Perry Rhodan 1204: Der erste Impuls - H.G. Ewers - E-Book

Perry Rhodan 1204: Der erste Impuls E-Book

H.G. Ewers

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Beschreibung

Entscheidungsort Mumienschiff - die Zeitgänger schlagen zu Der Kampf um die Kommandogewalt über die Endlose Armada ist entschieden. Die Voraussage des Armadapropheten, der Terraner Perry Rhodan würde den gigantischen Heerwurm von Raumschiffen eines Tages befehligen, hat sich im Juli des Jahres 427 NGZ erfüllt. Inzwischen schreibt man das Ende des Jahres 427 NGZ, und die Galaktische Flotte hat längst wieder die Milchstraße erreicht. Zum gleichen Zeitpunkt beginnt ein kosmisches Verwirrspiel, das Kazzenkatt, der Lenker des Dekalogs der Elemente, geschickt eingefädelt hat. Kazzenkatt bekommt Perry Rhodan überraschend in seine Gewalt. Durch den Sturz in die Zeit versucht er den Terraner so zu manipulieren, dass das wichtige Chronofossil Andro-Beta den Mächten des Chaos anheimfallen möge. Doch dank Nisel, dem Zeitgänger, gelingt es Perry Rhodan, sich nach seinem Sturz durch die Zeit zu behaupten und das Duell auf den Zeitspuren zu bestehen. Darüber hinaus durchkreuzt er wirksam die Pläne des Dekalogs und leitet Gegenmaßnahmen ein. Sollten diese Gegenmaßnahmen fruchten, erfolgt für den Frostrubin DER ERSTE IMPULS ...

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Seitenzahl: 127

Veröffentlichungsjahr: 2012

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Nr. 1204

Der erste Impuls

Entscheidungsort Mumienschiff – die Zeitgänger schlagen zu

von H. G. Ewers

Der Kampf um die Kommandogewalt über die Endlose Armada ist entschieden. Die Voraussage des Armadapropheten, der Terraner Perry Rhodan würde den gigantischen Heerwurm von Raumschiffen eines Tages befehligen, hat sich im Juli des Jahres 427 NGZ erfüllt.

Inzwischen schreibt man das Ende des Jahres 427 NGZ, und die Galaktische Flotte hat längst wieder die Milchstraße erreicht. Zum gleichen Zeitpunkt beginnt ein kosmisches Verwirrspiel, das Kazzenkatt, der Lenker des Dekalogs der Elemente, geschickt eingefädelt hat.

Kazzenkatt bekommt Perry Rhodan überraschend in seine Gewalt. Durch den Sturz in die Zeit versucht er den Terraner so zu manipulieren, dass das wichtige Chronofossil Andro-Beta den Mächten des Chaos anheimfallen möge.

Doch dank Nisel, dem Zeitgänger, gelingt es Perry Rhodan, sich nach seinem Sturz durch die Zeit zu behaupten und das Duell auf den Zeitspuren zu bestehen. Darüber hinaus durchkreuzt er wirksam die Pläne des Dekalogs und leitet Gegenmaßnahmen ein.

Die Hauptpersonen des Romans

Perry Rhodan – Der Terraner als Zeitgänger.

Nisel – Perry Rhodans Begleiter durch Zeiten und Räume.

Gesil – Sie nimmt das Heft in die Hand.

Gucky – Der Mausbiber sorgt für den Erfolg des »Projekts Demaskierung«.

Kevin MacIntosh – Pilot und Kybagoge.

Kazzenkatt

1.

Unter der Zeitmarke

Perry Rhodan spürte mit all seinen Sinnen, dass er und Nisel sich dicht vor der Wendemarke befanden, jenseits der noch kein Ereignis, das sich in seinem bisherigen Leben abgespielt hatte, auch nur den Hauch einer Realität besaß.

Über eine verwirrende Fülle von Zeitspuren, in denen sich die Schicksale von Einzelwesen und Völkern gleich irrealen Spielszenen abspulten, waren der Zeitgänger und er tiefer und tiefer in die Gefilde der Vergangenheit gestürzt. Das Universum hatte sich aus Sonnen und Planeten, aus Galaxien und Wasserstoffnebeln zurückentwickelt zu einem immer diffuseren und immer greller strahlenden Etwas, in dem sich alles komprimierte, das dereinst in ferner Zukunft ein von Leben und Intelligenz durchpulstes Universum gewesen war.

Wahnwitzig! Das war das Adjektiv, das dem Terraner dazu einfiel. Einem Menschen, der Bewegung und Evolution bisher immer als Größen kennengelernt hatte, die in einer Richtung abliefen, nämlich von der Vergangenheit in die Zukunft, musste es wahnwitzig erscheinen, dass sich die festgefügte Ordnung plötzlich umkehrte.

Kein Wunder, dass ihn das Grauen erfasste und ihn zwingen wollte, den Absturz aufzuhalten. Doch das war unmöglich. Die grelle Helligkeit implodierte unaufhaltsam – und das Universum verschwand.

Es dauerte eine Weile, bis Rhodan begriff, dass er nicht ebenfalls verschwunden war. Noch etwas länger brauchte er, um zu fassen, dass er sich nicht im lethargischen Schlaf einer alles umfassenden Finsternis befand, als die er sich früher den Zustand der Proto-Genesis vorgestellt hatte, sondern vielmehr in einem von tiefen Schründen und Klüften zerfurchten Land aus formen- und farbenprächtigen Erscheinungen, die sich unablässig veränderten.

»Es ist Protomaterie«, erklärte Nisel neben ihm. »Sie wirkt auf dich unheimlich, ist aber ungefährlich. Doch sie ist nicht alles, was in der Starre existiert. Wir müssen auf die Kybernos achten.« Der Terraner drehte sich nach seinem Führer um, während er mit ausgebreiteten Armen auf einer buntschillernden elastischen Masse balancierte. Seine Augen weiteten sich, als er Nisel nicht wie bisher als geisterhafte diffuse Erscheinung sah, sondern als materiell stabilen Körper von annähernd humanoidem Äußeren, und er schien diesmal auch akustisch zu ihm gesprochen zu haben, anstatt wie bisher nur mental zu kommunizieren.

Aber Rhodan hielt sich nicht unnötig mit solchen Nebensächlichkeiten auf. Er kämpfte nicht nur um sein äußeres Gleichgewicht, sondern mehr noch um sein inneres.

Um sich schneller zurechtzufinden, klammerte er sich an Begriffe, die er schon einmal gehört hatte. Die erwähnte »Starre« war ein solcher Begriff. Nisel hatte ihm vor dem Sturz unter den Big Bang erklärt, dass der traditionelle Treffpunkt seines Volkes sich in der Starre befände, die zeitlich eine Sekunde vor dem Großen Knall läge, und dass sie deshalb so hieße, weil dort keine Zeit verflösse.

Für Rhodans Wahrnehmungsvermögen sah das zwar anders aus, aber er verwandte keine Gedanken darauf, nach einer Erklärung dafür zu suchen. Vielmehr beschäftigte er sich mit dem Begriff, der neu für ihn war. Nisel hatte von Kybernos gesprochen und gesagt, sie müssten auf sie achten.

Da er jedoch außer dem Zeitgänger und der seltsamen Protomaterie nichts weiter sah, beschäftigte Rhodan sich erst einmal mit vertrauten Dingen. Er musterte die Anzeigen der Sensoren des Raumanzugs, den Kazzenkatt und Waylinkin ihm gegeben hatten und der große Ähnlichkeit mit einem SERUN besaß. Erschrocken stellte er fest, dass er mit den angezeigten Werten absolut nichts anfangen konnte. Es war der erste konkrete Hinweis darauf, dass der Ort, an dem er sich befand, nicht mit dem Universum verwandt war, aus dem er kam. Er versuchte, das Gravo-Pak einzuschalten und war nicht überrascht, als es nicht ging.

»Was sind die Kybernos?«, erkundigte er sich bei Nisel. Da er den Druckhelm seines Raumanzugs geöffnet hatte, war er nicht auf die ungewisse Funktion eines Helmfunks angewiesen.

An Stelle einer Antwort schnellte der Zeitgänger sich aus dem Stand vorwärts und riss Rhodan mit sich zu Boden. Rhodan wehrte sich nicht dagegen, denn das Stampfen und Dröhnen ringsum warnte ihn. Er blieb liegen und versuchte einen Halt auf dem um drei Achsen schaukelnden Untergrund zu finden. Gleichzeitig hob er trotz der eindringlichen Warnung den Kopf so weit, dass er mit den Augen nach der Ursache der unheilverkündenden Geräusche suchen konnte.

Er erschrak, als er neben sich eine bleigraue, grobporige Wand aufragen sah, unter der sich mehrere Gleisketten mit summenden und mahlenden Geräuschen drehten. Sie schienen ihn überrollen zu wollen. Aber der Eindruck unmittelbarer Nähe war eine optische Täuschung, hervorgerufen durch die gewaltige Größe des Objekts.

Nach der ersten Schrecksekunde erfasste der Terraner einen größeren Teil des Gebildes. Es erinnerte ihn an ein Zwischending von Festung und Panzerfahrzeug und hatte etwa die Dimension eines Wohnblocks. Weiter oben waren seine metallischen Wände abgestuft und mit Kuppeln besetzt, die sich unablässig drehten und aus trichterförmigen Öffnungen undefinierbare Gegenstände schossen oder schleuderten.

Rhodan duckte sich tiefer, als vor seinem Gesicht etwas auf den Boden klatschte. Als er den Kopf vorsichtig wieder hob, sah er, dass es sich um eine Art Roboter handelte, der eine gewisse Ähnlichkeit mit einem deformierten Armadamonteur besaß. Unwillkürlich tastete der Terraner nach dem Blaster in seinem Gürtelhalfter, denn die umherpeitschenden Metall-Tentakel schienen es auf ihn abgesehen zu haben – bis er merkte, dass der Roboter weder ihn noch sonst jemanden angriff. Vielmehr zerlegte er sich ziemlich rasch in seine Einzelteile, die sich daraufhin in staubkorngroße Gebilde auflösten.

Rhodans Aufmerksamkeit wurde wieder auf die »Festung« gelenkt. Aus ihrem Innern kam das Dröhnen und Tosen schwerer Maschinen. Ihre Gleisketten drehten sich schneller. Das Riesengebilde entfernte sich. Dafür tauchte ein zweites Riesengebilde in Rhodans Blickfeld auf. Es war noch etwas größer als das erste, wirkte dafür aber weniger kompakt, sondern stärker untergliedert. Über seine rotbraune Oberfläche krochen Hunderte silbrig schimmernder, metallischer Gebilde. Ihre Formen waren unterschiedlich, aber es schien sich ausnahmslos um Roboter zu handeln. Sie wogten ungeordnet hin und her, so schien es, bis der Terraner sah, dass sich immer wieder mehrere von ihnen auf andere robotische Gebilde stürzten, die von der ersten »Festung« verschossen wurden. Sie rissen sie förmlich in Stücke, dann zerstreuten sie sich wieder, um den nächsten Angriff zu erwarten.

»Es sind Kybernos«, rief Nisel in Rhodans Ohr, als sich die beiden »Festungen« weiter von den beiden Reisenden entfernten. »Überreste der am höchsten entwickelten Lebensformen des vorausgegangenen Universums. Sie schlachten sich gegenseitig aus.«

Perry Rhodan richtete sich auf, um besser sehen zu können. Er zog hastig den Kopf ein, als ein Schauer aus Robotern über ihn und Nisel hinwegflog, fehlgegangene Geschosse der ersten »Festung«, deren Treffsicherheit anscheinend beeinträchtigt war. Dafür deckte die zweite »Festung« ihren Gegner mit Robotgeschossen ein. Kuppeln barsten, Wände brachen zusammen. Die erste »Festung« löste sich auf. Teile aus ihrem Innern schwebten plötzlich auf die siegreiche »Festung« zu und wurden dort integriert. Innerhalb weniger Minuten war vom Verlierer nur noch ein Metallskelett übrig.

Der Zweck dieses Kampfes war für Rhodan leicht einzusehen. Der Gewinner verbesserte sich mit den Teilen des Verlierers. Er erhöhte die eigene Manövrierfähigkeit und Kampfkraft und damit sein Überlebenspotenzial. Aber es gab Fragen, die sich nicht so leicht beantworten ließen.

»Sind es rein robotische Gebilde?«, erkundigte er sich.

»Es handelt sich um Synthesen aus organischen und kybernetischen Komponenten«, antwortete Nisel. »Aber wir müssen zusehen, dass wir weiterkommen. Es gibt Kybernos, die auch Zeitläufer angreifen. Vor ihnen sind wir nur im Nebelsee sicher.«

Er rappelte sich auf und zog Rhodan mit hoch. Danach strebte er über den schwankenden Untergrund auf ein in allen Farben leuchtendes Gebilde zu, dessen Form den Terraner an einen Ausschnitt der Chinesischen Mauer erinnerte. Er beeilte sich, seinem Führer zu folgen. Aber das war gar nicht so einfach. Immer wieder brachte der schwankende Untergrund ihn zu Fall. Die Distanz zu Nisel vergrößerte sich.

Als die siegreiche »Festung« dröhnend und rasselnd davonkroch, blieb Rhodan stehen, um sich auszuruhen. Er lachte unwillkürlich, als er sah, wie Nisel vergeblich versuchte, auf allen vieren die »Mauer« zu erklimmen. Da auch sie sich bewegte, schüttelte sie ihn immer wieder ab.

»Ich finde das gar nicht schnorm!«, schimpfte Nisel nach einem weiteren vergeblichen Besteigungsversuch. »Schnorm« war seine Bezeichnung für »witzig, amüsant, vergnüglich«.

Perry Rhodan lachte weiter, bis er das Ding entdeckte, das sich ihm von links näherte. Es sah auf den ersten Blick gar nicht bedrohlich aus, sondern glich eher einem überdimensionierten elektronischen Spielzeugauto. Dieser Eindruck wurde noch durch die kreisenden Antennen und blinkenden Lichter verstärkt, die seine Aufbauten zierten. Erst die Stetigkeit, mit dem es sich dem Terraner näherte, weckte seinen Argwohn, es könnte es auf ihn abgesehen haben.

Er lief weiter, erreichte die Mauer und erlebte das gleiche Debakel wie Nisel, als er sie zu ersteigen versuchte. Schweiß brach ihm aus. Er sah sich nach dem überdimensionierten Spielzeugauto um. Es war bedrohlich nahe gekommen, hing allerdings mit einem seiner vier großen Ballonreifen in einem Spalt fest, der sich unter ihm aufgetan hatte. Mit aufheulendem Antrieb ruckte es vor und zurück, um sich zu befreien. Rhodan hatte den Eindruck, als sei es wütend über sein Missgeschick.

Er wandte sich wieder der Mauer zu, die etwa fünf Meter hoch war. Ihre Schräge hätte ausreichen müssen, um sie zu besteigen, wenn sie stillgehalten hätte. Mit ausreichendem Anlauf wäre sie zu bezwingen gewesen, doch der schwankende Untergrund verhinderte die Erreichung der notwendigen Geschwindigkeit.

Als Rhodan sah, dass sich der Spalt verflachte, in dem der Verfolger festsaß, wandte er sich Nisel zu.

»Du musst auf meine Schultern steigen«, erklärte er. »Vielleicht geht es dann.«

Der Zeitgänger sah ihn zweifelnd an, doch da kam der Verfolger mit einem letzten Aufheulen des Antriebs frei und rollte auf sie zu. Hastig bückte sich Rhodan. Nisel stieg auf seine Schultern – und als der Terraner aufstand, streckte er die Hände nach der Mauerkrone aus.

Aber es reichte nicht ganz. Rhodan packte die Füße seines Führers. Ächzend stemmte er sie hoch, und diesmal gelang es Nisel, die Mauerkrone zu fassen und sich hinaufzuziehen. Er legte sich oben hin und ließ die Arme herabhängen – eine nutzlose Geste, denn selbst bei hochgereckten Armen fehlte dem Terraner mindestens ein ganzer Meter.

Rhodan zog den Blaster und schoss. Der Energiestrahl raste auf den Verfolger zu – und fächerte kurz davor an einem unsichtbaren Hindernis auseinander.

Mit sattem klingendem Brummen rollte das Fahrzeug weiter auf den Terraner zu. An seinem Bug bildete sich eine Öffnung. Dahinter waren zwei mit Metallzähnen besetzte Rollen zu sehen, die gegenläufig rotierten.

Es blieb Perry Rhodan nichts weiter übrig, als von der Mauer abzulassen und an ihr entlang zu flüchten. Doch schon bald wurde ihm klar, dass er so nicht entkommen konnte. Sein Verfolger war erheblich schneller als er.

Nisel rannte schreiend und gestikulierend auf der Mauerkrone hin und her. Rhodan stieß eine Verwünschung aus. So würde ihm sein Führer nicht helfen können. Im Gegenteil, er lockte nur weitere Feinde an. Schon nahte ein zweiter Verfolger.

Rhodan duckte sich, als der erste Verfolger einen Greifarm ausfuhr und ihn in seine Richtung schwenkte. Der Arm verfehlte ihn nur knapp. Die Greifklauen schnappten dicht über seinem Kopf zu. Das Surren der Zahnrollen klang in seinen Ohren wie das Knurren eines hungrigen Wolfs.

Der Greifarm zog sich zurück und stieß abermals zu. Diesmal musste der Terraner sich zu Boden werfen, um den metallischen Klauen zu entgehen. Er sah sich gehetzt um, doch es gab keinen Ausweg. Beim nächsten Mal würde das mörderische Werkzeug ihn packen. Unwillkürlich tastete er nach dem Zellaktivator unter seinem Raumanzug. Er lachte bitter, als die Senso-Rezeptoren seiner Handschuhe ihn die Eiform des Geräts fühlen ließen. Wieder einmal bekam er die Relativität seiner Unsterblichkeit drastisch vor Augen geführt. Gegen einen gewaltsamen Tod schützte auch dieses Erzeugnis einer Supertechnik nicht.

Das Antriebsaggregat des Verfolgers heulte schrill auf, dann rollte die Maschine zurück. Der Greifarm streckte sich, dann hieb er erbarmungslos zu. Rhodans Atem stockte. Aber nicht ihm hatte der Hieb gegolten, sondern dem zweiten Verfolger, der seinen Greifarm in die Aufbauten des ersten gehakt hatte und ihn wegzerrte.

Rhodan begriff, dass die beiden Maschinen um ihn kämpften. Jede sah ihn als ihre Beute an, versuchte, den Konkurrenten zu behindern.

Nisel schrie etwas von oben.

Rhodan sah auf und bemerkte, dass der Zeitläufer nur noch mit den Händen an der Mauerkrone hing. Er hatte den übrigen Körper herabgelassen. Es war die letzte Chance für den Terraner, sein Leben zu retten. Er sprang und bekam die Beine Nisels dicht über den Füßen zu fassen. Schweratmend zog Nisel sich hoch. Sein Körper und der Rhodans schleiften pendelnd an der Mauer entlang, und hinter ihnen klirrten die Greifarme der beiden Kybernos gegeneinander und heulten ihre Aggregate.

Endlich gelang es Nisel, sich bäuchlings wieder auf die Mauerkrone zu ziehen. Rhodan arbeitete sich Hand über Hand an seinen Beinen nach oben – und schließlich vermochte er die vordere Kante der Mauerkrone mit einer Hand zu ergreifen.

Sekunden später lag er keuchend neben Nisel. Vor seinen Augen flimmerte es. Als sein Atem ruhiger ging und er wieder klar sah, spähte er nach unten.

Der Kampf der beiden Kybernos war vorbei. Einer von ihnen war umgestürzt und dadurch hilflos geworden. Sein Greifarm zuckte ohnmächtig über den Boden, während sein Konkurrent ihm die Unterseite aufgerissen hatte und mit den Greifklauen Stücke aus elektronischen und plasmaartigen Innereien aus ihm herausriss und sie zwischen seine rotierenden Zahnrollen schob.

»Danke!«, stieß der Terraner erleichtert hervor.

»Naffy!«, erwiderte Nisel. Es bedeutete soviel wie »Was soll's, nichts Besonderes«. Er richtete sich auf und bedeutete dem Gefährten durch Gesten, ihm zu folgen.

Die Mauerkrone war zwar breit, aber dadurch, dass sie sich unablässig bewegte, bot sie etwa soviel Halt wie der Rücken eines galoppierenden Pferdes. Rhodan und Nisel mussten mit ausgebreiteten Armen über sie balancieren.

Sie waren kaum ein paar Schritte weit gekommen, als ein Aggregat aufheulte. Rhodan sah nach unten und bemerkte, dass der Kyberno von seinem Opfer abgelassen hatte und zur Mauer rollte. Sein Greifarm schwenkte nach oben, erreichte aber die Mauerkrone nicht.

»Komm!«, rief Nisel dem Terraner zu. »Nicht stehen bleiben!«