Perry Rhodan 1311: Hölle SOTHOM - H.G. Ewers - E-Book

Perry Rhodan 1311: Hölle SOTHOM E-Book

H.G. Ewers

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Beschreibung

Fünf Gois im Sotho-Dom - an der Schwelle des Todes Seit nunmehr sechzehn Jahren regieren in der Milchstraße die Lehre des Permanenten Konflikts und der Kult um die Ewigen Krieger. Die Truppen aus der Mächtigkeitsballung Estartu haben die Menschheitsgalaxis zu großen Teilen unter ihre Kontrolle bringen können und setzen alles daran, ihre Macht weiter auszubauen. Mit der Erschaffung des Stygischen Netzes ist es sogar gelungen, dieses Imperium auf ganz spezielle Art und Weise gegen den Rest des Universums abzugrenzen. Ein kosmisches Leuchtfeuer erstrahlt, Gume Shujaa genannt oder auch die "Faust des Kriegers". Trotz aller imponierenden technischen Mittel gelang es dem Sotho Tyg Ian natürlich nicht, den Widerstand der Menschen und der anderen Völker in der Milchstraße komplett zu brechen. Vor allem die GOI wehrt sich nach wie vor mit allen Mitteln gegen seine Bevormundung. Die sogenannte Group Organic Independence ist die von Julian Tifflor geleitete Widerstandsorganisation gegen die Macht des Sothos. Als die Gruppierung erfährt, dass der Sotho die Blues-Völker unter seine Herrschaft zu zwingen beabsichtigt, startet der langjährige Wegbegleiter Perry Rhodans eine riskante Aktion. Mit seinen Gefährten von der GOI ist es dem Aktivatorträger gelungen, in das Sperrgebiet des Himalaja-Massivs einzudringen. Nun nähert sich die Gruppe zielstrebig dem Hauptquartier des Sothos Tyg Ian, wo sie Informationen über dessen weitere Pläne zu finden hofft. Zwar sind sie alle bestens ausgerüstet und vorbereitet, doch sie rechnen nicht mit der HÖLLE SOTHOM ...

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Seitenzahl: 123

Veröffentlichungsjahr: 2013

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Nr. 1311

Hölle SOTHOM

Fünf Gois im Sotho-Dom – an der Schwelle des Todes

von H. G. Ewers

Auf Terra und in der Menschheitsgalaxis schreibt man Anfang März des Jahres 446 NGZ. Somit sind seit den dramatischen Ereignissen, die zum Aufbruch der Vironauten, zur Verbannung der Ritter der Tiefe und zum Erscheinen der Sothos aus ESTARTU führten, mehr als 16 Jahre vergangen.

Vieles ist seither geschehen: Die Lehre des Permanenten Konflikts und der Kriegerkult haben in der Galaxis ihren Einzug gehalten – Sotho Tyg Ian hat nachhaltig dafür gesorgt. Glücklicherweise hat der Sotho den Widerstand aller Galaktiker nicht brechen können – und daher besteht Hoffnung, dass sich die Situation in der Milchstraße eines Tages zum Besseren wenden möge.

Auch in ESTARTU selbst, dem Reich der 12 Galaxien, wo die Ewigen Krieger seit Jahrtausenden ihre Herrschaft ausüben, regt sich immer noch Widerstand. Während dort vor allem die Gänger des Netzes aktiv sind, zu denen auch Perry Rhodan und andere prominente Galaktiker gehören, wird der Widerstand in der Milchstraße vornehmlich von der GOI, einer von Julian Tifflor geleiteten Geheimorganisation, getragen.

Die Hauptpersonen des Romans

Julian Tifflor – Der Chef der GOI im Hauptquartier des Sothos.

Nia Selegris, Tinta Raegh, Sid Avarit und Elsande Grel – Mitglieder von Tifflors Truppe.

Peregrin – Ein mysteriöser Helfer und Warner erscheint.

Tyg Ian – Sein geheimes Wissensgut wird angezapft.

1.

Bericht Tinta Raegh

Ich starrte wie gebannt auf den Fremden, der zwischen Tellier de Roque und mir erschienen war und meine Gefährten mit ein paar dürren Worten dazu veranlasst hatte, sich wieder zurückzuziehen.

Er war kein Teleporter, das stand für mich fest. Ich wusste schließlich, wie dicht die Luft in der perfekten Simulation einer oxtornischen Landschaft war, und die blitzartige Wiederverstofflichung eines Teleporters hätte durch die Verdrängung der Luftmassen eine spürbare Druckwelle hervorgerufen. Das aber war nicht geschehen.

Folglich hatte sich der Fremde hochwertigster technischer Hilfsmittel bedient.

Plötzlich wusste ich, warum Tiff so schnell auf die Aufforderung des Fremden eingegangen war. Ich hätte mir gleich denken können, dass ein Mensch mit den Qualitäten des ehemaligen Ersten Terraners nicht allein durch große Worte zu überzeugen war. Nein, Tiff hatte noch schneller als ich den einzig logischen Schluss aus der Tatsache gezogen, dass der Fremde kein Teleporter war. Er hatte ihm nur deshalb vertraut, weil er erkannte, dass dieses Wesen über weit überlegene technische Mittel verfügte und demnach auch sein Versprechen einhalten konnte.

Das Versprechen, der Panish würde in wenigen Sekunden genau das Gegenteil von dem über mich denken, was er eben noch dachte.

Nämlich, dass ich eine Agentin der GOI war, denn er hatte mich mit einem hochintelligenten Trick hereingelegt und dazu gebracht, mich zu verraten.

Aufgrund meiner Überlegungen war ich geneigt, ihm ebenfalls zu vertrauen. Doch ein Rest von Zweifel und Skepsis blieb. Immerhin würde ich so oder so direkt davon betroffen sein, denn ich war Tellier de Roque ausgeliefert. Er kontrollierte nicht nur die Gesamtheit der Holoprojektionen per Gedanken, sondern hatte außerdem auch einen gefährlich aussehenden Spezialroboter zu seiner Verfügung.

Der Panish stand wie erstarrt, seit das fahle Flimmern aus dem stabförmigen Gerät des Fremden ihn eingehüllt hatte. Sein scharfgeschnittenes hellbraunes Gesicht mit dem für alle Oxtorner typischen öligen Schimmer war absolut ausdruckslos.

Ich blickte wieder zu dem Fremden.

Er war ein paar Zentimeter größer als ich, vielleicht 1,90 Meter, aber viel schlanker, feingliedrig, mit schmalem, jugendlich wirkendem Gesicht, fragilen, sensibel wirkenden Händen, dunkelbraunen, vital funkelnden Augen. Bei einem anderen Wesen hätte das schlohweiße, auf die Schultern fallende Haupthaar unpassend gewirkt, bei ihm nicht. Das traf auch auf den dichten weißen Vollbart zu.

Nein, dieser Mann war eine ganz außergewöhnliche Erscheinung. Er vermittelte den Eindruck gewaltiger Geisteskraft und Energie. Das wurde auch nicht durch das kimonoartige Gewand aus seidig glänzendem, anthrazitfarbenem Material mit ornamentalem, mausgrauem Ton-in-Ton-Muster abgeschwächt. Im Gegenteil, es verlieh ihm eher die Aura eines japanischen Samurai, so, wie ich sie aus den INFOS von CLARK FLIPPER kannte.

Aber das war er natürlich nicht. Er war auch kein Asia-Terraner. Im Grunde genommen ähnelte er keinem heutigen Terraner, denn diese hatten fast ausnahmslos mittel- bis dunkelbraune Haut. Er aber hatte einen eher blassen Teint ohne Pigmentierung – bis auf ein kreisrundes Muttermal unter dem rechten Auge.

Zu diesem »Samurai-Gewand« trug er dunkelgraue Stiefel und einen etwa zehn Zentimeter breiten dunkelgrauen Gürtel mit großem, silberfarbenem, halbkugelförmigem Gürtelschloss.

Ich schloss erschrocken die Augen, als ich das Gürtelschloss genauer ansah.

Im selben Moment war es nämlich verschwunden gewesen – und ich hatte statt dessen von einem großen, kreisrunden Platz auf die Silhouetten von kuppelförmigen, quaderartigen und zylindrischen Bauten geschaut, die im Licht der Sterne metallisch schimmerten. Es war ein unwirklicher Anblick gewesen, denn ich hatte nichts von Leben gesehen – und vom dunklen Himmel über mir und der unheimlichen Stadt funkelten völlig unbekannte Sternkonstellationen. Als mir klar wurde, dass ich nichts Wirkliches gesehen hatte, sondern eine holographische Szenerie von hypnotischer und suggestiver Wirkung, öffnete ich die Augen wieder.

Doch da war der rätselhafte Fremde verschwunden.

Er hatte sich auf die gleiche Weise entfernt, wie er gekommen war.

Langsam drehte ich mich zum Panish um. Jetzt musste die Entscheidung darüber fallen, ob das Unternehmen Götterschrein scheitern oder gelingen würde.

Als ich das Gesicht Telliers sah, fiel mir ein Felsbrocken von der Seele.

Das Lächeln auf dem Gesicht des Panish verriet weder Hohn noch Spott, sondern war so aufrichtig, wie es das Gesicht eines Menschen überhaupt sein konnte.

Tellier de Roque war nicht mehr mein Feind.

Er lachte leise, als er meinen seltsamen Blick gewahrte, dann machte er eine alles umfassende Handbewegung.

»Da staunst du, Schwester«, stellte er fest. »Sicher hast du zuerst gedacht, wir wären zu Hause und nicht in einer Holoprojektion, denn du hast wohl noch nie eine Holoprojektion erlebt, die nicht nur optische und akustische Umweltbedingungen simuliert, sondern auch Schwerkraft, Luftdichte, Temperatur und Feuchtigkeit. Das ist eben ESTARTU-Technik.«

»Es ist phantastisch«, gab ich vorbehaltlos zu, denn jetzt, wo ich mich und die Gefährten außer Gefahr wusste, nahm ich die Sinneseindrücke, die diese Umwelt mir vermittelte, bewusst wahr und wurde mir klar über die erstaunliche Perfektion dieser Simulation.

Voller Stolz reckte der Panish sich.

»Das sind eben die ungeheuren Möglichkeiten, die wir besitzen, Tinta«, erklärte er. »Du kannst dir kaum vorstellen, wie froh ich darüber bin, dass du meinen letzten Test bestanden hast. Jetzt steht dir der Weg zum höchsten Ruhm offen. Irgendwann wirst du ein Panish sein wie ich.«

»Ja«, gab ich einsilbig zurück, denn ich hatte schon wieder ein schlechtes Gewissen, weil ich lügen musste.

Tellier de Roque lachte leise.

»Ich verstehe, du hast Lampenfieber, weil du gegen mich kämpfen sollst. Aber keine Sorge, Tinta. Der Kampf wird fair sein und der Tod nur ein Schein. Niemand von uns kann den anderen ernsthaft verletzen. Es ist im Grunde nur eine Geschicklichkeitsprüfung, die mir verraten soll, welche Geschwindigkeitsstufe der Ausbildung für dich in Frage kommt.«

»Danke«, erwiderte ich. »Aber da steht immer noch dein Roboter – und ich bin unbewaffnet.«

In seine Augen trat der Ausdruck von Verwunderung, als ich den Roboter erwähnte.

Hatte ich einen Fehler begangen?

Aber nein! Ich merkte es, als er schon wieder lachte. Der Fremde hatte perfekte Arbeit geleistet. In mir erwachte das Begehren, ihn kennenzulernen und zu erfahren, wer er war, woher er kam und weshalb er uns gegen den Panish geholfen hatte.

»Der Roboter sieht ein wenig monströs aus, wie?«, meinte der Panish heiter. »Aber das Aussehen hat nichts zu bedeuten. Er wird sich auch nicht am Kampf beteiligen, sondern hat nur unsere Waffen hierhertransportiert.«

Er winkte – und der Roboter jagte auf seinen sechs Beinen heran, stoppte unmittelbar vor Tellier und ließ auf der Oberseite seines beinahe fassförmigen Rumpfes eine Öffnung entstehen.

Tellier griff hinein und förderte zwei Objekte zutage, die verblüffend den schweren Impulsnadlern terranischer Kampfroboter vom Typ KHS-2000 glichen.

Er warf mir einen zu, und ich ging ein paar Zentimeter in die Knie, als ich ihn auffing. Ein Terrageborener wäre zermalmt worden.

»Das sind Treffer-Simulatoren mit Ziel-Differenzierungsschaltungen und Wirkungs-Variationsmöglichkeiten«, erläuterte der Panish. »Sie können in der Umwelt verheerende Schäden anrichten, aber wir werden von ihnen nicht verletzt. Sie rufen dank einer speziellen Präparierung unserer Shants bei Treffern nur das Gefühl hervor, verwundet worden zu sein und natürlich auch die entsprechenden Grade von Behinderungen.«

»Und wie ist es bei einem absolut tödlich wirkenden Treffer?«, erkundigte ich mich.

»Dann hast du einen Black-out, bis ich dich mit einer Wiederbelebungsschaltung davon erlöse«, antwortete er mir.

»Und wie schalte ich die Erlösung, falls ich dich besiegen sollte?«, fragte ich.

Er starrte mich verblüfft an, doch dann zeigte er mir die betreffende Schaltung an meinem Treffer-Simulator.

*

Von der dampfenden Kulisse des Sumpfwaldes hallte das Brüllen von Mamus zu mir herüber. In der Luft hing ein Geruch wie nach Schwefel, Dampfschwaden krochen über den Boden.

Es wirkte alles so echt, als bewegte ich mich tatsächlich durch die Wildnis von Oxtorne.

Aber ich durfte mich nicht lange bei solchen Überlegungen aufhalten. Tellier de Roque musste etwa einen Kilometer vor mir sein – oder auch weniger, falls er schneller vorangekommen war, als ich schätzte.

Wir hatten verabredet, am Rand der Insel entlangzugehen –, nur eben jeder in eine andere Richtung – so dass wir uns auf halbem Weg begegnen mussten. Das lag knapp drei Stunden zurück. Da die annähernd kreisförmige Insel nach Telliers Angaben achtzehn Kilometer durchmaß, betrug ihr Umfang 56,52 Kilometer, so dass jeder von uns 28,26 Kilometer bis zum Treffpunkt zurückzulegen hatte. Ein guter oxtornischer Läufer brauchte rund drei Stunden dafür.

Abermals erscholl das Brüllen der Mamus, dann tauchte eine der Panzerechsen am Rand des Sumpfwaldes auf, etwa fünfzig Meter von mir entfernt.

Ich duckte mich und erstarrte dann förmlich.

Die oxtornischen Panzerechsen waren zwar nicht gerade aggressiv, aber wenn sie gereizt wurden, stürmten sie oft blindlings auf die Verursacher ihrer Unlustgefühle los – und ein Mamu konnte sogar eine Oxtornegeborene in den Boden stampfen.

Im nächsten Moment stand ein ultraweißer Blitzstrahl im Gelände. Er blieb zwar nur den Bruchteil einer Sekunde, aber meine Netzhaut zeigte ihn noch fast eine ganze Sekunde lang, nachdem er längst wieder erloschen war und das Mamu sich in einen übelriechenden Berg verbrannten Fleisches verwandelt hatte.

Jemand lachte provozierend.

Beinahe hätte ich mich vergessen und mit meiner Waffe in die Richtung geschossen, aus der das Gelächter kam. Im letzten Moment erinnerte ich mich daran, dass das Mamu ebenso wenig echt war wie die ganze simulierte Szenerie und dass mein Gegner demzufolge keinen Frevel begangen, sondern mir nur die Wirkung unserer Treffer-Simulatoren auf die simulierte Umwelt demonstriert hatte.

Einen Herzschlag später wurde mir klar, dass ich dennoch hätte schießen müssen. Ich hatte es nicht getan, weil ich nicht mehr daran gedacht hatte, dass wir uns mit unseren Duellwaffen gegenseitig weder töten noch ernsthaft verletzen konnten. Angesichts der tödlichen Wirkung von Telliers Waffe auf das Mamu war das wohl verständlich gewesen. Aber ich hatte einfach nicht schnell genug geschaltet.

Mein Gegner würde das zweifellos als Schwäche auslegen.

Ich lächelte grimmig.

Natürlich würde er das. Er als Panish kannte solche Schwächen nicht. Aber ich nahm mir in diesem Moment vor, seine Ansicht über mich nicht zu korrigieren, sondern sie im Gegenteil als Waffe auszunutzen, denn wenn er mich für schwächer hielt, als ich wirklich war, bekam ich vielleicht doch noch die Chance, den Kampf zu meinen Gunsten zu entscheiden.

Ich wandte mich nach rechts und hastete geduckt vom Ufer fort, tiefer ins Innere der Insel hinein. Kohlschwarze, stahlharte Baumstämme lagen kreuz und quer auf dem ebenfalls schwarzen Felsboden, Zeugen für den Feuersturm eines mächtigen Vulkanausbruchs vor wenigen Jahren. Zwischen ihnen hatten sich Kugelpflanzen von bis zu Hausgröße angesiedelt. Hier und da wuchsen pfannkuchenförmige Regenbogenpflanzen mit durchschnittlich fünf Metern Durchmesser; ihre farbenfrohen Blüten lagen unmittelbar auf dem Fels.

Ich rannte immer schneller. Angriffe von Vertretern der Tier- und Pflanzenwelt brauchte ich hier nicht zu befürchten. Die Mamus entfernten sich niemals sehr weit von den Sumpfwäldern, und die gefährlichste Tierart von Oxtorne, die peitschenähnlichen Whips, deren Körper hart wie Stahlseile waren, die sich mit der Geschwindigkeit einer Superschildkröte fortbewegen konnten und die sich in Tier- und Menschenkörper einschnürten und ihre Opfer durch Chemoschocks betäubten, bevor sie erst ihre Nervensysteme und danach ihre übrigen Körper in Minutenschnelle auflösten, kam in der Nähe von Chliitsümpfen nicht vor.

Sehr weit rannte ich allerdings nicht. Sobald ich eine der breiten Spalten sah, von denen der Fels vielfältig durchzogen war, sprang ich hinein und lief in ihr etwa fünfzig Meter weit seitwärts, dann blieb ich stehen und spähte in der Sichtdeckung eines Greisenhauptstrauchs in die Richtung, aus der Tellier kommen musste, wenn er meine Flucht für den Ausdruck einer Panik hielt – was ich bezweckt hatte.

Tatsächlich tauchte der Panish schon wenige Sekunden später auf. Er war auf meine List hereingefallen und lief nicht einmal geduckt, sondern aufrecht, da er mich weit vor sich glaubte.

Ich zögerte nur den Bruchteil einer Sekunde, dann schoss ich. Aber diese winzige Zeitspanne hatte dem erfahrenen Kämpfer genügt, um die Gefahr mit seinem sechsten Sinn zu erahnen und sich mit einem mächtigen Satz zur Seite in die Deckung eines meterhohen Felsbrockens zu werfen.

Er schoss zurück, kaum dass ich die Stellung gewechselt hatte. Dort, wo ich eben noch gewesen war, kochte und vergaste der Fels. Der Greisenhauptstrauch wirbelte als glühender Aschenschauer davon. Eine benachbarte Kugelpflanze implodierte durch die Hitzeeinwirkung.

Für mich war es noch nicht so heiß, dass ich den Druckhelm meines Shants hätte schließen müssen, wodurch die Klimaanlage sich aktiviert und meine Position gegenüber Ortungsgeräten verraten hätte. Ich lag im flachsten Teil der Spalte, aber zusätzlich geschützt durch zwei hochkant stehende, beinahe quaderförmige Felssäulen, zwischen denen es nur einen schmalen Raum gab.

Eine Sekunde verging, dann eine zweite, bevor mir klar wurde, dass Tellier nicht auf meine List hereingefallen war und sich nicht über freies Gelände näherte, weil er mich etwa für »tot« hielt.

Ich erschrak.

Tellier befand sich vielleicht schon in meinem Rücken!

Nur mühsam bezwang ich den Drang, mich umzudrehen und Ausschau nach dem Gegner zu halten. Statt dessen rannte ich geduckt den Weg zurück, den ich gekommen war. Nach der Hälfte der Strecke entdeckte ich die an einem tentakelförmigen Zweig über den Rand der Spalte hängende Blüte einer Regenbogenpflanze.

Ich schnellte mich nach oben, rollte über den Boden und kauerte mich mitten in dem »Pfannkuchen« der Regenbogenpflanze zusammen. Natürlich klappte sie nach oben und begann sofort damit, mich einzuhüllen, um mich anschließend zu verdauen.

Aber das Verdauungssekret von Regenbogenpflanzen konnte die Haut eines oxtornegeborenen Menschen schlimmstenfalls verätzen – und außerdem trug ich den bis zum Hals geschlossenen Shant. Er schützte wirksam gegen das Verdauungssekret.