Palast der Sehnsucht - Nagib Machfus - E-Book

Palast der Sehnsucht E-Book

Nagib Machfus

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Beschreibung

Kamal, der jüngste Sohn des Familienpatriarchen Abd al-Gawwad, erfährt die Härten und Hürden des Erwachsenenlebens. Seine heftige Liebe zur Aristokratentocher Aida bleibt unerwidert und seiner Begeisterung für die Wissenschaft und die nationale Unabhängigkeitsbewegung begegnet der Vater mit schroffer Ablehnung, woraufhin Kamal beginnt, sich in Weinbuden zu betrinken und durch Bordellgassen zu streifen. Sein Bruder und der Vater indes, ohne es voneinander zu wissen, buhlen um die Liebe derselben jungen Frau.

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Seitenzahl: 929

Veröffentlichungsjahr: 2020

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Über dieses Buch

Entmutigt durch die schroffe Ablehnung, mit der der Vater Kamals Begeisterung für die Wissenschaft und die nationale Unabhängigkeitsbewegung begegnet, beginnt Kamal, sich in Weinbuden zu betrinken und durch die Bordellgassen zu streifen. Sein Bruder und der Vater buhlen derweil, ohne es voneinander zu wissen, um die Liebe derselben Frau.

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Nagib Machfus (1911–2006) gehört zu den bedeutendsten Autoren der Gegenwart und gilt als der eigentliche »Vater des ägyptischen Romans«. Sein Lebenswerk umfasst mehr als vierzig Romane, Kurzgeschichten und Novellen. 1988 erhielt er als bisher einziger arabischer Autor den Nobelpreis für Literatur.

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Doris Kilias (1942–2008) arbeitete als Redakteurin beim arabischen Programm des Rundfunks Berlin (DDR). Nach der Promotion war sie als freie Übersetzerin tätig.

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Mehr Informationen, Pressestimmen und Dokumente finden Sie auch im Anhang.

Nagib Machfus

Palast der Sehnsucht

Roman

Aus dem Arabischen von Doris Kilias

Die Kairo-Trilogie II

E-Book-Ausgabe

Unionsverlag

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Impressum

Dieses E-Book enthält als Bonusmaterial im Anhang 6 Dokumente

Originaltitel: Qasr as-sauq

© by Nagib Machfus 1957

© by Unionsverlag, Zürich 2024

Alle Rechte vorbehalten

Umschlaggestaltung: Martina Heuer

ISBN 978-3-293-30591-5

Diese E-Book-Ausgabe ist optimiert für EPUB-Lesegeräte

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Version vom 27.07.2024, 10:19h

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Inhaltsverzeichnis

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Über dieses Buch

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Inhaltsverzeichnis

PALAST DER SEHNSUCHT

1 – Herr Abd al-Gawwad schloss hinter sich das Tor …2 – Durch die Stille der Morgendämmerung drang vom Ofenraum …3 – Abd al-Munim: »Kommt, der Hof ist viel größer …4 – Es ist Zeit, mir zu erklären, in welcher …5 – Guten Abend!«6 – Seite an Seite liefen sie in Richtung der …7 – Die Kutsche fuhr am Nilufer entlang, bis sie …8 – Was war mit ihm los? Hatte ihn ein …9 – Menschenleer die Gasse, eingehüllt in tiefstes Dunkel …10 – So Gott will, kommt er mit Gutem …11 – Eine junge Dienerin führte Jasin ins Empfangszimmer …12 – Das Haus in Kasr asch-Schauk lernte Bahiga als …13 – Entschuldigen Sie, Herr Achmed, wenn ich Ihnen offen …14 – Die Bahn dröhnte die Hussainija-Straße entlang, bog dann …15 – Vom gewohnten Kreis der Kaffeerunde waren nur noch …16 – Kommenden Donnerstag werde ich im Vertrauen auf Gott …17 – Kamal stand vor dem Palast der Schaddads …18 – Es war Mitte Dezember, und obwohl der Monat …19 – Gegen ein Uhr verließen Kamal und Hassan die …20 – Er lebte kaum noch. Dass sie keinerlei Notiz …21 – Das Haus der Familie Schaukat in der Sukkarija-Straße …22 – Nach dem Aufbruch von Herrn Abd al-Gawwad stiegen …23 – Als Kamal Aida aus der Tür treten sah …24 – Leider müssen wir heute Abschied nehmen«, erklärte Hussain …25 – Die Jahre vergingen, doch seine Vorliebe für diese …26 – Die Häuser hielten die Lider geschlossen. Verödet lagen …27 – Als Jasin die Augen öffnete, drang vormittägliches Licht …28 – Die untergehende Sonne kündete den nahen Abend an …29 – Er verließ das Hausboot und schritt das Nilufer …30 – Auf der Stelle ging er zu den Freunden …31 – Neue Bedeutungen verändern Wörter, neue Umstände die Sicht …32 – Vor dem Geschäft von Herrn Abd al-Gawwad hielt …33 – Eine Stunde vor Beginn des Freitagsgebets in der …34 – Sorgsam und gründlich nahm er alles in sich …35 – Es sind nur Kellner da.«36 – An diesem Abend kam Kamal allein in die …37 – Leise klopfte Kamal ans Tor, bis es sich …38 – Kaum befand sich Jasin allein in der Droschke …39 – Herr Abd al-Gawwad war in seine Arbeit vertieft …40 – Es war der zwanzigste Dezember, kein gewöhnliches Datum …41 – Herr Abd al-Gawwad steuerte gemächlichen Schritts am Nilufer …42 – Eine Woche war seit dem »Unfall« des Vaters …43 – Nachdem zwei weitere Wochen vergangen waren, durfte Herr …44 – Umm Hanafi hockte auf einer Matte im Salon …Über Nagib Machfus

Mehr über dieses Buch

Über Nagib Machfus

Nagib Machfus: Das Leben als höchstes Gut

Nagib Machfus: Rede zur Verleihung des Nobelpreises 1988

Tahar Ben Jelloun: Der Nobelpreis hat Nagib Machfus nicht verändert

Erdmute Heller: Nagib Machfus: Vater des ägyptischen Romans

Gamal al-Ghitani: Hommage für Nagib Machfus

Hartmut Fähndrich: Die Beunruhigung des Nobelpreisträgers

Über Doris Kilias

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1

Herr Abd al-Gawwad schloss hinter sich das Tor und ging mit müdem Schritt im blassen Schein der Sterne über den Hof. Die Spitze des Stocks bohrte sich in den staubigen Boden, wenn er sich schwer auf ihn stützte. Erhitzt, wie er war, sehnte er sich nach kaltem Wasser, um sich Gesicht, Kopf und Hals abzuspülen und zumindest für kurze Zeit Linderung von der Gluthitze des Juli zu finden, die ihm Schädel und Leib zu verbrennen drohte. Der Gedanke an kaltes Wasser war so verlockend, dass sich seine Gesichtszüge entspannten. Als er ins Treppenhaus trat, schimmerte von oben mattes Licht herab, dessen Strahlen über die Wand huschten. Er stieg hinauf; die eine Hand glitt über das Geländer, die andere stützte sich auf den Stock, und das gleichmäßige Klopfen der Spitze auf den Stufen hatte in langer Zeit jenen besonderen Rhythmus erworben, der zu ihm ebenso gehörte wie die Züge seines Gesichts. Oben auf dem Podest erschien Amina mit der Lampe in der Hand, und als er bei ihr war, blieb er stehen. Sein Brustkorb hob und senkte sich, er musste verschnaufen. Erst dann sprach er die Worte, die immer zu dieser nächtlichen Stunde fielen: »Guten Abend.«

Amina ging mit der Lampe voraus und murmelte: »Guten Abend, Herr.«

Im Zimmer angekommen, eilte er zum Kanapee und ließ sich darauffallen. Er stellte den Stock beiseite, nahm den Tarbusch ab, lehnte den Kopf ans Rückenpolster und streckte die Füße weit von sich. Die Ränder der Gubba rutschten über den Kaftan, sodass die in die Socken gesteckten Beinlinge der Unterhose zu erkennen waren. Er schloss die Augen, trocknete sich mit dem Taschentuch Stirn, Wangen und Nacken ab. Amina hatte die Lampe auf den kleinen Tisch gestellt und stand abwartend vor dem Gatten, um im Moment, da er sich erheben würde, beim Ablegen der Kleidung behilflich zu sein. Aufmerksam und beunruhigt sah sie ihn an. Wie sehr wünschte sie sich, den Mut zu finden, ihn zu bitten, er möge sich von den Anstrengungen des nächtlichen Feierns verschonen, da seine Gesundheit das nicht mehr mit der Leichtigkeit von einst verkraftete. Sie wusste nicht, wie sie solch grämliche Gedanken offen aussprechen sollte.

Es vergingen etliche Minuten, ehe er die Augen wieder öffnete. Er nahm die goldene Uhr aus der Tasche des Kaftans, zog den Diamantring vom Finger und legte alles in den Tarbusch hinein. Dann stand er auf, um sich mit Aminas Hilfe von Gubba und Kaftan zu befreien. Sein Körper bot den vertrauten Anblick – groß, stark, voll. Nur an den Schläfen hatte das Grau einige Strähnen erobert. Als er den Kopf in den Ausschnitt des weißen Nachthemds steckte, musste er plötzlich lächeln, erinnerte er sich doch daran, dass Herr Ali Abd ar-Rahim mitten im geselligen Beisammensein sich hatte erbrechen müssen, was er mit einer Verkühlung des Magens zu erklären suchte. Sie, die anderen, hatten daraufhin gehänselt, er würde bloß nichts vertragen, gehöre eben nicht zu den Männern, die bis ins hohe Alter hinein vom Alkohol nicht genug bekommen könnten und so weiter und so fort. Herr Ali war wütend geworden und wollte nicht aufhören, solcherlei Verdacht weit von sich zu weisen. Merkwürdig, welche Bedeutung manche Menschen den geringsten Nichtigkeiten beimaßen. Aber er war ja auch nicht viel besser. Hatte er sich nicht mitten im tobenden Gelächter laut gerühmt, er könne eine ganze Kneipe leer trinken, ohne dass sein Magen auch nur im Geringsten durcheinandergerate?

Er setzte sich wieder hin und streckte die Füße vor, damit die Frau Schuhe und Strümpfe ausziehen konnte. Dann ging sie hinaus und kam mit Schüssel und Wasserkrug wieder. Sie ließ das Wasser in die Schüssel fließen, er wusch sich Kopf, Hals und Gesicht und spülte alles sauber ab. Als das getan war, hockte er sich mit gekreuzten Beinen aufs Kanapee und verspürte genüsslich den sanften Lufthauch, der zwischen Holzerker und Hoffenster wehte. »O Gott, was für einen entsetzlich heißen Sommer haben wir dieses Jahr.«

»Möge sich der Herrgott uns gütig zeigen«, erwiderte Amina, die unter dem Bett die Matte hervorgeholt hatte und nun unmittelbar zu Füßen des Herrn Gemahls hockte. Sie seufzte. »Überall ist es heiß wie im Backraum, nur auf dem Dach kann man nach Sonnenuntergang ein wenig Luft schöpfen.«

Amina hatte sich verändert; sie war dünn geworden, und ihr Gesicht sah länglicher als früher aus, was vielleicht nur daran lag, dass ihre Wangen schmal geworden waren. Die Strähnen, die unter dem Tuch hervorlugten, waren ergraut, sodass sie älter wirkte, als sie eigentlich war. Das Muttermal auf der einen Wange trat gröber hervor, und war ihr Blick auch demütig wie früher, so wirkte er doch traurig und irgendwie abwesend. Sie selbst war erschrocken über ihr verändertes Aussehen, und hatte sie sich zunächst darüber hinweggetröstet, begann sie, sich schon bald besorgt zu sagen, dass sie, solange sie lebte, gesund bleiben musste; gewiss, denn die anderen bedurften ihrer Gesundheit. Aber konnte das Rad der Zeit zurückgedreht werden? Die Jahre vergingen, und obwohl sie nicht zahlreich genug waren, um eine solche Veränderung zu rechtfertigen, reichten sie aus, um Spuren zu hinterlassen. Nacht für Nacht hatte sie im Holzerker gestanden und durch die Ritzen die Gasse beobachtet. Die lag wie immer unverändert unter ihr, doch sie selbst, Amina, verspürte, wie das Gewicht der Jahre zunehmend auf ihr lastete.

Unten im Kaffeehaus ertönte der Ruf des Kellners, und wie ein Echo hallte seine Stimme in dem stillen Zimmer wider. Sie lächelte, schaute verstohlen zum Herrn Gemahl auf. Nichts liebte sie mehr als diese Gasse, die die ganze Nacht hindurch ihr Herz berührte; sie war ihr eine Freundin, auch wenn diese sich nicht darum kümmerte, dass ein liebendes Herz hinter dem Erkerflügel schlug. Die Wahrzeichen der Gasse füllten ihre Seele aus, und die nächtlichen Geräusche glichen Wesen, die in ihren Ohren hausten. Sie kannte den Kellner, dessen Zunge nie verstummte; den Mann mit der heiseren Stimme, der die Tagesereignisse kommentierte, ohne ihrer je müde oder überdrüssig zu werden; den Spieler mit der nervösen Stimme, der mit der Karosieben und dem Buben dem Glück hinterherjagte; den Vater von Hanija, dem Mädchen mit dem Keuchhusten, der, wann immer er nach der Tochter gefragt wurde, Nacht für Nacht die gleiche Antwort gab: »Beim Herrn liegt alle Heilung.« Ja, es war, als gehörte der Holzerker zum Kaffeehaus, und sie hätte dort in einer Ecke Platz genommen.

Amina hing ihren Gedanken nach, behielt aber unwillkürlich das Gesicht des Herrn Gemahl im Blickfeld, der noch immer den Kopf nach hinten gelehnt hielt. Erst als der Strom ihrer Träumereien abriss, schaute sie sich ihn genauer an. Wie in den letzten Nächten waren auch heute seine Wangen stark gerötet, und da sie das unruhig machte, fragte sie: »Gehts meinem Herrn gut?«

Er richtete den Kopf auf, murmelte: »Ja, Gott sei Dank«, was er gleich mit den Worten einschränkte: »Entsetzlich, diese Hitze.«

Traubenschnaps sollte im Sommer sehr bekömmlich sein, so meinten die Freunde, hatten sie es ihm immer wieder versichert. Aber er mochte ihn nicht, entweder trank er Whisky oder gar nichts. Also blieb ihm nichts anderes übrig, als jede Nacht den Rausch von sommerlicher – und was für einem Sommer! – Trunkenheit zu erleiden. Was hatte er doch heute Abend wieder gelacht! Er war in ein solches Gelächter ausgebrochen, dass ihm die Halsadern schwollen. Worüber eigentlich? Über nichts Besonderes, jedenfalls hatte es nichts gegeben, was man sich hätte merken müssen. Die Stimmung war einfach nur angenehm gewesen, sodass schon der geringste Anlass genügte, um einen allgemeinen Heiterkeitsausbruch zu verursachen. Es reichte, wenn Herr Ibrahim Alfar zum Beispiel sich versprach und – statt zu sagen: »Saad Zaghlul hat heute von Alexandria aus die Reise nach Paris angetreten« – erklärte: »Alexandria hat heute von Saad Zaghlul aus die Reise nach Paris angetreten.« Schon brachen alle in Gelächter aus, hielt man doch diesen Lapsus für den Zungensalat eines Betrunkenen. Noch bevor sich Herr Alfar hatte berichtigen können, griffen alle den Spaß auf. »Saad Zaghlul«, hieß es, »wird so lange am Verhandlungstisch bleiben, bis er gesund ist, dann schifft er sich auf der Einladung ein, um nach London zu kommen«, oder: »Im gegenseitigen Einverständnis wird er Ramsay McDonald statt der Unabhängigkeit bekommen«, oder: »Saad kommt mit Ägypten zurück, um es der Unabhängigkeit zu bringen«. Es drehte sich zwar alles um die bevorstehende Verhandlung, aber jeder hatte seine Freude daran, die Sache mit Späßen zu kommentieren.

So viele Freunde Herr Abd al-Gawwad auch hatte – drei waren ihm die liebsten: Mohammed Iffat, Ali Abd ar-Rahim und Ibrahim Alfar. Konnte er sich das Leben ohne diese drei Männer vorstellen? Wenn ihre Gesichter bei seinem Anblick vor aufrichtiger Freude strahlten, erfasste ihn ein ansonsten nie erlebtes Glücksgefühl.

In seinen Augen lag noch ein träumerischer Glanz, als sein Blick auf Amina fiel, die ihn neugierig ansah. Als müsste er sie an eine wichtige Angelegenheit erinnern, sagte er streng: »Morgen also.«

Über ihr Gesicht huschte ein Lächeln. »Wie könnte ich das vergessen.«

»Man hat mir gesagt, dass die Abiturergebnisse in diesem Jahr eher schlecht sind«, meinte Herr Abd al-Gawwad mit unverhohlenem Stolz.

Aminas heiteres Gesicht zeigte an, dass sie sein Gefühl teilte. »Möge der Herrgott ihn sein Ziel erreichen und uns alt genug werden lassen, damit wir noch erleben, wie er das Diplom erfolgreich besteht.«

»Warst du heute in der Sukkarija?«

»Ja, und ich habe alle eingeladen. Sie werden kommen, nur nicht die alte Dame. Sie hat sich entschuldigt, weil sie zu abgespannt ist, schickt aber beide Söhne, damit sie auch in ihrem Namen Kamal beglückwünschen.« Mit einem Wink in Richtung der abgelegten Gubba erklärte Herr Abd al-Gawwad: »Scheich Mitwalli Abd as-Samad ist heute bei mir erschienen und hat mir für die Kinder von Chadiga und Aischa Amulette gebracht. Er hat das Gebet mit dem Wunsch verbunden, dass er, so Gott will, mir noch Amulette für die Kinder meiner Enkel geben darf.« Er schüttelte den Kopf, lächelte. »Für Gott liegt nichts zu fern. Selbst Scheich Mitwalli ist ja wie aus Eisen, obwohl er schon die achtzig erreicht hat.«

»Möge Ihnen der Herrgott Gesundheit und Wohlergehen schenken.«

Der Herr Gemahl überlegte und zählte dabei an den Fingern. »Wenn mein Vater – Gott sei ihm gnädig – noch lebte, wäre er jetzt kaum älter als der Scheich.«

»Möge sich Gott der teuren Toten erbarmen.«

Für einen Moment herrschte Schweigen, denn das Gedenken an die »teuren Toten« musste erst einmal verkraftet werden. Dann aber schien Herrn Abd al-Gawwad etwas Wichtiges eingefallen zu sein, und er sagte: »Zainab hat sich wieder verlobt.«

Amina hob den Kopf und machte große Augen. »Wirklich?«

»Ja. Herr Mohammed Iffat hat es mir heute erzählt.«

»Und mit wem?«

»Mit einem Beamten namens Mohammed Hassan. Er ist Direktor des Archivs im Unterrichtsministerium.«

»Dann ist er wohl schon ziemlich alt?«, fragte sie bestürzt.

»Aber nein«, widersprach der Herr Gemahl. »Er ist so an die vierzig, vielleicht fünfunddreißig oder sechsunddreißig Jahre alt. Allerhöchstens vierzig Jahre.« Spöttisch fügte er hinzu: »Erst hat sie ihr Glück mit jungen Leuten probiert, mit solchen Grünschnäbeln, soll sie jetzt ihr Glück mit Männern mit Verstand versuchen.«

»Jasin wäre am besten für sie gewesen, schon wegen des Sohns«, meinte Amina bedauernd.

Herr Abd al-Gawwad war der gleichen Meinung, hatte sich auch lange bei Herrn Iffat dafür verwendet. Doch als er jetzt Amina recht gab, konnte er nicht länger verschweigen, wie sehr er in seinen Bemühungen enttäuscht worden war. »Der Mann hat kein Vertrauen mehr zu Jasin«, grollte er. »Und es stimmt ja auch – Jasin hat wirklich keins verdient. Deshalb habe ich auf Herrn Iffat auch nicht weiter eingeredet. Ich will unsere Freundschaft nicht dafür missbrauchen, ihn zu etwas zu drängen, was vielleicht nichts Gutes bringt.«

»Ein jugendlicher Fehltritt muss doch verzeihbar sein«, murmelte Amina mitleidig.

Herr Abd al-Gawwad glaubte, wenigstens teilweise seine fehlgeschlagenen Bemühungen eingestehen zu können. »Ich habe ziemlich stark auf Jasins Recht bestanden, stieß aber auf keinerlei Entgegenkommen. Herr Iffat hat mir mit bittendem Ton erklärt: ›Der erste Grund, deinem Wunsch nicht nachzukommen, liegt in der Besorgnis, unsere Freundschaft könnte einen Riss bekommen.‹ Dann hat er noch gesagt: ›Normalerweise kann ich dir keine Bitte abschlagen, aber unsere Freundschaft geht mir in diesem Fall vor.‹ Da habe ich geschwiegen.«

Ja, das waren Mohammed Iffats Worte, aber im Grunde hatte er nur deshalb so gesprochen, um sich seinem beharrlichen Drängen zu widersetzen. In der Tat, Herr Abd al-Gawwad wünschte sich sehr, die verwandtschaftliche Bindung wiederhergestellt zu wissen, zum einen, weil Mohammed Iffat seinem Herzen nahestand, und zum anderen wegen der Stellung der Iffatschen Familie in der Gesellschaft. Er hätte für Jasin keine bessere Frau als Zainab finden können. Letztendlich hatte er sich aber die Niederlage eingestehen müssen, vor allem, nachdem Herr Iffat ihm offenbart hatte, was er – wenigstens teilweise – über Jasins Privatleben wusste. Schließlich hatte Herr Iffat erklärt: »Erzähl mir nicht, dass wir beide uns nicht von Jasin unterscheiden. Erstens gibt es tatsächlich einen Unterschied, und zweitens würde ich für Zainab nicht das gutheißen, was ich für ihre Mutter billige.«

»Weiß Jasin davon?«, fragte Amina.

»Er wird es morgen oder übermorgen erfahren. Meinst du, es interessiert ihn? Er ist weit davon entfernt, eine vornehme Heirat schätzen zu können.«

Amina schüttelte bekümmert den Kopf. »Und Radwan?«

Herr Abd al-Gawwad runzelte die Stirn. »Er wird bei seinem Großvater bleiben oder auch zu seiner Mutter gehen, wenn er die Trennung von ihr nicht aushält. Möge Gott den ratlos machen, der einen verwirrt.«

»Der arme Junge! Seine Mutter lebt dort, der Vater hier. Wird Zainab es ertragen, ihn nicht bei sich zu haben?«

»Not kennt kein Gebot«, erwiderte er eher beiläufig. »Wann ist Radwan in dem Alter, um ins Haus seines Vaters überzuwechseln? Weißt du das?«

Amina überlegte. »Er ist ein wenig jünger als Naima und ein bisschen älter als Abd al-Munim. Er müsste jetzt fünf Jahre alt sein, Herr, sodass sein Vater ihn in zwei Jahren holen kann. Ist es nicht so?«

Herr Abd al-Gawwad gähnte. »Wir werden ja sehen«, und als wollte er schnell das Thema ändern, fügte er hinzu: »Er war schon einmal verheiratet, ich meine, der neue Ehemann.«

»Hat er Kinder?«

»Nein. Seine erste Frau hat ihm keine geboren.«

»Vielleicht hat das für Herrn Mohammed Iffat den Ausschlag gegeben.«

Unwillig wehrte Herr Abd al-Gawwad ab. »Vergiss nicht die angesehene Stellung dieses Mannes.«

»Wenn es darum ginge«, hielt Amina dagegen, »würde sich niemand von deinem Sohn abbringen lassen, zumindest schon deinetwegen nicht.«

Herr Abd al-Gawwad fühlte Missmut aufsteigen, und trotz aller freundschaftlichen Gefühle für Herrn Mohammed Iffat verfluchte er ihn im Innern. Erneut versuchte er, auf den Punkt zurückzukommen, von dem er sich noch am ehesten Trost versprach. »Du darfst nicht vergessen, dass er nicht gezögert hätte, meiner Bitte zu entsprechen, wenn er nicht aufs Äußerste bedacht wäre, unsere Freundschaft vor aller Gefahr zu schützen.«

»Natürlich, natürlich, Herr«, bekräftigte Amina ihn in seiner Meinung. »Schließlich handelt es sich um eine lebenslange Freundschaft und nicht um irgendeinen Zeitvertreib oder irgendeine Spielerei.«

Wieder überkam ihn ein Gähnen, und er brummelte vor sich hin: »Bring die Lampe hinaus.«

Amina stand auf, um der Aufforderung nachzukommen. Herr Abd al-Gawwad schloss für einen Moment die Augen, doch dann sprang er auf, als wollte er die Trägheit überwinden. Er ging hinüber zum Bett, legte sich hin. O ja, jetzt ging es ihm gut. Nichts war angenehmer, als sich ausstrecken zu können, wenn man müde war. In seinem Kopf hämmerte es, aber das war ja selten anders. Auf jeden Fall hatte er Gott zu danken, auch wenn die Zeit ungetrübter Heiterkeit der Vergangenheit angehörte. Beginnt man erst einmal nachzudenken, vermisst man vieles, das unwiederbringlich ist und aus der Vergangenheit als verblasste Erinnerung herüberwinkt, matt wie das schwache Licht, das durch den Türspalt dringt. Wie auch immer, er sollte Gott danken und das Leben genießen, um das ihn viele beneideten. Das Einzige, worüber genauestens nachgedacht werden musste, war, ob er die Einladung Mohammed Iffats annehmen sollte oder nicht. Ach was, überlassen wir dem Morgen, was dem Morgen gehört. Nur Jasin – der war das Problem von gestern, heute und morgen. Mit achtundzwanzig Jahren war man kein junger Bursche mehr. Eine andere Frau für ihn zu finden, sollte kein Problem sein, aber »Gott ändert die Lage eines Volkes nicht, ehe es nicht selbst das ändert, was in seinem Herzen ist«. Wann endlich wird sich die göttliche Führung offenbaren, sodass das Licht sich über die Welt ergießt und die Augen blendet? Aus tiefstem Herzen würde er jubeln – Gott gebührte der Dank. Doch was hatte Mohammed Iffat gesagt? Jasin lungert und bummelt in Ezbekija in den schlimmsten Kellerkneipen herum. Als er selbst noch in Ezbekija unterwegs war, hatte es dort anders als heutzutage ausgesehen. So manches Mal hatte ihn schon die Sehnsucht gepackt, einige Schenken dort wieder aufzusuchen und die Erinnerungen aufleben zu lassen. Gott seis gedankt, dass er rechtzeitig von Jasins geheimen Unternehmungen erfahren hatte; andernfalls hätte der Satan aus tiefstem Herzen ein Hohngelächter angestimmt. Sollten die Söhne ihrer Wege ziehen, jetzt, da sie den Kinderschuhen längst entwachsen waren. Zuerst hatten ihm die australischen Soldaten den Weg nach Ezbekija versperrt, und nun kam ihm dieser Hornochse in die Quere und erwies sich als ebenso lästig wie sie.

2

Durch die Stille der Morgendämmerung drang vom Ofenraum her das Schlagen des Teigs, begleitet vom Krähen des Hahns. Umm Hanafis massiger Körper stand über den Trog gebeugt, und der Schein der auf dem Herdsims abgestellten Lampe verlieh ihrem Gesicht einen gewissen Glanz von Frische. Nicht das Haar und die Fülle des Körpers ließen sie ältlich erscheinen, sondern die mürrische Miene und harten Gesichtszüge. Rechts auf dem Küchenstuhl saß Amina und streute Kleie auf die Bleche, damit die Fladen darauf gelegt werden konnten. Die beiden Frauen arbeiteten schweigend, bis schließlich Umm Hanafi mit dem Kneten aufhörte und ihre Hand herauszog. Sie wischte sich mit dem Unterarm über die schweißige Stirn und schwenkte die mit Teig bedeckte Faust, einem weißen Boxerhandschuh ähnlich, durch die Luft. »Ein anstrengender, aber auch schöner Tag liegt heute vor Ihnen, Herrin«, sagte sie. »Möge uns Gott noch viele Tage der Freude bescheren.«

»Wir müssen den Tisch appetitlich herrichten«, meinte Amina, ohne von ihrer Arbeit aufzuschauen, worauf Umm Hanafi nur lächelte und – mit dem Kinn auf ihre Herrin weisend – erwiderte: »Gesegnet sei das Werk der Patronin.« Sie tauchte die Hände wieder in den Trog ein und knetete weiter.

»Ich wünschte, wir hätten uns entschlossen, den Armen im Hussain-Viertel Brotsuppe abzugeben.«

»Es kommt doch kein Fremder zur Feier«, wehrte Umm Hanafi mit leichtem Unmut ab.

»Auf jeden Fall«, murrte Amina verärgert, »wird es ein Festessen mit viel Lärm sein. Fuad, der Sohn von Gamil al-Hamzawi, hat auch das Abitur gemacht, aber dort feiert man nicht mit einem solchen Gelage.«

»Wir nutzen doch nur die Gelegenheit, um mit den Lieben zusammenzukommen«, beharrte Umm Hanafi.

Wie sollte Amina sich freuen, wenn sie Gewissensbisse fühlte, auch verborgene Furcht? Hatte sie sich früher die Zukunft vorstellen wollen, dann hieß es immer, dass, wenn Kamal die Schule abschließt, Fahmi schon das Diplom erreicht hat. Nein, diese Feier hatte es nicht gegeben, und ihr frommer Wunsch war nicht in Erfüllung gegangen. Neunzehn Jahre, zwanzig, einundzwanzig, zweiundzwanzig, dreiundzwanzig, vierundzwanzig Jahre – in der Blüte der Jugend, deren Frucht sie nicht in den Händen hatte halten dürfen. Zu Sand sollte sie werden. Oh, wie unendlich tief schnitt der Riss ins Herz, und doch fand sich dafür nur das Wort Kummer.

»Aischa freut sich bestimmt über das Baklawa. Es wird sie an früher erinnern, nicht wahr, Herrin …«

O ja, Aischa wird sich freuen und du auch. Der Tag folgt der Nacht, Essen dem Hunger, Wachen dem Schlaf, als wäre nichts geschehen. Vergessen die Behauptung, keinen einzigen Tag ohne ihn leben zu können. Du hast überlebt, um auf sein Grab Schwüre ablegen zu können. Mag auch das Herz von Beben erschüttert werden, die Erde wankt noch lange nicht. Ein in Vergessenheit Geratener, dessen man sich nur noch beim Besuch des Grabs erinnert. Zuerst, mein Söhnchen, waren noch alle Augen voller Tränen, alle Seelen gerührt, doch schon bald hat man deiner nur noch an Feiertagen gedacht. Ihr alle – die von einst –, wo seid ihr geblieben? Jeder ist mit seinem Alltag beschäftigt. Einzig du, Chadiga, fühlst mit dem Herzen deiner Mutter mit, weißt, was in ihrer Seele vorgeht. So stark ist dein Empfinden, dass selbst ich dir eines Tages zusprechen musste, gefasst zu bleiben. Ganz anders hingegen Aischa. Doch gemach – sei nicht ungerecht. Sie hat getrauert, wie es sich geziemt. Und Kamal? Ihm gilt kein Vorwurf, denn mit einem kleinen, zarten Herzen muss man milde umgehen. Der einzige Sohn ist er geworden. Dein Haar ist grau, du gleichst einem Gespenst. So sagt Umm Hanafi. Was soll Gesundheit, was Jugendlichkeit – du bist an die fünfzig, doch er durfte nicht einmal die zwanzig vollenden. Schwangerschaft, Entbindung, Stillen, Liebe, Hoffnungen, und auf einmal – nichts. Ob wohl mein Gebieter auch nicht mehr an ihn denkt? Und wennschon, das geht nur ihn etwas an. Die Trauer der Männer ist nicht die der Frauen, so hast du, Mutter, immer gesagt, und auch dir hat Gott nun schon im Paradies ein Heim gegeben. Aber ach, Mutter, es schneidet mir trotzdem ins Herz, dass mein Herr wieder sein gewohntes Leben aufgenommen hat; als wäre Fahmi nicht gestorben, als hätte sich die Erinnerung an ihn in Rauch aufgelöst. Er schimpft mich sogar aus, wenn ich allzu sehr in Trauer verfalle. Ist er denn nicht sein Vater, so wie ich seine Mutter bin? »Amina, mein kleines, armes Mädchen, öffne deine Brust nicht solchen Gedanken … Gewiss, würden wir die Herzen der anderen an unserer mütterlichen Wärme messen, kämen sie uns vor wie aus Stein. Dein Gebieter ist ein Mann, und die Trauer von Männern ist nicht die der Frauen. Würden sich die Männer dem Schmerz überlassen, dann würden sie, deren Schultern ohnehin schwer mit Sorgen beladen sind, unter der Last zusammenbrechen. Erlebst du ihn traurig, musst du ihn aufmuntern. Er ist dein sicherer Hort, du mein armes Töchterchen.« Dahingegangen war jene zärtliche Stimme, in jener Zeit, da die Herzen ohnehin voller Traurigkeit waren und kaum noch jemand Tränen besaß. Doch die mütterliche Weisheit hatte ihren Beweis gefunden, in jener Nacht, als der Gebieter zu später Stunde berauscht heimkehrte, sich auf das Kanapee warf und in Tränen ausbrach. In jener Nacht habe ich einzig und allein für sein Wohl gebetet, auch um den Preis immerwährenden Vergessens. Und du – vergisst du nicht auch bisweilen? Was noch viel schlimmer ist: Du genießt das Leben, klammerst dich daran. So ist die Welt, das sagen alle. Also schließe dich dieser Meinung an und glaube daran. Wie kamst du dazu, Jasin zu zürnen, nur weil er zur alten Gelassenheit zurückgefunden und sein gewohntes Leben fortgesetzt hat? Nein, sei stark im Glauben, harre aus in Geduld, und stelle dich Gott anheim. Von ihm rührt alles her, was über dich kommt. »Umm Fahmi« bist du, bleibst es für immer. Ich bin deine Mutter, mein Sohn, und du bleibst mein Sohn.

Noch immer fielen die klatschenden Schläge. Herr Abd al-Gawwad öffnete die Augen. Frühes Morgenlicht drang herein. Er streckte sich, gähnte laut und lange, ein Geräusch, das fast wie eine Klage, gar wie ein Einspruch grollte. Schließlich setzte er sich auf, die Beine weit ausgestreckt, die Hände flach darübergelegt, der Rücken krumm, verschwitzt der Halsausschnitt des Nachthemds. Er drehte den Kopf nach rechts und links, als wollte er die Schläfrigkeit abschütteln. Die Füße glitten auf den Boden, und mit wiegendem Schritt ging er ins Badezimmer, um kalt zu duschen. Nur das konnte seinen Körper wieder in Schwung bringen und dem Kopf die gewohnte Klarheit, dem Gemüt die notwendige Straffheit geben. Er zog sich aus, und als das Wasser über ihn sprühte, fiel ihm wieder die Einladung ein, die er gestern erhalten hatte. Beides, die Erinnerung und das kalte Wasser, ließen sein Herz schneller klopfen. Ali Abd ar-Rahim hatte gesagt: »Schau zurück, denk an die Geliebten von einst. So wie jetzt kannst du nicht ewig leben. Ich weiß Bescheid, denn ich kenne dich von allen am besten.« Sollte er es wagen, die letzte Hürde zu nehmen? Fünf Jahre lang hatte er sich geweigert. War er mit der Reue eines von schmerzlichem Verlust betroffenen Gläubigen zu Gott zurückgekehrt, oder hatte er schon immer Reue empfunden und sich nur gescheut, sie auch zu zeigen? Hatte er vielleicht plötzlich in ehrlichster Absicht bereut, ohne aber ganz in Buße aufzugehen? Er wusste es nicht, wollte es auch nicht ergründen. Mit fast fünfundfünfzig Jahren war man kein junger Bursche mehr. Was also beunruhigte und erschütterte ihn so? Ihm war wie damals zumute, als er zum ersten Mal zum Trinken, zum ersten Mal zum Musikhören eingeladen war. Sollte er nun den Ruf erhören und die Geliebten von einst wiedersehen? Wann hatte Trauer Tote je lebendig gemacht? Sollte es Gottes Wille sein, dass wir uns, ist ein geliebter Mensch verschieden, zugrunde richten?

Im Jahr der Trauer, verbracht in völliger Zurückgezogenheit, hatte ihn der Schmerz fast dahingerafft. Es war ein langes Jahr gewesen, denn kein Getränk hatte er genossen, kein Musikstück gehört, keinen einzigen Scherz über die Lippen gebracht. Ja, jenes Jahr hatte sogar bewirkt, das erste Grau an den Schläfen zu entdecken. Danach war er zum Trinken und Musizieren zurückgekehrt, aus Mitleid mit seinen drei treuen Freunden, die um seiner Trauer willen von allen Vergnügungen gelassen hatten. Das war aber nur die halbe Wahrheit. Er hatte es ebenso sehr um ihretwillen wie um seinetwillen getan, war doch seine Standhaftigkeit aufgebraucht gewesen. O ja, diese drei standen hoch über den anderen, dennoch solltest du niemandem einen Vorwurf machen. Auch die anderen haben mit dir getrauert, und wenn sie dann ihr feuchtfröhliches Feiern deiner trockenen Gesellschaft vorzogen – wie solltest du sie deshalb tadeln? Die drei hingegen, die dir die Liebsten sind, hatten es schlichtweg abgelehnt, mehr als du vom Leben zu bekommen. Doch nach und nach bist du zu allem wieder zurückgekehrt, ausgenommen die Frauen. Das war dir als schwere Sünde erschienen, und die anderen hatten dich zunächst auch nicht bedrängt. Wie hast du dich gesträubt, wie warst du betrübt; der Bote von Zubaida erreichte nichts, und auch Umm Marjam hast du entschlossen abgewiesen, obwohl du unendlich gelitten hast. Du hast fest geglaubt, nie mehr zu den Weibern zurückzukehren, denn ein ums andere Mal hast du dir immer wiederholt: »Kann ich in den Armen einer schönen Frau liegen, wenn Fahmi im Grabe ruht?«

O Gott, wie sehr bedürfen wir doch der Barmherzigkeit, wenn wir schwach und elend sind. Bei aller Trauer – wer sagt einem, dass man nicht morgen stirbt? Einer der Freunde hat diesen klugen Satz gesagt, entweder Ali Abd ar-Rahim oder Ibrahim Alfar, denn Mohammed Iffat Bey versteht sich nicht sonderlich auf Weisheiten. Erst lehnt er meine Bitte ab und verheiratet das Mädchen mit einem Fremden, und dann versucht er, mich mit freundschaftlichen Küssen abzuspeisen. Im Grunde ist er noch immer wütend auf mich, und seine einzige Sorge besteht darin, dass ich es nicht merke. O Gott, was ist das für Treue, was soll solche Freundschaft! Erinnerst du dich noch, wie er auf dem Friedhof seine Tränen mit deinen vermischte? Was ihn keineswegs daran hinderte, dir wenig später zu erklären: »Ich fürchte, du wirst zu schnell alt, wenn du nicht … hm, hm. Also los, komm mit aufs Hausboot zu den Weibern.« Als Mohammed Iffat sah, dass du zögertest, hat er hinzugefügt: »Ein völlig harmloser Besuch, niemand wird dich mit Gewalt ausziehen und auf eine Frau packen.« Weiß Gott, ich habe wirklich nicht wenig getrauert. Mit Fahmis Tod ist ein gewaltiger Teil von mir gestorben. Meine größte Hoffnung ist mit ihm dahingegangen. Wer könnte mir wohl den Vorwurf machen, ich hätte mich nun gefasst und Trost gefunden? Mein Herz bleibt eine offene Wunde, selbst wenn es fröhlich ist. Was mag wohl aus den Frauen geworden sein? Haben die fünf Jahre sie verändert? Es sind fünf lange Jahre gewesen.

Das Erste, was Kamal beim Aufwachen ans Ohr drang, war Jasins Schnarchen. Er konnte sich nicht beherrschen und rief seinen Namen, mehr um ihn zu ärgern, als ihn zur rechten Zeit wach zu bekommen. Unablässig setzte er ihm zu, bis Jasin schließlich antwortete, ächzend und jammernd, als läge er im Todeskampf. Gleich darauf wälzte er den massigen Körper herum, sodass das Bett wie von Schmerzen geplagt quietschte. Jasin öffnete die geröteten Lider und stöhnte. Wie er fand, gab es keinerlei Grund zur Eile. Solange der Vater noch im Badezimmer war, konnte ohnehin niemand hinein. Ins Bad zu kommen, war nicht mehr so einfach, seit vor fünf Jahren die Zimmer im Haus neu verteilt worden waren. Bis auf den Empfangsraum und den sich daran anschließenden und nur spärlich möblierten Salon, der nicht mehr als ein Durchgangszimmer war, nutzten die Familienmitglieder jetzt nur noch die Zimmer in der oberen Etage. Auch wenn Jasin und Kamal es keineswegs begrüßt hatten, mit dem Vater im gleichen Stockwerk zu leben, waren sie nicht umhingekommen, seinem Wunsch Rechnung zu tragen und die untere Etage nur noch zu betreten, wenn ein Besucher ins Haus kam.

Jasin schloss die Augen, ohne aber wieder einschlafen zu wollen. Nicht etwa, weil es ein vergebliches Bemühen gewesen wäre, sondern wegen eines Bildes, das sich seiner Vorstellung aufdrängte und seine Gefühle in Wallung brachte. Ein rundes Gesicht, elfenbeinfarbene Haut, schwarze Augen. Marjam! Jasin überließ sich seinen Träumen und gab sich der Betäubung hin, die noch süßer als Schlaf war. Dabei hatte Marjam bis vor wenigen Monaten für ihn noch nicht existiert; es war gewesen, als gäbe es sie nicht. Erst als eines Abends Umm Hanafi zur Frau seines Vaters sagte: »Haben Sie schon gehört, Herrin? Sitt Marjam ist geschieden und zu ihrer Mutter zurückgekehrt«, erst da hatte er sich wieder an Marjam erinnert, war ihm wieder Fahmis Liebe und die Geschichte mit dem englischen Soldaten, dem Freund von Kamal – auf den Namen kam er nicht –, eingefallen. Damals, kurz nach dem Skandal auf dem Dach, hatte sie ihn zu interessieren begonnen. Unwillkürlich war da sein Innerstes wieder in Wallung geraten. Wie Reklametafeln in der Nacht aufleuchten, erstrahlte plötzlich ein eindrucksvolles Bild, auf dem geschrieben stand: »Marjam, deine Nachbarin, die von nebenan, die mit Geschichten – und was für welchen –, ist geschieden. Was für eine gute Nachricht!« Doch im gleichen Moment erschrak er über sich selbst, war doch ihr Bild mit Fahmi verbunden, und das bereitete ihm Schmerzen, ließ ihn innehalten und trieb ihn dazu an, dieses Kapitel für abgeschlossen zu halten. Er musste darauf achten, selbst den flüchtigsten, verborgensten Gedanken an sie zu bereuen, insoweit von Reue überhaupt zu sprechen war. Zufällig war er ihr mit ihrer Mutter in Muski begegnet. Unachtsam hatten sie sich angesehen, doch im nächsten Moment funkelte der Glanz gegenseitigen Erkennens, was ein für das bloße Auge fast unsichtbares Lächeln verriet. Sein Herz kam in Bewegung, und war zuallererst nur die zufällige Begegnung daran schuld, so machte ihm gleich darauf der hübsche Anblick zu schaffen, den das elfenbeinfarbene Gesicht mit den kuhlgeschminkten Augen und der vor Lebenskraft strotzende Körper hervorriefen. Marjam erinnerte ihn an die Zainab von einst. Nachdenklich und aufgeregt zugleich war er seines Wegs gegangen, doch nach wenigen Schritten, als er ins Kaffeehaus von Achmed Abduh hinunterstieg, brach über ihn der Kummer der Erinnerung herein, der ihn traurig stimmte. Fahmis Bild erstand in seiner Vorstellung – sein Gesicht, seine Figur, seine Art zu reden, seine Bewegungen. Da ließ alle Leidenschaft nach und verlöschte, und wilde Trauer überwältigte ihn. Es musste sein, er musste das Kapitel schließen. Aber warum nur, warum?

Diese Frage wiederholte er nach einer Stunde, auch noch nach Tagen. Die Antwort lautete: wegen Fahmi. Nur – welche Beziehung hatte zwischen ihm und Marjam bestanden? Er wollte sich mit ihr verloben – warum hatte er es nicht getan? Dein Vater war nicht einverstanden gewesen. War das alles? Zumindest hatten da die Schwierigkeiten angefangen. Und dann? Dann war der Skandal mit dem Engländer geschehen, und von da an war selbst der blasseste Gedanke an das Mädchen verlöscht. Wirklich? Bestimmt, denn wenn er sie zuerst nur nicht sonderlich beachtet hatte, war danach jeglicher Gedanke an sie geschwunden. War es so gewesen? Ja. Aber was für eine Beziehung hatte zwischen Marjam und Fahmi bestanden? Keine. Aber … was aber? Könnte es sein, dass an meinem brüderlichen Gefühl für Fahmi zu zweifeln ist? Nein und abermals nein. Verdient das Mädchen einen Mann? Ja, schon wegen ihres Körpers, ihres Gesichts. Worauf wartest du dann noch?

Von Zeit zu Zeit konnte er sie am Fenster entdecken, manchmal – erst selten, dann immer häufiger – auch auf dem Dach. Warum war sie wohl geschieden? Lag es am schlechten Charakter ihres Ehemanns, hat sie mit der Scheidung Glück gehabt. Lag es an ihrem schlechten Charakter, bringt die Scheidung dir Glück.

»Steh auf, sonst schläfst du noch einmal ein!«

Jasin gähnte und fuhr sich mit den Fingern durch das volle Haar. »Du kannst dich freuen, so lange Ferien zu haben«, sagte er zu Kamal.

»Bin ich nicht vor dir aufgewacht?«

»Aber du kannst weiterschlafen, wenn du Lust hast.«

»Wie du siehst, will ich nicht.«

Jasin lachte vor sich hin, dann fragte er: »Wie hieß der englische Soldat, mit dem du befreundet warst?«

»Julian.«

»Richtig, Julian war sein Name.«

»Warum fragst du nach ihm?«

»Ach, einfach so.« Einfach so? Was für dummes Zeug reden wir manchmal. Bin ich, Jasin, nicht etwa diesem Julian überlegen? Zumindest war Julian eine vorübergehende Erscheinung gewesen, Jasin aber gibt es. Da ist immer ein kleines Lächeln für dich auf ihrem Gesicht. Ob sie nicht merkt, wie beharrlich du auf dem Dach erscheinst? Bestimmt, denke nur mal an Julian. Sie gehört nicht zu den Mädchen, denen etwas entgeht. Sie hat deinen Gruß erwidert. Beim ersten Mal hat sie lächelnd den Kopf abgewendet, beim zweiten Mal hat sie gelacht. Ah, nichts Schöneres gibt es als dieses Lachen. Beim dritten Mal hat sie warnend auf die umliegenden Dächer gezeigt. Nach Sonnenuntergang gehe ich noch einmal auf das Dach, ein kühner Entschluss. Hatte Julian ihr nicht sogar von der Straße aus Zeichen gegeben?

»Wie sehr habe ich die Engländer geliebt, als ich klein war, und sieh nur, wie sehr ich sie jetzt hasse.«

»Dein Held Saad ist zu ihnen gefahren, um ihre Freundschaft zu gewinnen.«

»Nein, bei Gott«, rief Kamal scharf, »sie verdienen unseren Hass, und stände ich ganz allein mit dieser Meinung da.«

Schweigend sahen sie sich an, beiden war bitter zumute. Das Schlurfen der Pantinen des Herrn Vater war zu hören, der, aus dem Bad kommend, auf dem Weg in sein Zimmer unaufhörlich die Formeln »Im Namen Gottes, des barmherzigen Erbarmers« und »Es gibt keine Macht noch Stärke als bei Gott« vor sich hin murmelte. Jasin schlüpfte aus dem Bett und ging gähnend hinaus.

Kamal drehte sich erst auf die Seite, dann auf den Rücken. Er zog die Knie an, verschränkte die Arme unter dem Kopf und starrte in die Luft. Ah, Ras al-Barr wird glücklich sein, dass du an seinem Strand liegst. Deine zarte, engelsgleiche Haut ist nicht dafür geschaffen, in der Hitze von Kairo zu braten. Der Sand wird es genießen, deine Sohlen zu spüren, und Wind und Wasser werden sich an deinem Anblick erfreuen. Du wirst schwärmen von der Sommerfrische, davon, wie schön alles war, und der Blick deiner Augen wird den vergangenen Freuden wehmütig nachhängen. Ich aber werde dich betrübt ansehen, mit dem sehnsuchtsvollen Herzen und dem bettelnden Blick des Außenstehenden, dem es nicht vergönnt war, an dem Ort zu weilen, der dich bezaubert hat und damit würdig wurde, dir zu gefallen. Wann kommst du endlich zurück? Wann darf mein Ohr wieder dein betörendes Zwitschern vernehmen? Wie mag es in der Sommerfrische sein? Wenn ich es nur wüsste. Es heißt, dass man dort frei wie der Wind ist, sich inmitten des Meers, umarmt von Wellen, begegnen kann und immerfort neue Leidenschaften entstehen, nicht weniger zahlreich als die Körner im Sand. Wie unendlich viele Geschöpfe dürfen sich deines Anblicks erfreuen, ich aber … ich bin es, dessen gepeinigtes Herz das heftige Schlagen an den Gewölben der Rippen widerhallen lässt; ich bin es, der in der Hölle des Wartens verglüht. Nein, nie kann ich vergessen, wie du, mit von Freude berauschtem Gesicht, gejauchzt hast: »Morgen ist es so weit, morgen fahren wir ab. Was könnte schöner als Ras al-Barr sein.« Nie mehr wird mich die Niedergeschlagenheit verlassen, die mich überfiel, als dein verzückt lächelnder Mund die Nachricht von der Trennung verkündete – Gift, das heimlich in einen Strauß duftender Blumen eingebunden war. Nie werde ich meine Eifersucht auf all das vergessen, was dich glücklich machte, wo ich versagte, was deine Zuneigung gewann, wo ich ausgeschlossen war. Hast du bei der Trennung nicht verspürt, wie bedrückt ich war? Nein, du hast nichts gemerkt, und zwar nicht, weil ich einer unter vielen bin, sondern weil du, Geliebte, so etwas nicht zur Kenntnis nimmst. Es ist, als könnte nichts deine Aufmerksamkeit erregen; du fremdartiges Wunderwesen, das, über allem Leben stehend, zwar auf uns schaut, doch mit Blicken, die in uns nicht bekannten Gefilden weilen. Von Angesicht zu Angesicht haben wir uns gegenübergestanden – du die Flamme lodernder Freude, ich die Asche glimmenden Kummers. Mag sein, du genießt die völlige Freiheit, mag sein, du fügst dich Normen, die unser Verstand nicht begreift – ich werde immer, von gewaltigen Kräften angezogen, in deiner Himmelsbahn kreisen. Du die Sonne, ich die Erde. Solltest du etwa am Strand eine Freiheit auskosten, die dir in den Häusern von Abbasija verwehrt ist? Nein, gewiss nicht, denn bei allem, was mir lieb und teuer an dir ist – du bist nicht wie die anderen. Im Garten des Schlosses, in der Allee – überall noch der Duft deiner Schritte, und ein jeder von uns hegt seine Erinnerungen, seine Hoffnungen. Was für ein Wesen – liebenswürdig und zugleich unerreichbar, von allen umschwirrt, als hätte der Okzident in der Nacht des Schicksals diese Erscheinung dem Orient als Gabe gereicht. Wie viel mehr an Großmut wirst du wohl noch verschenken, wo doch die Küste sich weithin erstreckt, der Horizont ins Unendliche reicht, der Strand von Bewunderern wimmelt? Wie viel Großmut denn noch, du meine Hoffnung, du mein Kummer? Kairo ohne dich – eine Ödnis, getränkt von Schwermut, Trostlosigkeit, das Leben ein zähflüssiger Sud. Sicher, da sind die Wahrzeichen und Sehenswürdigkeiten der Stadt, doch keine Leidenschaft regt sich bei ihrem Anblick, kein Herz wird in Schwingungen versetzt, nackte Zeugen dieser Welt, steinerne Erinnerungen, glanzlos wie Schätze einer pharaonischen Grabkammer, die noch niemand geöffnet hat. Kein Ort, der Trost verspricht, kein Platz, an dem sich Geselligkeit, Vergnügen finden ließen. Mal ist es zum Ersticken, mal komme ich mir wie ein Gefangener vor, dann wieder ist mir, als wäre ich verloren gegangen und streunte herum, ohne dass mich auch nur einer vermisst. Seltsam, sollte einzig deine Anwesenheit eine Hoffnung bewirken, die gleich wieder schwindet, wenn du nicht da bist? Nein, du mein Schicksal, du mein Verhängnis, mit dir ist das immerwährende Verlangen verbunden, Frieden und Kühle in deinem Schatten zu finden, auch wenn es unerreichbar zu sein scheint. Nützt dem, der mit verzweifeltem Blick den finsteren Himmel durchbohrt, etwa sein Wissen, dass der Vollmond gerade im anderen Teil der Welt prächtig scheint? Unerreichbar für den, der sich nach ihm sehnt, auch wenn er ihn nicht begehrt. Was ich erstrebe, ist das pralle Leben, selbst um den Preis heftigen Schmerzes. Du bist es, die mich mit bebendem Herzen leben lässt und mir die Gnade einer wundersamen Gabe verliehen hat: das Gedächtnis. Bevor ich dich kannte, habe ich seinen Zauber nicht erfahren. Heute oder morgen oder in zig Jahren, ob nun in Abbasija oder in Ras al-Barr oder am entlegensten Winkel der Welt – nie werden aus meinem inneren Bild weichen: deine teakholzschwarzen Augen, deine geschwungenen Brauen, deine hübsche gerade Nase, deine runden, bronzefarbenen Wangen, dein langer anmutiger Hals, dein schlanker Wuchs. Dein betörender Zauber verschließt sich jeder Beschreibung, doch er macht trunken wie der Duft von Jasminblüten. O ja, solange ich lebe, soll dieses Bild in mir sein, und weicht das Leben, und fallen die Schranken, dann soll diese Liebe mein Eigen sein. Wenn aber nicht, dann sag mir, welcher Sinn noch im Leben erstrebenswert, welcher Genuss noch für die Ewigkeit begehrenswert ist. Behaupte keiner, das Leben ergründet zu haben, solange er nicht geliebt hat. Das alles – Hören, Sehen, Schmecken, Ernst und Scherz, Freundschaft und Sieg – sind geringschätzige Freuden, wenn die Liebe das Herz erfüllt. O ja, ein Blick hatte genügt. Erst als ich wusste, du würdest kein flüchtiger Gast in meinem Herzen sein, sondern dich auf Dauer darin niederlassen, erst da konnte ich die Augen abwenden. Ein kurzer, entscheidender Moment, ähnlich gewaltig wie das Einpflanzen eines neuen Wesens in den Mutterleib und ähnlich erschütternd wie das Beben der Erde. O Gott, das bin nicht mehr ich. Mein Herz stößt ans Gewölbe der Rippen, das Mysterium allen Zaubers gibt seine Geheimnisse preis, der Verstand bäumt sich bis an die Grenze des Wahnsinns auf, süße Wonne bricht strahlend hervor, reicht dem Schmerz die Hand, Leib und Seele stimmen gemeinsam heimliche Weisen an, das Blut schreit um Hilfe, ohne zu wissen, vor wem es erschaudert. Der Blinde kann sehen, der Lahme laufen, der Tote ist wieder lebendig. Bei allem, was mir lieb ist, beschwöre ich dich, nie mehr von dannen zu gehen. Dich, o Gott, weiß ich im Himmel, sie aber weilt hienieden auf Erden. Alles bisherige Leben diente der Botschaft der Liebe. Nur deshalb kein Sterben als Säugling, nur deshalb keine andere als die Fuad-der-Erste-Schule, nur deshalb keine engere Freundschaft als mit Hussain, nur deshalb dies, nur deshalb das … Alles nur deshalb, um eines Tages in den Palast der Schaddad-Familie zu gelangen. O denkwürdiger Tag, allein die Erinnerung zerreißt mir das Herz.

Hussain, Ismail, Hassan und ich sprachen über die verschiedensten Dinge, als plötzlich eine weiche, melodische Stimme mit einem Gruß an die Ohren drang. Abrupt drehte ich mich um. Wer mochte das sein? Wie konnte es ein junges Mädchen wagen, in eine Runde von fremden Burschen einzudringen? Aber schon im nächsten Augenblick ließ ich alles Fragen sein und vergaß die traditionellen Normen, befand ich mich doch einem Wesen gegenüber, das nicht von dieser Welt zu kommen schien. Offensichtlich kannte sie die anderen. Hussain stellte uns vor. »Mein Freund Kamal, meine Schwester Aida.« An diesem Abend begriff ich, warum ich geboren wurde, warum ich nicht gestorben bin, warum mich das Schicksal nach Abbasija verschlagen hat, warum ich Hussain und die Villa der Schaddad-Familie kennengelernt habe. Wann genau war das geschehen? Ein Jammer, aber die Zeit ist ins Vergessen entschwunden. Nur den Tag weiß ich noch – es war ein Sonntag, denn das war der freie Tag der französischen Schule, die sie besucht, und zufällig feierten wir auch, wahrscheinlich den Geburtstag des Propheten. Eins aber ist sicher: An diesem Tag wurde ich geboren. Was bedeutet schon ein Datum? Der einzige Zauber von Kalendern besteht darin, uns glauben zu machen, dass die Erinnerung aufersteht und alles wieder zu leben beginnt. Und selbst wenn du weißt, dass du es nicht findest, wirst du nicht aufhören, nach dem Datum zu suchen. Unablässig wirst du dir wiederholen: »Es muss zu Beginn des zweiten Jahrs in der Oberschule gewesen sein, Oktober oder November, zu der Zeit, als Saad Zaghlul Oberägypten besuchte, also noch vor seiner zweiten Ausweisung.« Immer wieder wirst du in deinem Gedächtnis kramen, wirst Ereignisse und Vorfälle durchgehen, alles nur, weil du dich verzweifelt daran klammerst, einen Moment des Glücks, eine für immer entschwundene Zeit zurückzuholen. Hättest du doch, als du ihr vorgestellt wurdest, das getan, was du impulsiv wolltest: ihr die Hand reichen. Dann hätte sie die deinige gedrückt, und du wüsstest, wie sich ihre Haut anfühlt. Nun aber bleibt dir nichts anderes, als dir diese Berührung ein ums andere Mal vorzustellen, zerrissen zwischen Ungewissheit und leidenschaftlicher Liebe, als sei sie ein körperloses Wesen, das nicht anfassbar ist. Nicht nur, dass dir das Datum verloren gegangen ist, es ist dir auch eine Gelegenheit, schön wie ein Traum, entgangen. Sie war an die anderen Jungen herangetreten, hatte mit ihnen zu sprechen begonnen, und während die sich locker mit ihr unterhielten, bist du verwirrt auf deinem Platz im Pavillon sitzen geblieben, vollgepfropft mit den Traditionen des Hussain-Viertels. Eine Frage hat dich nicht losgelassen: Benimmt man sich so in Palästen, oder liegt das am Hauch von Paris, mit dem die Angebetete groß geworden ist? Aber dann hast du dich dem melodischen Klang der Stimme überlassen, hast alle Nuancen ausgekostet, hast dich an ihrem Zwitschern berauscht, hast dich vollgesogen mit jedem Laut, doch wahrscheinlich hast du – du Ärmster – an jenem Tag nicht begriffen, dass du ein zweites Mal geboren wurdest und wie jedes Neugeborene deine neue Welt erschrocken und mit Tränen begrüßen solltest.

»Wir werden uns heute Abend ›Die Tändlerin‹ ansehen«, hatte die herrliche Stimme weich geklungen, woraufhin Ismail lächelnd fragte: »Gefällt Ihnen Munira al-Mahdija?« Sie hatte ein wenig gezögert, wohl weil ein Mädchen mit französischer Erziehung es so machte, und dann geantwortet: »Mama mag sie.«

Hussain, Ismail und Hassan vertieften sich mit ihr in ein Gespräch über Munira, Sajjid Darwisch, Salich Abd al-Hajj und Abd al-Latif al-Banna, aber unverhofft wendete sich diese zauberhafte Stimme plötzlich an dich und fragte: »Und Sie, Kamal? Gefällt Ihnen Munira?«

Erinnerst du dich an den plötzlichen Überfall? Ich meine, weißt du noch, wie natürlich die Frage geklungen hat? Das war kein Sprechen, das war eine Melodie; ein Zauber, der sich tief drinnen festsetzte und von da an mit lautloser Stimme wisperte, sodass dein Herz in himmlischem Glück, von dem niemand wusste, immerfort darauf lauschen konnte. Wie warst du in jenem Moment erschrocken. Ein Ruf aus dem Himmel galt dir, hob dich unter den anderen hervor, nannte dich beim Namen. Alle Herrlichkeit ergoss sich über dich, alle Glückseligkeit, alle Gnade, und am liebsten hättest du um Hilfe gerufen und wie der Prophet gefleht: »Bedecke mich, hülle mich ein!« Stattdessen hast du eine Antwort gegeben, doch wie die lautete, weißt du nicht mehr. Ein paar Minuten blieb die Angebetete noch, dann verabschiedete sie sich und ging.

Die schwarzen Augen, verführerisch schön, strahlen in einer Weise, die eine Vorliebe für Offenheit verrät, auch von Mut zeugt, der von Selbstbewusstsein herrührt, nicht etwa von Leichtsinn oder Dreistigkeit. Der Blick dieser Augen spricht aber auch von beängstigendem Stolz, ist lockend und abweisend zugleich. Von ihrer Schönheit geht eine Verführung aus, deren Wesen ich nicht erfassen kann und die ich mit nichts zu vergleichen weiß. Oftmals kommt es mir vor, als wäre dieser betörende Reiz nur der Schatten eines noch gewaltigeren Zaubers, der tief in ihrem Innern schlummert. Was von beidem liebe ich eigentlich – die Schönheit oder das verborgene Mysterium? Beides ist ein Rätsel, und dazu kommt noch, was nicht weniger ein Rätsel ist, meine Liebe.

Der Tag unseres Bekanntwerdens rückt an jedem neuen Morgen weiter in die Ferne, doch die Erinnerungen sind in meinem Herzen auf immer eingepflanzt, umrankt von Fakten wie Ort, Zeit, Namen, Freunden, Gesprächen, sodass das Herz wie im Rausch mal hierhin, mal dahin tänzelt und einen glauben lässt, das alles mache überhaupt das Leben aus. Zweifel tauchen auf, ob es außerhalb davon überhaupt ein Leben gibt. Sollte es wirklich eine Zeit gegeben haben, da das Herz keine Liebe gefühlt und die Seele nicht dieses göttliche Bild beherbergt hat? Ja, so trunken macht dich das Glück, dass du der vertanen, öden Zeit nachtrauerst, doch möglicherweise wird dich auch Schmerz befallen, und du verzehrst dich vor Kummer darüber, dass der Frieden von einst dahin ist. So oder so, dein Herz wird nicht mehr zur Ruhe kommen und dringlich nach Mitteln der Heilung suchen, die manchmal die Natur, manchmal die Wissenschaft, zeitweise auch die Kunst, am häufigsten aber der Dienst an Gott bieten. Ist ein Herz erst einmal erwacht, verspürt es aus tiefstem Grunde das leidenschaftliche Verlangen nach göttlicher Glückseligkeit. Oh, ihr Menschen, liebt oder sterbt! Ein stummer Schrei, während du stolz einherschreitest, weil in deinem Innern das Licht der Liebe mit all ihren Geheimnissen glüht. Die Liebe lässt dich auf alles Leben und alle Geschöpfe hinabsehen; eine mit Rosen des Glücks geschmückte Brücke führt für dich in den Himmel. Aber ach, manchmal horchst du auch in dich hinein, und dann überfällt dich das schmerzlich krankhafte Verlangen, all deine Fehler aufzuzählen, die du in deinem unbedeutenden Wesen, deiner bescheidenen Welt, deiner menschlichen Unvollkommenheit finden kannst. O Gott, wie kann ich aus mir ein neues Geschöpf machen? Diese Liebe ist ein Tyrann, der über den höchsten Höhen thront, und mitten in seinem Gefolge prangt dein Idol. Ein Mehr an Tugenden könnte es nicht vollkommener machen, und keinerlei Mängel könnten ihm schaden; sollte aber da ein Makel sein, so ließe der die Perlen der Krone nur noch stärker glänzen, zwänge er dich vor Bewunderung in die Knie. Setzt es sie etwa in deinen Augen herab, dass sie die herkömmlichen Sitten überschreitet? Nein, wenn sie es nicht täte, wäre es schlimm. Bisweilen fragst du dich, was du dir von der Liebe zu ihr erhoffst, und die Antwort lautet schlicht und einfach: sie zu lieben. Wozu nach einem Sinn suchen, wenn in der Seele das volle Leben strömt? Das ist der Sinn, es gibt keinen anderen. Nur aus Gewohnheit werden Liebe und Ehe in einem Atemzug genannt. Nicht der Unterschied des Alters noch der der sozialen Schicht machen es in diesem Fall unmöglich, an eine Heirat zu denken, sondern die Ehe selbst verbietet sich, holt sie doch die Liebe aus dem Himmel herunter und wirft sie hinab auf die Erde der Verträge und des Schweißes. Wenn jemand unbedingt meint, dich zur Verantwortung ziehen zu müssen, und dich fragt, welche Gunst sie dir gewährt, um deine zügellose Liebe zu entgelten, dann antworte ohne jedes Zögern: ein bezauberndes Lächeln, das ach so teure »Und Sie, Kamal?«, ihr seltener, doch umso glücklicher machende Besuch im Garten, ihr Anblick am taufrischen Morgen, wenn der Schulbus sie davonträgt, die Streiche, die sie deiner Fantasie beim dämmernden Wachsein und beim verworrenen Träumen spielt. Doch stellt dir deine lechzende, wahnsinnsgetriebene Seele die Frage, ob es nicht sein könnte, dass auch die Angebetete sich in Gedanken mit dem Verehrer beschäftigt, dann lasse dich nicht von trügerischen Hoffnungen verführen, sondern sage dir strikt: Es ist schon gut, wenn bei der nächsten Begegnung mit ihr wieder dein Name fällt.

»Mach schnell, ab ins Bad! War ich zu lange drin?«

Kamal, aufgeschreckt durch den plötzlichen Überfall, blickte verwirrt Jasin an, der sich beim Hereinkommen den Kopf abtrocknete. Er sprang aus dem Bett, und als er den hochgeschossenen Körper aufrichtete, sah er noch dünner aus. Für einen Moment verharrte er vor dem Spiegel und betrachtete prüfend den großen Kopf, die gewölbte Stirn und die gewaltige, kräftige Nase, die aus Granit gemeißelt zu sein schien. Er nahm das Handtuch vom Bettpfosten und ging ins Bad.

Herr Abd al-Gawwad hatte das Gebet beendet und sprach mit sonorer Stimme die üblichen Segenswünsche für die Kinder und sich selbst, bat Gott um die rechte Führung und seinen Schutz im Diesseits und Jenseits. Amina, die indessen den Frühstückstisch gedeckt hatte, kam herein und bat den Herrn Gemahl mit sanfter Stimme zu Tisch. Danach ging sie ins Zimmer von Jasin und Kamal und sagte auch ihnen Bescheid.

Die drei Männer nahmen ihre gewohnten Plätze ein. Der Vater sprach das »Im Namen Gottes, des barmherzigen Erbarmers«, griff nach einem Fladen und gab damit das Zeichen, mit dem Essen zu beginnen. Als Nächster griff Jasin nach dem Brot, danach Kamal. Die Mutter stand an der üblichen Stelle, gleich am Tischchen mit dem Wasserkrug. Nach außen hin gaben sich die Brüder unterwürfig und sittsam, obwohl beide nicht mehr – oder fast nicht mehr – jene Furcht verspürten, die sie früher in Anwesenheit des Vaters ergriffen hatte. Jasin genoss mit seinen achtundzwanzig Jahren das Vorrecht, als erwachsener Mann zu gelten, und war damit gegen verletzende Beleidigungen und kleine Seitenhiebe gefeit. Kamal, schon siebzehn Jahre alt, befand sich im fortgeschrittenen Stadium der Ausbildung, wodurch auch er eine gewisse Sicherheit erreicht hatte. Zumindest bei kleineren Vergehen stieß er oftmals auf Nachsichtigkeit und Milde, und insgesamt reagierte der Vater in den letzten Jahren weniger heftig und tyrannisch. Nicht selten geschah es, dass nach einer Weile bedrückenden Schweigens sich eine knappe Unterhaltung anbahnte. Natürlich war es noch immer so, dass, kaum hatte der Vater eine Frage gestellt, umgehend, selbst wenn der Mund gerade voll war, geantwortet wurde. Aber es gehörte nicht mehr zu den befremdlichen Dingen, Jasin das Wort an den Vater richten zu hören mit Sätzen wie: »Ich habe gestern Radwan bei seinem Großvater besucht, und er lässt Sie grüßen und küsst Ihnen die Hand.« Solches empfand der Herr Vater wohl nicht mehr als ungehörige Frechheit, denn schlicht und einfach erwiderte er: »Möge ihn unser Herr behüten und beschützen.« An einem solchen Punkt erst einmal angekommen, hielt es auch Kamal nicht mehr für unziemlich – eine ungeheure Entwicklung in der traditionellen Beziehung zum Vater –, in aller Höflichkeit zu fragen: »Wann kommt Radwan von Rechts wegen zu seinem Vater, Papa?« Nunmehr erwiderte der Herr Vater lediglich: »Mit sieben Jahren«, statt loszubrüllen: »Schweige, du Hundesohn!«