Packstation 143 - Birgit E. Schmidt - E-Book

Packstation 143 E-Book

Birgit E. Schmidt

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Beschreibung

Die unterhaltsamen kleinen Geschichten von Birgit E. Schmidt handeln von Alltäglichem - mit Augenzwinkern erzählt oder auch mal ernst. Corona spielt - leider - eine Rolle, aber nicht die Hauptrolle. Egal ob es um die Tücken der Pflege eines Goldhamsters oder den abenteuerlichen Versuch geht, ein Paket abzuholen, die Geschichten drehen sich immer um heitere oder skurrile Begegnungen mit Menschen in und um Frankfurt. Wer von der haarsträubenden Weltenlage genug hat, setzt sich gemütlich auf das Sofa und taucht ein in merkwürdige Begebenheiten und unverhofft schöne, kleine Momente des Alltags.

Das E-Book können Sie in Legimi-Apps oder einer beliebigen App lesen, die das folgende Format unterstützen:

EPUB
MOBI

Seitenzahl: 39

Veröffentlichungsjahr: 2022

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Über die Autorin

Birgit E. Schmidt fing erst mit 69 Jahren an zu schreiben, aber mit Büchern hatte sie ihr ganzes Leben zu tun. Sie legte das Abitur in Bremerhaven ab, ging zum Studium nach Hamburg und blieb, nach einem Abstecher in Bremen, in Frankfurt und arbeitete an der Universität als Diplom-bibliothekarin. Später war sie bis zur Pensionierung an der Deutschen Nationalbibliothek. Fast alle der kleinen Sentenzen in diesem Buch sind bereits in verschiedenen Anthologien veröffentlicht worden.

Birgit E. Schmidt

Packstation 143

Zehn Geschichten aus dem Alltag

© 2022 Birgit E. Schmidt

Lektorat: Silja von Rauchhaupt

Buchsatz von tredition, erstellt mit dem tredition Designer

ISBN Softcover: 978-3-347-52202-2

ISBN E-Book: 978-3-347-52208-4

ISBN Großschrift: 978-3-347-52210-7

Druck und Distribution im Auftrag des Autors:

tredition GmbH, Halenreie 40-44, 22359 Hamburg, Germany

Das Werk, einschließlich seiner Teile, ist urheberrechtlich geschützt. Für die Inhalte ist der Autor verantwortlich. Jede Verwertung ist ohne seine Zustimmung unzulässig. Die Publikation und Verbreitung erfolgen im Auftrag des Autors, zu erreichen unter: tredition GmbH, Abteilung "Impressumservice", Halenreie 40-44, 22359 Hamburg, Deutschland.

Inhalt

In der Deutschen Nationalbibliothek

Besuch bei Frau H. im Stift

Ausreise in die Vereinigten Staaten oder der goldene Ring mit dem weißen Stein

Die Wok-Pfanne oder Anleitung zum Glücklichsein

Die Abiturientin

Packstation 143

Gardinenröllchen

Wuhan

Luca

Eine Kalendergeschichte

In der Deutschen Nationalbibliothek

Es war im Sommer 2014. Frau H. war 99 Jahre alt. Als sie 84 war, kam ihr zweites Buch zur Zahlensymbolik heraus. Das erste, grundlegende, verfasste sie früher – nach jahrzehntelangen Vorarbeiten und individuellem Studium von griechischer und hebräischer Sprache, um die notwendigen Texte im Original lesen zu können. 1983 wurde das Buch veröffentlicht.

Bei einem unserer Gespräche im oben genannten Jahr äußerte sie den Wunsch, die neuere Literatur zu diesem Thema zur Kenntnis zu nehmen. Ihre These in beiden Büchern ist, dass es in den unterschiedlichsten Texten eine verschlüsselte Botschaft gibt, die immer gleich ist.

Grundlage dafür ist die Annahme, dass jeder Person bzw. bestimmten Personen Zahlenwerte zugeordnet werden können, die darauf basieren, dass die Schriftzeichen der griechischen und der hebräischen Sprache eine zweifache Bedeutung haben; eine als Lautzeichen und eine als Zahlzeichen.

Daraus entwickelte sie ihr System. Ich habe es noch nicht richtig verstanden. Jedenfalls ging es da um „Pythmenwerte“, „natürliche Zahlenwerte“, „die Wortbildzahl“ und „die Sarosperiode in Ilias, AT und NT“.

Alles sehr schwierig. Aber sie hatte dafür gelebt – zusätzlich zu ihren Aufgaben als Hausfrau und Mutter. Jetzt, im hohen Alter von fast 100, wollte sie sich über neue Entwicklungen informieren. Sie lebte – inzwischen verwitwet – in Preungesheim. Da konnte sie noch ganz gut laufen und wir verabredeten uns in „meiner“ Bibliothek – in der Deutschen Nationalbibliothek. Ich war dort über 25 Jahre tätig, bis 2003.

Pünktlich erschien sie zum verabredeten Termin. Sie wollte keinen Kaffee vorher trinken, sondern wir gingen gleich in den großen Lesesaal. Ich holte die zwölf Bücher, die ich für sie zu dem Thema bestellt hatte, ab. Dann setzten wir uns gleich an den ersten langen Tisch. Erwartungsvoll nahm sie das erste. Sie kommentierte: „Das kenne ich schon.“

Das zweite: „Das ist auch nichts Neues.“

Das dritte in ähnlicher Weise, aber alles ziemlich lautstark, sodass ich sie immer wieder versuchte, zu leiserem Sprechen anzuhalten. Ziemlich vergeblich.

Ängstlich schaute ich zur Infotheke. Die Bibliothekarin schaute mit unbewegtem Gesicht in den Garten, der sich an den Lesesaal draußen anschloss. „Sie hört nicht mehr so gut“, sagte ich entschuldigend. Sie nickte gleichmütig.

So ging es die nächsten Bücher weiter. Nur zwei fanden ihre Gnade und sie überlegte, ob sie sich diese besorgen sollte. Privat, um sie ihrer individuellen Bibliothek anzugliedern. Ich glaube, sie hat es dann aber nicht getan.

Wir waren in einer drei viertel Stunde fertig, gaben die Bücher an der Ausgabe wieder ab und gingen nun doch noch Kaffee trinken.

Diese Begebenheit freute Frau H. sehr und sie sprach noch häufiger von ihrem Besuch in der Deutschen Nationalbibliothek. Mit 99 Jahren.

Besuch bei Frau H. im Stift

Neulich ging ich wieder zu Frau H., wie jeden Dienstag. Sie kam gerade aus der Reha (Oberschenkelhalsbruch) und musste sich erst wieder einleben. Sie saß im Rollstuhl und strahlte, als sie mich erkannte. Sie war 101 Jahre alt.

„Sie ist die Freundin meiner verstorbenen Tochter“, sagte sie wichtig, obwohl der Pfleger das längst wusste. Ihre Tochter war vor drei Jahren an einem Lungentumor verstorben und ich kannte die Familie seit langer Zeit. Er sah sie an und sagte zu mir: „Sie können sie gleich mitnehmen.“ Frau H. wollte aber erst mal Kaffee und Kuchen bei sich im Zimmer.

Nach der üblichen freudigen Begrüßung schob ich sie an den Tisch. Die Verständigung war wieder schwierig – ich wechselte mit ihr den Platz und sagte zur Erklärung: „Auf diesem Ohr hören Sie mich besser.“