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Rückkehr nach M 3 - der Vorstoß in die 5. Dimension In den letzten Stunden des 15. Mai 1200 NGZ löst sich die Zone der Hyperraum-Parese, die das Solsystem und das benachbarte Raumgebiet seit dem 10. Januar gefangen hielt, plötzlich und unerwartet wieder auf. Hyperfunk und Hyperraumflug sind ebenso wieder möglich wie alles andere, das auf 5-D-Technologie und Energiegewinnung aus dem übergeordneten Kontinuum basiert. Doch die Frage, wie es überhaupt zur Entstehung der Toten Zone kommen konnte, bleibt vorerst unbeantwortet. Das gilt auch für die Rätsel, die den Galaktikern von den Ennox aufgegeben wurden. Philip, der von ES auserwählte neue Zellaktivatorträger, ist mit seinen Artgenossen im Zorn verschwunden. Neues Unheil scheint den Galaktikern bereits zu drohen, denn Myles Kantor und sein Team entdecken Strukturrisse im Hyperspektrum, die sich im Raumsektor M 3 bündeln, wo sich ein bedrohlicher 5-D-Attraktor gebildet hat. Die Wissenschaftler begeben sich augenblicklich dorthin, um nähere Untersuchungen anzustellen. Nun, Mitte Juni 1200 NGZ, sind sie bereit, einen entscheidenden Vorstoß zur Erforschung des Phänomens zu wagen. Sato Ambush, der Nakk Paunaro und andere riskieren gefährliche EXPERIMENTE IM HYPERRAUM ...
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Seitenzahl: 125
Veröffentlichungsjahr: 2013
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Nr. 1616
Experimente im Hyperraum
Rückkehr nach M 3 – der Vorstoß in die 5. Dimension
von Kurt Mahr
In den letzten Stunden des 15. Mai 1200 NGZ löst sich die Zone der Hyperraum-Parese, die das Solsystem und das benachbarte Raumgebiet seit dem 10. Januar gefangen hielt, plötzlich und unerwartet wieder auf. Hyperfunk und Hyperraumflug sind ebenso wieder möglich wie alles andere, das auf 5-D-Technologie und Energiegewinnung aus dem übergeordneten Kontinuum basiert.
Doch die Frage, wie es überhaupt zur Entstehung der Toten Zone kommen konnte, bleibt vorerst unbeantwortet. Das gilt auch für die Rätsel, die den Galaktikern von den Ennox aufgegeben wurden. Philip, der von ES auserwählte neue Zellaktivatorträger, ist mit seinen Artgenossen im Zorn verschwunden.
Neues Unheil scheint den Galaktikern bereits zu drohen, denn Myles Kantor und sein Team entdecken Strukturrisse im Hyperspektrum, die sich im Raumsektor M 3 bündeln, wo sich ein bedrohlicher 5-D-Attraktor gebildet hat. Die Wissenschaftler begeben sich augenblicklich dorthin, um nähere Untersuchungen anzustellen.
Nun, Mitte Juni 1200 NGZ, sind sie bereit, einen entscheidenden Vorstoß zur Erforschung des Phänomens zu wagen. Sato Ambush, der Nakk Paunaro und andere riskieren gefährliche EXPERIMENTE IM HYPERRAUM ...
Boris Siankow – Der Nexialist hat unheimliche Begegnungen.
Sato Ambush – Der Pararealist greift zum letzten Mittel.
Icho Tolot, Lingam Tennar und Paunaro – Sie begeben sich zwischen die Wirklichkeiten.
Perry Rhodan
Es war schon bemerkenswert, dass man Boris Siankow, der vor ein paar Wochen noch als Spinner verspottet worden war, sein eigenes Rechenlabor zugestanden hatte. Es war zwar nur ein kleiner, bescheidener Raum auf einem der oberen Decks der FORNAX, aber Boris sah es als Zeichen der Anerkennung. Er war avanciert – vom Spinner zum Wissenschaftler, der zwar mit unorthodoxen Methoden arbeitete, jedoch durchaus brauchbare Resultate erzielte.
Manchmal, wenn Boris viel Zeit hatte oder seiner Sache nicht ganz sicher war, so dass er zwischen den einzelnen Arbeitsschritten nachdenken musste, zog er es vor, den Dialog mit dem syntronischen Computer über die Tastatur der Konsole anstatt mit Hilfe des Servos zu betreiben. Der Servo, ein allgegenwärtiges, matt leuchtendes Energiebündel, das irgendwo in der Luft schwebte, bot zwar den Vorteil, dass er herkömmliche Sprache verarbeiten konnte, er gab aber auch mitunter Widerworte. Diese wollte Boris Siankow nicht immer hören, besonders dann nicht, wenn er an einem kniffligen Problem arbeitete, das seine gesamte Konzentration erforderte.
Mit der Konsolentastatur war das natürlich auch so eine Sache. Sie widersprach zwar nicht, aber selbst sie schien ihren eigenen Willen zu haben, was die Umsetzung von Tastenbewegungen in Ziffern, Buchstaben oder Zeichen anging. In Wahrheit allerdings lag die Schuld bei Boris. Er hatte niemals gelernt, mit einer Tastatur umzugehen. In fünfzig Prozent aller Fälle landete beim ersten Versuch seine Fingerkuppe auf der falschen Taste. Ihm machte das nichts aus. Er korrigierte geduldig, bis auf der Bildfläche endlich das zu lesen stand, was er eingeben wollte. In der Zwischenzeit dachte er nach.
An diesem Nachmittag des 21. Juni 1200 NGZ hatte er aus vorgeformten Programmsegmenten ein neues Programm zusammengestellt, das er nun testen wollte. Mit viel Geduld gab er eine Serie von Daten ein. Nachdem der Rechner sie alle akzeptiert hatte, wollte Boris den Ausführungsbefehl geben. Er tippte:
EXC
Der Computer antwortete darauf:
EXC IST EIN UNBEKANNTER PARAMETER.
Seufzend setzte Boris Siankow den Cursor eine Stelle zurück und nahm einen weiteren Tastendruck vor. Da stand nun:
EXQ
Boris hatte die Freude zu sehen, wie auf der Videofläche ein neuer Schriftzug erschien.
AUSFÜHRUNG LÄUFT.
Boris lehnte sich bequem in seinen Sessel zurück. Das Problem, das er dem Syntron aufgegeben hatte, war ziemlich komplex. Es würde ein paar Sekunden dauern, bis die ersten Ergebnisse vorlagen.
Er hörte hinter sich ein Knistern. Er wandte sich um. Dort, wo er üblicherweise die Tür zu sehen erwartet hätte, war ein helles, halb transparentes Nebelfeld entstanden. Innerhalb des Nebels bewegte sich eine Gestalt, deren Umrisse nur verschwommen zu sehen waren. Die Silhouette war annähernd humanoid.
»Wer ist da?«, fragte Boris Siankow verwirrt.
*
Der Nebel breitete sich aus. Binnen weniger Sekunden erfüllte er den ganzen Raum. Nur die Stelle, an der Boris Siankow wie angenagelt auf seinem Sessel saß, blieb ausgespart. Er drehte sich um. Weder die Konsole noch die Bildfläche waren noch zu sehen. Überall blockierte die milchige, fahl leuchtende Substanz den Blick.
Hinter der Nebelwand waren weitere Gestalten aufgetaucht. Vier waren es jetzt insgesamt. Außerdem hatte sich im Vordergrund ein quaderförmiges Objekt materialisiert. Die vier Fremdwesen vollführten langsame, schwankende Bewegungen. Sie schienen mit dem Objekt beschäftigt, bei dem es sich womöglich um ein technisches Gerät handelte. Boris sah nur die schattenhaften Silhouetten. Er hörte keinen Laut. Das anfängliche Knistern war das einzige Geräusch, das die gespenstische Erscheinung von sich gegeben hatte. Er hatte noch ein paarmal »Wer ist da?« gerufen, es aber dann aufgegeben. Wahrscheinlich wurde er ebenso wenig gehört, wie er Laute aus dem Innern des Nebelvorhangs empfing.
Als Nexialist, der sich in allen Sparten der Wissenschaft auskannte, musste er in Erwägung ziehen, dass das, was er vor sich sah, in Wirklichkeit gar nicht existierte. Dass er eine Halluzination erlebte. Er beugte sich nach vorne und suchte in der fahlen, milchigen Helligkeit nach seiner Konsole. Er fand sie. Die Finger glitten über die Tastenreihen. So ungeschickt Boris im Umgang mit der Tastatur auch war, so wusste er doch, wie die Tasten zueinander angeordnet waren. Er gab ein:
HALLUZINATION?
Dann wartete er. Er konnte nichts anderes tun. Irgendwann würde der Spuk von selbst aufhören. Interessiert sah er den vier wankenden Gestalten bei ihrem Treiben zu. Sie hatten aufgehört, sich mit dem kastenförmigen Gerät zu beschäftigen. Sie standen jetzt aufrecht. Boris sah deutlich, dass sie vier Extremitäten besaßen, zwei Arme und zwei Beine. Ihre Kleidung – Boris nahm an, dass es tatsächlich Kleidung war, was er da schlottern und wallen sah – war weit geschnitten und formlos. Aus breiten Schultern wuchs ein kurzer, stämmiger Hals. Auf diesem saß ein Schädel, der annähernd die Form einer Birne hatte. Einzelheiten des Gesichts waren nicht zu erkennen.
Eine der vier Gestalten hob den Arm und machte eine winkende Bewegung. Boris Siankow war perplex. Sollte das ein Gruß sein? Galt er ihm? Konnten die vier Fremden ihn sehen? Unwillkürlich imitierte er die Geste. Die schemenhaften Gestalten wandten sich ab und schritten davon. Sie wurden kleiner und waren schließlich nicht mehr zu sehen. Boris rieb sich die Augen, immer noch nicht sicher, ob er wirklich gesehen hatte, was er gesehen zu haben glaubte. Als er wieder aufsah, hatte das kleine Rechnerlabor sein früheres Aussehen zurückgewonnen. Der fahl leuchtende Nebel war verschwunden.
Boris richtete den Blick auf die Bildfläche. Da stand:
AUSFÜHRUNG BEENDET. DATEI SIANK-2.
HAKKIZONATOPM! (Das war wohl das Ergebnis seines Versuchs, blindschreibend HALLUZINATION? einzugeben.)
Es gab noch eine Zeile zu lesen.
NEUE DATEI: SINTA.
Das stimmte Boris nachdenklich. Er hatte nie von einer Datei namens Sinta gehört. Er wusste nicht, wie sie entstanden war. Warum fühlte der Syntron sich verpflichtet, ihn darauf aufmerksam zu machen?
Das war die Last, die der Nexialist zu tragen hatte. Er besaß viel Wissen aus Dutzenden von verschiedenen Wissensgebieten. Aber auf keinem dieser Gebiete war er Experte. Sein Wissen war bruchstückhaft. Boris Siankow hätte nicht sagen können, ob eine Meldung wie die, die er dort auf der Videofläche las, überhaupt zulässig war. Vielleicht hatte der Computer eine Fehlfunktion entwickelt.
Wie dem auch sein mochte, Boris verspürte keine Lust, die Unvollkommenheit seines Wissens der Befriedigung seiner Neugierde im Wege stehen zu lassen. Er wollte wissen, was es mit der neuen Datei auf sich hatte. Er verzichtete auf die Benutzung der Tastatur und rief dem Servo die Anweisung zu:
»Ich will SINTA sehen!«
»Befehl wird ausgeführt«, antwortete der Servo mit wohlmodulierter, freundlicher Stimme.
Die Bildfläche wurde gelöscht. Dann begann sie sich von neuem zu füllen. Staunend ließ Boris Siankow den Blick an endlosen Kolonnen von Zeichen, Buchstaben und Ziffern entlanggleiten. Zeile um Zeile ruckte der fremdartige Text über das Videofeld nach oben. Unter den Zeichen waren solche, die Boris noch nie gesehen hatte und deren Bedeutung er nicht kannte. Buchstaben reihten sich sinnlos aneinander, ohne Wörter zu ergeben. Zahlen erschienen wahllos eingestreut.
Plötzlich stockte der Zeilenvorschub. Als er Sekunden später wieder in Bewegung geriet, erschien der Text:
ÜBERSETZER IMU VV INTERKOSMO. DATEN SIEHE SINTA-1.
Boris Siankow hatte noch nie von einer Sprache gehört, die Imu hieß. Aber das war im Augenblick ohne Bedeutung.
»Gib mir die Datei SINTA-eins!«, rief er dem Servo zu.
»SINTA-eins kommt«, wurde ihm geantwortet.
Das Schauspiel wiederholte sich. Wie von Geisterhand abgewischt, war die Bildfläche plötzlich leer. Dann materialisierte neuer Text. Der Inhalt der Datei SINTA-1 bestand aus zwei knappen Sätzen.
GIB UNS ETWAS GREIFBARES. WIR MELDEN UNS WIEDER.
An dieser Stelle wurde es Boris unheimlich zumute. Er entschied, es sei jetzt an der Zeit, andere zu Rate zu ziehen.
*
Einen größeren Gegensatz als zwischen den beiden Männern, die sich da in einem kleinen Konferenzraum abseits des zentralen Kommandostands der FORNAX miteinander unterhielten, konnte man sich kaum denken. Myles Kantor war von mittlerer Größe, zierlich gebaut, salopp gekleidet. Das glatte, blonde Haar trug er straff gescheitelt. Die Augen unter den dichten, buschigen Brauen waren groß und verrieten Wachsamkeit ebenso wie Intelligenz. Myles äußerte sich stets zurückhaltend. Manchmal sprach er so leise, dass man Mühe hatte, ihn zu verstehen.
Ganz anders dagegen Jan Ceribo, genannt »Cerberus«, der Kommandant des Experimentalschiffs FORNAX. Man behauptete, über Ceribos Lippen sei noch kein einziges leises Wort gekommen. Er war ein geborener Polterer. Schlank von Wuchs, trug er die Bordkombination wie eine militärische Uniform. Das Gesicht war grob geschnitten. Die Nase hatte Knollenform und wurde rechts von einer kräftig ausgebildeten Warze verziert. Ceribo trug das graue Haar bis auf die Schultern herabhängend. Er hatte braune Augen. Sein Teint war blasser, als er bei einem Raumfahrer hätte sein dürfen. Cerberus' Hände waren so groß wie Schaufeln. Man musste ihm beim Hantieren zugesehen haben, um zu verstehen, wie feinfühlig sie unbeschadet ihres grobschlächtigen Aussehens zu Werke zu gehen verstanden.
In der Mitte des Raumes, über dem runden Konferenztisch, schwebte eine holographische Darstellung der FORNAX. Das Experimentalschiff war Eigentum der Kosmischen Hanse, für Fernflüge ausgerüstet und für die Untersuchung hyperphysikalischer Phänomene gedacht. Der Rumpf des Schiffes hatte eine oberflächliche Ähnlichkeit mit dem Körper einer dicken, gedrungenen Raupe, die im Begriff ist, sich zusammenzukrümmen. Manche meinten, die Rumpfform sei den Delphinschiffen der Linguiden abgeschaut. Heckseitig ragten aus dem Schiffsbauch zwei mächtige Gelenkarme hervor, deren Längsachsen parallel zur Unterkante der FORNAX verliefen. Die vorderen Enden der Gelenkarme waren keilförmig zugespitzt. Auf der Oberfläche des Schiffsleibs waren Hunderte von meist großvolumigen Aggregaten installiert: Bestandteile der Hightech-Ausstattung, mit der die FORNAX ihrer Aufgabe nachging.
»Es gibt keinen Grund zur Besorgnis«, erklärte Myles Kantor. »Während wir in den Hyperraum vordringen, sind beide Grigoroff-Projektoren aktiv.«
Zwei Lichtpfeile erschienen im Innern des Hologramms und wiesen auf die sich verjüngenden Enden der Gelenkarme. Ein Pfeil begann zu blinken.
»Das ist der vektorierbare Projektor«, fuhr Myles fort. »Er schafft das Loch in der Wand der vierdimensionalen Raumzeit, durch das wir in den Hyperraum vorstoßen. Wir bewegen uns nur einen einzigen Strangeness-Quantensprung von unserem jetzigen Standort fort. Beim geringsten Anzeichen von Gefahr springt der andere Grigoroff ein und bringt uns wieder zurück ins Standarduniversum.«
»Ich sage trotzdem, dass wir zuerst einen Test brauchen«, polterte Jan Ceribo. »Man schickt ein Raumschiff mit zweihundert Mann Besatzung nicht ohne Vorbereitung in ein solch riskantes Unternehmen. Denk daran, wie's dir damals bei FORNAX-A erging!«
Myles Kantor verzog das Gesicht. Die Erinnerung war keine von der angenehmen Sorte.
»Was damals geschah, kann heute nicht mehr passieren«, verteidigte er seinen Standpunkt. »Die Grigoroff-Doppelkonfiguration ist in zweitausend Simulationen durchgespielt worden. Es gibt nicht einmal die Spur eines Risikos.«
»Simulationen sind keine Tests!«, bellte Jan Ceribo. »Zweihundert Mann schickt man nicht auf eine solche Reise, nur weil zweitausend Simulationen positiv ausgefallen sind.«
Myles Kantor musterte seinen Gesprächspartner. Bei Menschen, die immerfort laut daherredeten, wusste man nie, was sie für wichtig hielten und was nicht. Ceribos Gesichtsausdruck spiegelte einen Anflug von Langeweile wider. Man brauchte sein Getöse nicht ernst zu nehmen. Er widersprach nur um des Widerspruchs willen.
»Selbst wenn du recht hättest, Jan – und du hast nicht recht! –, gäbe es immer noch eines zu bedenken.« Myles Kantors Stimme war ruhig, aber eindringlich. »Wir haben für Tests keine Zeit mehr. Der Hyperdim-Attraktor wird von Stunde zu Stunde aktiver. Jeden Augenblick kann er seine volle Leistung entfalten, und dann haben wir im Bereich Solsystem vielleicht wieder eine Tote Zone mit all den chaotischen Auswirkungen, die wir zur Genüge kennen. Wir dürfen keine Sekunde verlieren, verstehst du das?«
Man sah Ceribo an, dass er dafür keine Antwort parat hatte. Während er noch überlegte, was er erwidern sollte, erschien im Innern des Hologramms ein neues Bildfeld, auf dem Boris Siankow zu sehen war. Der Nexialist wirkte verwirrt und zugleich erregt.
»Ich habe eine unheimliche Begegnung gehabt«, sagte er atemlos. »Du siehst dir das am besten an.«
»Ich komme«, antwortete Myles.
Das Bildfeld erlosch. Myles Kantor entging nicht, dass Jan Ceribo die Unterbrechung recht gelegen zu kommen schien. Cerberus war froh, dass er die Diskussion wenigstens im Augenblick nicht fortzusetzen brauchte.
»Der Spinner vom Dienst schlägt wieder zu«, sagte er abfällig. »Ich bin gespannt, was er diesmal wieder ausgekocht hat.«
Es gab Augenblicke – und dieser war einer davon –, da fand Myles Kantor den Kommandanten und Wissenschaftlichen Leiter der FORNAX höchst unsympathisch.
*
Vor gut einem Monat – am 15. Mai 1200, um genau zu sein – war das Phänomen, das man Hyperraum-Parese genannt hatte, ebenso spurlos wieder verschwunden, wie es gekommen war. Unter Parese verstand man in diesem Zusammenhang eine gewisse Trägheit des 5-D-Kontinuums, die bewirkte, dass alles auf fünfdimensionaler Basis arbeitende Gerät den Dienst verweigerte. Auf allen zivilisierten Welten der Milchstraße spielte die 5-D-Technik eine durchdringende und allgegenwärtige Rolle, die bis auf die untersten und banalsten Ebenen des Alltags hinabreichte. Es gab plötzlich keine 5-D-Triebwerke mehr. Der Hyperfunk hatte aufgehört zu funktionieren. Die Energieversorgung brach zusammen, weil die Hypertrop-Zapfer nicht mehr in Betrieb genommen werden konnten. Das Chaos war perfekt. Die Hyperraum-Parese erstreckte sich über eine kugelförmige Zone von 10.000 Lichtjahren Durchmesser. Innerhalb dieser Zone befand sich als hilfloses Opfer der unerklärlichen Vorgänge unter anderem auch die Erde.
Mehr als vier Monate hatte der Spuk gedauert, bevor er sich am 15. Mai in nichts auflöste. Während dieser Zeit war inner- und außerhalb des Einflussbereichs der Parese fieberhaft daran gearbeitet worden, das Geheimnis des Phänomens zu ergründen. Woher kam es? Wodurch wurde es verursacht? Wie lange würde es anhalten? Wie konnten die galaktischen Zivilisationen mit den entstehenden Problemen fertig werden?
