Orbitaltheorie P21 - Dr. sc. ErnstHD - E-Book

Orbitaltheorie P21 E-Book

Dr. sc. ErnstHD

0,0
3,00 €

-100%
Sammeln Sie Punkte in unserem Gutscheinprogramm und kaufen Sie E-Books und Hörbücher mit bis zu 100% Rabatt.

Mehr erfahren.
Beschreibung

Orbitaltheorie P21 "Der Orbit ist in uns selbst" Ein Science Fantasy Roman ErnstHD Ernst, ein in die Jahre gekommener Forscher, sinniert über das Leben und den Tod, über Licht und Dunkelheit. Für ihn selbst überraschend findet er durch seine einfache Bilderwelt Zugang zu kosmischen Fragestellungen, an denen selbst Astrophysiker verzweifeln. Sein "Nervus phantasticus" führt ihn mühelos über Grenzen, die für die Formelwelt der Naturwissenschaftler unüberwindbar sind. Jeder einzelne Mensch stellt sich als kostbares Unikat, als Teil des unendlichen Alls dar. Seine Orbitaltheorie führt ihn über die bildliche Darstellung des Lebens, des Todes, von Traum, Liebe, Orgasmus… hin zu kosmischen Ereignissen, zur Triebkraft von allem. Ernst versucht jedem Mut zu machen auf seiner eigenen Suche nach dem Unerklärbaren.

Das E-Book können Sie in Legimi-Apps oder einer beliebigen App lesen, die das folgende Format unterstützen:

EPUB
MOBI

Seitenzahl: 373

Veröffentlichungsjahr: 2020

Bewertungen
0,0
0
0
0
0
0
Mehr Informationen
Mehr Informationen
Legimi prüft nicht, ob Rezensionen von Nutzern stammen, die den betreffenden Titel tatsächlich gekauft oder gelesen/gehört haben. Wir entfernen aber gefälschte Rezensionen.



© 2020 Dr. sc. ERNSTHD

Autor: Dr. sc. ErnstHD

Umschlaggestaltung, Illustration: Dr. sc. ErnstHD

Verlag & Druck: tredition GmbH, Halenreie 40-44, 22359 Hamburg

ISBN: 978-3-347-09935-7 (Paperback)

ISBN: 978-3-347-09936-4 (Hardcover))

ISBN: 978-3-347-09937-1 (e-Book)

Das Werk, einschließlich seiner Teile, ist urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung ist ohne Zustimmung des Verlages und des Autors unzulässig. Dies gilt insbesondere für die elektronische oder sonstige Vervielfältigung, Übersetzung, Verbreitung und öffentliche Zugänglichmachung.

Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek:

Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://dnb.d-nb.de abrufbar.

Vorwort

Es waren solche Tage, wie die mit unbefriedigenden, endlosen, sich im Kreise drehenden, Diskussionen über Freiheit des Geistes und die Erkennbarkeit der Welt verbrachten und die, wo selbsternannte Gurus im Fernsehen ihre Version vom Vergangenen vom Jetzt und von der Zukunft verbreitetet, als er beschloss, sich „ErnstHD“ zu nennen und einen Science Fantasy Roman zu schreiben.

Inhalt

Kapitel

Titel

Kapitel Eins (1):

Ernst

 

Aktivitäten, Weltanschauung

 

FICTION FOTOGRAFIE

 

„Save Place“

 

All, Universen, Kosmen (MaK, ReK, MiK)

Kapitel Zwei (2):

Die Orbitaltheorie

 

Lebensorbitalkäfig

 

Lebensorbital (LO)-Modell: Tod und LOE

 

Gedankengeschwindigkeit

 

Formeln fürs Paradies

 

Das Lebensorbital des Musikers und des Physikers

Kapitel Drei (3):

Evolution

 

Urmensch und Jetztmensch

 

Das Lebensorbital eines Materialisten/Atheisten

 

Die Qualität der LOE eines Gläubigen

Kapitel Vier (4):

Zeugung / Transformation

 

Der Traum

 

Der Orgasmus

 

LO-Modell: Liebe

 

LO-Modell: Gemeinsamer Orgasmus

 

Das Lebensorbital einer Eintagsfliege

 

Energieaufnahme des Menschen Energie-Bedarf von Orbits

 

Kommunikation / Information

Kapitel Fünf (5):

Mensch und Universum

 

LO-Modell: Das Leben auf der Erde

 

Die Zeitschiene unseres Universums

 

Das Orbit in Orbit-Modell (OinO)

Kapitel Sechs (6)

Kosmischer Lebenszyklus

 

Zeugung und Geburt neuer Orbits

 

Generationswechsel, Lebenszyklus, Gott

 

Magische Zahlen [1]

 

Was ist mit Reversibilität und Irreversibilität?

 

Lebenszyklus eines Orbits

Kapitel Sieben (7)

Das Sex-Leben der Universen

 

Spiegelungen von OinO-Modellen, Unendlichkeit

 

Fotounterbrechung, Magische Zahlen [2]

 

Expansions-Geschwindigkeiten und -Winkel

 

Paarung von 2 Universen

Kapitel Sieben (7)

Comic: „Großer Fisch“

 

Festlegung der Orbits von Geburt an

 

Mikrokosmos: atom- und molekülbezogene Orbits, Zelle

 

DNA als Speicher und Träger der „Super-Information“

 

Die Eizelle als Fusionsreaktor zur Erzeugung neuen Lebens

Kapitel Acht (8)

Dimensionen, das All, die Universen als Kugelmodelle

 

A: Das Kugel-Universum „Frau“

 

B: Multi-Universen-Kugeln - „Monster“ im All - Gott

Kapitel Neun (9):

Singularitäten – Zeugung von Universen

 

Die Phasen der Singularität1. Szenario „Adam und Eva“

 

Geschlechts-Quanten - Quanten-Spaltung

 

Tab. Die 3 Phasen der Singularität

 

LO-Modell: Die 3 Phasen der Singularität

 

2. Szenario „AffinoSpanten“ – „AffinoOvanten“

 

Tab. Die 3 Phasen der Singularität

 

LO-Modell: Die 3 Phasen der Singularität

 

Lust-Orbits und Lustzentren von Universen

Kapitel Zehn(10):

Kreisläufe und Analogien

 

Das All, Todesarten von Universen, Kreislauf des Lebens, Gott

 

Licht - Der Sinn des Lebens - Sinnfreiheit

 

Tab. Licht und Dunkelheit

 

Der Lebenszyklus

 

Die Triebkraft des Alls

 

Analogien und Wiederkehr

 

„Schrödingers Katze“

 

Die Pyramiden der Pharaonen

 

Ereignisse im All

 

Zeit und Singularität

 

Kafka

Kapitel Elf (11):

Frieden

Anmerkung/Epilog

Corona

Anhang

Kopie-Vorlage „Mein Orbit“

FICTION FOTOGRAFIE (Ernst, 2019)

Kapitel 1

Ernst

Ernst kam ins Zimmer und plante seinen eintönig aufregenden Tag. Die Frau hatte er liebevoll am großen, rostigen Tor des weitläufigen Grundstücks für den Weg zur Arbeit verabschiedet und er überlegte, ob er sich einen „Porno“ genehmigen, oder ernsthafteren Beschäftigungen nachgehen sollte.

Obwohl, sein Kampf gegen die Software von Bildverarbeitungsprogrammen war kaum ernsthafter zu betrachten als die Rollenspiele von Erwin Kowaleski, der abwechselnd seine Stieftochter oder deren Freundin in den Arsch fickte und dabei verzückt aufstöhnte bis er auf den Bildschirm abspritzte.

Ernst hatte unterdessen seine eigene Weltanschauung entwickelt. Sie überkam ihm an einem sonnigen Tag, an dem er wiederholt an seiner ausgeklügelten Glas-Prismen-Anlage gespielt hatte, um aus dem Sonnenlicht fantastische Lichtreflexe zu zaubern, die ihn magisch in ihren Bann zogen und immer wieder zum Erstaunen brachten, welche Welten in einem Sonnenstrahl verborgen waren. Das Medium Licht war für ihn eine bezaubernde Laune der Natur und eines der schönsten Erscheinungen in der irdischen Welt.

Dass ihm bei der Erstellung seiner Philosophie seine jahrzehntelange leidenschaftliche wissenschaftliche Forschungsarbeit und lustvolle Experimentierfreude im Labor geholfen hatte, steht außer Frage. Aber noch wichtiger für ihn war die Erkenntnis, dass jeder Mensch, zu jeder Zeit, sein individuelles Denken in von ihm selbst bestimmte Richtungen lenken kann. Für ihn war dies die größte Gabe, alles ein großes Spiel. Was wäre, wenn…? Lass alles offen, alles ist möglich. Der Geist ist frei.

Schon bei diesem Satz erinnerte er sich an erfolglose Diskussionen mit seinem Bruder, der sicher in seinem Sinne recht hatte, die ihm klar machten, dass er, Ernst, bei der ernsthaften Publikation seiner Theorien entweder in der Irrenanstalt oder auf dem Scheiterhaufen enden würde.

Er malte sofort in sein Protokollheft, das denen im früheren Labor sehr nahe kam, eine lachende Fratze hinter Gittern und eine Gestalt auf dem lodernden Scheiterhaufen und lächelte verschmitzt, in Gedanken bei den grauen Gestalten in der Nervenklinik seines Heimatdorfes und Giordano Bruno im Jahre 1600.

Ernst war schon immer ein Bilder-Mensch gewesen. Formeln waren für ihn Bilder, Zusammenhänge, Ereignisse, Abläufe… Alles ließ sich so leicht verstehen, wenn es als Bildchen auf einem Blatt Papier gekritzelt war, ergänzt durch Struktur.

Deshalb begannen seine Tage mit Lineal und Stift, indem er in seine aktuelle DIN A4-Protokollheft die Seiten vierteilte. Er zog eine waagerechte Linie für die Kopfzeile, in die er sofort den Wochentag und das Datum notierte und mit farbigem Textmarker lustig gestaltete. Lustig, abwechslungsreich, das musste sein, nur keine Langeweile aufkommen lassen.

2 senkrechte Linien teilten jedes Blatt in 3 Spalten, die beiden seitlichen deutlich schmaler. Links wurde die Arbeitsaufgabe notiert, meist Dateinamen und Bildnummern von Bilddateien, die er mit seiner Superkamera in höchstauflösender digitaler Qualität lustvoll erstellt hatte, überwiegend farbenprächtige Regenbogenreflexe oder Bilder weiblicher Körper.

Dazwischen, im größten Feld, wurden komplette Ordnernamen und Bemerkungen zur Arbeitsaufgabe notiert. Natürlich teilweise als Bildchen mit schneller Hand gezeichnet, zur Erinnerung bei späterer Nutzung. In der rechten, schmaleren Spalte standen meist Dateinummern, der Bilder, die für die Weiterverarbeitung in Bildbearbeitungsprogrammen in Frage kämen. Die Favoriten wurden mit Marker umkreist und mit Bewertungen versehen ([+++] war seine höchste Wertung), natürlich krumm und unstrukturiert, nur nicht zu viele Geraden.

Ernst wusste, dass er die meisten der Bilder nicht wiedersehen würde, dazu war seine Neugier auf neue viel zu stark geworden, möglicherweise zur Sucht. Sein Blick schweifte sorgenvoll in Richtung seiner 5 externen 4-Terrabite Festplatten, deren Speicherkapazität normalerweise für das Lebenswerk eines „Normalbürgers“ ausreichen müsste.

Er hatte mit seinem IT-Spezi schon über ein erweitertes Speicher- und Sicherheitssystem für seine Bilddateien gesprochen, den Super-GAU des Verlustes der Daten immer im Kopf. Aus finanztechnischen und Platz-Gründen wurde das Konzept aber zunächst verworfen, bis auf weiteres.

Ziele seiner inneren Interessen auf der Suche nach „Göttlichem“, waren das Licht und der menschliche Körper. Die Schönheit des weiblichen Körpers und dessen Orgasmus waren für ihn magisch und unübertrefflich.

Porno-Filme zogen ihn nicht nur an, um seinen sexuellen Trieb zu befriedigen, sondern auch die Neugier nach menschlicher Vielfalt, Schönheit und Erotik, menschlichen Abgründen, Lüge und Ehrlichkeit. Er hatte Respekt vor jeder Darstellerin und jedem Darsteller, die ihren Körper, ihre Bilder, ihre Akustik für die geistige Welt des Betrachters zur Verfügung stellten, möge es Fake sein oder rein aus finanziellen Interessen. Sie vervollkommneten die Gedankenwelt von ihm und den offenen Ideenrahmen seiner Fantasien. Verherrlichung von sexueller Gewalt und Perversion lehnte Ernst strikt ab.

Die Kombination von Lichtspielen und den weichen Formen des weiblichen Körpers waren für ihn das erotischste, ästhetischste und vollkommenste Bildmotiv – etwas „Göttliches“, dem er versuchte mit seinen technischen Mitteln nachzujagen.

Sie motivierten ihn, ständig neue optisch-mechanische Apparate aus Edelstahl, Glasprismen und Sperrholzblenden zu konstruieren und zu bauen.

Ernst war auf der Jagd nach Lichtreflexen, die ihm die Sonne schenkte, nach wüstem, wenig planbarem, schweißtreibendem Hantieren mit Spiegeln, Requisiten und Projektionsflächen.

Ein Dachzimmer seines Holzhauses hatte er mit monatelangem, nicht enden wollendem Eifer in eine fast unbetretbare, für Außenstehende chaotisch anmutende, Höhle verwandelt. Aufräumen war nicht sein Ding und ein stolzes Schmunzeln zog durch sein Gesicht, wenn er daran dachte, wie er während seiner kurzen Armeezeit seinen Spint clever verteidigt hatte, gegen die Blicke des Feldwebels.

Die Idee, ein eigenes kleines Fotostudio für Aktfotografie aufzubauen, war in einem Nebengebäude, das er einst mit dem Hintergedanken einer Liebeshöhle für seinen Sohn aus erster Ehe aufgebaut hatte, schon in der Realisierungsphase und er hoffte, die vom Bildschirm mittels seiner Kamera geraubten Fotos in seinen Bildkombinationen bald durch eigene, schärfere, bessere, erotischere und selbst dirigierte zu ersetzen. Ernst hatte klare Vorstellungen und sah die prickelnden Schweißtropfen auf der Haut vor schwarzem Hintergrund schon vor sich. Schwarz, Schwarz, das war eine seiner Lieblingsfarben, auf schwarzem Hintergrund kam alles zum inneren Leuchten. Aber wie kommt man zu solchen Fotos, die in seinem Kopf kreisten, Starfotografen wie Helmut Newton, David Lynch, Karin Székessy und Didier Carré im Bücherregal, als später, grauhaariger Fotografie-Seiteneinsteiger, ohne jahrelange fotografische Ausbildung.

Immerhin hatte er seit ca. einem Jahr schon eine Visitenkarte. „FICTION FOTOGRAFIE“ prangte da über seinen Doktortiteln, von denen er erwartete, dass diese ihm beim Anwerben von Models behilflich sein könnten, indem sie etwas Seriosität signalisieren würden. Die auf der Vorderseite verwendete, mühsam hergestellte, eigene Fotomontage zeigte die Kombination eines farbenprächtigen Regenbogenreflexes mit sinnlich erotischen, weiblichen Lippen. Von der Rückseite lockte ein Bild von der rissigen Elefantenhaut der ca. 300-jährigen Eiche vor seinem Fenster, die für ihn ein Zeichen der Urgewalt und Schönheit der Natur und der Demut des Menschen vor allem auf dieser Erde Existierendem repräsentierte. Die Bilder und der Titel waren das Arbeitsprogramm für den Rest seiner Tage. Erotische Geschichten erzählen mit Bildern, Kraft schöpfen aus der Natur, das war sein Traum. Dazu müsste man die Visitenkarten aber auch benutzen. Noch war der Tag nicht gekommen.

In seinem Hirn kreisten so viele Ideen, Ansätze für Projekte, wie noch nie. Ständig stand neben ihm die Angst, vieles Angedachte nicht zu einem Abschluss führen zu können, seit seinem Schlüsselerlebnis im Norden Norwegens vor 5 Jahren.

Eines der Lieblingsprojekte von Ernst war seit kurzem seine „Orbitaltheorie“.

Die Idee dazu kam ihm als er kürzlich in einer schlafarmen Nacht einige Zeilen über seinen „Save Place“ verfasst hatte, den er aus den Muskelentspannungsübungen nach Jacobson kannte und den er regelmäßig in seiner Gedankenwelt aufsuchte um dem Getöse in seinem Kopf zu entkommen.

Progressive Muskelentspannung (Edmund Jacobson, US-amerikanischer Arzt, 1888 bis 1983, Entspannung als Heilmittel für psychosomatische Störungen): In einer der Übungen wird der Hilfesuchende aufgefordert sich gedanklich an einen individuellen Ort seiner Wahl zu begeben, an dem er sich gern aufhält und sich sicher fühlt („Save Place“). Dabei kann dieser Ort ein real existierender Ort, ein Ort aus seinen Erinnerungen oder ein Ort seiner Fantasie sein.

Ernst wurde deutlich bewusst, dass jeder Mensch in seiner eigenen isolierten Gedankenwelt lebt, in die auch ihm lieb gewordene Personen, nur bedingt folgen können, so sehr man es sich auch wünschen würde. Sie können nur an diesem Ort sein, wenn der Mensch, der sich auf seinen „Save Place“ zurückzieht, sie in seiner Gedankenreise mitnimmt. Von außen ist der Zutritt nicht möglich.

Der „Save Place“ von Ernst lag im Schatten einer alten Eiche, an einem Seitenarm der Mulde, versteckt im Walde, am Fuße der Hügel, mit der Wiese im Rücken, den duftenden Sommerblumen, Margeriten, Glockenblumen, Lichtnelken und Hornveilchen im Überfluss, damals.

Er hatte dort die zartesten Stunden seiner Kindheit verbracht, mit seinem Vater, gespannt auf die gänsefederkielernen Posen auf dem Wasser starrend, die zwischen grünen Wasserpflanzen schaukelten.

Seine Erinnerungen gingen an die aufsteigenden Nebelschwaden in der Morgendämmerung und den diamantenen Eisvogel in der klaren, kalten Stille.

In Gedanken streichelte er die zart grünen Schuppen der Schleie, den vorsichtigen, kämpferischen Freund, der den Verlockungen des gequollenen Weizenkorns an dem kleinen goldfarbenen Haken hatte nicht wiederstehen können.

Er sah seine krumme, gelbbraune Bambusrute mit der knarrenden alten Rolle, der groben, sich rollenden Schnur und die selbst verleimten, viel zu großen Ringen, im Gras.

Ernst verdrängte aktuelle Bilder von fischmordenden, elektrorollenbestückten Menschenhorden, die in Norwegen seinen Weg kreuzten und zog sich in seine Erinnerungen zurück.

Er sah seinen Vater, von harter Arbeit und bohrenden Kriegserinnerungen erschöpft, eingeschlafen neben seiner Angel, von der der Hecht unbeachtet Schnur von der Rolle zog bis er den Köderfisch zerquetscht hatte, und er schmeckte den Geschmack der gebratenen Rotaugen in der gusseisernen Pfanne auf dem holzbefeuerten Herd der Großmutter, spürte die Gräten und schluckte.

Manchmal, wenn er Entspannung von seinen dröhnenden Kopfgeräuschen suchte und sich zu seinem „Save Place“ begab, das kleine Lavendelkissen vor der Nase, den zarten, betäubenden Duft einsaugend, wurde es ihm unter der Eiche zu eng.

Er überflog das gesamte Tal, das Dörfchen seiner Kindheit.

Die Sehnsucht trug ihn über die Hügel, den sich schlängelnden Fluss mit den kleinen Häuschen am Ufer, über das alte Kloster mit den nach Moder riechenden Feldsteinmauern, das Stauwerk mit seinen über die Wehre donnernden, braunen Wassermassen, hinter denen er seinen ersten großen Hecht gefangen hatte, über die Kirche mit dem sich spitz über die Baumkronen reckenden, schiefergedeckten Turm mit dem alten Magnolienbaum davor und den Friedhof mit seinem kleinen, zerfallenen Kirchlein, über das Gärtchen mit der fetten Petersilie und den aus dem Schnee hervorquellenden Christrosen, über den steilen Ski-Hang mit dem Auslauf direkt in den kleinen Bach…

Er kreiste weiter über den roten Porphyr-Steinbruch, den Spielplatz seiner Kindheit, hinunter zum Fluss mit dem steilen, sagenumwobenen Fels „Spitzstein“, von dem ein verfolgter Ritter mit seinem Schimmel in die Tiefe gesprungen sein soll und dabei sein Schwert in den Fluten verlor, weiter zum „Staupen“, einem vor tausend Jahren burgbekrönten Hügel, wo der Drachentöter Ritter Georg den Lindwurm mit der eisernen Spitze seines langen Speeres durchbohrte, zurück in die Biegung des Flusses gegenüber des Klosters mit dem alten, feldsteingemauerten Kirchtürmchen in dem eine Glocke mit dünner Stimme versuchte die Zeit einzuteilen, unter seine Eiche am Wasser.

Er flog am Haus seiner Mutter vorbei, wissend, dass sie dort nicht mehr auf ihn wartete. Er kreiste, schluchzte und lächelte.

Die Landschaft mit ihren sanften, waldbekrönten Hügeln hatte sich so schmerzhaft schön, tief in seine Seele eingebrannt, dass der Begriff „Heimat“ es nur sehr unvollständig abbilden konnte.

Ein ähnlich tiefes Gefühl empfand er später nur noch, wenn er nach einer Reise in den Norden Abschied von Norwegens Fjorden nehmen musste.

Ernst ahnte, wenn ihn alle Menschen, die er in seinem Leben geliebt hatte und die ihn liebten, verlassen haben würden, bliebe nur der „Save Place“ als letzter Rückzugsort. Eine traurige Bilanz, aber auch eine schöne, beruhigende Aussicht.

Manche Menschen glauben Besitzansprüche auf ihre Partner zu haben und bewachen sie eifersüchtig.

Aber er gehört nur sich selbst.

Wenn er freiwillig sich nach dem anderen sehnt, ihn liebt, gehört er ihm ohnehin, ohne ihn besitzen zu wollen.

Der Besitz liegt in der Freiheit der Liebe.

Liebe ist, Liebe ist frei.

Ernst versuchte einige Gefühle und Überlegungen in Verse zu binden, die seine Gedanken zum Thema „Save Place“ wiedergeben sollten.

Save Place

Ort meiner Sehnsucht

Ort meines Glückes

Ort meiner Verzweiflung

Ort meiner Kindheit

Ohne Reue

Ohne Makel

Ohne Zweifel

Ohne Wertung

Einfach da

Mächtig und stark

Uneinnehmbar, unzerstörbar

Süßes Ziel

Zugängig nicht für Fremde

Nicht für Feinde

Nicht für Freunde

Nicht für alle anderen

Zugängig nur für mich

Und die da waren und sind

Manchmal nehm ich Dich mit

An jenen Ort der Träume

Ihn Dir zu zeigen mit meiner Seele

Weil ich Dich gern da hätte

Dich zu streicheln, Dich zu küssen

Allein erreichst Du ihn nicht

Hast eine eigene Welt nur in Dir selbst

Für mich im Dornenmantel gut versteckt

Ich erreiche den Ort wann ich will

Sooft ich will

Für Gedanken sind Lichtgeschwindigkeit

Und Unendlichkeit kein Maß

Gedanken sind beliebig schnell

Führen ins geheimste Versteck

Unmittelbar

Formeln dieser Welt stehen hilflos vor dem Tor

Langsam oder schnell

Alles verwischt zum Ziel

Der leisen Melodie

Dann taucht sie auf

Die Welt in mir

Die lebt

Ich geh hinein und seh mich um

Wandere auf verschlungenen Pfaden

Neugierig

Such ich nach allem

Was da war, ist und sein wird

Ich kann es sehen, hören und fühlen wie einst

Der Eisvogel huscht übers Wasser

Im Dämmerlicht zerpeitscht er die Stille

Ein Lächeln zieht durch mein Gesicht

Im Schlaf

Schön wär´s

Wenn ich am Ende dort wandern könnte

Zusammen mit Dir

Für immer

FICTION FOTOGRAFIE (Ernst, 2019)

All – Universen – Kosmen (MaK, ReK, MiK)

Ernst unterteilte sein All (Alles, einschließlich Nichts) in Universen, die jeweils aus 3 Typen von körperlichen und energetischen Kosmen bestehen:

1. Der Makrokosmos (MaK): Alles in der menschlichen Welt nicht Angreifbare, bedeutend größer als die menschlichen Größe

2. Der Realokosmos (ReK): Alles in der menschlichen Welt Angreifbare, der menschlichen Größe Vergleichbare

3. Der Mikrokosmos (MiK): Alles in der menschlichen Welt nicht Angreifbare, bedeutend kleiner als die menschlichen Größe

Makrokosmos, Realokosmos und Mikrokosmos waren für ihn ein gemeinsames körperliches und energetisches Wesen, ein Universum.

Abb. 1 Der Mensch im All

in seinem Universum (MiK–ReK–MaK)

Jedes Teil, jede Species eines Universums existiert in einem eigenen ReK und hat deshalb eine eigene, individuelle „Sicht“, ein eigenes „Verständnis“ von dem sie umgebenden und sie durchdringenden MiK und MaK.

So verschieben sich die Grenzen zwischen MiK und MaK z.B. aus der Sicht eines Planeten unseres Sonnensystems oder aus der Sicht eines Virus völlig.

Wir beurteilen Zusammenhänge meist aus der individuellen Sicht eines Menschen in seinem ReK. Der Mensch versucht „sein“ Universum zu verstehen.

Die körperliche und energetische Ausdehnung von MiK und MaK ist unendlich (∞).

Aus der Erkenntnis der Unendlichkeit der Universen und des Alls ging für Ernst auch direkt die Schlussfolgerung hervor, dass der Mensch nur begrenzt in der Lage sein wird, die Vorgänge und Zusammenhänge in diesen zu verstehen.

Damit kann ich leben, dachte Ernst und lachte, in Gedanken bei sich selbst überschätzenden Wissenschaftlern und Strategen.

Das All war für Ernst eine noch viel größere, bizarre körperliche und energetische Struktur und konnte für ihn unendlich viele Universen beheimaten, ein Spielfeld für grenzenlose Fantasie.

Ernst stellte sich das All wie eine energiegefüllte Kugel mit einem unendlichen Radius vor, in der sich pulsierende Monster, wie z.B. Universen und noch komplexere Konstrukte, bewegten.

Wie durchdringen sich mehrere Kugeln mit unendlichen Radien, fragte sich Ernst verzweifelt.

Später stellte Ernst das All, das Universum und seine Kosmen als Verschachtelung von unendlich vielen Orbits dar (OinO-Modell).

Ob es gerechtfertigt ist, dass er der menschlichen Welt einen eigenen Kosmos (ReK) zugestand, sei dahingestellt und ihm verziehen.

Er war selbst ein Mensch.

Wenn Ernst von „Kosmischer Energie“ spricht, meint er alle Energie außerhalb eines Orbits. Das kann Energie der Kosmen (MiK, ReK, MaK), des Universums oder des Alls sein.

Ernst glaubte durchaus auch an abgeschlossene Systeme.

„Die Summe ist Null“ war einer seiner Lieblingssprüche.

Allerdings resultierte diese Überzeugung eher aus den praktischen Erfahrungen seines langen, abwechslungsreichen, aufregenden und anstrengenden Lebens, in dem sich meist positive und negative Erlebnisse insgesamt ausgeglichen hatten. Euphorie war deshalb nicht mehr sein Thema, was aber die schnelle Begeisterungsfähigkeit für bestimmte Themen nicht bremsen konnte, besonders wenn seine Fantasie ins Spiel kam.

Dass er eine poetische Ader besitzen könne und dass man möglicherweise mit Poesie vieles treffender, genauer und vollständiger beschreiben könne als mit Formeln, daran hatte er in seiner Jugend selbst nicht geglaubt. Jetzt kam er vielfach von seinen morgendlichen Wanderungen zurück, mit Gedanken im dröhnenden Kopf, die er versuchte zeitnah in Versform niederzuschreiben. Unterdessen füllte sich ein immer dicker werdender Ordner mit Splittern seiner Seele.

Unter jedem seiner „Machwerke“ notierte er das Datum und setzte sein Logo, die kleine gelbe Krone mit den Initialen H D.

Die Summe ist Null

Geh oder Steh

Kalt oder Warm

Schnell oder Langsam

Feuer oder Wasser

Himmel oder Erde

Hier oder Da

Ameise oder Mensch

Knecht oder Herr

Arm oder Reich

Rede oder Schweig

Hasse oder Liebe

Lebe oder Stirb

Aber nicht jetzt

FICTION FOTOGRAFIE (Ernst, 2019)