Perry Rhodan 2473: Verrat auf CRULT - Leo Lukas - E-Book + Hörbuch

Perry Rhodan 2473: Verrat auf CRULT E-Book und Hörbuch

Leo Lukas

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Beschreibung

Intrigante Duale die Dienstburg wird infiltriert Die Lage für Perry Rhodan und die Menschheit ist verzweifelt: Eine gigantische Raumflotte, die Terminale Kolonne TRAITOR, hat die Milchstraße besetzt. Sie wirkt im Auftrag der Chaotarchen, und ihr Ziel ist kompromisslose Ausbeutung. Die Milchstraße mit all ihren Sonnen und Planeten soll als Ressource genutzt werden, um die Existenz einer Negasphäre abzusichern. Dieses kosmische Gebilde entsteht in der nahen Galaxis Hangay - ein Ort, an dem gewöhnliche Lebewesen nicht existieren können und herkömmliche Naturgesetze enden. Mit verzweifelten Aktionen gelingt es den Menschen auf Terra und den Planeten des Sonnensystems, dem Zugriff der Terminalen Kolonne standzuhalten. Sie verschanzen sich hinter dem TERRANOVA-Schirm und versuchen, die Terminale Kolonne zu stören. Die Chancen für einen Sieg über die Mächte des Chaos sind dadurch gestiegen, dass Perry Rhodan seine Dokumentation einer erfolgreichen Retroversion nach Terra bringen konnte. Dadurch, dass es zudem gelang, den Kolonnen-Kapitän Zerberoff "umzudrehen", haben die Terraner einen nicht zu unterschätzenden Verbündeten - und so kommt es zum VERRAT AUF CRULT...

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Seitenzahl: 127

Veröffentlichungsjahr: 2014

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Zeit:3 Std. 27 min

Veröffentlichungsjahr: 2014

Sprecher:Renier Baaken

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Nr. 2473

Verrat auf CRULT

Intrigante Duale – die Dienstburg wird infiltriert

Leo Lukas

Die Lage für Perry Rhodan und die Menschheit ist verzweifelt: Eine gigantische Raumflotte, die Terminale Kolonne TRAITOR, hat die Milchstraße besetzt. Sie wirkt im Auftrag der Chaotarchen, und ihr Ziel ist kompromisslose Ausbeutung.

Die Milchstraße mit all ihren Sonnen und Planeten soll als Ressource genutzt werden, um die Existenz einer Negasphäre abzusichern. Dieses kosmische Gebilde entsteht in der nahen Galaxis Hangay – ein Ort, an dem gewöhnliche Lebewesen nicht existieren können und herkömmliche Naturgesetze enden.

Mit verzweifelten Aktionen gelingt es den Menschen auf Terra und den Planeten des Sonnensystems, dem Zugriff der Terminalen Kolonne standzuhalten. Sie verschanzen sich hinter dem TERRANOVA-Schirm und versuchen, die Terminale Kolonne zu stören.

Die Chancen für einen Sieg über die Mächte des Chaos sind dadurch gestiegen, dass Perry Rhodan seine Dokumentation einer erfolgreichen Retroversion nach Terra bringen konnte. Dadurch, dass es zudem gelang, den Kolonnen-Kapitän Zerberoff »umzudrehen«, haben die Terraner einen nicht zu unterschätzenden Verbündeten – und so kommt es zum VERRAT AUF CRULT …

Die Hauptpersonen des Romans

Zerberoff – Der Duale Kapitän ringt um seine Freiheit.

Senego Trainz, Rinka Porol und Wismo Kantelaki – Die Mikro-Bestien sind sich ihrer Mängel und ihrer Vorzüge bewusst.

Malikadi – Der ehrgeizige Vizekapitän erweist sich als Meister der Intrige.

Reginald Bull –

Ohne die Kolonne bin ich nichts.

Inschrift am »Monument des Unbekannten Chaosdieners«

Prolog:

Sonnige Stunden

25. Juli 1347 NGZ

»Rührei oder Omelett?«, rief Reginald Bull in Richtung Badezimmer.

»Zwei Spiegeleier«, erklang es aus der Ultraschalldusche. »Sonnige Seite oben, bitte!«

Bully verzog das Gesicht. Spiegeleier waren trivial.

Sicher, man konnte sie mittels der programmierbaren Miniprallfelder des Herdes in nahezu jede beliebige Form zwingen: der Dotter exakt in der Mitte, ringsherum ein perfekter weißer Halo; oder das Ganze als Stern, als Wappen der LFT, als Herz samt Pfeil und Blutstropfen …

Aber das war keine Herausforderung für einen Koch, der viel zu selten dazu kam, seinem Hobby zu frönen. Wenn es endlich einmal eine Atempause gab, die ihm den Luxus erlaubte, das Frühstück selbst zuzubereiten, wollte er brillieren; nicht einfach Eier aufschlagen.

Außerdem hatte er sie schon verquirlt und auch die übrigen Zutaten hergerichtet. Bully ließ seinen Blick leidend über das Arrangement schweifen.

Zwiebeln in allen Farben des Regenbogens, jeweils nur ein Teelöffel voll. Ebenso bunte Paprikawürfelchen. Verschiedene Zuchtpilze, blättrig geschnitten: Morchliven, Shiitagnons, Trüffischoken sowie …

Speck, Würste und exotische Schinken – roh, geselcht, gekocht – von einem guten Dutzend verschiedener Planeten, eingeführt trotz der Blockade des Solsystems, dementsprechend sündhaft teuer. Insgesamt das Beste und Würzigste, was Terras Feinkostläden liefern konnten.

Und dann bestellt sie doofe Spiegeleier!, dachte Bully verärgert.

Gerade wollte er die Schälchen, die er zuvor so penibel gefüllt und rings um die Hitzefläche angeordnet hatte, von der Küchenplatte fegen, zu Boden, wo sie von den Servorobs entsorgt worden wären – da hörte er leises, glucksendes Lachen.

Unmittelbar hinter ihm!

Wenigstens schaffte er es, seine Reflexe im Zaum zu halten, seine Überraschung zu verbergen. Fran hatte sich angeschlichen, lautlos oder zumindest für seine Ohren unhörbar.

Er drehte sich langsam um. »Alte Männer soll man nicht so erschrecken«, grummelte er.

Sie stand bereits wieder weiter weg, als er vermutet hatte, lässig an die Wand gelehnt, die langen Beine überkreuzt, die schlanken Arme vor der Brust verschränkt. Nackt, spöttisch lächelnd; wunderschön.

Meine Frau, dachte Bully, überwältigt von einem Moment des Glücks, das er sich ums Haar nicht gegönnt hätte.

Damals, als sie zusammengekommen waren, hatte Fran als seine Leibwächterin fungiert. Eine Milliarde Jahre in die Zukunft waren sie verschlagen worden. Eine Handvoll Menschen, er, Rhodan, und sie …

Genau die Gefährtin, die ich seit Jahrhunderten gesucht habe. Fast hätte ich es verbockt. Der gute Perry war wichtiger, die große Aufgabe, die Rettung der Galaxis … Und deshalb drohte ich wieder übrig zu bleiben. Ein alter, etwas zu verfressener Depp.

Der ewige Platzhalter …

Dem es offenbar wichtiger war, den Zweiten hinter Rhodan zu markieren, als der Erste im Herzen dieser wunderbaren Frau zu sein. Ich hatte die Chance. Aber ich hatte es praktisch schon vermasselt.

Reginald Bull lebte bereits sehr lange. Viele Erinnerungen waren verblasst, entschwunden mangels eines fotografischen Gedächtnisses, wie etwa Atlan es besaß. Jener Moment der Verzweiflung und Selbstvorwürfe jedoch war stets präsent wie die Narbe eines Brandzeichens.

Bravo, Bully. Gut gemacht! Kannst damit herumstolzieren, quer durchs ganze Multiversum. Einsam unter Myriaden von Sternen. Derweil sich Fran einen Jüngeren sucht, der nicht von Verantwortung brabbelt, sondern sich einfach Zeit für sie nimmt und obendrein einen Bauch wie ein Waschbrett hat.

Und der sicher nicht, während sie beieinanderliegen, an Perry Rhodan denkt. Einer, mit dem sie glücklich ist – nicht ständig im Kampfeinsatz.

Er hatte sie unterschätzt. Fran Imith, an Jahren so viel jünger als er, hatte ihn trotzdem genommen. Sogar geheiratet, im zweiten Versuch, nachdem ihre Hochzeit wegen der ersten TRAITOR-Attacke verschoben worden war.

»Alter Mann«, sagte sie weich, »ich liebe dich. Und ich würde alle sonnigen Spiegeleier des Kosmos hingeben für ein einziges von dir zubereitetes Omelett. Das weißt du doch. Ich wollte dich bloß ein wenig necken.«

Bully hob die Gabel und drohte scherzhaft damit. Er spürte, dass sich seine Wangen röteten.

Da ihm keine passende Erwiderung einfiel, wandte er sich zum Herd, rührte die mit fein geriebenem Käse versprudelten Eier nochmals um, fügte einen Schuss kohlensäurehältiges Suppenkonzentrat hinzu und schüttete die glibberige Flüssigkeit auf die Heißfläche, wo sie zischend und brutzelnd zu stocken begann.

Jetzt kam es darauf an. Die Konsistenz musste stimmen, die Temperatur sowieso, ganz besonders aber die Steuerung des Garungsprozesses.

Reginald Bull war Flieger, Risikopilot, Raumfahrer der ersten Stunde. Er hatte fein justierte Messinstrumente wie die des Kochfeldes schätzen und nutzen gelernt. Dennoch verließ er sich im Zweifelsfall lieber auf die eigene Spontaneität.

Er streute die restlichen Zutaten über die leuchtend gelbe, sich rasch festigende Masse. Dann fuhr er mit der Gabel hinein, an wenigen Stellen, ganz kurz nur, lockerte, verteilte, mischte, strich wieder glatt; drei-, viermal, nicht öfter. Wartete, während ihm das Wasser im Mund zusammenlief.

Köstlicher Geruch breitete sich aus. Schließlich schob Bully den Spatel unter das Omelett, hob es vorsichtig hoch, ließ es auf den Teller gleiten und zusammenklappen: außen genau richtig knusprig braun, innen genau richtig goldflaumig zart.

Fran war in einen dünnen Morgenmantel geschlüpft, der ihre Figur keineswegs verhüllte. »Guten Appetit«, wünschte sie, nachdem er das dampfende Meisterwerk serviert hatte.

Sie brachen das frisch gebackene Brot, tunkten ein, fütterten sich gegenseitig. Danach schlüpften sie nochmals unter die Decke.

Es war fast zu schön, um wahr zu sein.

*

Hinterher hatte er ein schlechtes Gewissen. Unnötigerweise, denn wäre irgendetwas Außergewöhnliches passiert, hätte man ihn ohnehin sofort verständigt.

Die Truppen der Terminalen Kolonne belagerten nach wie vor das Solsystem. Unermüdlich flogen die feindlichen Schlachtraumer konzertierte Angriffe gegen den TERRANOVA-Schirm. Nicht ganz so heftig wie in den vergangenen Wochen – doch üblicherweise bedeutete das nur, dass gerade ihre Bestände erneuert wurden.

Die nächste Offensive kommt bestimmt.

Bull als Verteidigungsminister der Liga hielt die Stellung wie schon so oft. Für die Menschheit und für seinen Freund Perry.

Rhodan war aus tiefer Vergangenheit zurückgekehrt, endlich, und er hatte den GESETZ-Geber CHEOS-TAI mitgebracht.

Lange hatte sich Perry allerdings nicht zu Hause aufgehalten, sondern war schon recht bald erneut aufgebrochen, diesmal Richtung Hangay.

Immer in die Vollen …

Reginald Bull überflog die Status-Meldungen, analysierte die Aufzeichnungen der letzten Stunden. Ringsum nichts Neues. Die Lage stellte sich unverändert vergleichsweise ruhig dar.

Trotzdem bestand kein Anlass zur Hoffnung, dass die Gegenseite ihre Bemühungen reduzieren oder gar unverrichteter Dinge abziehen könnte. TRAITOR gab niemals auf. Die Kriegsmaschinerie der Chaotarchen erlahmte nicht. Sie speiste sich aus unerschöpflichen Ressourcen.

Höchstens wurden Flotten verlegt, andere Prioritäten gesetzt, Strategie und Taktik optimiert. Womöglich heckten die Befehlshaber der Terminalen Kolonne just in diesen Stunden neue Gemeinheiten aus.

Über Bullys Rücken lief es kalt. Falls der Feind Terras »Hintertür« entdeckte, die Halbraum-Tunnel des MOTRANS-Systems … Und falls es ihm gelänge, sich auf diesem Weg Zutritt zu verschaffen …

Mal nicht den Teufel an die Wand, ermahnte sich Bully. Er neigte eher selten zum Pessimismus. Andererseits musste man die Gefahr, dass ihnen die Belagerer auf die Schliche kamen, leider als realistisch einstufen.

Als hätte sie gespürt, dass er Aufmunterung brauchen konnte, unterbrach Fran seine düsteren Gedanken. »Nachricht von Roi Danton – soeben per Funkbrücke eingetroffen!«

Sie projizierte die Botschaft. Eng beieinanderstehend, lasen sie die wenigen in knappem, doch unverkennbarem Stil abgefassten Sätze.

*

»Geschätzter Patenonkel, wir hatten Erfolg.

Ich darf voll Freude mitteilen: Hurra, Doppelkopf gewonnen. Freundschaftliche Behandlung, Resultat wunschgemäß, Seitenwechsel vollzogen.

Bitte euch daher, die Oberspielleitung zu informieren, dass die nächste Runde sogleich beginnen kann. Ansonsten alles wohlauf und guter Dinge.

Auch unser Partner lässt einen herzlichen Gruß ausrichten. Übrigens, ihr kennt den alten Höllenhund gut.«

*

Bully pfiff durch die Zähne. Die Schlusspointe hatte gesessen.

»Verstehe ich richtig?«, fragte Fran. »Roi hat keinen Geringeren als ausgerechnet …«

Grinsend nickte Bully. »Typisch Mike. Nimmt sich den stärksten Gegner, den er kriegen kann.«

»Das scheint in der Familie zu liegen.«

»Allerdings. Wobei der Sohn den Vater in puncto Draufgängertum schon mehr als einmal überflügelt hat.«

»Er nennt keine Namen und bringt die Informationen so verschlüsselt, dass nur wenige den wahren Sinn dahinter erfassen können. Glaubst du, das hat etwas zu bedeuten?«

Bull überlegte. Selbstverständlich war die Botschaft auch positronisch kodiert und überdies in ultrakurze Rafferfunk-Impulse zerlegt gewesen.

Befürchtete Perrys Sohn, dass Kolonnen-Einheiten sie dennoch auffangen und dechiffrieren könnten? Eventuell mithilfe eines Verräters in den eigenen Reihen?

Immerhin versuchte Mike ja ebenfalls gerade, das gegnerische Hauptquartier zu unterwandern. Besaß er Hinweise darauf, dass der Feind seinerseits Spitzel in die LFT eingeschleust hatte?

Abermals ermahnte sich Bully, nicht in Paranoia zu verfallen. »Nein. Eher will er auf diese Weise für uns herausstreichen, dass wirklich er der Absender ist. Vor allem aber bereitet ihm, wie ich ihn kenne, ein solches Spiel mit Doppelsinnigkeiten ganz einfach einen Riesenspaß.«

Er griff nach seiner Jacke und warf sie sich über die Schulter. »Ich werde die gute Nachricht persönlich nach Galapagos bringen. Kommst du mit?«

Fran zog die Nase kraus, was ganz entzückend aussah. »Nur, wenn du nicht wieder eine Kunstflug-Show veranstaltest.«

»He, andere Mädchen würden viel dafür geben, einmal neben mir im Cockpit eines Gleiters zu sitzen.«

»Und ich habe andere Jungs schon wegen weniger frecher Sprüche vermöbelt.«

Gespielt ängstlich hob er die Hände. »Ich schweig ja schon stille. Und sei unbesorgt, wir benutzen aus Zeitgründen sowieso den Transmitter.«

Bully öffnete die Tür und trat zur Seite, um seiner Frau den Vortritt zu lassen. »Wer weiß, wie lange uns der Nukleus noch erhalten bleibt.«

Das aus 34.000 Monochrom-Mutanten hervorgegangene Geistwesen hatte angekündigt, binnen dreier Monate das Solsystem zu verlassen. Stärker denn je zapfte es deshalb Energien aus dem psimateriellen Korpus ARCHETIMS.

Seit Michael Rhodans alias Roi Dantons Abflug hatte sich der ultrahochfrequente Energiefluss zwischen Sol und Galapagos nahezu verdreifacht. Das dokumentierten die Kantorschen Ultra-Messwerke der in der Sonnenkorona stationierten Spezialschiffe.

Der Nukleus schöpfte gleichsam nochmals tief Atem. Er pumpte sich förmlich voll, sammelte so viele Kräfte wie nur möglich.

Gewiss nicht aus Jux und Tollerei. Sondern wohl, weil er sie brauchen wird.

Bully mochte nicht daran denken, wie Terra ohne das mächtige Kollektivwesen gegen die Chaostruppen bestehen sollte. Zwar hatte es versprochen, die Aufrechterhaltung des TERRANOVA-Schirms weiterhin zu gewährleisten.

Aber ob dies gelingen würde, stand in den Sternen …

Genug gegrübelt. Inzwischen hatten Fran und er die Transmitterhalle erreicht. Sie nannten den diensthabenden Technikern ihr Ziel, traten in den Gitterkäfig – und verließen ihn in derselben Sekunde an einem völlig anderen Ort.

*

Bully blinzelte.

Strahlend blauer, wolkenloser Himmel wölbte sich über der Isla Bartolomé. Die karge, vulkanische Landschaft, der markant aufragende Pinnacle Rock und die Gebäude der Forschungsstation lagen im gleißend hellen Sonnenlicht.

Es war warm und erfreulich trocken. »Wenigstens ist die Regenzeit endgültig vorbei«, kommentierte Fran, während sie den Verschluss ihrer Bluse bis zum Ansatz des Dekolletés aufzog.

»Deswegen wird das hier aber auch nicht mein bevorzugtes Sommerdomizil«, gab Bully zurück. »Kaum Wellness-Angebote, mangelnder Service, nicht mal eine ordentliche Rezeption. Die lernen’s nie, fürchte ich.«

Er schwenkte den Arm über die öde, menschenleere Szenerie. Der Wissenschaftler, der Fran und ihn in Empfang genommen hatte, war gleich wieder, eine Entschuldigung murmelnd, in eine der Container-Baracken entschwunden.

»Vor ein paar Wochen hast du noch die beneidenswerte Ruhe gepriesen.«

»Was schert mich mein Geschwätz von … Ah, da sind sie ja.«

Um die beiden sich nähernden, schlanken Gestalten besser erkennen zu können, beschattete Bully mit dem Handteller seine Augen. Effekt: null. Obwohl Sol fast im Zenit stand, sah er nur flirrende Silhouetten vor blendendem Gegenlicht.

Denn an den Schotterhängen des Pinnacle-Felsens brannte eine zweite, viel kleinere, doch aus dieser Entfernung ungleich heißer wirkende Sonne: der Nukleus, ein Funkenball aus reinem Weiß, rhythmisch pulsierend, pochend wie ein lebendiges Herz.

Sooft sie schon hier gewesen waren – Bully würde sich nie an das immense, hochkonzentrierte, jedes Mal stärkere psionische Potenzial des Geistwesens gewöhnen. Er musste seine Frau nicht ansehen, um zu wissen, dass es ihr ebenso erging.

Mit belegter Stimme grüßte Fran das Pärchen, das sich aus der Nähe wie erwartet als Fawn Suzuke und Marc London entpuppte. Sie erwiderten den Gruß, recht emotionslos, noch reservierter als sonst.

Bully räusperte sich. Er entschloss sich, gleich zur Sache zu kommen. »Roi Danton hat den ersten Teil seines Risikoeinsatzes wie geplant ausgeführt. Ihm und seinen Leuten ist es gelungen, einen Dualen Kapitän durch die Behandlung mit der Atrentus-Methode auf unsere Seite zu ziehen.«

»Prima«, sagte Marc London. Das sollte begeistert klingen. Aber ihn drückten sichtlich andere Sorgen, und er war ein erbärmlicher Schauspieler.

»Dabei handelt es sich um einen alten Bekannten«, fügte Bull hinzu. Er setzte eine Kunstpause, blickte dem Dreiundzwanzigjährigen ins hagere Gesicht. »Nämlich …«

»Zerberoff?«, erriet Marc, nun doch aus der Lethargie gerissen. Die Tage, die er in der Gewalt des Duals verbracht hatte, waren die schlimmsten seines bisherigen Lebens gewesen.

Höchstwahrscheinlich verdankte er nur seiner damals noch unentdeckten Fähigkeit als Psi-Korresponder, dass Zerberoff ihn nicht ermordet hatte. Dessen Endogene Qual war auf ihn selbst zurückgespiegelt worden.

Nicht verwunderlich, dass der Junge wenig Sympathie für diesen neuen Verbündeten hegte. »Ist das klug? Seid ihr euch seiner Loyalität sicher? Schließlich wird er nicht mit einem Schlag den Charakter gewechselt haben. Jetzt, da er über freien Willen verfügt, könnte der Zweiköpfige trotzdem ein Doppelspiel treiben, oder nicht?«

Reginald Bull musste zugeben, dass ihm keine detaillierten Informationen vorlagen. »Ich denke, Roi Danton und seine Leute werden schon auf Zerberoff aufpassen.«

Ihm war bewusst, wie dürftig das klang, daher wechselte er das Thema und fragte nach dem Stand der Auswertungen. Immerhin hatte Perry Rhodan mit der JULES VERNE die Aufzeichnung der Retroversion von Tare-Scharm nach Hause gebracht sowie weitere intime Daten über ARCHETIMS erfolgreichen Feldzug.

»In der Solaren Residenz jedenfalls wissen wir mittlerweile recht gut darüber Bescheid, wie es gelungen ist, die Entstehung der Negasphäre damals zu verhindern. Gilt das auch für den Nukleus?«

Fawn Suzuke legte den Kopf schief. Ob sie selbst nachdachte oder mentale Verbindung mit der Funkenkugel am Felshang aufnahm, entzog sich Bullys Wahrnehmung.

Schließlich sagte sie halblaut: »Rhodans Material wurde erfasst. Wichtiger als die oberflächlichen Daten sind die Erkenntnisse, die der Nukleus daraus dank seines überlegenen Wissens extrapolieren konnte. Auch dieser Vorgang ist abgeschlossen.«

»Ausgezeichnet. Und?«