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Ein Planet forscht für die Zukunft - die Eisenstadt im Würgegriff Die Terraner im Solsystem wissen Bescheid über die Erkenntnisse, die Perry Rhodan und seine Getreuen an der Großen Leere und im Arresum gewonnen haben: Das Möbiusband als neue Struktur des Universums, die Ayindi als Volk, aus dem die Kriegerin Moira kommt, und die geheimnisvolle Abruse als feindselige Gegnerin aller bekannten Lebensformen sind mittlerweile feste Begriffe. Die Bewohner des Solsystems haben aber zu Beginn des Jahres 1217 Neuer Galaktischer Zeitrechnung - das entspricht dem Jahr 4804 alter Zeit - auch eigene Probleme. Von dem mittlerweile völlig kristallisierten Mars weitet sich die Strahlung aus, die jedes Lebewesen, das in ihren Bann kommt, sofort tötet. 1,6 Milliarden Flüchtlinge vom Roten Planeten müssen auf andere Planeten verteilt werden. Der erste Versuch, mit einer porleytischen Dimensionsmaschine den Prozess der Kristallisation zu stoppen, scheiterte. Geo Sheremdoc, als Kommissar der Liga Freier Terraner die wohl wichtigste Person im terranischen Einflussgebiet, muss aber auch andere Schwierigkeiten einkalkulieren. So arbeitet das Mondgehirn NATHAN an einer merkwürdigen Totenliste, und mysteriöse Waren sorgen in den Magellanschen Wolken für Unruhe. Dann tauchen Tausende von Raumschiffen der Hamamesch in Magellan auf; die fischähnlichen Wesen aus Hirdobaan erbauen vier riesige Basare, in denen sie Waren aller Art anbieten. Die Waren erzeugen einen unglaublichen Kaufrausch bei intelligenten Wesen. Doch die Hanse-Spezialistin Dilja Mowak sieht dahinter einen Plan - und das ist der TESTFALL MAGELLAN ...
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Seitenzahl: 116
Veröffentlichungsjahr: 2013
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Nr. 1726
Testfall Magellan
Ein Planet forscht für die Zukunft – die Eisenstadt im Würgegriff
von H. G. Ewers
Die Terraner im Solsystem wissen Bescheid über die Erkenntnisse, die Perry Rhodan und seine Getreuen an der Großen Leere und im Arresum gewonnen haben: Das Möbiusband als neue Struktur des Universums, die Ayindi als Volk, aus dem die Kriegerin Moira kommt, und die geheimnisvolle Abruse als feindselige Gegnerin aller bekannten Lebensformen sind mittlerweile feste Begriffe.
Die Bewohner des Solsystems haben aber zu Beginn des Jahres 1217 Neuer Galaktischer Zeitrechnung – das entspricht dem Jahr 4804 alter Zeit – auch eigene Probleme.
Von dem mittlerweile völlig kristallisierten Mars weitet sich die Strahlung aus, die jedes Lebewesen, das in ihren Bann kommt, sofort tötet. 1,6 Milliarden Flüchtlinge vom Roten Planeten müssen auf andere Planeten verteilt werden. Der erste Versuch, mit einer porleytischen Dimensionsmaschine den Prozess der Kristallisation zu stoppen, scheiterte.
Geo Sheremdoc, als Kommissar der Liga Freier Terraner die wohl wichtigste Person im terranischen Einflussgebiet, muss aber auch andere Schwierigkeiten einkalkulieren. So arbeitet das Mondgehirn NATHAN an einer merkwürdigen Totenliste, und mysteriöse Waren sorgen in den Magellanschen Wolken für Unruhe.
Dilja Mowak – Die oxtornische Hanse-Spezialistin forscht den Hamamesch-Waren in Eisenstadt nach.
Landdy Kronth – Eine Tokluntin macht Maske.
Meanher – Der Gurrad ist Direktor von Eisenstadt.
Christiane Meister
Große Magellansche Wolke,
4. Juli 1217 NGZ
Es war wie ein Schock.
Ein Märchen aus Tausendundeiner Nacht ...
Ganz dazu angetan, intelligente Lebewesen zu verzaubern, ihre Sinne zu betören und ihren Verstand zu betäuben.
GIMELAK!
Als die IRA ROGABERG im Zentrum der Großen Magellanschen Wolke in den Normalraum zurückfiel, schlossen einige Raumfahrer innerhalb der Zentrale unwillkürlich die Augen, als würden sie geblendet.
Das war bei der indirekten, syntronisch aufbereiteten Beobachtung der Umgebung selbstverständlich unmöglich. Es gab keine optische Blendung.
Wohl aber eine psychische!
Denn exakt in Flugrichtung hing – rund zehn Lichtminuten entfernt – ein Objekt im All, das im einfallenden Licht der Sterne des Zentrumssektors in allen Spektralfarben gleißte und schillerte, während es sich kaum merklich um sich selbst drehte. Die syntronische Erfassung holte es entsprechend heran.
Eine unregelmäßige Ballung aus Kuben und Quadern, die bei einiger Fantasie einem Fragmentraumer der Posbis ähnelte. Dagegen hätte ein Fragmentraumer aber wie ein verbeulter Müllcontainer ausgesehen.
Etwa dreihundert Raumschiffe mit voll gesetzten Positionslichtern umschwärmten das faszinierende Gebilde. Es handelte sich in erster Linie um die charakteristischen Birnenschiffe der Gurrads. Doch auch andere Schiffe wurden von der Ortung erfasst: tief rot leuchtende Kugelraumer der Perlians, uralte Transportkreuzer, wie sie nach der Larenkrise als billige Massenware gebaut worden waren, ebenfalls veraltete Kugelraumer mit Ringwulsten sowie ein paar Walzenschiffe der Springer.
Während die galaktischen Kosmonauten hinsahen, fielen am laufenden Band weitere Raumschiffe aus dem Hyperraum. Sie reihten sich in die Warteschleife um GIMELAK ein. Was sich dort exakt abspielte, ließ sich mit der normalen Außenbeobachtung nicht erkennen. Die Entfernung war zu groß für Beobachtungen »mit dem bloßen Auge«. Eine Anweisung des Kommandanten reichte aus, um das innerhalb von Sekundenbruchteilen zu ändern. Der Bordsyntron setzte einfach die laufend eingehenden Ortungsergebnisse in holographische Darstellungen um, die in die Holokuben überspielt wurden.
Jetzt war deutlich zu sehen, wie die vorderen Schiffe in der Warteschleife Docking-Manöver flogen, wie sich nach dem Andocken am herausragenden Eingangstor des Objekts Menschenmassen über eine energetische Rampe ins Tor wälzten, wie die geleerten Schiffe ablegten und in einen weiten Parkorbit rings um das Objekt der Begierde gesteuert wurden.
Der Anblick der fremdartigen Konstruktion und des sich darum abspielenden Rummels ließ Dilja Mowak im Unterschied zu den meisten Raumfahrern der Zentrale kalt. Die Gefühlswelt der Oxtornerin entbehrte keineswegs der Sensibilität, aber sie wurde eher von extremen Naturerscheinungen berührt als von der Schönheit technischer Konstruktionen.
Zumal sie wusste, wie fragwürdig die Schönheit des Gebildes vor der IRA ROGABERG war. Als Hanse-Spezialistin und Expeditionsleiterin besaß sie einen Informationsvorsprung gegenüber ihrer Mannschaft.
Aus den Augenwinkeln registrierte sie, dass die Mehrzahl der Frauen und Männer in der Zentrale des Fernerkunders das Objekt wie hypnotisiert anstarrte.
So, als sähen sie eines der einst vielgepriesenen zwölf Wunder der Mächtigkeitsballung Estartu – wie beispielsweise der Heraldischen Tore von Siom Som.
Aber natürlich war es kein damit vergleichbares Wunder. Im Grunde genommen war es nicht einmal im Entferntesten wunderbar. Im Gegenteil: Es handelte sich um eine Konstruktion, die einem ganz banalen Zweck diente.
Ein in Modulbauweise erstelltes kosmisches Warenhaus, das dem einzigen Zweck diente, möglichst viele Kaufinteressenten aus der umliegenden Wolke von Sonnensystemen anzulocken und zum Kauf aller möglichen Dinge zu verführen.
Und bei möglichst geringem eigenen Aufwand seinen Besitzern ein Maximum an Profit einzufahren.
GIMELAK!
Aus Fertigteilen, die von einer riesigen Handelskarawane aus der Kleingalaxis Hirdobaan in die Große Magellansche Wolke transportiert worden waren, in Rekordzeit zusammengesetzt. Nach Bewältigung einer Distanz von sage und schreibe 118.200.000 Lichtjahren.
Zur Überwindung dieser das menschliche Vorstellungsvermögen übersteigenden Strecke hatten die Intelligenzen, die sich Hamamesch nannten, die Estartu-Transmitterstraße benutzt und waren am Gom-Tor herausgekommen.
Die Somer, die diese Transmitterstraße verwalteten, hatten ihnen die Benutzung gegen eine geringe Gebühr gestattet. Eine undurchschaubare Mauschelei.
»Verglichen mit den ehemaligen Basaren der Kosmischen Hanse ist das nur eine überdimensionale Jahrmarktsbude«, reagierte die Oxtornerin absichtlich abwertend auf das begehrliche Funkeln in den Augen ihrer Leute. »Kommt auf den Teppich zurück! Niemand von euch wird dort hinüberfliegen und sich von dem Reklamerummel der Hamamesch in einen Kaufrausch stürzen lassen!«
»Kaufrausch!«, grollte Nurija Kapon verächtlich und blickte Dilja herausfordernd an. Ihr blutrot gefärbter Sichelkamm schien anzuschwellen wie der Kamm eines gereizten Kampfhahns. »Hältst du uns für so labil, dass wir uns beim Anblick eines Sammelsuriums von Waren nicht beherrschen könnten?«
Die Hanse-Spezialistin erwiderte den Blick der Ertruserin mit freundlicher Gelassenheit.
»Wir wissen von unserer letzten Mission in Magellan vor zwei Monaten, dass bestimmte Waren der Hamamesch ein unwiderstehliches Verlangen danach auslösen, sie zu besitzen«, konterte sie geduldig. »Damals wussten wir nur noch nicht, dass es sich dabei um Waren aus Hirdobaan handelte. Die Hamamesch hielten sich im Hintergrund und schickten die Somer und die Bekassu vor. Inzwischen treten sie selber in Erscheinung. Vier Basare haben sie in der Großen Wolke aufgebaut. GIMELAK ist einer von ihnen.«
Sie deutete mit ausgestrecktem Arm auf das Holo des marktschreierisch aufgeputzten Objekts. Seit Ankunft der IRA ROGABERG hatte sich die Anzahl der dort angedockten birnenförmigen Raumschiffe fast verdoppelt.
»Seht auch das Gewimmel an!«, ermahnte sie ihre Leute. »Es wird noch schlimmer. Die Gurrads müssen den Verstand verloren haben. Sie gebärden sich, als läge hinter der Fassade von GIMELAK der kostbarste Schatz der Lokalen Galaxiengruppe verborgen.«
»Ein Schatz!«, echote Cheborparczete Zarykint von ihrem halbkreisförmig geschwungenen Pult aus, mit dessen Hilfe sie die syntronische Vernetzung des Schiffes kontrollierte. Aus den drei »Nasenlöchern« in ihrem ziegenhaften Gesicht rollten die drei halbmeterlangen Greifzungen aus; die je vier zarten Greiffinger bewegten sich tastend durch die Luft, als suchten sie dort nach einem imaginären Schatz. »Seit meiner Kindheit träume ich davon, so etwas wie den sagenhaften Schatz der Kyarden von Igolurh zu entdecken.« Sie seufzte entsagungsvoll; in der Nachahmung menschlicher Verhaltensweisen waren die Cheborparner wahre Meister. »Aber in GIMELAK finde ich ihn bestimmt nicht. Deshalb interessiert mich dieser Ramschladen auch nicht im Geringsten.«
»Mich schon«, warf Kommandant Muns Betterford grimmig ein. »Am liebsten würde ich ihn auseinander nehmen.«
»Mich macht er nicht an«, ließ sich Landdy Kronth vernehmen. »Ich wollte dort nicht einkaufen. Was ich brauche, bestellte ich per Synserv.«
»Das ist vernünftig«, meinte Dilja Mowak.
»Außerdem käme niemand von uns an den Basar heran«, stellte Hunoor von Shailuun, der Erste Stellvertreter des Schiffskommandanten, klar.
Die drei Meter große Zyklopengestalt nahm eine Schaltung an seinem Pult vor. Auf verschiedenen Bildschirmen flackerten die Darstellungen mehrerer Kugelraumer in gelbem Licht.
»Es handelt sich um MERZ-Kreuzer«, hallte die Stimme einer Frau durch die Zentrale: die Synthesizerstimme des Bordsyntrons. »Ihre energetischen Besonderheiten weisen zwei von ihnen als zur Militärdiktatur von Gingaresch gehörend aus; vier gehören dem Patriarchen von Mantoll.«
»Waerricks Schiffe strotzen nur so von schweren Transformkanonen«, sagte der terranische Funk- und Ortungstechniker Achmed Shaddar. »Ihre hyperschnellen Ortungs- und Zielerfassungstaster zielen genau auf die IRA ROGABERG. Ein ganzer Impulsschauer prasselt auf die Haut unseres besten Stückes. Eine unmissverständliche Warnung, uns aus der Sache herauszuhalten.«
»Was wir keinesfalls ignorieren werden«, entschied Dilja Mowak. »Ich bin heilfroh, dass die IRA seit rund zwei Monaten wieder so gut wie neu ist. Es wäre fatal, wenn sie gleich beim ersten Einsatz nach ihrer Generalüberholung schrottreif geschossen würde.«
»Das kommt davon, wenn das Galaktikum modernste Kampfschiffe an fremde Zivilisationen verkauft, als handelte es sich um Gewürztransporter«, warf Cheftechniker Tin Damual ein.
Die silberweißen Haarbüschel an den oberen Enden der spitzen Fledermausohren zitterten vor Entrüstung. Die Augen des Palpyroners verrieten aber eher Schadenfreude.
Dilja Mowak wandte sich an Keedah von Aeghnuz, die akonische Funk- und Ortungstechnikerin. Keedah beantwortete ihre Fragen bereits, bevor sie ausgesprochen waren.
»Der Basar ist aus Kuben von fünf bis hundertfünfzig Metern Kantenlänge und ähnlichen großen Quadern zusammengefügt«, sagte sie. »Die größte Ausdehnung des Objekts beträgt 1,2 Kilometer. Was die Außenhaut betrifft, so besteht sie aus Metallplastik ohne Strukturverdichtung. Die energetischen Emissionen verraten, dass die Hamamesch unserem Stand der Technik größtenteils um ein paar Jahrhunderte hinterherhinken.«
Die Oxtornerin dachte scharf nach. Als Geo Sheremdoc ihr den Auftrag erteilt hatte, sich um GIMELAK zu kümmern, hatte er sie auch darüber informiert, dass das Verhältnis des Galaktikums zu den Gurrads angespannt war. Die Herren der Magellanschen Wolken wollten das Geschäft mit den Hamamesch allein machen, obwohl deren Handelskarawane ihren ursprünglichen Aussagen nach aufgrund eines Handelsabkommens zwischen der Kosmischen Hanse und den Hamamesch in den milchstraßennahen Raum geflogen war.
Die Hamamesch stellten sich zudem so offen auf die Seite der Gurrads, als hätten sie nie vorgehabt, die Hanse als Handelspartner zu gewinnen.
Deshalb war Dilja von Sheremdoc damit beauftragt worden, den Weg der Hamamesch-Waren vom Basar GIMELAK bis zu den Endverbrauchern zu verfolgen.
Der LFT-Kommissar hatte die Oxtornerin davor gewarnt, unnötige Risiken einzugehen. Allerdings hatte er ihr in altbekannter Schlitzohrigkeit nicht ausdrücklich verboten, den Basar zu betreten.
Was nichts anderes hieß, als dass er genau das von ihr erwartete. Bei ihm zählten nur Resultate. Der Zweck heiligte die Mittel.
Allerdings täuschte man sich in Sheremdoc, wenn man glaubte, er billigte sogar moralisch verwerfliche Methoden. Das tat er niemals. Er übersah und überhörte allerdings so manches. Frei nach dem Motto: Was ich nicht weiß, macht mich nicht heiß.
In Dilja Mowaks Augen trat ein Glitzern. Sie hatte soeben entschieden, dass sie ungeachtet aller Risiken GIMELAK betreten würde.
Natürlich nicht offen, sondern heimlich. Und auch nicht allein, sondern in Begleitung der Person, von der sie annahm, dass sie ihre Sinne nicht von den besonderen Ausstrahlungen der Hamamesch-Waren würde betören lassen.
»Landdy!«, wandte sie sich an die nur vierzig Zentimeter große Tokluntin aus der Galaxis Maffei 1. »Bist du bereit, mich freiwillig in einen Risiko-Einsatz zu begleiten?«
»Risiko-Einsatz?«, wiederholte Landdy Kronth erschrocken – fügte jedoch mit ihrer charakteristischen piepsigen Stimme hastig hinzu: »Aber ganz gewiss doch, Dilja. Ich liebe das Kribbeln im Bauch, das die Angst erzeugt.«
*
Es bedurfte keiner Frage, dass die IRA ROGABERG nicht einfach zum Basar GIMELAK fliegen und Dilja mit ihrer Begleiterin absetzen konnte.
Die gurradschen Kampfschiffe, die dort wachten, würden das Feuer eröffnen und den Fernaufklärer vertreiben. Darauf durfte die Hanse-Spezialistin es nicht ankommen lassen.
Schon gar nicht durfte sie das Feuer erwidern und womöglich eine gurradsche Kampfeinheit vernichten.
Das würde mit Sicherheit unnötige Feindschaft zwischen den Intelligenzen in Magellan und denen der Milchstraße schüren. Das lohnte sich nicht. Feindschaft lohnte sich nie; sie war überflüssig.
»Wir kreuzen eine halbe Stunde an Ort und Stelle, dann ziehen wir uns zurück!«, befahl Dilja dem Kommandanten. »Ziel ist die Muschoar-Dunkelwolke, rund hundertzwölf Lichtjahre von hier entfernt. Koordinaten befinden sich im Syntron.«
Muns Betterford wandte ihr sein breitflächiges gelbbraunes Gesicht mit den dichten schwarzen Brauen zu: das typische Gesicht eines Plophosers, dessen Familie schon seit über tausend Jahren auf dem dritten Planeten der Sonne Eugaul lebte.
»Du willst dich also dort mit jemandem treffen«, stellte er mit seiner dunklen Stimme fest. »Mit jemandem, der keine Schwierigkeiten bekommt, wenn er an GIMELAK andocken möchte. Habe ich Recht?«
»Wann hast du schon mal nicht Recht?«, entgegnete die Oxtornerin. »Ich bin in der Muschoar-Dunkelwolke mit dem Springer-Patriarchen Dochnurh verabredet. Sein Schiff ist die DOCHNURH I.«
Sie warf einen Blick auf die Standardzeit-Anzeige der Zentrale, dann machte sie eine auffordernde Handbewegung in Betterfords Richtung.
»Fang schon mal an zu kreuzen, Muns! Ich möchte mein Brüderchen nicht zu lange warten lassen.«
*
Hundertzehn Minuten später fiel die IRA ROGABERG aus dem Hyperraum in den Normalraum zurück – im exakten Mittelpunkt einer dichten schwarzen Dunkelwolke von knapp 51 Lichtstunden Durchmesser, die unweit eines hellen Gasnebels in der Sterneninsel namens Große Magellansche Wolke stand.
Finsternis herrschte in Muschoar. Die Wolke barg keinen einzigen Stern. Dafür war sie erheblich dichter als durchschnittliche Dunkelwolken.
»Eine Globule«, stellte Hunoor von Shailuun trocken fest. »Ein Protostern, dessen Dichte in vielleicht einer Million Jahren hoch genug ist, um die Fusion zünden zu lassen.«
»Fremdes Objekt an Backbord!«, meldete Keedah von Aeghnuz in gewohnter Sachlichkeit. »Entfernung anderthalb Lichtsekunden. Typisches Springer-Walzenschiff. Länge achthundert Meter, Durchmesser zweihundert. Metagravtriebwerk desaktiviert.«
»Anfunken!«, befahl die stämmige Springerin mit langem roten, zu zwei Zöpfen geflochtenem Haar, die soeben die Zentrale betrat. »Kode Skarabäus!«
Sie stapfte zum Funkpult Achmed Shaddars. Der Terraner schaltete bereits. Seine Augen schienen Funken zu sprühen. Er amüsierte sich köstlich.
Kaum hatte er den Kode per Hyperkom-Richtspruch an das Springerschiff durchgegeben, materialisierte das Holo eines hünenhaften rothaarigen Springers mit wallendem roten Bart. Das hellhäutige Gesicht war von zahlreichen Falten und Fältchen durchzogen.
»Patriarch Dochnurh hier!«, tönte er gut gelaunt, kniff die Augen zusammen und grinste. »Bist du das, Schwesterherz?«
