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Simbabwe - Namibia - Bayreuth: Stationen für den Mythos um Parsifal und den Heiligen Gral; Zonen der Ekstasen und des Wahns; Chiffren für Selbstüberhöhung und für Seelenverlust; Kultstätten des männlichen Schöpfungswahns und des verzweifelten Kämpfens um eine unerfüllbare Liebe. In Christoph Braendles neuem Buch träumt P. von einem Neuanfang in der afrikanischen Wildnis und der Liebe seines Lebens. Dabei lernt er eine Gegend kennen, die sich seinem Werben störrisch widersetzt, und er gerät ins Netz einer geheimnisvollen (w/32), von der er nur erfährt, dass sie Opern liebt, jene von Richard Wagner vor allem, und auf der Suche nach einem Mäzen ist, um in Wien Philosophie zu studieren... "Onans Kirchen", das sind: zwei Tagebücher und ein Brief, geschrieben von einem, dem in Afrika die Wirklichkeit entgleitet; eine rauschhafte Reportage über liebgewordene Klischees und wahnhafte Männerfantasien; ein gewaltiges und gewalttätiges Stück Literatur voller intimer Momente und Grenzüberschreitungen, die von der Fremde in uns allen erzählen, und ein ziemlich anderes Afrikabuch.
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Seitenzahl: 324
Veröffentlichungsjahr: 2012
Für Coco, Johanna und meine liebste Anna
Braendle, Christoph: Onans Kirchen / Christoph Braendle Wien: Czernin Verlag 2012 ISBN: 978-3-7076-0400-9
© 2012 Czernin Verlags GmbH, Wien Umschlaggestaltung: sensomatic Produktion: www.nakadake.at ISBN E-book: 978-3-7076-0400-9 ISBN Print: 978-3-7076-0399-6
Alle Rechte vorbehalten, auch das der auszugsweisen Wiedergabe in Print- oder elektronischen Medien
So beginnt mein neues Leben: afrikanischen Boden um zehn Uhr dreißig Ortszeit erstmals berührt. Habe mich hingekniet, habe den Boden geküsst und hätte am liebsten laut singen mögen: He! Ho! Waldhüter, ihr, Schlafhüter mitsammen, so wacht doch mindest am Morgen! Die Uhr am Flughafengebäude zeigte fünf Uhr fünfzehn, fünf Uhr fünfzehn wahrscheinlich seit Anbeginn ihrer Zeit. Fröhlich vor mich hin pfeifend bin ich ins Taxi gestiegen. Der Flug war lang gewesen, aber trotzdem angenehm. Die Zollformalitäten: ein Kinderspiel. Wo kommen Sie her?, fragte man. Ich weiß es nicht, antwortete ich. Wo gehen Sie hin? Ich weiß es nicht. Wie lange werden sie bleiben? Auch das weiß ich nicht. Hauptsache, ich bin gelandet. Hauptsache, ich bin da. Das Wetter: trocken und heiß. Die Leute: nett und freundlich. Erste Überraschung: hörte Kirchenglocken von fern.
Und jetzt! First Avenue, Fife Street, Independence. Hochhäuser, elegante Boulevards und Jakarandablütenmeere. Ich gehe, schreite, stolziere. Ich schaue, staune und versuche, Eindrücke festzuhalten. Nichts ist elend oder wild, und ich gewöhne mich schon daran, dass ich fast ausschließlich Schwarze sehe, was mich nicht aufregen kann, weil auch Schwarze bloß Menschen sind.
Habe schon lange nicht mehr so viel gelacht. Die Leute sind freundlich. Sie verstehen einen Scherz. Fühle mich wunderbar. Dieses Leben hier, es ist … freier. Fröhlicher. Ah! Afrika. Hier ist so viel Welt.
Man wird sich auf die vielen Abenteuer einlassen. Nur ja nicht auf die Karte Sicherheit setzen, nur ja nicht auf das kleinste Risiko.
Im Übrigen geht es mir wirklich blendend! „Regionaldirektor Südliches Afrika“: eine schwierige, aber wichtige Sprosse auf der Karriereleiter inklusive Beförderung und sehr, sehr, sehr gutem Gehalt. Ja, mir geht es ausgezeichnet. Die Euphorie ist mit Händen zu greifen. Sie trug mich in die Stadt eigentlich hätte mich Lang vom Flughafen abholen müssen und ins Meikles natürlich, das traditionsreiche Fünfsternehaus, dessen Gäste wissen, wer sie sind.
Und das andere? Die europäische Vergangenheit? Liegt sie in Schubladen, die geschlossen wurden, damit der Inhalt keinen Schaden nimmt? Adieu, Tafelrunde! Wir hatten unseren Spaß. Wir haben nichts zu bereuen, haben genossen, was zu genießen war, und es bis zur Neige ausgekostet. Aber jetzt ist das vorbei, es beginnt eine neue Zeit. Nur Galahad ist am Hauptsitz geblieben. Lance zog es nach Buenos Aires, Tristan ist in New York, Gawain in Moskau. Und Parsifal? Parsifal erobert Afrika! Wer findet den Gral? Die Tafelrunde hat sich gegenseitig Bericht zu erstatten. Mit einem Tagebuch löse ich das Versprechen ein.
Meikles. Die Bar des Hotels. Hier versammeln sich abends Weiße, die in der Hauptstadt leben, um sich zu betrinken und über die Schwarzen zu lästern. Sie vermuten in mir einen Verbündeten. Fischen Sie?, fragen sie mich.
Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!
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