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Die 45-jährige Marianne ist verzweifelt: Ihr Ehemann Charly interessiert sich nicht mehr für sie. Das einzige, woran Charly noch Interesse zu haben scheint, ist sein heißgeliebter Fernseher, vor dem er so gut wie jede freie Minute verbringt. Am Tag nach ihrem 45. Geburtstag erreicht Mariannes diesbezügliche Frustration ihren Höhepunkt, wodurch sie einen folgenschweren Entschluss fasst: Sie möchte das Interesse ihres Mann zurückgewinnen, und vor allem möchte sie ihren Charly dazu bewegen, nach langer Zeit endlich wieder einmal Sex mit ihr zu haben. Denn alle Menschen um sie herum scheinen ein erfülltes Sexualleben zu haben. Egal, ob es ihre 21 Jahre alte Tochter Nadja ist, ihr 23-jähriger Sohn Matze, ihre beste Freundin Bianca oder sogar einige der Bewohner des Seniorenheims, in dem Marianne arbeitet. Als sie all ihren Mut zusammen nimmt und Charly auf die sexuelle Flaute anspricht, die seit geraumer Zeit zwischen ihnen herrscht, reagiert dieser mit lächerlichen Ausreden und Ausflüchten, was Marianne nur noch frustrierter und verärgerter macht, und was schließlich dazu führt, dass sie sich entschließt, ihrer Libido ohne ihren Ehemann nachzugehen. Da sie ihren Charly nicht betrügen möchte, versucht Marianne zunächst, ihre Lust durch Selbstbefriedigung mit speziellen Spielzeugen zu stillen – ein Unterfangen, bei dem alles schief geht, was auch nur irgendwie schief gehen kann. Zutiefst verzweifelt bittet Marianne ihre beste Freundin Bianca um Rat, die ihr vorschlägt, sich doch mal im Internet nach Männern für erotische Kontakte umzusehen. Marianne ist aus moralischen Gründen zunächst hin- und hergerissen. Doch da ihr sexuelles Verlangen stärker ist als der Wille, den Treueschwur einzuhalten, den sie ihrem Mann einst vor dem Traualtar geleistet hat, folgt sie Biancas Rat. Für Marianne beginnen daraufhin die aufregendsten Wochen ihres bisherigen Lebens.
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Seitenzahl: 277
Veröffentlichungsjahr: 2014
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Michael Helmschneider
Orgasmus gegen Taschengeld
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Inhaltsverzeichnis
Titel
Kapitel 1
Kapitel 2
Kapitel 3
Kapitel 4
Kapitel 5
Kapitel 6
Kapitel 7
Kapitel 8
Kapitel 9
Kapitel 10
Kapitel 11
Kapitel 12
Kapitel 13
Kapitel 14
Kapitel 15
Kapitel 16
Kapitel 17
Kapitel 18
Kapitel 19
Kapitel 20
Kapitel 21
Kapitel 22
Kapitel 23
Kapitel 24
Kapitel 25
Kapitel 26
Kapitel 27
Kapitel 28
Kapitel 29
Kapitel 30
Kapitel 31
Kapitel 32
Kapitel 33
Kapitel 34
Kapitel 35
Kapitel 36
Impressum
Kapitel 1
Todmüde fiel ich in mein Bett. Charly, der schnarchend neben mir lag, schlief bereits seit geraumer Zeit, nachdem er sich im Badezimmer die Seele aus dem Leib gekotzt hatte. Heute Abend waren 15 Flaschen Wein, 13 Flaschen Bier und zwei Flaschen Schnaps getrunken worden. Und das von acht Personen. Insgesamt hatten wir heute Abend zwölf Gäste eingeladen, von denen jedoch vier so gut wie gar nichts getrunken hatten. Ich selbst war eine Person aus diesem Quartett gewesen, da ich als Gastgeberin nüchtern bleiben wollte. Dafür hatte mein holder Gatte Charly umso mehr getrunken, was dazu geführt hatte, dass ich mich nach der Party ganz alleine darum kümmern musste, unsere Gäste wieder aus dem Haus zu bekommen. Als ich unsere letzten Gäste zur Haustür eskortiert hatte und gähnend zurück in die Küche ging, konnte sich Charly kaum noch auf den Beinen halten. Das war, bevor er die erste Reise mit dem Porzellanbus unternahm. Drei weitere folgten.
Nachdem ich mich abgeschminkt und mir die Zähne geputzt hatte, ließ ich mich in mein Bett fallen. Ich knipste meine Nachtischlampe aus, kuschelte mich unter meine Bettdecke und starrte in den dunklen Raum. Das war er also gewesen – mein 45. Geburtstag. Andere Frauen verreisten an solchen Tagen mit ihren Partnern, genossen den Tag ihres Wiegenfestes an einem sonnigen Strand und hatten dann am Abend auf dem Hotelzimmer Sex, dass die Wände wackeln. Und was hatte ich: Eine dreckige Küche, in der sich Berge von schmutzigem Geschirr türmten, einen Esszimmertisch, auf dem es aussah wie auf einem Schlachtfeld, und im Schlafzimmer einen besoffenen Ehemann, der gerade ganze Wälder zu roden schien.
Ich begann, in meinen Erinnerungen zu kramen. Als ich süße 15 war, hatte ich Charly im Kino kennengelernt. Vier Fäuste gegen Rio war der Film, in den mich meine beste Freundin Bianca damals geschleppt hatte. Sie schwärmte für Terence Hill, auch wenn er wie so oft an der Seite von Bud Spencer irgendwelche Idioten verprügelte und hirnlose Sprüche von sich gab. Eine Reihe hinter uns saßen Charly, der damals 17 war, und sein Kumpel Herbert, die sich während des Films dumm und dämlich lachten, während ich jede Viertelstunde gelangweilt auf meine Armbanduhr blickte. Dass ich mich nach dem Film von Charly anquatschen und auf eine Cola einladen ließ, führte dazu, dass ich mit 25 zweifache Mutter und mit 35 bereits das Interesse meines Mannes verloren hatte. Warum weiß ich auch nicht. Ich war weder hässlich noch ungepflegt, und schon gar nicht prüde. Charly hingegen gingen die Haare aus, sein Hinterteil und vor allem sein Bauch wurden größer, und wenn er am Abend von der Arbeit nach Hause kam, interessierte er sich nur noch für den Fernseher. Sex hatten wir vielleicht noch einmal pro Quartal, wenn überhaupt. Und in den vergangenen anderthalb Jahren lief zwischen Charly und mir überhaupt nichts mehr. Dabei liebte ich Charly nach wie vor, und es hätte mir auch nichts ausgemacht, wenn er mit Glatze und Bierbauch nackt auf mir gelegen wäre. Aber an der körperlichen Liebe schien mein Mann komplett das Interesse verloren zu haben. Ob er eine andere hatte? Eine jüngere vielleicht? Vielleicht verausgabte er sich in seiner Arbeit mit einer blutjungen Praktikantin oder mit seiner Sekretärin, und war dann für den Rest des Tages erledigt. Nein, das konnte ich mir nicht vorstellen! Oder er hatte seine homosexuelle Ader entdeckt und traf sich heimlich mit einem Lustknaben, der es ihm so geil besorgte, dass Sex mit Frauen für Charly nicht mehr in Frage kam. Doch auch das konnte ich mir bei meinem Charly nicht vorstellen.
Egal was Charlys Beweggründe für seine sexuelle Lethargie waren: Ich war derselbigen noch nicht verfallen und ich hatte keine Lust mehr, wie eine Nonne zu leben. Ich hatte heute meinen 45. und nicht meinen 95. Geburtstag gefeiert, und ich fühlte mich einfach noch viel zu jung, um dem Sex zu entsagen. Doch wie sollte das gehen, fragte ich mich? Ich konnte Charly schließlich nicht zum Sex zwingen. Dabei fiel mir ein, dass ich mit ihm noch nie darüber gesprochen hatte, dass wir seit geraumer Zeit keinen Sex mehr praktizierten. Wie würde er reagieren, wenn ich ihn darauf ansprechen würde? Würde er gähnen, den Kopf schütteln, wortlos ins Wohnzimmer gehen und sich wieder vor seinen Fernseher setzen? Oder würde er aus allen Wolken fallen und mich als sexsüchtige Psychopatin beschimpfen? Ich wusste es einfach nicht. Doch ich nahm mir fest vor, ihn darauf anzusprechen. Morgen war Sonntag, der Tag, an dem wir lange und ausgiebig frühstückten. Sobald unsere Kinder sich vom Frühstückstisch erheben würden, würde ich ihn auf dieses Problem ansprechen, nahm ich mir vor. Mit einem Lächeln auf meinem Gesicht schloss ich die Augen und fiel in einen tiefen Schlaf.
Kapitel 2
Als Charly gegen 9.30 Uhr schlaftrunken in die Küche gewackelt kam, hatte ich schon alle Arbeiten erledigt. Der Geschirrspüler lief heute bereits zum zweiten Mal, die leer getrunkenen Flaschen von gestern hatte ich sortiert und zum Abtransport in eine Klappbox gestellt, und der Esstisch war ebenfalls wieder sauber und lud zu einem neuen Mahl ein.
Unser Sohn Matze saß am Frühstückstisch und durchblätterte gelangweilt die Tageszeitung. Matze war das Ebenbild von Charlys Vater Karl-Heinz, eine Sache, die mich immer wieder faszinierte. Hätte es sich bei den Fotos, die meinen Schwiegervater als 23-jährigen Jüngling zeigen, nicht um schwarz-weiß Fotografien gehandelt, wüsste man nicht, wer von beiden auf dem Foto zu sehen ist: Karl-Heinz Rieling oder sein Enkel Matthias Rieling.
Matzes Schwester, unsere 21-jährige Tochter Nadja, sah niemandem aus der Familie ähnlich. Meine beste Freundin Bianca hatte schon mehr als einmal gescherzt, mit wem Nadja wohl mehr Ähnlichkeit hatte: Mit dem Postboten oder mit dem Klempner. Klempner – Rohre verlegen; jetzt wusste ich wieder, was mir gestern Abend im Bett gekommen war und worüber ich heute mit Charly sprechen wollte.
„Schläft Deine Schwester noch?“ fragte ich Matze, der gerade die Todesanzeigen in der Zeitung studierte. Mein Sohn begann zu grinsen. „Sagen wir’s mal so: Sie liegt noch im Bett, schlafen tut sie allerdings nicht mehr.“ Charly, der gerade die Portionskaffeemaschine bediente, blickte Matze stirnrunzelnd an. Erst jetzt erinnerte ich mich, dass Nadjas Freund Nico nach der gestrigen Geburtstagsfeier über Nacht geblieben war. „Aha.“ sprach ich. „Und woher weißt Du das?“ Matze verdrehte die Augen. „Ich habe Ohren, Mama. Und meine Schwester ein sehr lautes Organ. Und: Mein Zimmer befindet sich direkt neben ihrem.“ Matze schob die Zeitung zusammen und legte sie wieder auf den Tisch. Er kippte den letzten Rest aus seiner Kaffeetasse hinunter und erhob sich vom Tisch. „Ich bin dann mal bei Leo.“ sagte er, und verschwand aus dem Esszimmer. Leo war Matzes Kumpel und der Ex-Ex-Ex-Ex-Ex-Freund von Nadja.
Charly ließ sich auf seinen Stuhl am Esstisch plumpsen und stellte geräuschvoll seine Kaffeetasse ab. „Na, wie geht es uns denn heute?“ fragte ich mit einem schadenfrohen Grinsen in meinem Gesicht. Charly winkte ab und schielte in seinen Kaffee.
„Sag mal, Charly …“ begann ich rumzustottern „… was meinst Du, was unsere Nadja und dieser Nico wohl jetzt gerade machen?“ Charly sah mich erstaunt an. „Keine Ahnung.“ „Denkst Du, Matze hatte Recht mit seiner Vermutung?“ fragte ich weiter. „Mit welcher Vermutung denn?“ „Na ja, dass die beiden … Du weißt schon … noch im Bett liegen aber nicht schlafen.“ Charly starrte an die Decke. Er war kreidebleich und sah aus, als würde er gleich erneut ein Ticket für den Porzellanbus lösen. „Ob die beiden Sex haben, meine ich.“ Charly verzog sein Gesicht, als hätte er in eine Zitrone gebissen. „Ist Dir schlecht, Charly?“ Keine Reaktion. Dann schluckte er und atmete tief durch. „Ich glaub, ich bin über den Berg. Hast Du eine Kopfschmerztablette für mich, Marianne?“
Wütend erhob ich mich vom Tisch und ging hinüber an das kleine Sideboard, in dem sich unsere Hausapotheke befand. Hätte Charly gestern nicht so viel gesoffen, wäre er jetzt vielleicht ein bisschen aufnahmefähiger für das Gespräch, das ich ihm aufs Auge drücken wollte. Nadjas und Nicos Sexualverhalten wäre so ein schöner und passender Einstieg in das Gespräch gewesen, das ich jetzt mit Charly führen wollte. Ich legte ihm die Kopfschmerztabletten neben seine Kaffeetasse. Noch wollte ich nicht aufgeben.
„Ist es Dir überhaupt recht, wenn unsere Tochter unter unserem Dach mit ihrem Typen einfach so … rumvögelt?“ fragte ich.
Charly warf sich die Kopfschmerztabletten ein, spülte einen großen Schluck Kaffee hinterher und begann zu lachen. Ich wusste nicht, was ich von seiner Reaktion auf meine Frage halten sollte. „Unsere Tochter ist 21 und nicht 12! Lass sie doch!“ Jetzt wusste ich, wie ich meinen Mann anpacken konnte. „Ja ja, Du hast ja Recht!“ sagte ich. „Und wir sind auch noch keine 100!“ Charly runzelte erneut die Stirn. „Wie meinst Du das jetzt?“ „Verflucht!“ dachte ich mir. Mir wurde abwechselnd heiß und kalt. Am liebsten hätte ich mir die Zunge abgebissen und wäre vor Scham im Erdboden versunken. „Na ja … ich meine … wie soll ich das jetzt sagen … wir sind auch noch nicht … sooo wahnsinnig alt. Ist Dir aufgefallen, dass wir beide – also Du und ich – schon ewig lang keinen Sex mehr hatten?“ Ich wurde nervös und mein linkes Augenlid begann zu zucken – wie immer, wenn ich nervös wurde. Charly begann sanft zu lächeln. Er lächelte mich so liebevoll und zärtlich an, wie er es schon lange nicht mehr getan hatte. „Ach Marianne …“ sprach er und nahm meine Hand. „… wir kommen auch schon langsam ins Alter. Ich bin ein alter Mann, ich werde bald 50!“
„Ein alter Mann?“ fragte ich mich und begann nachzurechnen. Charly war jetzt 47. Jopi Heesters starb mit 108 Jahren, im vergangenen Jahr war der älteste Mensch – ein japanischer Mann – im Alter von 116 Jahren gestorben.
Charly trank in kleinen Schlucken seine Kaffeetasse leer und war mit seinen Gedanken weit, weit weg. Doch ich wollte noch nicht aufgeben.
„Manchmal glaube ich, Du findest mich gar nicht mehr attraktiv.“ sprach ich vorwurfsvoll zu meinem Mann. „So ein Unsinn.“ raunte er. „Du bist die attraktivste Frau, die ich kenne.“
Jetzt verstand ich überhaupt nichts mehr. Mein Mann fand mich attraktiv, wollte aber nicht mehr mit mir schlafen. Sollte wirklich das Alter der Grund dafür sein?
„Hättest Du nicht mal wieder gerne Sex mit mir?“ Charly sah mich mit offenem Mund an. „Wie? Jetzt?“ „Nein, nicht jetzt. Irgendwann halt. Egal wann. Hauptsache wir machen es mal wieder. Hast Du denn daran wirklich gar kein Interesse mehr?“
Charly strich sich über seine Mundwinkel. Unser Gespräch war ihm sichtlich unangenehm. Er räusperte sich. „Weißt Du Marianne …“ sprach er kleinlaut „… wenn ich abends von der Arbeit nach Hause komme, bin ich meistens immer total erledigt. Ich will dann einfach nur noch meine Ruhe haben. Ein bisschen fernsehen, gemütlich ein oder zwei Bier trinken, und dann auch irgendwann ins Bett gehen.“ „Und am Wochenende?“ fragte ich schnippisch. Charly überlegte. „Na ja, da hab ich meistens im Haus viel zu tun. Immer wieder muss dieses und jenes repariert werden. Und im Sommer dann der Garten und so. Und irgendwann will man es sich doch auch einfach mal vor dem Fernseher gemütlich machen.“
Charlys Gesichtsausdruck begann sich mit einem Mal zu verändern. „Was ist denn plötzlich in Dich gefahren, dass Du auf einmal so auf Sex aus bist?“ herrschte er mich an. „Hast Du jetzt mit 45 Jahren auf einmal ein Problem mit dem Alter, oder was? Oder hast Du Deine Tage, oder kommst Du in den Wechsel? Ich würde mal zum Arzt gehen!“ Wütend erhob sich Charly vom Tisch und ging – mit der Kaffeetasse in der Hand – hinüber ins Wohnzimmer, wo er in seinem Fernsehsessel Platz nahm.
„Hätte ich bloß nichts zu ihm gesagt!“ dachte ich mir. „Zum Arzt soll ich gehen – so ein Schwachsinn!“ Ich war den Tränen nahe. „Soll er doch zum Arzt gehen und sich Viagra verschreiben lassen, der alte Mann! Wahrscheinlich will er keinen Sex mehr, weil er keinen mehr hoch kriegt!“ Ich begann, den Frühstückstisch abzuräumen. Als ich gerade die Butter in den Kühlschrank stellte, betraten Nadja und ihr Freund Nico die Küche. Beide wirkten glücklich und befriedigt. „Guten Morgen Mama!“ frohlockte Nadja bestens gelaunt. Sie drückte mir einen dicken Kuss auf meine Wange. Sie glühte richtig, wahrscheinlich hatte Nico ihr gerade einen hammermäßigen Orgasmus verbraten. „Sind noch Brötchen da? Nico und ich haben einen Wahnsinns-Hunger!“ „Ja, den hätte ich auch, wenn ich beim Sex so viel Kalorien verbrannt hätte, wie ihr beiden!“ dachte ich mir. Frustriert servierte ich meiner Tochter und ihrem Nico voller Neid das Frühstück.
Kapitel 3
Vier Tage später – es war ein wunderschöner Montag im September – hatte ich mich mit meiner besten Freundin Bianca in unserem Stammcafé verabredet.
Bianca war seit jeher meine beste Freundin, sie war dieses Jahr im Juni 45 Jahre alt geworden. Sie hatte damals ein Jahr nach mir geheiratet und sich zwei Jahre später von ihrem Mann Helmut – der äußerlich natürlich stark an Terence Hill erinnerte – wieder scheiden lassen. Helmut hatte ein Alkoholproblem und im Suff jedes Mal grundlos und leider genauso gnadenlos auf Bianca eingeprügelt wie der blauäugige Terence Hill in seinen Prügel-Komödien. Für Bianca hörte hier der Spaß allerdings auf. Sie hatte mir oft erzählt, wie froh sie war, dass in den drei Jahren ihrer Ehe ihr Kinderwunsch unerfüllt geblieben war. Sie hatte sich nach der Scheidung von Helmut nie mehr nach einem Mann umgesehen – zumindest nach keinem, den sie beabsichtigt hätte zu heiraten. Bianca war Single, glücklicher Single. Und obwohl es auch derzeit keinen festen Partner in ihrem Leben gab, hatte sie etwas, was ich nicht hatte: Sex. Ich wusste nicht, wie sie es schaffte, ständig neue Typen ins Bett zu kriegen. Bianca war immerhin nicht mehr die Jüngste. Zugegeben, sie war trotz ihrer 45 Lebensjahre noch immer eine attraktive Frau. Sie war eine gepflegte Erscheinung und hatte kurzes, blondes Haar, wodurch sie leicht burschikos wirkte. Ihre Figur konnte man durchaus als sportlich bezeichnen, und sie hatte wohlgeformte Brüste und den schönsten und knackigsten Hintern, den ich kannte. Das Auffälligste an Bianca waren jedoch ihre wunderschönen blauen Augen, die wie zwei Sterne aus ihrem Gesicht leuchteten.
Wir setzten uns an unseren Stammplatz, einen kleinen Tisch am Fenster. Nachdem Bianca einen Cappuccino und ich ein Kännchen Kaffee geordert hatten, begannen wir, über die Arbeit zu sprechen. Bianca arbeitete als Krankenschwester im örtlichen Krankenhaus, ich ging dem Beruf der Altenpflegerin nach. Wir sprachen über unsere Kollegen, Patienten, Heimbewohner, und schließlich über Charly und meine Kinder.
„So so, dann hat also Deine Nadja wieder mal einen Neuen.“ lachte Bianca und nahm einen Schluck von ihrem Cappuccino. „Na ja, was soll’s, sie ist noch jung. Und sie soll bloß nicht den gleichen Fehler machen wie ich, und den erstbesten Mann heiraten, der ihr über den Weg läuft. Sie soll sich austoben, soll herausfinden, wer am besten zu ihr passt – auch sexuell.“ Ich sah meine Freundin entgeistert an. „Du hast Helmut geheiratet, weil er aussah wie Terence Hill! Schon vergessen?“ Bianca entfuhr ein tiefer Seufzer.
„Charly war auch mein erster Freund, und sexuell hat es von Anfang an gepasst. Meine Mutter und mein Vater hätten mich wahrscheinlich gevierteilt, wenn ich so viele Typen angeschleppt hätte wie meine Tochter.“ Ich rührte nachdenklich mit dem Löffel in meinem Kaffee. „Aber ich hab ja damals auch nicht wissen können, wie sich das alles mal entwickelt.“ „Wie meinst Du das jetzt?“ fragte Bianca verwundert. Ich leckte meinen Löffel ab und legte ihn auf der Untertasse ab. „Ich meine … was gut ist, muss ja nicht immer gut bleiben.“ Ich wusste nicht so recht, ob ich Bianca von meiner sexuellen Misere erzählen sollte. Es war mir irgendwie peinlich. Ich schämte mich plötzlich für meinen Schlappschwanz von Mann. Dabei konnte ich mit Bianca seit jeher über alles reden, natürlich auch über Sex. Doch schließlich konnte ich mich überwinden. Ich musste es meiner besten Freundin einfach erzählen, weil mich dieses Thema sehr belastete. Besonders seit meinem Geburtstagswochenende.
„Sag mal Bianca, was würdest Du machen, wenn Du über viele Jahre hinweg mit einem Partner liiert wärst, der auf einmal keinen Sex mehr mit Dir möchte?“ „Was?“ fragte sie entgeistert. Ich verdrehte die Augen. „Du hast mich doch verstanden! Was Du machen würdest, wenn Dein Partner keinen Sex mehr mit Dir will, Du aber sehr wohl hin und wieder mal eine Nummer schieben wollen würdest.“ Bianca dachte angestrengt nach. „Du willst mir also sagen, dass Du und Charly nicht mehr so oft Sex habt wie früher?“ Ich atmete genervt durch. „Charly und ich haben überhaupt keinen Sex mehr. Und zwar seit ziemlich genau anderthalb Jahren!“ Bianca musste nach Luft schnappen. „Um Gottes Willen Marianne! Das ist ja furchtbar! Und warum?“ „Ich weiß es nicht. Ich hab ihn am Sonntag darauf angesprochen. Er sagte, dass er abends nach der Arbeit immer so müde sei und nur noch seine Ruhe haben wolle. Und an den Wochenenden muss er immer so viel im Haus und im Garten arbeiten. So ein Schwachsinn! Das einzige was er macht, ist, dass er hin und wieder den Rasen mäht und ab und zu mal eine kaputte Glühbirne auswechselt. Aber weißt Du, was das Schärfste ist: Er hat gesagt, er werde allmählich zu alt für Sex!“ „Wie bitte?“ Bianca fiel aus allen Wolken. „Ich hab ja schon öfter mal gehört, dass die Libido im Alter bei den Frauen zunehmen soll, während sie dagegen bei den Männern angeblich abnimmt. Aber ich bitte Dich: Charly ist 47 – und nicht 107! Er interessiert sich überhaupt nicht mehr für mich! Er erzählt mir irgendeinen Schwachsinn, dass ich nach wie vor die attraktivste Frau bin, die er kennt, aber anstatt mich einmal ordentlich durchzunehmen, macht er es sich lieber in seinem Fernsehsessel bequem. Der Fernseher ist ohnehin sein Heiligtum. Manchmal kommt es mir so vor, als wäre er nicht mit mir, sondern mit seinem beschissenen Fernseher verheiratet!“
Bianca nahm erneut einen Schluck von ihrem Cappuccino. „Sieht er sich dann Pornos an, oder was?“ „Nein! Er hat an Sex kein Interesse mehr, auch nicht an Pornos! Er sieht sich irgendeinen Scheißdreck an – was weiß ich. Irgendeinen Müll eben. Kannst Du Dir überhaupt vorstellen, wie das ist, wenn einem die Schachtel juckt und der Mann sich lieber Tatort oder Das perfekte Promi-Dinner ansieht? Das ist doch nicht normal!“ Bianca musste lachen, was mich wütend machte. „Ich finde das nicht witzig! Ich hab schon daran gedacht, mir einen Vibrator zu kaufen und es mir selbst zu machen, während mein Gatte mit einem Bier in der Hand in seinem Fernsehsessel versinkt und sich an Let’s Dance ergötzt.“ „Und warum tust Du’s nicht? Ich hab Dir doch damals zu Deinem 40. Geburtstag einen Vibrator geschenkt!“
„Erstens habe ich dieses merkwürdige Teil damals als Juxgeschenk verstanden, und zweitens: Ich will keinen Vibrator benutzen, weil ich einen Mann habe und kein pubertierender Teenager mehr bin.“ Ich leerte meine Kaffeetasse mit einem Zug und schenkte mir aus meinem Kännchen nach. „Ich komme mir total untervögelt vor! Wie so eine alte Schachtel! Und soll ich Dir was sagen: Sogar bei uns im Altenheim gibt es Menschen, die auch im hohen Alter noch sexuell aktiv sind. Ich hab Dir doch mal von dem uralten Ehepaar erzählt. Sie ist 93 und er 96, und jeden Tag besteht sie auf Sex. Meine Kollegin hat die beiden doch mal in flagranti im Badezimmer überrascht!“ „Ekelhafte Vorstellung.“ meine Bianca angewidert. „Aber die beiden haben mit über 90 noch Sex. Und ich bereits mit 45 nicht mehr!“
Meine beste Freundin begann erneut nachzudenken. Sie zuckte mit den Schultern. „Also wenn Du Sex willst, Dein Mann jedoch nicht, und Du kein Spielzeug zu Hilfe nehmen möchtest, dann gibt es nicht mehr viele Möglichkeiten.“ „Wie meinst Du das?“
„Ich meine, dass Du Dich nach einem anderen Mann umschauen könntest.“ „Was??? Ich soll meinen Ehemann betrügen???“ „Jetzt führ Dich doch nicht gleich so auf! Was ist denn schon dabei? Erstens weißt Du nicht, ob Charly Dich nicht auch betrügt. Denn wenn er gar keinen Sex mehr mit Dir will, sieht es für mich ganz danach aus.“ „Nein, das glaube ich nicht.“ entgegnete ich.
Bianca verdrehte die Augen. „Und zweitens: Liebe und Sex kann man trennen. Viele Frauen halten sich einen oder mehrere Liebhaber. Ab und zu treffen, Spaß zusammen haben, und dann wieder getrennte Wege gehen. Da ist doch nichts dabei!“ „Dir ist schon klar, was Du da sagst? Ich habe Familie. Und ich bin seit 26 Jahren verheiratet. Ich kann doch jetzt nicht damit anfangen, meinen Mann zu betrügen!“ „Herrgott Marianne, wir leben im 21. Jahrhundert und nicht mehr im Mittelalter, wo Frauen, die das sechste Gebot missachtet haben, auf dem Scheiterhaufen verbrannt worden sind. Du lebst nur einmal, und dieses Leben solltest Du genießen! Wer weiß was morgen kommt.“
„Nein, das kann ich meiner Familie nicht antun.“ sprach ich kleinlaut. „Und warum nicht? Alle haben ihren Spaß. Nur Du nicht! Nadja hat Spaß mit ihrem Nico, Matze hat bestimmt auch seinen Spaß, und Charly macht sich vor dem Fernseher ein schönes Leben. Nur Du sitzt heulend in Deinem Bett und träumst davon, wie es wäre, mal wieder einen Orgasmus zu haben.“ Tränen rannen über meine Wangen. Ich nahm ein Papiertaschentuch aus meiner Handtasche und schnäuzte mich geräuschvoll.
„Du tust ja gerade so, als hättest Du noch laufend Sex.“ klagte ich Bianca an. Meine beste Freundin begann zu grinsen. „Ich habe auch laufend Sex. Wenn ich Sex will, dann bekomme ich ihn. Und zwar schneller, als Du denkst.“ Ich konnte nicht glauben, was ich da hörte.
„Hast Du einen Freund, von dem Du mir noch nichts erzählt hast?“ „Nein, keinen Freund. Aber Männer für Sex kann man heutzutage wie Sand am Meer finden.“ Ich winkte ab. „Ich bin nicht der Typ, der in Discos oder Kneipen abhängt, nur um sich irgendeinen Kerl aufzureißen. Aus dem Alter bin ich raus.“ „Wer redet denn von Discos oder Kneipen? Internet macht’s möglich!“ „Internet?“ fragte ich skeptisch.
„Na klar! Das Internet ist voll von Websites, auf denen Menschen jeden Alters erotische Kontakte knüpfen. Klar sind da manchmal auch Spinner dabei. Aber ich habe bisher bestimmt 90 Prozent meiner Sexbekanntschaften über das Internet kennengelernt.“
„Ist das nicht gefährlich?“ meinte ich. „Warum soll das denn gefährlich sein? Ich hab erst vor Kurzem mit einem Typen – ich glaube er hieß Vincent – ein paar Mails hin und her geschrieben, ein paar Bilder ausgetauscht, und dann haben wir uns auf einen Kaffee getroffen.“ „Wo denn?“ wollte ich von Bianca wissen. „In einem Café in der Stadt. Wir haben uns gut unterhalten, haben gemerkt, dass die Chemie stimmt, und ich bin mit zu ihm gegangen. Und soll ich Dir was sagen: Es war der Wahnsinn!“ Mit einem Glänzen in ihren Augen lehnte sich Bianca zurück und schwelgte offenbar in der Erinnerung an die Nacht mit Vincent.
„Und auf welcher Internetseite hast Du diesen Vincent kennengelernt?“ bohrte ich nach. Bianca begann zu überlegen. „Keine Ahnung. Es gibt ein paar gute Seiten im Netz, auf denen man Männer nur für das Eine kennenlernen kann.“
„Also ich weiß nicht.“ entgegnete ich zweifelnd. „Mag schon sein, dass Du bisher Glück hattest, aber … das ist doch irgendwie der blanke Wahnsinn!“ „Und warum bitte, wenn ich fragen darf?“ „Weil auf solchen Websites nur Psychopaten unterwegs sind! Das hört und liest man doch immer wieder! Total kranke Vergewaltiger, Sexgangster mit einem psychischen Totalschaden! Die können Dir doch in ihren E-Mails noch so viele nette Sachen schreiben. Und wenn Du diesen Psychos dann in der realen Welt begegnest, stellen sie die schrecklichsten Dinge mit Dir an, bringen Dich um und zerstückeln Dich! Oder verspeisen Dich vielleicht sogar noch, wie dieser Kannibale, der mit seinen Opfern Sex hatte, sie bei furchtbar perversen Spielen zu Tode gefoltert und anschließend aufgegessen hat!“ „Sag mal spinnst Du?“ „Gerade auf so verzweifelte Frauen im reiferen Alter wie uns haben die es oft abgesehen!“ Ich war zutiefst entsetzt darüber, dass meine beste und langjährige Freundin Bianca ihre erotischen Kontakte über das Internet herstellte.
„Also erstens bin ich im Gegensatz zu Dir nicht verzweifelt. Und zweitens: Es ist doch wirklich nichts dabei! Natürlich gibt es im Internet jede Menge Spinner, aber wenn Du über ein Mindestmaß an Menschenkenntnis verfügst, checkst Du doch schon vor einem realen Treffen, ob der Kerl ein Psycho ist oder nicht. Und ich hatte bisher wirklich nur Glück mit meinen Männern!“
Ich dachte nach. Obwohl ich es sehr bedenklich fand, was Bianca so trieb, hatte sie mich neugierig gemacht. Dieses umständliche Geflirte in Bars oder Kneipen hatte mich schon in jungen Jahren immer genervt. Und wenn man dann endlich einen gutaussehenden Typen an der Angel hatte, konnte man ja auch nicht wissen, wie er tickte. Rein theoretisch konnte man beim Weggehen auch an einen Kerl geraten, der beispielsweise Gefallen an Dingen findet, die eigentlich ins Klo gehören. Oder der beim Sex auf qualvolle Demütigungsspiele steht und einen schlägt und auspeitscht. Wenn man von seinem erotischen Partner schon vorher weiß, was er will, wird man hinterher keine bösen Überraschungen mehr erleben, dachte ich mir. Und wo man sich einen Typen fürs Bett aufgabelt – ob in der realen oder in der digitalen Welt – ist doch vollkommen egal, wenn beides zum gleichen Ergebnis führt.
Doch war ich tatsächlich schon so weit – und vor allem so verzweifelt – dass ich einen solchen Schritt tatsächlich wagen sollte? Ich betrachtete meinen Ehering. Charly trug seinen Ehering schon seit vielen Jahren nicht mehr, weil er ihm zu eng geworden war. Ich begann an meinem Ehering herumzuspielen. Ich hatte Charly damals vor dem lieben Gott ewige Liebe und vor allem Treue geschworen. War ich tatsächlich bereit, diesen Schwur zu brechen? Charly hatte andererseits damals den gleichen Schwur geleistet. Und was war nun mit der Liebe – vor allem mit der körperlichen Liebe? Immer mehr war ich der Ansicht, dass die Vernachlässigung von ehelichen Pflichten des einen Ehepartners zu neuen Rechten des anderen Ehepartners führen darf.
„Was sind denn das genau für Internetseiten, auf denen Du nach Männern suchst?“ „Ich hab eigentlich immer nur drei Seiten, die ich besuche, wenn ich mal wieder gewisse Bedürfnisse verspüre. www.schreib-und-treibs.de, www.schnackselstube.de, und www.ero-markt.de. Letztere ist meine Lieblingsseite. Bei den beiden anderen muss man sich anmelden und ein Profil anlegen und solchen Scheißkram. Ist aber für Frauen kostenlos. www.ero-markt.de ist eine Website, auf der man alles Mögliche zum Thema Sex und Erotik bestellen kann. Also Spielzeug, Wäsche, erotische Filme und Magazine – all das Zeug, das Du in der realen Welt in einem Sexshop kaufen kannst. Nur dass diese Website noch eine Art erotisches Forum enthält und einen erotischen Kontaktanzeigenmarkt. Und dort hab ich bisher die besten Typen gefunden.“
www.ero-markt.de – diese Website wollte ich mir mal merken. „Warum auch nicht?“ fragte ich mich. Man kann ja im Internet schließlich mal ein bisschen gucken. Das ist ja nicht verboten, und moralisch verwerflich ist es auch nicht, wenn man sich nur ein bisschen umschaut.
Bianca und ich tranken mehr oder weniger schweigend unsere Tassen leer. Ich hatte noch keine Ahnung, welche Folgen die Erkenntnisse des heutigen Tages für mich haben würden. Und wie sich mein Leben in absehbarer Zeit dadurch verändern würde.
Kapitel 4
In der darauffolgenden Woche – man schrieb Donnerstag, den 11. September 2014 – kam ich gegen 17.30 Uhr von der Arbeit nach Hause. Es war ein ganz normaler Tag gewesen. In der Arbeit hatte sich nichts von Bedeutung ereignet, außer dass ein neuer Bewohner, der aussah wie Bud Spencer, heute sein Zimmer bezogen hatte. Das musste ich unbedingt Bianca erzählen, auch wenn sie eher auf Terence Hill wie auf Bud Spencer stand. Herr Köpke, so der Name des alten Herrn, hatte heute auch gleich angefragt, ob es denn erlaubt sei, in seinem Zimmer Bier zu trinken. Natürlich hatte ich bejaht, was Herrn Köpke auch gleich ein Lächeln in sein Gesicht gezaubert hatte. Er war nämlich der festen Überzeugung, dass er nur dem regelmäßigen Genuss von Bier sein hohes Alter von 92 Jahren zu verdanken hatte.
Als ich nach Hause kam, konnte ich lediglich Matze verfinden. Mein Sohn informierte mich, dass Charly vorhin angerufen hatte, um uns wissen zu lassen, dass er heute später nach Hause kam, weil er noch an einem Geschäftsessen teilnehmen musste.
„Der Arme.“ dachte ich mir. „Ich hoffe, dass sein Fernseher ihm heute Abend treu bleibt!“
Nadja war heute Abend bei Nico, und wahrscheinlich würden es die beiden auch heute Abend wieder treiben wie die Karnickel.
„Was hast Du denn heute Abend vor, mein Schatz?“ fragte ich meinen Sohn Matze. „Mama …“ gab er mir genervt zur Antwort. „…nenn mich doch bitte nicht mehr Schatz! Ich bin 23, und keine 3 mehr!“ „So so. Und, was hat Matthias der Große heute Abend vor, wenn die Frage erlaubt ist?“ „Ich gehe jetzt zu Leo, um Deine Frage zu beantworten.“ „Und was macht ihr bei ihm?“ „Wir spielen Wii, falls Du weißt, was das ist.“ Ich lachte gekünstelt. „Ich bin zwar inzwischen 45 Jahre alt und habe noch immer kein Smartphone; aber was ein Wii ist, weiß ich sehr wohl.“
„Na dann …“ sprach Matze mit vollem Mund „…viel Spaß heute allein zu Haus!“
Er mampfte sein Schinkenbrot hinunter und verließ die Küche. Kurz darauf hörte ich die Haustür ins Schloss fallen.
So, nun hieß es Marianne allein zu Haus. Ich war eigentlich total geschafft von meinem heutigen Tag. Wäre ich mein Mann Charly gewesen, hätte ich mich jetzt vor den Fernseher gesetzt, und mich bis in die späten Abendstunden berieseln lassen. Doch ich war heute von anderen Gedanken durchtrieben und überlegte, was ich tun könnte, wenn ich schon mal sturmfrei hatte. Ich schenkte mir zunächst ein Glas Wasser ein und setzte mich hinaus ins Esszimmer. Mein Wasserglas leerend dachte ich angestrengt nach. Mir kam dabei der Vibrator in den Sinn, den Bianca mir zu meinem 40. Geburtstag geschenkt hatte und über den wir uns vor Kurzem im Café unterhalten hatten. Ich erinnerte mich, dass ich dieses Juxgeschenk einst irgendwo in den Tiefen meines Kleiderschranks versteckt hatte. Dunkel konnte ich mich auch daran erinnern, dass ich dieses Teil damals am liebsten weggeworfen hätte, es aber dann doch nicht übers Herz gebracht hatte, da auch ein Vibrator Geld kostet. Schließlich hatte ich ihn hinter der Bettwäsche im großen Kleiderschrank vor Charly und den Kindern versteckt.
Ob es nun an der Zeit war, den Vibrator aus seinem Dornröschenschlaf zu erwecken? Ich war unschlüssig, denn ich hatte mich in meinem ganzen Leben noch nie selbst befriedigt.
Nach fünf Gläsern Wasser dachte ich mir dann: „Ach was soll’s, die Gelegenheit ist günstig. Wenn ich schon mal sturmfrei habe, dann sollte ich auch das Bestmögliche draus machen.“
Da sich die fünf Gläser Wasser bemerkbar machten, ging ich zunächst auf die Toilette. Danach suchte ich den Weg ins Schlafzimmer, wo ich zunächst Unmengen von Bettwäsche aus dem Kleiderschrank hievte. „Wahnsinn, was sich in 26 Jahren Ehe alles so anhäuft.“ stöhnte ich.
Schließlich sah ich ihn vor mir im Schrank liegen: Den noch originalverpackten, fleischfarbenen Plastikpenis namens Goliath. Wie ein rohes Ei nahm ich ihn aus dem Schrank und hielt ihn ehrfürchtig in Händen. „Meine Güte, ist das ein riesiges Teil!“ sprach ich erstaunt zu mir selbst. Ich las auf der Verpackung. „Ein großartiger Vibrator – im wahrsten Sinne des Wortes! Weitaus länger, dicker und stärker als ein echter Penis! Goliath füllt Sie ganz aus, und wenn er vibrierend in Ihre Lusthöhle eindringt, werden Sie nur noch keuchen und japsen. Durch die enorme Größe fühlen Sie die Vibrationen viel stärker als bei jedem anderen Kunstpenis. Kein David, sondern ein echter Goliath eben!“
Total perplex saß ich mit dem riesigen Plastikteil vor meinem geöffneten Schlafzimmerschrank und fragte mich, ob ich mir mit Goliath tatsächlich Lust verschaffen wollte.
Wie benebelt erhob ich mich, legte Goliath auf mein Bett, setzte mich neben ihn und starrte aus dem Fenster. „O.K. … sagte ich leise und schielte auf meinen Plastikpenis.“ Wenn nicht heute, dann nie. Aber zunächst muss ich irgendwie in Stimmung kommen.“
Ich ging hinüber ins Arbeitszimmer, setzte mich an den Schreibtisch und schaltete den Computer ein. Das Internet war voll von schmutzigen Filmchen und Bildern. Das hörte man doch immer wieder. Da musste doch mit Sicherheit auch irgendetwas für mich dabei sein.
Ich klickte auf dem Desktop den Button des Internet-Browsers an, und kurz darauf öffnete sich als Startseite die Internet-Suchmaschine Google.
Ich tippte Pornos für Frauen in die Suchleiste ein und drückte die Enter-Taste. Eine ellenlange Auswahlliste erschien auf dem Bildschirm, die sich auf den ersten Blick als totale Enttäuschung darstellte. Fast jedes der Suchergebnisse war irgendein Ratgeber für Frauen zum Thema Pornografie oder irgendein Forum, in dem sich Frauen über dieses Thema austauschen konnten. Ich war kurz vor dem Durchdrehen! Ich wollte mich jetzt nicht mit irgendwelchen anderen Weibern über Pornos unterhalten, sondern mir einen solchen Film ansehen, der mich heiß macht, damit ich mich mit Goliath vergnügen konnte.
Ich scrollte mit der Maus nach unten, und plötzlich las ich Kostenlose Pornos für Frauen. Ich las erst gar nicht weiter und klickte dieses Suchergebnis an.
