Ostwestfälische Gespräche - Nicolas Bröggelwirth - E-Book

Ostwestfälische Gespräche E-Book

Nicolas Bröggelwirth

0,0

Beschreibung

In den "Ostwestfälischen Gesprächen" finden sich Dialoge und Szenen, wie sie typisch für die Region sind. Mit viel Humor und einem Augenzwinkern schaut der Autor den Menschen seiner Heimat auf den Mund. Manchmal sind die Ergebnisse absurd, bisweilen machen sie nachdenklich, zeitweise verursachen sie Unverständnis, aber sicherlich sind sie immer sehr komisch. Und leider oder dankenswerterweise sind viele auch wahr. Da darf auch mal ein kleiner Ausflug über die Grenzen hinaus gemacht werden. Und seien wir doch ehrlich - Ist es nicht mehr, was uns Menschen verbindet, als das, was uns trennt?

Sie lesen das E-Book in den Legimi-Apps auf:

Android
iOS
von Legimi
zertifizierten E-Readern
Kindle™-E-Readern
(für ausgewählte Pakete)

Seitenzahl: 117

Veröffentlichungsjahr: 2022

Das E-Book (TTS) können Sie hören im Abo „Legimi Premium” in Legimi-Apps auf:

Android
iOS
Bewertungen
0,0
0
0
0
0
0
Mehr Informationen
Mehr Informationen
Legimi prüft nicht, ob Rezensionen von Nutzern stammen, die den betreffenden Titel tatsächlich gekauft oder gelesen/gehört haben. Wir entfernen aber gefälschte Rezensionen.



Den unverwechselbaren, einzigartigen und fast unbeschreiblichen Menschen meiner Heimat.

Inhalt

Vorwort

Pssscht

Stippgrütze

Äpfel

Fußball

Radler

Spacken

Suppenhuhn

Masken

Schulden

Aale (Largo)

Koblenz

Wirkplus

Rührei

Parken

Nachtigall

Landapfelkuchen

Eichhörnchen

Dringend

Anzeigen

Ruhe

Kinder

Liberneo

Troja

Flurwoche

Damals

Hilfsbereitschaft

Notruf

Grünkohl

Vorwort

In der Fußgängerzone von Hannover könnte sich ein ganz alltägliches Gespräch beispielsweise so anhören:

»Entschuldigen Sie bitte, dass ich Sie anspreche. Ich suche den Hauptbahnhof. Könne Sie mir diesbezüglich eventuell weiterhelfen?«

»Aber ja, selbstverständlich. Sie gehen hier die Straße hinunter und an der zweiten Kreuzung rechts. Nicht an der ersten, dort, wo die Ampel ist. Also erst an der zweiten. Da gehen Sie dann rechts. Das ist die mit dem Zebrastreifen. Vorsicht! Viele halten sich dort nicht an den Zebrastreifen. Danach laufen Sie direkt auf den Bahnhof zu. Eigentlich können Sie ihn überhaupt nicht verfehlen.«

»Oh, okay, danke sehr! Haben Sie vielen Dank. Wissen Sie, meine Nichte wird heute vierzehn Jahre alt und ich muss noch nach Leipzig. Gott, wie die Zeit vergeht. Und ich fahre ja immer gerne ein wenig früher, also mit einem Zug früher oder so als dass ich da sein müsste. Denn Sie wissen ja: Die Deutsche Bahn hat in den letzten Jahren unglücklicherweise ein paar Probleme mit der Pünktlichkeit.«

»Wem sagen Sie das? Mir tut nur immer das arme Personal leid. Das kann ja eigentlich gar nichts dafür und muss immer die Launen der Fahrgäste aushalten.«

»Da habe Sie recht, aber das ist in Service-Berufen ja häufig so. Ich kann aber auch die Fahrgäste verstehen, denn niemals kann man mit demjenigen sprechen, der wirklich verantwortlich ist.«

»Leider, leider. Ich wünsche Ihnen auf jeden Fall eine angenehme Fahrt und richten Sie Ihrer Nichte bitte unbekannterweise meine herzlichsten Glückwünsche aus.«

»Das mache ich sehr gerne. Und vielen Dank nochmal. Auf Wiedersehen!«

»Auf Wiedersehen.«

Irgendwo in Ostwestfalen klingt das ungefähr so:

»Ey! … Äh … Bahnhof?«

»Da runter!«

Und hier endet auch schon die verbale Kollision unserer beiden Protagonisten. Dabei war es durchaus dasselbe Gespräch.

Ostwestfalen ist ein ganz besonderer Landstrich, der vor allem durch seine in ihm wohnenden und stammenden Menschen geprägt wird. Man ist dort erst dann miteinander bekannt, wenn man mindestens einen Sack Salz miteinander gegessen hat - einen großen Sack Salz. Zwischen Pader und Weser können zwei Männer des Abends auf ein Bier in der Kneipe zusammensitzen, sich sehr gut verstehen und die besten Freunde sein, während sie sich am nächsten Tag nicht einmal mehr auf der Straße grüßen. Die Menschen sind rauer als die Flüsse, die Hügelketten und das Wetter. Nichts davon ist aber wirklich eine Kunst. Noch körniger als sie selbst ist nur ihre Sprache.

Rund um das Wiehengebirge und Teutoburger Wald sind die Leute dennoch ehrlich und herzlich. Was zunächst wie ein Widerspruch klingt, wird erhellt durch die Art dieser Wesenszüge. Denn wenn man erst einmal einen Sack Salz mit jemandem gegessen hat, dann kann man ihn getrost auch als einen Freund auf Lebenszeit bezeichnen.

Der Ostwestfale ist zuverlässig, hilfsbereit, treu und anhänglich wie ein Hund. Und er benötigt dabei ungefähr genauso viele Worte wie dieser, um das zum Ausdruck zu bringen. Lediglich einhellige Meinungen werden offen auf der Zunge getragen, wie die über die Rheinländer oder die Lipper. Und dabei ist die Mode seiner Werte und Weltanschauung noch nicht einmal so anachronistisch wie die seiner Klamotten, die herrlich hartnäckig dem Zeitgeist ein paar Jahre hinterherhecheln. Doch schämt sich der Ostwestfale für irgendwas? Ganz sicherlich nicht. Er findet für alles eine Rechtfertigung, selbst wenn diese nicht allein sich selbst, sondern den Umständen geschuldet ist, für die der Ostwestfale per Definition ebenso wenig verantwortlich sein kann, wie für den Zeitgeist. Das ist Gesetz - ostwestfälisches Gesetz.

Auch der hier heimische Humor ist von etwas derberer, aber nicht minder herzlicher Natur. Der Ostwestfale an sich, was an dieser Stelle mehr als Zustand denn als Menschenschlag verstanden werden darf, schmunzelt mal gerne über einen gescheiten Wortwitz, lacht sich aber lauthals kaputt, wenn jemand mit dem Gesicht in einer Torte landet. Schadenfreude und Spott sind ausdrücklich erlaubt, solange es andere trifft. Doch auch eine gewisse elitäre Haltung als Kontrapunkt zum Rheinischen gehört dazu. Denn wird der Witz zu flach, reagiert der gläubige Landwirt, Möbelbauer, Leinenweber, Zigarrendreher und Tabakhändler mit kopfschüttelndem Unverständnis.

Der Mensch, der hier einst gesiedelt hat, obwohl er Bielefeld und Paderborn sehenden Auges kannte, ist in vielen Bereichen nicht anders als andere Menschen auch. Bei ihm ist selten etwas gut, doch oftmals gar nicht mal so schlecht. Aber ist es nicht immer auch gerade das Besondere, was Menschen ausmacht, sie definiert, sie unverwechselbar macht?

Ostwestfalen und seine Einwohner kann man mögen, wenn man es näher kennt - Man muss es lieben, wenn man hier geboren ist.

Die meisten aller Gespräche gewinnt man, denn man bekommt sie, obwohl man sie überhaupt nicht bestellt oder ein Los gekauft hat. Über die einen freut man sich, und dann gibt es noch die große Überzahl der restlichen.

Oft liegt die ostwestfälische Lebenswirklichkeit der Satire näher als die Satire der Vorstellungskraft. Auf „Wirkplus“ oder „Antinerv“, Luise oder Frau Brachsieker werden ja viele schon mal außerhalb dieses Buches gestoßen und gestolpert sein.

Aber: »Das war nicht Hitler, das war Jesus!« ist so bestimmt nie gesagt worden, denkt man zunächst. Doch! Da übertreibt der Autor aber, glaubt man. Leider falsch. Dieser Satz ist genauso gesagt worden.

Die Geschichte mit dem Radler ist aber doch komplett aus dem Finger gezogen, vermutet man weiter. Leider auch nicht. Und was gab es da nicht noch alles für Material, was hätte man nicht noch alles verwerten können?

»Heute in der Pathologie hatten wir einen Riesenspaß!«, »Wenn ich ein dreckiges Glied hätte, würde ich es vielleicht tun.« oder aber auch »Ich habe in meinem Zeugnis alles Zweien und nur eine Drei. Ich habe einen Durchschnitt von 1,9.« Eine Mitschülerin schaute ungläubig und begann, das Ergebnis des Klassenprimus´ mit dem Taschenrechner auf ihrem Handy nachzurechnen. Manchmal muss man für ein wenig Satire eben nur genau hinhören. Ostwestfalen macht da keinen Unterschied.

Es ist schon erstaunlich, wie viele in ihren Einschätzungen falsch liegen, was Wahrheit und was Fiktion ist. Man darf ihnen aber nicht helfen, sondern muss die Erkenntnis der Realität sogar ihrer Phantasie überlassen. Aber Vorsicht! Man sich dabei sehr leicht irren. Versprochen!

In den Szenen gibt es ganz bewusst keinerlei Regieanweisungen. Jeder Leser möge bei der Lektüre seine eigene Sprachmelodie und Rhythmus im Kopf haben. Und wenn auch vieles den manchmal bizarren und grotesken Alltagsunterhaltungen entlehnt ist, wie das Abhören der Akkorde seines Lieblingsliedes auf einer alten Musik-Kassette, um es auf der Gitarre mehr jämmerlich sentimental als notengetreu nachzuspielen, darf die satirische Phantasie und ihr surrealer Aspekt natürlich auch in diesem Fall auf keinen Fall zu kurz kommen.

Man sollte dieses Buch mit einem Augenzwinkern lesen, aber vor allem sollte man es an die bedauernswerten Nicht-Ostwestfalen verschenken oder zumindest verleihen, damit auch sie wissen, unter welchen Bedingungen wir … welche Zustände … also … das ist wirklich kein Hilferuf … man gebe es ihnen einfach zu lesen.

Falls Sie sich als Leser in den Szenen manchmal wiederfinden, ist es schön - wenn Sie Bekannte erkennen, vielleicht noch schöner - wenn nicht, ist es möglicherweise ganz gut so. Ist es nicht seltsam, wie leicht man andere erkennt, doch sich selbst nicht wiederfinden kann?

Und zum Bahnhof geht es übrigens da lang. Nichts zu danken.

Nicolas Bröggelwirth Bünde, den 17. Juli 2022

Pssscht

Personen:

Schlemihl.

Hubert.

Ort: Fußgängerzone.

Schlemihl:

Hey, Sie. … Bleiben Sie doch mal stehen! … Hallo, Sie.

Hubert:

Wer? Ich?

Schlemihl:

Pssscht.

Hubert:

Wer? Ich?

Schlemihl:

Genau. Ich hätte da ein tolles Angebot für Sie.

Hubert:

Was denn?

Schlemihl:

Pssscht.

Hubert:

Pssscht?

Schlemihl:

Genau.

Hubert:

Was denn?

Schlemihl:

Pssscht.

Hubert:

Das wird mir zu albern.

Schlemihl:

Ich hätte hier ein paar wundervolle Badeschlappen …

Hubert:

Badeschlappen?

Schlemihl:

Pssscht.

Hubert:

Badeschlappen?

Schlemihl:

Genau.

Hubert:

Ich brauche keine Badeschlappen.

Schlemihl:

Aber das sind ganz besondere Badeschlappen.

Hubert:

Ganz besondere Badeschlappen?

Schlemihl:

Pssscht.

Hubert:

Es sind ganz besondere Badeschlappen?

Schlemihl:

Genau.

Hubert:

Wieso?

Schlemihl:

Auf diesen Badeschlappen sind Rentiere drauf.

Hubert:

Ich brauche keine Badeschlappen mit Rentieren drauf.

Schlemihl:

Sie brauchen keine Badeschlappen mit Rentieren drauf?

Hubert:

Pssscht.

Schlemihl:

Pssscht?

Hubert:

Genau.

Schlemihl:

Aber natürlich brauchen Sie Badeschlappen mit Rentieren drauf.

Hubert:

Ich brauche Badeschlappen mit Rentieren drauf? Und wagen sie es jetzt nicht!

Schlemihl:

Natürlich brauchen Sie Badeschlappen mit Rentieren drauf. Überlegen Sie mal! Stellen Sie sich vor, Sie wollen Weihnachten ins Freibad.

Hubert:

Weihnachten ins Freibad?

Schlemihl:

Pssscht.

Hubert:

Weihnachten ins Freibad?

Schlemihl:

Genau.

Hubert:

Ich will Weihnachten nicht ins Freibad. Außerdem haben die Freibäder dann geschlossen.

Schlemihl:

Noch.

Hubert:

Noch?

Schlemihl:

Noch. Denken Sie mal an die Klimaerwärmung.

Hubert:

Die Klimaerwärmung?

Schlemihl:

Pssscht.

Hubert:

Die Klimaerwärmung?

Schlemihl:

Genau.

Hubert:

Die geht mich nichts an?

Schlemihl:

Die geht Sie nichts an?

Hubert:

Pssscht.

Schlemihl:

Die geht Sie nichts an?

Hubert:

Genau. Was habe ich mit der Klimaerwärmung zu tun?

Schlemihl:

Genau. Aber möchten Sie an Weihnachten mit Badeschlappen ohne Rentieren drauf im Freibad stehen?

Hubert:

Das natürlich nicht.

Schlemihl:

Sehen Sie?

Hubert:

Sehe ich was?

Schlemihl:

Pssscht.

Hubert:

Sehe ich was?

Schlemihl:

Genau. Ich hätte auch Sonnencreme, die nach Weihrauch riecht, Luftmatratzen in Tannenbaumform und Zimteis mit Schneeflocken oben drauf. Jetzt schon mal an die Zukunft denken.

Hubert:

Ich kaufe das „A“.

Schlemihl:

Gute Wahl, mein Freund. Eine gute Wahl!

Hubert:

Kann ich mit diesem defekten Luftfilter bezahlen?

Schlemihl:

Ob Sie mit diesem defekten Luftfilter bezahlen können?

Hubert:

Pssscht.

Schlemihl:

Ob Sie mit diesem defekten Luftfilter bezahlen können?

Hubert:

Genau. Übrigens: Haben Sie die frohe Botschaft schon empfangen?

Schlemihl:

Ob ich die frohe Botschaft schon empfangen habe?

Hubert:

Pssscht.

Schlemihl:

Ob ich die frohe Botschaft schon empfangen habe?

Hubert:

Genau. Gott liebt alle Menschen. Und über 200.000 Zeugen haben diese Nachricht schon vernommen. Hallo, Sie! … Mein „A“, der Luftfilter … Bleiben Sie doch hier. … Warten Sie doch!

Stippgrütze

Personen:

Luise.

Heinz.

Ort: Küche.

Heinz:

Gleich, Luise.

Luise:

Jetzt, Heinz!!

Heinz:

Ich esse noch.

Luise:

Du kommst doch eh nicht vor wech.

Heinz:

Ich will noch mein Schnittchen essen.

Luise:

Da ist doch nur noch Krume.

Heinz:

Das ist das Beste dran.

Luise:

Du willst Dich nur drücken.

Heinz:

Ich mach‘ es, bevor ich zum Schießstand gehe.

Luise:

Du meinst die Theke beim Schießstand. Da willst Du heute noch hin?

Heinz:

Ist Sonntag.

Luise:

Aber Du hast ja noch die Pölterbuxe und die Schlappen an.

Heinz:

Es ist Sonntag, und ich esse noch.

Luise:

Dann steck‘ Dir auch ein paar Klümpchen ein.

Heinz:

Klümpchen zum Bier?

Luise:

Es riecht.

Heinz:

Aber es schmeckt dann nicht.

Luise:

Und frag´ mal nach, was nu mit Herbert ist!

Heinz:

Was soll mit dem sein?

Luise:

Der hat sich doch hingekeufelt.

Heinz:

Was? Wann?

Luise:

Diesen Dienstag. Ist achtern Birge übern Lenker.

Heinz:

Wusste ich noch gar nicht. Diesen oder letzten Dienstag?

Luise:

Letzten Dienstag. Also frag´ mal um! Ich muss da auf Höhe sein. Hab´ nächsten Sonnabend Canasta mit den Frauen.

Heinz:

Diesen oder nächsten Sonnabend?

Luise:

Diesen. Und denk‘ dran!

Heinz:

Ich will das nicht.

Luise:

Du kannst ruhig mal was für mich tun.

Heinz:

Ich meine das Klümpchen.

Luise:

Und komm heut´ Mittag dann nicht zu spät!

Heinz:

Warum?

Luise:

Es gibt Stippgrütze mit Gürkchen.

Heinz:

Mit Klümpchen?

Luise:

Gürkchen!

Heinz:

Luise, Schatz, komm´ mal bei mich bei.

Luise:

Was ist denn, Heinz?

Heinz:

Luise, schau mal, es gibt drei Dinge in meinem Leben, die mir richtig auf den Zünder gehen.

Luise:

Ach! Und die wären?

Heinz:

Das erste ist verschwendete Lebenszeit. Du weißt schon - das Warten auf den Bus, die Dame, die vor einem an der Kasse meint, es passend zu haben. So was halt.

Luise:

Aha!

Heinz:

Das zweite ist, wenn man mir Vorschriften machen will. Also, wenn man mir sagt, wann ich was wie schnell zu erledigen habe, obwohl

Luise:

ich gerade was ganz anderes auf dem Schirm hatte. Verstehst Du das? Aus welcher blöden Zeitschrift hast Du das denn alles? Und was ist das dritte, was Dir auf den Zeiger geht?

Heinz:

Das dritte bist Du, Luise.

Luise:

Bitte? Heinz!

Heinz:

Ich will die Scheidung.

Luise:

Jetzt bleib´ mal ernst.

Heinz:

Das meine ich ernst.

Luise:

Du bist 75.

Heinz:

Siehste! So langsam wird es Zeit.

Luise:

Ist das jetzt nicht eher ein wenig spät?

Heinz:

Wenn nicht nu, wann dann noch?

Luise:

Gut! Wie Du willst. Ich rufe dann mal Stefan an.

Heinz:

Unseren Sohn?

Luise:

Meinen Liebhaber! Natürlich unseren Sohn.

Heinz:

Vielleicht sollte er es jetzt noch nicht erfahren; und wir sollten erst mal in Ruhe darüber sprechen.

Luise:

Der hat das alles schon mal aufgesetzt, wer was bekommt und so.

Heinz:

Du kannst von mir aus das Haus haben. Ich will nur das Auto.

Luise:

Das steht da alles schon drin.

Heinz:

Warum hat Stefan bitte so was schon aufgesetzt?

Luise:

Weil er Jura studiert hat und Rechtsanwalt ist.

Heinz:

Ich meine, warum hat er so was jetzt schon fertig in der Schublade?

Luise:

Weil ich ihn darum gebeten hatte.

Heinz:

Wann?

Luise:

Bestimmt schon 10 Jahre her.

Heinz:

Vor 10 Jahren schon?

Luise:

Ja, als Du Dir den kleinen Porsche zugelegt hast und mit der Nachtschwester… Also mehr Klischee geht schon gar nicht mehr!

Heinz:

Doch! Ein älteres Ehepaar aus Spenge, das Sonntagmittags Stippgrütze isst.

Luise:

Schwester Cornelia!

Heinz:

Du hast davon gewusst?

Luise:

Natürlich!

Heinz:

Woher?

Luise:

Ich bin eine Frau, Heinz.

Heinz:

Und?

Luise:

Das reicht!

Heinz:

Wenn Du es doch wusstest, warum hast Du Dich damals nicht scheiden lassen?

Luise:

Ich war noch zu jung.

Heinz:

Du warst über 60.