Perry Rhodan 246: Kontrollstation Modul - H.G. Ewers - E-Book

Perry Rhodan 246: Kontrollstation Modul E-Book

H.G. Ewers

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Beschreibung

Die leuchtenden Sphären - das ist die neue Waffe der Herren Andromedas Auf der Erde schreibt man den 1. November des Jahres 2402. Perry Rhodans Expedition nach Andromeda, das sogenannte "Unternehmen Brückenkopf", hatte nicht nur Erfolge zu verzeichnen, sondern auch Rückschläge. Nach mehrfachem Hin und Her scheint es so, als habe sich die terranische Expedition auf dem Planeten Gleam im Andro-Betanebel endgültig einen sicheren Stützpunkt geschaffen, von dem aus der Vorstoß in das eigentliche Herrschaftsgebiet der Meister der Insel unternommen werden könnte. Die "Notrufe aus dem Nichts" führten schließlich zu einer Verständigung mit dem gequälten Zentralplasma der Posbis - und zu einem Bündnis. Der eigentliche Zweck der "Schlächterkommandos" ist jedoch noch im Dunkel geblieben - und erst als die leuchtenden Sphären in Andro-Beta auftauchen und ihr Vernichtungswerk beginnen, wird es den Verantwortlichen der Andromeda-Expedition klar: Die leuchtenden Sphären sind eine weitere Waffe der Herren Andromedas! Diese Waffe wird gesteuert von der KONTROLLSTATION MODUL!

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Veröffentlichungsjahr: 2011

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Nr. 246

Kontrollstation Modul

Die leuchtenden Sphären – das ist die neue Waffe der Herren Andromedas

von H. G. EWERS

Auf der Erde schreibt man den 1. November des Jahres 2402. Perry Rhodans Expedition nach Andromeda, das so genannte »Unternehmen Brückenkopf«, hatte nicht nur Erfolge zu verzeichnen, sondern auch Rückschläge.

Nach mehrfachem Hin und Her scheint es so, als habe sich die terranische Expedition auf dem Planeten Gleam im Andro-Betanebel endgültig einen sicheren Stützpunkt geschaffen, von dem aus der Vorstoß in das eigentliche Herrschaftsgebiet der Meister der Insel unternommen werden könnte.

Die »Notrufe aus dem Nichts« führten schließlich zu einer Verständigung mit dem gequälten Zentralplasma der Posbis – und zu einem Bündnis.

Der eigentliche Zweck der »Schlächterkommandos« ist jedoch noch im Dunkel geblieben – und erst als die leuchtenden Sphären in Andro-Beta auftauchen und ihr Vernichtungswerk beginnen, wird es den Verantwortlichen der Andromeda-Expedition klar: Die leuchtenden Sphären sind eine weitere Waffe der Herren Andromedas!

Die Hauptpersonen des Romans

Perry Rhodan – Großadministrator des Solaren Imperiums.

Captain Sven Henderson – Chef des Jägerkommandos der CREST II.

Ray Burdick, Taka Hokkado, Bron Tudd und Finch Eyseman – Captain Hendersons Begleiter bei der »Operation Dunkelwelt«.

Tronar und Rakal Woolver – Atlans Wellensprinter.

Gucky – Der Mausbiber hält sich für einen »Versager«.

Major Curt Bernard – Versorgungsoffizier der CREST II.

Prolog

Vor kurzer Zeit brachten die Versorgungsschiffe die bisher größte Ladung des lebenden Grundstoffs. Seitdem liefen die Produktionsanlagen auf Hochtouren. Eine Vernichtungsaktion noch nie gekannten Ausmaßes wurde vorbereitet.

Ohne meine Arbeit könnte die Aktion niemals stattfinden. Es war eine grausame Ironie des Schicksals, dass ich tun musste, was ich verabscheute. Immer wieder musste ich gegen die Stimme meines Gewissens ankämpfen, die mir Auflehnung und offenen Widerstand riet. Und immer wieder siegte die Furcht! Nicht die Furcht um mein eigenes Leben, sondern die Furcht um den Bestand meines Volkes. Die Meister der Insel haben es mit teuflischem Geschick verstanden, mich zu ihrem gefügigen Werkzeug zu machen. Weigere ich mich, droht die Ausrottung meines leidgeprüften Volkes.

Ich riss mich von meinen sinnlosen Gedankengängen los, als das rote Signal aufleuchtete. Nur der Hass gegen die Unterdrücker brannte weiter in mir.

Schwaden von Übelkeit erregenden Dampfes umgaben mich, als ich durch die Fabrikationshalle taumelte. Das rote Signal glomm wie das Auge eines Ungeheuers durch den gelben Dunst. Zischen und Fauchen drang aus gewaltigen Aggregaten. Von hohen Niederdruckkesseln kam dumpfes Glucksen und Stöhnen wie von gefangen gehaltenen Ungeheuern. Der Vergleich war nicht einmal so falsch. Nur lebten die Ungeheuer noch nicht. Sie sollten erst »geboren« werden.

Ich zitterte vor unterdrückter Wut, als ich die Antigravplatte bestieg. Welche Scheußlichkeit verlangten die Meister der Insel eigentlich noch? Ließen sie mich nie in Ruhe? Wenn ich meinem Leben wenigstens ein Ende hätte bereiten können! Aber auch dann würde mein Volk dafür büßen müssen. Es gab keinen Ausweg aus dem Teufelskreis.

Lautlos setzte die freischwebende Antigravplatte sich in Bewegung. Sie schwebte aufwärts, zu einem halbkugeligen metallischen Bauwerk, das wie angeklebt an der Hallendecke hing. Mit zusammengepressten Kieferleisten betrat ich den Sphären-Lenkraum.

Wie eine Marionette bewegte ich mich auf die Sitzschale zu und sank hinein. Hinter mir schloss sich der Zugang. Das Dröhnen der Maschinen, das Zischen und Fauchen der Aufbereitungskessel und das Ächzen und Stöhnen des vergewaltigten Plasmas blieben draußen.

Leuchtzeichen hingen über meinen Augen, als schwämmen sie in undurchdringlichem Nebel. Die Apparatur kannte psychische Tricks, um mich von allen störenden Wahrnehmungen abzuschneiden, mich zur Konzentration auf die verhasste Tätigkeit zu zwingen.

Würgender Brechreiz quälte mich, als mein Bewusstsein wieder freigegeben wurde. Ich konnte mich an alle Vorgänge erinnern – und das war schlimmer, als wenn ich gestorben wäre.

Die Monstren, die nur durch meine Mitarbeit geschaffen werden konnten, wirkten grausig genug. Viel grausiger aber war die Tatsache, dass man lebendes, intelligentes Plasma durch chemische und mechanische Vorgänge gezwungen hatte, die Steuerung der Androidenkörper zu übernehmen. Dabei wurde die Intelligenz des Plasmas auf ein Minimum reduziert, so dass man eigentlich nur noch von einem Handlungsinstinkt sprechen konnte. Die Ungeheuer besaßen keinen Funken Vernunft mehr. Sie würden nur noch das tun, wofür man sie indoktriniert hatte.

Ein gelbes Signal flammte auf. Es zeigte an, dass sich die Sphären um ihre Pilotenmonstren geschlossen hatten.

Die Pulsationsmuskeln meiner Venen und Arterien krampften sich zusammen. Für einen Augenblick wurde mein Blutkreislauf unterbrochen. Ich glaubte zu ersticken. Es fiel mir schwer, meine Erregung niederzukämpfen. Leute meiner Art sind außerordentlich sensibel und steigern sich oft in einen unkontrollierbaren Erregungszustand hinein. Nur meine Erlebnisse in der Kontrollstation hatten mir eine gewisse Beherrschung des vegetativen Nervensystems anerzogen. Andernfalls hätte ich längst den Verstand verloren.

Wieder kämpfte ich gegen die Stimme meines Gewissens an – und wieder siegte die Sorge um das Schicksal meines Volkes. Sein Los war ohnehin schwer genug. Ich durfte nichts tun, was meine Leute völlig auslöschen konnte.

Mit raschem Griff legte ich den Aktivierungshebel um.

Eben noch hatten die Bildschirme den leeren Raum gezeigt. Jetzt waren sie erfüllt von unzähligen hellstrahlenden Kugeln. Die giftgrün leuchtenden Energiebündel jagten mit ihren monströsen Piloten einem kleinen Sternennebel zu, dessen Namen ich nicht kannte.

Dort musste etwas geschehen sein, was die Meister der Insel zutiefst beunruhigte.

1.

Das weite Tal war erfüllt vom Summen, Dröhnen und Kreischen der Energiefräsen. Staubschwaden quollen aus riesigen Schachtmündungen am Nordhang des Ringgebirges. Allmählich nur senkten sie sich und überzogen die Pilzwälder mit einem grauweißen Belag.

Aus der steinigen Ebene zwischen den Wäldern ragten elf Bauwerke wie die Reste eines gigantischen Monuments hervor. Auf Säulen von achthundert Metern Länge und vierhundert Metern Durchmesser ruhten gewaltige metallen schimmernde Kugeln. Nur starke Antigravfelder bewahrten die Säulen vor dem Einsinken in den Boden.

Captain Sven Henderson sprang erschrocken zur Seite, als hinter ihm das schrille Aufheulen von Antigravgeneratoren erklang.

Ein Shift sank in fünf Metern Entfernung zu Boden.

Henderson drohte mit der Faust hinüber. Dann begann er nach der Zigarette zu suchen, die er bei seinem schnellen Sprung verloren hatte. Als er sie fand, trampelte er wütend darauf herum. Sein Gesicht verzog sich angewidert. Ein Pilzläufer, flach und groß wie eine Männerhand, hatte sich auf die brennende Zigarette gestürzt und seine Gifttentakel darum geschlungen. Die Wärme musste ihn zum Angriff verleitet haben. Pilzläufer besaßen ein Infrarot-Spürorgan, mit dem sie ihre Beutetiere aufspürten. Die Tentakelenden gingen in feine, aber unglaublich harte Stacheln über, deren Gift einen Menschen innerhalb weniger Sekunden tötete. Henderson hatte bisher angenommen. Pilzläufer gäbe es nur in den Pilzwäldern.

Mit einem Tritt schleuderte er den toten Räuber davon.

Ein dunkles Lachen ließ ihn hochblicken.

Aus der offenen Luke des Shifts ragte der Oberkörper eines Mannes. Ein Arm winkte.

Langsam ging Henderson näher.

»Hallo, Sven!«, rief der andere. »Seit wann führen Sie Indianertänze auf? Oder sind Sie etwa mit Don verwandt?«

Wider Willen musste Captain Henderson lachen. Jetzt erkannte er den anderen. Es war Captain Noro Kagato, der Chef des Robotkommandos.

»Hallo, Noro!«, erwiderte Sven die Begrüßung. »Sehe ich so aus?«

Ein amüsiertes Grinsen flog über Kagatos Gesicht. Natürlich waren Henderson und Don Redhorse nicht verwandt miteinander. Selbst ein kleines Kind hätte das gesehen. Redhorse war schlank, geschmeidig und hatte glatte, blauschwarze Haare – Sven Henderson dagegen wirkte mit seinen breiten Schultern, dem wiegenden Gang und seiner Wortkargheit wie ein plumper Bär. Außerdem war er im Gegensatz zu dem Nachkommen eines Cheyenne-Indianers extrem blond. Nur eine Eigenschaft hatten sie gemeinsam: Beide waren Draufgänger und Spezialisten für verwegene Sondereinsätze.

»War nur ein Scherz, Sven«, sagte Kagato und schüttelte die Hand, die der Chef des Jägerkommandos ihm darbot. »Aber worauf haben Sie denn dort herumgetrampelt?«

Henderson erklärte es ihm.

Der Japaner nickte mit ernstem Gesicht.

»Und das war nur eine der Giftbestien, die sich in dieser ›schönen‹ Gegend herumtreiben. Täglich hat man Ärger damit.«

»Sie doch nicht«, erwiderte Henderson trocken. »Und Ihre Roboter erst recht nicht. Was tun Sie eigentlich im Tal? Haben Sie nicht die Arbeiten an den Stollen zu überwachen?«

»Genau das wollte ich Sie fragen, Sven. Ich habe dienstfrei. Das muss schließlich auch einmal sein. Bei dieser einmaligen Gelegenheit wollte ich mir das Harno-Gebirge ansehen.«

Captain Henderson brannte sich eine neue Zigarette an. Dabei schien sein Blick durch Kagato hindurchzugehen. Er dachte an das Auftauchen des rätselhaften Energiewesens vor vier Wochen. Seit vielen Jahrhunderten sollte Harno schon Rhodans Verbündeter sein. Immer aber war »er« so unverhofft verschwunden, wie er aufgetaucht war. Zwischen ihm und dem Fiktivwesen des ehemaligen Planeten »Wanderer« musste es einen Zusammenhang geben. Denn auch ES, wie die geistige Vereinigung von Milliarden Individuen genannt wurde, hatte sich vor vier Wochen gemeldet.

»Nachdenklich, Sven ...?«, fragte der Japaner.

Henderson nickte.

»Ich frage mich noch, was ES damals eigentlich gewollt hat. Sehr aufschlussreich waren seine Worte nicht. Dennoch muss ein geheimer Sinn dahinterstecken.«

»Das ist auch meine Meinung. ES hat die Menschheit vom Anfang ihrer kosmischen Entwicklung an begleitet. Es hat ihr Aufgaben gestellt und in vielen Fällen hilfreich eingegriffen. Ich bin sicher, dass sein Erscheinen auch diesmal von großer Bedeutung ist.«

»Warum hilft ES uns nicht gegen die Meister der Insel?«, stieß Henderson heftig hervor. »Zuschauer brauchen wir wahrhaftig nicht.«

Noro Kagato zuckte die Schultern.

»Es gibt viel auf dieser Welt, was wir niemals begreifen werden, mein Lieber. Dazu sind unsere Gehirne einfach zu klein.

Aber reden wir von etwas anderem. Wie ich sehe, sind Sie ebenfalls dienstfrei, Sven. Wollen Sie nicht mitkommen?«

»Das ist ein guter Gedanke. Okay! Sehen wir uns das Gebirge einmal aus der Nähe an.«

Eine Minute später befand sich der Shift wieder in der Luft. Captain Kagato zog das Fahrzeug auf hundert Meter Höhe. Dicht über einem der Pilzwälder glitt es dahin, auf die steil aufragende Wand des Ringwalles zu.

Eine weitere Minute später sprach der Lautsprecher der Permanent-Verbindung an.

»Achtung! Achtung! Kommandozentrale CREST II ruft Captain Kagato. Captain Kagato wird gebeten, auf schnellstem Wege zur Zentrale zu kommen.

Ich wiederhole ...«

Henderson und Kagato blickten sich an.

»Da brennt es wieder irgendwo«, ließ der Japaner sich vernehmen. »Es wäre auch verwunderlich gewesen, wenn ich meine Freiheit einmal hätte voll ausnutzen können.« Er seufzte.

»Ich möchte wissen, was es auf Gleam so brennend Eiliges geben soll«, murmelte Henderson verstimmt. »Vielleicht hat Major Bernard einen Materialschein zu beanstanden.«

»Soll ich Sie absetzen, Sven?«

»Nein, Noro. Mir ist die Lust am Ausflug vergangen. Nehmen Sie mich mit zur CREST. Ich werde ein paar Stunden schlafen.«

In der Hauptschleuse des Superschlachtschiffes wartete bereits ein Empfangskommando. Einige Männer brachten den Shift an seinen Platz, während ein Sergeant sich bei Captain Kagato meldete und ihn bat, ihm zur Hauptzentrale zu folgen.

Als Noro Kagato den Antigravschacht verließ, wusste er sofort, dass etwas Außergewöhnliches geschehen war. Rings um den Kartentisch, unmittelbar an der Öffnung des Antigravlifts, saßen die führenden Männer der Andro-Beta-Expedition und berieten: Perry Rhodan, Atlan, John Marshall, Melbar Kasom, Icho Tolot, der Mausbiber Gucky und Iwan Goratschin.

Der Captain salutierte stumm und wollte vorübergehen, um sich beim Kommandanten der CREST II zu melden.

Ein Zuruf Rhodans hielt ihn zurück.

Kagato kehrte um und trat vor den Großadministrator hin.

Perry Rhodan lächelte freundlich und wies auf einen freien Sessel.

»Bitte, nehmen Sie doch Platz, Captain.« Er wartete geduldig, bis Kagato saß, dann fuhr er fort: »Ich habe Sie rufen lassen, weil ich einen besonnenen Mann für einen gefährlichen Einsatz brauche. Aber zuvor sollen Sie erfahren, was geschehen ist:

Vor zehn Minuten wurde im Zentrum Andro-Betas die Explosion einer Sonne beobachtet. Das Observatorium stellte durch Messungen fest, dass es sich bei der Sonne um einen der drei blauen Riesensterne handelt, die das so genannte Beta-Dreieck bilden. Nun ist natürlich die Entstehung einer Nova nichts Ungewöhnliches. Aber das Hertzsprung-Russell-Diagramm beweist, dass Novae sich stets aus Sternen der Hauptreihe oder aus der Reihe der Unterzwerge entwickeln. Sterne des Riesenastes dagegen werden fast nie davon betroffen. Nun sind die blauen Riesen des Beta-Dreiecks außerdem keine gewöhnlichen Sonnen, sondern künstlich erschaffene Energiereservoire des Ferntransmitters Andro-Beta. Es liegt auf der Hand, dass diese Sonnen von den Meistern der Insel beherrscht werden. Ohne ihren Willen kann keine Veränderung eintreten.«

Perry Rhodan wandte den Kopf zu Kagato.

»Was schließen Sie daraus, Captain?«

Noro Kagato lächelte grimmig.

»Die Meister der Insel haben Ihren Ferntransmitter zerstört, indem sie eine der Transmittersonnen zur Nova werden ließen, Sir.« Seine Stirn bedeckte sich plötzlich mit feinen Schweißperlen. »Das bedeutet, dass sie uns damit in Andro-Beta festzuhalten glauben. Wir müssen mit einem baldigen Großangriff rechnen, Sir!«

»Sehr gut, Captain. Sie haben folgerichtig gedacht. Diesen Gedanken hatten wir ebenfalls. Zusätzlich wurde er von der Positronik überprüft. Die Maschine kam zum gleichen Ergebnis.

Doch deshalb habe ich Sie nicht rufen lassen, Captain.

Augenblicklich sorgen wir uns um etwas anderes. Der Stützpunkt-Planetoid Troja ist vor genau vier Monaten aus dem Beta-Dreieck herausgekommen. Da er sich nur mit fünf Prozent der Lichtgeschwindigkeit im freien Fall bewegt, beträgt seine Entfernung zur Nova jetzt nur 144 Lichtstunden. Das ist keine Entfernung, wenn man die hyperstrukturellen Erschütterungen berücksichtigt, die mit einem Novaprozess verbunden sind. Kurz und gut: Wir sind in Sorge um die Stützpunktbesatzung und natürlich auch um den Stützpunkt selbst. Hyperfunkgespräche verbieten sich in unserer Lage von selbst. Es gibt nur eine Möglichkeit, Gewissheit über Trojas Schicksal zu erlangen: Hinfliegen und nachsehen.

Keineswegs können wir ein Superschlachtschiff in Marsch setzen. Die Ortungsgefahr wäre zu groß. Wir haben uns deshalb entschlossen, ein Beiboot zur bekannten Position Trojas zu schicken, die KC-11. Die Kaulquappe steht bereit. Es fehlt nur noch der Kommandant und Leiter des Unternehmens. Die Wahl fiel auf Sie, weil bekannt ist, dass Sie in jeder Lage besonnen bleiben und sich nicht von der Abenteuerlust zu unvorsichtigen Aktionen verleiten lassen wie andere Leute.«

Kagato lächelte verstohlen. Er wusste genau, wer mit den »anderen Leuten« gemeint war. Erst vor sechs Wochen hatte Captain Don Redhorse entgegen Rhodans ausdrücklichem Befehl den Planeten Gleam angeflogen und damit beinahe die Anwesenheit der Menschen in Andro-Beta verraten.

»Ich bin bereit, Sir!«

»Warten Sie noch!« Rhodan hob die Hand, als Noro Kagato aufstehen wollte. »Dies ist ein Kommandounternehmen. Sie wissen, dass Sie jederzeit die Teilnahme daran ablehnen können, ohne dass Ihnen das jemand übel nimmt.«

Kagato lächelte unergründlich.

»Das war mir von Anfang an klar, Sir. Folglich gilt meine Zusage noch immer. Auf welche Zeit ist der Start festgesetzt?«

»Auf 23:55 Uhr Bordzeit, Captain. Das ist in fünfzehn Minuten.«

Rhodan schaltete den Interkom ein.

»Major Sedenko! Kommen Sie mit den Einsatzunterlagen und bringen Sie Captain Kagato zum Hangar der KC-11!«

Gleichzeitig mit dem Captain erhob er sich von seinem Platz.

»Viel Erfolg, Captain Kagato – und glückliche Heimkehr!«

*

Es war der 1. November des Jahres 2402 Erdzeit, Punkt 23:55 Uhr Bordzeit, als die sechzig Meter durchmessende KC-11 aus der Hangarschleuse glitt und rasch an Höhe gewann. Dieses Datum wurde später von den Geschichtsschreibern vermerkt, mit dem Hinweis, dass damit die letzte Etappe des gefahrvollen Weges nach Andromeda begann.

Vorläufig jedoch ahnte niemand etwas davon. Weder Captain Noro Kagato noch die fünfzig Mann der Beibootbesatzung wussten um die Bedeutung des Augenblicks.

Es gab auch keinerlei Zeichen, die darauf hindeuteten.

Die KC-11 durchstieß die Lufthülle über Gleam, raste mit beinahe Lichtgeschwindigkeit an den Sonnen des Tri-Systems vorüber und verschwand im Zwischenraum.

Captain Kagato hatte keinerlei Schwierigkeiten mit der Navigation. Die deutlich erkennbare Nova diente als Leuchtfeuer. Im Zielkreuz des Reliefschirms war der immer noch expandierende Gasball deutlich zu sehen. Leuchtende Wolken lösten sich von seinem Rand und jagten vor den hellstrahlenden glühenden Gasen her. Offenbar löste sich die Sonne vollkommen auf. Vielleicht würde ein winziger weißer Zwergstern übrigbleiben; aber der größte Teil der Sonnenmaterie ging verloren.

Noro Kagato wandte den Kopf nach links. Finch Eyseman arbeitete konzentriert am Kurskalkulator. Er schien Kagatos Blick nicht zu bemerken. Noro lächelte. Er hatte sich gefreut, Leutnant Eyseman als Copiloten und Navigator der KC-11 vorzufinden. Der junge Mann galt allgemein als verträumt und zu weich. Kagato wusste es besser. Was andere an Eyseman für Weichheit hielten, war lediglich Ausdruck einer konsequent humanen Haltung.

Ein Blick zur Uhr klärte Kagato darüber auf, dass es bis zum nächsten Orientierungsaustritt nur noch zehn Minuten waren. Es war nicht möglich, die Strecke nach Troja mit einer Linearraumphase zu überwinden. Die Vernichtungsaktion der Mobys hatte Tausende von Planeten zerstört und die Gravitationsverhältnisse innerhalb des Andro-Betanebels durcheinander gebracht. Mindestens zwölf Linearflugetappen würden nötig sein.

Finch Eyseman hatte seine Kursberechnungen beendet und wandte sich um. Er errötete, als er Kagatos Blick auf sich ruhen sah.

»Ich ... ähem ...« Finch blickte an sich herab. »Ist etwas mit meiner Uniform nicht in Ordnung, Sir?«

Der Captain seufzte und schüttelte den Kopf.

»Es ist alles in Ordnung mit Ihnen. Nur ... Mann! Warum geben Sie sich immer so unsicher? Seien Sie selbstbewusster, Leutnant! Glauben Sie mir, Sie können es mit ruhigem Gewissen sein.«

Eyseman lächelte verlegen.

»Es tut mir leid, wenn ich Ihren Zorn erregt haben sollte, Sir. Ich werde selbstverständlich Ihren Rat beherzigen. Darf ich Ihnen jetzt die Kurskalkulation geben, Sir?«

»Ja, bitte!«

Noro Kagato riss ihm die Diagrammfolien aus der Hand und studierte sie gewissenhaft. Er knurrte anerkennend.

»Ausgezeichnet, Leutnant. Ich frage mich, warum man Sie noch nicht befördert hat – bei Ihrem Können.« Er winkte ab. »Wahrscheinlich benehmen Sie sich immer so, als hätten Sie zwei linke Hände und wären taub auf beiden Ohren.«