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Pax, ein blinder Schäfer-Mix, hat das große Los gezogen. Er lebt komfortabel bei "Frauli", hat eine vierbeinige Spielgefährtin namens Kari und jeden Tag genug zu fressen. Das war nicht immer so. Als Straßenhund auf der griechischen Insel Kreta aufgewachsen, hat der Vierbeiner Schlimmes erlebt. Einmal wurde sogar mit Schrotkugeln auf ihn geschossen. Die Rettung naht, als er von einer Tierheim-Mitarbeiterin zu seiner neuen Besitzerin nach Salzburg gebracht wird. Dort beginnt ein neues Leben, ein wahres Dolce Vita. Aber die Vergangenheit holt Pax immer wieder ein … Die Autorin Petra Ohl erzählt aus der Perspektive des Hundes von einer Existenz, die unter schlechtesten Bedingungen begann, jetzt aber von Liebe und Zuwendung geprägt ist.
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Seitenzahl: 184
Veröffentlichungsjahr: 2021
Inhalt
Impressum 2
Vorwort 3
Ein tief yon Herzen 5
Darf ich mich vorstellen? 6
A bisserl krank 8
Anliegen 11
Aprilscherz? 14
Aufregend 18
Außenseiter? Innenseiter! 21
Bellen spricht deutlich 25
Betti Heiti 28
Blinde sehen! 31
Blutiger Samstag 34
Drei Monate 37
Erwachsenwerden 40
Festspiele oder Fest 43
Fieber 45
Freunde 48
Gastgeber 50
Geburtstag 52
Geduckt 54
Geschäftlich unterwegs 56
Grundsätzlich 59
Ich bin wer 62
In der Früh 64
Individualist 66
Käääsö 68
Kalamitäten 71
Knabberstunde 74
Knuffi-Wuffi 77
Komm-Pjuuuter 79
Königskette 82
Kopfschmerzen 84
Kuhlimuh 87
Kuscheltierchen? 89
Leberwurst-Tage 91
Männer-Spaziergang 94
Morgenfrühe 96
Pämpfff 98
Pascha 101
Pax Rex 103
Pax-Klops 105
Pellen-Ton 107
PKP 108
Regen 110
Schnee 112
Sonntags-Störung 114
Spannender Tag 117
Spielen 120
Sprachen 122
Stürmisch 123
Tischsitten 125
Üben, üben, üben 127
Überraschungen 129
Unpässlich 131
Unschlüssig 133
Unverschämt dick??? 136
Vertrauen 138
Wählerisch 140
Wahr-Nehmung 142
Wieder normal 144
Wieder Geburtstag 146
Wuff – hallo, hier ist Pax (Walter)! 147
Wunderliche Momente 149
Zentrum unserer Welt 151
Zweifel – hier und da 153
Zwischendurch Ängste 155
Delikatesse 157
Neue Freunde 159
Frisierter friedlicher Pax 161
Platter Pax 163
Pax-perte 165
Useliger Tag 167
Neuaufbruch 168
Riesenpaket 171
Schlaftag 173
Stellungs-Behauptung 175
Umzugs-Unruhe 177
Vierer-Gefühl 180
Zuwachs 182
Impressum
Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek:
Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie.
Detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://www.d-nb.de abrufbar.
Alle Rechte der Verbreitung, auch durch Film, Funk und Fernsehen, fotomechanische Wiedergabe, Tonträger, elektronische Datenträger und auszugsweisen Nachdruck, sind vorbehalten.
© 2021 novum publishing
ISBN Printausgabe: 978-3-99107-718-3
ISBN e-book: 978-3-99107-719-0
Lektorat: Susanne Schilp
Umschlagfoto: Petra Ohl;Wanchana Pittamata | Dreamstime.com
Umschlaggestaltung, Layout & Satz: novum publishing gmbh
Innenabbildungen: Petra Ohl
www.novumverlag.com
Vorwort
Wer einen Hund aus dem Tierheim bei sich aufnimmt, muss sich darüber klar sein, dass dieser neue Gefährte meistens schon seine ganz eigene, mehr oder weniger längere Geschichte hat.
Das ist zumeist eine Geschichte der Missachtung, der Verachtung, der Gewalt in verschiedensten Ausprägungen.
Man wird also zumeist keinen unbekümmerten, Pfötchen gebenden, unkomplizierten und bestens sozialisierten Gefährten erhalten, sondern eine komplizierte, ganz eigene Persönlichkeit.
Der Hund aus dem Tierheim hat zumeist schon eine unendliche, unvorstellbare Leidensgeschichte hinter sich.
Soviel Leid kann und will kein Mensch ertragen, wie diese dennoch lieben und treuen Gefährten schon ertragen mussten.
Es heißt ja nicht von ungefähr„Der Hund bleibt dir im Sturme treu, der Mensch nicht mal im Winde“. Wie wahr!Sie, mit allen mehr oder weniger komplizierten Geschichten aus der Vergangenheit, ein Recht auf Liebe und Geborgenheit.
Denn das benötigen sie, mehr als jeder andere, ganz dringend und notwendig.
Sie hingegen geben unendlich viel im vertrauten Umfeld zurück: bedingungslose Liebe und deutliche Mitteilungen.
Es heißt für Zweibeiner nur: ständige Bewusstheit, zusehen und zuhören.
Somit kann der Mensch in seiner Menschwerdung, seinem Reifungsprozess stets nur ein Lernender sein, was wohl auch seiner Bewusstheit und Reifung im menschlichen Miteinander nur förderlich sein kann.
Die missachtete, geschundene, gequälte, aussortierte und weggeworfene Kreatur schenkt ihm die Möglichkeit zur Wahrhaftigkeit!
Ein tief yon Herzen
kommender Dank geht vor allem an:
Im Garten der Finca Costoula
Dornbrach-Stoupi
Frau Sabine Weinzierl
Frau Sybille Koch
Frau Dr. Astrid Patzak-Theen
Nach Kostendeckung geht
der Gewinn zu 50 Prozent
an das Tierheim in Chania/Kreta
unter der Leitung von
Frau Costoula Dornbrach-Stoupi.
Darf ich mich vorstellen?
Mein Name ist Pax! Jaja – ich bin auch tatsächlich so ein ganz Friedlicher … schließlich bin ich ja meinem Namen verpflichtet. Meine Vergangenheit und mein genaues Alter sind selbst mir eigentlich unbekannt. Unbekannt ist mir natürlich ebenfalls, wo und mit wem ich wohl als Welpe gelebt habe.
Die Tierärztin, zu der ich an meinem ersten Tag hier mitging, meinte, ich wäre wohl so drei bis vier Jahre alt, das sähe man schon an meinen Zähnen (nun gut – einen Zahn habe ich mir abgebrochen – muss wohl so ein getrocknetes Rinderohr gewesen sein, an dem ich irgendwann geknabbert hatte).
Da offensichtlich meine Lebensgeschichte eine Reihung von Fragezeichen ist, bleiben wir am besten bei den Fakten:
Ich komme aus Chania auf Kreta. Irgendwann, irgendwo fand mich ein freundlicher Zweibeiner schwer verletzt und brachte mich ins Tierheim. Eine ehrenamtliche Tierärztin operierte aus meinem Kopf mehr als zwanzig Schrotkugeln heraus. Ich bin blind.
Schließlich blieb ich lange in dem Tierheim, zusammen mit mehreren hundert Hunden; die meisten von ihnen waren sehend und wurden manchmal auch lästig zu mir als nicht Sehendem. Aber ich wurde gut versorgt, hatte ununterbrochen Gesellschaft und manchmal kam auch Besuch zu uns.
Am Stephanitag vergangenen Jahres war dann ein Wirbel. Zu viert wurden wir reisefertig gemacht und zum Flughafen gebracht. Leider kam Costoula, die Leiterin des Tierheims, nicht mit zu unserem Ziel. Sie war mir doch vertraut, und ich hatte so manche Streicheleinheit von ihr bekommen. Aber jedenfalls: Ich hatte schon Tage vorher gespürt, dass sie sich für mich freute – warum, das wusste ich noch nicht …
In München erwartete uns zum Glück eine Freundin, die ich schon von Besuchen her kannte. Und dann ging es weiter – jetzt weiß ich, dass es Salzburg war, unser Ziel. Puh – war ich müde! Die beiden neuen Zweibeiner freuten sich spürbar riesig über meine Ankunft. Ich erkundete noch ein wenig die unbekannte Umgebung und wusste, dass ich noch Vieles lernen würde. Schließlich suchte ich mir dann beruhigt eine dunkle Ecke (dort lag ein weiches großes Kissen) und schlief ohne Angst ein.
A bisserl krank
Unerwartet und unerwünscht konnte ich mit einem Mal nicht mehr so kräftig bellen, wie ich wollte.
Meine kräftige Stimme war nicht mehr so tenoral wohlklingend, und überdies war meine markante Nase ein wenig trockener als sonst. Hmmm – und niesen musste ich, sodass immer einer meiner beiden „hatschi“ sagen musste. Aber gut: Herrli ging sofort mir zur Frau Doktor (zu allem Überfluss regnete es!). Die schaute sich kundig meinen Hals an und stellte fest, dass er so rot war, wie er sich für mich anfühlte. Da hab ich halt eine Spritze bekommen und dann Tabletten für daheim.
Nach ausgedehnten Spielen mit meiner Kleinen war mir nicht zumute … aber nach Schlaaafen … Am sicher köstlichen Mittagfressen habe ich später nur mal genippt, während Kari wie immer alles verschlungen hat. Bloß auf meine „Nur-für-dich-Pax“-Streifen vom Hähnchenfilet konnte ich doch nicht verzichten. Danach umfingen mich wieder Morpheus’ Arme, und den Mittagsschlaf habe ich mal locker ausgedehnt bis zum Abend.
Hatte ich das Mittagsfressen verschmäht (obwohl es gut roch), so habe ich das Abendfressen nicht mal ignoriert (was der stärkste Ausdruck für Gleichgültigkeit ist). Nachdem wir den Spaziergang am Nachmittag ausgelassen hatten (ich schlief ja schließlich … und werde da natürlich auch nicht geweckt), wurde es jetzt am Abend doch Zeit für mich, noch mal kurz in den Regen zu gehen. Na ja, meine Große hat mir ja auch Mut gemacht, dass wir nur kurz um die Ecke auf unsere Wiese und dann gleich wieder heimgehen würden. So war es!
In der Nacht habe ich mich zur Ruhe begeben auf dem gemütlichen Sofa im Wohnzimmer. Frauli hatte es auch vorsorglich fein vorbereitet mit einem Baumwolltuch, nicht zu warm und nicht zu kühl. Hei – war das gut! So habe ich wenigstens ruhig und ausgiebig schlafen können – man sagte mir, ich hätte gelächelt wie ein Schmunzelhase. Ich? Hase??? Soll das ein Witz sein???
Am nächsten Tag war es ähnlich wie am Vortag: Halsschmerzen, Regen, Müdigkeit, Appetitlosigkeit, keine Lust zum Spielen. Nee, nee – es gab aber morgens Leberwurst (da war wohl meine Medizin drin) und Kari bekam auch eine Kugel davon (wohl eher ohne Medizin – aber so wurde sie nicht neidisch). Mmmh – das war lecker und außergewöhnlich.
Wir sind auch an diesem Tag nicht weit gegangen – nur für die notwendigen Geschäfte. Das war mir sehr recht, und ich habe es auch von mir aus angezeigt. Das funktioniert auch ohne große Worte. Herrli und Kari habe ich auch ohne Rebellion Gassi gehen lassen nach einem wenigstens angedeuteten Widerstand.
Als sie dann endlich weg waren, habe ich nur so ganz diskret meinen Kopf am Küchenschrank hochgereckt, und Frauli wusste sofort, wo meine Interessen lagen.
Es ging ja um die berühmten „Nur-für-dich-Pax“-Streifen!
Jaaa – die habe ich mir dann auch schmecken lassen … in Maßen, aber immerhin.
Die beiden kamen ja ohnehin bald wieder, und spielen konnte ich auch schon wieder ein wenig, ohne Übertreibung.
Am dritten Tag war ich sogar schon ein wenig unternehmungslustiger beim morgendlichen Gassi-Gehen.
Es ist von unschätzbarem Vorteil, wenn man (wie ich) jeden Zentimeter kennt. Haben wohl die sehenden Zwei- und Vierbeiner schon mal alles so genau wahrgenommen?
Ich kenne alle Steine und Grashalme, weiß genau, in welcher Ecke die besten sind. Und ich kenne alle Visitenkarten, denen ich meine natürlich hinzufüge „Pax war auch wieder hier“!
Anliegen
Wenn mir so allmählich schwant, dass ich vielleicht und unter gewissen Umständen eventuell ein ganz dringendes Anliegen haben könnte, dann lege ich mich für alle Fälle schon mal ganz gemütlich vor die Wohnungstür. Der Ort ist ohnehin bedeutsam, weil man von dort aus alle Bewegungen im Haus mitverfolgen kann. So bin ich immer auf dem letzten Stand der Dinge und gestatte mir, sie hier und da zu kommentieren mit meinem Bellen. Wenn die alle wüssten, wie sanft, friedvoll und angstvoll ich eigentlich bin …
Auf freundliche Anfragen, ob ich denn nicht Gassi gehen wolle, das wäre doch „ganz gscheit“, reagiere ich erst mal gar nicht.
Nicht mal ignorieren ist dann meine Devise, nicht mal ignorieren! Aber ich höre sehr wohl … ich höre sogar zu … nur bin ich dann manchmal zu faul, da ich es ja gerne gemütlich habe – oder aber ich versuche gerade noch, es aufzuschieben. Ich als großer Manndi kann das ja. Das sieht bei dem kleinen Krokodil ganz anders aus, und Frauli muss dann alles wieder richten. Gerne macht sie das bestimmt nicht, aber immer mit ganz großer Geduld.
Na also. Ihr wisst schon, ein wenig Schonfrist gibt oder gäbe es für mich wohl, wäre da nicht das Anliegen, das sich hin und wieder doch meldet. Frauli kennt mich da schon, und nach einer ganzen Weile zieht sie einfach schon mal ihr Kleidi an und legt meines ermunternd über mich. Dann tue ich erst mal so, als wäre da nichts und lege mich wieder gemütlich hin. Tja – auf einmal finde ich dann mein Kleidi über meinem Kopf, und Frauli steckt mir sogar noch im Liegen den rechten Fuß durch mein Geschirr. Raffiniert!!!
Ich tue einfach so, als wäre ich nicht da – aber dazu habe ich keine Chance. Ich bin durchschaut, ganz klar. Sobald dann der Satz kommt „Pax, du bist doch ein gscheiter Manndi, komm Pax, sei kein Frosch“, dann bin ich schon zu meinem Glück gezwungen quasi. Und wo ich eh schon durchschaut bin in meiner Taktik, stehe ich auch flugs auf.
Rasch gehen wir dann aus unserer Wohnung … und dann setze ich mich erst einmal auf die oberste Stufe.
Erst hat Frauli mich dann immer aufgehoben. Und was macht sie nun???
Sie setzt sich einfach neben mich und suggeriert mir, wie fein es wäre, jetzt ein Laki und ein Haufi auf der Wiese zu machen – fein und gscheit!
Nun jaaa – das ist schließlich überzeugend!
Tja, gehen wir also. Wenn es ihr Freude macht – mir sowieso, weil ich ja mittlerweile ein seeehr dringendes Anliegen habe.
Wenn wir erst mal unten sind, dann lasse ich mir durchaus auch noch die Zeit herauszufinden, wer denn nun hier war: Man muss sich ja erst mal wieder orientieren und sammeln innerlich.
Den Weg kenne ich im Schlaf schon auswendig, hier kommen ohnehin immer dieselben Vierbeiner vorbei, die mich aber nicht sonderlich interessieren. Aber dann – wie ein Wirbelwind – dann geht’s zu unserer Wiese.
Wiesensollte ich besser sagen, denn ich bin ja nicht auf eine beschränkt.
So weit, so gut. Nach dem „Geschäftlichen“ habe ich ein ganz anderes Anliegen: zurück zur Kleinen zum Spielen!
Aprilscherz?
Hui – das war ja wohl ein richtiger Aprilscherz-Morgen.
Tja, dass Frauli schon ganz besonders früh wach wurde, habe ich wohl gehört. Aber ich habe mich einfach noch einmal genüsslich in meinem Bett umgedreht, weil es ja so gemütlich war. Den Duft von Kaffee habe ich wohl auch gerochen, doch welcher gescheite Hund will schon Kaffeeli trinken? Allerdings: Als ich später dann Frauli aus dem Bad kommen hörte, bin ich – schwupp – aus meinem Bett gesprungen, habe mir den Schlaf aus dem Fell geschüttelt und mich auf unsere Begrüßung gefreut. Meine Freude war natürlich doppelt, denn ich hatte jaauchein Anliegen. Zum Glück war das sofort klar. Ich habe also höflich gewartet, bis Frauli ausgehfertig war und mir mein Kleidi flink übergezogen hat. Husch, schon waren wir unterwegs. Hinter dem Haus war Fraulis Stirnlampe sehr hilfreich (ich hörte später, dass es erst kurz nach drei Uhr war). Nach dem Rasen „sprengen“ und einem kleinen Gras-Snack hatte ich gleich noch Lust auf einen kleinen Spaziergang.
Die Luft war duftig frisch, und die Straßen waren noch gaanz ruhig.
Frauli sagte mir, dass alle Leute noch schliefen. Es war richtig entspannt, so zu gehen. Niemand kam uns entgegen, kein Rad brauste an uns vorbei, kein Auto knatterte um unsere Ohren.
In den Bäumen hielten kleine Vögel ihre Morgenbesprechung ab, das war wie Musik. An keiner Stelle mussten wir besonders achtgeben und konnten ungestört laufen. Überall durfte ich natürlich „Zeitung lesen“, also erkunden, wer alles vorbeigekommen war. Das war schon spannend; manche Gerüche kannte ich ja schon (sagte Frauli auch). Fein, so haben wir beide unbeschwert eine Runde um den ganzen Block gedreht. Zum Abschluss habe ich Frauli noch einmal hinter das Haus geführt – geschäftlich, versteht sich – und dann sind wir wieder hinauf gegangen. Natürlich haben wir uns die Füßchen abgeputzt, damit drinnen alles schön sauber blieb.
Ach, ich war sooo zufrieden! Und wer so begeistert ist, hat natürlich Lust auf ein kleines Frühstück, versteht sich. Da wir uns ja so gut kennen und einander verstehen, bekam ich freilich die erhofften kleinen Geflügelwürstchen. Mjammm, da habe ich mir die Lippen genüsslich geleckt. So gestärkt fühlte ich mich gleich wieder unternehmungslustig.
Also habe ich mir meine Kuh-li-muh geschnappt und umher geschwenkt. Ob wohl Herrli auch mitspielen wollte? Ich bin mal vor sein Bett gewandert, aber Frauli sagte, er schliefe noch tief und fest. Wusste ich schon, aber das muss man doch nicht glauben – oder? Also bin ich samt Kuh-li-muh aus dem Stand elegant über ihn hinweg aufs Bett gesprungen. Dort habe ich einmal einladend gebellt, aber außer einem Raunen keine Antwort erhalten. Na ja, ehrlich gesagt, war ich ja auch eher noch ein wenig zu müde zum Spielen … gääähn.
Also habe ich halt auch noch eine Runde geschlafen, so ein gscheiter Manndi wie ich muss ja nicht schon aufbleiben, wenn alle anderen noch in Morpheus’ Armen liegen, gell? Aber es war schon ein ganz besonderer Morgen, also habe ich genüsslich vor mich hin gegrunzt (wie Frauli später sagte), also geschnarcht und mich freudig in meinem Betti geräkelt. Hier droht mir ja keinerlei Gefahr, so kann ich mich sorglos räkeln und mich dem Schlaf in die Arme werfen.
Na ja, da es ohnehin ein gewöhnlicher Dienstag war, musste ich ja nicht früh aufstehen, wir hatten keine Verpflichtungen weiter. Ich habe dann schon aus dem Hintergrund vernommen, dass Frauli und Herrli irgendwann Cappuccino getrunken haben, aber den mag ich ja nicht – ich bin mittlerweile Besseres gewöhnt. Ich habe mich einfach geschont bis zur Essenszeit.
Frauli „prüft“ mich dann immer, sagt nichts – aber öffnet dann irgendwann (immer zur gewohnten Zeit) eine gute Dose.
Na klaaar höre und rieche ich das – ich bin doch nur blind!
Ihr ahnt gar nicht, wie schnell ich dann aufstehen kann! Oh jaaa! Obwohl ich Vertrauen habe, dass Frauli und Herrli mir nichts davon wegfressen! Frauli sagt dann auch immer „Guten Appetit Pax, ist alles deins.“ Dann lässt sie mich ungestört fressen, und das ist auch gut so!
Nun ja, meine beiden haben üblicherweise ganz andere Fresszeiten als ich, und das respektiere ich auch meistens. Es sei denn, es wäre gerade so ein leckerer Käse auf dem Tisch …
Nein, nein, nein, ich bettle dann nicht … ich mache dann nur sooo ein liebes Gesicht … und ich mache ganz gesittet „Sitz“, sodass ich unwiderstehlich bin. Mjammm, dann genießen wir alle drei gemeinsam und, das ist auch wunderschön!
Oder bisweilen habe ich ein ganz dringendes, unaufschiebbares Anliegen geschäftlicher Natur. Dann ist auch niemand böse. In der Regel ist Frauli dann ganz rasch fertig, und wir können hinunterfahren.
Guuut – wunderbar! Danach fahren wir auch gleich wieder hoch, und dann lasse ich auch Frauli in Ruhe zu Ende essen und halte meinen Verdauungsschlaf. Gut, denn dabei stört mich niemand und anschließend gehen wir Männer ganz gemütlich Gassi. Oft gehen wir erst in unseren Garten, in dem ich ohne Weiteres frei laufen kann, denn schließlich kenne ich ja jeden Millimeter, jede Blume, jeden Duft! Oh, das ist immer wieder spannend! Anschließend gehen wir oft zu Oma-Frauli. Da mache ich es mir einfach bei Herrli gemütlich und stehe dann gesittet und höflich auf zum Gehen. Unterwegs hinterlasse ich natürlich meine Visitenkarten, damit jeder Vorbeikommende auch gleich Bescheid weiß.
Ihr seht, mein Selbstbewusstsein ist mächtig gewachsen, ich bin ja ein Manndi von Welt! Demnächst mehr von meinen Erlebnissen …
Aufregend
Es gibt solche Tage, da spürt man schon, dass etwas in der Luft liegt. Aber was? Da werde ich schon mal zum stehenden und gehenden Fragezeichen, weil ich es mir nicht erklären kann. Ich konnte allem nur entnehmen, dass es sich um etwas Erfreuliches handeln würde, denn meine beiden Großen waren ganz fröhlich und gelassen. Also habe auch ich mir einen Frühstückshappen gegönnt – und danach ging der Wirbel los!
Es klingelte – wuff!!! – und obwohl mir die beiden die Melodie vorgesungen hatten, war ich doch in Aufruhr, weil schließlich ein Fremder kam, sonst hätte er ja aufgeschlossen.
Alle Wuffs dieser Welt habe ich ihm erst einmal gesagt. Unhöflich, gell?, denn er hatte ja auch mich begrüßt.
Als ich jedoch merkte, dass Herrli und Frauli ganz ruhig mit ihm sprachen, habe ich mich auf mein Lieblings-Betti zurückgezogen: Das groooße meine ich natürlich, ihr wisst schon. Und schließlich ging der Fremde ja auch wieder, das war mir recht!
Wiederum klingelte es nach einer Weile – sowas – ein Wuff nach dem anderen gab es für diese Ruhestörung! Herrli forderte mich auf, bei ihm zu bleiben, und Frauli kam kurz darauf mit einem großen Paket zurück. Da es aber offensichtlich nichts Leckeres enthielt, konnte es mir ganz und gar pax-wurscht sein.
Hab ich es mir halt danach schmecken lassen, mein gutes Fressi. Das gibt es ja nach Möglichkeit immer pünktlich, sagen Frauli und mein Magen.
Nach meinem feinen Verdauungsschläfchen gingen wir dann Gassi. Na ja, begonnen hat es nicht so wunderbar.
Kaum waren wir an der Ecke angelangt, ließ Herrli uns auch schon alleine stehen und ging rüber zum anderen Zuhause (das ist das mit den vielen Stufen).
Ich war nur kurz genötigt, in der Wiese zu halten und meine Visitenkarte zu hinterlassen.
Aber dann … dann bin ich ihm in Windeseile so hinterhergezischt, dass Frauli mich kaum noch halten konnte. So ist Frauli mitgelaufen – aber sie passt ja zum Glück immer auf den Verkehr auf … ein Glück!!! Und nachdem sie die Haustüre aufgeschlossen hatte … husch und hui … die lange Treppe hinauf wie der geölte Blitz, die Wohnungstüre aufgeschlossen, jajaja, da war Herrli … ganz erstaunt über unser Kommen.
Endlich konnten wir als Familie Gassi gehen und auch Oma-Frauli in ihrem neuen Zuhause besuchen. Danach kam Frauli noch ein Stück weit mit uns allen, musste aber dann weiter zum i-ö-r, kenne ich, da war ich auch schon mit Herrli. Im Übrigen weiß ich ja, sie kommt auf jeden Fall zurück.
Dieses Mal brachte sie mir sogar meine geliebten Hähnchenfilet-Stücke mit. Die musste sie wohl noch extra in der Stadt geholt haben – kenne ich auch genau.
Na fein, endlich erwartete uns ein gemütlicher Abend zum Fressen und Spielen und Schlafen! So hab ich es gerne!
Außenseiter? Innenseiter!
Was ich bei uns mal so mithörte in den Gesprächen, hat mich schon verwundert.
Seltsam, seltsam.
Herrli berichtete Frauli, dass mal über mich gesprochen wurde – nicht zu Hause.
Da hat ihn doch glatt jemand gefragt: „Was hat er denn gelernt bis jetzt? Nichts hat er gelernt!“
Ich war schon verblüfft über so viel Unverständnis, und Frauli war entsetzt. Nun gut, ich habe nicht gelernt Männchen zu machen, Pfötchen zu geben und zu allem keine Meinung zu sagen, wie das ja wohl viele Zweibeiner lernen.
Aber ich habe bei meinen beiden gelernt, dass ich Vertrauen haben kann.
Ich habe erfahren, dass ich geliebt werde – ohne wenn und aber!
Ich kann endlich vertrauen, darauf vertrauen, dass ich nie geschlagen oder getreten werde, wenn ich etwas sage.
Und wer schon mal 20 Schrotkugeln im Kopf hatte, der sagt lieber früher als zu spät etwas.
Ihr meint, wir könnten nichts sagen? Na klar reden auch wir Vierbeiner.
Ihr müsst nur zuhören, denn unsere Sprache ist anders und sehr unmissverständlich.
Nun gut, zugegeben … ich habe eine sehr kräftige Stimme. Dadurch mag sich schon mal jemand irritiert fühlen.
Doch rede ich ja nicht den ganzen Tag ununterbrochen.
Meistens mache ich es mir gemütlich, oder ich marschiere still durch unser Zuhause.
Genau betrachtet brauche ich ja hundsgemäß sowieso meine mindestens 16 Stunden Schlaf am Tag.
Und wenn ich dann wach bin, sondiere ich immer gerne die Lage mit Nase und Ohren. Ich bin immer ganz Ohr. Also kann ich auch nicht einmal ein schlimmer Störenfried sein. Zweibeiner reden wohl erheblich mehr als ich, und ich hoffe nur, dass ihr Reden auch Sinn macht.
Jedenfalls binichimmer ganz eindeutig und aufrichtig in meinen Äußerungen.
Ich kann gar nicht lügen oder mich verstellen in höflichem Geplänkel.
So hängen die Aussagen wenigstens klar in der Luft.
Jaja, schon – ich belle ja schließlich nicht auf den Tisch, müsst ihr verstehen.
Was ich wohl noch gelernt habe?
Ach – sooo viel! Zu Hause finde ich mich blind zurecht.
Haha, ich bin ja blind! Ich will sagen: Ich weiß im Detail Bescheid, wo welche Dinge stehen und wie sie riechen.
