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Der alte, alleinstehende Mann genießt sein Rentnerdasein, indem er spazieren geht oder gemütlich auf dem Balkon sitzt. Sein Tagesablauf ist routiniert, ohne besondere Vorkommnisse. Da lernt er zufällig im Park eine junge Frau kennen, zu der er sich auf besondere Art und Weise hingezogen fühlt. Die beiden treffen sich nun regelmäßig für gemeinsame Unternehmungen. Er ahnt, dass die junge Frau bald eine besondere Rolle in seinem Leben spielen wird. Da macht er eine weitere Bekanntschaft: Eine Frau im mittleren Alter ist verzweifelt, da sie Existenzsorgen hat. Der alte Mann verspürt den Drang, ihr zu helfen. Plötzlich wirbeln zwei Frauen sein bisher gemütliches Leben durcheinander. Am Ende wartet eine große Überraschung auf ihn, die er ohne die Zufallsbekanntschaften nicht erlebt hätte …
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Seitenzahl: 256
Veröffentlichungsjahr: 2022
Inhalt
Impressum 2
Vorwort 3
Kapitel 1 … pass bitte auf! 4
Kapitel 2 26
Kapitel 3 34
Kapitel 4 36
Kapitel 5 41
Kapitel 6 50
Kapitel 7 51
Kapitel 8 54
Kapitel 9 71
Kapitel 10 72
Kapitel 11 81
Kapitel 12 83
Impressum
Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek:
Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie.
Detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://www.d-nb.de abrufbar.
Alle Rechte der Verbreitung, auch durch Film, Funk und Fernsehen, fotomechanische Wiedergabe, Tonträger, elektronische Datenträger und auszugsweisen Nachdruck, sind vorbehalten.
© 2022 novum publishing
ISBN Printausgabe: 978-3-99131-462-2
ISBN e-book: 978-3-99131-463-9
Lektorat: Heike Greiner
Umschlagfoto: Maksim Ladouski, David Cabrera | Dreamstime.com
Umschlaggestaltung, Layout & Satz: novum publishing gmbh
www.novumverlag.com
Vorwort
In Abänderung eines bekannten Sprichwortes könnte man sagen: „Alt werden ist nicht schwer, alt sein dagegen sehr.“
Aber hier kann man sehen, dass es auch anders geht und bescheidene Freuden den Alltag versüßen können.
Es ist so schön, wenn junge Menschen das Alter nicht nur schätzen, sondern auch durch ihre Achtung und Anerkennung der Lebensleistung der Alten bereichern.
Die nachfolgenden Zeilen sollen auch eine bittersüße Liebeserklärung für Bremen sein, die Heimatstadt des Autors.
Namensgleichheiten von lebenden und toten Personen sind rein zufällig und nicht beabsichtigt.
Rückseite des Buches, über den Autor.
Ein langes Leben als Kaufmann, Seemann, Flugbetriebsspezialist bei der Luftwaffe und leitender Kaufmann als Angestellter und Selbstständiger. Bei allem, was er auch tat, die See ist immer in seinem Herzen.
Der einfache Weg ist ihm zu langweilig, der schwere Weg brachte ihn so manches Mal an den Rand des Lebens. Jetzt ist er alt, schaut auf ein abenteuerliches Leben zurück und ist zufrieden, wie es ist.
Kapitel 1 … pass bitte auf!
An einem Julitag, einem Freitag, war es im Eineinhalbzimmerapartement des alten Mannes in Bremen-Schwachhausen zu heiß, um sich dort aufzuhalten.
Der alte Mann verließ seine Wohnung am frühen Nachmittag, kurz nach seinem üblichen Nickerchen, und ging durch das schmale Treppenhaus mit den knarrenden Stufen hinunter zum Ausgang des Hauses.
Seine Knie schmerzten bei jedem Schritt, als er die Treppe hinunterstieg. Dann ging er durch den Vorgarten.
Er öffnete die Eingangspforte und stand auf dem Gehweg vor dem Haus, einer alten Villa aus der Zeit des ausgehenden 19. Jahrhunderts.
Er trug ein verschlissenes weißes Polohemd und eine helle Kappe, die seinen Kopf mit dem Kurzhaarschnitt zierte und vor Sonnenbrand schützen sollte. Aus der Kappe lugten weißgraue Haaren hinten und an den Seiten hervor.
Außerdem trug er ein paar abgewetzte Jeans und seine Plagegeister, die schwarzen orthopädischen Halbschuhe, die er tragen musste, denn man hatte ihm schon vor Jahren die Hauptzehen und noch zwei weitere an beiden Füßen amputiert.
Und zwar deshalb, weil die Blutgefäße, die die Beine mit Blut versorgten, irgendwie verstopft waren.
Auch kam er viel zu spät zu geeigneten Ärzten, weil der Hausarzt ihm auf seine Klagen, dass er kaum noch ohne Schmerzen laufen könnte, sagte: „Ach, gehen Sie in die Apotheke und kaufen Sie sich Magnesium.“ (Solche Ärzte sollten verklagt werden, denn die gehörten zu den Ärzten, die nur an schnellem Geld interessiert waren.)
So hatte er viel Zeit verloren. Es wurde immer schlimmer. Bis er nach einem Tipp seines Nachbarn zu einem Diabetologen ging, der nach kurzer Untersuchung die sofortige Krankenhauseinweisung veranlasste. Hier wurde festgestellt, dass ein Abzweig der Baucharterie verstopft war, der die Beine mit Blut versorgte. Es wurde ein Stent gelegt, aber für die Füße kam jede Hilfe zu spät.
Damals kam das Unglück nicht allein. Seine Frau war unheilbar krank und seine Tochter wohnte siebenhundert Kilometer weit weg im Süden Deutschlands. Aber dazu später mehr.
Er schaute sich um und überquerte die beiden gegenläufigen Straßen, die seine Unterkunft vom Städtischen Bürgerpark trennte.
Auf der anderen Seite standen im Park zwei hässliche Zeugen des letzten Krieges. Zwei etliche Meter hohe Bunker, in denen er als Kind so manche Tage und auch Nächte, bei den schweren Luftangriffen der Alliierten, verbrachte.
Er dachte, dass das Bombardieren von Städten auch Völkermord wäre. Aber wie hieß es so schön in Amerika? „The winner get’s it all.“ Gewinner hatten immer recht. Die Verlierer immer unrecht.
Aktuell – so schien es – begingen Herr Assad mithilfe der Russen und der Türke Erdogan in Syrien ebenfalls Völkermord und die Welt schaute zu. Okay, bei der UNO und den Menschenrechtsorganisationen wurde diskutiert und bestenfalls verurteilt, aber es geschah nichts. So war das bei Politikern, eine Krähe hackte der anderen kein Auge aus.
Es war ja auch eine ausgemachte Sauerei, dass ein paar Großmächte jede Anklage vor der UN mit ihrem Veto verhindern konnten. „Vereinte Nation“ war ein Witz und teures Kasperletheater.
Auch die Regierungschefs aus den meisten afrikanischen Ländern waren durch und durch korrupt, alle Hilfsgelder flossen in deren Taschen, während das Volk verhungerte oder in nationalen Kriegen litt, flüchtete oder einfach starb.
Der alte Mann erreichte den wohltuend schattigen Park und betrat die ihm seit seiner Kindheit vertrauten Wege.
Dort stand die damals bei Liebespaaren bevorzugte Bank, die von den Ästen einer alten Buche überragt wurde.
In diesen Ästen hatten er und seine Freunde eine Baumhöhle gebaut, aus der sie das Treiben dort unten gut verfolgen konnten. Ein Lächeln schlich sich in sein altes Gesicht, bevor er weiterging.
Dann kam er an eine Wegkreuzung, an der, etwas abseits vom Weg, eine alte Buche stand. Als kleiner Junge hatte er mit einem Küchenmesser, das er aus der Küche gestohlen hatte, seine Initialen in die Rinde geschnitzt.
Durch das Wachstum des Baumes in den vergangenen Jahrzehnten konnte man heute noch, nach beinahe siebzig Jahren, sehr verzerrt die Buchstaben erkennen.
Er erinnerte sich jetzt wieder an die Probleme seiner frühen Kindheit.
Sein Stiefvater wollte ihn und seine Schwester nach der Scheidung seiner Mutter von seinem Namensgeber, der nicht sein Erzeuger war, adoptieren. So hatte er zwei Jahre lang in der Schule einen Namen mit Zusatz.
Er liebte seinen Stiefvater und hätte gern dessen Namen getragen. Aus diesem Grund schrieb er nun seine Bücher unter diesem Pseudonym.
Jetzt schlug er einen Weg ein, der am Schwanenteich, am Parkhotel, an einem Spielplatz mit einigen Geräten, an all den Plätzen, die ihn an seine Kinder- und Jugendzeit erinnerten, vorbeiführte. Dieser Weg führte an ein Gewässer, das kreisförmig durch den ganzen Bürgerpark floss.
Der Weg verlief über zwei kleine Brücken an einer Erweiterung des Gewässers zu einem See.
Als er die zweite kleine Brücke überquerte, blieb er stehen und schaute nach links zu einem Gebüsch, in dem ein großer Baum stand.
Im Schatten dieses Baumes war er als kleiner Junge gesessen, versteckt hinter den Büschen, und hatte mit einem selbst gebastelten, primitiven Angelgeschirr geangelt.
Dieses Geschirr bestand aus einem Bindfaden, an dessen Ende eine als Haken gebogene Sicherheitsnadel und fünfzig Zentimeter darüber ein Weinflaschenkorken verknotet waren. Erstaunlicherweise fing er mit diesen einfachen Utensilien so manchen leckeren Fisch, der zu Hause, wo Schmalhans Küchenmeister angesagt war, mit Begeisterung in Empfang genommen wurde.
Er grinste vor sich hin, denn das Angeln im Bürgerpark war strengstens verboten.
Aber in den letzten Kriegsjahren und gleich danach gab es nur einen Aufseher für den gesamten Bürgerpark – und der konnte ja nicht überall sein.
Überhaupt hatte er als Resümee seines Lebens die Überzeugung gewonnen, dass dieser Staat, bestehend aus uns Bürgern und der Regierung mit der Zweitgesellschaft von Beamten, nur einem Zweck diente, nämlich seine Bürger zu kontrollieren und dafür zu sorgen, dass die Finanzierung nicht stockte. Aber hier wurden nur die kleinen Fische gefangen, die dicken genossen Schutz oder hatten genügend fachkundige Berater, die jedes Schlupfloch kannten.
Das geschah mit notwendigen und überflüssigen Gesetzen. So wie er immer sagte: „Wir haben keine Demokratie, sondern eine Beamtendiktatur.
Die Politiker dürfen Notzeiten und sogar Kriege verursachen, aber Kontrolle und Bevormundung des Bürgers sowie Machterhalt ist in Friedenszeiten ihr wichtigster Zweck.“
Der alte Mann setzte seinen Weg fort und gelangte zu einem Café am Ufer des Sees. Es hieß Café am Emmasee, das es in seiner Kindheit noch nicht gegeben hatte.
Auf der anderen Seite dieses Gewässers gab es damals vor dem Zweiten Weltkrieg schon ein Restaurant, das zum Ufer hinab terrassenartige Abstufungen aufwies. Hier konnte man Ruderboote mieten und später gemütlich Kaffee trinken.
Leider wurde dieses schöne alte Gebäude ausgebombt, sodass der Schutt nach dem Krieg einfach weggeräumt wurde, ohne dass dieses historische Bauwerk wieder neu errichtet wurde.
Ein Augenblick Pause war jetzt angesagt, um sich für den weiteren Weg ein bisschen auszuruhen. Er betrat die Terrasse des Cafés und nahm an einem Tisch direkt am Wasser Platz.
Von hier aus konnte er auf das mit Seerosen bedeckte Wasser blicken, auf dem viele Enten herumschwammen, die auch in seine Nähe kamen, um Ausschau nach einem Brocken Brot zu halten, das einer der Gäste ihnen zuwarf.
Er konnte von hier aus die beiden kleinen Brücken sehen – und wieder schmunzelte er.
Heutzutage konnte man bei diesen beiden Brücken ein Ruderboot leihen und im gesamten Bürgerpark herumrudern.
Nachdem er bei dem Kellner, der ihn schon kannte, einen Kaffee Americano bestellt hatte, kramte er aus seiner Jacke eine Schachtel Zigarillos hervor und zündete sich eine davon an.
Genüsslich zog er daran und paffte vergnügt vor sich hin.
Er fragte sich, wer wohl in diesem fischreichen Gewässer das Angelrecht hatte. Er nahm sich vor, das herauszufinden.
Am nächsten Tag wollte er bei der Parkverwaltung anrufen. Ja, so war es, wenn man alt wurde.
Immer nahm man sich etwas vor, hatte es aber am nächsten Tag vergessen, weil es eigentlich unwichtig war.
Und wieder tauchten vor seinem geistigen Auge Erinnerungen aus seiner frühen Jugend auf.
Er war damals mit zwei Jungen aus der Nachbarschaft befreundet. Sie waren russische Flüchtlinge, sogenannte Deutschrussen. Diese beiden Jungen, sie waren Cousins, waren mit ihren Müttern und einem alten Kasachen aus der Ukraine geflüchtet. Sie hießen Alex und Eduard.
Der alte Kasache hieß Aki und bekam eine Anstellung im verwahrlosten Tierpark im Bürgerpark. Er sollte einfach diese heruntergekommene Anlage beaufsichtigen.
Die Gegenleistung für das Wohnrecht in dem maroden Bauwerk bestand darin, dass er, so nach und nach, Reparaturen durchführte und verhinderte, dass sich irgendwelches Gesindel hier einnistete.
Seine beiden Freunde und er waren oft bei Aki und fanden das alte Haus abenteuerlich. Auch konnten sie sich dann in ihrer Heimatsprache unterhalten, was der alte Mann sichtlich genoss. Aber wenn sie unter Jungs irgendwelche Pläne schmiedeten, verstand er gar nichts.
Obwohl der alte Mann damals kein Wort der Unterhaltung verstehen konnte, empfand er das Geschnatter als interessant.
Dieser alte Mann mit Namen Aki war mit weiteren Russen, die als Kriegsgefangene hier in Bremen waren, befreundet.
Die Kriegsgefangenen lebten in zwei Baracken zwischen den beiden Bunkern an der Straße, an der er selbst wohnte, und hatten die Aufgabe, bei Fliegeralarm die an der Parkallee aufgestellten Nebeltonnen aufzudrehen. Die Tonnen hüllten dann das ganze Viertel in dichte Nebelschwaden.
Diese Russen bekamen wenig zu essen, meist nur etwas Brot und Schmalz. Wir Kinder suchten die im Bürgerpark haufenweise vorkommenden Bucheckern.
Sie wurden aus den Schalen befreit, und ergänzten mit dem Brot und dem Schmalz eine durchaus nahrhafte Suppe, die wir dann auch probieren durften.
Die Russen waren dankbar und freundlich zu uns Kindern, und so entwickelte sich eine tolle und abenteuerliche Freundschaft.
Natürlich waren unsere Eltern nicht so ganz mit dieser Freundschaft einverstanden, aber wir ließen uns nicht davon abhalten, die netten Russen zu besuchen.
Mit den beiden Freunden, nein, eigentlich nur mit Eduard, dem jüngeren der beiden Cousins, stromerte der alte Mann damals immer wieder durch den Bürgerpark und machte so manchen Unsinn.
So stahlen die drei Jungen bei den hier stationierten Amerikanern leere Benzinkanister, schleppten diese zu dem großen See vor der Parkhotel-Ruine, dem Hollersee. Hier banden wir die Kanister mit den in den ausgebombten Hausruinen gefundenen Kabeln zusammen und schipperten mit diesem Floß auf dem See herum, um zu angeln.
Natürlich blieb so etwas nicht verborgen, und so tauchte schon bald der Bürgerparkverwalter auf und rief uns zu, sofort an das Ufer zu kommen. Aber wir dachten gar nicht daran, der Aufforderung Folge zu leisten. War er auf der einen Seite, waren wir auf der anderen Seite dieses großen Sees.
Erst gegen Abend, der Verwalter hatte es aufgegeben, paddelten wir ans Ufer, nahmen das Floß wieder auseinander und versteckten die Kanister in nahen Gebüschen.
Dann liefen wir auf Schleichwegen, die wir besser kannten als der Parkverwalter, mit den gefangenen Fischen nach Hause.
Schlimmer war unser Treiben, wenn wir die im Bürgerpark herumliegenden Munitionsreste, die von den erbitterten Kämpfen um Bremen noch herumlagen, aufsammelten.
Das waren dann Gewehrmunition und Kästen mit verschiedenen kleinen Säckchen Pulversorten, die für Sprengungen vorgesehen waren.
Wir brachen mit einer Zange die Kugeln aus den Patronen und sammelten das Pulver.
Als wir versuchten, das Pulver anzuzünden, stellten wir fest, dass es nur einfach schnell verbrannte und nicht explodierte. Später lernte ich als Sportschütze den Unterschied zwischen diesem Nitro-Cellulose-Pulver und dem explosionsartig verbrennenden Schwarzpulver kennen.
Dasselbe Ergebnis hatten wir bei den verschiedenen Pulversorten.
Wir stellten mit diesen Überbleibseln des Krieges viel dummes Zeug an, was ich mir erspare zu schildern.
Auch bastelten wir uns Zwillen (Steinschleudern), wofür wir Muttis Nähkasten plünderten, um die Gummibänder zu bekommen, und schossen damit auf alles Mögliche. Leider auch auf Tiere.
Hier ging es aber nicht um das Verletzen oder sogar Töten der Tiere, sondern einfach nur darum, die Treffsicherheit zu üben.
Außerdem bastelten wir uns einen Flitzebogen (Pfeil und Bogen), und für die Sehnen hatten wir ja den unerschöpflichen Vorrat an Draht aus den Trümmern der Häuser.
Viele hohle Pflanzenstängel wurden zu Blasrohren, aus denen wir reife Holunderbeeren verschossen, die dann hässliche Flecken auf der Kleidung der Getroffenen hinterließen. Solches und viel mehr dummes Zeug verzapften wir, und hatten eine Menge Spaß.
Man durfte ja nicht vergessen, dass zu dieser Zeit, so unmittelbar nach dem schrecklichen Krieg, Spielzeug Mangelware war und daher Einfallsreichtum und Flexibilität angesagt waren.
So saß der alte Mann in Erinnerungen vertieft im Café, trank seinen Kaffee, paffte seine Zigarre und schwelgte in den Erinnerungen an seine Jugend.
Ja, so war es, wenn man so alt wie dieser alte Mann wurde: Die Zukunft war dann so schmal begrenzt, und meist geschah nichts Interessantes mehr. Meist lebten alte Menschen nur noch in Erinnerungen.
Nach einer längeren Pause stand er auf und folgte dem Weg am Gewässerrand entlang.
Er erinnerte sich, dass an diesem Weg auch ein Esskastanienbaum gestanden und so manchen kleinen Hunger gestillt hatte.
Nach einigem Suchen fand er den Baum tatsächlich und begrüßte ihn wie einen alten Freund.
Er ging langsam weiter und erinnerte sich, dass er als Junge hier entlanglief, aber nicht wie jetzt, langsam und behäbig, sondern meist im Laufschritt.
Dann sah er die kleine Insel, auf der damals wilde Himbeeren wuchsen. Auf die Insel gelangten die Jungen von damals, indem sie mehrere Äste ins seichte Wasser legten, das zwischen dem Ufer und der Insel floss, und dann mit Anlauf, wie bei einem Mehrschritt-Weitsprung über die im Wasser liegenden Äste auf die Insel hinüberhüpften und dann die leckeren Früchte genossen. Zudem konnte man von dieser Insel aus wunderbar angeln, ohne entdeckt zu werden.
Heutzutage konnte man bei den beiden kleinen, schon beschriebenen Brücken, die er vorher überquerte, ein Boot mieten und so das Gewässer rund durch den gesamten Bürgerpark erkunden.
Die Zeit seiner Jugend verging jedoch wie im Flug, und all diese Erinnerungen waren Schnee von gestern, wie man so sagt.
Ihm blieb nur ein bedauerliches Kopfschütteln.
Er schritt langsam einen Hügel hinauf und betrat auf der Höhe eine große Brücke, die sich Melchiors-Brücke nannte. Vermutlich hieß sie heute noch so. Auch hier gab es eine Erinnerung.
Kurz nach dem furchtbaren Krieg, unter dem nicht nur die Erwachsenen, sondern auch die Kinder sehr gelitten hatten, gab es nicht alles zu kaufen, was man wollte.
Es gab alle Lebensmittel nur auf Berechtigungsmarken.
Die Kinder von damals waren nach Süßigkeiten ausgehungert, sodass der alte Mann seiner Mutter eine Zucker-Rationsmarke stibitzte und mit seinem Freund Eduard zum nächsten Laden lief und eine große Tüte voller Bonbons kaufte.
Danach waren sie hierher unter die Brücke gelaufen und saßen dann, niemand konnte sie hier sehen, direkt am Wasserlauf und aßen all diese leckeren Bonbons auf.
Natürlich war ihnen hinterher ziemlich schlecht, aber Süßigkeiten waren so rar, dass die Kinder einen Heißhunger auf solche Leckereien nicht unterdrücken konnten.
Der alte Mann stand auf der Brücke und schaute hinab auf diesen Platz, wo sie damals die Süßigkeiten vernascht hatten.
Wieder lächelte er vor sich hin, verließ dann aber die Brücke und ging den abschüssigen Weg weiter in Richtung Tiergehege, wo heutzutage allerlei Tiere zu besichtigen sind.
Dann stand er vor dem Haus des Parkwächters und erinnerte sich an Aki, den alten Kasachen, der schon beinahe siebzig Jahre tot war. Er nickte grüßend in Richtung des Hauses und sagte: „Hallo Aki, ich hoffe, dass du bei deinem Gott, an den du so stark geglaubt hast, gelandet bist. Danke für die schönen Stunden, die wir hier verbringen durften.“
Außerdem fragte er sich, wie es Eduard gehen mochte, der damals mit seinem Cousin Alex und ihren Müttern in die USA ausgewandert war. Er nahm sich vor, im Internet nach ihm zu forschen.
Durch seine Online-Recherche erfuhr er, dass Alex noch in Las Vegas lebte, aber Eduard schon mit siebzig Jahren an Krebs verstorben war.
Müde vom bereits zurückgelegten Weg und voller Erinnerungen, die ihn doch ein wenig wehmütig machten, setzte er sich auf eine Bank mit Blick auf das Tiergehege.
Er kramte wieder eine Zigarre hervor und dampfte gedankenverloren vor sich hin. Von der Anstrengung war er ins Schwitzen gekommen und zog sich seine Jacke aus und legte sie zusammen mit seiner Kappe neben sich auf die Bank.
Hier im Schatten großer alter Bäume war es angenehm kühl, sodass er sich schnell erholte. Bald er fröstelte er sogar und zog seine Jacke wieder an.
Tief in Gedanken versunken, bemerkte er gar nicht, dass eine junge Frau neben ihm stand und ihn ansah. Sie fragte mit angenehmer Stimme: „Darf ich mich zu Ihnen setzen, nehmen Sie Ihre Sachen ein wenig zur Seite, bitte?“
Jetzt war er wieder voll bei Sinnen und erschrak ein wenig, aber sein Kavalierinstinkt war geweckt.
„Entschuldigen Sie, war in Gedanken und habe Sie gar nicht bemerkt. Selbstverständlich dürfen Sie hier Platz nehmen, die Bank ist ja für alle da.“
Er nahm seine Kappe und machte der Frau Platz. Sie setzte sich und sagte: Herrlicher Platz zum Ausruhen, danke, dass ich mich neben Sie setzen darf. Es tut mir leid, dass ich Sie aus Ihren Gedanken geweckt habe.“
Zunächst schwiegen beide, bis er meinte, irgendetwas sagen zu müssen.
Sie hatte so nett nach einem Platz an seiner Seite gefragt, dass er nicht so vor sich hinschweigen wollte.
„Ich lebe, zwar mit größeren Unterbrechungen, aber seit meiner Kindheit, seit den letzten Kriegsjahren und dann danach, hier am Bürgerpark. Mein Spaziergang war voller Kindheitserinnerungen, aber für mich anstrengend, sodass ich eine Pause brauchte.“
„Ach, das ist ja interessant, ich bin heute das erste Mal hier und brauchte auch dringend eine Pause.“
„Ist ja sehr schön hier. Gab es diesen Tierpark hier schon immer? Irgendwie habe ich mich ein wenig verlaufen. Sie können mir sicher sagen, wie ich auf dem kürzesten Weg zur Parkallee komme, wo ich meinen Wagen stehen habe? Er steht auf Höhe eines Teiches auf der linken Seite, wenn man den Park betritt. Als ich zur anderen Seite geschaut habe, konnte ich auf der rechten Seite ein Häuschen sehen, das wie ein Haus in der Schweiz aussah.“
„Okay, dann weiß ich, wo ihr Wagen steht, es ist eigentlich gar nicht so weit, aber ich bin nicht mehr so gut auf den Beinen, sodass wir doch mehr als zehn Minuten dorthin benötigen“, antwortete er.
„Das macht doch nichts. Ich habe jeden Freitag viel Zeit. Anschließend besuche ich meine Großmutter im Seniorenheim, und wenn das Wetter schön ist, gehe ich gern vorher noch ein wenig spazieren.“
„Sind Sie am nächsten Freitag auch wieder hier im Park unterwegs? Ich kenne mich hier in diesem Park noch gar nicht gut aus, finde es aber schön, hier spazieren zu gehen. Würde mich freuen, Sie wieder zu treffen, denn Sie kennen sich hier gut aus und ich höre Ihnen gerne zu. Sie erzählen so interessant.“
Er wunderte sich über die direkte Ansprache, empfand es aber nicht als Anmache. War wohl so mit den jungen Menschen in der heutigen Zeit.
„Ja, ich bin am nächsten Freitag bei gutem Wetter auch wieder unterwegs, eigentlich mehrere Tage der Woche, wenn das Wetter gut ist und ich nichts anderes vorhabe. Wenn Sie wollen, können Sie sich ja anschließen“, sagte er und lächelte sie an. Jetzt sah er sie etwas genauer an, sie war wirklich eine sehr hübsche junge Frau. Sie hatte blonde, in einen Dutt gebundene Haare, eine hohe Stirn, wunderschöne blaue Augen, eine Stupsnase und schön geformte Lippen. Keine Spur von Kosmetik, die sie auch nicht nötig hatte.
Jetzt fragte sie: „Darf ich Ihren Namen wissen? Ich heiße Ortrun, wie meine Großmutter, und mit Nachnamen heiße ich Großmann. Wenn Sie wollen, dürfen Sie mich beim Vornamen nennen.“
Ist wohl so bei jungen Leuten von heute, dass sie sich sofort duzen, resümierte er still vor sich hin.
Im Alter der jungen Frau wäre das während seiner Jugendzeit ein unübliches Verhalten gewesen.
Er wollte nicht unhöflich sein und antwortete: „Mein Name ist Rolf Berlimont, Sie dürfen mich Rolf nennen.“
„Oh, ist das ein französischer Nachname?“
„Ja, mein Stiefvater stammte von den Hugenotten in Frankreich ab“, erklärte er. Vermutlich hatte sie von den Hugenotten noch nichts gehört, das Allgemeinwissen istja heutzutage nicht mehr so wichtig.
Die junge Frau schaute auf die Uhr und meinte: „Oh, es ist schon ein wenig spät geworden, ich muss aufbrechen, denn sonst wird meine Großmutter unruhig, denn sie ist es gewohnt, dass ich jeden Freitag um die gleiche Zeit zu ihr komme. Würden Sie mir jetzt den kürzesten Weg zu meinem Auto zeigen?“
„Ja, natürlich“, antwortete er und stand auf. Nach dem langen Sitzen waren seine Gelenke ganz steif geworden, was sie bemerkte.
„Lassen Sie sich Zeit, ich sehe, dass Sie Probleme haben, ich bin Krankenschwester und habe viel mit älteren Menschen zu tun.“
Aber er stand nun aufrecht und wischte diese Probleme mit einer Handbewegung beiseite.
„Wir können gehen, ich zeige Ihnen den schnellsten Weg zurück.“
Es dauerte dann nicht einmal zehn Minuten und sie standen an der Parkallee, gar nicht weit von ihrem Auto entfernt.
„Ich möchte mich sehr herzlich bei Ihnen bedanken und würde mich sehr freuen, wenn ich Sie am nächsten Freitag wieder treffen kann. Es ist schön, mit Ihnen zu plaudern. Ich würde dann so gegen vierzehn Uhr hier oder hier in der Nähe meinen Wagen parken. So allein gehe ich heutzutage nicht gern in eine Parkanlage. Man weiß ja nicht, wer sich hier so rumtreibt, und in Ihrer Begleitung würde ich mich sicher fühlen. Ich bin immer wieder fasziniert, was ältere Menschen in ihrem langen Leben so erlebt haben. Ich bin der Meinung, dass viele von Ihren Altersgenossen ein Buch schreiben sollten. Käme vermutlich so mancher Bestseller dabei heraus.“
„Okay“, antwortete er nach diesem Redeschwall der jungen Frau, „wir können uns um vierzehn Uhr am nächsten Freitag hier treffen. Was den Lebenslauf anbelangt, bin ich nicht so sicher, dass andere Menschen daran interessiert sind. Außerdem können sich die meisten älteren Menschen die Veröffentlichung eines Buches über ihr Leben gar nicht leisten. Ich habe drei Bücher veröffentlicht, ein viertes Buch ist beinahe fertig. Ich weiß, wie teuer so etwas ist.“
„Man muss schon einen bekannten Namen haben wie ein Schauspieler oder Politiker, um ein Buch kostenlos zu veröffentlichen. Außerdem haben die dann gleich die entsprechende Publicity, die Medien schaukeln das Werk sofort hoch. Ein Otto Normalverbraucher wie ich kann so schöne Bücher schreiben, wie er will: Er muss so etwas teuer bezahlen.“
„Oh“, meinte sie, „das wusste ich nicht. Was haben Sie denn geschrieben?“
„Erzähle ich Ihnen am nächsten Freitag, außerdem können Sie das im Internet unter meinem Namen nachschlagen. Aber jetzt fahren Sie gleich los, damit Ihre Großmutter nicht zu lange auf Sie warten muss.“
Sie stieg in ihren Wagen, einen amerikanischen Jeep Wrangler, und brauste davon.
Er stand noch eine Weile am Straßenrand und sinnierte. Was war das für eine Begegnung und was sollte er davon halten?
Sie musste wohl ziemlich einsam leben, dass sie alleine im Bürgerpark herumstreifte, und einen guten Charakter haben, dass sie anschließend ihre Großmutter im Heim besuchte. Er schätzte sie so um die dreißig Jahre.
Warum hatte sie keinen Freund? Oder hatte sie negative Erfahrungen gemacht und wollte im Augenblick keine neue Beziehung?
Er beschloss, ohne irgendwelche Hintergedanken, sich ein wenig um sie zu kümmern, wenn sie es denn wollte.
Aber das würde er ja schon schnell feststellen, denn sie könnte ja jederzeit diese Situation beenden. War das eine harmlose, aber doch interessante Beziehung zwischen zwei vom Alter her so unterschiedlichen Menschen?
Langsam schlenderte er den Weg zurück in den Park, den breiten Fahr- und Reitweg am Schwanenteich entlang in Richtung Parkhotel.
An einer dann folgenden Wegkreuzung bog er rechts ab und schlug einen Weg ein, der ihn am sogenannten Schweizerhäuschen vorbeiführte.
Dort war vor dem Haus zu dieser Jahreszeit die ganze Wiese mit Millionen von Krokussen bedeckt. Wenn man so still dort stehen blieb, konnte man das durchdringende Geräusch der ebenfalls Millionen von Insekten hören, die sich am Nektar der Blüten labten.
Heutzutage fehlte dieses Geräusch, denn die Landwirte hatten beinahe alle Insekten, die für die Natur und die Vögel so lebensnotwendig waren, mit ihrer Giftmischerei getötet.
Er ging schweren Schrittes weiter und bog dann wieder rechts vom Hauptweg ab und gelangte auf einer kleinen Anhöhe zu einem Platz, auf dem Bänke zum Verweilen aufforderten. Hier konnte man das weite Gelände bis zum Schwanenteich überblicken. Er setzte sich auf eine der freien Bänke, kramte seine Zigarrenschachtel hervor und zündete sich eine weitere seiner Lieblingszigarren an.
Nun konnte er sich von dem doch für ihn weiten Weg, den er mit der jungen Frau und jetzt wieder von der Parkallee hierher zurückgelegt hatte, erholen.
Es dauerte nicht lange, dann kam ein ebenfalls schon ins Alter gekommener Mann schnaufend den Hügel herauf und fragte dann, als er stehen blieb: „Darf ich mich zu Ihnen setzen?“
Unser alter Mann überlegte einen kleinen Augenblick, weil er sich nicht sicher war, ob er Gesellschaft haben wolle oder nicht, stimmte dann aber zu.
Der Neuankömmling setzte sich stöhnend hin und meinte, man solle eigentlich gar nicht so alt werden, denn damit habe man nur Probleme. Die Knochen wollten nicht mehr so, und die Luft fehle einem bei der geringsten Anstrengung.
„Aber Ihnen scheint es ja noch gut zu gehen, denn Sie rauchen ja noch, das habe ich schon längst aufgegeben.“
„Übrigens, mein Name ist Kuhlenkampf und ich wohne hier in der Parkallee, ich habe Sie vorhin mit einer jungen Frau laufen sehen, ist das Ihre Enkelin?“
„Mein Name ist Berlimont, ich wohne auch in der Parkallee. Und nein, die junge Frau ist nicht meine Enkelin, sondern eine Zufallsbekanntschaft, die sich ein wenig im Park verlaufen hatte. „Ich konnte ihr aus der Patsche helfen.“ „Berlimont sagen Sie?“, fragte der Neuankömmling, indem er den Namen gedehnt aussprach.
„Ich dachte, dass ich den Namen schon einmal gehört hatte, aber ich habe vergessen in welchem Zusammenhang.“
Aber damit war die Neugierde des Neuankömmlings nicht befriedigt.
Jetzt fragte er weiter: „Wo wohnen Sie denn in der Parkallee, ich habe Sie sonst noch niemals hier in der Gegend gesehen.“
Er sah unseren alten Mann fragend an und beugte sich ein wenig näher, denn er schien schwerhörig zu sein.
„Ich bin bis auf einige Jahre Abwesenheit mein ganzes Leben hier gewesen. Ich wohne in der Hausnummer 133 zur Untermiete. Ich bin Witwer und lebe alleine.“
Jetzt wurde es ihm mit der Neugierigkeit doch ein wenig zu viel, denn er war es nicht gewohnt, sich so ausgiebig zu unter- halten.
Was hatte er eben gedacht? Die Unterhaltung mit der jungen Frau hatte er doch genossen?
Er stand auf, entschuldigte sich, er habe noch einiges zu tun, und sagte: „Auf Wiedersehen“, ging dann den Hügel hinab in Richtung Parkallee.
An einer weiteren Wegkreuzung bog er doch noch einmal auf einen anderen Weg, den er ebenfalls bestens aus seiner Lehrzeit kannte.
Mein Gott, wie lang ist das schon her?
Damals ging es in seinem „Elternhaus“ ziemlich ärmlich zu, denn sein Stiefvater war inzwischen verstorben und seine Mutter musste wegen ihres Gallenleidens Diät halten.
Er dagegen hatte immer Hunger auf etwas deftigere Kost. So kam es dann, dass er sich von seinem ersten Lehrlingsgehalt, er durfte von den 25 DM per Monat Lehrlingsgehalt 5 DM als Taschengeld zur freien Verfügung abzweigen, einmal im Monat zum Feierabend eine Dose Ölsardinen und ein Brötchen kaufte.
Mit diesem Schatz ging er auf dem Nachhauseweg in den Bürgerpark, zu dieser Bank, an der er jetzt vorbeikam. Dort setzte er sich damals hin und verzehrte genüsslich den Fisch mit einem mitgebrachten Löffel und dem Brötchen zum Auftunken des Öls.
Als er nun an dieser Bank vorbeikam, konnte er ein Grinsen nicht unterdrücken, setzte sich hin, und die alten Bilder standen in seinem Geiste auf.
Ja, so ist es, je älter man wird, umso mehr lebt man in der Vergangenheit, und oft amüsierte er sich, wenn die Erinnerungen ihn heimsuchten.
Als er da so saß, zog es ihn noch nicht nach Hause und er zündete sich eine weitere Zigarre an und verbrachte noch ein paar Minuten an diesem für ihn so bekannten Platz.
Dann aber, seine Zigarre war geraucht, erhob er sich mühsam und trödelte gedankenverloren in Richtung seiner Wohnung.
Er bereitete sich, nachdem er sich etwas frisch gemacht hatte, sein Abendessen, sah ein bisschen fern und war an diesem Abend bald im Bett verschwunden. Der Tag hatte ihn doch sehr angestrengt.
Die kommende Woche verging schnell, und komischerweise freute er sich ein wenig auf den Freitag.
Er nannte sich einen Narren, als er am Freitagmorgen schon früh wach wurde und bald vor dem Spiegel stand und sich gründlich rasierte.
„Was soll der unnötige Aufwand, ich rasiere mich doch üblicherweise nur jeden zweiten Tag undich habe mich doch gestern schon rasiert,“ dachte er bei sich.
Er war dann aber schon fertig und bereitete sein Frühstück.
Nach dem ausgiebigen Frühstück saß er in seinem gemütlichen Sessel und las ausführlich seine Zeitung.
Es war eine Wirtschaftszeitung. Die Bremer Tageszeitung verabscheute er, denn sie enthielt zu viel linkes Gedankengut, und die Kommentare waren entsprechend.
Er meinte, dass eine Zeitung sich solcher Kommentare enthalten müsse und nur die Nachrichten berichten solle.
Immer war er traurig, dass seine geliebte Heimatstadt wirtschaftlich und in allen anderen Bereichen so abgerutscht war und die rote Laterne seit siebzig Jahren vor sich hertrug.
Aber, so meinte er, die Leute sind einfach nicht bereit, von ihren Gewohnheiten abzuweichen und umzudenken. Man brauchte doch nur alt genug zu werden, um zu lernen, dass Sozialismus noch nirgends auf der Welt für die Menschen Gutes brachte.
Er verglich die Bremer SPD-Wähler mit den Trump-Wählern in den USA. Und was der für Dummheiten macht, hört man ja jeden Tag, hoffentlich bricht der nicht wieder einen Krieg vom Zaun.
