehr als gedacht.

»Aydeen.«

»Schöner Name.« Er sagt es beiläufig, doch irgendetwas an der Art, wie er mich anschaut, lässt meine Knie weich werden.

Zum Glück bleibt mir keine Zeit, darüber nachzudenken, da uns Leano in dem Moment die Getränke reicht.

»Na dann, auf einen wundervollen Abend.« Leano erhebt sein Glas und wir lassen unsere gegen seins klirren.

»Vielen Dank für die Drinks«, bedankt sich Mara und auch ich schmeiße ein »Danke« in Leanos Richtung.

»Für schöne Frauen immer gern.« Leanos Blick scheint bei seinen Worten in Mara hineinkriechen zu wollen.

Ein Augenrollen kann ich mir nicht verkneifen. Wie plump.

Mike betrachtet mich schmunzelnd. Ups, ich wollte ganz sicher nicht unhöflich sein, doch auf solche flachen Anmachsprüche stehe ich nun mal gar nicht. Mara anscheinend schon, zumindest heute. Sie dreht sich zu Leano und streicht sich lachend eine Haarsträhne hinter die Ohren. Einen auf niedlich machen – das ist Maras Anmachmasche.

Wusste ich gar nicht, dass meine beste Freundin auf Kerle wie Leano steht. Nun gut.

»… klingt irisch.« Mikes Stimme lässt mich meinen Kopf wieder zu ihm drehen.

»Hm?«, frage ich wenig geistreich nach.

»Dein Name klingt irisch. Genau wie deine Aussprache.« Auch wenn er seinen Satz nicht als Frage formuliert, schwingt diese deutlich mit.

Ich nicke. »Ja, wir kommen aus Irland. Und du? Oder ihr?« Gerade so besinne ich mich, dass er ja nicht allein hier ist.

»Ich bin aus Norwegen und Leano ist Einheimischer.«

Und da macht es Klick in meinem Kopf. Er ist aus Norwegen und sein richtiger Name ist nicht Mike, sondern Mikkel. Mikkel Solhein. Er ist genau wie ich Biathlet. Wobei, eigentlich hat er rein gar nichts mit mir gemeinsam. Nicht nur dass er aus dem Wintersportland schlechthin kommt, er ist auch in einer Sportlerfamilie aufgewachsen. Außerdem ist mein Niveau im Gegensatz zu seinem wohl nichts weiter als stümperhaft. Schließlich hat er die Olympischen Spiele vor vier Jahren gewonnen – und das als jüngster Biathlet in der Geschichte. Er war damals 21 Jahre alt, also müsste er jetzt 25 sein. Ich war 16 Jahre alt und absolut im Biathlonfieber. Seine Leistung war beeindruckend und er hat einen neuen Rekord aufgestellt. Unglücklicherweise hat er sich nach den Olympischen Spielen verletzt, was das Aus für seine Karriere bedeutete. Dementsprechend konnte er bei den letzten Spielen, die Anfang des Jahres in Italien stattfanden, nicht dabei sein.

»Ah. Also besuchst du gerade deinen Kumpel?« Zum Glück gelingt es mir, die Frage zu formulieren, während es in meinem Kopf rattert.

Wie muss es wohl für ihn sein, seine Karriere zu beenden? Nicht mehr das machen zu können, was er liebt? Für mich wäre es unvorstellbar. In meinem Heimatland muss ich meistens auf Rollski trainieren, deshalb fahre ich jeden Winter ins Trainingslager nach Österreich, um auf richtigen Ski stehen zu können. Ich liebe die kalte Luft in meinem Gesicht, den knirschenden Schnee unter mir. Die Ruhe, die mich auf der Piste umgibt. Die Natur. Die Konzentration, wenn ich das Gewehr in der Hand halte. Die Fokussierung. Dann gibt es nur mich, meine Atmung, meine Muskeln, meine Leistung. Ich glaube, ich wäre nicht mehr ich, wenn mir das weggenommen werden würde.

»Ja, genau.« Nachdenklich betrachtet er mich. »Und was führt euch hierher?«

»Wir machen Urlaub.« Ich schenke ihm ein Lächeln.

Kurz überlege ich ihm zu sagen, dass ich Biathletin bin und weiß, wer er ist. Aber ich lasse es. Das Letzte, was ich an seiner Stelle gebrauchen könnte, wäre ein Fangirl, das mich mit Fragen bombardiert oder mich mit ihrem Mitleid nervt. Keine Ahnung, warum er seinen Kumpel ausgerechnet im Wintersportland besucht. Niemals könnte ich mich hierherbegeben, wenn ich nicht mehr auf meinen Ski stehen könnte.

Vielleicht befindet er sich ja doch wieder im Aufbautraining? Oder vielleicht kann er noch hobbymäßig Ski fahren?

Schluss jetzt, es geht mich nichts an.

Ich werde einfach den Abend genießen und ihn als gut aussehenden Typ kennenlernen, über den ich rein gar nichts weiß – und den ich nach diesem Abend auch nie wiedersehen werde.

2. Kapitel Mike

Manchmal würde ich Leano am liebsten gegen die nächste Wand klatschen. Immer muss er irgendwelche Frauen anquatschen. Und immer werde ich mit reingezogen. Schließlich muss ich die beste Freundin seiner Auserkorenen bespaßen – so wie heute.

Allerdings hätte es mich schlechter treffen können. Schon allein Aydeens rote Haare, die ihr locker über die Schulter fallen, sind etwas Besonderes. Dazu ihre strahlend blauen Augen und die schlanke Figur. Auch ihr Klamottenstil gefällt mir – figurbetont, elegant und weitaus augenschonender als diese ganzen Glitzerkleidchen. Also könnte mein Job als Wingman heute nicht so ätzend sein wie sonst so oft.

»Ist dein Kumpel immer so?«, fragt Aydeen, als Leano ihre Freundin auf die Tanzfläche entführt. Dort fackelt er nicht lange und zieht sie direkt an sich.

»Meistens ja.« Ich verziehe mein Gesicht. »Aber deiner Freundin scheint es nicht zu missfallen.« Zumindest lacht diese glockenhell und schmiegt sich noch enger an ihn. Wie lange es wohl dauern wird, bis Leano ihr die Zunge in den Hals steckt? Ich tippe auf fünf Minuten.

»Keine Ahnung, was mit ihr los ist. Eigentlich steht sie nicht auf solche Typen.« Kurz beißt sich Aydeen auf die Lippen. »Sorry, er ist dein Kumpel, ich wollte nicht schlecht über ihn sprechen.«

Meine Augenbrauen wandern in die Höhe. »Ist schon okay. Leano ist zwar ein sehr guter Freund …«, immerhin ist er für mich da gewesen, als es kein anderer war, »… aber diese Eigenschaft schätze ich nicht unbedingt an ihm.« Ein kleines Lächeln huscht über mein Gesicht. »Allerdings wissen die Frauen, worauf sie sich einlassen. Er spielt da mit offenen Karten.«

»Und du?« Röte schießt in ihre Wangen und sie senkt für einen kurzen Moment den Blick.

Na, da hat wohl eine schneller gesprochen als gedacht, und ihre Verlegenheit ist auch noch unheimlich süß. Dennoch zieht sie ihre Frage nicht zurück, sondern schaut mich etwas schüchtern, aber gleichzeitig neugierig an.

»Ich bin auch nicht der Typ, der Frauen etwas vormacht.« Womöglich hat sie das nicht mit ihrer Frage gemeint. Also schieb ich hinterher: »Und ich bin weitaus seltener auf einen One-Night-Stand aus als er.«

Ihre Augen weiten sich. »Aber es kommt vor?«

Ich zucke mit den Schultern und funkle sie herausfordernd an. »Ab und an …« Wenn mir die beste Freundin seiner Auserkorenen gefällt. So offensichtlich zu flirten ist eigentlich nicht meine Art, für Aydeen würde ich allerdings vielleicht eine Ausnahme machen. Schließlich kann ich nicht leugnen, dass ich sie attraktiv finde. »Und wie sieht das bei dir aus?«

»Ab und an.« Verschmitzt lächelt sie.

Sieh mal einer an. So eine Aussage hätte ich ihr nicht unbedingt zugetraut. Richtig greifen kann ich sie noch nicht, sie wirkt eher wie der introvertierte Typ. Fast schon schüchtern, doch so ganz zieht sich der Eindruck nicht durch.

»Na dann schlage ich vor, dass wir schauen, wo uns der Abend hinführt?« Oha, mein Flirtmodus ist also endgültig angesprungen. Überraschend. Auch wenn es stimmt, dass ich ab und an einem One-Night-Stand nicht abgeneigt bin, ist es diesmal etwas anderes. Wenn ich mich normalerweise darauf einlasse, dann um den Kopf abzuschalten, um mich abzulenken.

Mit Aydeen flirte ich richtig. Und das fühlt sich überraschend leicht an und macht Spaß. Keine Ahnung, warum das so ist. Vielleicht hat es gar nichts mit ihr zu tun und der dunkle Sumpf in meinem Inneren lichtet sich etwas?

»Das klingt gut.« Sie schenkt mir ein Lächeln, das mir unter die Haut geht.

Ja, ich finde sie definitiv attraktiv.

Ich deute auf ihr leeres Glas. »Na dann, wie wäre es mit noch etwas zu trinken?«

»Sehr gern.«

Diesmal drehe ich mich zur Theke und ordere zwei weitere Bier.

»Die nächsten gehen dann aber auf mich«, sagt sie.

Überrascht schaue ich sie an.

Mein Blick muss anscheinend lustig aussehen, denn sie lacht. »Was denn? Wir leben im einundzwanzigsten Jahrhundert, schon vergessen?«

»Ja … also nein.« Tief hole ich Luft. »Die meisten Frauen haben trotzdem kein Problem damit, sich den ganzen Abend lang die Drinks ausgeben zu lassen.« Ab und an habe ich das Leano in Rechnung gestellt, schließlich ist er schuld daran, dass ich an so vielen Abenden doppelt Getränke finanziere.

Unbekümmert zuckt sie mit den Schultern. »Tja – ich nicht.«

»Dann bist du wohl etwas Besonderes.« Ich reiche ihr das Bier, das die Bedienung vor mir abstellt.

»Oder du hast einen zweifelhaften Frauengeschmack.« Sie hält ihr Glas in meine Richtung.

Unwillkürlich muss ich lachen. »Zweifellos. Gut, dass ich dich getroffen habe, vielleicht gibt es ja noch Hoffnung.« Ich stoße mit ihr an und nehme einen großen Schluck von dem kühlen Bier. Dabei lasse ich sie keinen Moment aus den Augen.

Auch sie nimmt einen großen Schluck und stellt ihr Glas wieder auf der Theke ab. Leicht neigt sie den Kopf zur Seite. »Und, wie gefällt es dir in St. Moritz?«

Ich verziehe mein Gesicht. »Teilweise sind mir die Leute hier echt zu schnöselig.« Warum sich Leano ausgerecht diese Stadt in der Schweiz als Heimat ausgesucht hat, werde ich wohl nie nachvollziehen können. Demonstrativ rolle ich mit den Augen und deute zwischen uns beiden hin und her. »Mich wundert es, dass wir mit unseren Outfits überhaupt hier reingekommen sind.«

Sie schaut an sich herunter und wieder schießt ihr Röte ins Gesicht. Nun sieht sie allerdings verunsichert aus und mir wird bewusst, was ich da gesagt habe. Keine Ahnung, ob es am Alkohol liegt oder daran, dass sich in ihrer Gegenwart alles leichter anfühlt. Aber meine Hand verselbstständigt sich. Meine Finger legen sich an ihr Kinn und heben es sanft an. »Versteh mich nicht falsch. Ich finde, du siehst klasse aus.«

Kurz blitzt Unsicherheit in ihren Augen auf, doch dann breitet sich ein Lächeln auf ihrem Gesicht aus. »Du auch.« Sie lässt ihren Blick einmal an mir heruntergleiten. »Also dein Outfit natürlich.«

Ich lache auf. »Klar, weil das auch so etwas Besonderes ist.«

Sie schüttelt den Kopf und eine gewisse Ernsthaftigkeit legt sich in ihre Augen. »Eben weil es nichts Besonderes ist. Locker und lässig, es passt irgendwie zu dir.« Ein Schmunzeln umspielt ihre Lippen. »Außerdem mag ich deine Cap. Die ist viel besser als die ganzen gegelten Haare der schmierigen Typen hier.« Ihre Hand schießt vor und sie zieht mir die Mütze vom Kopf.

»Ey!«, protestiere ich lachend.

Grinsend setzt sie sich meine Kopfbedeckung auf und posiert auf ihrem Hocker. »Und … steht sie mir?«

Ihre Posen sind so übertrieben, dass ich schon wieder lachen muss. »Du kannst sie tragen.« Ich fahre mir durch die Haare, die ich heute nicht gestylt habe und die somit einer Vollkatastrophe gleichkommen. »Aber ich brauche sie im Gegensatz zu dir wirklich.«

»Stimmt, mit deinen ungegelten Haaren stichst du definitiv aus der Menge heraus.« Lachend setzt sie die Cap zurück auf meinen Kopf. Dabei kommt sie mir so nahe, dass mir ihr Geruch in die Nase steigt. Sie riecht nach Jasmin und Lilie. Wie frisches Wasser. Definitiv anziehend.

»Aber ich wollte wissen, wie du ohne aussiehst«, raunt sie mit einer so verführerischen Stimme, dass es mir unter die Haut geht. Außerdem bleibt sie etwas vorgebeugt sitzen.

Okay, ich bin eindeutig nicht der Einzige, der hier flirtet. »Und, gefällt dir, was du gesehen hast?« Ich senke meine Stimme ebenso und schiebe mein Gesicht noch ein paar Zentimeter näher an ihres.

»Immerhin keine Glatze mit Haarkranz.« Ein herausforderndes Schmunzeln umspielt ihre Lippen. »Also hätte es schlimmer kommen können.«

»Na dann habe ich ja Glück gehabt.«

»Definitiv.«

Die Luft zwischen uns fühlt sich wie aufgeladen an und alles in mir scheint sich auf Aydeen zu fokussieren. Auf ihre blauen Augen und ihre verführerischen Lippen, die nur einen Hauch von meinen entfernt sind. Ich müsste mich nur ein Stück weiter vorbeugen, dann könnte ich sie küssen. Ihre Lippen unter meinen spüren. Doch ich mache es nicht. Schließlich will ich nicht so forsch und plump sein wie Leano. »Möchtest du noch etwas trinken, Deen?«

Sie neigt den Kopf zur Seite und schaut mich überrascht an. »Deen?«

Erst jetzt wird mir bewusst, dass mein Kopf anscheinend einen Spitznamen für sie ausgespuckt hat. Ob das wohl auch am Alkohol liegt? »Ja, Deen.«

»So hat mich noch keiner genannt.«

»Dann bin ich wohl etwas ganz Besonderes.« Gewagt Aussage in Anbetracht dessen, dass das hier maximal auf einen One-Night-Stand hinauslaufen soll.

»Oder du überschätzt dich einfach nur selbst.« Noch immer umspielt dieses hauchzarte Lächeln ihre Lippen.

Noch immer verspüre ich das Bedürfnis, sie zu küssen. »Auf jeden Fall wirst du mich dadurch nicht so schnell vergessen.«

Nun kichert sie. »Das gilt es herauszufinden, würde ich sagen.« Sie unterbricht den Blickkontakt und dreht sich zur Theke.

Verdutzt schaue ich sie an.

Wieder lacht sie. »Du hast mich gefragt, ob ich was trinken will, schon vergessen?«

In der Tat. Allerdings stelle ich auch fest, dass unsere Gläser noch voll sind. Was bitte habe ich mir dabei gedacht? Vermutlich gar nichts.

»Und diesmal bin ich dran mit bezahlen, falls du das auch vergessen haben solltest.«

»Nein. Aber mir ist anscheinend entgangen, dass unsere Getränke noch nicht mal leer sind.« Ich greife mein Glas. »Ich war wohl etwas abgelenkt.«

»Oder vielleicht willst du etwas anderes dazu.« Grinsend wendet sie sich an den Barkeeper, der vor sie tritt. »Zwei Tequila.«

Meine Augenbrauen wandern in die Höhe. »Anscheinend hast du wirklich noch etwas vor.«

Mit einem unschuldigen Schulterzucken dreht sie sich wieder zu mir. »Du hast selbst gesagt, dass du mir in Erinnerung bleiben willst.«

O ja, Deen, das würde ich zu gern.

3. Kapitel Aydeen

Die Zeit mit Mike vergeht wie im Flug. Wir lachen, wir albern herum und ich habe eigentlich keine Ahnung, worüber wir reden. Ein paarmal bin ich kurz davor, ihn zu fragen, ob er mit mir tanzt, doch das verkneife ich mir im letzten Moment. Schließlich weiß ich nicht genau, was für eine Verletzung er hat und wie stark sie ihn beeinträchtigt. Den Medien war in dieser Hinsicht überraschend wenig zu entnehmen. Auf jeden Fall möchte ich ihn ganz sicher nicht in Verlegenheit bringen. Also sitzen wir einfach nur an der Theke, unterhalten uns, trinken ein paar Bier und ab und an einen Tequila.

»Und was machst du in deinem Heimatland?«, fragt Mike mich, als wir uns ein neues Bier bestellt haben. »Ich meine, so alt bist du noch nicht, oder? Studierst du? Machst du eine Ausbildung?«

»Also falls das deine Art ist, mich nach dem Alter zu fragen … ich bin zwanzig.« Fragend schaue ich ihn an.

»Fünfundzwanzig.«

Natürlich wusste ich das, aber ich wollte ja nicht wie ein Fangirl wirken. »Ich studiere Management.« Dass ich Sportmanagment studiere und zudem in einem Sporteliteförderprogramm bin, das es mir ermöglicht, Teilzeit zu studieren, um genug Zeit für meine Profikarriere zu haben, sage ich ihm nicht. Genauso wenig wie die Tatsache, dass ich mein Studium zu Hause für die Winter Olympic Academy unterbrochen habe. Wobei das so nicht ganz richtig ist. Vielmehr werde ich mein Studium dort fortsetzen, beziehungsweise etwas abwandeln. Schließlich gibt es keine Managementmodule an der Olympic Academy, dafür allerdings genug für den sportwissenschaftlichen Bereich.

»Management. Das ist interessant. Also bist du anscheinend ziemlich ehrgeizig.« Mike nimmt sein Glas zwischen die Lippen und trinkt einen Schluck.

»Ja, ich denke, das kann man so sagen.« Ehrgeizig bin ich schon immer gewesen und zudem ziemlich dickköpfig. Vermutlich hätte ich sonst meine Ziele nicht erreicht. Schließlich stehe ich zusätzlich zu meinem Studium und zu meinen täglichen Trainingseinheiten jeden Tag im Pub, um mir das Geld für meinen Lebensunterhalt und meinen Sport zu verdienen. Viel Zeit für was anderes wie Freunde oder eine Beziehung bleibt mir nicht. Zumindest nicht mehr. Einmal habe ich das versucht und das ist gründlich nach hinten losgegangen. Fast hätte ich dabei so viel mehr verloren. Mich, oder zumindest das, was mich ausmacht.

Ich verdränge den Gedanken, denn das wird mir nie wieder passieren. Und zum Glück habe ich Mara. Manchmal denke ich, dass sie die Einzige ist, die mich überhaupt versteht – immerhin investiert sie genauso viel in den Sport wie ich.

»Und was ist mit dir?« Ich beiße mir auf die Lippen. Das ist immerhin eine ziemlich heikle Frage. Andererseits, wenn er mir nicht die Wahrheit erzählen will, wird er mir wohl irgendetwas auftischen.

»Ich denke, dass ich durchaus von mir behaupten kann, dass ich auch ehrgeizig bin.« Ein Schatten legt sich auf sein Gesicht und er schaut auf sein Glas. »Vielleicht sogar zu ehrgeizig.« Die Worte murmelt er so leise, dass ich sie gerade so verstanden habe. Genauso schnell, wie er gekommen ist, verschwindet der niedergeschlagene Ausdruck jedoch wieder. Stattdessen hebt er seinen Kopf und lächelt mich an. »Aber das ist kein Thema für einen so wundervollen Abend.« Kurz legt er seine Hand auf meine. »Ich bin wirklich froh, dass ich dich heute kennenlernen durfte.«

»Ich bin auch froh, dass wir uns kennengelernt haben.« Bevor er seine Hand zurückziehen kann, verschränke ich meine Finger mit seinen. Gleichzeitig bin ich überrascht von meiner Reflexhandlung. Eigentlich bin ich nicht so offensiv. Dass ich ab und an One-Night-Stands nicht abgeneigt bin, ist eine maßlose Übertreibung gewesen. Nur einmal ist das bisher vorgekommen. Im Winterlager vor zwei Jahren. Ich habe einen Wettkampf gewonnen, etwas ausgelassener gefeiert und dann war da dieser Kerl. Wie hieß er gleich? Tim oder Timo? Ich kann mich kaum an ihn erinnern. Der ganze Abend ist verschwommen. Nun, das wird mir mit Mike ganz sicher nicht passieren. Und das nicht, weil er Mikkel Solhein, sondern einfach weil er Mike ist. Ein Kerl, mit dem es unheimlich leicht ist, Zeit zu verbringen, und der dabei auch noch verdammt gut aussieht.

Seine Hand in meiner löst ein angenehmes Prickeln aus. Seine Augen haben eine faszinierende Farbe. Eigentlich hatte ich erwartet, dass sie blau sind, doch das sind sie nicht. Nicht ganz. Sie sind eher grau. Ein warmes Grau, das fast silbrig erscheint.

Mike öffnet den Mund, so als wollte er etwas sagen, da klingelt sein Handy. Er zuckt zusammen und greift mit seiner freien Hand in die Tasche. Dabei verrenkt er sich fast, weil er meine Hand ganz offensichtlich nicht loslassen will. Unwillkürlich muss ich grinsen und gleichzeitig breitet sich Wärme in mir aus. Seine Berührung fühlt sich einfach gut an.

Stirnrunzelnd betrachtet er das Display. »Das ist Leano.«

Überrascht lasse ich meinen Blick durch die Bar schweifen. Ich kann weder Mikes Kumpel noch Mara entdecken. Allgemein muss ich feststellen, dass es hier auf einmal ziemlich leer ist.

»Was gibts?«, fragt Mike, als er das Handy ans Ohr hält.

Leanos Worte kann ich nicht verstehen, doch schließlich sagt Mike: »Okay, wow, das ging schnell.«

Vielleicht auch nicht … zumindest in Anbetracht der offensichtlich abnehmenden Besucherzahl der Bar.

Wieder Stille. Dann betrachtet Mike mich. »Ja, Aydeen ist bei mir.«

Pause.

»Ja, ich bringe sie in ihr Hostel zurück.« Fragend schaut er mich an.

Ich nicke. Ganz offensichtlich haben Mara und Leano schon das Weite gesucht und ich habe heute das Hostelzimmer für mich allein.

Für mich allein.

Ich mustere Mike.

Oder vielleicht auch nicht.

Schon allein der Gedanke, was passieren könnte, lässt Hitze durch meinen Körper schießen.

Doch will ich das wirklich?

Vielleicht ist es mal an der Zeit, etwas lockerer zu werden. Mehr aus mir herauszukommen.

Vielleicht.

Mike beendet das Gespräch und schaut mich an. »Scheint, als hätten unsere Freunde uns allein gelassen.«

Ich muss lachen. »Ich dachte, das bist du gewohnt.«

Er neigt den Kopf zur Seite. »Ich schon, du anscheinend nicht.«

»Nein.« Nachdenklich schaue ich Richtung Ausgang.

»Immerhin hat deine Freundin Leano beauftragt sicherzustellen, dass du wohlbehalten ins Hostel zurückkommst.«

»Und bei dir bin ich sicher?« Herausfordernd funkle ich ihn an. »Ich meine, du wirkst nett – aber wir kennen uns quasi gar nicht.«

Er beugt sich etwas zu mir vor. »Ist es nicht gerade deswegen so aufregend?«

Wieder schießt Hitze durch meinen Körper.

Ja, es ist aufregend.

Ehrlich gesagt ist es sogar mehr als das. Ich fühle mich frei. So frei wie schon lange nicht mehr. Ob das an Mike liegt? Oder eher an der Situation? Schließlich fängt übermorgen mein Lebenstraum an und zum ersten Mal kann ich mich voll und ganz darauf fokussieren. Kein Spagat zwischen Studium, Sport und Nebenjob. Das klingt zu gut, um wahr zu sein.

»Nur solange sich nicht herausstellt, dass du ein Serienkiller bist.« Ich werfe Mike ein herausforderndes Grinsen zu.

Lachend hebt er die Arme. »Kein Serienkiller, versprochen.«

Ich neige den Kopf zur Seite. »Das würden alle Serienkiller sagen.«

»Da hast du natürlich recht.« Er beugt sich wieder etwas zu mir vor. »Da wird dir wohl nichts anderes übrig bleiben, als mir zu vertrauen.« Er raunt die Worte so verführerisch, dass sich meine Welt für einen Moment dreht.

Ihm vertrauen. Zumindest für heute Nacht. Das klingt in der Tat ziemlich verlockend.

»Wollen wir los?« Okay, wow. So direkt kenne ich mich wirklich nicht.

Er hebt die Augenbrauen und schaut mich prüfend an. »Willst du mich jetzt so schnell wie möglich loswerden oder kannst du es nicht erwarten, dass wir in dein freies Hotelzimmer verschwinden?«

Hitze schießt in meine Wangen. O Mann, was würde ich dafür geben, wenn mir jemand mit einem Fächer zuwedelt, damit sich meine Temperatur herunterregelt und ich nicht ständig rot anlaufe. Doch ich gebe mich möglichst locker. »Finde es heraus.« Diesmal bin ich diejenige, die ihre Stimme zu einem verführerischen Raunen senkt – zumindest hoffe ich, dass es so wirkt. Auf meine Flirtkompetenzen kann ich mich schließlich nicht verlassen, so verkümmert und wenig trainiert, wie sie sind.

Ganz falsch scheine ich es aber nicht zu machen, denn Mike beugt sich zu mir vor. »Mit dem größten Vergnügen.«

Seine Lippen sind nur wenige Zentimeter von meinen entfernt. Überdeutlich spüre ich seine Hand in meiner. Seine Finger, die wie selbstverständlich über meine Handfläche streichen. Das Kribbeln, das sich von dort ausbreitet und durch meinen gesamten Körper wandert. Ich beiße mir auf die Lippen. Scheiße, wann hat ein Kerl schon mal so eine Anziehung auf mich ausgeübt?

Wie gern würde ich …

Doch Mike zieht sich wieder zurück und steht auf. Auffordernd schaut er mich an, als ich mich nicht rühre.

Ach ja, bewegen wäre jetzt angesagt.

Auch ich springe von meinem Hocker. Wir schnappen uns unsere Jacken und treten in die kühle Nacht hinaus.

Wie selbstverständlich nimmt Mike meine Hand. »Wo musst du hin?«

»Ich muss zum Sleep’n’Snow-Hostel.« Da der Urlaub in St. Moritz ziemlich teuer ist, haben wir uns in einer verhältnismäßig günstigen Unterkunft einquartiert.

Er nickt. »Praktisch, das ist nicht weit von meinem Hotel entfernt.«

»Du hast ein Hotel? Dachte, du wärst bei deinem Kumpel zu Besuch?«

Mike verzieht sein Gesicht. »Erfahrungswerte. Leanos Wohnung ist einfach zu klein für ihn, mich und einen One-Night-Stand. Und die Wände zu dünn.«

Ich muss lachen. »Na gut. Immerhin musst du dann meinetwegen nicht so einen großen Umweg machen.«

Ernst schaut er mich an. »Auch wenn es am anderen Ende der Stadt ist, würde ich den Umweg für dich machen.« Ein verschmitztes Grinsen breitet sich auf seinem Gesicht aus. »Schließlich bin ich ein Gentleman.«

»Das ist der einzige Grund?«

»Aber natürlich. Immerhin habe ich deiner Freundin ein Versprechen gegeben. Alles andere liegt bei dir.«

Bei mir. Ich schlucke und wieder wandert dieses Kribbeln durch meinen Körper. Ja, es ist definitiv aufregend. Und ich habe keine Ahnung, was für eine Entscheidung ich am Ende unseres Weges treffen werde.

Kaum haben wir die Bar hinter uns gelassen, empfängt uns die Stille der Berge, nur unterbrochen vom gelegentlichen Rascheln der Blätter und dem sanften Rauschen eines entfernten Baches.

Die Straßen sind ruhig, gepflastert und sauber, umgeben von charmanten Häusern und luxuriösen Hotels, deren Fenster in einem warmen Goldton leuchten. Mein Atem erzeugt kleine Dampfwölkchen in der klaren, kalten Luft. Als ob der Winter schon leise an die Tür klopft, während der Herbst noch seine Farben trägt. Die Nacht ist sternenklar und es ist unglaublich friedlich – nur vereinzelt kommen uns Passanten entgegen. Fast wirkt es, als wäre die ganze Stadt in einen tiefen, entspannten Schlaf versunken.

»Bist du schon öfter hier gewesen?«, frage ich Mike, als wir den Moritzersee passieren. Leichter Nebel schwebt über der Wasseroberfläche.

»Schon, ja. Ich besuche Leano regelmäßig.« Sanft streicht er über meine Hand. »Und ihr seid zum ersten Mal in der Schweiz?«

Ich nicke. »Allgemein habe ich noch nicht so viel Urlaub gemacht. Durch mein Studium und meinen Nebenjob.« Und den Sport. »Aber Mara und ich haben extra gespart.«

Er nickt. »Und wieso ausgerechnet die Schweiz?«

Weil man hier Skifahren kann und ich ab übermorgen die Elite-Wintersportakademie besuchen werde.

Nein, das werde ich nicht antworten, schließlich würde uns das unweigerlich auf das Thema Biathlon bringen. »Wir sind nicht nur in der Schweiz gewesen. Von Deutschland ging es über Österreich nach Italien und schließlich hierher. Morgen ist unser Urlaub allerdings zu Ende und dann heißt es wieder studieren.« Das ist nicht mal gelogen.

»Aha. Eine kleine Europareise also. Und welches Land hat dir am besten gefallen?«

»Puh, gute Frage. Ich finde, dass sie alle etwas haben.« Ein Lächeln schleicht sich auf meine Lippen. »Die Getränkepreise haben mir allerdings in Italien am besten gefallen.«

Er lacht. »Ja, das kann ich mir vorstellen.«

Viel zu schnell, und gleichzeitig nicht schnell genug, erreichen wir das Hostel. Licht scheint aus dem Inneren. Vor dem Haupteingang bleiben wir stehen. Langsam drehe ich mich zu Mike. Auf seinen Lippen liegt ein Lächeln. »Also dann – ich danke dir für den wundervollen Abend, Deen.«

Deen. Der Spitzname jagt mir einen angenehmen Schauer über den Rücken. Wie er ihn ausspricht, klingt so vertraut. So als würden wir uns schon ewig kennen und seltsamerweise fühlt es sich auch genauso an. »Dann heißt es jetzt Abschied nehmen?« Meine Stimme klingt rau.

»Wie ich sagte – das ist deine Entscheidung.«

Meine Entscheidung.

Kurz schließe ich die Augen. Stelle mir vor, wie es wäre, ihn mit auf mein Zimmer zu nehmen.

Da prallt ein Gedanke auf mich ein. Mit voller Wucht.

Ich reiße die Augen auf. »Mara hat unsere Chipkarte.«

Vollkommen irritiert blinzelt Mike mich an. »Was?«

»Mara hat unsere Chipkarte. Ich komme gar nicht in unser Zimmer rein.«

»Shit. Willst du … sie anrufen?«, fragt er zögerlich.

Kurz denke ich darüber nach. Will ich das? Sie stören? »Meinst du, sie geht an ihr Handy?«

Er zuckt mit den Schultern. »Du kennst sie besser als ich.«

»Die Frage ist wohl eher, ob sie es mitbekommt. Außerdem ist das auch ihr letzter Abend, bevor …« Seufzend greife ich nach dem Handy in meiner Tasche. »Andererseits bleibt mir wohl nichts anderes übrig.«

»Wir können auch zu mir gehen.«

Ich schaue von meinem Display auf in Mikes Gesicht.

»Also in mein Hotel.« Er kratzt sich am Kopf. »Es gibt ein kleines Sofa, da kann ich drauf schlafen … wenn du das willst.«

Mein Herzschlag beschleunigt sich. Will ich das?

Ja. Ich wollte es eben auch schon. Zwar weiß ich nicht, ob ich Mike wirklich mit in mein Zimmer gebeten hätte, aber ich wollte es und ich will es jetzt noch mehr. Vielleicht weil ich jetzt die ultimative Ausrede habe. »Ja … und nein.«

Er runzelt die Stirn.

Tief atme ich durch. Springe über meinen Schatten. Bin mutig und schalte meinen Kopf aus. »Ich will mit zu dir, aber ich will nicht, dass du auf dem Sofa schläfst.« Zögerlich gehe ich einen Schritt auf ihn zu. Und noch einen. Diesmal energisch. »Keiner von uns sollte auf dem Sofa schlafen.« Dicht vor ihm bleibe ich stehen. Hebe meinen Kopf. Schaue ihm in die Augen. In diese grauen Iriden, die in der sanften Hotelbeleuchtung dunkler erscheinen.

»Okay.« Sein Blick wird so intensiv, dass meine Knie weich werden. Er lässt eine Hand in meine Haare gleiten. Sanft zieht er mich an sich. Seine Lippen nur eine winzige Bewegung entfernt. Kurz hält er inne, so als würde er darauf warten, ob ich es wirklich ernst meine. Sein Atem streift über meine Wange. Alles in mir kribbelt.

Dann legt er seine Lippen auf meine. Jeder Zweifel, den ich gehabt habe, verpufft. Ob das hier richtig ist, spielt keine Rolle. Dass es eigentlich nicht meine Art ist, spielt keine Rolle. Dass es nur eine einmalige Sache sein könnte, spielt keine Rolle. Was zählt, ist Mike. Seine Lippen, sanft und warm. Ich öffne den Mund und stöhne leise, als seine Zunge meine berührt. Zurückhaltung weicht Leidenschaft. Er zieht mich an sich und ich intensiviere den Kuss.

»Lass uns von hier verschwinden«, haucht Mike an meinen Lippen, als er sich gerade so weit von mir löst, um sprechen zu können.

Nichts lieber als das.

4. Kapitel Mike

»Tadaa.« Ich öffne mein Hotelzimmer und präsentiere mit einer ausschweifenden Geste das Innere.

Kurz lässt Deen ihren Blick umherschweifen. »Nett. Und bei Weitem luxuriöser als unser Zimmer.«

Nicht verwunderlich. Wobei das Hostel in Ordnung ist. Ich habe es selbst das ein oder andere Mal bezogen, als ich hier gewesen bin. Früher, als ich noch …

Nein, daran will ich nicht denken.

Heute ist eine besondere Nacht, mit einer besonderen Frau. Heute Nacht ist kein Platz für düstere Gedanken. Die werden morgen von ganz allein zurückkommen. Heute Nacht ist es Zeit für eine Auszeit.

Lächelnd ziehe ich Deen an mich. »Und, hast du es dir anders überlegt?«

Sie schiebt ihre Hände in meinen Nacken und ich lege meine an ihre Taille. Herausfordernd funkelt sie mich an und neigt ihren Kopf zur Seite. »Hmm … ich weiß nicht. Kannst du mich noch mal küssen? Hab schon fast vergessen, wie sich das anfühlt.«

Ich ziehe meine Augenbrauen nach oben. »Wie bitte? Meine Küsse solltest du besser nicht vergessen.« Dann gebe ich ihr eine weitere Kostprobe. Ihre Lippen sind so weich und sie riecht so verdammt gut. Aydeen geht mir unter die Haut und ich habe keine Ahnung wieso. Doch ich will auch nicht drüber nachdenken, ich will den Moment genießen. Mit ihr. Ihr Mund öffnet sich und meine Zunge berührt ihre. Scheiße, sie kann wirklich küssen. Nicht zu aufdringlich, nicht zu zurückhaltend – einfach perfekt.

Mein Körper reagiert augenblicklich auf sie. Ich kann es kaum noch abwarten, sie zu spüren, ohne diese lästigen Klamotten zwischen uns. Ohne den Kuss zu unterbrechen, öffne ich ihre Jacke und streife sie ihr von den Schultern. Achtlos fällt sie zu Boden. Es stört weder Deen noch mich. Meine folgt.

Noch immer zu viele Klamotten. Ich lasse meine Hände unter ihr Oberteil gleiten. Sie erschaudert unter meiner Berührung. Leise stöhnt sie in meinem Mund. Das turnt mich noch mehr. Ich streiche über ihre weiche Haut. Höher. In Richtung ihrer Brüste. Sie hebt die Arme – weg mit dem überflüssigen Kleidungsstück. Kurz löse ich mich von ihr. Unter ihrem BH zeichnen sich perfekt geformte Brüste ab und eine Welle der Lust durchströmt mich. Ich kann es gar nicht erwarten, sie zu berühren, sie zu schmecken.

»Gleiches Recht für alle«, sagt Deen mit einem verschmitzten Grinsen und lässt ihre Hand unter mein T-Shirt gleiten. Ihre Fingerspitzen streichen über meine Haut. Federleicht und dennoch könnte die Berührung sich nicht intensiver anfühlen. In einer flüssigen Bewegung streife ich mir das T-Shirt über den Kopf.

Sie betrachtet meinen Oberkörper. Lässt zuerst ihre Finger über ihn wandern und schließlich ihre Lippen. Nun bin ich derjenige, der erbebt. Keine Ahnung, wie sie das macht, doch ich weiß jetzt schon, dass ich davon nicht genug kriegen kann.

Ihre Lippen finden zurück zu meinen. Pure Leidenschaft überwältigt mich. Ich ziehe sie an mich, intensiviere den Kuss, öffne den kleinen Reißverschluss an ihrem Rock. Er fällt zu Boden und ich lasse meine Hand in ihre Leggins gleiten. Hauchzart fahre ich über ihren Slip. Sie löst ihre Lippen von meinen, legt ihren Kopf in den Nacken und stöhnt in mein Ohr. Das gibt mir fast den Rest.

Ich schiebe sie weiter rückwärts in Richtung Bett.

Ihre Finger wandern zu meiner Jeans, öffnen den Knopf. Die Hose gleitet zu Boden und meine Härte streckt sich ihr entgegen. Anscheinend kann sie es genauso wenig abwarten wie ich, denn sie zieht mir direkt die Boxershorts aus.

»Gleiches Recht für alle«, wiederhole ich ihre Worte und streife ihr die Leggins ab. Etwas löse ich mich von ihr und betrachte sie. In ihrer schwarzen Spitzenunterwäsche sieht sie noch heißer aus. »Wobei … du hast noch mehr an als ich.«

»Na ja, das kannst du wohl schnell ändern.«

Und ob ich das kann. Aber zuerst lasse ich meine Finger in ihren BH gleiten, umspiele ihre Nippel mit meinen Fingerspitzen. O ja, ihre Brüste fühlen sich genauso perfekt an, wie sie aussehen. Deen wölbt den Rücken und streckt sich meiner Berührung entgegen. Ich löse meine Lippen von ihren, lasse sie den Hals hinabgleiten. Weiter in Richtung meiner Finger, bis sie sie ablösen. Meine Lippen, meine Zunge an ihrer Brust scheinen ihre Lust nur weiter anzufeuern. Genau wie meine. Keuchend gräbt sie ihre Finger in meine Haare. Ich ziehe sie noch mehr an mich. Scheiße, das ist der Hammer.

»Du bist der Wahnsinn«, murmle ich und lasse meine Lippen weitergleiten. »Ich will alles von dir schmecken.«

Ich schiebe Deen auf das Bett. Sie lässt sich fallen, doch ich gebe die Erkundungstour meiner Lippen nicht auf. Ich lasse sie weiterwandern, ihren Bauch entlang. Weiter in Richtung ihres Slips. Mit den Fingern ziehe ich das lästige Kleidungsstück herunter. Kurz halte ich inne, schaue auf und werfe ihr einen fragenden Blick zu. In ihren Augen spiegelt sich die gleiche Lust wider, die ich empfinde. Ein kleines Nicken, mehr brauche ich nicht. Meine Lippen finden ihre Mitte. Sie schmeckt einfach herrlich.

Wieder ein Stöhnen. Mit den Fingern krallt sie sich in die Bettdecke. Meine Zunge und meine Lippen spielen mit ihr. Ich will, dass sie es genießt. Ich will, dass sie kommt. Also lasse ich nicht nach, sondern treibe sie immer weiter in Richtung Höhepunkt. Und dann bäumt sie sich auf. Wie eine Naturgewalt. Bebende Wellen gehen durch ihren Körper.

»Mike!«, stöhnt sie.

Meine eigene Lust steigert sich ins Unermessliche. Kurz warte ich, bis sie nicht mehr bebt, dann gebe ich ihr einen sanften Kuss auf den Oberschenkel und arbeite mich mit einem Lächeln wieder nach oben. In ihren Augen liegt ein Strahlen, doch ihre Lust ist noch nicht erloschen. Im Gegenteil, sie scheint genauso grenzenlos zu sein wie meine.

»Ich will dich in mir spüren«, keucht sie.

Das muss sie mir nicht zweimal sagen. Ich greife zu dem Nachttisch, öffne die obere Schublade und hole ein Kondom hervor. Grinsend betrachtet sie es. »Immer vorbereitet, was?«

»Glaub mir, auf dich bin ich ganz sicher nicht vorbereitet gewesen.«

»Ist das etwas Gutes?«

»Etwas sehr Gutes.« Noch einmal küsse ich sie, bevor ich das Kondom überstreife.

Sanft beuge ich mich über sie. Kurz halte ich inne, will sie fragen, ob es wirklich okay ist, da zieht sie mich schon an sich, als könnte sie es selbst nicht abwarten. Sanft dringe ich in sie ein. Fülle sie aus. Langsam bewege ich mich. Ich will diesen Moment in vollen Zügen auskosten. Will sie in vollen Zügen auskosten. Es fühlt sich so gut an. Viel zu gut. Lange halte ich es nicht aus, denn Deen bringt mich um den Verstand und meine Bewegungen werden immer schneller. Wie selbstverständlich finden wir unsern Rhythmus. Nicht so, als wäre das unser erster Sex, sondern so, als hätten wir nie etwas anderes gemacht.

»Mike«, stöhnt sie und das gibt mir den Rest. Noch nie hat es sich so gut angehört, meinen Namen zu hören, wie aus ihrem Mund.

Wir werden schneller. Und schneller. Treiben uns gegenseitig den Höhepunkt entgegen. Und dann lassen wir los. Zum zweiten Mal bebt Deen und ich explodiere mit ihr – in einer Intensität, die ich so noch nie erlebt habe.

Und dann ist es vorbei. Keuchend löse ich mich von ihr, lege mich neben sie und schließe sie in meine Arme, warte, bis die letzten Wellen über uns hinweggefegt sind. Warte, bis unsere erhitzten Körper sich beruhigen. Doch auch dann bin ich nicht bereit, sie loszulassen. Federleicht streiche ich über ihren Rücken, genieße das Gefühl ihrer nackten Haut auf meiner. Sanft gebe ich ihr einen Kuss auf den Kopf. »Das war der Wahnsinn.«

»Das war es.« Sie hebt den Kopf und ihre Augen funkeln mich an. »Und wir haben noch die ganze Nacht vor uns.«

Erstaunt schaue ich so an. »Ist das so?«

»Etwa nicht?«

»Ich muss zugeben, dass du mich überraschst. Irgendwie dachte ich, dass du schüchtern bist.«

Sie zuckt mit den Schultern. »Bin ich eigentlich auch. Aber vielleicht habe ich ja beschlossen, dass ich das heute Nacht vergesse.«

Meine Mundwinkel wandern in die Höhe. »Dabei bin ich dir gern behilflich.« Ich lege meine Lippen auf ihre. Bereit für mehr. Bereit für sie. Deen. Ein Teil von mir wünscht sich, dass diese Nacht niemals enden wird.

5. Kapitel Aydeen

Sonnenstrahlen kitzeln mein Gesicht und wecken mich. Ich schlage die Augen auf und brauche einen ganzen Moment, um mich zu orientieren.

Ein fremdes Zimmer … Klamotten, die sich auf dem Boden verteilen … Arme, die mich umschlungen halten. Nackte Haut auf meiner. Tiefe, gleichmäßige Atemzüge neben mir.

Ich reiße die Augen auf.

Mike. Ich bin noch immer bei Mike. Mein Kopf schmerzt und mir ist etwas flau im Magen, vermutlich die Nachwirkungen des Alkohols. Außerdem fühle ich mich wie erschlagen. Kein Wunder, viel geschlafen haben wir nicht. Vorsichtig schaue ich mich um. An der Wand hängt eine Uhr – neun Uhr morgens.

Shit.

In einer Stunde müssen Mara und ich am Bahnhof sein, weil dann unser Zug nach Zermatt fährt. Also wird es höchste Zeit. Vorsichtig und mit angehaltenem Atem schäle ich mich aus Mikes Armen. Er rührt sich nicht.

Ich setze mich auf die Bettkante und drehe mich noch mal zu ihm um. Ein friedlicher Ausdruck liegt auf seinem Gesicht. Seine Haare sind zerzaust und gerade so kann ich mich beherrschen, sie ihm aus der Stirn zu streichen. Wer weiß, ob er dann aufwacht.

Sollte ich ihn vielleicht aufwecken? Unschlüssig verharre ich. Mich aus seinem Zimmer zu stehlen und einfach so zu verschwinden kommt mir falsch vor. Ihn zu wecken aber genauso. Was soll das auch bringen? Wir hatten die Nacht und wussten beide, dass es nicht mehr sein wird. Ich werde ihn nie wiedersehen. Daran wird auch eine Verabschiedung nichts ändern.

Unverhofft wird mein Herz schwer. Zu gern würde ich bleiben. Gemeinsam frühstücken und dann schauen, was der Tag für uns bereithält. Doch das geht nicht. Also muss ich unsere gemeinsame Nacht als das in Erinnerung behalten, was es war: der beste One-Night-Stand, den ich jemals hatte – und sehr wahrscheinlich haben werde.

Vorsichtig stehe ich auf, schleiche durch das Zimmer und ziehe meine Klamotten an. Mike schläft wie ein Stein – beneidenswert. Schließlich ziehe ich mir die Jacke über und greife die Handtasche. An der Tür halte ich nochmal inne und drehe mich zu Mike. Ein letztes Mal betrachte ich sein schlafendes Gesicht. Seinen Oberkörper, der halb frei liegt, weil die Decke runtergerutscht ist.

Er ist perfekt.

Noch immer meine ich seine Berührung auf meiner Haut zu spüren und mein Körper steht sofort wieder in Flammen. Der Drang zurückzugehen ist kaum im Zaum zu halten. Lediglich der Vernunft verdanke ich, dass ich die Türklinke hinunterdrücke und meinen Blick von ihm losreiße.

Hastig verlasse ich das Zimmer – als hätte ich Angst, dass ich es ansonsten nicht mehr könnte.

***