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Teil 1 Ark 2Die Weltwirtschaft liegt brach, Menschen verschanzen sich und düstere Gestalten machen die Straßen unsicher. Eine zerstörerische Flut aus dem All verändert die Welt, doch auch das ist noch nicht genug und eine Infektion macht noch einmal alles anders. Vic, Thomas, Paul und Karren finden sich ebenso wie die Freunde Marc, Mathis und Amber inmitten einer Apokalypse mit einer Infektion wieder, die alles mehrfach auf den Kopf stellt.Teil 2 Kolonie Zer0Marc hat es geschafft die Krankheit zu stoppen und konnte den Patienten im Ark 2 Bunker helfen. Für Millionen Anderer kam seine Hilfe jedoch zu spät. Doch womit er, Victoria und Amber nicht gerechnet hatten, dass sich Affen angesteckt haben und in ihnen die Infektion mutiert ist. Marc und seine Freunde müssen sich nun zusammen mit anderen Überlebenden gegen eine neue Form der Bedrohung behaupten.
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Seitenzahl: 350
Veröffentlichungsjahr: 2013
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Ein dystopischer Roman von Mathias Warnke
Die Weltwirtschaft liegt brach, Menschen verschanzen sich und düstere Gestalten machen die Straßen unsicher. Eine zerstörerische Flut aus dem All verändert die Welt, doch auch das ist noch nicht genug und eine Infektion macht noch einmal alles anders.
Vic, Thomas, Paul und Karren finden sich ebenso wie die Freunde Marc, Mathis und Amber inmitten einer Apokalypse mit einer Infektion wieder, die alles mehrfach auf den Kopf stellt.
Impressum © 2013 Mathias Warnke Alle Rechte vorbehalten. https://www.facebook.com/Oort.Infection
”Eure Herzen kennen im Stillen die Geheimnisse der Tage und Nächte. Aber eure Ohren dürsten nach den Klängen des Wissens in euren Herzen. Ihr wollt in Worten wissen, was ihr in Gedanken immer gewusst habt.”
Khalil Gibran
Es ist dunkel, mein Kopf tut weh als spielte jemand damit Basketball. »Uhhh«, entfährt es mir, als ich versuche mich aufzurichten. Der Boden unter mir vibriert und ich bemerke, dass wir fahren. Ich versuche mich wieder aufzusetzen, doch mir wird schwindelig und mit einem leisen »Ohh«, sacke ich wieder hinunter und mein Geist hüllt sich erneut in Dunkelheit.
Als ich wieder zu mir komme, ist es abermals stockfinster oder immer noch? »Verdammt«, stöhne ich leise. »Du bist wach?», sagt eine Frauenstimme, die meiner Mutter gehört. Ein gezwungenes »mhm«, gebe ich zur Antwort. Die Leuchte geht an und vor lauter Grelligkeit des Lichts presse ich die Augen zusammen und stoße schmerzhaft »Ahhh Licht, auu Kopf«, hervor. Die Frau, die nur meine Mutter sein kann, setzt sich neben mich und sagt:
»Victoria, Schatz wie geht es Dir?«
»Mum?, Was …. Was ist passiert?«, frage ich.
»Du wurdest überrannt mein Schatz, zum Glück wusste Dein Vater, wo du bist.«
»Was?«, Presste ich hervor.
»Ruh dich erst mal aus, wir erklären dir später alles!«
»Aber …«
»Nachher! Leg dich erst mal wieder hin. Du siehst noch nicht wirklich gut aus.«
Also legte ich mich wieder hin, mein Kopf, ach was mein ganzer Körper fühlte sich wie gerädert an. Ich brauchte nur die Augen zu schließen und war schon wieder weggedämmert. Mein Schlaf war unruhig. Ich sah ein paar Bilder, die mir zunächst nichts sagten. Ein Geldautomat, eine Menschenmenge und unser Finanzminister auf einem Fernsehbildschirm. Dad weckte mich nach einer Weile.
Mein Kopf tat noch immer höllisch weh, wie auch mein Rücken, meine Brust und meine Beine. Dad setzte sich neben mich. Ich sah mich etwas um und entdeckte, dass ich weder zuhause noch im Krankenhaus war, ich war in der, wie mein Vater und die Nachbarn es biblisch nannten Ark 2.
»Es ist passiert«, sagte Dad mit bedrückter Stimme.
»Ja?«, Antwortete ich. Denn wirklich nachfragen brauchte ich nicht.
Als damals 2022 die meisten Euroländer pleite waren, spalteten sich die 5 stärksten Euro Länder ab und gründeten die Nord-Allianz. Die einzelnen Länder fügten sich zu einem großen Land zusammen und dieses Land nannten wir United States of North oder kurz USN. Natürlich hatten wir auch eine neue Währung erhalten, die dem Dollar ebenbürtig war. Zur Einfachheit wurde der Kurs mit dem Dollar gekoppelt, sodass 1 AT (Alliance Taler) auch 1 Dollar wert war.
In dieser Zeit machte sich mein Vater allerdings schon Sorgen um die Zukunft. Denn er befürchtete, dass auch unsere neue Währung nicht allzu lange halten würde, gerade da ja die alte Währung, die sich Euro nannte nur 20 Jahre hielt. Er sprach immer laut in der Öffentlichkeit vom »Weltuntergang der Finanzen«. Anfangs wurde er belächelt, doch er konnte immer mehr Nachbarn überzeugen.
Meine Eltern sahen damals mit ihren Nachbarn immer besorgt die Nachrichten an, die wohl ständig Bilder von raubenden, plündernden und mordenden Menschen aus den Pleite gegangenen Ländern zeigten. Diese Menschen hatten nichts mehr, auch heute haben die meisten dort nichts, wovon sie leben können.
Die USN beschloss kurz darauf die Grenzen zu verstärken, sodass um die gesamten äußeren Grenzgebiete der USN Mauern mit Todesstreifen errichtet wurden. Dort waren wir sicher vor den wütenden Menschen draußen. So kam es, dass meine Eltern mit unseren Nachbarn einen Verein gründeten und ein großes unbebautes Grundstück hinter dem Fluss hinter unseren Häusern erwarben und dort den Bunker und das obenliegende Gebäude der ARK 2 bauten. Die Grenze war nicht weit weg nur ungefähr 250m hinter dem Flussgrundstück.
5 Jahre bauten sie alle daran, vom Bunker unten, habe ich nur die Gemeinschaftsküche, die Latrine und unser Abteil gesehen. Ich weiß aber, dass es noch ein Lazarett, einen Gemeinschaftsraum, ein Spielzimmer und 14 weitere Familienabteile gibt. Auch einen Kommunikationsraum haben wir dort, der aber zugleich auch Technikraum aller Art ist. Im großen Lager sind Wasser, Kleidung, Tauschwaren und Lebensmittel für 6 Jahre enthalten. Über dem Bunker ist ein großes Holzhaus gebaut mit denselben Merkmalen wie im Bunker außer den Vorräten.
Ich sah meinen Vater in seine bedrückten aber dennoch fröhlichen Augen und stammelte.
»Wie bin ich…. Was ist mit mir … Wie lange schon?«
»Ich habe Dich vor 12 Stunden hierher gebracht. Vic, draußen ist die Hölle los. Du wurdest am Geldautomaten von einer wütenden Menge überrannt. Sie wollten noch an Bargeld kommen aber alle Geldhäuser haben gestern früh geschlossen. Unser Finanzminister hatte gerade bekannt gegeben, dass die Chinesen den USN und den USA die Kredite gekündigt haben und wir nun bankrott sind.« »Ich habe deinen Standort sofort nach Bekanntwerden der Nachrichten geprüft und bin sofort losgefahren um dich zu holen.«
»Wie konntest du meinen Standort wissen? Dad?«
»Weißt du noch als du und Karren letztes Jahr von diesen Jungs bedrängt worden seid und ihr euch bis spät in die Nacht hinein versteckt habt? Das war mir als Vater eine Lehre und ich habe in deinen Armreif einen Peilsender einarbeiten lassen.«
»Du hast was?«, starrte ich ihn vor Schock und Unmut bohrend an.
»Seis drum. Ohne ihn hätte ich dich nicht gefunden.«
Wütend schaute ich ihn an, aber wirklich böse sein konnte ich jetzt nicht. Mir tat noch immer alles weh und ich fragte nach meinen Freunden, die auch gleichzeitig unsere Nachbarn sind. Tom und Karren sind genauso alt wie ich und Paul ist mit 19 ein Jahr älter als wir.
Ich fragte also kurz angebunden, »Wo sind sie?«, Dad brauchte nicht lange überlegen wen ich meinen könnte, es war klar, dass ich nur die Drei meinen konnte, da wir schon seit wir ganz klein waren immer zusammen waren, wie eine kleine Gang.
Dad sah mich an »oben«, und bevor ich fragen konnte, setzte er hinzu. »ihnen geht’s gut«
Ich aß etwas Suppe, die Dad mir mitgebracht hatte, und legte mich dann wieder hin. Ich grübelte über die Ereignisse der letzten Tage. Bevor Dad mich zusammengekauert von der Straße gelesen hatte, wollte ich wie alle anderen auch noch Geld abheben, denn ich wollte so schnell wie möglich nach Hause kommen und für unterwegs noch Proviant und Bargeld mitnehmen, um Autofahrer oder LKW Fahrer bezahlen zu können. Ich war etwa 250km von zuhause entfernt, bei einem Praktikum, welches ich für mein Studium zur Biologin brauchte. Jetzt war ich doch erleichtert, dass Dad wusste, wo genau ich war, die Rückreise zu meinen Eltern wäre sicher nicht einfach geworden.
Nachdem ich mich ausgeruht hatte und mir noch etwas Stärkung verschaffte, ging ich aus dem Bunker in das darüber liegende Gebäude. Karren kam gleich auf mich zu, als sie mich entdeckt hat, und fragte mich in ihrer fürsorglichen Art aus, wie es mir geht, was mir passiert war und wie es beim Praktikum war. Als ob es noch wichtig wäre, wie das Praktikum im SeaWorld Aquarium war. Ich berichtete ihr, was ich noch wusste. Stellte aber sogleich auch ein paar Fragen, da ich mich nie mit der Ark 2 befasst habe bzw. was es bedeuten wird sie zu nutzen. Karren hingegen war schon fast seit sie davon gewusst hat Feuer und Flamme. Deshalb fragte ich sie aus, ob noch jemand fehlt und wie die Sicherung des Geländes um die Ark 2 aussieht.
Karren erzählte mir rund eine Stunde lang, wie toll die Ark 2 ist und welche Möglichkeiten sich durch sie boten. Sie erzählte mir auch, dass noch 1 Familie fehlen würde, aber dass die vermissten Haiders wohl noch kommen würden. Für die Sicherung des Geländes sind die Erwachsenen Männer zuständig, wobei unser Freund Paul zu ihnen zählte.
Während Karren und ich uns unterhielten, kam auch Tom dazu und fragte mich, ob ich noch etwas aus unserem Haus brauche. Da Paul, sein Vater und er nachher noch die Wunschlisten der Ark Bewohner herbringen möchte, ich zuckte mit den Schultern und schrieb kurz auf was ich noch haben wollte, wie ein paar Bücher, meine Plüsch Ratte, die ich mal von meinen Eltern bekommen hatte und ein paar Mädchen Accessoires.
Tom nickte und verabschiedete sich von uns. Karren und ich unterhielten uns noch eine Weile über dies und das. Paul trat zu uns und berichtete, wie schwierig die Lage sei.
»Die Leute spielen verrückt, aber verdenken kann man es ihnen nicht«, sagte Paul, als er uns berichtete, das die ersten Plünderer in der Nacht versuchten in die Häuser unserer Siedlung einzudringen.
»Denen haben wir ganz schön die Hölle heißgemacht«, prustete Paul.
»Aber lange wird’s nicht dauern, bis die Nächsten hier aufkreuzen«, sprach er mit hochgezogenen Augenbrauen. Er sollte recht behalten.
»Na Vici, bist du froh wieder hier zu sein?«
Ich antwortete Paul mit einem Nicken und Lächeln. Wir waren zwar beste Freunde unsere kleine Gang, trotz allem wurden wir ja auch alle erwachsen und interessierten uns für das andere Geschlecht. Das veränderte unsere Freundschaft schon etwas. Tom stand eigentlich schon immer auf mich, Paul wechselte immer zwischen Karren und mir. Jedoch haben wir uns geschworen nie mit einem aus unserer kleinen Gang etwas anzufangen, da es wohl die Freundschaft zerstören würde, die wir nun schon solange hatten. Was jedoch kein Grund war nicht ab und an miteinander zu flirten. Meine Eltern kamen mit ein paar Nachbarn zu uns herüber und waren lauthals in Diskussionen verwickelt. Wir erfuhren dadurch, dass die USN in unseren Nachrichten bekannt gegeben hat, dass der Süden angeblich an die befestigten Mauern unseres Landes stürmen, um uns noch die letzten Ressourcen zu nehmen, die unser Land noch hat. Mein Vater misstraut den Meldungen und ein paar Nachbarn machen sich sorgen, dass es stimmt, was die USN uns mitteilt. Ich war nie wirklich Politikfest, daher konnte ich nicht mitreden, zumal mir der Kopf eh noch vom Vortag wehtat. Was hätte ich auch ausrichten können, ich bin Biologiestudentin und nicht wie Karren Studentin der Politwissenschaften. Karren hingegen stützte die Meinung meines Vaters und sprach, aus was viele dachten.
»Die Regierung wird uns nur Nachrichten übermitteln, wenn sie sich davon etwas verspricht.«
»Ich glaube kaum, dass die Menschen in den anderen Ländern noch die nötige Kraft haben werden uns zu stürmen.« Mein Vater und die meisten anderen der Nachbarn nickten über Kares Meinung.
Nach dem gemeinsamen Mittagessen, wobei die Männer, die draußen Wache hielten, sich abwechselten, erkundete ich zum ersten Mal das Außengebäude der Ark 2 in dem Wissen, dass dieses nun erst mal mein Zuhause sein wird. Das Bauwerk war schlicht und einfach, da der Verein meiner Eltern natürlich die Hauptgelder in den Bunker darunter investierten, der Anbau darüber war nur als Tarnung für den Bunker vorgesehen, jedoch stimmten einige Mitglieder dafür auch das Gebäude zu nutzen, wenn man nicht unbedingt in den Bunker gehen muss. Daher wurde das Gebäude einfach aus Holz und vielen Resten, die ein Nachbar, der bei einem Abrissunternehmen arbeitete, zusammen geschustert. Gut jetzt im Frühling konnte man hier leben und die Räume waren auch etwas größer als im Bunker unten. Jede Familie hatte auch hier oben ihre eigenen Räumlichkeiten und ich sogar ein eigenes Zimmer. Im Bunker unten teile ich mir den Raum mit meinen Eltern. Von außen sieht das Ark 2 Gebäude schlicht aus, eher wie eine sehr große Scheune. Rings rum viele Ster Feuerholz und eine Mauer mit Verteidigungsstellungen, auf denen die Wachen mit schweren Maschinengewehren unsere kleine Gemeinde beschützen.
Es wurde Nachmittag, als die noch vermisste Familie Haider eintraf. Der Mann Sal etwa 45 und seine Frau Susi hatten 2 noch recht kleine Kinder Brad und Anna, die 10 und 8 waren. Das Auto mit denen sie kamen sah ziemlich verschrammt aus, als wären sie durch Straßensperren gerauscht. Für die Haiders Brad und Anna war ich früher häufiger die Babysitterin, wenn Sal und Susi mal ausgehen wollten. Anna kam gleich auf mich zugerannt, als sie mich sah und ich schloss sie gleich in die Arme. Sie sahen alle erschöpft aus und gingen erst einmal in ihre Quartiere um sich auszuruhen und sich frisch zu machen. Nun also war die Ark 2 voll besetzt und die Männer zogen um das gesamte Gelände eine dicke Barriere mit Stacheldraht.
Zum Abendessen musste ich den Frauen helfen die frischgebackenen Brote zu schneiden, das war in unserer Siedlung ohnehin Tradition, 1x die Woche ein paar Leibe Brot zu backen, in Scheiben zu schneiden und im Sommer Stühle und Bänke auf die Straße zu stellen und eine Art kleines Straßenfest zu veranstalten. Im Winter trafen wir uns einfach im Gemeinschaftsraum des Ark Gebäudes. Ich fand das schon immer schön, weil die ganze Nachbarschaft so immer fester zusammenrückte. Natürlich hatte es neben diesem Grund auch den Zweck, dass dadurch die Vorräte immer frisch gehalten wurden.
Die Haiders kamen auch zum Essen und der kleine Brad stürmte gleich wieder auf mich zu. Er musste mir natürlich gleich noch seine neuste ComData Einheit zeigen. Sie war in einem schönen blassblauen Armband gefasst und mit dem neuesten Holo Display in 7" Projektion ausgestattet. Die Funktionen waren zwar meiner sehr ähnlich, meine hatte jedoch nur eine 3« Projektionseinheit. Lesen konnte man die Privatmessages, Nachrichten und Videos dennoch. Aber klar auf seiner 7« Projektion war das natürlich noch besser. Er wollte natürlich gleich wieder damit spielen, deshalb verbanden wir unsere Einheiten um ein virtuellen Tennisspiel austragen zu können. Natürlich ließ ich ihn gewinnen.
»Brad war ja klar, dass du gewinnst, du hast ja auch eine viel größere Projo-Einheit!«, schimpfte ich lachend.
»Bähhh, bist ja nur neidisch Vic!«, auch er prustete es spielerisch lachend.
»Ich will eine Revanche!«, rief ich ihm hinterher.
Strom ist glücklicherweise in unserer Ark kein Problem, wir haben auf dem Gebäude und dahinter einige Solarpanels und zapfen den Fluss mit ein paar Unterwasserturbinen, die kontinuierlich Strom erzeugen an. Im Bunker selbst sind einige Lithium-Halogen-Akkus verbaut, die mit voller Ladung 1 Jahr ohne Zuladung Strom für unsere kleinen Verbraucher, aber auch für Licht, Wärme und Kochen bereitstellen. Den Stromüberschuss, den wir produzieren, haben wir bislang immer in unser Stromnetz der Siedlung eingebunden und damit die Stromkosten der ganzen Siedlung niedrig gehalten.
Selbst die Ark wurde so gebaut, dass sie auch ein faradayscher Käfig ist und viel Elektrogeräte dort unten vor EMP´s
also vor Schäden, die durch einen elektromagnetischen Puls verursacht werden können, schützt. So sind immer ein paar Radios, Akkus und ComData-Einheiten für unsere Gemeinschaft vorhanden.
Die letzte Gensequenzierung war zwar leider nicht ganz das Resultat was ich mir vorgestellt habe, aber gut ein Anfang ist es allemal. Die Zeiten sind jetzt so oder so schwieriger geworden. Nach dem Zusammenbruch der Wirtschaftssysteme haben sich die meisten Kollegen hier verabschiedet, um bei ihren Familien sein zu können. Die wenigen Übrigen versuchen noch immer an alten Werten festzuhalten.
»Marc!«, platzte mein Kollege und Freund Mathis herein.
»Ja Mat?«, erwiderte ich.
»Die letzte Sequenz war doch kein reiner Reinfall, sie zeigte deutliche Tendenzen!«
»Wirklich Mat? Nein ich habs schon selbst gesehen.«
»Ich meine hast du dir die Spalte mit dem Riech- und Geschmacksinn mal genau angesehen?«
»Moment!«, sagte ich zu Mathis und rufe am ComData die Sequenz auf. Mit hochgezogenen Augenbrauen starre ich erst die Ergebnisse und dann Mathis an.
»Das … das kann nur ein Fehler sein Mat, ich meine, das ist nicht möglich eine solche Steigerung ist einfach nicht möglich!«
»Doch, Amber hat vorhin den Test wiederholt und das Ergebnis ist identisch, der Geruchssinn bei 1/3 der Resttiere ist um über 900 % gesteigert, sie bemerken jetzt sogar extrem leichte Pheromonanhaftungen auf den Teststreifen. Marc, das ist wirklich und wahrhaftig unglaublich, aber es stimmt.«
Das war es in der Tat, dennoch sehe ich auch die andere Seite dieser Medaille, weshalb ich es dennoch als naja Fehlschlag beurteile. Zum einen wollten wir lediglich die Zellteilung verlangsamen, sodass der Körper langsamer altert und damit ein etwas längeres Leben möglich wird und zum Anderen starben bei der letzten Versuchsreihe 2/3 aller Versuchstiere, von dem Drittel der überlebenden Tiere zeigten 2/3 keine Veränderung und nur 1/3 hat diesen enormen Geruchssinn entwickelt. Ich nahm meine ComData und rief Amber an.
»Amber komm doch bitte mal zu mir ins Büro.«
»Klar Marc, ich mach hier nur noch schnell was fertig dann komme ich«, antwortete Amber.
»Wie lange brauchst du noch?«, fragte ich.
»30-40 Minuten, ist das ok?«, nannte sie mir als Einschätzung für ihren Besuch bei mir bekannt.
»Ok, bis gleich!«
Als Amber kam, waren Mathis und ich schon in den Plänen fürs Abendessen vertieft und fragten Amber, ob wir das nicht lieber gleich beim Abendessen besprechen sollten, sie nickte und so gingen wir in die Kantine.
Die Kantine hier im Forschungslabor war nicht vergleichbar mit gewöhnlichen Kantinen, wie sie häufig bei großen Konzernen anzutreffen sind. Nein unsere Kantine verdiente mehr die Bezeichnung Restaurant. Natürlich konnte man nur aus ein paar Gerichten wählen, die letztlich auch schon vorgekocht waren, aber die Köchin, die praktisch auch schon hier wohnte, machte dennoch einiges individuell und damit vorzüglich.
Auch das Ambiente erinnerte mehr an ein Restaurant als an eine Kantine, weiches gelborangefarbenes Licht, rot gelederte Polster Bänke, hochwertige Holztische und auch eine ansprechende Deko an den Wänden, die uns hier immer vergessen ließ, dass wir uns in einer Forschungseinrichtung befinden. So waren an einer Ecke Bilder von Fischerboten in der Beringsee, am anderen die 7 Weltwunder, in unserer Ecke, die wir zu unserem Kuba Stammplatz ernannt haben, hingen Bilder von Zigarrendrehern, kubanische Landschaftsaufnahmen und Bilder vom Leben in den Städten Kubas vor rund 100 Jahren. Der edle Holztisch in der Mitte unserer Bänke war ein dunkles Holz im sogenannten Kolonialstyle. Es fehlte eigentlich nur noch der Duft von glimmenden Zigarren.
Wir baten die Köchin, die wie wir auch noch hiergeblieben war, ob sie uns das Beste was sie da hat bringen kann. Sie nickte lächelnd und verschwand in der Küche. Amber wollte gleich drauf losreden über die Ergebnisse. Ich sprach freundlich aber energisch, denn das Essen war eigentlich neben dem Schlafen die einzigste Zeit, in der man von der Arbeit abschalten konnte.
»Stopp Amber, erst essen wir, dann reden wir!«
»Aber«, widersprach sie stutzend.
»Nein Amber ich habe seit gestern Abend nichts mehr gegessen. Ich muss erst zu Kräften kommen, um mich darauf zu konzentrieren«, wiegelte ich sie ab.
Zwischenzeitlich plauderten Mathis und Amber über ein paar Nachrichten auf der ComData, ich lehnte meinen Kopf einfach an die Rückenlehne und schloss die Augen, ohne dabei einzuschlafen.
Nach gefühlten 15 Minuten kredenzte uns die Köchin Rinderrouladen nach ihrer Eigenart, das heißt sie hat den Reis der normalerweise dort drin ist gegen Knödel ausgetauscht und die Soße mit Wein verfeinert. Nach dem wohltuenden Essen, welches mich sichtlich gestärkt hatte, räumte Mathis die Tabletts gleich in einen Container für die Küche zurück. Ich breitete eine DataFolie auf dem Tisch aus, legte meine ComData in die Verbindungsecke der DataFolie und lud die Daten der letzten Tests drauf, sodass wir alle am Tisch die Daten einsehen konnten. Wir besprachen die Ergebnisse, ohne wirklich zu einem neuen Schluss zu kommen. Amber bestätigte zwar auch meine Testreihen, was dies aber nun tatsächlich für Auswirkungen auf unsere Testreihen haben würde, wussten wir nicht. Lediglich Mathis warf ein, das Trägerbakterium auszutauschen, um eine mögliche Fehlerquelle zu entdecken. Amber und ich nickten und verabschiedeten uns zum nächsten Tag.
Nach dem Essen ging ich auf mein Zimmer, welches eigentlich mehr als ein Zimmer war, es hatte einen Wohnbereich mit Schreibtisch, eine kleine Schlafkammer eine Küche und ein Badezimmer mit Dusche und Badewanne. Ich zog mich aus, huschte unter die Dusche und genoss das warme Wasser auf meiner Haut, als es von dem Regentropfenduschkopf an der Decke auf mich herab prasselte. Während des Duschens dachte ich häufig über mein Glück nach, als jüngster Absolvent mit Bestnote in Harvard bestanden und jetzt schon mit 24 leitender Forschungsleiter in der Biomedizin zu sein. Mein Pflegevater war ein Professor in Astronomie und Biologie. Er starb letztes Jahr bei einem Autounfall, als ein LKW bei Glatteis ins Rutschen kam, sich überschlug und Funken sprühte.
Die Treibstoffladung, die er geladen hatte, explodierte augenblicklich, mein Pflegevater hatte keine Chance auszuweichen und kam genau in die Explosion hinein.
Er hinterließ mir einen Zettel in seinem Aktenkoffer, der nicht verbrannte.
Nun ja eigentlich hinterließ er ihn mir nicht, aber die Worte darauf waren für mich bestimmt, denn er hatte die Angewohnheit, wenn er etwas zu verkünden hatte, sich seine Worte auf einem Blatt Papier zu Recht zu legen. Der Zettel war noch nicht abgeschlossen, er begann nur mit:
”Sohn, ich bin unendlich Stolz auf Dich, ich möge zwar nicht dein leiblicher Vater sein, aber ich könnte stolzer nicht sein auf Dich. Dass was du gerade erforschst, ist….”
Dann war die Notiz abgebrochen. Interessant war aber auch, dass die Notiz auf einem Zettel vom Paladince Restaurant geschrieben war. Das befindet sich in der Nähe seines Ferienhauses, welches er mir vererbt hat.
Ich sinnierte oft darüber nach was er sagen wollte, komme aber zu keinem wirklichen Schluss, klar ist mir nur, dass er mich wirklich wie seinen eigenen Sohn liebte und stolz auf mich war. Aber warum die Nachricht ausgerechnet auf einem Zettel vom Paladince. Das Ferienhaus hatte er seit dem Tod meiner Pflegemutter vor 10 Jahren nie wieder benutzt.
Auch ich bin stolz und glücklich über meine Leistung, manchmal denke ich aber auch, ob mich das Ganze nicht vielleicht überfordert und die Leute einfach nur zu hohe Erwartungen in meine Fähigkeiten setzen, was mir dann wiederum etwas Angst macht. Nach dem Duschen zog ich mir mein Schlafgewand an und legte mich in mein Bett. Meine Gedanken waren zum einen bei meinem verstorbenen Pflegevater zum anderen aber auch bei den Forschungsergebnissen, die ich nun nicht wirklich einordnen konnte. Denn das Ziel war eigentlich ein anderes. Es kommt aber häufig in der Forschung vor, dass man nach etwas bestimmten sucht und etwas anderes findet. Ich weiß nicht, wie lange ich darüber nachdachte, aber ich glaube, ich bin nur kurz nach dem Hinlegen eingeschlafen.
Wir leben nun schon ein paar Wochen hier und so langsam erkenne ich die Realität dieses Seins. Die Abläufe sind routiniert. Morgens aufstehen, ab in die Küche und beim Geschirr abwaschen helfen, Kaffee kochen und Kartoffeln schälen. Dann habe ich wieder etwas Zeit für mich und meine Freunde. Nach dem Mittagessen helfe ich wieder abzuwaschen und richte die Sachen für das Abendessen her. Nachmittags lese ich mich noch in meine Studienbücher über Biologie ein und helfe bei kleineren Verletzungen aus. Der Abend gehört zu Beginn meinen Eltern und danach mir und meinen Freunden. Zum Schlafen müssen wir jüngeren alle in den Bunker der Ark 2, da die Plünderer vor unseren Mauern immer näherkommen und man im Bedarfsfall nicht erst alle in den Bunker bringen möchte, sondern nur noch die, die noch oben sind. So geht es eigentlich jeden Tag, kleinere Abweichungen kommen aber natürlich auch vor. Brad, Anna und ich verbringen häufig die Zeit beim Mittagessen gemeinsam, irgendwie haben die beiden einen Narren an mir gefressen, aber ich liebe die Zwei ja auch abgöttisch. Manchmal ertappe ich mich bei dem Gedanken oder vielmehr dem Wunsch, wenn ich mal Kinder habe, dass sie genauso sind wie Brad und Anna.
Doch eines Tages war Brad nicht beim Mittagessen anwesend, ich fragte natürlich Anna, wo denn ihr Bruder ist. Sie druckste rum und gab mir keine richtige Antwort. Gut dachte ich und scherte mich nicht weiter drum, vielleicht hatte er die Gewohnheit einfach langsam satt, die sich generell in Unmut in unserer kleinen Gemeinde breitmachte. Als er am Spätnachmittag aber immer noch nirgends zu sehen war, machte ich mir doch langsam Sorgen, ob mit ihm alles ok ist. Ich beschloss ihn in seinem Abteil im Bunker aufzusuchen. Als ich vom Obergebäude hinabstieg in die Bunkeranlage traf ich Brads Vater, der mich sogleich nach dem Verbleib seines Juniors befragte. Ich teilte ihm mit, dass ich ihn selbst gerade suchen wollte, also beschlossen wir ihn gemeinsam zu suchen. Wir gingen das gesamte Gelände auf und ab, fanden ihn aber nicht. Also war es höchste Zeit Anna zu fragen, was sie weiß. Wir riefen Anna in den Gemeinschaftsraum.
Nachdem sie sich gesetzt hatte, löcherten wir sie förmlich mit Fragen. Sie blieb jedoch stur und sagte nichts. Ihr Vater stand auf und machte sich auf den Weg eine letzte Suchrunde zu drehen, bevor er eine Versammlung einberufen wollte. Als ihr Vater weg war, rutschte sie zu mir rüber und flüsterte mir ins Ohr, dass Brad noch ein paar Spielsachen aus dem Haus holen wollte und später wieder hier sein wollte. Meine Augen wurden groß und ich begriff, was sie mir gerade sagte. Er war seit den Morgenstunden außerhalb des Geländes, und wie sie mir weiter sagte durch einen kleinen Tunnel, den er und Anna die letzten 2 Wochen an einem kleinen Vorsprung der Mauer unter die Mauer gegraben haben, raus gekommen. Sogleich spurtete ich zur besagten Stelle und fand den Tunnel, der eigentlich mehr nur ein ca. 30-40cm breites Loch war, vor. Mein Körper passte gerade so durch. Als ich auf der anderen Seite ankam, sah ich, dass die Mauerwachen das hier gar nicht einsehen konnten.
Ich gab Karren Bescheid und beschwor sie niemanden Bescheid zugeben außer ich würde nicht innerhalb von 2 Stunden wieder da sein. Ich hetzte also auf das Haus der Haiders zu und sah wie verwüstet unsere Wohngegend war, die liebevoll gepflegten Vorgärten mit dem bunten Mix aus verschiedenen Pflanzen, die je nach Jahreszeit neu gepflanzt wurden, waren größtenteils verschwunden. Stattdessen waren Furchen von Reifen und Fußspuren zu sehen, alles war dreckig und die Häuser mit Farbe und Dreck beschmiert. Mir dämmerte langsam, dass Brad vielleicht auf die Zerstörer unserer Siedlung gestoßen war, als ich schon einen dumpfen Schlag auf meinem Hinterkopf spürte.
Kaltes Wasser, das auf meiner Haut förmlich explodiert, reißt mich aus meiner Umnachtung. Ich stoße einen lauten Schrei aus und öffne die Augen. Vor mir stehen 2 muskelbepackte groß gewachsene Männer mit Narben im Gesicht. Sie rochen eklig säuerlich nach abgestandenem Schweiß. Ihre Kleidung konnte kaum in verschiedene Farben unterteilt werden, weil der Dreck, der daran anhaftete, die eigentliche Farbe nicht mehr durchscheinen ließ.
»Aufwachen Prinzessin, wir haben ein paar Fragen an Dich!«, hörte ich eine der Gestalten vor mir.
»Also Prinzessin, du bist wach. Es wäre besser für Dich, wenn du uns die Wahrheit sagst!«
Schnell war klar, was sie wollten, sie schrien ja auch zwischen ihren Schlägen auf meinen Körper.
»Wie kommen wir rein?«
Ich gab ihnen keine Antwort und kassierte immer härtere Schläge von den beiden.
Als sie endlich von mir abließen, sperrten sie mich in einen Keller in dem auch Brad übel zugerichtet da lag. Er war bei Bewusstsein und schluchzte mit Tränen in den Augen, als er mich sah. Er stammelte.
»Vic….? Du auch? Wie kommst du hierher?«
»Ich habe nach Dir gesucht!«, unterstrich ich meine Freude ihn zu sehen. Dann erzählte ich ihm, dass Anna mir die Stelle in der Mauer gezeigt hat und dass ich Karren die Anweisung gegeben habe Alarm zu schlagen, wenn ich nicht wiederkommen würde.
»Ach Vic...«, schluchzte er.
»Wir werden hier rauskommen, wirst sehen!«, versuchte ich ihn, aber auch mich zu beruhigen.
»Was haben die nur mit dir gemacht?«
»Die haben auf mich eingeschlagen Vic, aber ich hab denen doch gar nichts getan«, weinte er.
»Ich weiß Brad, das sind einfach nur böse Leute. Du kannst nichts dafür!«
Die Tage vergingen ohne nennenswerte neue Erkenntnisse oder Ergebnisse. Die Mitarbeiter hier im Labor wurden immer weniger, was uns von unserer Arbeit aber nicht abhielt.
Wir veränderten Gammabestrahlung und versuchten andere chemische Zusätze, jedoch ohne Erfolg. Das bisher vielversprechendste war noch immer die Gammabestrahlung auf Minimum zu setzen und die Zugaben von Regolith zu erhöhen, die wir von der NASA erhalten haben, die brachten uns diesen Mondstaub aus einem kleinen Krater von der dunklen Seite des Mondes.
Aber die Ergebnisse waren nicht wirklich unser Ziel, wir wollten keine gesteigerten Riechsinne erschaffen, sondern die Zellteilung im Körper von Menschen halbieren, um die Lebenserwartung zu verdoppeln. Als Nebeneffekt davon versprachen wir uns, auch die Zelltötung von Krebszellen verursachen zu können. Was natürlich einen Durchbruch in der Krebsforschung verursacht hätte. Nur irgendwie kamen wir nicht weiter.
Mathis kam in mein Quartier und wollte wissen, ob wir nicht einfach mal Urlaub machen sollten und ein paar Wochen Abstand gewinnen sollten. Ich war geneigt ihm zuzustimmen, hatte aber Bedenken.
»Wie sieht denn die Lage draußen aus, nicht dass wir rauskommen und peng das war’s?«, sagte ich also zu ihm.
»Ja draußen sieht’s schon sch…. aus, aber wir bekommen Geleitschutz und können, wenn wir wollen 2 Wochen in die Karibik reisen«, verwischte er meine Bedenken.
»2 Wochen in die Karibik? Und
dafür haben wir ein Ok von ganz oben?«, erwiderte ich völlig überrascht.
»Ja volle 2 Wochen bekommen wir, inkl. Flug mit Regierungsflieger, ich weiß nicht warum aber scheinbar stehen wir jetzt ganz hoch im Kurs! Also pack deine Sachen, Amber hat den Flug schon bestätigt und wir fliegen in 4 Stunden«, zwinkerte Mathis mir zu.
»Ich hab wohl keine Wahl«, Flaxte ich zurück und begann meine Sachen zu packen.
Ein Urlaub würde uns jetzt sicher gut tun, auch wenn die Welt hier gerade Kopf steht. Nur warum wir so eine Sonderbehandlung erhalten, konnte ich mir noch nicht so recht erklären. Der Flug war überraschend ruhig und verlief ohne größere Turbolenzen. Die Hitze hier in Martinique eine der karibischen Inseln warf mich förmlich erst einmal wieder ins Flugzeug zurück, es war wie in eine Mauer aus Wärme zu laufen. Aufgrund der weltweiten Unruhen wurden wir nicht allzu weit vom Flughafen untergebracht, um im Bedarfsfall schnell wegfliegen zu können. Die Ferienanlage selbst lag an einem weißen Sandstrand mit üppigen Palmen und langen Stegen ins Meer hinein. Unser Strandhaus war ein großes Haus, mit weißem Dach, rotbrauner Holzverkleidung mit Veranda, die weiß gestrichen war. Die Zimmer waren alle sehr ähnlich ausgestattet, ein großes Himmelbett, Nachtkästchen, Kommode ein Kleiderschrank sowie Sessel, Sofa und ein Nussbaumholz Couchtisch. Das Haus selbst wieder mit Palmen umsäumt und vor dem Haus, kurz bevor der Strand beginnt, ein kleiner Pool.
Außer uns gab es fast keine Urlauber und die, die es gab, waren asiatischen Ursprungs. Klar durch den Zusammenbruch der Wirtschaft war es für die Bürger von westlichen Staaten schier unmöglich einen Urlaub bezahlen zu können. Aber selbst wenn, so waren wohl die Prioritäten der Menschen vollkommen andere als sich die Sonne auf den Bauch scheinen zu lassen.
Es dauerte ein paar Tage, bis wir soweit abschalten konnten, um nicht mehr nervös vor lauter Nichtstun uns die Finger am Tisch kaputt zu klopfen.
Also machten wir Strandspaziergänge, wobei Mathis oft im Zimmer oder am Strand liegen blieb. Amber und ich kamen uns dadurch immer näher, sodass wir auch schon Arm in Arm den Wellen zuschauend am Meer spazierten. Wir rannten in die Wellen, spielten wie Kinder im Wasser und waren auch ab und an mal Schnorcheln, das Wasser war auch abends noch
immer angenehm warm. Die Unterwasserlandschaft war atemberaubend jedoch nicht mehr so schön wie auf alten Bildern, die ich kenne.
Es waren wohl zwischenzeitlich einfach zu viele Touristen an diesem schönen Ort und haben dabei viel kaputt gemacht. Abends trafen wir uns heimlich an einem kleinen Fischerboot. Wir brachten Wein, Käse und ein paar kleine Baguettestangen mit und breiteten alles auf einem großen Tuch aus. Wie bei einem Picknick im Park ließen wir uns darauf nieder und neckten uns gegenseitig. Amber küsste mich hin und wieder zärtlich auf den Mund. In diesen Momenten konnte ich die Welt um mich herum vergessen.
Amber erzählte mir von ihrer Familie, wie sie ihre Kindheit in der Bretagne verbracht hat. Sie schwärmte von den Weinbergen, den Duft des Meeres jeden Tag in der Nase zu spüren und von der Gelassenheit der Menschen in den umliegenden Dörfern. Das vermisst sie am meisten, die Ruhe und Ausgeglichenheit der Menschen und dass die Welt dort noch nicht so gehetzt von A nach B springt, wie es sonst überall zur Normalität gehört. Am Morgen nahm mich Mathis zur Seite.
»Na, da hats wohl gefunkt?«, gab er mit einem breiten Grinsen im Gesicht zum Besten.
»Ich weiß nicht, ich mag Amber, das weißt du ja, aber ich weiß nicht ob ich bereit bin«, sprach ich voller Demut.
»Was soll das heißen, du weißt, nicht ob du bereit bist? Ich hab euch die letzten Tage gesehen, das sah für mich ziemlich bereit aus!«, meinte Mathis voller erstaunen.
»Ich weiß es einfach nicht!«, sagte ich gedankenverloren. Denn klar mag ich Amber, aber in der Welt passiert gerade so viel gleichzeitig, dass ich mir über die Zukunft noch gar keine Gedanken gemacht habe. Denn wie lange wird unsere Forschung wohl noch finanziert werden? Und danach? All diese Fragen quälen mich. Amber aber mit ihren hellbraunen Haaren, die bis zur Schulter reichen, ihren voll grünen Augen und den süßen Kussmund lassen mich jedoch auch nicht ganz los.
Amber ging es wohl ähnlich wie mir, denn auch sie versuchte nicht mehr. So vergingen die Tage und ich genoss jeden Einzelnen an Amber´s Seite, ohne dass wir darüber gesprochen haben, wie der jeweils andere darüber denkt oder sich für Hoffnungen macht.
Der Tag des Rückfluges rückte näher und irgendwie stimmten wir alle darin ein, dass 2 Wochen Urlaub mindestens 2 Wochen zu wenig waren.
In den 2 Wochen kamen Amber und ich uns zwar näher, aber außer Händchenhalten und ein paar zarte aber leichte Küsse haben wir die Hände voneinander gelassen. Als wir zum Flieger gingen, Mathis hatte schon eingecheckt, trat Amber zu mir heran küsste mich diesmal weniger zärtlich dafür leidenschaftlicher.
»Ich gebe dir noch etwas Zeit, aber so leicht lasse ich dich nicht von der Angel, haben wir uns da verstanden?«, flüsterte sie mir ins Ohr.
Völlig verdutzt, aber dennoch in Gedanken an eine gemeinsame Zukunft nickte ich und gab ihr einen ebenso leidenschaftlichen Kuss zurück. Den Flug über widmeten wir uns wieder unserer Forschung, wobei ich gedankenverloren noch an den Moment des Aussteigens vom Flugzeug vor mir hatte. Und dann traf es mich wie den Blitz.
»Mathis, Amber, wir sollten versuchen die Temperatur bei der Bestrahlung anzuheben auf eine Temperatur von 40,9 Grad Celsius. Dann haben die Zellen kaum eine Möglichkeit auf die Regolith Zugabe zu reagieren und assimilieren mit der Gamma Strahlung vielleicht das Regolith.«
»Wow Marc, ich dachte nicht, dass ich dich soooo heißgemacht hätte!«, sagte Amber mit einem roten Gesicht.
»Ähm… hmmm«, lächelte ich sie an. Und wurde sichtbar rot im Gesicht.
Eine hässliche Frau, die sich Lilly nannte, trat in unser kleines Verlies ein. Sie lächelte mit einem, falschen Grinsen und kaputten Zähnen. Ein Augenlied hing herunter, wie bei einem der ständig zu viel Alkohol trank. Der Geruch, den sie verströmte, war abstoßend und ihre falsche hinterlistige Art durchschaute ich sofort. Sie versuchte einen auf Freundin zu mimen, doch es war wirklich nicht schwer rauszubekommen, dass sie ein falsches Spiel trieb. Es erinnerte mich sofort an die sogenannte good Cop bad Cop Nummer, sie sollte wohl den good Cop spielen.
»Na Schätzchen, kann ich was für euch tun?«, fragte sie scheinheilig als wären wir hier auf einem Ausflug in einer Reisegruppe.
»Lass uns gehen!!!«, patzte ich heraus ohne die Hoffnung, dass sie dieser Bitte nachgeben würde.
»Dann verrate mir doch, wie wir zu den Vorräten kommen!«, schleimte sie weiter.
»Ich weiß nicht wovon sie reden.«, log ich.
»Ach Süße, das weißt du sehr wohl! Ich konnte Chuck gerade davon überzeugen nicht über dich herzufallen!«, versuchte sie mir mitzuteilen. Dabei flog ein Schraubenzieher, den ich kurz vor ihrem Besuch am Boden liegend fand, in ihre hässliche Visage. Schmerz erfüllt und voller Entsetzen flüchtete sie die Kellertreppe hinauf und rief zu mir herunter.
»Das wirst du bereuen, du elendiges Miststück!« Mir war es gleichgültig, jedoch verschaffte es mir einen kurzen Moment der Genugtuung. Es dauerte auch nicht lang, bis ein Mann auf der Treppe stand und sich lautstark darüber beschwerte was ich mit seiner Frau angestellt habe. Chuck dachte ich mir, du kannst also nur Chuck sein.
»Na du Waschlappen, konnte deine Frau nicht holen, was das Baby haben wollte?«, schnauzte ich ihn an, wobei ich auf die Betonung von Waschlappen und Baby besonderen Wert legte.
»Du wirst noch sehen was du davon hast Kleine, dich nehm ich mir später vor, es wird dir bestimmt gefallen!«, patzte er mir mit einem fiesen Grinsen entgegen.
»Oh, bei deiner Alten würde ich wohl auch keinen hochkriegen! Was aber bei euch wohl auf Gegenseitigkeit beruht!«, lachte ich ihn wohlwissend, dass ich es anatomisch schon nicht könnte, aus.
»Du glaubst wohl, dass ihr Hilfe bekommt? Da muss ich dich leider enttäuschen meine Süße, es gab zwar einen Alarm in eurer kleinen niedlichen Festung, aber gekommen ist dann wohl doch niemand, um der kleinen Prinzessin zur Hilfe zu eilen!«, sprudelte es voller Selbstherrlichkeit aus ihm heraus.
»Sch…«, gab ich ihm zur Antwort, wobei es mir zum einen klar war und zum Anderen ich auch so erhofft hatte. Sonst wären wohl nur noch mehr von diesen Parasiten gefangengenommen worden und was die noch mit uns vorhaben, mag ich mir eigentlich noch nicht so recht vorstellen, Gutes ist es aber wohl allemal nicht.
Wie nicht anders zu erwarten kam ein paar Stunden später die »liebreizende« Lilly zu uns und zerrte Brad mit nach oben. Leider schlugen meine Versuche sie von Brad abzuhalten fehl.
Ich schrie und brüllte Brads Namen und hämmerte gegen die Tür. Doch es regte sich niemand. Nach einer gefühlten Ewigkeit gab ich schließlich auf und setzte mich in eine Ecke des Kellers. Die Genugtuung mich weinen zu hören gab ich ihnen jedoch nicht, also weinte ich ohne einen Laut von mir zu geben tief in mich hinein.
Nach einigen Stunden brachten sie Brad wieder zu mir herunter und warfen mir Verbandsmaterial zu.
»Hier versorg den Jungen!«, war alles, was sie mir sagten.
Ich sah mir Brad genauer an, er lag schluchzend und mit schmerzerfülltem Gesicht zusammengekauert und mit den Armen seine Beine umklammernd da. Er hatte frische Schnittwunden an den Armen, die ich mit dem Verbandsmaterial versorgte. Als ich fertig war, fragte ich ihn, was dort oben geschehen sei.
»Sie wollten wissen, wie wir durch die Mauer gekommen sind. Vic….. ich hab….ich habs ihnen gesagt«, schluchzte er völlig aufgelöst.
»Das macht nichts Brad, ich habe doch Anna angewiesen es Karren zu zeigen, falls ich nicht wieder komme und die haben das Loch bestimmt schon zu gemacht!«, versuchte ich ihn aufzumuntern und Hoffnung zu geben.
Scheinbar hatte ich damit auch recht, denn ein paar Stunden später legten unsere Peiniger uns Augenbinden um und fesselten unsere Hände am Rücken fest. Ich dachte schon oh Gott, jetzt werden sie uns erschießen. Nur Augenblicke, bevor die Tür zu unserem Kellerverlies aufging, steckte ich mir noch einen der herumliegenden Schraubenzieher in meinen Stiefel. Sie führten uns die Treppe hinauf, durch das Haus hindurch und ins Freie. Ich hörte Stimmen der Männer und Frauen dieser Gruppe, sie diskutierten und stritten wirr durcheinander, sodass ich nicht verstand, worum es ging. Ich schätze, es waren um die 10 verschiede Leute, die sprachen oder vielmehr herumbrüllten. Jemand pfiff und auf Kommando verstummten sie.
Nach einigen Schritten hielten wir an und sie befahlen uns hochzuklettern, ich konnte natürlich nichts sehen und so tastete ich mich nach vorn, bis ich eine Art Stufe fühlte, aus kaltem Metall mit Löchern darin. Ich hielt mich fest, wo ich etwas zu greifen bekam, zog mich hinauf machte einen vorsichtigen Schritt nach vorn und setzte mich auf den kalten mit Stoff ausgekleideten Boden. Brad war wohl weniger geschickt, denn nach einigem Gestöhne und Geschimpfe warfen sie ihn einfach neben mir auf den Boden.
Ein Motor startete und spätestens jetzt war mir klar, ins Ark Gelände sind sie wohl nicht gekommen, und haben hier aufgegeben. Ich fragte mich mit zittrigen Gedanken, wohin die Reise wohl geht und was die noch mit uns vorhaben könnten.
Seit unserem kleinen Urlaub waren nur 2 Tage vergangen, doch es fühlte sich so an, als wären wir nie weg gewesen. Ich ging Amber aus dem Weg, wo ich nur konnte, es war mir unangenehm ihr unter die Augen zu treten, ich fühlte mich irgendwie schuldig, obwohl ja eigentlich nicht viel passiert ist.
Wann immer etwas mit Amber besprochen werden musste, schickte ich Mathis zu ihr.
