PAULZEIT - Roland Menzel - E-Book

PAULZEIT E-Book

Roland Menzel

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Beschreibung

Kurz und bündig -EXPOSE - Roman "Der Wanderer" Eine Erzählung von Paul, seiner Familie und seinen Freunden, für Frauen und Männer, die am Ernst des Lebens schon mal geschnuppert haben. Ein Mann, so Mitte Vierzig, der im Leben nicht aufgibt, den Humor nicht verliert und dann und wann auch etwas tiefsinnig wird. Liebe, Leben und Beruf sind voller notwendiger Entscheidungen und Wendungen, und da tut sich Paul nicht immer so leicht. Frauen sind zwar sein Ding, aber da läuft es eher sonderlich als erfreulich. Paul ist recht vielseitig, aber eher faul. Sport ist auch ein Thema, aber ein wenig fehlt es da an Disziplin. Doch wenn es im Leben eng wird, ist er da. Die Vergangenheit war auch nicht gerade sein Freund, aber Paul hat Freunde und Freude am und im Leben. Man begleitet Paul so ca. 1,5 Jahre seines Lebens und wird eigentlich auch zum Ende der Geschichte neugierig, wie es bei ihm und seinen Freunden so weiter geht. Die Hauptfigur ist Paul, doch auch seine Freunde, Werner und Frank, zeigen sich in verschiedenen Situationen immer wieder. Dore, Ling und einige Freundinnen von Paul fügen sich ebenfalls in Pauls Erlebnisse ein. Pauls Eltern und seine etwas zickige Halbschwester Sylvia halten sich eher aus Pauls Leben und Entscheidungen raus, aber wenn mal gesprochen wird, hört Paul zu. Paul pendelt zwischen seinem Wohnort und dem Campingplatz der Eltern, der in Holland an der See ist, hin und her. Da wie dort lebt er sein Leben und gerät immer wieder in ungewollt witzige Situationen, die für Paul nicht immer so witzig sind. Wenn Paul zuhause ist, hängt er häufig mit aber auch ohne seinen Freunden, im Lumba, seinem Stammcafe rum. Seine Damen, die er teilweise durch Partnerbörsen findet, trifft er natürlich auch im Lumba. "Wanderer sucht neue Wege" ist sein Text, und der funktioniert. Paul arbeitet als Reifen-Verkäufer und landet dann aber im Arbeitsamt, wo er aber nicht lange bleibt.

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Seitenzahl: 310

Veröffentlichungsjahr: 2015

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Roland Menzel

PAULZEIT

Über das Leben, Lieben und Leiden von Paul und den Seinen.

 

 

 

Dieses ebook wurde erstellt bei

Inhaltsverzeichnis

Titel

Vorwort :

Inneres und Tatsächliches

Initiative

Ordnung

Seelenöffnung

Glaubhaftigkeit

Mediale Flucht

Neuer Schwung

Urlaub

Zuhause

Cynthia

I´ll be back

Körper und Geist

Werner

Frank und Sieglinde

Vor den Feiertagen

Die Feiertage in Holland

Die Feier

Silvester

Frohes Neues

Schnee am Morgen bringt Kummer und Sorgen.

Die Rückreise

Wieder zuhause

Die Leiden des Werners

Schichtgeplänkel

Roswitha und Wilma

Sport mit Freunden

Tschau Daggi

Entspannung

Juni

Träume sind Schäume

Hormone

Polterabend

Der Held

Brandschaden ist nicht Brandschaden

Neue Freunde

Bäumchen Wechsel Dich

Der Segeltörn

Los geht’s oder so

Nordsee bei Nacht

Die Party

Noch mal Nordsee

Große Pläne

Und jetzt ?

Der Wanderer II

Zeit für Entscheidungen

Kim und Co.

Gäste

Und wieder neue Wege

Die Preisverleihung

Die Wege der Kunst

Gräfin Lydia von Bergenhof

Das Brötchen -Date

Männer bleiben stehen, auch wenn Panzer kommen!

Auch Frauen können Freunde werden

Dinge ändern sich

Ernste Worte

Reden hilft nicht immer

Und dann noch Ping

Mal wieder ernste Worte

Geht doch

Nachwort:

Nicht vergessen!!! :

Impressum neobooks

Vorwort :

Eine Erzählung über das Denken und Handeln von und mit Paul. Eine Geschichte über das meist humorvolle Lieben, Leben und Leiden von Paul und den Seinen. Häufig zum Schmunzeln und dann und wann zum Nachdenken.

Männer sind eben immer wieder mitten im Leben und wollen damit niemals aufhören.

Paul auch nicht!

Inneres und Tatsächliches

Bin im vierten Monat der Trennung.

Ok – mal wieder.

Ist also noch alles recht frisch, aber man bekommt wieder Luft und erkennt so langsam auch wieder seingeschlechtliches Gegenteil.

Ok – noch nicht im Detail. Gerüche und Lüste sind noch in zeitlich unbestimmter Ferne.

Erst war die „Es wäre besser wir sehen uns mal eine Zeitlang nicht- Phase“, aber das war natürlich nichts anderes als ein blöder Spruch von Susanne. Die Arbeitswelt nimmt auch wieder Realität an, und der alte, gewohnte Tagesrhythmus mit Susu (Susanne) geht so langsam zu einem Singleleben über – so langsam.

Mit 41 geht das ein wenig langsamer als in den 20ern meines Lebens, aber da war es auch schon eine Quälerei.

Und dann auch noch, mal wieder, eine finanzielle Tiefphase, ohne ein erkennbares Ende.

Es kommt eben immer alles zusammen.

Eines folgt dem Anderen, und das, ohne sich irgendwie anzumelden. Oft verändern sich die Dinge um einen herum, und wenn sie wieder so sind, wie sie waren, weiß man erst, wie gut oder eben angenehm sie waren. Bei Susu und mir wird sich wohl nichts mehr ändern. Wichtig sind nun Regeln, denn Wichtigkeiten verlieren bei mir sonst schnell ihren Sinn.

Eine Regel wäre erstmal: Aufstehen und keine Depris mit durch den Tag schleppen!

Aber wie gesagt, mal wieder Seelenschmerz, da kommt man ein wenig in Übung - denkt man.

Wie es einem geht?

Was für eine Frage!

Na, gut natürlich, und das unabhängig von den wirklichen Umständen.

Immer nach vorne schauen!

Aber der von Rechnungen bedrängte Briefkasten hilft da nicht so recht. Trotz allem werde ich mich, zum Ablenken oder so, nach einem Weibchen umschauen. Für die Verkürzung und Veränderung der Leidenszeit ist das ein wahres Wundermittel.

Eine Annonce scheint mir ein guter Start dafür.

Initiative

„Ein Wanderer sucht neue Wege.“

Wohl nicht der Beste aber sicherlich der kürzeste Text einer „Er sucht Sie“-Annonce. Dreiundzwanzig Zuschriftenin der ersten Woche! Da bin ich eine Weile mit beschäftigt.

Bei einer brauchbaren Restmenge, pro Annonce, von vier bis fünf Zuschriften, meiner Bewerberinnen, reicht eine erneute Annonce alle vier bis fünf Monate – denn Kennenlernen dauert eine Weile – darf aber auch nicht zu teuer werden.

Das muss geplant und organisiert werden.

Von wegen: annoncieren ist zeitsparend.

Da benötigt man eine Grundorganisation, auf der man dann aufbauen muss.

Datieren, Listen und Bewerten sind nur die groben Punkte für den endgültigen Erfolg – denke ich.

Doch bevor man analysiert und studiert, muss erstmal der Wanderer erkannt und definiert werden, denn da kommen mündliche und schriftliche Fragen und darauf sollte man vorbereitet sein.

Nun ist Ehrlichkeit zu sich selbst angebracht, doch man sollte wissen, was einen weiter bringt und was erstmal auf den richtigen Moment warten sollte.

Nur nicht die Damen verwirren!

Also, da fertige ich dann erstmal ein persönliches Infoblatt für meine begeisterten „Wanderer-Damen“ an.

Der Wanderer:

Meine Eltern nannten mich meistens Paul.

Bin 41 Jahre alt und am 2.11.1968 im Zeichen des Skorpions geboren.

Es wird behauptet: „Braune Augen sind gefährlich aber in der Liebe ehrlich“.

Ich schaffe es, ein Gewicht von 95 Kilo auf die Waage zu bringen und bei gestrecktem Körper erreiche ich 1,76 Meter.

Bis Anfang 30 war ich recht sportlich, aber dann eher gut beweglich.

Beruflich gibt es Vieles, aber wie mit den Mädels: nichts von dauerhaftem und greifendem Erfolg.

Eine psychische Ursachenforschung hätte sicherlich so einige Ansatzpunkte an meiner Person, aber sicherlich auch bei meinen ex Lebensbegleiterinnen.

Ich bewohne eine 2,5-Zimmer-Wohnung im EG – mit Gartennutzung.

Meinen Lebensunterhalt sichere ich derzeit mit dem Aufwand einer 5 Tage Woche, als Angestellter, mit dem Verkauf von Reifen.

So, das reicht für eine „Wanderer-Grundinfo.“

Offiziell denke ich, dass ein Körpergewicht von 85 Kilo genug ist, und den Reifen-Job stelle ich auch erstmal hinten an.

Die Formulierung meiner Erstreaktion auf die Annoncengirls werde ich – nach Notwendigkeit und Neugierde der Damen – dem erkennbaren Verlangen meiner „Beute“ anpassen.

Die letzten Tage und Wochen waren gefüllt von Leere, nichts an dass ich mich später erinnern werde.

Aber nicht erinnern bedeutet auch unangenehmes zu vergessen, oder besser gesagt: Die Dinge des Lebens etwas angenehmer zu empfinden.

Blöder Liebeskummer.

Die Zeit vergeht und die Leere bleibt.

Herr Freud bestätigt meine andauernde Trauerzeit mit einer einfachen Formel.

Beziehungszeit durch 10 bei aller Normalität, und Beziehungszeit durch 10 plus Dies und Das bei negativen Begleitumständen.

Also alles im“ Freud’schen Maßstab“.

Na fein, dann weiter!

Zähle die Monate der Trennung nicht mehr. Müsste rechnen, also bin ich wohl auch geistig so langsam ein Single.

Die Euros reichen immer noch nicht, um der Zukunft und somit dem kommenden Wochenende, entspannt entgegen zu gehen.

Bin jetzt 41, nicht jung und nicht alt, für die Rente nicht gesorgt, und das nötige Kapital, um sich zu entspannen, habe ich auch nicht erreicht. Und nun muss ich feststellen, dass es in der Vergangenheit eher einfacher war, sich mit einigen finanzstarken Workaholics in eine Richtung zu bewegen, als im gewollt kleinen Rahmen zurechtzukommen.

Es stellt sich also die Frage, ob der nun kleine Rahmen meines Lebens gewollt oder ein notwendiges Ergebnis meiner Art ist.

Da gilt es mal wieder ehrlich zu sich selbst zu sein, und die Geschehnisse der eigenen Lebensphasen – so gut wie möglich – neutral zu betrachten und zu bewerten.

Klingt eher mathematisch als philosophisch.

Aber ich denke, das Eine ist ohne das Andere für die neutrale Bewertung von Lebensphasen sonst eher armselig und irreal.

Einfacher, in einem Satz gesagt: „Vergangene Versuche, vermögend zu werden, waren gescheitert!

Mal sehen, wie es nun so weiter geht.“

Sind somit zwei Sätze – egal!

Ordnung

Muss mal Schwung in meine Zuschriften bringen.

Was da alles so zusammen kommt und wie liste ich das?

Suche ich jetzt Gleichheiten und, wenn ja, welche haben Priorität?

Wie ist das mit „Gegensätze ziehen sich an?“

Sollte man Emotionen bevorzugen oder sind diese nur wieder die Grundlage einer verwirrenden Erkenntnis, und somit ein Sicherheitsrisiko?

Die Vielfalt der Auswahl kann die Grundlage für emotionelle Fehlentscheidungen sein. Wann beendet man die Suche und wann selektiert man? Ist das alles zu schematisch?

Ich denke, es ist der Weg den es zu beginnen gilt, und das Ergebnis wird sich schon zeigen.

Kompliziere ich unnötig oder ist die Trennung und Scheidungsrate meiner Mitmenschen und mir eine Notwendigkeit für eine gesunde Strategie?

Fragen über Fragen, doch darin sollte ich mich nicht immer wieder verlieren.

Also ordne ich erstmal alphabetisch.

Ne, besser erstmal optisch, denn das Auge isst mit und wenn der Appetit dann mal gestillt ist, kann man sich ja immer noch um Geist und Seele und so was kümmern.

Denke das macht Sinn.

Wie ist es mit meiner Optik? So wegen der Sinne meiner Betrachterinnen meine ich.

Tja, Sport scheint notwendig.

So, jetzt wird geordnet.

Zehn wollen einen Obolus für Fotos oder Anderes – also weg damit, zwölf sind ohne Foto und acht haben leider ein Bild von ihrer körperlichen Pracht mitgeschickt, die mir nicht wirklich zusagt. Bleiben sieben plus die Zwölf ohne Foto, wo ich noch nachhaken muss.

Teilweise liegen die schon einige Wochen bei mir rum.

Also jetzt an die Texte, dann lesen und handeln!

Brief 1 ohne Foto :

„Wilma will mal wieder.

Ab ins Leben ohne verkrampftes Streben.

Geistige und weltliche Weiten sind meine Sonnenseiten.

Wer mich kennt, der lange an mich denkt.

Sende mir ein Stück von Dir und ich gebe Dir dann eins von mir.“

Hat sich ja in der Kürze recht bemüht, aber so ohne Fotos, na ich weiß nicht. Ist ja was dran an der geistigen Ebene, aber wenn es dann ernst werden sollte, zählen doch körperliche Bestandteile.

Denn die Wilma will ja!

Also erstmal die ohne Fotos zum Senden dieser animieren.

Da werde ich ein allgemeines Briefchen für die zwölf verfassen – was soll's.

Briefchen:

„Habe mich sehr über Deine Antwort gefreut und sende Dir noch einige Fotos von mir. Würde mich freuen, wenn Du mir ebenfalls einige Fotos von Dir sendest.

Denn im Sinn der Sinne ergibt das einen Sinn.“

So, das zwölf Mal plus Infoblatt in den Postkasten und abwarten.

Jetzt mache ich mich mal an die sieben mit Foto.

Ob ich bereits mit meinen vorgearbeiteten Eigenschaften und Einstellungen agiere oder erstmal unkompliziert antworte?

Mehr Arbeit als gedacht, werde mir mal zwei Wochen Urlaub nehmen. Habe noch einen Rest vom letzten Jahr.

Und im Betrieb ist eh ein weibliches Defizit – für mich.

Außerdem muss ich auch noch die örtlichen Treffpunkte wie Kaffees, Parks, Discos und so abklappern.

Man muss sich ja zeigen und wenn sich in meiner Briefchen-Abteilung was ergibt, wäre es recht gut zu wissen, wo man sich treffen könnte und so.

Also ab auf die Straße und die Umgebung ordnen.

Ein bisschen shoppen kann im Vorfeld nicht schaden. Kleider machen Leute, ne!?

Organisieren, organisieren denn „die Wilma will ma’.“

Mit dem Urlaub hatte es geklappt. Der Kleiderschrank ist auch etwas aufgepeppt und dann hatte ich noch einige Kaffeebuden besucht.

Zwei Tage sind wieder um und sind irgendwie verschwunden, muss erst mal wieder ordnen. Welcher Laden geht für was und was ziehe ich nun zu was an und wohin geht man mit wem.

Denke da werde ich mal wieder einige Listen erschaffen.

Muss einigen noch schreiben, und die Post wieder regelmäßig öffnen.

Ab ins Bett und dann rein in den nächsten Tag.

Blöde Träume, tststs.

Seelenöffnung

Wieder ist eine Woche um und ist irgendwie verschwunden - der Urlaub läuft. Wird Zeit die Erinnerungsstücke an Susu, zu entfernen!!Fotos, Emails, SMS, MMS, Kleidungsreste, Badezimmerkram und so.

So, da ist er wieder, der Seelenschmerz um meine Susu.

„Meine“ – hat sich was mit „meine“.

Ab ins Bett, der Tag war gar nicht da, habe erstmal alles in den Keller gebracht.

Morgenvogel fängt den Wurm oder so.

Habe den Kühlschrank vergessen, das war es dann erstmal mit dem Wurm.

Also raus zu den Menschen und Nahrung besorgen.

War fast sinnlich, die Begegnung mit der Wurstfachverkäuferin.

„Haben Sie noch einen Wunsch? Darf es etwas mehr sein?“, da fühlt man sich mal wieder ernst genommen. Hatte die Wursttüte durchsucht aber war nur Wurst drin.

Beim Bäcker war’s dann ähnlich.

Der Kühlschrank macht wieder Sinn.

So, muss in den Keller, denn ich habe die Fotos meiner Annoncenmädels mit denen meiner Ex vermischt.

Glaube, alle sind ungeordnet in einer Tüte gelandet.

Ja, so ist es – wer war wer?

Habe mittlerweile sechsundzwanzig Zuschriften mit Fotos.

Drei Fotos von den sechsundzwanzig kann ich zuordnen.

Habe aber mit fünf ein Firstdate anstehen, das wird nicht einfach.

Werde besser alle Fotos mitnehmen.

Irgendwie wird mir das Daten unbequem, aber „die Wilma will ma’“.

Werde die Annonce nicht verlängern und Geschehenes erst mal abarbeiten.

War wieder Wurst kaufen bei Frau Siebert, war wieder nett aber wieder nur Wurst in der Tüte.

„Na wie geht’s dir und bist echt 'n Netter“ – man kann das nicht mehr hören – ein Netter, da kann man ja gleich zurückschalten.

Will kein Netter mehr sein, bin jetzt Single!

Morgen um 16 Uhr habe ich mein Erstdate mit Roswitha –aus näherem Umfeld und noch unter Chiffre – im Café Lumba.

Also, erstmal die Fotos einpacken, das Buch zwecks Erkennung besorgen und wenigstens anlesen, denn sicher ist sicher.

Kaffee Lumba besuchen, wegen der Kleidung und um ein unnötiges Suchen zu vermeiden.

War nett im Buchladen aber auch nur Seiten im Buch.

Die Nacht vor meinem Erstdate verschlang sich von selbst und brachte mir einen recht erschöpften Morgen.

Der Spiegel ist am heutigen Morgen nicht mein Freund und erinnert mich an „regelmäßigen Sport beginnen.“ Ok, heute ist heute und da wächst mir kein Sixpack mehr.

Mache mich erstmal ans körperliche Gestalten und bringe mich in die nötige Kleidung fürs Lumba mit Roswitha.

16 Uhr rast auf mich zu und ich habe kein Listing für Erstsätze vorbereitet.

So, das Lumba und ich werden eins, doch bevor ich die Räumlichkeiten durchdringe, und ein Gesicht suche, das meinen Fotos entspricht, und ein Buch entdecke, das dem meinen entspricht, springt mir Britta entgegen.

Britta, die Schwester meiner Ex, Susu.

„Ey, nettes Outfit und dass du endlich lesen gelernt hast, habt 'ne Auszeit, ne? - Hast ‘n Date hier?“

„Nö, wollte was lesen aber ist mir zu voll hier.“

„Und?“

„Nix, bin weg und grüß deine Schwester von mir!“

Das war es dann mit Roswitha im Lumba.

Ich hatte mich einfach nicht ausreichend vorbereitet, um solche Situationen zu beherrschen.

Ausgerechnet Britta musste meine Bahnen kreuzen, die beißt sich fest, wenn sie auch nur was zum rumquatschen ahnt.

Werde erstmal zuhause das Buch lesen.

Glaubhaftigkeit

Roswitha war echt sauer, aber einige glaubhafte Lügen hatten mein Nichterscheinen im Lumba entschuldigt.

Denke, ein erneutes Date wird möglich.

Irgendwie verrutschen mir im Moment die zwischen-menschlichen Begegnungen.

Mein Exchen hatte sich kurzfristig zu einer „Brauche meinen Grill-Aktion“ angemeldet.

Während wir den Grill im Keller suchten, war Susu die Tüte mit ihren und den Fotos meiner Briefmädels ins Auge gefallen.

Ich wäre eine Schlampe und sie hätte es immer schon geahnt.

Meine verlogene Erklärung, dass die Fotos von meinem Freund Werner sind, kam eher unglaubwürdig rüber.Also wurde ich vom „Brauchen mal 'ne Auszeit“ zum Lügner und Betrüger, und dem Grill fehlte ein Bein.

Na ja, war eh schon ein Single und dazu seit heute Morgen noch arbeitslos. Mein Schreibtisch in der Reifenfirma war wohl gestern Abend vom Feuer nicht verschont worden.

War irgendwie ein blöder Tag, werde morgen mal zum Arbeitsamt gehen.

Ob ich meine Briefmädels darüber informieren sollte?

Besser erstmal nicht – Lügen haben zwar kurze Beine, aber die Wahrheit schlagen sie einem dann möglicherweise ganz weg. Und 'ne Lüge wird erst eine, wenn man zur Wahrheit Gegenteiliges behauptet.

Und dann sprach das Arbeitsamt.

„Grundgehalt“ war das Zauberwort für die Erkenntnis meines weiteren finanziellen Absturzes.Und alles wurde mir von Lydia erklärt, und die war zudem eine echte Augenweide. Aber ihre Wortwahl war eher gleichgültig und unlieb.

Ok, – Arbeitsamt ist Arbeit.

Auf jeden Fall wusste ich, wo ich Lydia treffen konnte. Zimmer 334 im dritten Stock.

Bei meinem zweiten Treffen mit Lydia stellte sich heraus, dass mein Arbeitslosengeld von recht kleiner Menge ist, und ein Treffen mit Lydias Arbeitskollegin unvermeidlich wäre. Also ab in den ersten Stock, Zimmer 184, Hartz 4 Abteilung.

Und da war sie: Dagmar.

Schön, dass wir uns kannten und beide das nicht so toll fanden. Dagmar war „die Dicke“ aus dem Erdgeschoss bei Susu.

Die letzte Begegnung im Wäschetrockenraum schoss mir in den Kopf und Daggi gab mir recht abweisend meine Unterlagen.

Meine weiteren Besuche beschränkten sich auf Daggi im ersten Stock, und in den dritten zu Lydia führte nur eine Treppe die für meine Ziele nicht bestimmt war.

Treppen dieser Art scheinen sich bei mir zu häufen.

Mediale Flucht

Im Lumba hatte ich noch einen Dateversuch aber auch Daggi war mit einigen Leuten da und stichelte komisch rum. Das war für mich ein deutliches Zeichen, dieses Gebiet erstmal zu meiden.

Es gibt ja genügend andere Lokalitäten in unserem Städtchen, wo ich mich absolut unwohl fühle.

In den letzten Tagen gehe ich häufig in den Stadtpark.

War ja schon immer für die Natur, und Mengen an sympathischen Mitmenschen war ja nie so mein Ding.

Schwimmen gehe ich nun auch – im Baggerloch.

Dass mein Körper mir ein wenig entgleitet, scheint sich mit meiner allgemeinen Entwicklung zu vereinen.

„Die Dicke“ sehe ich dann und wann im Amt, und ob ich will oder nicht muss ich erkennen, dass Daggi mehr und mehr in Figur kommt. Habe das Gefühl, sie lässt mich das spüren.

Susu hat einen Neuen und Lydia aus dem Dritten küsst am Baggerloch fremde Kerle.

Also, alles läuft und ich schaue zu.

Mit vier Damen tausche ich mich immer noch schriftlich aus. Meine „Wanderer sucht neue Wege“ - Aktion hatte mir im Nachhinein 140 Euros gekostet – steht im Mahnverfahren.

Gut das ich den Dienstlaptop und mein Diensthandy immer privat nutze und somit vor dem Feuer gerettet hatte.

Hatte mich bei Facebook eingegliedert.

War schon sonderbar, was und wer sich da so alles gemeldet hatte.

Habe bereits sieben Freunde und beschäftige mich mit einigen PC-Spielen.

Ist eben eine Aufgabe.

Schaue schon mal bei Susu rein. Nix was auf mich deutet.

Daggi vom Amt aus dem Ersten ist auch bei Facebook und selbst ein Badedress steht ihr mittlerweile, – tststs – „die Dicke“.

Ist irgendwie nicht mein Ding das mit dem chatten und Bildchen senden im Netz, aber stöbere da und dort in den meist weniger geistvollen Kommentaren und den doofen Bildchen – ist ganz ok.

Handy - mäßig bin ich wohl was hinterher, denn „WhatsApp“ und so was geht bei mir nicht.

Da braucht man wohl ein Smartphone oder so.

Dass man Pornos im Netz kostenlos anschauen darf, ist ja auch 'n Ding.

Kenne da zwar niemanden, aber egal.

Neuer Schwung

Mann soll es nicht glauben, aber in meinem Briefkasten war Post vom Arbeitsamt und die hatten ein Date mit Lydia im Dritten, Zimmer 334 für mich klar gemacht.

Mal wieder geduscht und nett gekleidet war ich wie verabredet gegen 8:30 Uhr dort.

Und da war sie, Frau Wagner, die Urlaubsvertretung für Lydia.

Sie überzeugte mich, von meinen gewohnten Bürotätigkeiten auf einen Lagerjob umzusatteln, also auf nach „Brotmanns“.

Vom Amt aus fuhr ich wie gewünscht direkt dort hin.

Hier war man sich schnell einig.

Leichte Lagertätigkeit, erstmal auf 400 Euro Basis.

Arbeitsbeginn ab sofort.

Spätere Festanstellung möglich.

Mein Vorgesetzter war 26 und hatte Strähnchen.

Herr Partinski.

Wir hatten aber auch gar nichts gemeinsam.

Arbeit ist eben nicht Arbeit.

Man gab mir einen Arbeitskittel und eine sonderbare Kopfbedeckung aus Papier und los ging es.

Im Lager war es zum Glück warm und die Geruchswelt fand auch meinen Zuspruch.

Brötchen da hin, Brot daneben, Kuchen dort und Dies und Das hatte auch seinen Platz.

Herr Partinski war mit mir zufrieden.

Ich war weder mit Herrn Partinski noch mit diesem Lagerjob zufrieden.

Eine Woche arbeiten und dann eine Woche frei usw. ist wohl zu ertragen,aber finanziell bringt mich das weder vom Amt weg, noch nach vorne.

Werde mir was einfallen lassen müssen, um dort weg zu kommen, ohne Probleme mit dem Amt zu bekommen.

Aber als Ex-Reifenverkäufer kann ich wohl nicht die Ansprüche an das Arbeitsamt stellen, denen ich meine, gerecht werden zu können.

Habe nächste Woche, wie jedes Jahr, Geburtstag und denke mir irgendwie was zu gönnen.

Da ich in den letzten Tagen einige vergessene Handtaschen und einiges an Modeschmuck von meiner Ex bei eBay verkauft hatte, konnte ich mit Unterstützung meines Dispo 350 € investieren.

Große Sprünge konnte ich nicht machen, aber es fand sich was. Und so lockte mich der zwei-Wochen-Rhythmus meines Brotjobs in einen vom Arbeitsamt ungenehmigten 5-Tage-Urlaub nach Malle.

Nachsaison für 250 Euros, All-In und satte 100 € Taschengeld.

Köfferchen packen und ab in die Sonne des Südens.

Ich freute mich auf Natur und Körperwelten.

Urlaub

1. Tag

Den Flug fand ich nicht so lustig wie die grölende Menge im Flieger, und die zweistündige Busfahrt zum Hotel war auch nicht so mein Ding. In meinem Hotelzimmer fand ich mich schnell zurecht.

War eben zum Schlafen gedacht.

Ich hatte noch eine Weile auf die Putzfrau gewartet, doch wie es schien, war sie wohl schon da gewesen.

Immerhin habe ich einen Balkon, der größer ist als mein Zimmer, mit Discoblick.

Na denn – Gute Nacht.

Aber was soll’s, ich bin auf Malle und die Nacht wird sicherlich zu meinem Freund werden.

So, wenn ich mich jetzt was beeile, kann ich das Mittagsbuffet noch mitnehmen.

Aber wie es schien, hatten das schon andere mitgenommen.

Was soll’s, Brot und Ketchup war ein Anfang.

Wohl gestärkt ging ich zum Strand und besorgte mir noch was zum Einreiben.

Als ich nach einer halben Stunde am Strand angekommen war, ging es mir dann nicht so gut, nachdem ich meine Luftmatratze aufgeblasen hatte. Die spanische Sonne tat in Verbindung mit meiner Bräunungscreme wahre Farbwunder, aber etwas fleckig.Den Unterschied von Bräunungscreme und Sonnenmilch erklärte mir einer der Kettenverkäufer und ein Strandkorbverleiher, der mich dann noch aus dem Schatten des Korbes vertrieb.

War nach meinem Schläfchen recht hilfreich aber ein wenig spät. Ich war fleckig und leicht angebrannt.

Mit neuer Optik bin ich zurück zu meinem Balkon - am Abendbuffet gab es noch Brot und Ketchup.

Irgendwie fehlte mir noch das Timing für meine All-In Buchung. Also ab aufs Zimmer und fit für den Abend machen. Konnte waschen wie ich wollte, doch die Körperflecken blieben.

Aus finanzieller Bescheidenheit wollte ich am ersten Abend die Nacht im Hotelbereich verbringen.

Irgendwie geschwächt war ich was eingeschlafen und betrat den Veranstaltungsbereich des Hotels so gegen Mitternacht.

Bingo war gerade vorbei und die Flamencotänzer weg und Getränke waren für heute All-out.

Was nun?

Ab in die Menge und meine 100 € Taschengeld anbrechen?

Nö - not yet.

Also zurück auf den Balkon mit Zimmer, was trinken und den Schlaf suchen.

Trinken erledigte ich mit meinen gewärmten Wasserreserven und einem Gläschen aus dem Wasserhahn.

Schlafen war nur mit dem Eintritt absoluter Schwäche möglich, eben Discoblick.

2. Tag

Um 9.15 Uhr öffnete ich – mit Unterstützung der Lieferanten und der örtlichen Müllabfuhr und so – meine Augen und begann den zweiten Tag meines Urlaubes.

Das Frühstücksbuffet war von 8.00 Uhr bis 9.30 Uhr.

Brot und Ketchup gab es nicht mehr.

12.00 Uhr bis 13.30 Uhr war die nächste Chance!

Komme was wolle, da bin ich dabei.

Erstmal an die Bar und trinken!!

Jetzt wurde es etwas ernüchternd, denn All-In war ohne nicht-alkoholische Getränke.

Kaffee, Wasser, Cola und Limo 2 €.

Also Sangria, Lumumba oder andere seltsame Longdrinks, da wo die Menschenschlangen stehen.

Werde mal ins Städtchen gehen und ein Fläschchen Wasser besorgen, aber erstmal zurück in mein Zimmer, denn in meinem Bauch grummelt es sonderbar. Glaube das Kranwasser von gestern Abend war keine so gute Idee.

Irgendwie ging es mir nicht so gut, und Durst war nicht das was mir half. Aber das Bad verlassen wollte ich so schnell auch nicht. Sobald das möglich ist, werde ich eine Apotheke und Wasser suchen.

15:00 Uhr, mein Schläfchen war vorbei aber die All-In Möglichkeit zum Futtern war ebenfalls vorbei.

Also fügte sich Hunger zu Durst.

Aber was soll’s, der Tag war noch jung und trotz der folgenden zwei Stunden im Bad war ich guter Dinge.

Ziemlich erleichtert, und das im Sinne des Wortes, bewegte ich mich gegen 18:00 Uhr Richtung Apotheke und Supermarkt.

In der Apotheke musste ich feststellen, dass es Spanier gibt, die weder Deutsch noch Englisch sprechen möchten.

Bin mir nicht sicher, ob der ein Rassist war oder extrem humorvoll.

Die Lacher beim Erklären meiner Not hatte er auf jeden Fall auf seiner Seite.

12,80 € war ich denn auch für Tablettchen los, - na wenn's hilft. 9,20 € für einen 5 Liter Wasserbehälter war das Günstigste, was ich in dem Superlädchen fand.

Ok, 2 € Pfand.

Aus den 5 Litern machte ich schnell 3,5 Liter und da wurde meineEntscheidung für wohin nun schnell deutlich. Hatte mich gegen Abend noch kurz zum Bingo gesellt, aber das war es dann auch für heute.

Hunger war noch ein Problem, aber eher das kleinere.

Die Tablettchen und meine 3,5 Liter Wasser begleiteten mich durch die Nacht, und gegen 5:00 Uhr war auch die Disco zu.

3. Tag der 2.11.2010

Herzlichen Glückwunsch Paul!

Gegen 6:00 Uhr waren die letzten Schreihälse von den Straßen verschwunden, und die Reinigungsfahrzeuge sowie die LKWs zur Anlieferung hatten freie Bahn. Von meinem Balkon aus konnte ich die ersten Schatten

sehen – ein Sonnenaufgang wie man Ihn sich wünscht, wenn man ihn sehen kann.

Gegen Mittag erkannte ich wieder den Tag und bemerkte was ich alles nicht eingepackt hatte, dies und das (15 Kilo max.!!), aber ein Wecker war eben nicht dabei!!

Ich muss was essen!

Mein Urlaubsgeld war bei 78 € plus 2 € Pfand, da stand mir die kulinarische Welt der Spanier nicht sonderlich offen.

Für das Frühstücksbuffet war es natürlich zu spät, aber 12:00 Uhr bis 13:30 Uhr, das schaffe ich. Ist erst 13:10 Uhr!

Also anstellen und warten, die Schlange verkürzte sich nur zäh. Ich war am Ziel, und das war Brot und Ketchup – noch mal Glück gehabt.

Hinter mir waren noch andere Hungrige und denen schien es gar nicht zu gefallen, dass ich ein Brot entführte.

Ich hörte hinter mir: Unverschämt, Lunchpaket und typisch deutsch. Im Augenwinkel erkannte ich noch, dass einige Hungrige mit Hotelangestellten sprachen und auf mich zeigten. Ich versteckte mein Brot und mich im Hotel-WC. Wie ich schnell hinter verschlossener Toilettentüre bemerkte, war hier ein reger Betrieb, doch wenn die Damen im richtigen WC waren, war ich wohl falsch. Ich entschloss mich einen Moment der Ruhe abzuwarten und dann raus hier, aufgefallen bin ich schon genug. Ich hörte Dinge und Laute, die ich nicht hören wollte. Mein Sinn für Erotik war eh angeschlagen, doch nun zerbrach er förmlich.

Gegen 15:00 Uhr wurde es ruhiger, und mein halbes Brot und ich huschten vom Damen WC schnellstens in den Aufzug.

Wieder auf meinem Balkon mit Zimmer angelangt, musste ich feststellen, dass die Putzfrau wohl mein Gemach besucht hatte. Das erkannte ich aber lediglich am neuen Toilettenpapier und der fehlenden 5 Liter Pfandflasche.

So, 78 € Restgeld und ein Stück Brot – der Tag war ja noch jung. Also, ab an den Strand. Mit putzen hatte meine Putze es wohl nicht so, aber meine Kleidung lag recht ordentlich angeordnet auf Tisch und Stuhl. Ich dachte, trotz meinem minimalem Urlaubsgeld, über ein Trinkgeld für die Putze nach, doch als ich feststellte, dass in meiner ordentlich gefalteten Jeans nur noch 48 € Urlaubsgeld waren, verwarf ich den Gedanken.

Urlaubstag 3, 17:00 Uhr, 48 €, Hunger und weder Pfand noch Wasser. Mehr und mehr dachte ich an meine Gefriertruhe voller Aldi- und Lidl Köstlichkeiten. Nur noch 2 Tage !

So, Badesachen eingepackt und los. Als ich an der Hotelbar vorbei kam, fiel mir auf, dass die Longdrinkschlange unter 20 Menschen war. Nach 20 Minuten war ich an der Quelle von All-In und bestellte zwei Sangria und zwei Lumumba. Plötzlich wurde es hinter mir lauter, und es wurde deutlich, dass die Aufregung mir galt. Das ist doch der unverschämte Kerl vom Mittagsbuffet, haut sich erst die Wampe voll und nimmt dann noch ein ganzes Brot mit und jetzt vier Getränke auf einmal. Man schubste mich ein wenig und richtete meinen Blick auf ein Schild in fünf

Sprachen:

„Ein Lumumba – bitte.“

„Un Euro.“

„Bitte?“

„Un Euro.“

„Ich habe ein ALL-IN Bändchen“.

„Pfand, un Euro.“

„Ah! Muss ich holen.“

„OK, Señor – Next!“

Die Schlange war nunmehr gewohnt lang und Alkohol war eh nicht mein Ding.Mehr als flüchtige Blicke verfolgten mich auf dem Weg zum Aufzug. Ich musste mir noch Wasser besorgen -9,20 €.

Auf meinem Balkon mit Zimmer angelangt bemerkte ich, dass ich meine Schwimmtasche an der Hotelbar vergessen hatte. Schnell wieder runter! Ich machte den Fehler, dass ich direkt zur Bar ging um, nach meiner Badetaschezu fragen. Die Menge wurde nervös und fixierte sich mehr und mehr auf mich.

Ich: „Badetasche vergessen.“

Die Menge:

„Schon wieder der unverschämte Kerl.

Säufer.

Fresssack.

Spanner.“

Oh, man hatte mich wohl doch auf dem Damen-WC gesehen.

Die Tasche war weg und ich wollte auch weg.

Wenn man mich lässt.

20:00 Uhr, let's start Bingo.

Irgendwie wurde es ruhiger, als ich in die Bingo Gruppe kam.

Dass es an meinen Flecken oder meinem Outfit lag, war eine Möglichkeit, aber irgendwie hatte ich eher das Gefühl, dass man mich mittlerweile kannte. Fühlte mich missverstanden, aber die Menge hatte wohl ihre eigene

Meinung.

Ich konzentrierte mich aufs Spiel, denn es gab einen Fresskorb, Sekt, Freikarten für Strandgeschichten und Nippes.

Was ich in einem ständigem hin und her nutzte, war die freie Hotelbar, obwohl ich meinen Wasserkanister dabei hatte.

Beim achten Gläschen Mumba und ca. 30 Minuten Spielzeit war es so weit: BINGO! Ich hatte Bingo!

Dass meine Mitspieler nicht begeistert waren, war nicht überraschend für mich, aber ich hatte Ihn: den Fresskorb.

Zack nach vorne, einen ausgiebigen Drücker an die Spielleiterin, und schon glitten meine Zähne in die Salami. Den Korb fest umschlungen drang ich wieder und wieder in sie ein – in die Salami. Beim Weg zurück zu meinem Gewinnerplatz griff jemand meinen Arm und zog recht kräftig daran.

Die Spielleiterin war es, gab es noch mehr!?

Wusste man eventuell, dass ich Geburtstag hatte!?

Ihre zweite Hand ergriff meinen Fresskorb und der Gehilfe von diesem Fräulein hatte seine Hände um den Rest meiner Salami gekrallt.

„Ihnen fehlt die sechste Zahl, sie haben nur fünf!“ drang es an mein Ohr.

„Ja fünf, - wie sechs?“ stammelte ich. Selbstsicherheit sowie Unverständnis meinerseits konnte ich nicht wirklich vermitteln.

Die Menge begriff diese Situation sehr schnell und fügte sie in die Reihe der mich betreffenden optischen Täuschungen der letzten Tage.

Aus der ruhigen Seniorengruppe wurde ein wilder Pöbel, der nach Selbstjustiz lechzte. Die Menge war variabel in ihrer Wut: Spanner, Säufer, Fresssack, Dieb, Betrüger usw.

Die Spielleiterin und ihr Gehilfe zogen mich auf die Bühne und hielten die Bingomonster von mir fern. Vor dem Mikrofon erklärte man der übertrieben aggressiven Menge, dass ich die Wurst bezahlen werde

und eine neue Runde gespielt würde. Nach einigen lieblosen Zurufen beschloss man, mich aus Sicherheitsgründen vom weiteren Spiel auszuschließen.

Das war in meinem Interesse. Irgendwie sah ich in Anwesenheit des Mikrofons die Möglichkeit mich zu erklären.

Acht Lumumba hätte ich wohl zu schnell getrunken und die Geschichte auf der Damentoilette könne ich erklären.

Oh, oh – das war wohl noch nicht allen bekannt.

Die Menge übertönte weitere Versuche meiner Rechtfertigungen und bewies, dass auch älteren Menschen die Zielgenauigkeit mit Dekokram und Müllzeug nicht verloren hatten.

Also nix wie weg!

Noch 12,80 € für die Knoblauchwurst an die Spielleiterin übergeben. Hatte nur einen Zwanziger und Wechselgeld war irgendwie in weiter Ferne, also Dankeschön und tschö.

Da man von der Bar aus auch geworfen hatte, beschloss ich dort, wenigstens heute Abend, nicht mehr zu verweilen.

Bevor ich meinen Wasserkanister ergriff, traf eine Gehhilfe Diesen und machte Ihm ein Ende. Ein deutliches „DU SAU!“ von der Gehhilfen Besitzerin erreichte noch mein Ohr.

„Na toll!“ ging mir noch durch den Kopf, 20 € Wurstgeld, mein Wasser und 2 € Pfand weg. Bleiben 16,80 € für die letzten zwei Tage und den heutigen Resttag. –

Bingo!

Der Tag war nicht der meine und somit zog ich mich zum Glück leicht angetrunken auf meinen Balkon mit Zimmer zurück.

In dieser Nacht hatte ich wieder viel Zeit zum Denken, denn mein Discoblick war 1A.

Die salzigen 20 € Knoblauchwurstbisse begleiteten mich durch die Nacht und zwangen mich dann und wann an den bösen Wasserhahn.

Mit Eintreffen der Müllwagen war mir klar, dass ich den vierten Tag meines Urlaubes nicht mit dem Buffet beginnen würde, sondern den Strand besuchen und den kommenden Tag wohl in möglichster Ferne vom Hotel mit einem 5 Liter Wasserkanister verbringen würde. Es grummelte wieder in meinem Inneren, doch der Morgen war mein Freund und ließ mich einschlafen.

Nochmals herzlichen Glückwunsch Paul!

Gut, dass ich daran gedacht hatte.

4. Tag

12:00 Uhr, mein Tag begann mit der Feststellung, dass ich jetzt 42 war und meine Tabletten, gegen Magengrummeln und so, die ich im Morgengrauen noch genommen hatte, wohl ihren Dienst getan hatten. Prima!

Da ich von den Tablettchen noch einige hatte, beschloss ich als Erstes, in den Poolbereich zu gehen, und durchsuchte die Mülleimer nach leeren Flaschen, um diese mit Kranwasser zu füllen und mit an den Strand zu nehmen.

Bemerkungen anwesender Personen waren mir so was von egal!

In einem Eimer fand ich noch den Rest meiner 20 €-Wurst.

Nach einigem Zögern habe ich diese aber da gelassen, wo sie nun lag.

Meine fettigen Hände wischte ich an einem Stuhlblockierhandtuch ab.

Ein Bikinimodell, das mir am Pool entgegen kam, schlug mir vor die Schulter und meinte nur „Das ist meins, du Sau!“.

Ich sammelte meine gefundenen Flaschen wieder auf und bemerkte, dass mich soeben Daggi vom Amt geboxt hatte.

Dass sie mich erkannt hatte, war bei meinem Pflegezustand eher unwahrscheinlich, aber…

Wieder im Zimmer spülte ich die Flaschen und füllte sie mit einem Gemisch aus Tabletten und Wasser. 9,20 € gespart.

Gegen 15 Uhr erreichte ich etwas geschwächt aber doch irgendwie guter Dinge den Strand und baute mir einen kleinen Sandwall auf, um mich darin zu platzieren. Da meine Badesachen ja nicht mehr in meinem Besitz waren, sonnte ich mich in Jeans und ging auch so ins Wasser. Etwas Sonnenschutz wäre wohl besser gewesen, aber ich brauchte noch was Essbares und einen Tag musste ich noch schaffen.

Mein Wasser war recht schnell mehr als warm. Gegen Abend habe ich den Strand mit vielen optischen Eindrücken wieder verlassen und wurde von zwei leicht bekleideten sexy Spanierinnen angesprochen. Sie steckten mir eine Blume ans Hemd und redeten auf mich ein.Ich verstand eigentlich nichts, aber etwas später verstand ich, dass mein Zehner aus dem Hemd verschwunden war.

Hatte ja noch 6,80 € – was soll’s.

Daggi hatte ich am Strand gesehen und da ihr Blick mich traf, hatte ich freundlich gewunken.

War ja immerhin die ex Dicke aus dem EG im Hause meiner Ex Susu und meine Sachbearbeiterin am Amt.

War ja klar, wir sehen uns wieder.

Daggi stand mit einigen älteren Leuten zusammen, die mit ihren ausgestreckten Armen in meine Richtung zeigten – musste ja nichts bedeuten. Ich ging somit etwas umständlich, aber auf sicherem

Weg, zurück ins Hotel und auf meinen Balkon.

Beim Bäcker holte ich mir noch zwei Brötchen, 2x 60cent.

Ich verbrachte den Rest des Tages auf dem Balkon und vor dem TV. Immerhin konnte ich drei Sender schauen. Die anderen Sender hätte ich freischalten müssen, aber bei 5,60 € Urlaubsgeld war das nicht die Spur einer Idee für mich. Werbe- und Verkaufssender haben auch ihren Reiz.

Hatte aus den Eimern am Pool noch einige Zeitungen mitgenommen, denen ich nun meine Aufmerksamkeit schenkte.

Mein Schlaf traf wie gewohnt den Morgen.

5. Tag

Ich habe den letzten Tag an der Hotelbar begonnen und mich wieder und wieder angestellt – war mir so was von egal was man da und dort brummelte.

Hier war ich eh durch.

Alkohol ist wirklich nicht so mein Ding, aber am letzten Tag, da habe ich mir dann, nach einigen Lumumbas, mal so ein Eimerchen „Sangria“ in Strandnähe gegönnt. Irgendwie blieb ich beim Trinken, wie immer, allein – tja.

War wohl noch was früh (14:00 Uhr), aber mein Flieger ging um 22:00 Uhr, und zwischen 14 und 18 Uhr gab es am Sangria Stand einen 2,5-Liter-Eimer für 5 €. Essen war nicht mehr so wichtig, wie ich es dann und wann zuvor

empfunden hatte.

Natürlich hatte ich mich am „Monroe Lüfter“ positioniert.

Dann und wann kam mal ein Röckchen mit Körper über den Lüfter, und das war noch netter, als ich gedacht hätte.Eine Gruppe von männlichen Strandkörpern machte sich einen Heidenspaß daraus, die Luftströme, die die Girls umströmten mit Wasser zu unterstützen – waren wohl Bekannte oder so. Na, und dann kam sie, die weiße Pracht.Ihr Rock stand wie eine Fahne im Wind und ich, zack drauf mit dem Eimer. Doch es war nicht mein Wassereimer, sondern mein Sangria-Pöttchen. Ich vertrage eben keinen Alkohol und die gesamte Situation hatte mich irgendwie verwirrt.

Alle schauten mich an und keiner lachte so wirklich.

Die Pracht in weiß drehte sich langsam zu mir und strich sich ihr von Früchten und Sangi getränktes Kleidchen aus dem Gesicht.

Von diesem Moment an sah ich Raupen mit anderen Augen.

Ja, die Welt ist klein! Daggi stand vor mir.

Alles Weitere verlief wortlos – die Gruppe ging weiter,

Daggi wohl zurück in ihr Hotel, und ich sammelte (nach Aufforderung einiger Kellner) die Früchte vom „Monroe Lüfter“ und suchte den direkten Weg zum Flughafen.

Denke, das hat Spätfolgen für meinen nicht genehmigten Urlaub vom Arbeitsamt und so.

War ja irgendwie klar, dass ich im Flieger neben Daggi saß und meine Gesprächsversuche schon jetzt eher amtlich und auffallend wortkarg gekontert wurden.

Bingo.