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Als Mary sich für die Existenz als vollwertige Vampirin entscheidet, bleibt von ihrem alten Leben nur ein Scherbenhaufen übrig. Doch obwohl sie alles hinter sich lässt, holen die Schatten ihrer Vergangenheit sie immer wieder ein. Zudem begegnet sie dem rätselhaften Vampir Samuel, der seine Menschlichkeit abgelegt hat. Trotz seiner Hilfe im Kampf gegen die Bedrohung durch die Erzvampire bleiben Samuels Motive im Verborgenen. Mary weiß, dass sie ihm nicht trauen sollte, doch die unglaubliche Anziehung zwischen ihnen macht es ihr schwer, Abstand zu wahren. Und als Mary unerwartet auf die Pfade ihres Schöpfers gerät, ist das Chaos perfekt und alles, was sie zu wissen glaubt, fällt wie ein Kartenhaus in sich zusammen.
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Veröffentlichungsjahr: 2025
HYBRID VERLAG
Vollständige Taschenbuchausgabe
03/2025
SCHATTEN DER UNSTERBLICHKEIT
Marys Spin-Off
© by Emilia Laforge
© by Hybrid Verlag
Westring 1
66424 Homburg
Umschlaggestaltung: © 2025 by Magical Cover / Giuseppa Lo Coco
Lektorat: Annika Neuhaus
Korrektorat: Rudolph Strohmeyer
Buchsatz: Nadine Engel
Autorenfoto: M Fotomanufaktur, Steinhagen
ISBN 978-3-96741-292-5
www.hybridverlag.de
www.hybridverlagshop.de
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Bibliografische Informationen der Deutschen Nationalbibliothek: Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://dnb.de abrufbar.
Printed in Germany
Emilia Laforge
Liebe Leser:innen,
ich freue mich, dass ihr euch für dieses Buch entschieden habt. Solltet ihr das erste Mal etwas aus dem Universum von Melodie der Unsterblichkeit lesen, findet ihr am Ende ein Glossar in dem die Unsterblichen Wesen und ihre Besonderheiten vorgestellt werden.
Ich wünsche euch ein tolles Leseerlebnis!
Donner grollte. Seine klatschnasse Kleidung hing unförmig an ihm herunter und schränkte seine Bewegungsfreiheit ein. Von solchen Belanglosigkeiten ließ Nathan sich allerdings nicht aufhalten. Menschenleben standen auf dem Spiel.
»Sie sind im ersten Stock«, rief Drew.
Nathan zögerte keine Sekunde und eilte die Treppe des Einfamilienhauses hinauf. Der Halbvampir folgte ihm dicht auf den Fersen.
Ein nettes, sauberes Haus in der Vorstadt von Sleaford. Nichts Besonderes und Nathan verschwendete keine Zeit, die Details aufzunehmen.
Oben angekommen wies ihm das schmatzende Geräusch der seelenlosen Vampire, die sich am Blut der unschuldigen Menschen labten, den Weg. Hoffentlich kamen sie rechtzeitig, um die Opfer zu retten.
Nathan trat die Tür des Zimmers ein und stürmte hinein. Ein Blitz zerriss den Nachthimmel und erhellte den Raum. Für einen Moment schien die Welt stillzustehen. Der Regen peitschte gegen das Fenster und das Geräusch vermischte sich mit dem Schmatzen und Stöhnen der beiden wilden Vampire, die über zwei Menschen hockten. Einem Mann und einer Frau. Ihr Blut besudelte den Teppich, auf dem sie lagen. Ihre Kleidung war zerfetzt und die Körper aufgeschlitzt. In den aufgerissenen Augen fehlte jedes Leben und doch zeichnete sich der Schrecken, den sie im Moment des Todes erlebt hatten, darin ab.
Die beiden Vampire hoben die Köpfe und fauchten den Jägern entgegen. Ihr Gesicht, die zerfledderte Kleidung und Hände, die mehr Krallen glichen, waren blutverschmiert. Im Mundwinkel eines Vampirs hing ein Stück Darm. Nathan drehte sich der Magen um. Egal, wie oft er so etwas sah, er würde sich wohl nie daran gewöhnen.
Tiefer Donner grollte, als wäre er ein Startschuss, der die Zeit wieder normal laufen ließ und den Kampf freigab.
Gleichzeitig stürmten er und Drew los. Die Vampire sprangen auf die Beine und stürzten sich fauchend auf die Unterbrechung.
Nathan wich der Kralle eines der Wilden aus und kassierte einen Tritt gegen den Magen. Den Impuls, sich zusammenzukrümmen, unterdrückte er und drehte sich stattdessen. Er hob seinen Pflock, zielte auf das Herz des wilden Vampirs und rammte ihn hinein.
Erneut leuchtete ein Blitz auf und der Donner vermischte sich mit dem gequälten Schrei des seelenlosen Monsters, als es zu Staub zerfiel.
Nathan stürzte sich auf den zweiten Wilden. Er hockte über Drew und hob seine Krallen, um den Halbvampir zu zerfetzen. Unbarmherzig bohrte Nathan den Pflock durch seinen Rücken – direkt ins Herz.
Auch von diesem Wilden blieb nichts weiter übrig als ein Haufen Asche.
»Danke.« Drew knirschte mit seinen Zähnen. Über seinem rechten Auge klaffte ein Schnitt, der sich jedoch bereits schloss.
Nathan hielt ihm die Hand hin. Drew verzog das Gesicht, ergriff sie jedoch und stand auf.
Erst jetzt schaute sich Nathan genauer in dem Zimmer um und runzelte die Stirn. Ein Kinderbettchen voller Kuscheltiere, eine Spielecke, eine bunte Tapete.
Scheiße, sie standen keineswegs im Schlafzimmer der Eltern, sondern ...
Drew deutete auf den Kleiderschrank rechts von ihm.
Wie ferngesteuert ging Nathan auf diesen zu. Ein leises Wimmern drang zu ihm.
Er legte seine Hand auf den Knauf, öffnete die Tür und hielt den Atem an.
Ganz in der Ecke, zusammengekauert saß sie. Unter den Klamotten ihrer Eltern, die akkurat an einer Kleiderstange hingen. Ein blondes Mädchen, das Gesicht in den Knien vergraben. Leise, kaum merklich weinte sie. Jeder einzelne Schluchzer zerriss ihm das Herz. Dieses kleine Ding besaß keine Eltern mehr. Der Rest von ihnen lag zerfetzt vor ihr auf dem Boden. Sie hatte alles miterlebt – und war von jetzt an vollkommen auf sich alleine gestellt.
Nathan schluckte gegen den Kloß in seinem Hals an und kniete sich zu ihr. »Hey.« Wirklich einfallsreich, doch was sollte er sagen?
Die Kleine reagierte nicht.
»Ich werde dich jetzt hier rausholen, ist das okay?«
Nun hob sie doch den Kopf. Ihr Gesicht komplett verquollen und der Rotz lief ihr aus der Nase. Er schätzte sie auf etwa sechs Jahre. Der Blick ihrer blauen Augen traf ihn vollkommen unerwartet. In ihnen lagen Traurigkeit und grenzenloses Leid. Sie weckten sein Bedürfnis, das Mädchen zu beschützen, und wenn es vor der ganzen Welt sein musste.
Ein Blitz zerriss die Dunkelheit und Donner grollte. Doch diesmal war es kein ohrenbetäubender Knall, sondern ein leises Rumpeln – fast schon friedlich. Eine Verheißung auf das gute Wetter, das nach dem Unwetter folgen würde.
Das Mädchen nickte.
Vorsichtig streckte er seine Hände nach ihr aus, hob sie sanft aus dem Schrank heraus und nahm sie auf den Arm. Als wäre es das Selbstverständlichste auf der Welt, schmiegte sie sich an ihn.
»Mach die Augen zu«, flüsterte er und strich ihr über den Kopf.
»Mama? Papa?«
Ihre dünne Stimme, begleitet von Schluchzern, ließ seine Kehle eng werden. Antworten konnte er nicht. Er schüttelte nur den Kopf und drückte ihren an sich.
Ihr Körper bebte und die Schluchzer schienen kein Ende zu nehmen. Wie in Trance verließ er das Schlafzimmer und ging die Treppe hinunter.
Er musste ihr die Erinnerungen nehmen. Allerdings war das in ihrem Alter weitaus dramatischer als bei Erwachsenen. Die Kraft der Inferni funktionierte bei Kindern nicht optimal. Zwar vergaßen sie das Geschehene, doch ihr Unterbewusstsein tat es nicht. Ihr Leben lang würde sie unter Albträumen leiden - immer geplagt mit Ängsten und Bildern, von denen sie nicht wusste, woher sie kamen und die sie nicht verarbeiten konnte.
Unwillkürlich verstärkte Nathan den Griff um das kleine Mädchen, die sich an ihn klammerte wie an einem Rettungsring.
Klare Nachtluft strömte durch seine Lungen, als er das Haus verließ.
Er löste sich etwas von ihr, schaute ihr in die Augen. Das Leid darin zerriss ihm das Herz. Die Gewissheit, dass sie das Trauma niemals verarbeiten konnte.
Nein, das konnte er ihr nicht antun. In diesem Moment traf er eine Entscheidung, die gegen alle ihre Regeln verstieß und die sich dennoch richtiger nicht anfühlen konnte: Er würde sie beschützen und ihr helfen, das Ganze zu verarbeiten. »Wie heißt du?«
»Mary.«
Mary
»Auf unsere Freiheit!« Ich hielt mein Glas in die Höhe.
Meine fünf besten Freunde grinsten breit, stimmten in den Trinkspruch ein und stießen mit mir an.
In einem Zug leerten wir unsere Shots und stellten unsere Gläser ab.
»Noch eine Runde!«, rief John dem Typen hinter der Theke zu, der direkt nach der Tequilaflasche griff.
Zu gut erinnerte ich mich daran, dass wir vor einem Jahr dort gewesen waren. Eine Tradition an meiner Schule – die Vorabschlussstufe übernahm den Thekendienst bei den Abschlussfeiern. Damals hatte ich das Ende meiner eigenen Schulzeit herbeigesehnt und nun war es endlich so weit. Der Sommer meines Lebens stand bevor.
Ich fiel John um den Hals. »Morgen geht es looooooos!«
Die zahlreichen Tequilas ließen die Welt drehen und selbst meinen Ohren klang meine Aussprache nicht mehr ganz klar, doch das war egal – ich hatte mich noch nie wohler gefühlt. Freier.
John lachte, umschlang mich mit seinen Armen und küsste mich. Wieder drehte sich die Welt, doch diesmal nicht vom Alkohol. Seine Hände wanderten an meiner Taille hinab und ein Kribbeln breitete sich in mir aus. Für einen Moment vergaß ich, wo wir uns befanden, und meine Hände entwickelten ein Eigenleben, als sie sich unter sein T-Shirt schoben. Ich wollte mehr als diesen Kuss, wollte ihn.
»Hey, ihr Turteltauben.« Unsanft unterbrach Sarah den Moment.
Auch wenn ich meine beste Freundin liebte – jetzt gerade hätte ich sie am liebsten verjagt. Mit erhitzten Wangen löste ich mich von John.
Sein Atem ging schneller und er grinste mich an: »Also von mir aus können wir auch einen Abflug machen.«
»Nichts da!« Bradley schob sich durch die Menge und verteilte die nächste Runde Shots. »Ihr habt die nächsten drei Monate genug Zeit für euch. Der Abend gehört uns!«
»Na gut, du hast ja Recht!« Ich hielt mein Glas in die Höhe, stieß mit den anderen an, kippte den Alkohol meine Kehle hinab und dann grinste ich in die Runde. »Aber dann gehen wir jetzt auch zappeln!«
Wie erwartet verzog Bradley sein Gesicht.
»Alle!« Ich packte den Rotschopf am Arm und zog ihn hinter mir her.
Mitten auf der Tanzfläche blieb ich stehen und drehte mich wieder zu meinen Freunden um. Der Tanzmuffel wirkte zwar nicht sonderlich glücklich, doch er fügte sich seinem Schicksal und bewegte sich, wenn auch etwas unbeholfen.
Bei Sarah, Karen, Liam und natürlich John sah das Ganze wesentlich geschmeidiger aus. Wärme überflutete mich. Seit der ersten Klasse war ich mit den Knallköpfen befreundet. Immer waren wir füreinander dagewesen, hatten uns gegenseitig Halt gegeben. Mein Blick blieb an John hängen. Mittlerweile bedeutete er mir so viel mehr. So lange hatten wir gebraucht, um unsere Gefühle zu verstehen, zu begreifen, dass uns mehr verband als nur Freundschaft. Aber wir hatten es geschafft und auch unsere Freunde hatten es akzeptiert und sich daran gewöhnt, dass es ein Pärchen in unserem Freundeskreis gab. Und nun standen wir hier. Gemeinsam an unserem Schulabschluss.
Ich werde sie vermissen.
Umso mehr genoss ich jeden Moment.
Wir tanzten zu den rockigen Beats, fielen einander in die Arme und grölten die Texte mit. Unser Leben lag vor uns, die ganze Welt stand uns offen. Und morgen zog ich hinaus, um sie gemeinsam mit dem Menschen, den ich liebte, zu entdecken. Und auch, wenn unsere Freunde uns nicht begleiteten, wären sie doch irgendwie dabei. Sie würden immer dabei sein.
Nach dem fünften Song forderten Bier und Tequila allerdings ihren Tribut und auch wenn mir die Unterbrechung absolut ungelegen kam, beugte ich mich zu John. »Ich geh mal kurz aufs Klo.«
Der nickte und ich schlängelte mich zwischen den Menschen hindurch.
*
Erleichtert verließ ich die kleine Kabine und trat auf das Waschbecken zu.
Wie seltsam leise es hier ist.
Die Musik drang nur gedämpft zu mir, doch ich vermisste die für eine Mädchentoilette typischen Geräusche. Kein Gekicher, kein Gerede. War hier niemand außer ich?
Schulterzuckend schaute ich in den Spiegel und zuckte zusammen. Hinter mir stand jemand! In Schwarz gehüllt, dunkle Haare und ganz eindeutig ein Mann.
Ich runzelte die Stirn. Wie seltsam, dass ich ihn nicht reinkommen gehört hatte. »Du bist im Mädchenklo. Eine Tür weiter bist du richtig.«
Der Kerl lächelte, aber irgendetwas stimmte damit nicht. Es wirkte gar nicht freundlich, sondern kalt und falsch. Außerdem sah der Typ ziemlich blass aus. Zudem kannte ich ihn nicht und er sah auch nicht aus, als wäre er in meinem Alter. Wobei ich auch nicht recht schätzen konnte, wie alt der Kerl sein mochte. Vielleicht fünfundzwanzig? Dreißig? Vierzig?
»Hallo, Mary.«
Seine tiefe Stimme jagte mir einen Schauer über den Rücken und ich verspürte den Drang wegzurennen. Den unterdrückte ich jedoch. Ganz sicher würde ich nicht vor irgendeinem dahergelaufenen Freak zurückweichen. »Woher kennst du meinen Namen?«
»Ich kenne nicht nur deinen Namen, ich weiß, wer du bist.« Seine Mundwinkel zogen sich ein Stück weiter nach oben, was jedoch seinem Gesicht noch immer keine Spur von Freundlichkeit verlieh. »Und ich denke, dass du auch weißt, wer ich bin«, er deutete eine Verbeugung an, »gestatten: Constantin.«
Schlagartig riss ich die Augen auf und schnellte herum. »Der Constantin?«
»Der Constantin.«
»Was willst du von mir?« Meine Hände umklammerten das Waschbecken hinter mir.
Er kam auf mich zu. Bei jedem Schritt fiel die pseudofreundliche Maske von dem Vampir ab und stattdessen legte sich pure Boshaftigkeit in seine Augen. »Dein werter Bruder hat mir meine Anny genommen.«
Ich schlucke. Ja, ich wusste, dass es Alec gelungen war, die Gefährtin seines Erzfeindes zu töten. Auch wenn er und Nathan weitestgehend versuchten, mich von der Welt der Unsterblichen fernzuhalten, sickerten solche Dinge zu mir durch.
Direkt vor mir blieb Constantin stehen.
Ich muss hier weg!
Mein Kopf ratterte, fieberhaft suchte ich nach einem Ausweg, doch den gab es nicht. Selbst wenn ich um Hilfe schriee, brächte das rein gar nichts – im Gegenteil, es würde Constantin nur dazu verleiten, unschuldige Menschen abzuschlachten.
»Also willst du jetzt mich töten?« Angst schoss durch meine Venen, ließ mich schlottern. Mein Blick huschte zur Tür – zwecklos. Niemals könnte ich es dorthin schaffen. Gegen einen Vampir hatte ich keine Chance.
»Aber nicht doch.« Leise lachte Constantin. Er hob seine Hand und strich mir über die Wange. Seine schwarzen, seelenlosen Augen hielten mich mit seinem Blick fest.
Diese Augen … ich sollte den Blick abwenden. Doch ich konnte es nicht. Stocksteif verharrte ich, ließ die Berührung über mich ergehen, auch wenn sich alles in mir vor Abwehr zusammenzog.
»Du bist so hübsch. Und so stark. Zweifelsohne außergewöhnlich.« Seine Hände wanderten weiter, meinen Hals entlang. Federleicht, fast zärtlich, und doch lag pure Kälte in seiner Berührung.
Er strich meine Haare zurück und beugte sich zu mir vor. Immer weiter. »Und du wirst eine noch außergewöhnlichere Unsterbliche sein.«
Nein! Ich riss die Augen auf. Alles in mir schrie.
Wehr dich, verdammt!
Mit voller Wucht ließ ich mein Knie gegen Constantins Weichteile krachen. Gleichzeitig duckte ich mich. Wollte so seinem Griff entkommen.
Der Vampir packte mich am Ellbogen, zog mich wieder hoch. »Netter Versuch, aber das funktioniert bei uns nicht.«
Nein, verdammt!
In meiner Verzweiflung zappelte ich, versuchte, mich irgendwie loszureißen. Doch Constantin hielt mich fest. Ungerührt, so als bereite ihm das keinerlei Mühe. So, als wäre ich nur eine unbedeutende Fliege. Und genau das war ich vermutlich auch für ihn. Schwach, unbedeutend. Mein Widerstand war lächerlich und zum Scheitern verurteilt. Schließlich war ich nur ein schwacher Mensch.
Noch.
Die Erkenntnis stürzte mich in ein bodenloses Loch. Constantin wollte mich zu einer Unsterblichen machen. Einem Wesen, dass ich niemals sein wollte. Dass ich mehr als alles andere hasste.
»Dein Gezappel geht mir auf die Nerven, also halt jetzt still!« Er packte mich an den Oberarmen, wirbelte mich durch die Luft.
Ich flog und knallte gegen die Wand.
Mein Kopf dröhnte und für einen Moment verschwamm die Welt.
»Viel besser.«
Seine Stimme war das Letzte, was ich hörte, als Constantin seine Zähne in meinen Hals schlug.
Ich verharrte in meiner Bewegung. Die Hand an dem Schlüssel, der im Schloss der Haustür zur Villa steckte. Meinem Zuhause. Ich musste ihn nur umdrehen und reingehen. Doch dann musste ich Nathan und Alec erzählen, was geschehen war. Das konnte ich nicht. Wollte ich nicht. Ab dem Moment, wo die beiden Bescheid wüssten, konnte ich es nicht mehr beiseiteschieben. Dann wurde es Realität. Mein Leben würde vorbei sein.
Ich werde ein Vampir. Der Gedanke fühlte sich falsch an und dennoch entsprach er der Realität. Immer wieder spulten sich die Ereignisse in meinem Kopf ab: Constantin, der mein Blut getrunken hatte. Constantin, der sein Handgelenk an meinen Mund hielt. Ich wollte nicht trinken, doch ich war Gast in meinem Körper gewesen. Das Unmögliche hatte ich nicht verhindern können. Danach war Constantin verschwunden und ich aus der Toilette herausgestolpert. Nur ein Gedanke im Kopf: Weg. Also war ich von der Party geflüchtet und nun hier gelandet. Nichts und niemand konnte etwas an den Geschehnissen ändern. Nichts konnte die Verwandlung aufhalten. Ich musste mich mit meinem Schicksal auseinandersetzen.
Doch das wollte ich nicht. Ich wollte die Augen schließen, morgen aufwachen und zu meiner Europatour mit John aufbrechen. Ich wollte das Leben genießen und nicht zu einer untoten Existenz als Unsterbliche verdammt sein.
Unglücklicherweise interessierte es niemanden, was ich wollte. Es hatte auch niemanden interessiert, was meine Eltern gewollt hatten oder Alecs.
»Mary?«
Eine Hand legte sich auf meine Schultern. Unendlich langsam drehte ich mich um. Sie gehörte zu Nathan, neben dem Alec stand. Blut klebte an ihren Pflöcken und ihrer Kleidung. Vampirblut. Das Blut, das nun auch durch meine Adern floss und mich verwandelte. Schlimmer noch. Nicht irgendein Vampirblut. Sondern Constantins.
Nathans Augen weiteten sich und Sorge zeichnete sich auf seinem Gesicht ab. »Was ist passiert?«
»Ich ...«, stockend hielt ich inne. Wie sollte ich das Geschehene in Worte fassen? Gar nicht – es gab nichts weiter zu sagen, als die pure, nackte Wahrheit. Es gab keine Beschönigungen, keine nette Verpackung. »... werde ein Vampir.«
»Was?« Nathan riss die Augen auf und sein Blick wanderte zu meinem Hals.
Alec schob ihn beiseite und stellte sich vor mich. »Hör auf, uns zu verarschen, das ist nicht witzig!«
Seine Augen flackerten voller Unglaube und Angst. Mein Ziehbruder hasste Vampire mindestens genauso sehr wie ich. Kein Wunder – wir teilten das gleiche Schicksal: Monster hatten uns unsere Eltern genommen. Sie abgeschlachtet.
Tränen schossen mir in die Augen. Und nun wurde ihm ein geliebter Mensch von Monstern genommen. Zwar war ich nicht tot, doch vielleicht wäre das besser gewesen. Wie sollte meine Familie mich jemals als Vampir akzeptieren? Wenn ich das selbst genauso wenig konnte.
Kein Wort brachte ich heraus.
»Wir gehen erstmal rein und dann erzählst du uns, was passiert ist.« Nathan öffnete die Haustür. Er klang ruhig, doch ich hörte das unterschwellige Zittern in seiner Stimme ganz genau.
Als wäre ich auf Autopilot folgte ich ihm ins Wohnzimmer, ließ mich auf das Sofa fallen und starrte ins Leere. Mein Kopf fühlte sich leer an. Genau wie der Rest von mir.
Alecs Blick brannte auf meiner Haut. Ignorieren konnte ich ihn nicht, doch ich konnte nichts tun, um ihm zu helfen.
»Mary?« Nathans sanfte Stimme drang durch die Leere.
»Constantin hat mich verwandelt.« Die Worte klangen monoton, emotionslos - wie der Rest von mir. »Auf der Feier, als ich auf dem Klo war.«
»Constantin?«, fragte Nathan. »Woher weißt du das?«
»Er hat sich mir vorgestellt. Und gesagt, dass er mich verwandelt, weil Alec seine Anny getötet hat.«
»Dieser Bastard!« Alec sprang auf. »Ich werde diese Ratte finden und vernichten!«
Er wollte hinausstürmen, doch Nathan packte ihn am Arm. »Genau das will er doch! Dass du einen Fehler machst und ihm, getrieben von blindem Zorn, direkt in die Falle läufst.« Nathan deutete auf mich. »Aber damit hilfst du ihr auch nicht.«
Stille. Alecs Hände ballten sich zu Fäusten. Seine Kiefermuskeln mahlten und seine Arme zuckten vor Anspannung. Wie ein Vulkan, der kurz vor dem Ausbruch stand. Unwillkürlich hielt ich den Atem an.
»Verdammte Scheiße!« Mit voller Wucht schlug Alec gegen die Wohnzimmerwand. Putz bröckelte heraus.
Ein einziger Gedanke drängte sich in meinen Kopf. Schob sich zwischen das Chaos in meinem Inneren durch und manifestierte sich. Ich wusste, was ich tun musste.
Mechanisch erhob ich mich vom Sofa, ging zur Haustür.
»Mary, wo willst du hin?«
»Zu John«, presste ich hervor und drängte die Tränen zurück.
Ich werde nicht weinen. Egal, was mir alles bevorsteht, ich werde nicht weinen.
*
Eine Stunde wartete ich vor Johns Haustür. Nicht einmal rührte ich mich, nicht einen Gedanken wagte ich, zu Ende zu denken. Ich musste tun, was getan werden musste. Mehr nicht.
»Mary!«
Ich zuckte zusammen, als er auf einmal da war und die drei Stufen zur Veranda hocheilte. »Ich habe dich überall gesucht. Wieso warst du einfach weg?« Er schloss mich in die Arme, doch ich verharrte steif wie ein Brett.
Er löste sich von mir und runzelte die Stirn. »Was ist los? Du siehst aus, als hättest du einen Geist gesehen.«
»Ich ...« Wieder stockte ich, wollte die Worte nicht aussprechen. Doch es war notwendig. Für mich gab es keine Zukunft. »Mache Schluss.«
Schreckensbleich schaute John mich an. Gepresst lachte er. »Ja, ist klar. Das ist ein ganz übler Scherz.«
Wieder schossen mir Tränen in die Augen, die ich herunterkämpfte. »Es ist kein Scherz.«
»Aber, warum? Was ist passiert? Das willst du doch nicht wirklich, oder? Will dein Onkel doch nicht, dass du mit mir durch Europa ziehst? Wir können die Tour absagen, das ist mir ...«
Ich hob die Hand. Unterbrach ihn. Jedes seiner Worte grub sich schmerzhaft in meine Brust. »Hör auf.« Es kostete mich alle Überwindung, direkt in seine Augen zu schauen. Mein Herz zum Schweigen zu bringen. »Es gibt kein wir mehr.« Tief atmete ich ein. Es gab nur einen einzigen Weg. Nur einen, damit er mir glaubte. Damit er mich gehen ließ: Ich musste ihm das Herz brechen. »Ich liebe dich nicht mehr.«
»Nein. Das glaube ich dir nicht.«
»Verdammt, warum machst du es mir so schwer?« Nun löste sich doch eine Träne aus meinen Augen.
»Warum weinst du, wenn es stimmt, was du sagst? Scheiße Mary, sag mir einfach, was los ist. Wir können über alles reden!«
Nicht darüber!
Energisch verdrängte ich die Tränen. Ich musste überzeugend sein, um ihn zu schützen. Damit er neu anfangen konnte. Ohne mich. Ja, ich musste ihn verletzten. Jetzt und hier. Vermutlich brauchte es Zeit, doch er würde darüber hinwegkommen und dann sein Leben weiter leben. Glücklich werden. Auch wenn es ohne mich sein musste. »Ich habe mich in einen anderen verliebt.« Fest schaute ich ihn an. Auch wenn es mich all meine Entschlossenheit kostete. All meine Kraft.
Die Skepsis in seinem Blick wich unendlicher Enttäuschung. »Ich weiß nicht, warum du das machst, warum du mich anlügst.«
»Ich lüge dich nicht an.« Ich verschloss meine Emotionen, klammerte mich an den Gedanken, dass ich ihn schützen musste.
»Ach, und wer soll das sein?«
»Jeff. Ich habe ihn kennengelernt, als ich mir die Modedesign-Schule in London angeschaut habe.«
»Du hast was?« John riss die Augen auf.
»Ich habe niemandem von meiner Bewerbung erzählt, weil ich nicht davon ausgegangen bin, dass ich angenommen werde. Doch ich habe die Zusage bekommen und meine Entscheidung getroffen. Ich werde morgen nach London gehen.« Fast wäre ich beeindruckt von meiner eigenen Schauspielkunst und der Story, die ich ihm ohne jegliche Vorbereitung präsentierte. Von der Kälte, die ich John entgegenbrachte. »Ich habe mich gegen dich entschieden.«
John starrte mich an. Schmerz flackerte in seinem Blick auf. Grub sich in meine Seele. Das hier war so falsch. »Dann hast du mich die ganze Zeit angelogen? Mir etwas vorgemacht?«
Nein! Vehement unterdrückte ich die Stimme in mir, die protestieren wollte. Zwang mich zur Kälte. »Nicht die ganze Zeit, aber seitdem ich in London war, ja.«
»Hast du mich betrogen? In London? Mit Jeff?«
»Ja.« Die Tränen, die sich in meiner Kehle stauten, ließen meine Stimme rau klingen. Lange konnte ich den Damm nicht mehr halten.
Der Schmerz in seinem Blick gewann an Intensität und vertrieb die Unsicherheit. Ich konnte dabei zusehen, wie etwas in ihm zerbrach. Gleichzeitig zerbrach ein Teil von mir.
»Verschwinde.« Mit einem Ruck schloss er seine Tür auf, verschwand im Inneren und knallte die Tür hinter sich zu.
Die Verzweiflung riss mich von den Füßen. Gerade so schaffte ich es, mich abzuwenden. Diesmal ließen sich die Tränen nicht eindämmen. Ich weinte und wusste nicht, ob ich jemals wieder aufhören könnte.
Mary
3
»Mary?« Leise klopfte es an meiner Zimmertür.
»Geh weg!« Ich wollte niemanden sehen – auch meinen kleinen Bruder nicht.
Das schien ihn allerdings nicht zu interessieren. Er öffnete die Tür, schob sich herein und schloss sie hinter sich. Mit hochgezogenen Augenbrauen schaute er sich in meinem Zimmer um, das mehr einem Trümmerfeld glich. Die Klamotten des eigentlich gepackten Koffers verteilten sich auf dem Boden. Genau wie Scheren, Maßbänder und Stoffe. Sogar meine geliebte Nähmaschine lag nun in Einzelteile zerlegt herum. »Da hast du ja ganze Arbeit geleistet.«
Ich zuckte mit den Schultern. »Du weißt doch, wie das läuft: erst Wut, dann die Heulerei.«
»Ja, so läuft das wohl bei uns.« Alec setzte sich zu mir auf das Bett. »Sorry, dass ich so hitzköpfig reagiert habe, ich war nur so ...«
»Wütend«, seufzte ich. »Ich weiß.«
»Ja, aber ich hätte als erstes darüber nachdenken sollen, wie das alles für dich sein muss.«
»Wie soll es für mich sein? Mein Leben ist vorbei. Irgendwie muss ich damit klarkommen.«
»Und ich werde dir dabei helfen. Du bist meine Schwester und deine Verwandlung ändert rein gar nichts daran.« Schief lächelte er. »Vielleicht ist es ja auch gar nicht schlecht. Schließlich kannst du dann mit zu den Jägern und wir können zusammen Monster jagen.«
»Vielleicht.« Zögerlich sprach ich das eine Wort aus. Ich wusste von dem Serum, dass eine Erwachende nach dreißig Tagen nehmen konnte, um die Verwandlung zu unterbrechen, so dass die Halbvampire in den Dienst der Jäger treten konnten. Zwar hatte ich noch keine Vorstellung davon, was mich als Halbvampirin erwartete; da Nathan und Alec allerdings zu den Jägern gehörten, stand meine Entscheidung fest. Niemals würde ich eine Vollwertige werden. »Trotzdem ist es noch etwas früh für den Blick auf das Positive. Gerade will ich einfach nur die ganze Welt scheiße finden.«
»Alles klar.« Alec legte sich auf mein Bett. »Dann lass uns einfach nur die ganze Welt scheiße finden.«
Ein Funken Wärme blitzte in mir auf. Er reichte zwar nicht aus, um die Kälte zu vertreiben, oder den Hauch eines Lächelns auf mein Gesicht zu zaubern, doch ich legte mich zu meinem kleinen Bruder. So viele Nächte hatten wir genau hier zusammen gelegen, geredet, um unsere Eltern geweint oder einfach nur geschlafen. Auch wenn ich mich von allem aus ihrem gewohnten Leben verabschieden musste, war ich zumindest nicht alleine.
*
Keine Ahnung, wie ich es geschafft hatte, aufzustehen und mich an den Frühstückstisch zu setzen. Vermutlich nur wegen Alec, der nicht locker gelassen hatte.
Aber was ich hier sollte, wusste ich nicht. Schließlich konnte ich keine normale Nahrung mehr zu mir nehmen.
Zumindest war der Tisch nicht gedeckt - vielleicht verzichteten die beiden darauf. Stattdessen räusperte sich Nathan und setzte sich zu mir. »Wie geht es dir?«
»Blöde Frage«, grummelte ich nur.
»Ich weiß, dass es schwer ist. Wir alle sind schockiert, aber wir stehen an deiner Seite.« Er warf Alec einen Blick zu. »Ich werde mit Val sprechen. Die Zuteilung eines Ausbilders wird wohl kaum notwendig sein.«
»Wer ist Val?«, fragte ich, auch wenn es mich eigentlich nicht interessierte.
»Ein Yukani. Er weiß aufgrund seiner Vision, wenn ein Mensch verwandelt wurde und teilt die Ausbilder zu.«
»Wieso soll ich keinen Ausbilder bekommen? Muss ich nicht lernen, was mich bei den Jägern erwartet?«
»Doch, aber ich dachte, dass wir ...«
Energisch schüttelte ich den Kopf. »Nein. Ihr seid die besten bei der Jagd. Ich will euch dabei nicht aufhalten. Teilt mir einfach jemanden zu.«
Nachdenklich betrachtete Nathan mich. Ich kannte ihn gut genug, um zu wissen, dass er genauestens abwägte und die Argumente in seinem Kopf hin und her bewegte. Mein Ziehvater traf niemals eine unüberlegte Entscheidung. Außer vielleicht, als er mich bei sich aufgenommen hatte. Zumindest hatte er mir gesagt, dass er das damals aus dem Bauch heraus entschieden hatte. »Okay, wenn du das so willst.«
»Ich will gar nichts von der Scheiße«, pfefferte ich und bedauerte es im nächsten Moment. Nathan versuchte nur, mir zu helfen doch leider brachte das rein gar nichts. »Aber darum geht es wohl kaum.«
»Unglücklicherweise nicht.«
»Aber sie muss doch wohl kaum den Scheiß mit der vampirischen Ausbildung durchmachen, oder? Ich meine, wozu? Sie ist eine von uns.«
Irritiert blinzelte ich meinen Bruder an. »Vampirische Ausbildung?«
Alec nickte. »Die Erwachenden, also jetzt auch du, bekommen während ihrer Verwandlung einen Jäger und einen Vampir an die Seite gestellt. Damit sie sich am Ende entscheiden, ob sie ein vollwertiger Vampir oder ein Halbvampir im Dienste der Jäger werden wollen.«
»Ja, ist klar.« Ich verschränkte die Arme vor der Brust. »Ich werde ganz sicher keine Ausbildung bei so einem Scheißblutsauger machen, da können die sich auf den Kopf stellen.«
Einen Moment starrte Nathan ins Leere und nickte schließlich. »Ich werde mit den Obersten reden. Noch nie hat jemand nur einen Teil der Ausbildung absolviert, aber es wurde auch noch nie jemand wie Mary verwandelt.«
Mit einem unguten Gefühl in der Magengegend folgte ich Nathan durch die U-Bahn- Tunnel. In wenigen Minuten würde ich dem Rat der Sechs gegenüberstehen. Plus einem Yukani oder einem Alpha.
In den letzten Stunden hatten Nathan und Alec mich mit Infos überschüttet, um mich darauf vorzubereiten und die Wissenslücken, was die Welt der Unsterblichen anging, zu füllen. Auch wenn ich gedacht hatte, gut Bescheid zu wissen, wurde mir langsam bewusst, dass ich nur einen kleinen Einblick erhalten hatte. Vorher hatte ich lediglich gewusst, dass es vier unsterbliche Wesen gab. Jetzt schwirrte mir der Kopf von den ganzen Informationen.
Die Werwölfe lebten zurückgezogen in ihren Rudeln und bis auf die Entscheidungszeremonien bekam sie keiner zu Gesicht. Sie hatten mir erzählt, dass die Yukani es ebenfalls vorzogen, unter sich zu bleiben, es allerdings noch ein paar gab, die sich den Jägern angeschlossen hatten. Was für Fähigkeiten hatte wer nochmal? Die Yukani konnten zaubern und die Werwölfe waren genau wie die Vampire übermenschlich stark, doch da gab es noch so viel mehr. Die Hälfte hatte ich vermutlich schon vergessen. Nathan und Alec hatten mir nicht alles erzählt, um mich zu beschützen, so dass ich ein möglichst normales Leben führen konnte.
Der Tunnel mündete in einen großen Raum, der mit Fackeln erhellt wurde. Am gegenüberliegenden Ende befand sich eine lange Tafel, an der sieben Personen saßen.
Die drei in der schwarzen Kutte erkannte ich dank ihrer blassen Haut sofort als Vampire.
Das waren also die Anführer der Monster. Die schlimmsten von allen.
Meine Hände ballten sich zu Fäusten und ich unterdrückte den Impuls, mich direkt auf sie zu stürzen. Schließlich wäre das mit ziemlicher Sicherheit mein Todesurteil.
Stattdessen betrachtete ich die drei in Weiß Gekleideten – die Obersten. Inferni und Anführer der Jäger. Und auch bald meine.
Ich schluckte – ein Gedanke, der mir ganz und gar nicht gefiel. Zwar strahlten die drei keine grausame Kälte aus wie die Vampire, allerdings lösten sie ebenso wenig Sympathie in mir aus, wenn auch auf eine andere Art und Weise.
In der Mitte saß eine Frau, die von allen am wenigsten menschlich aussah – goldene Ornamente zierten ihre blaue Haut. Dunkelbraune Haare fielen ihr sanft über die Schulter.
Eine Yukani. Eine Zauberin.Und damit das Wesen, von dem ich am wenigsten eine Vorstellung besaß.
Ein Lächeln legte sich auf das Gesicht der Yukani. Vermutlich sollte es freundlich und beruhigend wirken, doch irgendetwas daran störte mich. Es wirkte nicht aufrichtig, sondern eher so, als hätte sie die menschliche Geste einstudiert.
»Hallo, Mary. Hallo, Nathan. Setzt euch!« Die Fremde deutete auf Stühle, die vor der Tafel standen.
Ich kam ihrer Aufforderung nach und Nathan ließ sich neben mir nieder.
»Ich bin Kisea: Mitglied der Triade und Vorsitzende der heutigen, zugegeben etwas außergewöhnlichen Versammlung.« Wieder setzte sie dieses einstudierte Lächeln auf. »Allerdings ist dein Fall auch außergewöhnlich.«
»Das ist lächerlich! Sie ist eine Erwachende wie alle anderen und sollte genauso behandelt werden!«, grätschte die Erzvampirin mit dem schwarzen Haar dazwischen.
»Elaine«, zischte Kisea und warf ihr einen mahnenden Blick zu. »Ich werde keine Unterbrechungen Eurerseits dulden. Jeder hat hier zu gegebener Zeit die Möglichkeit, sich zu äußern und sein Vorliegen vorzutragen. Haben wir uns verstanden?«
Die hielt ihrem Blick stand, legte jedoch ein unehrliches Lächeln auf und nickte. »Aber natürlich. Fahre fort, werte Kisea.« Mit verschränkten Armen lehnte sie sich auf ihrem Stuhl zurück.
Die selbstgefällige und gleichzeitig selbstsichere Art der Vampirin löste nichts weiter als Abwehr und Wut in mir aus. Niemals würde ich mich freiwillig diesen Monstern anschließen.
»Mary, wie du weißt, sitzt du dem Rat der Sechs gegenüber. Auf der rechten Seite die Erzvampire Elaine, Tatiana und Erasmus.« Nacheinander deutete Kisea auf die Vorgestellten. »Auf der linken Seite Vladilen, Balian und Tasha.« Schließlich richtete sie ihren Blick auf Nathan. »Nathan! Trag dein Anliegen vor!«
»Mary ist meine Ziehtochter. Sie lebt bei mir, seit sie sechs Jahre alt ist. Ihre Eltern wurden von wilden Vampiren getötet ...«
Der männliche Erzvampir, Erasmus, hob eine Hand. »Dürfte ich dazu eine Frage stellen?« Wobei er sein Anliegen keineswegs unterwürfig, sondern fordernd hervorbrachte.
»Stell deine Frage«, willigte Kisea ein.
»Wieso wurde das gestattet? Sollte nicht eigentlich ihr Gedächtnis gelöscht werden? Es ist Sterblichen nicht erlaubt, über unsere Welt Bescheid zu wissen, diese Regel haben die Obersten selbst aufgestellt - und nun brechen sie damit?«
»Möchte einer der Obersten etwas dazu sagen?«, fragte Kisea an die Weißkuttenträger gewandt.
Tasha räusperte sich. »Natürlich hast du Recht, werter Erasmus. Allerdings weißt du genau, dass unsere Gabe der Manipulation bei Kindern nicht zuverlässig funktioniert, weshalb es immer besonders tragisch ist, wenn sie in ein Massaker, das Euersgleichen anrichtet, involviert sind.«
»Du solltest aufpassen, was du sagst«, zischte Elaine. »Wir grenzen uns klar von den Taten der wilden Vampire ab!«
Nachsichtig lächelte Tasha. »Natürlich, verzeih mir. Ich meine natürlich die Taten der wilden Vampire. Jedenfalls hat Nathan sich damals dazu bereit erklärt, Mary bei sich aufzunehmen. Er hat ihr ein liebevolles Zuhause gegeben und ihr dabei geholfen, das traumatische Ereignis zu verarbeiten. Ja, sie weiß über unsere Welt Bescheid, doch sie hat ihr Wissen niemals nach außen weitergetragen und uns verraten.«
»Trotzdem ist es ein klarer Regelbruch«, warf Erasmus ein.
»Aus einem Akt reiner Güte geboren.« Wieder dieses Lächeln, das sanft sein sollte, mir jedoch eine Gänsehaut bescherte. Keiner von den sieben Unsterblichen, die mir gegenübersaßen, wirkte gütig oder überhaupt menschlich.
Erasmus wollte etwas erwidern, doch Kisea hob eine Hand. »Wir sind heute hier, um Marys Anliegen zu besprechen und nicht über Vergangenes zu debattieren.« Sie winkte in Nathans Richtung. »Fahre fort.«
»Wie Tasha bereits sagte, habe ich ihr ein Zuhause geboten und war für sie da. Sie hat unsere Welt niemals verraten und ein weitestgehend normales, sterbliches Leben geführt.«
Das nun vorbei ist.
»Bis Constantin sie vor zwei Tagen verwandelt hat.«
»Constantin?«, fragte Erasmus mit einem Stirnrunzeln. »Wie kann das sein? Er ist auf der Flucht vor euch und vor uns. Wieso sollte er einen Menschen verwandeln?«
»Er hat Mary verwandelt, um sich für die Vernichtung seiner Gefährtin an Alec zu rächen.«
Schweigen legte sich über den Raum.
Nathan räusperte sich. »Auf jeden Fall sind wir heute hier, weil wir Mary vom vampirischen Teil der Ausbildung befreien möchten. Nach allem, was sie erlebt hat, sollte sie sich nicht mit Vampiren auseinandersetzen müssen. Außerdem kennt sie unsere Welt und weiß daher, wie sie sich entscheiden wird.«
»Weiß sie das?«, fragte Elaine und Kiseas mahnender Blick schnellte zu ihr.
Wieder lächelte Elaine nachsichtig. »Verzeihung, darf ich sprechen, werte Kisea?«
Die Yukani rollte mit den Augen, machte jedoch eine winkende Handbewegung. »Sprich.«
»Vielen Dank.« Elaine neigte den Kopf, doch die Geste wirkte eher provozierend als unterwürfig. »Gerade, weil die gute Mary bisher nur die Sichtweise der Inferni und Jäger kennt, sollte ihr die vampirische Seite näher gebracht werden. Vielleicht sollte sie sogar eher von der Ausbildung durch die Jäger befreit werden. Immerhin müsste sie alles darüber wissen. Ihre einzige Begegnung mit Vampiren bezieht sich auf Wilde und Constantin – wir sind uns wohl alle einig, dass das keine guten Referenzen für unsere Art sind. Außerdem wurde ihr stets eingetrichtert, dass wir Vampire die Bösen sind. Daher muss ihr Bild dringend korrigiert werden.«
Wie bitte? Das konnte nicht ihr Ernst sein! Niemals hätte ich es für möglich gehalten, dass sich das Ganze in so eine Richtung entwickeln könnte.
Was für ein Scheiß! Da mach ich nicht mit! Ganz sicher nicht!
Ich sprang auf. »Ist mir egal, was ihr hier beschließt. Niemals werde ich mich freiwillig auch nur in die Nähe eines verdammten Blutsaugers begeben. Ihr trinkt Blut und futtert Menschen, als wären sie eine Delikatesse! Versucht doch, mich zu einer beschissenen Ausbildung bei psychopathischen Monstern zu verdonnern. Aber ich mach da nicht mit!«
Meine Worte hallten durch den Raum, bis sie verebbten. Die Stille hing schwer in der Luft. Die Wut feuerte weiter durch meine Adern, ließ mich aufrecht stehen und das Kinn vorschieben. Ließ mich fast erfolgreich verdrängen, dass ich hier gerade den mächtigsten Wesen auf dem Planeten widersprach. Mit einem Fingerschnippen konnte sie mich auslöschen.
Nur zu. Sollen sie doch. Ich werde mich nicht zum Schweigen verdonnern lassen.
Bis Erasmus lachte. Kein freudiges Lachen, sondern kalt und gehässig. Er drehte seinen Kopf in Richtung der Weißkuttenträger. »Na, herzlichen Glückwunsch, die Kleine passt ja supergut in eure Politik der Unterdrückung jeglichen freien Willens.« Sein Blick schweifte zurück zu mir. »Also gut. Wir Vampire lassen dir deinen Wunsch, denn freier Wille zählt bei uns mehr als alles andere.«
Sowohl Tatianas als auch Elaines Blick schnellten zu ihm, doch Erasmus ignorierte sie. »Allerdings«, er hob einen Finger, »haben wir eine Bedingung. Nach dreißig Tagen werden wir uns hier wieder einfinden und du wirst uns deine Entscheidung mitteilen - wie jede andere Erwachende auch.«
»Meinetwegen.« Ich zuckte mit den Schultern. Diesen Kompromiss konnte ich eingehen. Ändern würde das sowieso nichts.
Kisea ließ ihren Blick in die Runde schweifen. »Also sind wir uns alle einig? Wird der Vorschlag angenommen?«
Zunächst passierte nichts, doch schließlich nickten alle, sowohl die Obersten als auch die Erzvampire, vermutlich verwundert. Kein Wunder, so viel ich wusste, hatte es so eine Entscheidung bisher nicht gegeben.
Etwas irritierte mich jedoch: Erasmus saß mit verschränkten Armen lässig auf seinem Stuhl zurückgelehnt da. Und noch immer zierte dieses selbstgefällige und siegessichere Lächeln sein Gesicht.
Sarah:
Dein Ernst? Du bist jetzt also in London
und das war es? Warum rufst du mich
nicht zurück? Rede mit mir!
Ich wusste nicht, wie lange ich bereits auf das Display meines Handys starrte. Unzählige Mal hatte ich diese und die vorherigen Nachrichten von Sarah gelesen, alle mit dem gleichen Inhalt. Außerdem hatte ich bestimmt zehn Anrufe meiner Freundin weggedrückt.
Auch wenn ich das nicht wollte, musste ich einen Cut machen und meine Freunde genauso hinter mir lassen wie John. Der war immerhin allein zu der Europatour aufgebrochen, sodass ich ihn nicht sehen musste ... wobei ein zufälliges Treffen sowieso unwahrscheinlich wäre. Ab morgen verbrachte ich meine Tage auf dem irischen Stützpunkt bei den Jägern. Trotzdem half es etwas zu wissen, dass er sich nicht in der gleichen Stadt aufhielt wie ich. Zumindest versuchte ich, mir das einzureden. In Wahrheit zerriss mir alleine der Gedanke an ihn das Herz. Also schob ich ihn möglichst an die Seite. Genau wie meine Freunde – was nur bedingt funktionierte, wenn ich ununterbrochen Nachrichten bekam.
Ich musste mein Handy wechseln.
Ich schluckte. Und Sarah vorher das Herz brechen. Genau wie John.
Das war die einzig logische Konsequenz. Auch wenn sich alles in mir dagegen wehrte, schnappte ich mir mein Handy und tippte. Tränen schossen mir in die Augen, doch ich zwang mich dazu, nicht zu blinzeln, denn dann würden sie herunterlaufen. Und ich hatte genug geweint. Ich wollte das nicht mehr. Mit zusammengepressten Lippen tippte ich die Worte, die notwendig waren und drückte auf Absenden. Anschließend schmiss ich mein Handy mit voller Wucht an die Wand. Es zerschmetterte. Dennoch wusste ich genau, was ich geschrieben hatte, die Worte hatten sich in meinem Kopf eingebrannt.
Mary:
Ich will neu anfangen und jeder weiß, dass weder
die erste Liebe noch die ersten Freundschaften
von Dauer sind. Ich habe mich für ein anderes
Leben entschieden. Eines ohne euch. Lebt wohl.
Mit einem Mal kamen mir die Zimmerwände zu eng vor. Ich schwang die Beine aus meinem Bett. Mein Blick blieb an der Nähmaschine hängen. Alec hatte sie wieder zusammengeflickt und auf den Arbeitstisch gestellt. Daneben lagen meine Stoffe und Maßbänder. Schon immer hatte ich Modedesignerin werden wollen.
Dieses Leben war nun vorbei. Diesen Traum konnte ich begraben. Ich schluckte gegen den Kloß in meinem Hals an, schnappte mir die Nähmaschine und packte sie in die hinterste Ecke meines Schrankes. Die anderen Utensilien folgten. Energisch schloss ich die Tür. Das funktionierte – zumindest für den Moment. Morgen würde ich mir einen Karton besorgen und alles in den Keller packen, oder die Sachen direkt auf den Müll werfen.
Wieder drängten sich die Tränen hoch. Verdammt, ich hatte doch gesagt, dass nun Schluss mit der Heulerei war. Ich musste hier raus!
Also öffnete ich die Zimmertür und ging die Treppe hinunter. Ein Glas Wasser half mir sicherlich.
Nur, dass Wasser nach Staub und Asche schmeckte.
Ich verharrte auf den Stufen, das Geländer in der Hand.
Was zur Hölle sollte ich also in der Küche?
»Wieso soll ich weiter zur Schule gehen?«
Alecs Stimme drang aus der Wohnküche zu mir.
Ich sollte nicht lauschen, ich sollte rausgehen. Dennoch bewegte ich mich keinen Zentimeter.
»Alec! Wie oft hatten wir das Thema schon? Du wirst nicht die Schule schmeißen!« Nathans Stimme klang voller Autorität. Ein Tonfall, den ich selten von ihm hörte, fast nur bei den Diskussionen mit Alec, wenn es mal wieder um die Schule ging. Regelmäßig versuchte er, Nathan zu überzeugen, ihn davon zu befreien. In diesem Punkt zeigte Nathan sich allerdings unnachgiebig.
»Aber jetzt sieht es nochmal ganz anders aus! Constantin hat Mary verwandelt. Mary! Wir sollten alles daran setzen, den Bastard endlich zu finden und zur Strecke zu bringen und das kann ich nun mal nicht, wenn ich in der Schule meine Zeit mit Mathe verschwende!«
»Das ist keine Verschwendung. Du bist sechzehn Jahre alt und hast nur einmal ...«
»Hör mir auf mit dem Scheiß und der ewig gleichen Leier! Ich bin kein normaler Sechszehnjähriger. Ich bin kein Sterblicher. Ich bin ein Inferni und zufällig der Sohn zweier Oberster. Es ist meine Aufgabe, Constantin zu finden und ihn für seine Verbrechen büßen zu lassen! Wie soll ich das, wenn du mich in die verdammte Schule steckst? Mit bescheuerten, normalen Sterblichen? Wozu das Ganze?«
Alecs Fixierung auf den Vampir beunruhigte mich. Ich stimmte Nathan zu, Alec sollte sich mit anderen Dingen rumschlagen als mit der Vampirjagd. Er sollte das Leben eines normalen Sechzehnjährigen leben. Ich hatte es getan, trotz allem … mit meinen Freunden. Mit John ... Nein! Energisch drängte ich diesen Gedanken zur Seite. Das war vorbei und daran zurückzudenken brachte mir nichts als Schmerz.
»Weil es noch etwas anderes im Leben gibt.«
»Und was? Warum zwingst du mich weiter dorthin zu gehen, obwohl du ganz genau weißt, dass ich dort nicht hingehöre? Dass ich anders bin?«
Ich schluckte. Natürlich wusste ich, dass Alec sich nie so recht in die Welt der Sterblichen einfügen konnte. Bereits als Kind musste er seine Kräfte verborgen halten, das war wohl der große Unterschied zwischen uns. Ich wusste nur über die Unsterblichen Bescheid, doch ich hatte nie dazugehört. Es vor meinen Freunden geheim zu halten, war mir dennoch schwergefallen. Wie musste es erst Alec gehen, der auch noch zu der Welt gehörte? Er musste nicht nur sein Wissen für sich behalten, sondern auch einen großen Teil seiner selbst. Trotzdem blieb ich auf Nathans Seite. Die Zwangspause von den Übernatürlichen tat Alec gut. Ansonsten würde er sich vollkommen in sein Dasein als Jäger hineinsteigern.
»Alec, die Diskussion ist beendet, du gehst weiter dorthin, wie alle anderen Inferni in deinem Alter auch. Nur, weil du ein Obersten-Sohn bist, hast du keine Sonderstellung inne. Deine Eltern würden sich im Grab umdrehen, wenn sie diese Diskussion mitbekämen!« Nathans Tonfall ließ keine Widerworte zu.
Ich hörte, wie Alec mit der Faust auf den Tisch haute und aus dem Raum stürzte – glücklicherweise nicht in meine Richtung. Vielleicht verschwand er durch den Garten oder zog sich in den Keller zurück.
Zeit zu verschwinden! Weder Alec noch Nathan wollte ich jetzt begegnen. Also huschte ich auf leisen Sohlen zur Haustür hinaus.
Keine Menschenseele kam mir entgegen. Kein Wunder, wir wohnten am Stadtrand und ich schlug den Weg in den Wald ein. Die friedliche Stille der Nacht und die Bewegung beruhigten mich ein wenig. Die Luft war klar, allerdings kaum kühler als am Tag.
Konnte ich zukünftig überhaupt noch so etwas wie Wärme oder Kälte spüren ?
Nathan und Alec konnten als Inferni ihre Körpertemperatur regulieren, aber wie das bei Vampiren aussah, wusste ich nicht genau. Eigentlich wusste ich nur, dass sie Blut tranken, eine Empfindlichkeit gegen Sonnenlicht aufwiesen und mithilfe eines Serums Halbvampire im Dienste der Jäger werden konnten. Außerdem hatte ich erfahren, dass es unterschiedliche Typen von Vampiren gab. Meine Eltern waren von sogenannten wilden Vampiren getötet worden. Bei den anderen handelte es sich um zivilisierte Geschöpfe, so wie Constantin.
Allein beim Gedanken an die Begegnung mit meinem Schöpfer überzog eine Gänsehaut meinen Körper. Auch wenn er sich nach außen hin zivilisierter und kontrollierter als die wilden Vampire benahm, schlummerte in ihm ein Monster – und das verbarg er nicht mal.
»Warum gehst du so langsam, wenn du auch rennen kannst?« Eine dunkle Stimme erklang hinter mir und ließ mich zusammenzucken.
Ich schnellte herum. Kaum einen Meter von mir entfernt stand ein Mann. Einen Kopf größer als ich, volle Lippen, Drei-Tage-Bart, blonde Haare, die er gewollt unordentlich gestylt trug. Durchaus gutaussehend. Allerdings verrieten seine dunklen, fast schwarzen Augen und seine blasse Haut eindeutig, um was für ein Wesen es sich handelte, so dass seine Attraktivität mit einem Schlag verpuffte.
»Was willst du von mir?« Misstrauisch wich ich einen Schritt zurück.
Der Vampir hob seine Hand in die Höhe. Ob es beruhigend wirken sollte? Aber das war nicht notwendig. Seltsamerweise löste der Typ keine Angst bei mir aus, so wie Constantin. Lag das vielleicht daran, dass ich mich verwandelte und Artgenossen deshalb nicht mehr als Bedrohung wahrnahm?
»Nur mit dir reden.« Der Kerl setzte ein Lächeln auf, doch wie auch schon beim Rat der Sechs wirkte es erlernt und wollte nicht ganz passen.
»Keinen Bedarf.« Mit einem Ruck wandte ich mich ab und ging weiter.
»Aber, aber! Warum denn so abweisend?« Der Vampir schloss zu mir auf.
Mir platzte der Kragen. Abrupt blieb ich stehen, drehte mich zu dem Typen und stemmte meine Hände in die Hüften. »Habe ich mich gestern bei deinen Leuten nicht klar ausgedrückt? Ich will keine vampirische Ausbildung! Ich will nichts mit euch zu tun haben! Ihr seid nichts weiter als seelenlose Monster!«
Der Unbekannte ließ sich nicht aus der Ruhe bringen und neigte nur minimal seinen Kopf zur Seite. »Das seelenlos ist nicht erwiesen. Monster ist ein weitläufiger Begriff und so stereotypisch.« Er seufzte. »Da hätte ich wirklich mehr von dir erwartet.«
»Soll ich dir was sagen? Das ist mir scheißegal! Keine Ahnung, wer du bist, aber lass mich einfach in Ruhe!«
»Du scheinst mir eigentlich ziemlich klug zu sein, also warum bist du nicht bereit, dir dein eigenes Urteil zu erlauben?«
»Weil ihr Monster meine Eltern ermordet habt!«
Er hob seinen Zeige- und Mittelfinger. »Zwei von uns. Dafür eine ganze Spezies zu verurteilen, erscheint mir doch etwas engstirnig.«
»Es waren meine Eltern!«, schnaubte ich. »Ist mir echt scheißegal, ob das engstirnig ist.«
»Das glaube ich dir nicht.« Minimal beugte er sich zu mir vor. »Ich glaube, du hast eigentlich nur Schiss.«
Ich öffnete den Mund, doch der Typ ließ mich nicht zu Wort kommen. »Angst, dass du vielleicht doch entdecken könntest, dass nicht alle Vampire gleich sind. Angst, dass du dich mit deiner Entscheidung, die dir so oder so bevorsteht, doch auseinandersetzen musst. Angst, dass sie anders ausfallen könnte, als deine Familie von dir erwartet.«
Ja klar und Werwölfe sind eigentlich kleine Schmusekatzen.
Abfällig schnaubte ich. »Du laberst so einen Schwachsinn. Ich werde mich niemals dazu entscheiden, ein Vampir zu werden!«
»Das könnte ein Fehler sein«, raunte er, so als verriete er mir ein Geheimnis.
Seine Worte und seine arrogante Selbstsicherheit stachelten allerdings nur meine Wut an. Nun beugte ich mich zu ihm vor. »Verschwinde, und zwar sofort!«
Meine Wut prallte von ihm ab und er lächelte nur. »Wie du willst, Liebes.«
Ein Luftzug, der meine Haare aufwirbeln ließ und er war verschwunden.
Liebes? Am besten besorgte ich mir schonmal einen Pflock, sollte der Typ nochmal auftauchen.
Ich wollte nicht hier sein.Bedrohlich lag die alte Kaserne vor mir und strahlte keinerlei Freundlichkeit aus.
Was für ein Schwachsinn, als ob ein Gebäude Freundlichkeit ausstrahlen könnte.
Na ja, ein grauer Betonklotz mit einem hässlichen, abweisenden Zaun drumherum, wirkte jedenfalls nicht sehr einladend. Da half auch die Einbettung in das Grün des Waldes nicht – im Gegenteil. Der Stützpunkt wirkte wie ein Störfaktor, der nicht hierhin gehörte.
»Alles okay?«, fragte Alec neben mir. Gemeinsam waren wir hierher gerannt. Das berauschende Hochgefühl, ausgelöst durch meine unglaubliche Schnelligkeit, die beeindruckende Reaktionsfähigkeit meines Körpers, den Wind in meinen Haaren und das Gefühl von Freiheit, prickelte noch immer in mir nach. Zähneknirschend musste ich zugeben, dass rennen in übernatürlicher Geschwindigkeit ein Highlight meiner Existenz als Unsterbliche darstellte – zwar das einzige bisher, aber immerhin.
Und nun war ich hier. Mit dem Gefühl, überhaupt nicht ich selbst zu sein. Alles fühlte sich falsch an. Der Ort, genauso wie mein neues Outfit. Schwarze Trainingsklamotten und flache Schuhe. Die Haare zu einem Zopf zusammengebunden – die Kluft der Halbvampire.
Ich straffte die Schultern. »Alles okay.« Eine Lüge. Doch ich wollte meinen kleinen Bruder nicht beunruhigen. Auch wenn er sich immer superhart gab und meistens mit impulsiver Kopflosigkeit reagierte, wusste ich, dass unter dieser Fassade ein einfühlsamer Kerl schlummerte. Er litt genauso unter der Situation wie ich.
Alec nickte mir zu. Natürlich wusste er Bescheid. Ich konnte ihm nichts vormachen, doch auch er konnte rein gar nichts tun. »Wir müssen springen.«
Ich riss die Augen auf. »Ernsthaft? Schaffen wir das?«
»Na klar.« Grinsend hielt Alec mir die Hand hin.
Na gut.Ein aufgeregtes und freudiges Kribbeln entstand in meiner Magengegend, als ich seine Hand ergriff. Alec rannte los und dann sprang er - und ich mit ihm. Die Welt schien stillzustehen, als ich durch die Luft flog.
Das war noch besser als rennen.
Ich schloss die Augen und genoss das Prickeln, das durch meinen Körper strömte. Mich elektrisierte. Nie hatte ich mich lebendiger gefühlt als in diesem Moment.
Viel zu schnell landeten wir auf der anderen Seite.
Alec grinste mich an. »Nicht schlecht, oder?«
Ich konnte nicht anders, ich nickte. »Daran könnte ich mich zumindest gewöhnen.«
»Warte mal ab, bis du richtig kämpfen kannst – das ist noch viel besser.«
Kämpfen um wilde Vampire zu töten. Genau das sollte zukünftig meine Aufgabe sein.Ich schluckte. Das Hochgefühl verschwand.
Alec überquerte die Schotterfläche, stieß die Tür des Haupteinganges auf und ich folgte ihm ins Innere. Vor mir erstreckte sich eine Halle, von der mehrere Türen abgingen. In ihrer Mitte führte eine Treppe sowohl hinauf als auch hinab. Zielsicher ging Alec daran vorbei in den hinteren Teil. Ein paar Jäger kreuzten unseren Weg. Sie alle schauten Alec mit Respekt in den Augen an. Ich wusste von seiner Stellung, von seinem Erbe. Doch ich wusste auch, wie sehr ihn seine zukünftige Verantwortung belastete und wie viel Angst sie ihm einjagte. Nun, da war ich vermutlich die Einzige. Vor seinen Artgenossen würde er sich niemals diese Blöße geben und Schwäche zeigen. Doch wir waren Geschwister und füreinander da, komme, was wolle.
Die Jäger würdigten mich mit kaum mehr als einem flüchtigen Blick. In einigen meinte ich sogar so etwas wie Missbilligung zu erkennen. Das trug nicht dazu bei, dass mein mulmiges Gefühl verschwand – im Gegenteil, es schien zu wachsen wie ein Magengeschwür.
Vor der letzten Tür blieb Alec stehen. Seltsame Geräusche drangen hindurch: Schläge, Stöhnen, Stimmen. Ich schluckte. Startete die Ausbildung etwa direkt mit dem Kampftraining?
»Und du bist dir sicher?«
Natürlich wusste ich, was er meinte – sicher, dass ich einen anderen Ausbilder wollte. »Ja.« Wieder eine Lüge.
»Also gut, aber wenn irgendetwas ist ...«
»Komm ich zu dir.« Ich legte eine Hand auf seinen Arm. »Vergiss nicht, wer von uns beiden die Ältere ist und wer immer wen aus der Scheiße herausholen muss. Ich komm klar.«
Für einen kurzen Moment legte er seine Hand auf meine und drückte sie. »Ich weiß. Aber trotzdem. Du warst immer in der Welt der Sterblichen für mich da, also lass mich hier dasselbe für dich tun.«
Fest presste ich die Lippen zusammen. Unterdrückte die Tränen, die mir unerwarteterweise in die Augen schießen wollten. Mehr als ein Nicken brachte ich nicht zustande.
Alec öffnete die Tür und betrat mit einer selbstsicheren Ausstrahlung den Raum.
Ohne Zweifel, das hier war Alecs Welt – und nun auch zwangsläufig meine.
Wie befürchtet betrat ich eine Trainingshalle. An mehreren Stellen standen Matten an den Wänden oder lagen auf dem Boden. Jäger trainierten dort den Zweikampf. Andere standen vor diesen kleinen Kampfringen und warfen den Kämpfenden Kommandos zu.
»Rechte hoch!«
»Achte auf deine Deckung!«
»Du musst schneller werden!«
Die unterschiedlichsten Rufe begleiteten mich durch die Trainingshalle. Noch nie in meinem Leben hatte ich mich so fehl am Platz gefühlt wie hier. Als hätte man eine Topfpflanze ins Meer gesteckt.
Neben den Kampfringen passierten wir etliche Trainingsgeräte wie Boxsäcke oder menschliche Attrappen mit einer Zielscheibe auf der Brust. Die Jäger davor kämpften mit Pflöcken. Offensichtlich übten sie, die richtige Stelle zu treffen.
In einer Ecke hing ein unglaubliches Waffenarsenal an der Wand. Pflöcke in allen möglichen Materialien und Formen, Schwerter, Dolche, Stäbe, Messer ...
Dort blieb Alec stehen. »Jenna, das ist Mary.«
Erst jetzt bemerkte ich die kleine Person mit dem blau-türkis gesträhnten Sidecut. Mit einem Pflock in der Hand drehte sie sich zu uns. Ihre grünen Augen stellten gleichsam einen Kontrast zu ihrer Haarfarbe dar und untermalten sie. Faszinierend. Allerdings konnte ich nicht sagen, ob mir diese Inferni sympathisch war oder nicht.
»Mary, das ist deine Ausbilderin.« Alec deutete zwischen uns hin und her.
»Hi«, sagte ich etwas unbeholfen.
»Hi« Jenna schenkte mir ein Lächeln. Doch auch das wirkte falsch.
Konnte keiner von denen ehrlich lächeln?
»Also, dann lass ich euch mal alleine.« Alec durchbrach die seltsame Stille, die sich zwischen uns ausgebreitet hatte.
»Aber sicher doch, sie ist bei mir in guten Händen.« Irgendwas an Jennas Worten klang absolut falsch.
»Bis später.« Ich zwang mich zu einem Lächeln in Alecs Richtung.
»Bis später.« Er erwiderte es und wandte sich ab.
»Komm, ich zeige dir erstmal alles.« Ohne eine Antwort abzuwarten, drehte Jenna sich um und machte eine ausladende Handbewegung. »Das hier ist unser Trainingsbereich, falls du das noch nicht gemerkt haben solltest.« Sie zwinkerte. »Hier werden wir einen großen Teil deiner Ausbildung verbringen, schließlich sind Halbvampire alle begnadete Kämpfer und werden ausnahmslos dafür eingesetzt.«
Ich verzog das Gesicht – traumhaft.
Jenna ging los und ich folgte ihr zwangsläufig. Wir durchquerten den Raum und verließen ihn durch die gleiche Tür, durch die wir ihn betreten hatten.
»Hier im Erdgeschoss befinden sich vor allem Besprechungsräume und die Büros der Yukani und der Inferni, die nicht im aktiven Außendienst sind.« Nacheinander deutete Jenna auf die Türen. »Jeder hat seine Aufgabe. Die Yukani können uns dank ihrer Visionen sagen, wer über die Stränge schlägt und wo. Die einsatzplanenden Inferni schicken dann entsprechende Teams los.«
Weiter ging es in die Mitte der Halle und die Treppe hinauf. »Im oberen Geschoss befinden sich die Wohnbereiche. Es gibt Zimmer für Inferni, wenn sie mal nicht nach Hause gehen ... Küche, Bäder ... aber vor allem sind hier die Unterkünfte der Halbvampire, also das, was auch für dich interessant ist.«
»Warum sollte ich eine Unterkunft brauchen?« Tag und Nacht hier im Stützpunkt leben? Ganz sicher nicht.
Jenna lachte einmal auf, doch es klang nicht freudig, sondern eher herablassend. »Weil du ein Halbvampir sein wirst – und die leben alle in unseren Stützpunkten.« Ihr Blick schweifte zu mir und blitzte auf. »Ausnahmslos.«
Ein Schauer lief über meinen Rücken.
»Oh, und hier ist noch etwas, das auch ganz besonders interessant für dich ist.« Jenna blieb stehen und deutete auf einen rechteckigen Kasten, der mitten im Flur stand.
Sah aus wie eine Mischung aus Snackautomat und Kühlschrank. Der Inhalt bestätigte meine Assoziationen und ich verzog unwillkürlich das Gesicht. In den einzelnen Fächern lagen Blutkonserven und darunter standen Namen.
»Ab morgen wirst du dort dein Päckchen finden«, sagte Jenna und tippte mit ihren Fingern auf die Scheibe.
Ich runzelte die Stirn, als ich meinen Namen unter einem leeren Fach las. Gestern hatte ich den Saftmix von Alec bekommen. Auch wenn mir durchaus bewusst war, was sich in dem schwarzen Trinkpäckchen befand, wusste ich nicht, ob ich es über mich brachte pures Blut zu verzehren. »Ich muss doch nicht etwa eine Blutkonserve trinken?«
»Keine Sorge, so lange du noch eine Erwachende bist, wird hier der Saftmix für dich bereit stehen.«
Erleichterung breitete sich in mir aus. Wenigstens etwas.
»Na komm, weiter.« Jenna drehte sich um, öffnete die erste Tür auf der linken Seite und trat in den Raum hinein. »Tada ...« Eine ausufernde Armbewegung unterstrich ihre Worte. »Da wären wir. Dein zukünftiges Zuhause.«
Ich erstarrte.
Das ist ein schlechter Scherz.
Der Begriff zuhause wurde dem, was vor mir lag, kaum gerecht. Der Raum erinnerte mich eher an ein Jugendherbergszimmer für eine Klassenfahrt – nur dass dort meistens nicht mehr als acht Kinder Platz fanden. Hier standen Hochbetten sowohl an der rechten als auch an der linken Wand – zwölf an der Zahl. In der Mitte gab es ein paar Tische und in einer Ecke hing ein Fernseher – das war es.
Einige Halbvampire lagen in den Betten und schreckten auf.
Leise lachte Jenna. »Sorry für die Störung. Ich weiß, dass der Tag nicht unbedingt eure Lieblingszeit ist, aber ich möchte euch einen Neuankömmling vorstellen.« Sie drehte sich um und deutete auf mich. »Das ist die entzückende Mary. Aktuell zwar noch eine Erwachende, aber sie ist sich ihrer Entscheidung schon absolut sicher und hat es daher durchgeboxt, auf die vampirische Ausbildung zu verzichten.« Wieder stieß Jenna dieses seltsame, absolut falsch klingende Lachen aus. »Aber das ist ja auch kein Wunder, schließlich ist Nathan ihr Ziehvater und Alec ihr Bruder.«
Nun schnellten alle Augenpaare zu mir und schauten mich an – einige skeptisch, andere offensichtlich abweisend. Auf jeden Fall lag in keinem einzigen Blick Freundlichkeit.
Meine Hände ballten sich zu Fäusten. Am liebsten würde ich die kleine Inferni erwürgen. Was dachte sich die olle Tussi? Innerhalb von drei Sätzen hatte sie es geschafft, alle Halbvampire gegen mich aufzubringen. Machte sie das etwa extra?
Meine Ausbilderin drehte sich zu mir und deutete auf ein freies Bett. »Das wäre dann übrigens deins, du kannst direkt einziehen.«
»Nein, danke.« Ich lächelte genauso unehrlich wie alle anderen hier. »Das ist wirklich nett, aber ich denke, dass ich meine restliche Zeit mit der Familie noch genießen werde.«
»Warum denn? Schließlich verbringen Nathan und Alec auch einen Großteil ihrer Zeit hier im Stützpunkt. Ist ja nicht so, als müsstest du dich von ihnen verabschieden.«
»Das ist ja wohl meine Entscheidung«, presste ich zwischen zusammengebissenen Zähnen hervor.
Lächelnd hob Jenna die Hände. »Aber natürlich, entschuldige. Meine Begeisterung ist wohl etwas mit mir durchgegangen.« Sie drehte sich zu den Halbvampiren. »Also, ihr werdet euch wohl noch knapp dreißig Tage gedulden müssen bis eure neue Mitbewohnerin einzieht.«
Ganz sicher werde ich hier nicht einziehen. Und es war mir scheißegal, ob ich mir damit den Hass aller Halbvampire, Inferni und der Obersten zuzog.
Wieder drehte Jenna sich zu mir. »Und jetzt zeige ich dir noch das Gemeinschaftsbad und dann legen wir endlich mit dem Kampftraining los.«
*
»Na Schwesterherz, wie war der erste Tag?« Alec legte mir einen Arm um die Schulter, als ich gerade den Ausgang ansteuerte.
»Es geht.« Dastraf es nicht mal ansatzweise. Noch nie in meinem Leben hatte ich mich so unwohl gefühlt und mich gleichzeitig so sehr beherrschen müssen, meine Wut unter Kontrolle zu halten. Das Kampftraining war leider kaum besser gewesen als alles andere zuvor.
Hätte ich mich bloß öfters zum Training mit Alec durchringen können. Bereits als wir Kinder waren, hatte er mich motivieren wollen, doch ich hasste es – schon immer. Nun würde ich es zu gerne dieser Jenna zeigen. Tja, davon trennten mich unglücklicherweise mehrere Lichtjahre.
