Pelle & Piggy - Cara Berger - E-Book
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Pelle & Piggy E-Book

Cara Berger

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Beschreibung

Svea liebt ihre Französische Bulldogge Pelle über alles. Ihr Freund Christian hasst den Welpen. Er ist eifersüchtig auf den Hund und fühlt sich von Svea vernachlässigt. Christian behandelt Pelle schlecht. Als die Bulldogge ausbüxt, ist Christian froh und tut alles dafür, dass Svea den Hund nicht wiederbekommt. Svea leidet sehr unter dem Verlust, aber je länger Pelle verschwunden bleibt, desto näher kommt sie Christian wieder. Doch dann tritt der Ergotherapeut Jörg in ihr Leben. Er bringt ihr nicht nur ihren geliebten Pelle zurück, sondern motiviert sie auch, sich in ihrem Beruf mit einer eigenen Personalagentur selbständig zu machen. Sveas Leben gerät völlig aus den Fugen und sie ist plötzlich zwischen Christian und Jörg hin und her gerissen.

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EPUB

Veröffentlichungsjahr: 2020

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Pelle & Piggy

Acht Pfoten für die Liebe

 

von

 

Cara Berger

 

Alle in diesem Roman geschilderten Personen und Handlungen sind frei erfunden. Ähnlichkeiten mit lebenden oder toten Personen wären rein zufällig und von der Autorin nicht beabsichtigt.

 

 

 

Dieser Roman ist urheberrechtlich geschützt. Jegliche Verwertung, auch in Teilen, ist ohne die schriftliche Genehmigung der Autorin unzulässig.

 

 

 

 

© 2019

Cara Berger

c/o AutorenServices.de

Birkenallee 24

36037 Fulda

 

1

„Hol das Bällchen, Pelle!“, rief Svea völlig verzückt, während sie auf dem Wohnzimmerboden herumkrabbelte, als würde sie einem Kleinkind hinterher kriechen.

Der kleine Französische Bulldoggen Rüde lief mit seinem kleinen grünen Gummiball im Maul vor seinem Frauchen davon. Vergnügt hüpfte der Welpe über den Teppich und bellte leise vor sich hin. Immer, wenn Svea ihm hinterher kroch, wich er ein paar Schritte vor ihr zurück, dann bellte er wieder, um sie zum Spiel aufzufordern und legte sich auf seine Vorderpfoten, während er sein breites Hinterteil in die Höhe streckte und mit seinem Stummelschwänzchen wedelte. Svea kicherte vergnügt, als ihr bewusst wurde, dass der Ball in Pelles kleiner Schnauze wie ein Schalldämpfer wirkte, während er herausfordernd bellte.

„Ist er nicht einfach süß?“

„Mhhh.“

„Du hast ja nicht einmal hingesehen.“

„Svea, ich möchte diesen Film endlich in Ruhe sehen!“

Christian griff nach der Fernbedienung und stellte den Ton der DVD noch lauter ein, als er sowieso schon war. Im nächsten Moment war ein lauter Knall über das Surroundsystem zu hören, als ein Auto in dem Actionstreifen explodierte. Pelle zuckte erschrocken zusammen, ließ seinen Ball fallen und lief winselnd zu Svea herüber. Er drückte seine platte Schnauze schutzsuchend in ihren Schoß.

„Oh mein armes Baby. Hast du dich erschreckt? Das ist hier auch viel zu laut für dich.“ Svea drückte den schwarz-weißen Welpen fest an sich. „Kannst du den Film nicht wenigstens etwas leiser machen? Der Krach tut Pelle in seinen empfindlichen Ohren weh“, sagte sie verärgert über seine Rücksichtslosigkeit an ihren Freund gerichtet.

„Nein, nicht, wenn ihr so laut seid.“

„Warum musst du überhaupt an einem Sonntagnachmittag eine DVD schauen? Wir könnten doch mal zusammen etwas unternehmen.“

„Mhh. In ner halben Stunde ist der Film vorbei.“

„Stell doch so lange auf Pause und schau nachher weiter.“ Christian seufzte genervt. „Dann können wir erstmal mit Pelle ins Feld. Da kann er mit seinem Ball spielen und sich austoben.“

„Ach so. Du willst diesen Kläffer wieder mitnehmen.“

„Nenn ihn nicht so! Du weißt ganz genau, dass ich das nicht mag“, sagte sie gekränkt und gab Pelle einen liebevollen Kuss auf die faltige Stirn.

„Mich hast du schon ewig nicht mehr so in den Arm genommen, geschweige denn geküsst.“

Svea setzte Pelle auf dem Teppich ab und ließ seinen Ball vor ihm entlang kullern. Der Welpe tapste sofort wieder freudig hinter seinem Spielzeug her.

„Du bist doch nicht etwa eifersüchtig auf diesen süßen Hund!?“, fragte sie Christian mit einem Grinsen und kuschelte sich zu ihm aufs Sofa. „Soll ich dir auch einen Kuss auf deine faltige Stirn geben?“, neckte sie ihn. „Zeig mal her, du hast ja gar nicht so schöne flauschige Falten auf der Stirn wie Pelle …“

„Haha, mach dich ruhig lustig über mich. Das war ernst gemeint, du hast seit Wochen nur noch diesen blöden Köter im Kopf!“, beschwerte Christian sich noch einmal, ohne seinen Blick vom Fernseher abzuwenden.

„Ich habe doch nur Spaß gemacht. Komm her und lass dich umarmen.“

Svea schlang ihre Arme um Christians Hals und drückte ihm einen Kuss auf die Wange.

„Jetzt nicht, Svea. Der Film wird gleich richtig spannend.“

Christian schob sie von sich weg.

„Also kommst du auch nicht mit ins Feld?“, fragte sie etwas angesäuert.

„Vielleicht nachher. Das habe ich dir doch eben schon gesagt.“

„Du müsstest diesen Streifen doch eigentlich schon auswendig können, so oft, wie du den schon gesehen hast.“

„Na und!?“

„Alles klar, dann gehen wir eben alleine.“ Svea stand demonstrativ vom Sofa auf und stellte sich vor Christian. Er schob sie abermals beiseite, damit sie sein Sichtfeld auf den großen Flachbildfernseher nicht weiter versperrte. „Komm, Pelle!“, rief sie und ging voran in den Flur. Die kleine Französische Bulldogge ließ ihren Ball fallen und tapste neugierig hinter ihrem Frauchen her. Keine zehn Minuten später jagte Pelle seinem Lieblingsball auf dem nahegelegenen Feldweg hinterher. Er bellte und grunzte jedes Mal vor Freude, wenn Svea den Ball wieder mit Schwung über den Asphalt kullerte. Pelle rannte hinter seinem Spielzeug her und stoppte den Ball aus vollem Lauf mit seiner platten Schnauze. Meistens hatte er dabei so viel Tempo drauf, dass er einen Handstand machte, wenn er abbremste und den Ball zwischen seine Zähne nahm. Svea lachte vor Glück und vergaß den Streit mit Christian. Sie genoss den sonnigen Abend mit ihrem Welpen. Als Pelle vor Erschöpfung nur noch schnaufte, setzte Svea sich mit ihm auf eine bereits abgemähte Wiese und ließ sich den lauen Sommerwind um die Nase wehen. Pelle verschlang ein Leckerli und ließ sich von seinem Frauchen schnurrend den Bauch kraulen.

„Dein dummes Herrchen weiß gar nicht, was er verpasst. Der sitzt im stickigen Wohnzimmer und zieht sein Schlechtwetterprogramm durch, obwohl er so schön bei uns in der Sonne sein könnte. Aber was soll's, wir genießen das Wetter immerhin, nicht wahr, mein Süßer!?“

Sie gab Pelle einen liebevollen Kuss auf sein flauschiges Köpfchen. Der Welpe interessierte sich in diesem Moment kein bisschen für sein Frauchen, denn ein Schmetterling, der von einer der lilafarbenen Disteln am Rand der Wiese herüber geflogen kam, erregte seine Aufmerksamkeit. Svea beobachtete Pelle dabei, wie er dem bunten Falter neugierig hinterher sprang.

 

Svea balancierte die vollgestopften Einkaufstaschen durch die Wohnungstür. Ihren Schlüsselbund zwischen die Zähne geklemmt, schob sie die Tür mit ihrem linken Fuß hinter sich zu. Sie legte den Schlüssel in die kleine Schale auf der Flurgarderobe, zog ihre schwarzen Businesspumps aus, ohne die Taschen abzusetzen, und schob die Schuhe unter das Schuhregal.

„Bin zu Hause!“, rief sie, während sie die Einkäufe in die Küche schleppte. Aus dem Wohnzimmer drangen mal wieder Explosionsgeräusche aus irgendeinem Actionfilm herüber. „Wo ist Pelle?“, rief Svea, während sie die Einkaufstaschen auf die Arbeitsplatte wuchtete. Als sie keine Antwort bekam, lehnte sie sich aus der hinteren Küchentür, die zum Wohnzimmer führte und sah zur Couch herüber. „Christian!?“, rief sie noch etwas lauter.

„Ja, was ist denn? Du siehst doch, dass ich einen Film schaue oder es zumindest versuche. Du machst einen Höllen krach, seitdem du die Wohnung betreten hast.“

„Ich habe ja auch dein Essen für die nächsten Tage bis hier hoch gewuchtet, um es dir dann auch noch direkt in die Küche zu liefern.“

„Vorbildlich“, sagte er mit einem breiten Grinsen und warf einen Blick über seine Schulter.

„Also, wo ist Pelle?“

„Pelle? Keine Ahnung. Ich habe das Vieh seit Stunden nicht gesehen?“

„Das heißt, du hast ihn auch nicht gefüttert?“

„Nein, natürlich nicht, er hat sich ja nicht blicken lassen. Ich dachte, dann hat er auch keinen Hunger. Jetzt bist du ja da, dann kannst du ihn auch gleich füttern. Und sei bitte etwas leiser, ich verstehe sonst kein Wort.“

„Ist doch sowieso nur krach. Eine Explosion nach der anderen. Anspruchsvolle Dialoge kommen in deinen Filmen doch nicht vor.“

Ärgerlich stapfte Svea durch das Wohnzimmer. Sie drehte noch eine Runde um den Couchtisch, obwohl sie wusste, dass sie Pelle nicht in Christians Nähe finden würde. Diese Extratour brachte Christian wie gewünscht auf die Palme, genervt ging er auf seiner DVD ein Kapitel zurück, um sich die letzten Minuten noch einmal anzusehen. Zurück in Richtung Flur fiel Sveas Blick auf den Wohnzimmertisch und sie musste sich beherrschen, nicht auszuflippen. Christian hatte mal wieder seine Füße auf der Glasplatte liegen, daneben eine Schüssel, in der sich noch eine Pfütze aus geschmolzenem Vanilleeis befand, das allerdings auch um die Schale herum auf der Tischplatte verschmiert war. Svea schnaufte entnervt.

Es hat sowieso keinen Sinn etwas dazu zu sagen, außerdem muss ich Pelle unbedingt finden. Wer weiß, was der kleine Kerl schon wieder angestellt hat, wenn er so lange unbeaufsichtigt war.

„Pelle? Wo bist du mein Süßer? Kommt zu Mami!“

Svea tastete sich in den Flur vor, sah kurz ins Bad, dann ins Schlafzimmer. Sie legte sich bäuchlings vor das Bett und spähte darunter, doch von Pelle war nichts zu sehen. Er meldete sich auch nicht. Also ging Svea weiter den Flur hinunter in Richtung Wohnungstür. Sie öffnete die Tür zur Abstellkammer. Drinnen war alles dunkel. Sie schaltete das Licht ein. In diesem Moment zuckte Pelle ängstlich zusammen. Zitternd saß er in der hintersten Ecke des fensterlosen Raumes. Seine Fledermausohren, die für gewöhnlich aufrecht standen, hingen zur Seite. Sveas Blick fiel auf das Malheur, das der kleine Hund hinterlassen hatte, doch sie ignorierte den stinkenden Haufen und die Pfütze direkt daneben.

„Oh, mein armer Schatz. Was hat das böse Herrchen nur mit dir gemacht?“ Svea nahm Pelle auf ihren Arm und drückte ihn fest an sich. Der Welpe dankte es ihr mit einem warmen Kuss. Er schleckte ihr mit seiner weichen Zunge vor Freude durch das Gesicht. „Mami macht dir erstmal dein Futterchen. Du bist bestimmt ganz hungrig.“

Svea trug den Welpen in die Küche und stellte sein bereits vorbereitetes Futter an seinen Platz. Pelle stürzte sich geradezu auf den Napf. Svea baute sich derweil direkt vor dem Fernseher auf.

„Kannst du mir mal verraten, wie Pelle in die Abstellkammer gekommen ist?“

„In die Abstellkammer? Nö keine Ahnung“, sagte Christian, während er auf der Couch hin und her rutschte, um an Svea vorbei auf den Fernseher zu spähen. Dann nahm er die Fernbedienung und versuchte, seine Freundin damit zur Seite zu schieben, doch Svea blieb standhaft. „Wahrscheinlich ist die blöde Töle hinter mir hergekommen, als ich mein Eis aus dem Gefrierschrank geholt habe. Zufrieden?“

„Nein, absolut nicht. Du weißt, dass Pelle neugierig ist und dir überallhin nachläuft. Du musst besser aufpassen. Und zufrieden bin ich erst, wenn du seinen Haufen aus dem Abstellraum entfernt hast.“

„Ja ja, ist ja schon gut. Wenn du zu beschäftigt bist, um selber hinter deinem Köter sauber zu machen, dann mache ich das nachher. Mach nur die Tür zu, damit dieser bestialische Gestank nicht weiter durch die ganze Wohnung zieht.“

Entnervt gab Svea vorerst auf. Sie ging zurück zu Pelle, der den leeren Futternapf mittlerweile quer durch die Küche geschoben hatte und immer noch ausleckte, in der Hoffnung noch einen Krümel Futter zu erhaschen.

„Was gibt es denn heute zu essen?“, rief Christian aus dem Wohnzimmer herüber, währen Svea sich daran machte, Pelles Notdurft aus der Abstellkammer zu entfernen.

„Weißt du was? Mach dir dein Essen gefälligst alleine. Meinst du, ich bin dein Dienstmädchen, oder was? Es reicht schon, dass ich dich hier seit Monaten mit durchfüttere. Hast du heute auch nur eine Bewerbung geschrieben? Oder zumindest nach einer Stelle gesucht?“

„Ja, natürlich. Aber im Moment ist es schwierig. IT-Experten werden eben aktuell kaum gesucht.“

„Dann mach dich eben selbständig.“

„Fang nicht wieder damit an, das steht für mich nicht zur Debatte und das weißt du.“

Svea nahm den Wischeimer und ging auf dem Weg ins Bad im Wohnzimmer vorbei.

„Dann such dir eben irgendeinen anderen Job. Es geht so nicht mehr weiter. Du kannst nicht den ganzen Tag auf der Couch rumhängen, dich um nichts kümmern und erwarten, dass ich das noch länger mitmache.“ Christian sah von seinem Film auf, doch er sagte kein Wort zu ihrem Wutausbruch. Svea ging daher kopfschüttelnd ins Badezimmer, leerte den Wischeimer in die Toilette. Die sauberen Putzsachen verstaute sie wieder in der Abstellkammer. „Ich gehe jetzt eine Runde mit Pelle und wenn ich wieder komme, hast du hoffentlich die Einkäufe weggeräumt und ein Abendessen auf den Tisch gezaubert“, rief sie aus dem Bad herüber, während sie sich die Hände wusch. Doch auch diesmal bekam sie keine Antwort von ihrem Freund. Als Svea Pelles Hundeleine aus der Schublade der Flurgarderobe nahm, kam der Welpe schon freudig angewackelt. Sofort besserte sich Sveas Laune. Sie legte der Bulldogge das grüne Halsband aus Elchleder um, dass sie für ein kleines Vermögen in einer Edelboutique für Hunde gekauft hatte. Normalerweise gab sie nicht so viel Geld für Alltagsgegenstände aus, aber das erste Halsband für Pelle sollte etwas Besonderes sein. Svea streichelte Pelle noch über die riesigen Fledermausohren, dann verließen sie zusammen die Wohnung.

Als Svea nach einer guten Stunde mit Pelle zurück nach Hause kam, schlug ihr schon im Treppenhaus der Geruch von frischer Pizza entgegen.

Na immerhin scheint er zumindest etwas zu essen organisiert zu haben. Dann habe ich für heute Abend wenigstens eine Sorge weniger, dachte sie und schloss die Wohnungstür hinter sich. Sie nahm Pelle Leine und Halsband ab. Kaum, dass er diese Fessel los war, stürmte er ins Wohnzimmer, sprang zu Christian auf die Couch und schnappte sich ein Stückchen Pizza von seinem Teller.

„Hey, gib das sofort wieder her, du Mistvieh!“, wetterte er und nahm seine Füße vom Couchtisch, nachdem Pelle ihn völlig überrascht hatte. Er schlug noch mit der Fernbedienung nach dem Rüden, doch der sprang bereits eilig mit seiner Beute im Maul vom Sofa herunter. Laut schmatzend verschlang er das Stück Pizza auf dem Teppich.

„Du sollst ihm doch nichts zu essen abgeben“, sagte Svea streng, als sie das Wohnzimmer betrat.

„Habe ich doch gar nicht. Er hat mich beklaut.“

Svea schlenderte in die Küche, wo sie sich einen Teller aus dem Schrank nahm. Sie öffnete die Pizzaschachtel auf dem Esstisch, doch es war nur noch ein Viertel darin.

„Wo ist denn meine Pizza?“, fragte sie erstaunt.

„Mein Geld hat nur für eine Große gereicht. Den Rest in der Schachtel kannst du aber gerne haben.“

Geizkragen. Ich füttere den Herrn seit Monaten von meinem Gehalt durch und dann ist er auch noch zu geizig mal für einen Abend das Essen zu bezahlen. Na toll. Und dann auch noch mit Peperoni. Er weiß ganz genau, dass ich diese scharfen Dinger nicht vertrage.

Missmutig kratzte sie die Peperonischeiben von der Pizza herunter. Sie nahm den Teller und verkroch sich in ihr Arbeitszimmer. Vor dem Computer begann Svea ihren mageren Anteil der Pizza zu essen. Eigentlich war sie sowieso viel zu müde zum Essen und Arbeit hatte sie auch noch zu erledigen. Seit Pelle bei ihr eingezogen war, nahm sie sich öfter noch Arbeit mit nach Hause, damit sie früher am Nachmittag aus dem Büro wegkam und Pelle nicht jeden Tag so lange ohne sie auskommen musste. Svea begann die Daten von einigen neuen Mitarbeitern zu erfassen, die sie in den Pool der Personalvermittlung, für die sie als Personaldienstleistungskauffrau arbeitete, aufgenommen hatte. Danach schickte sie die Profile noch an Auftraggeber, die ihr passend erschienen und machte sich Notizen für den nächsten Tag. Es dauerte nicht lange, bis Pelle mit seinem Lieblingsspielzeug, einer kleinen Stoffmaus, in der Tür stand. Er legte die graue Maus vor ihren Füßen ab und wartete aufgeregt, dass Svea das Kuscheltier quer durch den Raum schmiss. Sie tat ihm den Gefallen und beobachtete mit einem Lächeln, wie Pelle der Maus hinterherjagte. Er visierte das Kuscheltier an, sprang einige Zentimeter in die Höhe und fing es auf, bevor es auf dem Teppich landete. Dann nahm er seine Maus, legte sich zu Sveas Füßen und nuckelte noch einige Minuten an seinem Spielzeug, ehe er einschlief. Als Svea mit ihrer Arbeit fertig war, zog sie ihre Füße vorsichtig unter dem schlafenden Pelle weg. Sie schlich sich aus dem Raum und setzte sich zu Christian auf die Couch.

„Du bist doch nicht wirklich eifersüchtig auf Pelle, oder?“, fragte sie, während sie in die Schüssel mit Chips griff, die auf Christians Schoß stand.

Er legte seinen Arm um sie und zog sie nah an sich. Svea legte ihren Kopf an seine Schulter.

„Du musst schon zugeben, dass du mich in letzter Zeit ganz schön vernachlässigt hast.“ Svea setzte sich auf und wollte gerade protestieren, als Christian weitersprach. „Aber du kannst natürlich auch alles wieder gutmachen“, sagte er mit einem breiten Grinsen.

„Du hast Glück, dass ich gerade ein bisschen Zeit habe. Meine Arbeit ist erledigt und Pelle schläft tief und fest im Arbeitszimmer“, antwortete sie und gab ihm einen innigen Kuss. Christian stellte die Schüssel mit den Chips auf den Couchtisch und zog Svea zu sich herunter. Sie genoss seine zärtlichen Berührungen auf ihrer Haut und vergaß allen Ärger der letzten Wochen und allen Trubel um Pelle. Für Svea gab es nur noch Christian. Sie ließ ihre Hände unter sein T-Shirt gleiten und war überrascht, dass er in den letzten Monaten, seit er arbeitslos war, tatsächlich einen kleinen Bauch bekommen hatte. Es störte sie in diesem Moment nicht weiter, aber sie musste amüsiert lächeln.

„Was ist los?“, flüsterte Christian erstaunt.

„Nichts weiter. Ich habe nur gerade gemerkt, dass du etwas Speck angesetzt hast“, antwortete sie mit einem Kichern. Sie fuhr mit ihren Fingern durch seine halblangen dunkelblonden Haare und strich ihm eine Strähne aus dem Gesicht. „Aber keine Sorge, ich liebe dich trotzdem!“, gestand sie ihm und küsste ihn.

„Dann habe ich ja nochmal Glück gehabt.“

Christian erwiderte ihre Küsse.

„Umso wichtiger, dass du dich auch mal wieder um mich kümmerst, flüsterte er noch, bevor seine Worte unter Sveas Küssen untergingen.

2

„Geh endlich von mir runter, Pelle!“, schimpfte Christian, während er auf dem Fußboden im Arbeitszimmer kniete und versuchte, seine Bewerbungsunterlagen zu ordnen.

Seit einer halben Stunde unternahm Pelle immer wieder verzweifelte Versuche, Christians Aufmerksamkeit zu gewinnen. Und wieder sprang Pelle an Christian hoch und legte seine weißen Pfötchen auf seinem Rücken ab.

„Hau endlich ab!“, schrie Christian den Welpen nun an und stieß ihn von sich. „Wie soll ich denn jemals mit diesem Scheiß hier fertigwerden, wenn du an mir hängst wie eine Klette? Und wenn ich nicht wenigstens so tue, als würde ich ernsthaft nach einem neuen Job suchen, dann lässt mich Svea so schnell nicht mehr ran.“ Pelle stand betreten neben Christian. Er sah ihn von unten herauf mit seinen braunen Kulleraugen an und ließ seine schwarzen Fledermausohren traurig zur Seite hängen. „Ich fasse es nicht, jetzt unterhalte ich mich schon mit einem Hund. Vielleicht hat Svea gar nicht so unrecht und es wird wirklich langsam Zeit, dass ich wieder einen Job bekomme. Im Büro kann ich mich immerhin mit Menschen unterhalten. Nicht, dass ich noch anfange Selbstgespräche zu führen. Oder zählt es schon als Selbstgespräch, wenn man mit einem Hund redet?“

Christian begann seine Bewerbungsunterlagen zu ordnen. Er sortierte seine Zeugnisse, heftete den Lebenslauf darauf und zu guter Letzt noch ein standardisiertes Anschreiben. Er bemerkte nicht, dass Pelle plötzlich verschwunden war. Eine Bewerbungsmappe nach der anderen schob Christian in einen Briefumschlag, klebte eine Briefmarke aus Sveas Bestand auf und legte den Umschlag zu den anderen auf den Stapel. Er zählte noch einmal durch und befand, dass sechs Bewerbungen erst einmal ausreichen sollten. Christian raffte seine Unterlagen grob zusammen und legte sie in eine der Schubladen des Büroschranks, dann schnappte er sich den Stapel fertiger Bewerbungen und legte ihn auf die Flurgarderobe.

Die kann Svea dann morgen direkt mitnehmen, wenn sie zur Arbeit fährt, dann muss ich nicht extra bis zum Briefkasten latschen, dachte er zufrieden

„Verdammte Scheiße!“, brüllte Christian im nächsten Moment, als er etwas weiches unter seinem Pantoffel fühlte. Er schloss kurz die Augen, in der Hoffnung, gar nicht erst hinsehen zu müssen, was für eine Sauerei er dort im Flur verursacht hatte, denn schon am Geruch erkannte er, wo er da gerade hineingetreten war. „Pelle! Wo bist du, du Mistvieh?“, schrie er weiter, während er seinen linken Pantoffel auszog und auf einem Bein ins Badezimmer hüpfte. Er warf den völlig verschmierten Pantoffel in die Badewanne und stellte das Wasser an, dann goss er eine große Portion von Sveas Lieblingsbadeschaum darauf und wartete ab, bis die Wanne mit Schaum bedeckt war. Fluchend ging Christian zurück in den Flur. Er hatte Pelles Haufen ordentlich breitgetreten und kam nicht drumherum, sich daran zu machen, den Flur zu wischen. Gerade als er mit dem Wassereimer und dem Mopp ungeschickt über die verdreckten Stellen wischte, kam Pelle neugierig um die Ecke. Er legte den Kopf von einer Seite zur anderen und beobachtete Christian dabei, wie er den Mopp hin und her schleuderte. Zum Spielen animiert kam Pelle angetapst und biss direkt in den Wischmopp hinein.

„Lass los, Pelle! Lass sofort los!“

Christian gab dem Welpen einen Stoß mit dem Mopp. Pelle ließ von seinem aktuellen Spielzeug ab und tänzelte ein paar Schritte rückwärts. Doch als Christian versuchte, den Flur weiter zu reinigen, lief er erneut auf den Mopp zu. Christian zog verärgert seinen zweiten Pantoffel aus und warf ihn nach Pelle. Der duckte sich ängstlich. Im nächsten Moment drehte er sich jedoch um und sah dem Wurfgeschoss neugierig hinterher. Sogleich trollte sich der Welpe und nahm Christians Pantoffel mit ins Wohnzimmer.

„Dämliche Töle. Ich wünschte, Svea hätte dieses Vieh niemals angeschleppt. Nur Ärger bringt der mir.“

Christian schimpfte weiter vor sich hin, während er den Putzeimer säuberte und wieder in die Abstellkammer brachte. Als er dann zurück ins Wohnzimmer ging, um sich eine DVD anzuschalten, hatte er sich wieder einigermaßen beruhigt. Doch vor der Couch traf er auf Pelle. Der grunzte zufrieden vor sich hin, während er Christians Pantoffel im Maul hatte. Rund um die französische Bulldogge herum lagen Stofffetzen, die Pelle aus dem Schuh herausgerissen hatte. Er kaute gerade auf der Gummisohle herum, die schon zahlreiche Bissspuren aufwies, als ihn ein Tritt hart in die Rippen traf. Der Welpe kullerte auf den Rücken und blieb für einige Sekunden steif liegen. Dann jaulte er erbärmlich auf und verkroch sich in die Ecke hinter dem Fernseher.

„Geschieht dir ganz recht!“, rief Christian dem kleinen Hund hinterher.

Er sammelte die Überreste seines Pantoffels zusammen, holten den zweiten Schuh aus der Badewanne und brachte beide direkt nach unten in den Müllcontainer des Wohnblocks. Wo er schon einmal draußen war, nutzte Christian die Gelegenheit und ging die Straße hinunter zum Kiosk.

„Hallo, Walter!“, begrüßte er den Kioskbesitzer.

„Na, Christian. Lange nicht gesehen.“

„Na ja, weißt ja wie das ist, als IT-Experte ist man ja nur am arbeiten.“

„Ja ja, wem sagst du das. Hast du deine Schuhe vergessen?“, fragte der Mann mit dem Dreitagebart und deutete auf Christians Füße.

„Ähm, ja. Sieht so aus“, antwortete Christian und fuhr sich verlegen durch seine halblangen Haare. Erst jetzt bemerkte er, dass er die 200 Meter bis zum Kiosk auf Socken zurückgelegt hatte. „Gib mir drei Bier. Wie immer. Und eine große bunte Tüte.“

„Mit Lakritz oder ohne?“

„Mit. Svea liebt Lakritz. Nur von den sauren Dingern nichts.“

Mit den Bierflaschen und den Süßigkeiten für Svea unter dem Arm kam Christian zurück in ihre gemeinsame Wohnung. Er ging direkt ins Wohnzimmer, machte es sich in der Ecke der Couch gemütlich und legte seine Füße auf dem Couchtisch ab. Er schaltete den Actionfilm ein und öffnete sich die erste Flasche Bier. Genüsslich nahm er einen ersten großen Schluck und leerte die Flasche damit fast zur Hälfte und vollendete seinen Genuss mit einem lauten Rülpser. Von Pelle war keine Spur zu sehen, aber das störte Christian auch nicht. Er genoss es im Gegenteil, seinen Film in Ruhe schauen zu können und verschwendete keinen Gedanken an den Hund. Als Pelle sich jedoch auch nach einer guten Stunde noch nicht blicken ließ, wurde auch Christian langsam misstrauisch. Er leerte die letzte Flasche Bier und stellte sie zu den anderen beiden unter den Couchtisch. Dann erhob er sich und schob den Fernsehschrank ein kleines Stück beiseite. Er blickte direkt auf Pelle herunter. Der Welpe atmete schwer und fiepte leise vor sich hin. Christian streckte seine Hand aus und hob den Hund hoch. Sofort jaulte er laut auf und strampelte wild. Christian hatte Mühe, die kräftige Bulldogge zu halten. Obwohl Pelle erst fünf Monate alt war, hatte er schon ordentlich Kraft in seinem muskulösen Körper. Christian konnte ihn geradeso noch festhalten, bevor er ihm wieder hinter den Schrank gefallen wäre. Er streichelte Pelle vorsichtig über den Kopf. Langsam entspannte sich der Welpe auf seinem Arm. Christian sah auf seine Armbanduhr. Svea musste jeden Moment nach Hause kommen, wenn sie nicht noch einen Außentermin hatte. Das wusste er nicht. Sie hatte es ihm sicher gesagt, aber er hatte ihr nicht zugehört. Kaum hatte Christian sich mit Pelle auf die Couch gesetzt, hörte er auch schon, wie Svea den Schlüssel im Schloss drehte. Er lehnte sich entspannt zurück, legte seine Füße zurück auf den Couchtisch und legte Pelle behutsam auf seinen Schoß. Christian hatte schon befürchtet, dass er wieder jaulen würde, aber Pelle bliebt still. Christian seufzte erleichtert.

„Oh ist das süß!“, rief Svea verzückt, als sie hinter dem Sofa stand und über die Rückenlehne auf Pelle blickte.

Sie gab Christian einen zärtlichen Kuss auf die Wange und umarmte ihn. Dann lehnte sie sich über die Sofalehne und griff nach Pelle. Als sie ihn am Brustkorb berührte, jaulte er laut auf. Vor Schreck ließ Svea ihn sofort los und er fiel zurück auf Christian Schoß. Dort fiepte er vor Schmerzen und legte seine Ohren an.

„Was ist mit ihm?“, rief Svea hysterisch und rannte um die Couch herum. Sie kniete sich vor Christian und streichelte Pelle ganz sanft über den Kopf.

„Keine Ahnung. Er hat vorhin schon mal gejault.“

„Ist ihm etwas passiert? Ist er irgendwo steckengeblieben? Unterm Küchenschrank vielleicht?“

„Nein. Es ist nichts passiert.“

„Wirklich? Oder hast du es nur nicht gesehen?“

„Wirklich. Ich war die ganze Zeit hier bei ihm.“

„Und wo kommt das Bier her?“

„Da war ich nur kurz beim Kiosk. Ich habe dir übrigens was Süßes mitgebracht.“

„Oh, danke.“ Svea war überrascht, dass Christian mal ausnahmsweise nicht nur an sich gedacht hatte, allerdings stand ihr jetzt nicht der Sinn nach Süßigkeiten. „Das ist lieb von dir. Kann er sich etwas getan haben, während du nicht da warst?“

„Eigentlich nicht. Es hat ja auch nicht mal Viertelstunde gedauert. Außerdem hat er schon vorher gejault, aber wie gesagt, nur einmal.“

„Was hast du bloß, mein armes Baby?“, flüsterte Svea Pelle zu und legte ihre Stirn auf seinen weichen Kopf.

Die Bulldogge grunzte vor sich hin. Svea versuchte, ihn noch einmal hochzunehmen. Diesmal ganz vorsichtig und ohne ihn an den Rippen zu berühren. Sie spürte, wie sich der Körper des Welpen anspannte, als sie ihn berührte. Pelle jaulte diesmal nicht auf, aber Svea konnte ein leises Fiepen von ihm vernehmen.

„Ich fahre lieber mit ihm zum Tierarzt. Doktor Lasowski hat noch eine Stunde auf.“

„Mach das. Kannst du dann noch gleich die Briefe draußen auf der Kommode mitnehmen? Ich hätte sie ja selber zum Kasten gebracht, aber nachdem Pelle so gejault hat, wollte ich ihn nicht noch einmal alleine lassen.“

„Kommst du nicht mit?“

„Lieber nicht.“

Keine zwanzig Minuten später hielt Svea vor dem Blumeneck. Sie vergewisserte sich mit einem kurzen Blick über die Schulter, dass es Pelle gut ging. Er lag auf der Rückbank in seinem Körbchen und schlief friedlich. Normalerweise wäre er mit einem Geschirr angeschnallt gewesen, aber Svea hatte diesmal darauf verzichtet. Zu sehr fürchtete sie sich davor, ihrem kleinen Liebling wehzutun. Sie sprang aus dem Wagen und klopfte gegen die Glastür des Blumenladens. Ihre beste Freundin Suse sah vom Tresen auf, wo sie gerade die Kassenabrechnung des Tages machte. Sie kam nach vorne geeilt und schloss die Tür auf.

„Was ist denn los? Ist etwas passiert? Komm rein.“

Svea betrat den kleinen Laden, aus dem ihr sofort der süße schwere Duft verschiedenster Blumen entgegenschlug.

„Pelle. Er hat starke Schmerzen“, sagte Svea und unterdrückte ein Schluchzen, während Suse die Ladentür wieder verschloss.

„Warum denn?“

„Keine Ahnung. Er war den ganzen Tag bei Christian. Er sagt, dass nichts passiert ist, aber Pelle fiept, sobald ich ihn am Brustkorb anfasse. Ich will ihn noch schnell zu Doktor Lasowski bringen. Kannst du vielleicht mitkommen? Nur für den Fall, dass es etwas Schlimmes ist?“

„Klar, kein Problem. Ich muss nur noch kurz bei der Bank vorbei, das Geld in den Nachttresor legen.“

„Super. Das liegt ja quasi auf dem Weg.“

Suse legte ihre Tageseinnahmen in eine silberne Geldbombe der Bank, verschloss die Kassette und schmiss sie zusammen mit ihrem Handy und ihrer Geldbörse in die überdimensionierte Handtasche. Ihre kurzen dunklen Locken wippten bei jeder Bewegung wild hin und her.

„Du kommst doch oben über der Tür an den Schalter für die Alarmanlage. Schaltest du sie bitte kurz ein? Dann muss ich mir nicht extra den Hocker holen.“

Svea griff nach oben und legte den kleinen schwarzen Schalter über der Ladentür um. Sie war nicht übermäßig groß, aber Suse war wesentlich kleiner als sie und stämmiger. Sie war nicht dick, eigentlich sogar ziemlich durchtrainiert, aber eben trotzdem von kräftiger Statur. Im Gegensatz zu Svea, die immer aussah, als hätte sie es mit ihrer Diät übertrieben. Aber sie konnte machen, was sie wollte, selbst mit ihrem regelmäßigen Training im Fitnessstudio sah sie immer noch knochig aus.

„Ich setze mich nach hinten zu Pelle, dann ist er nicht so alleine, der arme Kerl“, sagte Suse, nachdem sie ihre Tageseinnahmen sicher im Nachttresor der Bank verstaut hatte.

„Danke, das ist echt lieb von dir. Ich hatte ja gehofft, dass Christian als Unterstützung mitkommen würde, aber er wollte mal wieder nicht.“

„Ich verstehe nicht, warum du diesen Kerl so lange erträgst.“

„Fang bitte nicht ausgerechnet jetzt wieder damit an. Außerdem hatten wir gestern einen sehr schönen Abend zu zweit.“

„Oh, das hört sich nach einer Versöhnung an.“

Svea konnte sich ein Lächeln nicht verkneifen. Doch schon mit ihrem nächsten Blick in den Rückspiegel, und damit zu Pelle, verging ihr das Lächeln sofort.

„Ja, so kann man das sagen.“

Schweigend fuhren sie die restlichen Kilometer durch die Stadt. Svea hielt direkt vor der Praxis von Doktor Lasowski. Sie trug Pelle direkt in seinem kleinen Bettchen aus dem Auto. Suse hielt ihr die Tür zur Praxis auf. Als Doktor Lasowski die beiden Frauen sah, stellte er sofort seinen Kaffeebecher auf dem Tresen ab und kam auf sie zu.

„Ist das nicht der süße Pelle? Was ist denn passiert?“

„Er jault immer wieder vor Schmerzen. Ich weiß nicht warum. Alles war wie immer.“

„Dann gehen sie mal gleich durch in Zimmer 2. Ich bin sofort bei ihnen.“

Jetzt, da sie in der Tierarztpraxis angekommen waren, wurde Svea noch nervöser. Sie spürte, dass mit ihrem Pelle etwas ganz und gar nicht stimmte. Aufgeregt wippte sie mit ihrem linken Fuß, während sie im Behandlungszimmer auf den Arzt warteten.

„Sitz doch endlich mal still. Du machst Pelle noch ganz nervös mit deinem Gezappel. Der spürt das doch.“

„Ich kann aber nicht anders. Ich mache mir solche Sorgen um mein Baby.“

Suse schüttelte verständnislos mit dem Kopf.

„Dann gib mir Pelle wenigstens rüber.“

Svea zögerte. Daher griff Suse nach dem Bettchen und zog Pelle zu sich auf den Schoß. Sie saß ganz besonnen da und streichelte de kleinen Bulldoggenrüden sanft über den Kopf.

„So, dann wollen wir uns Pelle mal anschauen“, sagte der Tierarzt mit einem Lächeln und schloss die Tür hinter sich. „Legen sie ihn mal auf den Tisch. Wo tut es ihm denn weh?“

Svea nahm Pelle, so vorsichtig sie konnte, aus seinem Bettchen. Sofort jaulte er auf vor Schmerz. Vor Schreck wäre er ihr beinahe aus den Händen geglitten, doch Doktor Lasowski griff beherzt zu und setzte den wimmernden Bulldoggenrüden auf dem Untersuchungstisch ab.

„Ich seh schon. Hier an der Seite.“ Der Arzt tastete vorsichtig Pelles Brustkorb ab. „Er scheint Schmerzen an den Rippen zu haben.“ Behutsam strich der Tierarzt entgegen dem Strich durch das kurze Fell an Pelles Brustkorb. „Wie ich vermutet habe. Hier haben wir ein großes Hämatom. Ist er gestürzt?“

„Nein!“, antwortete Svea entsetzt.

„Mhh. Sind sie sicher? Oder hat er beim Spielen mit einem anderen Hund einen mitgekriegt?“

Svea schüttelte mit dem Kopf.

„Irgendetwas muss aber passiert sein, denn so ein großes Hämatom kommt nicht von alleine“, sagte der Tierarzt nun in strengem Ton und warf Svea einen zweifelnden Blick zu.

„Es war nichts. Er war den ganzen Tag unter Aufsicht in der Wohnung. Da ist nichts passiert. Und draußen beim Spaziergang war er alleine, er hat mit keinem anderen Hund gespielt.“

„Darf ich ehrlich zu ihnen sein?“

Svea nickte.

„Wenn sie sagen, dass er nicht gestürzt ist, dann sieht es für mich nach den Folgen eines Trittes oder Schlages aus. Es muss eine große Kraft gegen seinen Brustkorb gewirkt haben. Ich kann nicht ausschließen, dass eine oder mehrere Rippen gebrochen sind. Und da hört bei mir der Spaß auf. Das ist Tierquälerei und so etwas dulde ich nicht!“

Svea brach in Tränen aus. Sie schluchzte laut und zitterte am ganzen Körper.

„So etwas würde ich meinem Baby doch niemals antun“, rief sie mit tränenerstickter Stimme.

Suse nahm ihre Freundin in den Arm und versuchte sie zu trösten.

„Ich nehme ihn erstmal mit zum Röntgen. Wir müssen Sicherheit haben, ob er wirklich einen Rippenbruch hat oder nicht.“

Doktor Lasowski verließ den Raum ohne noch ein Wort mit Svea zu wechseln.

„Das kann doch nicht sein Ernst sein!?“, schluchzte Svea in Suses Armen.

„Beruhig dich erstmal. Wir werden das schon klären. Setz dich hier hin und versuch an Pelle zu denken. Ich bin gleich wieder da.“

Svea kramte ein Taschentuch aus ihrer Handtasche und schnäuzte sich, während ihr weiter lautlos Tränen über die Wangen rannen. Ihr Make-up war mittlerweile völlig ruiniert. Sie versuchte, zumindest die gröbsten Spuren ihrer zerlaufenen Wimperntusche von ihren Wangen zu wischen.

„Herr Doktor, warten sie!“, rief Suse über den Flur und eilte zu dem Tierarzt herüber, der gerade mit einer seiner Angestellten den Röntgenraum betreten wollte. Er hielt inne und sah Suse erwartungsvoll an. „Kann ich kurz mit ihnen sprechen?“

„Kommen sie mit rein, wenn es sie nicht stört.“ Suse folgte Doktor Lasowski in den Röntgenraum. „Katrin, geben sie der Dame bitte eine Bleischürze.“ Suse ließ sich die schwere Schürze bereitwillig von der jungen Assistentin umlegen. „Also, was wollen sie besprechen?“

„Meinen sie das ernst mit der Tierquälerei?“

„Sehr ernst“, sagte der Tierarzt mit einem strengen Blick. „Katrin, halten sie den Welpen bitte gut fest, nicht, dass er uns entwischt oder wir ihm noch mehr Schmerzen zufügen.“

Pelle lag mit weit aufgerissenen Augen auf dem Tisch unter dem Röntgenapparat. Sein Brustkorb hob und senkte sich schnell mit jedem Atemzug und er hechelte aufgeregt. Die Tierarzthelferin redete beruhigend auf ihn ein, während Doktor Lasowski die erste Röntgenaufnahme von Pelles Oberkörper machte.

„Hören sie zu, Svea würde diesem Tier niemals etwas antun. Das versichere ich ihnen. Sie liebt diesen Hund, als wäre er ihr eigenes Baby. Verstehen sie? Sie ist völlig aufgelöst.“„Katrin, drehen sie ihn bitte einmal auf die andere Seite. Frau …?“

„Dörner, Suse Dörner.“

„Frau Dörner, ich kann nur sagen, was ich gesehen habe. Und wenn Frau Papendorf sagt, dass nichts vorgefallen ist, dann kann ich das so nicht glauben. Sie scheint die Wahrheit verschweigen zu wollen. Ich kann bei so einem Fall aber nicht einfach wegsehen.“

„Das verstehe ich, aber ich kann ihnen versichern, dass Svea ihrem Pelle niemals mutwillig etwas antun würde. Ihr Freund hat heute auf den Kleinen aufgepasst, während sie im Büro war. Ich kann mir nur vorstellen, dass da etwas vorgefallen ist. Vermutlich hat ihr Freund einfach nicht den Mut gehabt, ihr zu gestehen, dass er nicht richtig auf ihren Welpen aufgepasst hat. Verstehen sie?“

„Es ist unerheblich, wer dem Tier diese Schmerzen zugefügt hat. Wenn es wirklich ein Unfall war, dann werde ich nichts weiter unternehmen, aber falls Pelle noch einmal mit einer ähnlichen Verletzung bei mir vorgestellt wird, dann muss und werde ich handeln.“

„Das verstehe ich. Ich will ja auch nicht, dass ein Tier leidet. Aber sie werden Pelle doch jetzt nicht hierbehalten?“

„Nein, ich denke nicht, aber ihre Freundin muss sich darüber im Klaren sein, dass ich sie im Auge behalten werde.“

Suse nickte verständnisvoll. Doktor Lasowski gab ihr den zitternden Pelle auf den Arm.

„Gehen sie schon zurück zu Frau Papendorf. Ich werte die Röntgenbilder aus und dann komme ich zu ihnen.“

Suse war noch nicht ganz im Behandlungszimmer, da brach Svea wieder lautstark in Tränen aus. Sie nahm Pelle von Suse entgegen und drückte ihn an sich. Der Welpe leckte ihr mit seiner warmen Zunge über die Augen. Obwohl Svea weiter weinte, lachte sie kurz. Doch ihre Mine verfinsterte sich sofort wieder, als Doktor Lasowski den Raum betrat.

„Und?“, fragte sie gespannt.

„Ich kann Entwarnung geben. Es ist nichts gebrochen, aber er hat eine schwere Rippenprellung.“

„Gott sei Dank!“

„Überlegen sie bitte noch einmal, ob sie mir nicht doch die Wahrheit sagen wollen!“, drängte der Tierarzt.

„Ich habe ihnen die Wahrheit gesagt!“, rief Svea empört und drückte Pelle fester an sich.

„Nun gut. Ich muss das wohl erst einmal so hinnehmen. Aber ich möchte Pelle in einer Woche noch einmal sehen. Wenn sein Zustand sich verschlechtern sollte, dann kommen sie bitte sofort in die Praxis.“ Svea nickte. „Er bekommt jetzt noch ein Schmerzmittel gespritzt und einen Entzündungshemmer. Es kann sein, dass er dadurch etwas schläfrig wird, aber das ist ganz normal und Ruhe tut ihm gut. Er sollte in den nächsten Tagen gut überwacht werden und nicht spielen. Ich weiß, dass das bei einem Welpen schwierig ist, aber es ist besser für ihn.“

„Ich werde ihn nicht aus den Augen lassen, versprochen.“

Pelle ließ die Spritzen ohne großen Protest über sich ergehen. Erschöpft kuschelte er sich nach der Behandlung in sein Körbchen und schnarchte die gesamte Autofahrt über laut vor sich hin.

„Du glaubst Christian doch nicht, oder?!“, fragte Suse schließlich.

„Was soll ich ihm nicht glauben?“

„Na, dass er Pelle nichts getan hat.“

„Wieso nicht?“

„Du bist manchmal sowas von naiv, weißt du das?“ Svea warf ihrer besten Freundin einen erstaunten Blick zu, bevor sie ihre Augen wieder auf die Straße richtete. „Du hast den Tierarzt doch gehört, Pelle hat eine schwere Rippenprellung. So etwas passiert nicht einfach so. Er muss schwer gestürzt oder heftig getreten worden sein und dafür kommt nur einer infrage.“

„Christian war aber heute so lieb zu ihm. Er hat Pelle sogar auf seinem Schoß schlafen lassen. Und zu mir war er auch total süß. Er hat mir sogar Süßigkeiten vom Kiosk mitgebracht.“

„Das hört sich aber schwer nach einem Schuldeingeständnis an. Wann hat Christian bitte das letzte Mal etwas für dich getan?“

„Vielleicht ist er endlich aufgewacht und hat begriffen, dass es so nicht weitergeht. Er hat sogar einen ganzen Stapel Bewerbungen geschrieben. Ich habe sie selber vorhin auf dem Weg zu dir in den Briefkasten geworfen.“

„Du bist krank vor Angst um Pelle und er hat nichts Besseres zu tun, als dich auch noch am Briefkasten vorbeizujagen? Das ist mal wieder so typisch für diesen faulen Sack. Der wird sich nie ändern.“

Svea hielt mit ihrem Kleinwagen direkt vor Suses Laden. Suse umarmte sie zum Abschied.

„Danke, dass du mich heute begleitet hast.“

„Gerne. Du weißt, dass ich immer für dich da bin. Aber tu mir einen Gefallen und denk mal über Christian nach.“

Svea nickte. Suse schloss die Autotür und winkte Svea zum Abschied. Dann ging sie zu ihrem Hollandrad herüber, dass sie vor dem Laden angeschlossen hatte.

 

Svea hatte die Wohnungstür noch nicht hinter sich geschlossen, da kam Christian schon aus dem Wohnzimmer auf sie zu gestürmt.

„Und, was hat der Tierarzt gesagt? Geht es ihm gut? Was hat er?“

„Nun mach mal langsam. Lass uns erstmal reinkommen. Pelle braucht jetzt viel Ruhe.“

Svea wollte mit Pelle auf dem Arm an Christian vorbeigehen, doch er nahm ihr das Bettchen mit dem Welpen ab. Verwundert folgte sie ihm ins Wohnzimmer, wo er das Bett behutsam neben die Couch stellte und den schlafenden Pelle hinter dem Ohr kraulte.

„Darf er etwas fressen?“

„Doktor Lasowski hat nichts dagegen gesagt.“

„Ich habe ihm sein Abendessen schon vorbereitet. Und für dich habe ich eine Pizza im Ofen.“

„Du bist so süß!“, stellte Svea mit einem Lächeln fest und küsste ihren Freund.

Christian grinste sie breit an. Dann ging er voran in die Küche.

„Setz dich einfach hin, ich serviere dir dein Essen gleich.“

Überrascht nahm Svea am Küchentisch Platz. Langsam kam ihr Christians zuvorkommendes Verhalten doch etwas merkwürdig vor und Suses Worte hallte in ihrem Kopf wider.

Was, wenn er wirklich etwas mit Pelles Verletzung zu tun hat und es zu vertuschen versucht? Es wäre zumindest eine Erklärung für das ganze Theater, was er hier heute veranstaltet. Wenn er mir mal eine Pizza in den Ofen geschoben hat, dann war mit dieser Geste aber auch schon Schluss, sobald er den Ofen eingeschaltet hatte. Den Rest musste ich dann schon alleine machen. Und heute bedient er mich von vorne bis hinten. Oder hat er endlich gemerkt, wie wichtig Pelle mir ist?

In diesem Moment stellte Christian den Teller mit der dampfenden Pizza vor Svea ab. Auch ein Glas Rotwein schenkte er ihr ein. Svea lächelte ihren Freund an und vergaß sofort wieder alle Zweifel, die sie in den letzten Minuten an seinem Handeln gehabt hatte. Sie war sich sicher, dass Suse sich getäuscht hatte. Christian war zwar faul, ließ sich seit Monaten von ihr durchfüttern, seit die IT-Firma, für die er seit dem Ende seines Studiums gearbeitet hatte, von heute auf morgen Pleite gegangen war, aber er war kein boshafter Mensch und er würde einem kleinen unschuldigen Welpen niemals so etwas grausames antun. Svea genoss ihre Pizza Stück für Stück und beobachtete, wie Christian sich derweil um Pelle kümmerte. Er brachte ihm sein Fressen und wartete bis der Rüde jeden Krümel aus dem Napf geleckt hatte. Svea nahm ihr Weinglas und ging damit zur Couch herüber. Erschöpft ließ sie sich in die Polster fallen. Ausnahmsweise legte sie ihre Füße auf dem Couchtisch ab. Eigentlich rügte sie Christian immer, wenn er das tat, aber heute war ihr selber mal danach. Sie nippte an dem Wein. Er war ihr zwar etwas zu lieblich, aber sie sagte nichts. Die Geste zählte für sie.

„Er hat alles aufgefressen. Ist das ein gutes Zeichen?“

„Ich glaube schon. Ich habe mal irgendwo gelesen, dass man sich um eine Bulldogge erst richtig Sorgen machen muss, wenn sie nicht mehr frisst.“

„Puuh. Dann haben wir wohl nochmal Glück gehabt.“

Er sagt wir. Zum ersten Mal sieht er Pelle als einen Teil von unserem gemeinsamen Leben an.

Christian schien sichtlich erleichtert zu sein. Er streichelte Pelle noch einmal über den Kopf. Der Rüde rollte sich direkt wieder in seinem Körbchen zusammen und schloss die Augen. Christian räumte noch die Küche auf, dann ließ er sich neben Svea auf das Sofa fallen. Er legte seinen Arm um sie.

„Auch eine Maus?“, fragte sie und hielt ihm eine von den weißen Speckmäusen aus ihrer Süßigkeitentüte hin.

Ohne ein Wort zu sagen, biss Christian der Maus den Kopf ab und kaute genüsslich, dann nahm er sich den Rest aus Sveas Hand.

„Hey!“, rief Svea übertrieben empört und gab Christian lachend einen Klaps auf den Oberarm. Über den Rest der Tüte machte Svea sich alleine her. Christian hielt nicht sonderlich viel von Gummitierchen, Schaumzucker und Lakritz. Er öffnete sich noch eine Flasche Bier und trank sie fast in einem Zug aus.

„Du, darf ich dich mal was fragen?“

„Was denn?“

„Was ist heute wirklich passiert? Ich meine mit Pelle.“

Christian setzte sich sofort auf und sah sie erstaunt an.

„Nichts. Das habe ich dir doch gesagt. Wie kommst du darauf, dass doch etwas passiert ist?“

Christian senkte seinen Blick und spielte mit dem Bügelverschluss seiner Bierflasche.

„Weil der Tierarzt gesagt hat, dass so ein Bluterguss nicht einfach so entsteht. Pelle muss entweder gestürzt sein oder …“ Sie machte eine Pause und schluchzte. „Oder er ist getreten worden, und zwar ziemlich heftig.“

„Vielleicht ist er vom Tisch gefallen, als ich am Kiosk war? Er hat schon öfter versucht, auf den Küchentisch zu klettern und ich hatte da noch die Reste vom Mittagessen stehen.“

„Mhh. Dann muss er aber sehr ungünstig gefallen sein. Aber es wäre eine Erklärung.“

Svea gab sich mit Christians Aussage zufrieden. Auch, wenn sie noch einmal kurz an ihm gezweifelt hatte, sie wollte es ihm einfach glauben.

Immer wieder versuchte Pelle in dieser Nacht, aus seinem Körbchen zu Svea ins Bett zu klettern. Und immer wieder schob sie ihn mit aller Vorsicht, aber gleichzeitig sehr bestimmt, zurück in sein kuscheliges Körbchen, das direkt neben ihrem Bett stand. Normalerweise schlief Pelle draußen im Flur, aber da Doktor Lasowski ihr ausdrücklich gesagt hatte, dass Pelle unter Beobachtung bleiben musste, hatte Svea ihn in dieser Nacht mit ins Schlafzimmer genommen. Christian hatte ihr Handeln stillschweigend hingenommen, aber Svea wusste, dass es ihm unglaublich schwergefallen war. Wieder legte Pelle seine Vorderpfoten auf die Bettkante und stupste Svea mit seiner feuchten kalten Nase an. Sie versuchte, ihn zu ignorieren, aber Pelle hatte längst gemerkt, dass sein Frauchen nicht schlief. Er fiepte leise vor sich hin, dann stupste er sie wieder an.

„Was ist denn? Warum schläft er denn nicht endlich?“, fragte Christian gequält und drehte sich auf seiner Seite des Bettes um.

„Er hat sicher wieder Schmerzen und sucht deshalb Schutz bei mir. Meine Nähe gibt ihm Sicherheit. Ich bin schließlich im Moment noch so eine Art Mutterersatz für ihn.“

„Dann sei eine gute Mutter und mach, dass er endlich schläft. Ich brauche auch Ruhe!“, sagte Christian mit einem genervten Seufzer und vergrub sein Gesicht im Kopfkissen.

Svea legte ihre Hand wieder auf Pelles Brust und gab ihm einen sanften Schubs. Widerwillig legte er sich zurück in sein Bettchen. Diesmal ließ Svea ihre Hand von ihrem Bett herunterhängen und legte sie direkt an Pelles Brustkorb. Sie spürte, wie sich die Atmung des Welpen unter ihrer Berührung langsam beruhigte. Nach einer Viertelstunde schlief die Französische Bulldogge tief und fest. Selig schnarchte Pelle vor sich hin. Weder Svea noch Christian bekamen allerdings ein Auge zu.

„Kannst du das nicht abstellen?“, grummelte Christian.

„Sei doch froh, dass er endlich schläft.“

„Na toll. Ich kann bei dem Krach aber nicht schlafen.“

Svea verdrehte die Augen.

So schnell ist es mit seinem Verständnis und seiner Fürsorge also schon wieder vorbei. Wer von uns beiden muss denn morgen wieder früh im Büro sein? Als wenn er in den vergangenen Wochen jemals vor 9 Uhr aufgestanden wäre.

Svea öffnete langsam ihre Augen, als sie merkte, dass Christian aus dem Bett kroch.

---ENDE DER LESEPROBE---