On the Rocks (Ein Cozy-Krimi mit Ruby Steele – Buch 1) - Mia Gold - E-Book

On the Rocks (Ein Cozy-Krimi mit Ruby Steele – Buch 1) E-Book

Mia Gold

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Beschreibung

Ruby Steele, 30, schön und topfit, scheint auf den ersten Blick nicht viel anders als all die anderen Expats zu sein – sie hat sich auf den Bahamas angesiedelt und spielt dort Barkeeperin und Einheimische. Flegelhafte Bargäste finden es jedoch auf die harte Tour heraus: Ruby ist ein Mixed-Martial-Arts-Profi, mit der man sich besser nicht anlegen sollte. Tatsächlich wäre Ruby eine Meisterin, wenn sie nicht gezwungen gewesen wäre, sich auf den Bahamas zu verstecken. Denn Ruby weiß zu viel. Und sie weiß, wann es Zeit ist, die Stadt zu verlassen und mit unbekanntem Ziel zu verreisen. Aber was Ruby nicht weiss, ist, warum sich ein toter Tourist im Müllcontainer hinter ihrer schäbigen Bar befindet. Oder warum ausgerechnet sie ihn finden musste. Oder warum dieser Typ um 3 Uhr morgens unterwegs war, während seine hübsche Verlobte eine Meile entfernt in einem Hotelzimmer wartete. Oder warum die örtliche Polizei ihr die Tat anhängen will. Oder warum sie vor die Wahl gestellt wird: den Mörder zu finden oder selbst in den Knast zu wandern. Kluge Entscheidungen waren noch nie Rubys Stärke. Und diese wird definitiv keine der klügeren Entscheidungen sein … Willkommen in der bahamaischen Welt von Ruby Steele, mit ihrer kleinen schäbigen Bar, ihrem gerissenen Hausäffchen, ihrem großen Alkoholproblem, ihren (viel) zu vielen Kämpfen, ihrer Unfähigkeit, Problemen zu entgehen, und ihren Fäusten aus Stahl. Rubys Leben ist ein Katastrophengebiet. Aber es gibt eine Sache, in der sie richtig gut ist: Ihr Herz zu erobern. ON THE ROCKS (A RUBY STEELE COZY MYSTERY) ist der Debütroman in einer höchst vergnügsamen Cozy Mystery-Serie, die Sie noch lange, nachdem Sie die letzte Seite umgeschlagen haben, begleiten wird. Die Bücher Nr. 2 (EXTRA DIRTY) und Nr. 3 (FULL-BODIED) der Serie sind ebenfalls erhältlich.

Das E-Book können Sie in Legimi-Apps oder einer beliebigen App lesen, die das folgende Format unterstützen:

EPUB
MOBI

Seitenzahl: 355

Veröffentlichungsjahr: 2022

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ON THE ROCKS

Mia Gold

Die Debütautorin Mia Gold ist Autorin der HOLLY HANDS COSY-KRIMIS, die aus drei Büchern (Tendenz steigend) bestehen. Dazu die CORA CHASE COSY-KRIMIREIHE, welche aus drei Büchern (Tendenz steigend) besteht, sowie die RUBY STEELE COSY-KRIMIREIHE, die aus drei Büchern (Tendenz steigend) besteht. Mia freut sich immer, von ihren Fans zu hören, also schau rein unter www.miagoldauthor.com, um kostenlose E-Books sowie die aktuellsten Neuigkeiten zu kriegen, und in Kontakt zu bleiben.

Copyright © 2020 Mia Gold. Alle Rechte vorbehalten. Gemäß dem US-amerikanischen Urheberrechtsgesetz von 1976 sowie dem deutschen Urheberrechtsgesetz ist ohne vorherige Genehmigung der Autorin jegliche Veröffentlichung, Vervielfältigung oder Verbreitung sowie die Übertragung in eine Datenbank oder ein Downloadportal untersagt. Dieses E-Book ist nur für Ihre persönliche Nutzung lizenziert. Es darf nicht an dritte Personen weiterverkauft oder unentgeltlich weitergegeben werden. Wenn Sie dieses E-Book mit anderen Personen teilen möchten, erwerben Sie für jeden der Begünstigten bitte eine gesonderte Ausgabe. Wenn Sie dieses E-Book lesen, es jedoch nicht käuflich erworben haben, oder es nicht für Sie alleine käuflich erworben wurde, senden Sie diese Ausgabe bitte zurück und erwerben Sie eine eigene. Wir bedanken uns für den Respekt, den Sie der Autorin und ihrer Arbeit entgegenbringen. Jegliche Handlung ist frei erfunden. Namen, Charaktere, Unternehmen, Organisationen, Orte, Ereignisse und die Handlung sind entweder das Produkt der freien Fantasie der Autorin, oder werden für die Handlung der Geschichte fiktional genutzt. Jegliche Ähnlichkeit mit lebendenoder toten Personen ist rein zufällig. Coverbild Copyright © Juris Kraulis

BÜCHER VON MIA GOLD

EIN COZY-KRIMI MIT RUBY STEELE

ON THE ROCKS (Buch #1)

EXTRA DIRTY (Buch #2)

FULL BODIED (Buch #3)

EIN HOLLY HANDS KRIMI

KNOCKOUT (Buch #1)

RECHTER HAKEN (Buch #2)

INHALTSVERZEICHNIS

KAPITEL EINS

KAPITEL ZWEI

KAPITEL DREI

KAPITEL VIER

KAPITEL FÜNF

KAPITEL SECHS

KAPITEL SIEBEN

KAPITEL ACHT

KAPITEL NEUN

KAPITEL ZEHN

KAPITEL ELF

KAPITEL ZWÖLF

KAPITEL DREIZEHN

KAPITEL VIERZEHN

KAPITEL FÜNFZEHN

KAPITEL SECHZEHN

KAPITEL SIEBZEHN

KAPITEL ACHTZEHN

KAPITEL NEUNZEHN

KAPITEL ZWANZIG

KAPITEL EINUNDZWANZIG

KAPITEL ZWEIUNDZWANZIG

KAPITEL DREIUNDZWANZIG

KAPITEL EINS

Ruby Steele ahnte, dass diese Kerle Probleme machen würden.

Sie waren zu viert, allesamt bullig, blond und um die vierzig Jahre alt. Ihrem Sonnenbrand nach zu urteilen, waren sie erst vor Kurzem auf den Inseln angekommen. Und betrunken waren sie auch.

Sturzbetrunken.Die Gruppe stolperte in die Pirate’s Cove und hielt im Türrahmen an. Sie musterte die riesige Schatzkiste in der Mitte des Raumes – die randvoll mit übergroßen Dublonen war – das herunterhängende Rigg, die Barhocker – die aus Fässern bestanden und auf denen stand ‚Yo, Ho, Ho, Rum‘ – sowie die ausgestopften Papageien über der Bar.

Einer der Neuankömmlinge wandte sich an Ruby und fragte in einem osteuropäischen Akzent, den Ruby nicht entziffern konnte: „Hey, wir sind in Karibik oder auf Filmset?“

„Ein bisschen von beidem. Was hättest du gerne?“, fragte Ruby.

„Eine Runde Wodka und vier Nutten.“ Das brachte ihm ein Lachen seiner Freunde ein, die sich der Bar näherten.

Ruby blendete den Witz aus und schenkte den Wodka ein. Jeder, der diese Bückware von Wodka bahamischen Rum vorzog, den diese Bar ausschenkte, war ein Idiot.

Der Anführer tippte mit seinem stummeligen Finger auf die Bar. „Lass hier.“

Er sagte es wie ein Befehl, als wäre sie eine Dienerin.

Ruby ließ die Flasche stehen und machte sich eine mentale Notiz, ihnen die gesamte Flasche zu verrechnen, obwohl sie nur zu zwei Dritteln voll war.

Bis jetzt war es ein ruhiger Abend in der Pirate’s Cove gewesen. Ruby hatte erst zwei Pfützen Erbrochenes aufgewischt, einen betrunkenen Faustkampf aufgelöst, einen ausgerenkten Finger wieder eingerenkt – nachdem ein Tourist von der Schatzkiste gefallen war – und einen einstündigen Monolog darüber ertragen, dass Aliens eine UFO-Basis in der Nähe der Bahamas betrieben, die sie für Menschenversuche benutzten.

Ja, das war ein ruhiger Abend. Und sie hatte das Gefühl, dass es bald weniger ruhig zugehen würde.

Sie verdiente etwas Besseres als das hier.

Zugegeben, der Job bezahlte die Rechnungen. Außerdem hatte sie einen Angestelltenrabatt auf den Alkohol und sie lag all den Stammgästen am Herzen. Aber musste sie wirklich in einer staubigen alten Bude arbeiten, die nur minimal besser war, als direkt in der Gasse zu trinken?

Klar, sie war nach Nassau geflohen, um unterzutauchen. Das bedeutete nicht, dass sie in der tropischen Version eines Glasscherbenviertels enden wollte.

Während sie einem bahamaischen Hotelarbeiter – der kaum aufrecht auf seinem Fass sitzen konnte – einen weiteren Rum einschenkte, musterte sie die Bar im Dämmerlicht. Die Haufen aus falschen Goldmünzen, die neben der Schatzkiste lagen, hatten ihre Farbe schon fast vollständig verloren – wegen betrunkenen Touristen, die, wie jener eben, immerzu auf sie kletterten. Jetzt sahen die spanischen Dublonen wie das Aluminium aus, aus dem sie waren. Die Korallen aus Gips an der Wand waren beschädigt, verblichen und voller Flecken von weiß Gott was. Und die Toiletten? Man hätte sie genauso gut Kielräume nennen können.

Wenigstens würde hier niemand nach ihr suchen.

Der Besitzer – ein von der Sonne gebräunter Engländer namens Neville Patterson – der Bermuda-Shirts und ein knalliges Blumenhemd trug, was ihn wie ein Tourist aussehen ließ, obwohl er bereits zehn Jahre hier lebte, kam aus dem Büro auf sie und ihren Kollegen zu. Kristian Rolle. Er hatte seinen Piratenhut auf und eine Augenklappe über ein Auge gespannt.

„Wie stehen die Segel, Matrosen?“

„Hör auf“, sagte Ruby.

„Alles in bester Ordnung, Captain!“, erwiderte Kristiano mit einem breiten Grinsen auf seinem dunklen bahamaischen Gesicht. Aus irgendeinem Grund fand der große Kerl den Piratenakt ihres Chefs lustig. Ruby so gar nicht. Die Gäste auch nicht. Und die Osteuropäer sahen Neville an, als wäre er ein Fall für die Klapse.

Kristiano aber lachte. Der große Teddybär. Hundertvierzig Kilo geballte Muskelkraft, also irgendwie ein unüblicher Teddybär – aber er lachte immer über jedermanns Witze.

Den einzigen Witz, den Ruby hier sah, war ihr Leben.

Im Moment waren so um die zwanzig Stammgäste hier. Die meisten davon Männer, doch hie und da auch ein paar Frauen. Ruby und Kristiano waren beschäftigt damit, einer Mischung von Einheimischen, Expats und einem einsamen Touristen – der eine Runde für alle in der Bar bestellte, nachdem er seinen Finger wieder eingerenkt bekommen hatte – Bier und Shots auszuschenken. Er bot sogar an, Ruby und Kristiano einen auszugeben. Ein scharfer Blick von Neville hielt Ruby jedoch davon ab, anzunehmen. Sie durfte erst nach ihrer Schicht trinken. Dann aber gab es kein Halten mehr.

Ruby warf ihm einen scharfen Blick zurück. Dieser aber schüchterte Neville nicht ein. Niemand ließ sich heutzutage noch von ihr einschüchtern.

Sie tat es mit einem Achselzucken ab. Sie konnte es Neville nicht übelnehmen, dass er sie davor bewahrt hatte, das Getränk zu akzeptieren.

Hier drinnen waren bereits genug Betrunkene. Die Osteuropäer am Ende der Bar waren mit ihrer Flasche schon beinahe fertig.

Während sie am Tresen hoch und runter lief, überhörte sie die bekannten, angenehmen Gesprächsfetzen, die immer zu ihr durchdrangen.

„Die Echsen von der Draco-Konstellation kämpfen gegen die Grauen des galaktischen Ringes, die … “

„… Dieser Deutsche hatte einen so schlimmen Sonnenbrand, dass er keine Handtücher benutzen konnte. Also hat er sich vom Zimmerservice Feuchttücher bringen lassen!“

„Meine Kinder? Ja, sie werden irgendwann mal vorbeikommen …“

„Was meins’n du, isch hatt genu’g? Ein Kurzer mehr wird dich nicht umbringen. Ich meine mich. Ruby! Zwei Kurze! Dat Übliche.“

„Wenn du wieder auf den Boden kotzt, wirst du es aufwischen“, sagte Ruby wütender als sie sich fühlte. Sie griff nach einer Flasche Rum und füllte die Shotgläser eines pensionierten Versicherungsverkäufers aus New Jersey sowie eines einheimischen Scuba- und Surflehrers, der gerade mal ein Drittel so alt war wie sein Freund, mit dem er über ein paar Gläser Alkohol eine ungewöhnliche Freundschaft geschlossen hatte. Zoomer, das in der Bar wohnhafte Kapuzineräffchen, saß auf dem Fass zwischen ihnen und aß gesalzene Erdnüsse aus einem Schälchen. Er klatschte mit seiner haarigen kleinen Hand auf den Tresen und Ruby schüttete einen Tropfen Rum ins Schälchen. Zoomer sprang auf dem Fass auf und ab und klatschte in die Hände.

„Oh-oh“, murmelte Kristiano.

Ruby folgte seinem Blick.

Am anderen Ende der Bar standen die Osteuropäer und starrten Desaray, die bahamaische Frau, die sich über den sonnenverbrannten Deutschen beschwert hatte, offen an. Sie arbeitete als Zimmermädchen in einem der Hotels. Die zierliche braungebrannte Frau war Stammgast hier und ersäufte ihren Stress eines knechtischen Jobs im Alkohol.

Was Desaray jetzt ganz bestimmt nicht brauchte, war, dass einer dieser Slaven sich zu ihr gesellte und ihr ein Getränk anbot.

Sie nahm einen Schluck von ihrem Bier, um wortlos klarzumachen, dass sie es vorzog, allein zu trinken. Sie war nett zu den Stammgästen, weil sie alle wussten, dass sie einen Ehemann und zwei Kinder hatte, aber allen anderen zeigte sie die kalte Schulter.

„Komm schon“, winselte der Kerl. „Nur einen Drink. Und dann setz dich auf meinen Schoß, während ich dir über mein Leben in Bukarest erzähle.“

Desaray sah ihm in die Augen. „Zwei Straßen runter links gibt es einen Puff.“

Das war nicht gelogen. Das war die Nachbarschaft, in der sich die Bar befand.

Ruby bewegte sich auf die Gruppe zu.

„Ganz ruhig“, flüsterte Kristiano.

„Ich kann auf mich selbst aufpassen“, erwiderte Ruby.

Kristiano verzog das Gesicht. „Genau das befürchte ich ja.“

Ja, sie konnte auf sich selbst aufpassen – vor allem wenn es um solche Scherzbolde wie die hier ging. Alle vier von ihnen waren in guter Form, aber sie waren betrunken und hatten kein Situationsbewusstsein, standen alle nahe beieinander. Kein Abstand. Sie könnte sie wie Bowlingpins umschmeißen.

Der Typ versuchte Desaray zu bezirzen, näherte sich ihr und bemerkte nicht, dass sie ganz klar zu verstehen gab, dass sie nicht interessiert war, indem sie sich so sehr zurücklehnte, dass sie beinahe von ihrem Rumfass fiel.

Ruby schob ein Schälchen Erdnüsse vor den Lustmolch und hoffte, ihn damit abzulenken. Frauen und Essen. Zwei gute Arten, um Männer abzulenken. Die meisten Männer dachten nur mit ihrem Magen und mit etwas, das sich etwas weiter südlich davon befand.

Leider gewann die südlich gelegene Region seines Körpers.

„Komm schon, Mädel. Du noch nie mit Rumänen gewesen?“

„Ich bin Raucherin“, sagte Desaray zu ihm.

„Na und?“

„Deiner Alkoholfahne nach zu urteilen, würde ich die Bar in die Luft jagen, wenn ich mir eine anzünden würde.“

„Schlampe!“, schnaubte der Mann und drehte sich dann um, um den Rest der Bar zu mustern. Von den drei anderen Frauen in der Bar machte eine in der Ecke mit dem örtlichen Dealer rum und die anderen beiden waren alt genug, um seine Mutter zu sein.

Er drehte sich wieder zur Bar hin und sein Blick fiel auf Ruby.

Ruby seufzte. Jetzt kommts.

„Du siehst gut aus. Fit auch. Machst du Sport?“

„Ich habe schwarze Gürtel in drei verschiedenen Kampfsportarten.“

Alle Rumänen lachten. Alle anderen nicht.

Zoomer hüpfte rüber und begann die Erdnüsse vor dem Mann zu essen.

„Oh Gott!“, schrie der Rumäne und sprang zurück. Der Schrei erschreckte Zoomer und er sprang ins Tauwerk.

„Vorsicht. Du machst ihm Angst“, sagte Ruby und ihr Herz klopfte etwas schneller.

Bitte geh weg. Bitte, bring mich nicht dazu, die Fassung zu verlieren.

Einer der Rumänen sagte etwas in seiner Muttersprache, deutete auf Kristiano und machte Affengeräusche. Sie alle lachten. Kristiano blendete sie aus.

„Hey!“, rief eine der Saufnasen zu ihm rüber. „Sprichst du Englisch?“

„Das ist unsere Landessprache“, sagte Kristiano grinsend. Seine Geduld erstaunte Ruby immer wieder von Neuem.

„Dieser Affe … Ist das dein Sohn?“

Nicht einmal Kristiano konnte darüber schmunzeln. Er wandte sich ab, um einen Gast zu bedienen. Oh, zum Teufel. Ihr Idioten werdet mich wirklich dazu bringen, was?

Die anderen drei Rumänen gingen auf Desaray zu, um sie anzustarren, als wäre sie ein Stück Fleisch. Der Typ, der Ruby anstarrte, lehnte sich über den Tresen. Ruby hätte einen Schritt zurückmachen können, entschied sich aber dagegen.

Das hätte er nur als Schwäche interpretiert. Vielleicht hätte das die Situation entschärft, vielleicht hätte sie sie noch angespannter gemacht. Ruby wusste es nicht – Betrunkene waren immer schwer einzuschätzen – und langsam war es ihr egal.

Der Rumäne sah sie anzüglich an, musterte ihr kurzgeschnittenes Haar, das an der Seite abrasiert war, ihre strahlend blauen Augen und ihren schlanken und athletischen, dreißigjährigen Körper. Er sah aus als würde er versuchen, sich eine witzige Bemerkung auszudenken. Es dauerte.

„Wir haben schönes Bungalow an Strand. Wenn du so taff bist, vielleicht kannst du mit allen vier von uns aufnehmen.“

Wenn sie in diesem Moment gegangen wären und aufgehört hätten, die Personen zu piesacken, die sozusagen ihre Familie waren – so traurig diese Tatsache auch war – hätte sie ihren Stolz mit ein paar Schlucken Rum auf der Frauentoilette runtergespült und die ganze Sache als schlechtes Erlebnis in einem beschissenen Job abgetan. Aber dieser Kerl war zu dumm, um das zu tun.

Stattdessen tat er das Dümmste, was er hätte tun können.

Er griff nach ihrer Brust und das Grinsen eines ungezogenen Schuljungen breitete sich auf seinem Gesicht aus. Seine Freunde lachten.

Ruby schlug nur seine Hand weg. Kein Geschrei, kein Zurückweichen, kein Rufen nach dem riesigen dunklen Mann, mit dem sie ihren Job und ihre Sorgen teilte.

In ihr jedoch brodelte es. Adrenalin kursierte durch ihre Adern.

Dass sie nicht reagierte, verwirrte den Grapscher. Er starrte sie an.

„Du hast exakt drei Sekunden, um dich zu verziehen“, sagte sie zu ihm.

Der Kerl lachte nur.

Ein rechter Haken auf die Nase? Ihn mit einem Schlag auf die Matte legen, wie ich es mit Christie Sanders bei den nordöstlichen Regionalmeisterschaften getan habe? Oder ein Sprung über den Tresen, gefolgt von einem Roundhouse-Kick in den Kiefer, wie ich es mit Melanie Hampton in den Europameisterschaften getan habe? Das würde ihn für eine Weile mundtot machen.

Aber das kannst du nicht. Wenn die Bullen kommen, werden sie überprüfen, wer du bist. Und wenn sie das tun …

Der Kerl griff sich in den Schritt. „Blöde Schlampe. Bring uns eine weitere Flasche und komm zu Bungalow mit uns. Du auch.“

Er packte Desaray an der Schulter, drehte sie herum und drückte ihr einen herben Kuss auf die Lippen.

Ruby zog den Mann an den Ohren und knallte ihn mit seinem Kinn voran auf den Tresen, woraufhin das laute Knacksen von brechenden Zähnen zu hören war. Während er zu Boden fiel, sprang Ruby über den Tresen und begab sich in Kampfposition, hob ihre Arme hoch, um ihren Kopf zu schützen.

Ihren Kopf zu schützen war unverzichtbar. Ein weiterer böser Schlag auf ihren Kopf könnte sie umbringen.

Ein simpler Front-Kick in den Solarplexus ließ den nächsten Typen in seinen Freund stürzen. Sie beide fielen zu Boden. Der Letzte, der noch auf den Beinen war, wich nach links aus und entfernte sich vom Barbereich.

Jetzt hatte er mehr Bewegungsfreiheit.

Er hatte seine Arme hochgehoben und begab sich ebenfalls in eine Kampfposition.

Soweit Ruby sehen konnte, hatte er keine Ausbildung genossen, sondern nur jede Menge Erfahrung darin, andere Betrunkene in Spelunken zu vermöbeln.

Sie duckte sich, sodass sein Schwinger ins Leere ging. Das Einfachste wäre in dieser Situation gewesen, den Typen an seinen Eiern zu packen und sie einmal schön rumzudrehen – aber sie wollte nicht, dass man ihr Sexismus vorwerfen würde. Stattdessen trat sie ihm die Beine weg, sodass er zu Boden ging.

Ruby drehte sich gerade rechtzeitig um, um den einzigen Typen, der noch bei Bewusstsein war, aufstehen zu sehen. Es war derjenige, der zu Boden geworfen, aber nicht direkt von ihr getroffen worden war.

Sie war drauf und dran, dieses Versäumnis nachzuholen.

Ein Schlag in den Bauch ließ ihn sich krümmen, dann warf sie ihn in Richtung Tür. Es half, dass der Professor gerade reinkam. Der Mann flog an ihm vorbei und landete auf der Straße. Der Professor richtete seine Brille, strich mit seiner Hand an seinem reinen weißen Anzug hinab und sah Ruby an. Dann sagte er mit einem schleppenden Südstaatler-Tonfall: „Junge Dame … Wenn Hemingway noch am Leben wäre, glaube ich, würde er Ihnen einen ausgeben.“

„Hemingway war ein frauenfeindlicher Mistkerl. Ich kann mir meine eigenen Getränke kaufen.“

Ruby zog zwei der ächzenden Männer aus der Tür und hob sich den Mann, der auf sie losgegangen war, bis zum Ende auf.

Der Professor setzte sich auf eines der jetzt freien Fässer. „Kristiano, einen Mint Julep, bitte.“

„Kommt sofort, Professor.“

Ruby hievte den letzten Rumänen hoch und schleppte ihn auf die Straße hinaus, wo er ihn auf seine Freunde schichtete. Desaray stand mit ihrem Handy daneben.

„Ist mein Gesicht auf dem Video zu sehen?“, fragte Ruby.

„Ich kenne die Regeln.“

„Wird das jetzt zu einem weiteren viralen Video für deinen YouTube-Kanal?“, fragte der Dealer Desaray, als sie wieder nach drinnen gingen.

„Irgendwie muss ich ja für das College meines Kindes sparen“, erwiderte Desaray.

„Kommt nicht zurück!“, rief Ruby über ihre Schulter und knallte die Tür hinter sich zu.

„Diese Jungs haben es verdient, sondiert zu werden“, verkündete der ansässige Ufologe der Kneipe.

„Meldest du dich freiwillig?“, fragte Ruby.

Die Bohnenstange von Bahamaer, der seinen Namen nie preisgegeben hatte, weil ‚sie‘ es auf ihn abgesehen hatten, schüttelte seinen Kopf und nahm einen Schluck von seinem Bier. „Ich stamme nicht von einer hinreichend fortgeschrittenen Spezies ab. Ich wäre nicht in der Lage, es richtig zu machen.“

Ruby begab sich auf kürzestem Wege zur Frauentoilette. Sie hielt sich angesichts des Gestanks die Nase zu, ging in eine der Kabinen und zog einen Flachmann hervor, der mit Klebeband auf der Innenseite des Klopapier-Halters angebracht war. Sie nahm einen großen Schluck und ließ den Flachmann angesichts ihrer zitternden Hände beinahe fallen.

Sie versuchte, ihre Atmung zu beruhigen. Versuchte, ihren Körper davon abzuhalten, zu zittern. Ein weiterer Schluck Rum half dabei. Der dritte noch mehr.

Die Tür zu den Toiletten wurde krächzend geöffnet. Sie wirbelte herum, war bereit, den Flachmann ins Gesicht desjenigen Rumänen zu knallen, der dumm genug gewesen war, um zurückzukommen.

Kristiano stand mit besorgter Miene in der Tür.

Er sagte nichts, ging nur auf sie zu und schlang seine riesigen Arme um sie.

Ruby weinte nicht. Ruby weinte nie. Stattdessen vergrub sie nur ihr Gesicht an seiner starken Brust und spürte, wie die Anspannung von ihr abließ.

„Diese Bude treibt mich in den Wahnsinn“, flüsterte sie.

Kristiano nahm ihr den Rum aus den Händen und steckte ihn in seine Hosentasche.

„Diese Bude hält dich bei Verstand“, erwiderte er. „Du bist die Einzige, die dich in den Wahnsinn treibt.“

***

Es war fünf Uhr morgens und die letzten Trinker waren vor einer halben Stunde gegangen. Kristiano und Ruby warfen eine Münze, um auszuhandeln, wer die Toiletten saubermachen würde. Kristiano verlor, fluchte und kriegte daraufhin einen Stupser in die Wange. Dann ging er davon, um den nächtlich verschütteten Giftmüll aufzuwischen. Das hieß, Ruby hatte den etwas weniger ekligen Job ergattert, die Tische sauberzumachen und den Boden zu putzen. Sobald sie damit fertig war, drückte sie sich an Neville vorbei, der das Geld in der Kasse zählte, und leerte das Trinkgeldglas. Sie zählte die Hälfte davon ab, knallte das Meiste davon ihrem Boss vor die Nase und nahm sich eine Flasche Rum.

„Ich sollte euch nicht weiter Angestellten-Rabatt geben“, grummelte Neville.

„Wenn du das tust, werde ich dir in den Hintern treten.“

„Du trittst schon genug Hintern. Was, wenn diese Rumänen die Bullen gerufen hätten?“

„Nachdem sie gegen ein einziges Mädchen verloren haben? Wohl eher nicht.“

Neville zuckte mit den Achseln, legte dann eine Hand auf ihre Schulter, die andere auf die Flasche.

„Wie wäre es, wenn du dir einen Abend freinimmst?“

Ruby lächelte. „Bietest du mir etwa bezahlten Urlaub an?“

Neville sackte ein. „Nein, ich meine –“

„Ich bringe besser mal den Müll raus.“ Ruby nahm ihm die Flasche aus der Hand, steckte sie in ihre Tasche und machte sich wieder an die Arbeit. Sie konnte Nevilles Blick auf ihr spüren. Sie sah ihn nicht an. Sie wollte ihm keine Möglichkeit geben, weiterzureden.

Ohne ein weiteres Wort leerte sie die Mülleimer und trat mit einem schweren Müllbeutel in jeder Hand die Hintertür auf.

Die Hintergasse war schmal, dunkel und hielt noch immer eine große Menge der tropischen Wärme der Nacht. Die Kneipe stand in einer Reihe von Läden und Bars. Dahinter ragte eine große Lagerhalle empor, deren Wand sich auf der anderen Seite der Gasse entlangzog. Ein Müllcontainer stand an jedem Ende. Ruby marschierte auf den nahegelegensten zu und hielt dann inne.

Eine von Schatten verborgene Person mit einer zerfetzten Baseballmütze huschte aus den Schatten des Containers und verschwand um die Ecke.

Eine Sekunde lang dachte Ruby, dass es sich um einen Straßenräuber handelte. Straßenkriminalität wurde in Nassau immer üblicher. So, wie der Typ sich verzogen hatte, machte es nicht den Anschein, als ob er herumlungern wollte. Vielleicht hatte er nur angehalten, um zu pinkeln – wie es so manche taten. Sie konnte es jede Nacht riechen.

Ruby stellte sich vor, wie sie das Gesicht dieses Typen in eine Pfütze seiner eigenen Pisse steckte, wie ein nicht stubenreiner Hund. Aber sie ging ihm nicht nach. Sie hob sich ihre Fähigkeiten für die wirklich Unwürdigen auf, anstatt sie an Widerlinge und Perverslinge zu verschwenden.

Du bist noch immer wütend wegen dieser Typen. Geh nach Hause und gönn dir mindestens eine halbe Flasche Rum, sagte sie zu sich selbst, als sie die Müllsäcke neben der Tonne abstellte.

Sie hob den Plastikdeckel hoch. Und erstarrte vor Schreck.

Sie stieß einen gewürgten Schrei aus und stolperte zurück, bis sie gegen die gegenüberliegende Wand der Gasse stieß. Kalter Schweiß brach auf ihrem ganzen Körper aus und ihr Herz hämmerte wie wild in ihrer Brust.

KAPITEL ZWEI

Ruby drückte ihren Rücken gegen die Betonwand, starrte den Container im fahlen Licht der Gasse an. Sie konnte den Körper, den sie darin eben erblickt hatte, nicht sehen und versuchte sich davon zu überzeugen, dass er nicht wirklich da war.

Sie versuchte es – und scheiterte.

Sie sah nach links, dann nach rechts, sah niemand in ihrer Nähe.

Nur ein paar Meter hinter dem Container öffnete sich die Gasse in eine Seitenstraße, die voller Lagerhallen und Lagereinheiten war. Sie war schon tagsüber ziemlich unbelebt, und um diese Uhrzeit war sie vermutlich völlig leer.

Ausgenommen von der Person, die sie in diese Richtung hatte gehen sehen.

Sie nahm all ihren Mut zusammen, begab sich in eine Kampfposition, hob ihre Fäuste hoch und spähte aus der Gasse.

Du hattest mal eine bessere Reaktionszeit.

Ein Blick in beide Richtungen ließ auf keine Bedrohungen in unmittelbarer Nähe schließen. Bei genauerem Hinsehen bemerkte sie, dass die Person verschwunden war.

Er hätte mehrere Wege einschlagen können und nur etwas schneller gehen müssen, um mittlerweile außer Sichtweite zu sein.

Wer auch immer das gewesen war – er war weg.

Sie leckte ihre trockenen Lippen und ging zurück zum Container.

Der tote Mann war mittleren Alters, vielleicht so gegen Ende dreißig. Kurz gewachsen und dünn. Er hatte dunkles, kurzgeschnittenes Haar, dessen Haarlinie leicht zurückgegangen war. Er trug helle Hosen und ein Poloshirt. Ruby schätzte, dass er ein Buchhalter oder eine mittlere Führungskraft auf Urlaub war.

Aber Buchhalter und mittlere Führungskräfte endeten nicht tot in einem Müllcontainer. In einem üblen Stadtviertel. Mit einem aufgeschlitzten Hals.

„Ich muss die Polizei anrufen“, flüsterte sie.

Sobald sie das gesagt hatte, wusste sie, dass sie das nicht konnte. Bullen bedeuteten Fragen. Fragen, auf die sie keine guten Antworten hatte. Zum Beispiel, warum sie in einem heruntergekommenen Haus und ohne dort angemeldet zu sein, lebte. Oder warum Neville sie bar bezahlte. Oder warum sie kein Bankkonto hatte, obwohl sie seit über einem Jahr auf den Bahamas lebte.

Oder warum eine gewisse Senatorin von New Jersey eine Aktentasche voller sensibler Informationen verloren hatte, während Ruby an ihrer Seite gewesen war. Und ihr Leben auch.

Und was kannst du wirklich tun, um zu helfen? Der Typ ist tot, und du hast diese Person, die davongelaufen ist, nicht lange oder eindeutig genug gesehen, um sie zu identifizieren.

Ruby sah den toten Mann einen langen Moment an und schloss dann den Container mit einem Scheppern. Du bist ein Lumpenhund, Ruby.

Sie griff nach den Müllbeuteln und hielt inne. Auf dem Boden neben dem Container lag ein kleines Stück Metall. Wie ein Münzstück, aber mit einem merkwürdigen Muster darauf.

Ruby kniete sich hin und sah, dass auf der Vorderseite ein Dreieck sowie ein paar Worte eingeritzt waren, die sie nicht verstand.

Sei dir selber treu.

Einigkeit

Dienst

Genesung

Was war das? Eine Art AA-Münze? Ganz offensichtlich gehörte sie keinem ihrer Gäste.

Ruby stand auf und sah ein weiteres Mal aus der Gasse. Niemand. Auf einer entfernten Straße sauste ein Bus vorbei – brachte vermutlich Hotelarbeiter zu ihrer frühmorgendlichen Schicht, um Teppiche zu saugen und Frühstück für reiche Touristen zu kochen.

Ruby griff nach den Müllbeuteln, eilte auf die andere Seite der Gasse und warf sie in den anderen Container.

Sie rannte zurück zur Hintertür der Pirate’s Cove, knallte sie zu und verriegelte sie hinter sich.

„Du warst ganz schön lange da draußen“, sagte Neville und löschte die Lichter hinter der Bar.

„Einer der Müllsäcke ist gerissen“, murmelte Ruby. Dann fragte sie mit leicht gebrochener Stimme: „Wo ist Kristiano?“

„Er ist bereits gegangen.“

Ohne ein weiteres Wort griff Ruby nach ihrer Tasche und sauste aus der Tür.

***

Ruby saß auf der Veranda ihres Bungalows und nahm einen kräftigen Schluck von ihrer Rumflasche, die sie sich von ihrem Trinkgeld gekauft hatte. Am östlichen Horizont machte sich der erste fahle Schimmer der Morgendämmerung bemerkbar und erleuchtete das Meer seicht.

Der baufällige Bungalow lag auf einem kleinen Hügel östlich von Nassau und bot einen Blick auf den Strand und die Karibik. Auf den Hügeln waren mehrere weitere Bungalows verteilt. Die meisten davon wurden von einheimischen Familien geteilt. Dann war da noch eine säuberlich angebrachte Reihe von touristischen Mietbungalows am Rande des Strands. Zwischen den Bungalows und den Mietobjekten der Touristen verlief eine vierspurige Schnellstraße. Sie nannte sie ‚die Banlieue‘ und sie befand sich auf der falschen Seite davon. Diese Nachbarschaft bestand fast ausschließlich aus armen Bahamaern.

Darum war die Miete auch so niedrig.

Ja, das Dach war undicht. Ja, das Badezimmer schimmelte. Ja, sie musste den Ufologen – der ein guter Klempner war, wenn er sich genug konzentrieren konnte, um zu arbeiten – anheuern, um ihr mit mehreren Lecks, undichten Stellen und sintflutartigen Überschwemmungen zu helfen. Aber es war groß, ruhig und weit entfernt von allem anderem in ihrem Leben.

Aber die undichten Rohrleitungen und die mysteriösen Ökozonen, die zwischen ihren Badezimmerkacheln gediehen, waren jetzt das Letzte, woran sie dachte. Sie kriegte dieses Bild dieser Leiche nicht aus dem Kopf.

Irgendein armer Kerl war wie ein Müllbeutel in einen Container geschmissen worden. Klar, vielleicht war er ein mieses Stück Scheiße gewesen. Vielleicht war er in etwas involviert gewesen, von dem anständige Menschen sich distanzieren würden. Aber niemand sollte in einem Müllcontainer enden.

Die Erinnerung daran, wie er zwischen den Müllbeuteln, leeren Bierflaschen und Fastfood-Verpackungen gelegen hatte, ließ sie erschaudern und sie nahm einen weiteren Schluck von ihrer Flasche.

Wie hatte sie ihn einfach so zurücklassen können? Und dann wiederum, wie hätte sie es nicht tun können? Wenn sie es der Polizei gemeldet hätte, würden sie ihre Nase überall reinstecken. Nachdem sie herausfinden würden, dass sie unter einem falschen Namen für Bares arbeitete, würden sie ihre Vergangenheit ans Licht holen, und das durfte sie nicht zulassen.

Denn, wenn sie von der Senatorin erfahren würden, könnte es sein, dass sie ihre nächsten Verwandten kontaktierten. Oder noch schlimmer … Das Außenministerium.

Der Kerl ist tot, sagte sie sich zum hundertsten Mal. Du kannst ihm nicht helfen. Du kannst ja kaum dir selbst helfen. Verhalte dich unauffällig und sei froh, dass du noch so etwas wie ein Leben hast.

Aber dieser arme Mann …

Das Schlimmste daran war, dass der Kerl ihrem Vater irgendwie ähnlich sah.

Ihre Mutter war gestorben, als sie noch ein Kind war, und Ruby hatte keine Geschwister. Also waren sie und ihr Vater ihr ganzes Leben lang ‚Team Wayne‘ gewesen.

Nicht ‚Team Steele‘. Dieser Name war später gekommen, auf den Bahamas.

Ihr Vater war ein Boxer und Ju-Jitsu-Lehrer gewesen, als er noch jung gewesen war – und bevor Ju-Jitsu zum Trend geworden war. Ruby war als Kämpferin groß geworden. Sie hatte mit zehn angefangen zu sparren und war mit sechzehn in ihren ersten Faustkampf mit einem Jungen aus ihrer Schule geraten. Er hatte gedacht, dass sein Date zu vergewaltigen eine angemessene Kompensation für das Essen war, das er bezahlt hatte. Sie hatte ihm das Schlüsselbein gebrochen und war der Schule verwiesen worden. Er war ohne jegliche Strafe davongekommen.

Danach nahm ihr Training eine andere Form an. Es wurde ihr ernster und sie zeigte Talent. Mit zwanzig kämpfte sie im MMA-Ring mit ihrem Vater als Coach und Trainer. Ruby gewann öfters als sie verlor, und bald darauf verlor sie überhaupt nicht mehr. Team Wayne begann erfolgreich zu werden.

Regionale Titel verwandelten sich in nationale. Ein internationaler war der nächste Schritt.

Bis Vegas kam.

Ruby trank weiter.

Sie fragte sich, ob ihr Vater noch immer versuchte, sie zu finden. Er musste jeden Freund, jeden Kämpfer gefragt haben, aber keiner von ihnen war in der Lage gewesen, ihm zu sagen, wohin sie verschwunden war. Er hatte vermutlich sogar einen Privatdetektiv angeheuert.

Glaubte er, dass sie tot war? Nein, das hätte bedeutet, dass er aufgegeben hätte. Und ihr Vater war nicht die Art Mensch, die aufgab.

Zu schade, dass das nicht in der Familie lag.

Sie trank weiter.

Die Sonne spähte über den Horizont, blendete ihre Augen und ihr wurde schwindelig. Sie bedeckte sie und sah auf das strahlend blaue Wasser und den sauberen Strand, der um diese Zeit menschenleer war.

Ein weiterer Tag im Paradies.

Dann musterte sie die nähere Umgebung. Sie saß auf einem krächzenden Stuhl auf einer zerfallenden Veranda. Auf dem Hügel und den Hängen um sie herum standen Bungalows, die mit oxidiertem Eisen bedacht waren. Die Türen waren fest verriegelt, die Fenster dunkel.

Die Bahamaer hielten ihre Häuser sauber und aufgeräumt. Ihre Armut war nur daran zu erkennen, dass ihnen ein paar Dinge fehlten. Wenige Satellitenschüsseln und alle davon selbstgemacht, keine frische Farbe, keine geteerten Straßen, keine Autos.

Ruby nahm einen letzten langen Schluck aus der Flasche, stellte sie neben ihren Stuhl – für später, wenn sie sie brauchen würde – und stolperte nach drinnen in ihr Bett.

Sie hoffte, dass sie genug getrunken hatte, um nicht zu träumen.

***

Der Kampf um den Titel. Eine jubelnde Menge und Fernsehkameras. Ruby tritt gegen Teresa Klein, den Champion, an.

Fünf Minuten seit Beginn. Klein hat schon dreimal versucht, sie nach unten zu drücken, doch Ruby hat sich befreit und ist aufgestanden, kämpft mit harten Bandagen zurück. Anstatt eines Kampfs am Boden wechselt Klein zu Schlägen und Tritten.

Das geht in Ordnung für Ruby. Das ist ihre Spezialität.

Klein kommt mit einer Reihe Schläge auf sie zu. Ruby schlägt hart zu, weicht zurück. Schlägt hart zu, weicht zurück.

Mach sie müde. Steck die Schläge ein, die du vertragen kannst, und schlag härter zurück. Duck dich nach rechts. Duck dich nach links. SCHLAG ZU.

Klein wird müde. Sie trifft weniger und ihre Schläge tun weniger weh.

Was war das? Etwas Verschwommenes an Kleins rechtem Handschuh. Eine lose Schlaufe?

Was auch immer. Sie wird in den nächsten dreißig Sekunden ohnehin aufgeben.

Dann wirst du Weltmeisterin.

Team Wayne!

Ruby wachte erschrocken auf, blinzelte im Angesicht des harten Tageslichts. Sie erwachte mit einem pochenden Kopfschmerz, einem trockenen Mund und ganzen fünf Sekunden wunderbarer Vergessenheit, bis ihr die Ereignisse der vorangegangenen Nacht wieder einfielen.

Sie fluchte murmelnd und stolperte in ihr Badezimmer, ignorierte das gezeichnete Gesicht im Spiegel, und nahm einen großen Schluck Wasser vom laufenden Wasserhahn, gefolgt von einer Ibuprofen. Eine lange heiße Dusche komplettierte ihre körperliche Erholung.

Sie ließ ihr Schlafzimmer mit massenhaft ungewaschenen Klamotten darin zurück – inklusive einem Paar Unterhosen ihres letzten Liebhabers, und begab sich in die winzige Küche mit ihrem abgeschlagenen Tresen und den uralten Geräten. Die Uhr an der Wand zeigte vierzehn Uhr fünfzehn.

Ein großes Glas Orangensaft weckte sie vollständig auf. Frühstück würde warten müssen. Außer einem halbleeren Glas Senf und einer alten Pizzaschachtel, die sie nicht öffnen wollte, war nichts zu essen da.

Sie begab sich ins Wohnzimmer, dessen Fußboden kalt war. Vor einigen Jahren war es himmelblau gestrichen worden. Die Farbe blätterte mittlerweile ab, legte den Beton dahinter frei. Ein klumpiges Sofa und ein Sessel waren die einzigen Möbel – neben einem alten Fernseher, den sie kaum benutzte. Vor einem wandhohen Spiegel – dem einzigen Stück, das sie für das Haus gekauft hatte – machte sie ihr morgendliches Workout. Stretchen. Hundert Liegestützsprünge. Hundert Situps. Ein Dutzend einarmiger Liegestützen mit jedem Arm. Noch mehr Stretching.

Dann kam ihr Lieblingsteil. Zwanzig Minuten Sparringkampf mit ihrem Spiegelbild, während denen sie auf ihr Gesicht zielte und ihrem Spiegelbild in den Magen boxte – der selbstsüchtigen, gescheiterten Frau im Spiegel einen perfekten Roundhouse-Kick in den Kopf verpasste.

Sie mochte es, auf den Kopf ihres Spiegelbilds zu zielen. Mit der Kraft, die sie in diese Kicks stecken konnte, hätte sie sich selbst töten können. Sie war natürlich nicht beweglich genug, um sich tatsächlich in den eigenen Kopf zu treten. Vielleicht sollte sie anfangen, Yoga zu machen.

Sie zog sich ein Neckholder-Top und Joggingshorts an und machte sich auf den Weg zum Strand, um zu laufen. Sie kam an einer engen unbefestigten Straße vorbei, die sich um die kleinen Hügel voller Grün schlängelte. Palmen wehten in der morgendlichen Brise. Hie und da war ein Bungalow zu sehen. Ein paar Bahamaer spazierten die Bordsteine hinab. Der örtliche Fischhändler stieß einen Verkaufswagen, in dem der nächtliche Fang aufgeschichtet war, die Straße hinab. Ihre Nachbarn. Sie kannte keinen von ihnen und grüßte sie nicht, als sie sie passierte.

Als sie hierhergezogen war, hatten sie alle angestarrt. Sie war die einzige Ausländerin in der Nachbarschaft – abgesehen von einem holländischen Hippie-Paar, das schon ewig hier war, sowie einem amerikanischen Drogenabhängigen, der es sich nicht leisten konnte, woanders zu leben. Ein paar Typen hatten sie angemacht. Einer hatte versucht, sie auszurauben, und sie hatte ihm den Arm gebrochen. Sie hatten sie danach noch mehr angestarrt, sie jedoch in Ruhe gelassen und sie schließlich vergessen. Sie wurde zu einem Teil der Landschaft.

Jetzt war sie so unsichtbar wie sie es gewollt hatte.

Ruby gelangte auf eine Gerade und sprintete die letzten hundert Meter den Strand hinab, überquerte die vierspurige Küstenstraße, ohne nachzusehen, ob irgendwelche Autos kamen. Sie konnten ihr ausweichen. Sie lief an der Baustelle am Strand vorbei, stolperte beinahe über eine sonnenverbrannte Familie, die für ihre tägliche Ration Hautkrebs gekommen waren, und trat schließlich auf Sand.

Sie bog links ab, atmete die köstliche salzige Luft ein. Frühstück wartete drei Kilometer die Küste runter. Drei Kilometer die Küste hinab erwartete sie der erste Drink des Tages.

Ruby beschleunigte.

Denn es gab keine Hotels an dieser Strecke. Der Strand war nicht die überlaufene Hölle, zu der einige Teile der Bahamas geworden waren. Trotzdem sah sie zu viele Leute. Touristen, die nicht in Form waren, faulenzten im Sand in kleinen Ansammlungen. Ein paar davon wateten im seichten Wasser mit kreischenden Kindern. Einwohner bahnten sich ihren Weg durch die Menge, verkauften Muschelketten, Sonnenschirme und anderen Müll aus China. Ein paar Surfer ritten eine Welle.

Ruby wechselte auf den feuchten Sand, nahe dem Wasser, sodass ihr Lauf angenehmer wurde und sie nicht alle paar Meter jemandem ausweichen musste. Vor ihr war ein Bahamer mit einem Drachen, der aussah wie ein riesiger Falke. Er ließ ihn in einen Sturzflug gehen und flattern, manövrierte ihn mit seinen dunklen Händen wie ein Profi mit Hilfe zweier roter Plastikhalter und Schnüren, die am Drachen befestigt waren. Eine Touristenfamilie hatte angehalten, um ihm zuzusehen. Fetter Vater. Dünne, gelangweilt aussehende Mutter. Zehnjähriger Junge, der aufgeregt auf- und absprang.

Der Ortsansässige reichte dem Jungen die Haltegriffe und lehnte sich über ihn, um ihm zu sagen, was er tun sollte. Ruby machte sich darauf gefasst, sich zu ducken, falls das Ding im Sturzflug auf sie niederprasseln würde.

Zu ihrer Überraschung hatte es das Kind ganz schön drauf. Sie kam näher und hörte, wie der Vater ihm allerhand unnützer Anweisungen gab, als wäre er ein Drachen-Experte. Der Bahamaer nahm einen Schritt zurück, steckte seine Hand rasch in die Tasche der Frau und zog etwas daraus, ließ es in seine Hosentasche gleiten.

In weniger als einer Sekunde war alles vorbei. Ruby sah sich um. Niemand sonst hatte es bemerkt. Vor allem nicht die Frau oder ihr Ehemann, der seinen Sohn jetzt mit einer Geschichte darüber langweilte, wie er als Kind Drachen geflogen hatte.

Ruby ging vorbei, sah über ihre Schulter. Sollte sie etwas sagen? Wenn der Typ Probleme machen würde, könnte sie es mit ihm aufnehmen. Er war großgewachsen und schlaksig. Er war groß, aber sie war schnell, hatte das nötige Training und Kraft. Aber wenn er Probleme machen würde, könnte es sein, dass die Bullen auftauchten. Selbst, wenn er es nicht tat, sahen diese Leute aus, als wären sie Fans von Recht und Ordnung. Sie würden vermutlich die Cops verständigen und sie bitten, als Zeugin dazubleiben.

Nein. Das konnte sie nicht riskieren. Sie blickte nach vorne und rannte weiter.

Du bist echt für die Tonne, weißt du das?

Tonnen ließen sie an den Container zurückdenken.

Ich brauche einen Drink.

Sie rannte die letzten achthundert Meter zu ihrem Ziel.

Das Waving Palms war ein kleines Restaurant am Meer mit einer großen Veranda, die mit einem Dach aus Palmblättern bedeckt war. Vermutlich hätten Orte wie diese in den Vereinigten Staaten ein richtiges Dach aus Holz oder Stahl gehabt, das dann mit unechten Palmenwedeln dekoriert gewesen wäre. Aber angesichts all der tropischen Stürme, die die Inseln ergriffen, war es einfacher und günstiger, es authentisch zu halten und es schnell wieder aufbauen zu können.

Der Mittagsansturm hatte bereits geendet und sie bekam ihren Lieblingstisch. Er befand sich an der Ecke der Veranda mit Blick aufs Meer. Und wenn sie ihren Stuhl richtig ausrichtete, konnte sie keinen der anderen Gäste sehen. Das gefiel ihr. Sie musste jetzt allein sein.

Eine bahamaische Kellnerin in einem schneeweißen Kleid und einem dazu passenden Lächeln kam zu ihrem Tisch. „Hey Ruby. Heute schon jemandem in den Hintern getreten?“

„Noch nicht, Sanyjah.“

„Das Übliche?“

„Oh ja.“

Ihr Tonfall ließ Sanyjah den Rum zuerst bringen.

„Dein Frühstück kommt gleich nach“, sagte die Kellnerin mit sanfter Stimme.

Sanyjah war eine gute Freundin. Sie verstand und urteilte nicht.

Ruby griff liebevoll nach der Rumflasche in ihrer Hand. Bahamian Gold. Der beste Rum, den man auf den Inseln kriegen konnte. Rum war der einzige Luxus, den sie sich gönnte. Und niemand machte ihn besser als die Inselbewohner. Obwohl sie immer nur das Beste vom Besten trank, war Bahamian Gold das Zeug, das man ‚in der hinteren Reihe des obersten Regals‘ aufbewahrte. Die Art Alkohol, den der Barmann nicht anpries. Die Art Alkohol, nach dem man nur fragte, wenn man wusste, was gut ist.

Sie schenkte sich ein paar Finger in ein Glas und nahm einen Schluck. Ihre Zunge genoss den ausgeglichenen Geschmack. Die Anspannung und Besorgnis ließen von ihr ab, während Wärme sich von ihrem Bauch in all ihre Gliedmaßen ausbreitete.

Ich frage mich, wer diesen Typen umgebracht hat. Er sah nicht aus wie jemand, der sich in dieser Nachbarschaft herumtreiben würde.

Verdammt. Hör auf, über ihn nachzudenken!

Sie nahm einen weiteren Schluck. Der Rum schmeckte noch immer gut und die Wärme verstärkte sich, aber ein Knoten aus Anspannung tief in ihr wollte sich einfach nicht lösen.

Mein Gott, ich wünschte, ich könnte mich betrinken.

Aber sie durfte nicht. Mehr als zwei Kurze durfte sie sich nicht erlauben. Sie musste heute Abend arbeiten. Das Einzige, was sie gegen die Erinnerungen machen konnte war, den Tag damit zuzubringen, zu trainieren und zu hoffen, dass die Bewegung ihr dabei helfen würde, sich besser zu fühlen.

Das würde es auch. Ein bisschen. Nicht genug. Nein, sie würde dieses Bild von diesem armen Kerl im Müllcontainer noch mit sich rumtragen, bis ihre Schicht zu Ende war und sie eine weitere Flasche nach Hause bringen konnte.

Aber was, wenn Kristiano oder jemand anderes die Leiche gefunden hatte? Was, wenn sie zur Arbeit erschien und die Bullen den Ort durchsuchten?

Und selbst wenn nicht … Konnte sie die ganze Schicht hinter sich bringen, obwohl sie wusste, was hinter dieser Hintertür lag?

***

Die Pirate’s Cove war in vollem Schwung, als sie um einundzwanzig Uhr zur Arbeit erschien. Alle Stammgäste saßen auf ihren üblichen Plätzen und die üblichen Gespräche umgaben sie, als sie eintrat.

Die Leute grüßten sie, wie sie es immer taten, und sie antwortete automatisch, lächelte und tauschte all die vorhersehbaren Witze aus. Ihr Blick fiel immer wieder auf die Hintertür.

Kristiano schenkte ihr ein Lächeln, als sie hinter den Tresen trat.

„Geht’s dir gut?“, fragte er und legte einen seiner riesigen Arme um ihre Schultern.

„Gut genug.“

Neville stürzte aus dem Büro. Er hatte wie üblich seinen Piratenhut und seine Augenklappe an und hatte dem Kostüm ein Buschmesser aus Plastik sowie einen echten Papagei hinzugefügt. Der Name des Papageis lautete Flynn, wie in Errol Flynn. Unter Piratenflagge war Nevilles Lieblingsfilm.

„ARRRRR! Was sehe ich an der Seite des Steuerbords? Ist es eine Meerjungfrau? Nein, Matrosen, es ich meine liebste Tavernenmaid! Ich habe gute Neuigkeiten für dich. Die Landratten von letzter Nacht haben ihre Segel gesetzt und sind gen Horizont gefahren – und haben es der Stadtwacht nicht gesagt. Wir können ruhig ins Morgengrauen segeln!“

Kristiano lachte auf Stichwort. Ruby rollte mit ihren Augen.

„Ähm, okay“, sagte sie.

„Und jetzt, macht dich an die Arbeit!“, sagte er und stupste sein Plastik-Buschmesser spielerisch in ihren Bauch. Offenbar war ihm nicht bewusst, dass ein Buschmesser eine Hiebwaffe war. „Zieht das Hauptsegel hoch, bemalt den Kreuzmast und poliert die Kanonen! Wir haben eine Nacht des Trinkens vor uns. Seht aufgeweckt aus. Andernfalls werde ich euch dazu verdammen, die Decks zu schrubben und das Wasser aus dem Kielraum zu trinken.“

„Scher dich fort oder ich werde dich kielholen“, sagte Ruby lächelnd.

Neville bewegte das Buschmesser über seinem Kopf. „Aufmüpfigkeit! Meuterei! Ich werde dich über die Planke gehen lassen!“

„Planke! Planke!“, kreischte Flynn. Es war das Lieblingswort des Papageis.

„Könnte ich hier drüben noch ein Bier kriegen?“, fragte der Ufologe.

„Sofort, Matrose“, sagte Neville und griff nach einem Bier im Kühlschrank hinter dem Tresen. „Aber erzähl mir nicht, dass das Elmsfeuer Geister einer anderen Galaxie sind. Es sind die Seelen von ertrunkenen Männern. So wahr mein Name Captain Blood lautet!“

Desaray hob ihre Flasche hoch, um anzuzeigen, dass sie leer war, und Ruby besorgte ihr ein weiteres Bier. „Danke, dass du gestern Abend geholfen hast“, sagte die Bahamaerin. „Du bist eine gute Freundin.“

Ruby lächelte. Sie hatte eine Menge guter Freunde hier. Sie waren vollkommen verrückt, aber gute Leute.

„Hast du das Video hochgeladen?“, wollte Ruby wissen.