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Nach dem Pauken für den Bachelor kommt Monja die Auszeit auf einer Western-Ranch gerade recht. Sie hofft, während ihres Praktikums viel über die Ausbildung von Jung- und Problempferden zu lernen. Einzig ihr Freund ist nicht von diesem Aufenthalt begeistert. Er kann ihrer Pferdevernarrtheit nichts abgewinnen. Als ob das nicht kompliziert genug wäre, kreuzt der attraktive Günther ihren Weg und auch Mark, ihr Chef, macht ihr Avancen. Cowboys im Doppelpack? Bald steckt Monja mitten im Gefühlschaos.
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Seitenzahl: 253
Veröffentlichungsjahr: 2025
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1 Welcome back
2 Management
3 Günther und die Mädels
4 Schatten
5 Unverhofft kommt oft
6 Mark im Stress
7 Chefin für sechs Tage
8 Mit den Aufgaben wachsen
9 Junggesellen
10 Von Pferden und Rindern
11 Western meets Isi
12 Pferdekauf
13 Zwischenmenschliches
„Hier rechts abbiegen! Schau, da droben liegt die Burg!“
Aufgeregt rutschte Monja auf dem Autositz so weit nach vorne, wie es der Gurt zuließ. Sie deutete auf einen Hügel, wo sich ein runder Turm, mit Zinnen verziert, zwischen den Bäumen gen Himmel streckte. Die hohe graue Mauer, welche die Wiesen auf der Anhöhe begrenzte, ließ nur erahnen, dass sich Gebäude dahinter verbargen.
Sven setzte den Blinker und bremste den Käfer ab, um die schmale Einfahrt nicht zu verpassen. Einen Wegweiser gab es nicht.
Sie fuhren an weitläufigen Pferdeweiden vorbei, die sich bis ins Tal erstreckten. Etliche Schecken und ein paar einfarbige Pferde grasten friedlich im Sonnenlicht des späten Nachmittags. Die morsche Holzumzäunung sah an einigen Stellen ausgebessert aus. Helle, neue Pfosten ragten heraus wie salutierende Soldaten.
„Laut Marks Beschreibung führt im Wald ein geschotterter Weg bergauf. Es gibt nur eine Gabelung, an der wir uns links halten müssen.“
„Mark, Mark, Mark!“, sagte Sven leise. „Über eine Stunde höre ich diesen Namen in Dauerschleife.“ Er verzog sein Gesicht zu einer Grimasse.
Monja tätschelte ihren Freund am Arm. „Sorry, bin nur komplett von der Rolle. Seit ihrem Umzug vor vier Monaten habe ich ihn und seine Truppe nicht mehr gesehen.“
Die Crew der Ranch, lieb gewonnene, patente Leute. Die Inhaber Mark und Carmen, die von dem winzigen Hof in Niederbayern mit Sack und Pack auf diese Burg im Fichtelgebirge umgezogen waren, um den Betrieb auszubauen. Mit Pferdezucht, Beritt und Gästehaus.
Dazu das Quartett, bestehend aus Manu, Richy, Martin und Suse. Langjährige Freunde der beiden, die ihre Pferde kostenlos eingestellt hatten und dafür an den Wochenenden in allen Bereichen mitarbeiteten.
„Wir brauchen jede helfende Hand“, entschied Carmen bei Monjas Anruf, als sie wegen eines Praktikums gefragt hatte.
Nur ein Volontariat in Sachen Pferdepflege fehlte ihr noch für eine Zusatzausbildung zur Reittherapeutin in der Schweiz. Den Bachelor in Soziale Arbeit hatte sie frisch in der Tasche und bevor sie in das Arbeitsleben eintrat, sehnte sie sich eine kleine Auszeit herbei. Nach der überstandenen Paukerei kamen ihr ein paar Wochen ‚Leben wie auf einem Ponyhof ‘gerade recht.
„Hier ist Endstation“, unterbrach Sven ihre Gedanken. Regungslos blieb er sitzen und wartete auf weitere Anweisungen.
Eine ehemals rote Schranke, die fröhlich vor sich hin rostete, versperrte ihnen den Weg. Rechts davon führte eine Abzweigung zu einigen Weideflächen auf der Hochebene.
Monja überlegte und knetete nervös ihre Hände. „Da vorne scheint der Eingang zu sein. Lass uns zunächst hier parken. Am Waldrand stehen bereits einige Autos. Vielleicht ist es nicht erwünscht, dass man in den Burghof fährt. Das Gepäck holen wir später.“
Seufzend rangierte Sven den Wagen, bis er seitlich im feuchten Gras stand.
Er öffnete die Tür, blieb jedoch unentschlossen sitzen. „Ist es notwendig, dass ich mit reinkomme? Reicht es nicht, dich abzuliefern und dann unauffällig zu verschwinden?“
„Blödsinn! Natürlich kommst du mit! Brennst du nicht darauf zu sehen, wo ich die nächsten Wochen verbringe?“
Sven verdrehte demonstrativ die Augen, stieg im Zeitlupentempo aus, streckte sich und gähnte.
‚Eine perfekte Übersprunghandlung‘, dachte Monja. ‚Du begleitest mich jetzt, mein Lieber!‘
Es tat ein bisschen weh, dass er so blockte.
Ein schmiedeeisernes Tor verschloss den Durchlass in der Burgmauer. Zahlreiche Hufspuren davor wiesen nach rechts zu einem Weidetor. Der matschige Pfad hinter dem Tor sah wie ein Treibgang aus. Zur Linken von dem Gemäuer begrenzt, zur anderen Seite mit einem E-Zaun. Bestimmt führte er zu den Weiden, die sie vom Tal aus gesehen hatten.
„Komm!“, forderte Monja und griff nach Svens Hand.
Er zögerte. Ein Warnschild, das Unbefugten das Betreten verbot und vor Hunden warnte, sollte nicht ignoriert werden. „Einfach reingehen? Gibt es keine Klingel?“
Monja hatte die Tür schon geöffnet. Sofort stürmten drei riesige, sehr schlanke Hunde auf sie zu. Sven wurde blass, wich langsam rückwärts. Für einen großen Hundeflüsterer hielt er sich nicht.
„Ava! Bolschoi! Rika!“, begrüßte Monja die Windhunde glücklich und wuschelte ihnen durch das lockige Fell. Die Hunde wedelten und überboten sich in ihrem Eifer, an ihr hochzuspringen.
„Hey! Hierher!“ Eine rauchige Frauenstimme rief nach den Tieren. Erfolglos. Gleich darauf erschien eine Frau in Arbeitskleidung, die ihre Mistkarre abstellte. Sie hielt sich eine Hand vor die Augen, weil die tief stehende Sonne blendete. Ihre hüftlangen schwarzen Haare wurden von einer auffälligen Haarspange gebändigt.
„Carmen, wie cool! Ich bin’s!“ Monja winkte freudig.
Die Frau lachte. „Und ich fragte mich schon, was in die Hunde gefahren ist. Prima! Habt ihr gleich hergefunden?“ Sie kam Monja und Sven entgegen und schüttelte ihre Hände. „Mark sitzt auf einem Pferd. Wo sonst.“ Sie grinste und musterte Sven, der seine langen blonden Haare offen trug. Nach einem Cowboy sah er nicht aus.
„Sven, das ist die Chefin Carmen. Carmen, mein Freund Sven.“
Sven verharrte wortlos, aber Monja nahm sich nicht die Zeit für eine intensivere Vorstellungsrunde. Sie ließ die beiden kurzerhand stehen und rannte in den Innenhof, der von einem eingezäunten Reitplatz dominiert wurde. Die Hunde folgten ihr bellend. Tatsächlich. Dort saß Mark auf einem Rappschecken und drehte im gleichmäßigen Galopp seine Runden.
Monja trat näher, legte ihre Arme auf die Umzäunung und wartete, bis er sie entdeckte. Das dauerte nicht lange. Er wendete das Tier in einer 180-Grad-Drehung, beschleunigte und hielt vor ihr mit einem Sliding stop. Feiner Sand spritzte ihr entgegen. Der Geruch nach Schweiß und Pferd umfing sie.
„Schön, dass du da bist“, sagte Mark leise, beugte sich weit über den Zaun und umarmte sie vom Sattel aus.
Sven, der Monja gefolgt und hinter ihr stehen geblieben war, streifte er mit einem prüfenden Seitenblick und nickte zur Begrüßung. „Fahrt rein zum Ausladen“, schlug er vor. „Die Schranke ist nicht verschlossen. Du beziehst im ersten Stock das letzte Zimmer auf der linken Seite.“
Monja öffnete erst die Schranke, dann das Tor, damit Sven auf den Hof fahren konnte. „Kommt mir vor wie Fort Knox“, frotzelte er. „Pass auf, wenn sie die Zugbrücke hochziehen, kommst du hier nie mehr raus!“
Sie ließ sich nicht provozieren. „Blödmann! Hast du hier irgendwo einen Burggraben gesehen?“
„Nein, du hast recht, aber es gibt auf jeder Burg ein Verlies, dann stecken sie dich eben dort rein.“
„Ach Sven ... wenn du nichts mehr von mir hörst, weißt du ja, wo du mich suchen musst.“
Ein paar Stufen aus Granit führten zur Eingangstür des Haupthauses, einer zweiflügeligen verzierten Holztür. Statt einer Klingel gab es seitlich daneben eine Glocke. Logisch, dass Sven seine Finger nicht davon lassen konnte. Er bereute es sofort, denn die Hunde kamen bellend angerannt. Monja grinste und hielt ihm die Tür auf. Ein langer, dunkler Flur mit unebenem Steinboden teilte das Haus in der Mitte. Am Ende des Ganges lag zur Linken unverkennbar die Küche, in einer Nische führte eine knarzende Holztreppe in die nächste Etage. Sven, vollbepackt wie ein Lastenesel fluchte, denn das letzte Zimmer links hieß, den Gang im ersten Stock noch einmal bis zum Ende zu gehen.
„Ein 5-Sterne-Hotel ist das nicht.“ Sven rümpfte die Nase und sah sich prüfend wie ein Hotelkritiker in dem altmodisch möblierten Raum um. Er stellte zwei schwere Reisetaschen auf dem Boden ab und zog Monja an sich.
Sie wand sich aus seiner Umarmung und ließ sich auf das Bett fallen. Jetzt war keine Zeit für Zärtlichkeiten.
„Luxus hat mir niemand versprochen. Ich habe einen Schlafplatz, einen Schrank und ein Sofa. Das reicht mir.“
Die Bettwäsche verströmte einen angenehmen Duft.
„Und ein Gemeinschaftsbad auf dem Flur. Echt lecker!“
Svens Genörgel nervte. Unruhig sprang sie wieder hoch, war mit drei Schritten am Fenster, riss es übertrieben weit auf. „Na und? Das ist ein Reiterhof, nicht das Hilton. Außerdem entschädigt dieser Ausblick einfach für alles.“ Mit einer Geste deutete sie einen Halbkreis an. Von ihrem Zimmer aus überblickte sie den gesamten Innenhof. Wenn sie sich hinauslehnte, sah sie den Eingang des Hauptstalles. Links davor der mächtige Turm, zu dessen Fundament sich zwei Esel, ein paar Hängebauchschweine und vier Zebus tummelten. Dieser Zoo war neu, auf dem alten Hof hatte es diese Tiere nicht gegeben. Wie exotisch. Die kleine Gemeinschaft lebte im Offenstall mit angrenzender Weide. Ein lang gestrecktes einstöckiges Gebäude, vor dem drei Geländewagen und mehrere Hänger standen, schloss daran an und berührte beinahe die Offenstallanlage. Von der Größe für acht bis zehn Pferde ausgelegt, schätzte Monja. Auf der anderen Seite des Hofes gab es eine Kapelle mit verwelktem Blumenschmuck am Eingang. Eine riesige Scheune, teilweise zur Reithalle umfunktioniert, stand daneben. Durch das weit geöffnete Tor sah sie eine Reihe Pferdeboxen. Zudem diente die Scheune der Lagerung von Heu und Sägespänen. An die eine Längsseite hatte man drei Außenboxen mit kleinen Paddocks angebaut. Zwei Braun- und ein Rappschecke wohnten darin. Und mitten auf dem Burggelände, die Krönung: ein Roundpen und der überdimensionierte Reitplatz.
Sven zeigte sich wenig beeindruckt. Durch das geöffnete Fenster drang der Geruch des Misthaufens und eine Schmeißfliege, die er angeekelt vertrieb. „Ich zähle die Tage, bis du wieder nach Hause kommst. Warum hast du das Praktikum nicht im heimischen Reitstall absolviert? Nein, es musste unbedingt diese Ranch sein. Nur weil hier jener Mark lebt, der ach so toll reitet und mit Pferden zaubert und ...“
„Ach, daher weht der Wind“, entgegnete Monja und fasste sich übertrieben an die Stirn. „Du bist eifersüchtig! Aber dazu hast du keinen Grund. Du weißt doch, dass ich mit Tanja, Biggi und Karin schon mehrfach zum Reiten auf dem alten Hof war. Hier besteht die Chance, etwas dazuzulernen. Ich bekomme nicht nur Unterricht, sondern packe überall mit an. Was meinst du, wie interessant es sein wird, Mark beim Anreiten von Jungpferden oder bei der Arbeit mit Problempferden über die Schulter zu sehen? So vielseitig ist das Aufgabenfeld im Stall zu Hause nicht!“ Monja hauchte ihrem Freund einen Kuss auf die Wange. „Du verstehst das nicht.“
„Stimmt.“ Er tippte sich an die Stirn. „Genug davon. Ich fahre jetzt. Wünsche dir viel Spaß mit deinem Mark und den Viechern. Wir sehen uns in vier Wochen. Falls du dir überlegst, früher abzureisen, ruf an, ich komme sofort.“
„Das wird nicht passieren, befürchte ich.“ Monja legte den Kopf schief. „Ciao, hab dich lieb!“ Sie spitzte die Lippen in Erwartung eines Abschiedskusses, doch der blieb aus.
„Ach, fast hätte ich es vergessen.“ Sven hielt im Gehen inne und kramte ein kleines Päckchen aus seiner Jeanstasche. „Nicht von mir, von Karin“, erklärte er.
Geduld war nicht Monjas zweiter Vorname. Gierig griff sie nach dem Geschenk, riss sofort das Papier von dem winzigen Gegenstand und hielt einen Schlüsselanhänger in Händen. Ein weißes Plüschpferdchen, ein Schimmel wie ihre geliebte Sarah, die sie ritt, so oft es der Zeitplan zuließ.
Monja strahlte und drückte es an sich.
Sven schüttelte langsam den Kopf. „Du hast recht, ich versteh das nicht!“
Er fühlte sich gekränkt. Immer standen die Pferde zwischen ihnen. Sogar so ein kleines aus der Spielwarenabteilung. Und täuschte er sich, oder hatte Monja ihn Mark gegenüber gar nicht vorgestellt?
Nachdem Sven abgefahren war, verstaute Monja ihre Klamotten unachtsam im Schrank. Die leeren Taschen stopfte sie unter das Bett. Dann verließ sie das Zimmer so schnell wie ein Skifahrer auf Schussfahrt. Als die Tür hinter ihr ins Schloss fiel, atmete sie mehrmals tief ein und wieder aus. Vier vollgepackte Wochen voller Abenteuer warteten auf sie. Das Studium und die Bachelorarbeit waren Vergangenheit. Keine Fachbücher, kein Stress, keine Prüfungen – sondern nur die geliebten Pferde.
Mark saß inzwischen auf einem Appaloosa, Carmen war nirgends zu sehen. Monja entschloss sich, den ersten Rundgang über den Hof alleine vorzunehmen.
Auf dem Putzplatz vor dem Stallgebäude spritzte eine junge Frau die Beine ihres Pferdes ab. Das Tier zappelte herum, sah in dem Wasserstrahl ein Ungeheuer und schnorchelte aufgeregt wegen der eingebildeten Gefahr.
„Oh, Caddy, du Mimose“, schimpfte seine Reiterin. „Ich habe es eilig, Pa wird gleich hier sein.“
„Kann ich dir helfen?“, fragte Monja freundlich. Sie kannte das Verhalten von Sarah, die sich mit dem Wasserschlauch auch nicht anfreundete. Da half nur ruhig und konsequent bleiben.
„Danke, das ist nett. Wenn Sie ihn am Kopf festhalten und ihm den Weg versperren, damit er nicht ständig zur Seite tritt“, schlug sie vor. Sie lehnte sich mit der Schulter an die Kruppe ihres Pferdes, was dieses nicht daran hinderte, die zierliche Person kurzerhand wegzuschieben.
„Ich bin Monja und gerne ‚du‘“. Monja griff beherzt in das Halfter des Wallachs, der daraufhin ergeben still stand.
„Super!“ Sie richtete den Wasserstrahl wieder auf die Beine ihres Pferdes. „Sorry, normalerweise verbreite ich nicht so eine Hektik, aber mein Vater holt mich ab und er hasst es, wenn ich ihn warten lasse.“
„Kein Problem“, meinte Monja. „Wir lernen uns bestimmt noch näher kennen, ich bin die nächsten vier Wochen hier.“
„Ach ja, hat Carmen erzählt. Das ist klasse.“ Sie nickte eifrig und blies sich sie Stirnfransen aus dem Gesicht. „Ich bin Melina. Wir haben Caddy hier eingestellt und mein Pa ist sozusagen der Hoftierarzt“, erklärte sie. „Außerdem jobbe ich manchmal auf der Ranch und bereite die Gästezimmer vor.“
Die quirlige Melina war Monja sofort sympathisch. Sie wirkte aufgeschlossen, redselig, aber auch energisch und tough. Ein Mädel mit Power.
Ein Hupen ertönte vor dem Tor. Melina machte sich nicht die Mühe, nachzusehen.
„Da ist er schon“, stöhnte sie. „Räumst du Caddy für mich auf? Er steht gleich in der ersten Box auf der rechten Seite. Die Hufe habe ich bereits kontrolliert.“
Monja grinste ihr ausgelassen zu. „Klar, gerne. Ich ziehe ihm seinen Schlafanzug an und lese eine Gute-Nacht-Geschichte vor.“ Wieder mit ernsterem Tonfall fragte sie: „Das Halfter ausziehen und vor die Box hängen?“
Melina schüttelte den Kopf. „Das ist sein Sonntagshalfter. Packst du es bitte in meinen Spind? Vor der Box hängt nur sein olles Stallhalfter. Der Spind ist offen.“
Monja knuffte ihr lachend in die Seite. „Nun verschwinde schon, ich mach das!“
Melina verschwand wie Speedy Gonzales, es fehlte nur eine Staubwolke.
Monja schüttelte lachend den Kopf und löste den Führstrick. Sie forderte Caddy auf, mitzukommen. Artig tappte er hinter ihr her. In seiner Box zog sie ihm das Halfter über die Ohren und er streckte ihr erwartungsvoll den Kopf entgegen. „Ah, du kriegst immer ein Leckerli zum Abschied, was? Leider habe ich nichts bei mir.“ Sie zeigte ihm die leeren Hände und strich seinen Schopf sanft zur Seite.
Sie schlenderte weiter durch den Hauptstall, in dem sich Box an Box reihte. Vor jeder befand sich ein Paddock, der es den Pferden ermöglichte, zwischen drinnen und draußen zu wählen. Nur drei Pferdenamen auf den Boxenschildern kamen ihr bekannt vor: Dream, Uri und Cheyenne. Dream und Uri gehörten den beiden Paaren, die Monja aus dem alten Stall kannte. Cheyenne war eine Zuchtstute aus dem Besitz der Hausherren.
In der Mitte des Stalltrakts entdeckte Monja zwei gegenüber liegende Türen. Neugierig öffnete sie die eine und erkannte dahinter die Futterküche. Auf der anderen Seite unverkennbar eine Sattelkammer. Sie spähte hinein. Wie sie den Duft nach Leder und Pferdeschweiß liebte.
Sie suchte das Namensschild des Wallachs, dessen Halfter sie über der Schulter trug. Catcha Caddy las sie, hoffte auf den richtigen Spind und hängte das Kopfstück an seinen Platz.
In einer Nische hörte sie ein vertrautes ‚Bing, Bing, Bing‘. Das klang nach Hufschmied. Ob Martin ein Pferd beschlug? Sie sah einen angebundenen Braunen, eines seiner Hinterbeine eingeklemmt zwischen den Beinen eines gebückten Mannes mit Hut. Kurz darauf verschwand das Bild in einer Rauchwolke, die alles verschluckte. Monja hustete und wedelte mit der Hand nach Frischluft. Die Gestalt ließ den Huf des Pferdes los und richtete sich auf. Das heiße Eisen flog schwungvoll in einen Wassereimer. Es zischte und dampfte.
Unter dem Hut erkannte sie das vertraute Gesicht mit der auffälligen Narbe auf der Wange. „Hi, Martin!“, grüßte Monja. „Wie immer fleißig?“
Der Schmied hob den Kopf und grinste. „Bitte sprich lauter, Monja. Ohne meine Hörgeräte habe ich ein Problem!“
Er nahm seine Lederhandschuhe ab und schüttelte ihr förmlich die Hand. „Ich habe schon gehört, dass du für ein paar Wochen auf die Ranch kommst.“
Irre, wie schnell sich ihr Aufenthalt herumgesprochen hatte. Sie hoffte, es eilte ihr ein guter Ruf voraus.
„Ja, ich brauche einen Nachweis in Sachen Pferdepflege.“
Spöttisch sah er sie an. „Du? Pferdepflege? Den hast du doch schon lebenslänglich oder?“
„Ja, aber keinen Beleg darüber. Und der ist Vorschrift für die Ausbildung zur Reittherapeutin.“ Monja zuckte mit den Schultern. „Die liebe Bürokratie.“
„Na, Mark und Carmen ist das bestimmt recht! Hier gibt es unendlich viel zu tun.“ Er streckte sich, verzog schmerzhaft das Gesicht und fasste sich an den Rücken. „Du kennst ja die Burg noch nicht. Siehst du dich ein wenig um?“
Sie nickte. „Soll ich dir beim Aufhalten helfen?“
„Nein, geh ruhig, das ist das letzte Eisen für heute.“
Monja schlenderte weiter. Von Esel und Co. war nichts mehr zu sehen. Hatten sie sich ins Grüne verzogen? Den Weg zum leeren Offenstall sparte sie sich, versuchte stattdessen ihr Glück in der Scheune, in der stillen Hoffnung, wenigstens dort Pferde anzutreffen. Vom Fenster aus hatte sie die drei Schecken gesehen. Sie dösten tiefenentspannt mit halb geschlossenen Augen in der Abendsonne. Den Linken davon kannte sie. Carmens Pintohengst Chico. Aber der Rechte? Monja überlegte, er kam ihr bekannt vor. Sie klatschte sich die Hand an die Stirn, als es ihr wieder einfiel. Klar, Chicos Sohn Carlitos. Wie alt mochte er jetzt sein? Dreijährig? Ach, und der Rappschecke war Blacky, eines der Schulpferde. Monja hatte ihn schon geritten. Die zwei Hengste standen hier, aber wo wohnte der dritte? Marks Fuchsschecke Devil Blue Eye, den er mit der Flasche aufgezogen hatte und der ihm nachlief wie ein treuer Hund. Ein Namensschild hatte sie bislang nicht gesehen.
„Hallo, hübsche Frau. Suchen Sie jemanden?“
Ein Mann mittleren Alters saß in der Scheune auf einem Heuballen, einen Tetra-Pack Milch und eine Tüte mit Pfefferminzdrops neben sich. Er trug ein dünnes Sakko mit aufgerollten Ärmeln. Darunter blitzte ein reinweißes T-Shirt hervor. Die Designer-Jeans sah eng und unbequem, aber äußerst schick aus. Er wirkte durchtrainiert, doch die Kleidung kaschierte den kleinen Bauchansatz nicht.
„Nein. Ich bin Monja und ...“
„Ah, Monja“, unterbrach sie der Typ und strich sich die blondierten Haare zurück. „Die Praktikantin!“
‚Wie er das Wort betonte. Als stünde es synonym für den rotblonden Tennisstar mit der Frau in der Besenkammer. Halt, nein, war es nicht der Skandal mit dem Präsidenten?‘ Monja schob ihre abstrusen Gedanken beiseite.
„Und Sie sind der arbeitslose Mann auf dem Heuballen?“, konterte sie. Um eine schlagfertige Antwort war sie nie verlegen.
Er grinste und zog einen nicht vorhandenen Hut vom Kopf. „Matthias. Der Pferdepfleger.“
Immerhin gebrauchte er für diese Berufsbezeichnung denselben Tonfall. Wobei sie nie zuvor einen Stallburschen mit so edlen, sauberen Klamotten getroffen hatte.
„Hilfst du mir, die Pferde hereinzuholen? Das ist nicht schwierig, du schwingst nur die Peitsche und achtest darauf, nicht im Weg zu stehen.“
„Ich hab Abitur, das kriege ich hin!“, bestätigte sie.
Matthias erhob sich, wischte sich Staub und einige Halme vom Hintern.
„An den Wochenenden habe ich meistens frei, aber wenn ich auf dem Hof bin und nichts Besseres vorhabe, hole ich die Pferde von den Weiden, das macht Spaß. Besonders zu zweit.“ Mit einem Kopfnicken forderte er Monja auf, ihn zu begleiten.
Wie sie vermutet hatte, führte der Trampelpfad außerhalb des Burggeländes zu den Weideparzellen im Tal. Die Schranke hinderte die Pferde daran, die falsche Richtung einzuschlagen und im Wald zu verschwinden. So sparte man sich lange Wege, weil die Tiere nicht einzeln geführt werden mussten. Man konnte sie treiben.
Nach einer Biegung führten vier Tore auf verschiedene Weiden.
„Später im Jahr kommen sie auf Rufen oder zur Futterzeit von selbst, aber wir haben bislang nur angeweidet und zwei Stunden sind den verfressenen Biestern zu wenig.“ Matthias öffnete das erste Tor und deutete bergab. „Du gehst ganz runter und treibst die Gruppe, die sich auf der linken Parzelle tummelt, hinaus. Sobald alle durch das Tor gelaufen sind, sofort verschließen. Manchmal überlegen sie es sich anders und drehen wieder um. Dann wird es lustig für dich, denn wenn du nicht aufpasst, bist du platt wie eine Flunder.“ Er sah Monja abschätzend an. „Kapiert?“
„Ich bin blond, nicht blöd“, entgegnete sie und verdrehte die Augen.
„Die erste Bande ist die aus dem Offenstall. Ich laufe ihnen hinterher und sperre sie dort ein. Danach öffnest du das zweite Tor.“
Monja blieb ein Stück zurück und wartete, bis sich Matthias zu ihr umdrehte. „Und wie weiß ich, wann du sie hinter Schloss und Riegel hast?“
Er sah sie an, als gehöre Hellsehen zu den Basics des Lebens. „Zähle langsam bis 50, dann passt das. Nicht bis 49. Bis 50! Und anschließend dasselbe Spiel auf der nächsten Weide.“
„Scherzkeks. Und wie erfahre ich, ob die Weidegruppe oben angekommen ist?“
„Nun, du läufst bis zur Kurve hoch, bist ja jung und sportlich. Wenn kein Pferd mehr zu sehen ist, hat es geklappt.“
Meinte er das im Ernst? „Hast du kein Telefon, armer Mann?“
Er stülpte seine Jackentaschen um, grinste und ließ Monja stehen.
„Da steckst du!“ Mark wuchtete seinen Westernsattel auf eine Sattelkarre und richtete sich auf. „Wurdest du von Matthias eingespannt?“
Monja hakte die Daumen in den Hosenbund und zuckte mit den Schultern. „Wir haben die Pferde von der Weide geholt.“
„Hat er wieder eine Dumme gefunden, damit er nicht zu laufen braucht? Das sieht ihm ähnlich. Carmen erwartet dich gleich zum Füttern. Sie zeigt dir heute und morgen, was du wissen musst. Diesen Part übernimmst du in den nächsten Wochen von Montag bis Freitag. Am Wochenende ist das Quartett dafür verantwortlich. Alles klar?“
„Bis jetzt ja. Aber gehört das Füttern nicht zu Matthias‘ Aufgabengebiet?“
„Nicht mehr. Er vergisst gerne mal ein paar Pferde. Vor allem die im Offenstall, wenn es in Strömen regnet. Du verstehst, was ich meine?“
Carmen trat aus der Scheune. Sie trug einen Stapel Eimer in der Hand, wovon sie Monja gleich die Hälfte abgab.
„In der Futterküche hängt ein Plan für die Kraftfuttermengen. Wirf dort bitte immer mal einen Blick drauf, denn er ändert sich hin und wieder. Mit Marks Berittpferden haben wir hier ein Kommen und Gehen.
Zusätzlich bekommen die Weidepferde nur morgens und abends zwei Scheiben Heu, tragende Stuten und die, die sich im Training befinden, entsprechend mehr. Ich schreibe dir eine Liste, welches Pferd wie viel Heu.“
Monja sah sie skeptisch an. Wie sollte sie sich all die Anweisungen merken? Im Geiste sah sie sich jeden Tag mit einem Zettel in der Hand durch die Stallgasse rennen.
Als hätte Carmen ihre Gedanken gelesen, beruhigte sie sie. „Keine Sorge, die wirst du schnell im Kopf haben.“
Nach der ersten Überraschung freute Monja sich riesig, dass ihr die Fütterung der Pferde anvertraut wurde.
„Ich liebe es, wenn man von den Tieren am Morgen schon erwartet wird. Ihr Wiehern, ihr Brummeln, das ungeduldige Klopfen und Scharren mit den Hufen.“
Carmen lächelte. Solche romantischen Gefühle löste die tägliche Versorgung bei ihr nicht mehr aus, es war reine Routinearbeit. Sie leugnete jedoch nicht, dass der Fütterung immer eine besondere Stimmung anhaftete.
Monja packte fleißig mit an und versuchte, sich Carmens Kommentare einzuprägen.
„Wo steckt Cheyenne?“, überlegte Carmen. Eine Box im Stalltrakt stand leer. Sie trat aus dem Stalleingang und deutete über den Hof. „Wahrscheinlich genießt sie die letzten Sonnenstrahlen im Garten hinter der Kapelle. Siehst du mal nach, Monja? Sie hat kein Halfter um. Es reicht, wenn du sie an der Mähne nimmst. Denk‘ dir nichts dabei, sie läuft mittlerweile sehr langsam, es entwickelt sich wegen der üblen Sprunggelenkverletzung, die sie vor ein paar Jahren hatte, eine Arthrose. Bis zum Frühjahr war sie weitgehend schmerzfrei, deshalb haben wir sie noch einmal gedeckt, aber es wird definitiv ihr letztes Fohlen sein. Danach schicken wir sie in Rente.“
Monja lief bis zu dem verfallenden Gemäuer. Wie auf der gegenüberliegenden Seite, dem Eingang zur Burg, gab es auch hier eine Unterbrechung der Burgmauer. Allerdings nicht mit einem schmiedeeisernen Tor, sondern einer halbhohen Tür aus Holzlatten, die offen stand und windschief in den Angeln hing. Und es gab einen weiteren Unterschied. An dieser Stelle führte kein Weg hinab zu den Weiden. Auf einem Plateau reihten sich Obstbäume in akkuratem Abstand und das Areal war mit unansehnlichen Bauzaunelementen komplett eingezäunt.
Auf der überschaubaren Obstwiese stand ein Pferd mit auffälliger Scheckung. Der Leibumfang der Stute ließ keine Zweifel über eine Trächtigkeit zu. Cheyenne war überwiegend weiß, hatte einen kleinen schwarzen Bauchfleck, einen schwarzen Kopf und eine schwarze Schweifspitze. Monja titulierte ein Pferd mit solch einer Zeichnung gerne als ‚Sparschecke‘.
„Hallo, meine Hübsche“, sprach sie die Stute an.
Diese antwortete mit einem freundlichen Brummeln und kam sofort auf Monja zu. Sie nahm sich die Zeit für ein paar Streicheleinheiten.
„Ich glaube, du wirst im Stall erwartet.“
Ein Griff in die Mähne war nicht notwendig, Cheyenne folgte ihr wie ein Hündchen an einem unsichtbaren Seil.
In der Zwischenzeit hatte Carmen einen Ballen Heu, etliche Möhren, Äpfel und einen Eimer voll mit harten Brötchen auf eine Schubkarre geladen. Sie sperrte Cheyenne in ihre Box und erklärte: „Unsere gute Alte schafft die steilen Wege auf die Weiden fast nicht mehr. Damit sie sich tagsüber ausreichend bewegt, darf sie überall auf dem Hof herumlaufen. Wenn die anderen auf der Koppel sind, lassen wir bei ihr die Tür offen stehen und sie kommt und geht nach Belieben. Keine Sorge, sie macht nie Blödsinn. Cheyenne ist Gold wert.“
„Nur die Tür zur Futterkammer sollte immer verschlossen sein, oder?“ Monja stellte sich vor, dass das Goldstück der Haferkiste keinesfalls widerstehen würde.
Carmen lachte. „Genau. Und jetzt zu den kleinen Monstern.“
Meinte sie damit die Esel, Kühe und Schweine? Es sah so aus.
Sie schob die Ladung bis zum Offenstall und erklärte Monja: „Es ist notwendig, verschiedene Futterhaufen zu legen, weil Zeus sonst alles für sich allein beansprucht und die Zottel vertreibt.“
Geschickt öffnete Carmen das Gatter und schob die Karre hinein. „Was ist?“, fragte sie Monja, die vor dem Eingang stehen geblieben war.
Diese starrte auf die dolchartig gebogenen Hörner des Stieres, die ihr gefühlt zwei Meter lang erschienen. „Da geh ich nicht rein!“
„Er macht nichts, glaub‘ mir! Die sind alle ganz lieb.“
„Warum werfen wir das Futter nicht einfach über den Zaun?“ Monja suchte verzweifelt nach einer Lösung, um den Stall nicht betreten zu müssen. Hatte Carmen nicht erst vorhin von Monstern gesprochen?
„Nein, in der Schutzhütte legen wir zusätzlich etwas davon aus. Von außen misten funktioniert auch nicht.“
Monja hatte geahnt, dass es einen weiteren Haken gab. „Ausmisten? Warum macht das nicht Matthias?“
Carmen legte den Kopf schief und lachte. „Hast du Angst vor Kühen?“
„Vor Kühen nicht“, sagte Monja leise und sah zu Boden.
„Die Sache ist die“, erklärte Carmen. „Zeus duldet keine Männer. Weder Mark noch Matthias betreten diesen Stall. Entweder du oder ich – und du bist doch hier, um mich zu entlasten? Egal ob füttern oder misten, ich brauche deine Hilfe. Ständig zwischen Stall und Küche zu pendeln ist unmöglich.“
„Sch ... schon“, stammelte Monja.
„Er - tut – dir – nichts!“, betonte Carmen. „Komm rein!“
Monja hielt sich so nahe am Zaun, dass ihr die Streben schmerzhaft in den Rücken drückten. Zum Glück beschäftigte sich das Untier gleich mit den Leckereien. Dazwischen schnaubte er und vertrieb einen der Esel mit gesenktem Kopf. Von wegen, er tat nichts. Er würde sie bei der erstbesten Gelegenheit aufspießen.
Mit der Fütterung fertig merkte Monja, dass ihr T-Shirt schweißnass am Körper klebte. So eine heftige physische Reaktion zeigte sie sonst nur bei einem Zahnarztbesuch.
„Siehst du, du hast es überlebt“, meinte Carmen seelenruhig und bat: „Räum‘ das weg und dann komm bitte zum Essen.“
Vor dem Stall war zwischenzeitlich eine Reitergruppe angekommen. „Dobrý den“ und „Ahoj!“, hörte sie von einigen Personen. Ach ja, unweit der tschechischen Grenze lag es nahe, dass sich Reiter aus dem Nachbarland auf die Burg verirrten.
Zu ihrer Freude erkannte sie drei der Pferde. Da waren Dream, Texas und Concho. Wie ihre Besitzer hatten sie den weiten Umzug mitgemacht. Gleich darauf erschienen die bekannten Gesichter von Suse, Manu und Richy. Sie winkte ihnen freudig zu.
„Hey!“, rief Suse. „Bist du zwischenzeitlich gelandet?“ Suse umarmte Monja herzlich. Manu küsste sie auf die Wangen, Richy begnügte sich mit einem Schulterklopfen und meinte aufrichtig: „Wie schön, dass du da bist!“
„Wir haben einen 3-Stunden-Ausritt begleitet“, erzählte Suse. „Warst du gerade auf dem Weg ins Haus? Sag Carmen, wir versorgen nur rasch die Pferde. Sind gleich da.“
Die Küche duftete wie eine Knoblauchfabrik. Wie auf einen Lockruf versammelten sich Sonja und alle Mitarbeiter um den runden Tisch, auf den Carmen einen gigantischen Kochtopf hievte. Ihre gefürchteten Knoblauch-Spagetti, die man entweder liebte oder hasste. Monja liebte sie seit ihrem ersten Besuch auf dem alten Hof.
Carmen, gelernte Hauswirtschafterin, kochte fantastisch. Ihre Küche, oftmals mediterran angehaucht, schmeckte fast jedem. Rücksicht auf die Gäste nahm sie nicht. Es gab ein Gericht für alle und normalerweise kein Mitspracherecht.
Manuela und Richard saßen wie immer nebeneinander. Manu stieß ihren Mann in die Rippen, weil er mal wieder einen Spaß auf ihre Kosten machte. Matthias grinste anzüglich und leckte sich über die Lippen. Daneben, ebenfalls seit vielen Jahren glücklich verheiratet – Martin und Suse. Martin, ein ergrauter Fünfziger mit wildem Bart und buschigen Augenbrauen und seine deutlich jüngere zweite Frau, eine Grundschullehrerin. Martin bezog Frührente. Ein schlimmer Unfall hatte seiner Karriere beim Militär ein Ende gesetzt, woran die Gesichtsnarbe ein Leben lang erinnerte. Er hatte zum Hufschmied umgeschult, verrichtete die Schmiedearbeiten jedoch nur noch auf der Ranch. Suses Ferienzeiten genossen sie grundsätzlich auf dem Hof.
Neben dem Quartett, wie Mark die beiden Ehepaare spaßeshalber nannte, saß Sonja. Ihr Dialekt ließ auf eine Herkunft aus Österreich schließen. Sie zählte zu den Stammgästen, kam alle 14 Tage übers Wochenende auf die Ranch, nahm Einzelstunden bei Mark und gönnte sich Samstagnachmittag den 3-Stunden-Ausritt. In dieser Runde wirkte sie deplatziert wie ein Kropf. Niemand hatte sich vor dem Essen umgezogen, zum Duschen war keine Zeit gewesen. Nur Sonja hatte es geschafft. Sie saß frisiert und geschminkt in einem Kleid am Tisch. Sie war in Monjas Alter und Größe, aber vermutlich wog sie nur die Hälfte, obwohl Monja sich über ein Gewicht im Normalbereich freute. Anders als die Gäste, die bei der Pasta kräftig zulangten, knabberte sie an einem Salat, bei dem Monja vergeblich nach einem Tropfen Dressing Ausschau hielt.
