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Boten aus Estartu - in der Gewalt des Schrecklichen Jägers Auf Terra und in der Menschheitsgalaxis schreibt man den November des Jahres 445 NGZ. Somit sind seit den dramatischen Ereignissen, die zum Aufbruch der Vironauten, zur Verbannung der Ritter der Tiefe durch die Kosmokraten und zum Erscheinen der beiden Sothos aus der Mächtigkeitsballung Estartu führten, rund 16 Jahre vergangen. Vieles ist seither geschehen: Die Lehre des Permanenten Konflikts und der Kriegerkult haben in der Galaxis ihren Einzug gehalten - Sotho Tyg Ian hat nachhaltig dafür gesorgt. Glücklicherweise hat der Sotho den Widerstand der Galaktiker nicht brechen können - und daher besteht Hoffnung, dass sich die Situation in der Milchstraße eines Tages zum Besseren wenden möge. Auch in Estartu selbst, dem Reich der zwölf Galaxien, wo die Ewigen Krieger seit Jahrtausenden ihre Herrschaft ausüben, regt sich immer noch Widerstand. Vor allem sind die Gänger des Netzes aktiv, zu denen neben anderen prominenten Galaktikern auch Perry Rhodan gehört. Gegenwärtig wird von Estartu aus versucht, eine Verbindung zur Milchstraße herzustellen. Das Virenschiff AVIGNON, ein Segment von Bullys EXPLORER, ist unter dem Kommando von Fazzy Slutch unterwegs, um den Terranern eine wichtige Nachricht zu überbringen. Der weite Flug verläuft zuerst reibungslos - doch dann stoßen die Vironauten auf DAS WUNDER DER MILCHSTRASSE ...
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Seitenzahl: 130
Veröffentlichungsjahr: 2013
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Nr. 1308
Das Wunder der Milchstraße
Boten aus ESTARTU – in der Gewalt des Schrecklichen Jägers
von Kurt Mahr
Auf Terra und in der Menschheitsgalaxis schreibt man den Dezember des Jahres 445 NGZ. Somit sind seit den dramatischen Ereignissen, die zum Aufbruch der Vironauten, zur Verbannung der Ritter der Tiefe durch die Kosmokraten und zum Erscheinen der beiden Sothos aus der Mächtigkeitsballung ESTARTU führten, rund 16 Jahre vergangen.
Vieles ist seither geschehen: Die Lehre des Permanenten Konflikts und der Kriegerkult haben in der Galaxis ihren Einzug gehalten – Sotho Tyg Ian hat nachhaltig dafür gesorgt. Glücklicherweise hat der Sotho den Widerstand der Galaktiker nicht brechen können – und daher besteht Hoffnung, dass sich die Situation in der Milchstraße eines Tages zum Besseren wenden möge.
Auch in ESTARTU selbst, dem Reich der 12 Galaxien, wo die Ewigen Krieger seit Jahrtausenden ihre Herrschaft ausüben, regt sich immer noch Widerstand. Vor allem sind die Gänger des Netzes aktiv, zu denen neben anderen prominenten Galaktikern auch Perry Rhodan gehört.
Gegenwärtig wird von ESTARTU aus versucht, eine Verbindung zur Milchstraße herzustellen. Das Virenschiff AVIGNON, ein Segment von Bullys EXPLORER, ist unter dem Kommando von Fazzy Slutch unterwegs, um den Terranern eine wichtige Nachricht zu überbringen.
Bonifazio »Fazzy« Slutch – Ein Nichtkämpfer wächst über sich selbst hinaus.
Veeghr und Megan Suhr – Mentor und Komentorin der AVIGNON.
Rasmer Dunn – Ein Terraner im Dienst des Sothos Tyg Ian.
Windaji Kutisha – Chef der Jägerbrigade des Sothos.
Armond Mays
Mit leerem Blick sah er in das Gewimmel der Farben auf der großen Videofläche. Rotierende, explodierende Sterne, glühende Energiebahnen des intergalaktischen Vakuums tanzten, zuckten und waberten vor seinen Augen. Er nahm sie nicht wahr. Er sah das Universum aus der Sicht des Psi-Reisenden. Das Bild war lebendig und von atemberaubender Buntheit. Aber wenn man etwa zweieinhalb Wochen lang tagaus, tagein nichts anderes zu sehen bekommt, wird's einem allmählich langweilig.
Hinzu kam, dass Bonifazio Slutch genannt »Fazzy«, für Kunst kein Verständnis hatte. Und das, was das Weltall ihm hier darbot, war in seinen Augen Kunst.
Er saß in einem Sessel aus Virensubstanz, die linke Hand auf die Lehne gestützt. Seine Haltung verriet innere Unruhe. Er fuhr sich mit der Rechten übers Kinn. Es raschelte. Er hatte sich seit Tagen nicht mehr die Mühe gemacht, den Bartwuchs zu entfernen.
Achtzehn Tage war es her, seit er sich von Reginald Bull hatte breitschlagen lassen. Er musste vorübergehend den Verstand verloren haben. Wie sonst hätte man Bonifazio »Fazzy« Slutch zu einem Auftrag überreden können, bei dem er höchstwahrscheinlich in ernsthafte körperliche Gefahr geraten würde? Welcher Teufel hatte ihn geritten, die Leitung einer Expedition zu übernehmen, die einen Abgrund von 40 Millionen Lichtjahren überbrücken und am Ziel nach einem Mann suchen sollte, von dem man seit dreizehn Jahren nichts mehr gehört hatte?
Er versuchte, sich auszumalen, wo er jetzt wäre, wenn es den Augenblick geistiger Umnachtung nicht gegeben hätte. Wahrscheinlich an Bord der EXPLORER. Sie schipperten durch die Galaxis Absantha-Gom und suchten nach den Spuren der geheimnisvollen Lao-Sinh. Es wäre ein gemütliches Leben.
Statt dessen saß er jetzt im Kontrollraum der AVIGNON und wartete auf den Augenblick, in dem das estartische Wunder der Milchstraße vor ihm auftauchte. In achtzehn Tagen hatte das flinke Virenschiff 90 Prozent der Gesamtdistanz zurückgelegt. Damals, vor 15 Jahren, hatte Sotho Tyg Ian davon geprahlt, dass man sein Wunder bis ans Ende des Universums würde sehen können. Anhänger des Kriegerkults neigten zur Übertreibung. Aber es konnte nicht mehr lange dauern, bis Gume Shujaa, das Große Leuchtfeuer, die Faust des Kriegers, am psionischen Horizont auftauchte.
Er ließ die linke Hand von der Armlehne gleiten und sank in die Polster des Sessels zurück. Er sah sich um. Veeghr saß reglos vor seiner Konsole. Der Virotron klebte ihm auf dem Tellerkopf wie eine zu klein geratene Krone. Die Augen im rückwärtigen Teil des Schädels schienen Fazzy anzustarren. Aber Fazzy wusste, dass der Blue sich auf die Anzeigen vor ihm konzentrierte. Veeghr war der Mentor der AVIGNON, ein vorzüglicher Mentor. Es kostete ihn keine Mühe, das Schiff zu Höchstleistungen zu überreden.
Ein paar Meter abseits saß Megan Suhr. Fazzy Slutch konnte nur ihren aschblonden Schopf sehen, der sich in sanften Wellen über die Rückenlehne des Sessels drapierte. Megan hatte sich schon seit Stunden nicht mehr gerührt. Wahrscheinlich war sie eingeschlafen. Für die Komentorin gab es nichts zu tun, solange der Mentor das Steuer führte.
Megan. Fazzy versuchte, sie sich vorzustellen, wie sie in ihrem Sessel hing. Bei der Vorstellung wurde ihm warm ums Herz. Megan war keine Schönheit. Sie war ein bisschen zu dick – drall nannte man das. Ihr Gesicht war hübsch, aber hübsch auf eine schablonisierte Art und Weise. Es gab viele Frauen, die auf dieselbe Weise hübsch waren wie Megan. Schau, wer da redet, verspottete Fazzy sich selbst. An dir ist schließlich auch kein Adonis verlorengegangen. Aber Megan hatte Temperament und ein ziemlich flottes Mundwerk obendrein.
»Es wäre schön ...«, seufzte Fazzy. Eine Welle von Selbstmitleid schlug über ihm zusammen, als er darüber nachdachte, wie einsam sein Dasein war. An Bord der Virenschiffe ergaben sich Bindungen schnell und gingen ebenso schnell wieder auseinander. Bei alldem kam Bonifazio Slutch gewöhnlich ein wenig zu kurz. Er war klein, nicht einmal einssiebzig groß, und schmächtig. Was die Natur ihm in der Schulterbreite versagt hatte, das hatte sie ihm bei der Dimensionierung der Nase um so großzügiger zugestanden. Fazzy trug einen Zinken mit sich herum, der andere zum Lachen reizte, und sein Mund war ungewöhnlich breit.
Nein, Fazzy war kein Typ, um den sich die Frauen rissen. Er überwand die Enttäuschung, indem er Späße darüber riss. Er war ein Clown, der andere zum Lachen brachte. Aber tief drinnen war der großmäulige, schlagfertige, stets zu Scherzen aufgelegte Fazzy Slutch ein einsamer Mensch.
Die AVIGNON hatte eine Besatzung von 40 Mann. Davon waren 34 Männer und Frauen terranischer Herkunft. Vier stammten von den Kolonien Arkons, und zwei waren Blues. Fazzy hatte sich um die Liaisons, die sich unter der Besatzung herausbildeten, nicht eigentlich gekümmert. Aber Megan war, soweit er wusste, an niemand gebunden.
Die Sache wäre einen Versuch wert, dachte er.
»Seht her«, sagte Veeghr in diesem Augenblick. »Das Große Leuchtfeuer kommt in Sicht.«
*
Die AVIGNON hatte eine Vergrößerung des Bildes erzeugt, das sich in Flugrichtung bot. Die Milchstraße zeigte sich als mächtige Spiralgalaxis mit deutlich ausgebildeten Armen. Die Spirale war in rotierender Bewegung. Ihre Farben reichten von sattem, tiefem Blau im Zentrum über Grün, Gelb, Orange bis hin zu grellem Rot in den Spitzen der Arme. Der Anblick machte Fazzy Slutch schwindlig. Das riesige Feuerrad drehte sich mit atemberaubender Geschwindigkeit. Es brauchte nicht mehr als zwei Sekunden für eine volle Umdrehung. Der Psiraum hat seine eigene Abbildungstechnik. Zeit und Raum haben für ihn eine andere Bedeutung als im Standarduniversum. Zeitabläufe, die sich in Hunderten von Jahrmillionen abspielen, stellt er in wenigen Sekunden und Minuten dar.
»Wo?«, fragte Fazzy Slutch, nachdem sich seine Augen einigermaßen an den Farbenwirbel gewöhnt hatten.
»Dort, in der Mitte«, sagte Megan Suhr.
Fazzy sah es im gleichen Augenblick, und er war enttäuscht. Er hatte sich unter Sotho Tyg Ians kosmischem Leuchtfeuer mehr vorgestellt. Er erblickte einen leuchtenden Fleck im Zentrum der Milchstraße, der seine Farben noch rascher veränderte als das wirbelnde Feuerrad. Er schillerte in allen Farben des Spektrums, aber er war kaum mehr als ein breitgedrückter Punkt. Sein Durchmesser machte höchstens ein paar Prozent des Milchstraßendurchmessers aus.
»Das ist alles?«, sagte Fazzy.
»Du vergisst, dass wir uns der Milchstraße in steilem Winkel nähern«, meldete sich die AVIGNON zu Wort. »Unser Kurs schneidet die Hauptebene der Milchstraße unter fünfundsiebzig Grad. Wir kommen nahezu senkrecht von oben, wenn du es so ausdrücken möchtest. Du siehst das Leuchtfeuer in der Draufsicht.«
»Dreh das Bild«, verlangte Megan. »Wir wollen die Milchstraße von der Seite her sehen.«
Das Bild geriet in Bewegung. Die Milchstraße kippte zur Seite und kam erst wieder zum Stillstand, als sie zum flammenden, dünnen Strich geworden war, mit einer deutlichen Ausbuchtung in der Mitte. Da allerdings zeigte sich Sotho Tyg Ians estartisches Wunder in seiner vollen Größe. Weit ragte es aus der Hauptebene der Milchstraße empor: ein säulenförmiger Strunk mit einer Verdickung am oberen Ende. Fazzy Slutch verstand sich auf die visuelle Abschätzung von Maßen. Nicht ganz ein Zehntel des Milchstraßendurchmessers betrug die Abmessung des Großen Leuchtfeuers. Achttausend Lichtjahre hoch war es wohl.
Fasziniert betrachtete er das schillernde Farbenspiel. So intensiv und verwirrend war es, dass das Auge nach längerem Hinsehen den Eindruck gewann, das fremde Gebilde hüpfe auf der Scheibe der Milchstraße auf und ab.
»Wie eine Faust«, sagte Megan Suhr andächtig.
Fazzy kniff die Augen ein wenig zusammen und fixierte das Leuchtfeuer unter halbgeschlossenen Lidern hervor. Wahrhaftig, sie hatte recht! Der säulenförmige Strunk war ein Teil des emporgereckten Armes. Die Verdickung stellte eine geballte Faust dar.
»Gume Shujaa«, sagte Veeghr. »Die Faust des Kriegers.«
»Das Bild stellt noch etwas anderes dar, was für uns wesentlicher sein sollte«, erklärte die Stimme des Schiffes. »Kann es jemand sehen?«
Sie versuchten es; aber nach einer halben Minute gaben sie alle drei zu, dass sie nichts erkennen konnten.
»Dann vergrößere ich das Bild nochmals um einen Faktor fünf«, sagte das Schiff.
Die Videofläche wuchs und mit ihr die Darstellung der Milchstraße.
»Ich dämpfe alle nichtgrünen Töne«, sagte die AVIGNON. »Dann sollte es deutlich werden.«
Das grelle Bunt des Bildes schrumpfte zu einem Bruchteil seiner ursprünglichen Intensität. Nur die grünen Farben blieben unverändert erhalten. Die Fäden des Psionischen Netzes, bisher hinter wirbelnden Rot-, Gelb- und Blautönen verborgen, traten mit krasser Deutlichkeit hervor. Und noch etwas war zu sehen: Durch die Sternenmassen der Milchstraße woben sich ebenfalls Fäden, locker und wahllos wie ein langer Strang Wolle, den jemand achtlos zwischen die Sterne hatte fallen lassen. Sie waren dünner als die Bahnen des Psionischen Netzes und von matterem Grün.
Aber das war es nicht, was die AVIGNON ihren Zuschauern zeigen wollte. Megan entdeckte es als erste.
»Das Netz!«, rief sie. »Es ... es hört auf!«
Eine dünne Schicht undurchdringlicher Schwärze schien den Körper der Milchstraße zu umgeben. Sie zog sich an der dünnen, in der Mitte ausgebeulten Scheibe entlang wie eine Haut. An der Oberfläche der Haut endeten die Stränge des Psionischen Netzes wie abgeschnitten. Die dünnen, blassen Fäden des Wollknäuels dagegen lagen unter der Haut.
Fazzy Slutch räusperte sich.
»Mit so etwas mussten wir rechnen, nicht wahr?«, sagte er. »Es war bekannt, dass Sotho Tyg Ian sein Wunder in erster Linie deswegen errichtete, weil er am Psionischen Netz flicken wollte. Das ist der Grund, warum sich seit dem Jahr vierzwounddreißig kein Vironaut mehr in die Milchstraße gewagt hat.«
»Es mag sein, dass das so ist.« Veeghrs schrille, hohe Stimme und seine bedächtige Sprechweise bildeten einen eigentümlichen Gegensatz. »Aber für uns erhebt sich die Frage, wie wir diese ... tote Zone durchqueren.«
»Wie tief ist sie?«, fragte Megan.
»Im Durchschnitt fünfhundert Lichtjahre«, antwortete die Stimme des Schiffes.
Veeghr und Megan sahen Fazzy an. Er war der Leiter des Unternehmens. Seine Aufgabe war es, Entscheidungen zu treffen. Die AVIGNON besaß zwei Triebwerkssysteme: den Enerpsi-Antrieb für den überlichtschnellen Flug entlang den Strängen des Psionischen Netzes und das Gravo-Triebwerk für den maximal lichtschnellen Flug im Standarduniversum. Wer sich durch das Standarduniversum bewegte, unterlag den Einsteinschen Gesetzen. Der AVIGNON fiele es nicht schwer, eine Strecke von 500 Lichtjahren mit Hilfe des Gravo-Antriebs zurückzulegen, und für die Besatzung verginge während des Fluges nur ein mäßiger Betrag an Zeit – je nachdem, wie nahe das Schiff der Lichtgeschwindigkeit kam. Aber draußen, auf den Uhren der Erde und aller anderen Planeten der Milchstraße, wären inzwischen 500 Jahre verstrichen.
So lange konnte Julian Tifflor auf die Nachricht von den Ereignissen auf Chanukah nicht warten.
»Es gibt nirgendwo eine Verbindung zwischen dem Psionischen Netz und dem Innern der Milchstraße?«, fragte er hoffnungslos.
»Keine, die ich erkennen kann«, antwortete das Schiff.
»Was sind das für Wollfäden zwischen den Sternen?«
»Ich nehme an, dass es sich um die Stränge des künstlichen Psinetzes handelt, das Sotho Tyg Ian im Innern der Milchstraße für seine eigenen Zwecke erschaffen hat. Erinnert euch, dass es auch in der Kalmenzone von Siom Som einen Ersatz für das Psionische Netz gibt. Das sind die Feldlinien, die die Heraldischen Tore untereinander verbinden.«
»Sind die Stränge des Ersatznetzes für dich befahrbar?«, erkundigte sich Fazzy.
»Wahrscheinlich«, lautete die Antwort. »Ich müsste sie aus der Nähe untersuchen. Soweit ich feststellen kann, unterscheiden sie sich nur in der Frequenz von den Strängen des Psionischen Netzes.«
»Was soll das?«, fragte Megan ungeduldig. »Wir kommen ohnehin nicht hinein.«
Fazzy winkte ab. Er war mit seinen Überlegungen noch nicht zu Ende.
»Julian Tifflor hat die Vironauten noch nicht aufgegeben«, sagte er und wunderte sich selbst über die Gewissheit, die er bei diesen Worten empfand. »Er weiß, dass der eine oder andere von uns in die Milchstraße zurückkehren wird. Virenschiffe brauchen ein Psionisches Netz, um sich bewegen zu können. Stygians Wunder versperrt ihnen den Weg.«
Stygian – das war der Name, den Menschen terranischer Herkunft dem Sotho Tyg Ian gegeben hatten. Stygian: der aus der Unterwelt. Fazzy hatte die Arme auf dem Rücken verschränkt und ging mit kurzen Schritten auf und ab.
»Was wird Tifflor unter solchen Umständen tun?«, setzte er sein Selbstgespräch fort. »Er wird dafür sorgen, dass Vironauten trotz des Hindernisses in die Milchstraße einreisen können. Er hat schnelle Metagrav-Schiffe, auf die Gume Shujaa keine Wirkung ausübt. Aber ... er muss die Vironauten wissen lassen, wohin sie sich zu wenden haben.«
Er fuhr auf dem Absatz herum. Das laute Nachdenken hatte ein Resultat gezeitigt. Er hatte eine Idee.
»Die Kugelsternhaufen!«, rief er. »Liegen sie inner- oder außerhalb der schwarzen Trennschicht?«
»Innerhalb, die meisten«, antwortete die Seele des Schiffes. »Nur diejenigen, die am weitesten von der Hauptebene der Milchstraße entfernt stehen, befinden sich außerhalb der Trennschicht.«
»Außer diesen gibt es Einzelsterne, die weit draußen im Halo stehen.« Fazzy Slutch erwärmte sich für seine Idee. »Einzelsterne mit Planeten. Irgendwo dort hat Julian Tifflor eine Station eingerichtet, die uns mit Informationen versorgt. Wetten?«
Er war unmittelbar vor Megan stehengeblieben und hatte so rasch und unerwartet aufgeblickt, dass Megan, halb überrascht, halb erschrocken, einen Schritt zurücktrat. Fazzy grinste linkisch, Megan lächelte verwirrt.
»Nein, ich wette nicht«, sagte sie. »Ich glaube nämlich, dass du recht hast.«
Und Veeghr fügte hinzu:
»So könnte es tatsächlich sein.«
Fazzy Slutch machte eine theatralische Geste in Richtung der Konsole des Mentors. »Dann lasst uns keine Zeit verlieren«, meinte er.
*
Während der nächsten zwei Tage wuchs die Spannung stetig. Die Theorie, dass irgendwo im Vorfeld der Milchstraße ein Sender sein müsse, der zurückkehrende Vironauten instruierte, wohin sie sich zu wenden hatten, wurde von der Besatzung der AVIGNON allgemein akzeptiert. Sicherlich war es kein starker Sender, sonst hätte Sotho Tyg Ian ihn längst angepeilt und vernichtet.
Einen schwachen Sender mit begrenzter Reichweite musste man suchen. Man konnte nicht erwarten, dass seine Signale überall in der Weite des Halos zu hören waren. Wo würden die, die mit zurückkehrenden Vironauten rechneten, ihren Sender installieren? Offensichtlich doch irgendwo entlang dem Weg, den die Virenschiffe nahmen, wenn sie von der Mächtigkeitsballung ESTARTU aus die Milchstraße anflogen.
Über diese Frage wurde stundenlang diskutiert. Viele waren der Ansicht, der Sender müsse sich in einem sternarmen Gebiet befinden, in dem seine ohnehin geringe Leistung durch möglichst wenig Störungen beeinträchtigt wurde. Andere glaubten, der Wegweiser sei in der Nähe eines markanten Punktes aufgestellt worden, womöglich am Rand eines der großen Kugelsternhaufen. Zwar waren dort intensive Störquellen am Werk, jedoch würde von den heimkehrenden Vironauten niemand erwarten, dass sie den ganzen Halo nach einem Hinweis absuchten. Sie würden sich an bestimmte Punkte halten.
