Perry Rhodan 2922: Die Nacht der 1000 - Uwe Anton - E-Book + Hörbuch

Perry Rhodan 2922: Die Nacht der 1000 E-Book und Hörbuch

Uwe Anton

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Beschreibung

Wir schreiben das Jahr 1551 NGZ, gut dreitausend Jahre vom 21. Jahrhundert alter Zeitrechnung entfernt. Nach großen Umwälzungen in der Milchstraße haben sich die Verhältnisse zwischen den unterschiedlichen Sternenreichen beruhigt; im Großen und Ganzen herrscht Frieden. Vor allem die von Menschen bewohnten Planeten und Monde streben eine positive Zukunft an. Tausende von Welten haben sich zur Liga Freier Galaktiker zusammengeschlossen, in der auch Wesen mitwirken, die man in früheren Jahren als "nichtmenschlich" bezeichnet hätte. Trotz aller Spannungen, die nach wie vor bestehen: Perry Rhodans Vision, die Galaxis in eine Sterneninsel ohne Kriege zu verwandeln, scheint sich langsam zu verwirklichen. Man knüpft sogar vermehrt Kontakte zu anderen Galaxien. Gegenwärtig befindet sich Rhodan selbst im Goldenen Reich der Thoogondu, die ebenfalls eine Beziehung zur Milchstraße aufbauen wollen. Doch spielen die Thoogondu wirklich ehrlich? Erste Zweifel sind angebracht, nachdem Rhodan ihnen Gedächtnismanipulationen nachweisen kann, weitere tun sich im Zusammenhang mit den Gäonen auf, die das Goldene Reich unterstützen. Denn die Gäonen sind Menschen der Erde, die vor zweitausend Jahren nach Sevcooris gebracht wurden. Mehr über sie erfährt Perry Rhodan auf ihrer Hauptwelt Gäon und durch DIE NACHT DER 1000 …

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Seitenzahl: 172

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Zeit:3 Std. 12 min

Sprecher:Tom Jacobs




Nr. 2922

Die Nacht der 1000

Anschlag im Zweiten Solaren Imperium – Perry Rhodan steht im Brennpunkt

Uwe Anton

Cover

Vorspann

Die Hauptpersonen des Romans

Prolog: Irgendwo auf Gäon

1. Gäon, Aponte, 15. November 1551 NGZ

2. Aponte, 15. November 1551 NGZ

3. Aponte, 15. November 1551 NGZ

4. Aponte, 15. November 1551 NGZ

5. Aponte, 16. November 1551 NGZ

6. Aponte, 16. – 18. November 1551 NGZ

7. Aponte, 18. November 1551 NGZ

8. Aponte, 19. November 1551 NGZ

9. Aponte, 19. November 1551 NGZ

10. Gäon, Mount Ceo, 19. November 1551 NGZ

Epilog: Irgendwo auf Gäon

Journal

Leserkontaktseite

Glossar

Impressum

Wir schreiben das Jahr 1551 NGZ, gut dreitausend Jahre vom 21. Jahrhundert alter Zeitrechnung entfernt. Nach großen Umwälzungen in der Milchstraße haben sich die Verhältnisse zwischen den unterschiedlichen Sternenreichen beruhigt; im Großen und Ganzen herrscht Frieden.

Vor allem die von Menschen bewohnten Planeten und Monde streben eine positive Zukunft an. Tausende von Welten haben sich zur Liga Freier Galaktiker zusammengeschlossen, in der auch Wesen mitwirken, die man in früheren Jahren als »nichtmenschlich« bezeichnet hätte.

Trotz aller Spannungen, die nach wie vor bestehen: Perry Rhodans Vision, die Galaxis in eine Sterneninsel ohne Kriege zu verwandeln, scheint sich langsam zu verwirklichen. Man knüpft sogar vermehrt Kontakte zu anderen Galaxien. Gegenwärtig befindet sich Rhodan selbst im Goldenen Reich der Thoogondu, die ebenfalls eine Beziehung zur Milchstraße aufbauen wollen.

Doch spielen die Thoogondu wirklich ehrlich? Erste Zweifel sind angebracht, nachdem Rhodan ihnen Gedächtnismanipulationen nachweisen kann, weitere tun sich im Zusammenhang mit den Gäonen auf, die das Goldene Reich unterstützen. Denn die Gäonen sind Menschen der Erde, die vor zweitausend Jahren nach Sevcooris gebracht wurden. Mehr über sie erfährt Perry Rhodan auf ihrer Hauptwelt Gäon und durch DIE NACHT DER 1000 …

Die Hauptpersonen des Romans

Perry Rhodan – Der Terraner begegnet Gäonen.

Tysper Tauschlag – Der Gäone handelt unerkannt.

Cassandra Somerset – Die Solastratorin des Zweiten Solaren Imperiums gestaltet dessen Politik.

Arbo P. Dannan

Prolog

Irgendwo auf Gäon

15. November 1551 NGZ

Übergangslos erwachte die Positronik und riss Tysper Tauschlag mit einem Warnsignal aus seiner Benommenheit. Er war kurz eingenickt, ein Sekundenschlaf, der tödliche Folgen haben könnte.

Tauschlag fluchte leise und schüttelte den Kopf, um die Müdigkeit zu vertreiben, was ihm aber nur unzureichend gelang. Er musste die Angelegenheit so schnell wie möglich beenden, sie dauerte schon viel zu lange. Und je länger sie dauerte, desto besser wurden die Chancen seines Gegenspielers.

Nun bedauerte er seine Nachlässigkeit, den Sekundenbruchteil der Unaufmerksamkeit, der ihn in diese Lage gebracht hatte. Er hatte Zaidan gehabt, hätte nur abdrücken müssen, und alles wäre erledigt gewesen. Aber er hatte gezögert, sich ein überhebliches Lächeln gestattet, den Triumph ausgekostet, bevor er die Ernte eingefahren hatte, und Zaidan hatte sich unerwartet bewegt. Nicht einmal das: Er hatte lediglich zu einer Bewegung angesetzt, den Körper leicht gedreht.

Aber das genügte. Der Schuss hatte Zaidan nur gestreift.

»Injektion«, sagte Tauschlag. Er durfte sich keinen Fehler mehr leisten. Wenn er noch einmal in diesen Sekundenschlaf fiel, würde Zaidan vielleicht erkennen, wie es um ihn stand, und die Gelegenheit zu seinen Gunsten nutzen.

Der Verfolgte durfte nicht entkommen. Falls ihm die Flucht gelang, war alles verloren. Dann würde er sich an die Öffentlichkeit wenden, allein schon, um sein Leben zu retten. Auch wenn ihn dann eine drastische Bestrafung erwartete …

Tauschlag spürte den Einstich kaum, den seine strahlend weiße Pedgonditrüstung ihm verpasste. Sofort breitete sich ein Kribbeln in seinem Körper aus. Dann jagte eine Hitzewelle die Nervenbahnen entlang, verbreitete aber kein Wohlgefühl, ganz im Gegenteil. Einen Moment lang schienen seine Muskeln und Sehnen, ja sämtliche Fasern seines Körpers, in Flammen zu stehen, und er stöhnte vor Schmerz auf.

Im nächsten Augenblick spürte er die belebende Kraft des Mittels, das die Rüstung ihm verabreicht hatte. Er kannte die Nebenwirkungen, wusste, was ihn erwartete, sobald der Kraftschub wieder erlosch. Er würde zusammenbrechen, das Bewusstsein verlieren … und schlafen. Mindestens zehn Stunden. Und wenn er erwachte, würde er Muskelkrämpfe haben und Schüttelfrost, würde sich übergeben und einen Tag lang leiden müssen.

Bis dahin musste er Zaidan haben. Unbedingt. Das war seine letzte Chance. Eine weitere würde er nicht bekommen; danach würde er lange handlungsunfähig sein.

Er schüttelte sich erneut, und endlich trat eine Reaktion ein. Einen Moment hatte er den Eindruck, seine Sinne wären überreizt. Er sah alles scharf umrissen, zu scharf, wie ihm klar wurde.

Die Nachtsichtfunktion seines Visiers zerrte Zaidans Gleiter aus der eigentlich undurchdringlichen Dunkelheit, ein durchschnittliches, nicht besonders schnelles Modell, und zeichnete die Konturen über die Maßen genau nach. Hätte der Gleiter sich bewegt, hätte Tauschlag mit seiner Überreizung den Fahrtwind gesehen.

Zaidan hatte das Flugzeug hinter einem Haus am äußersten Rand der Kleinstadt abgestellt, ganz nahe an der Wand, wohl in der Hoffnung, sein Verfolger würde ihn dort nicht bemerken. Aber da hatte er sich getäuscht. Tauschlag hatte ihn sofort bemerkt, nicht zuletzt dank der Instrumente seiner Rüstung.

Sie bestand aus Pedgondit, dem vorherrschenden Baumaterial der Thoogondu für Raumschiffe und Raumstationen, einem fast blendend weißen Material, das häufig mit goldenen Einlegearbeiten geschmückt war. Die Rüstung zählte zum Besten, was die Technik des Zweiten Solaren Imperiums hervorgebracht hatte, selbst wenn die Terraner dabei auf Mittel der Thoogondu zurückgegriffen hatten. Sie war flugfähig und verfügte über die modernsten und leistungsfähigsten Instrumente. Zaidan hatte sie nicht austricksen können.

Er hatte das Ziel angeschossen, als es den Gleiter verlassen wollte, und er hatte es erwischt, so viel stand fest. Sein Schuss hatte Zaidan zumindest gestreift und mehr oder weniger schwer verletzt. Aber sein Gegenspieler hatte sämtliche Kraft zusammengenommen und sich in die Dunkelheit geschleppt. Tauschlag war der Blutspur gefolgt, bis er sie im Labyrinth der engen Gassen der Kleinstadt verloren hatte.

Zaidan war nicht schlecht, das musste Tauschlag eingestehen. Es war ihm tatsächlich gelungen, ihn abzuschütteln.

Tysper Tauschlag war zum Gleiter des Flüchtigen zurückgekehrt. Eine andere Möglichkeit sah er nicht. Zaidan hätte überall in der Stadt untertauchen können, in jedem der kleinen Häuser, in jedem der öffentlichen Gebäude. Sogar wenn der Ort ein Nest am Rand der Zivilisation war und an die Provinzialität von Lenleys Welt erinnerte, der er entronnen war, er bot Unterschlupf genug. Vor allem, wenn Zaidan hier seine Verbündeten hatte.

Allerdings befand sich in dem Gleiter das Funkgerät, das der Gejagte benötigte, um Kontakt mit seinen Leuten aufzunehmen. Wenn er in diesem Kaff keine Unterstützung fand, musste er an diesen Ort zurückkehren.

Dann hatte Tauschlag gewartet. Stundenlang. Selene war aufgegangen, hing als riesige Halbsichel am Nachthimmel. Tauschlag war müde geworden. Seit zwei Tagen war er wach, ununterbrochen auf der Jagd nach seinem Opfer. Der Mann, den er verfolgte, hatte Informationen erlangt und wollte sie weitergeben. Das durfte auf keinen Fall geschehen. Tauschlags Pläne durften nicht publik werden, oder alles war verloren. Sein Auftraggeber musste im Dunkeln bleiben.

Die Erschöpfung hatte ihren Tribut gefordert. Immer wieder waren dem Soldaten die Augen zugefallen, bis er schließlich die Konsequenzen gezogen und sich das Aufputschmittel hatte spritzen lassen.

Endlich wirkte es so, wie Tauschlag es sich erhofft hatte. Er spürte, wie seine aufgewühlten Sinne sich so weit beruhigten, dass sie normal arbeiteten. Der Gleiter hob sich in der Nachtsicht nicht mehr unnatürlich scharf umrissen ab. Tauschlags Sicht klärte sich allmählich, und seine Gedanken verliefen ebenfalls wieder in den vertrauten Bahnen.

Was für eine wunderschöne Umschreibung dafür, dachte er, dass ich wieder einigermaßen klar denken kann!

Weshalb war der gejagte Gäone ausgerechnet in diesem Kaff untergeschlüpft? Unterhielt die Solar-Imperiale Abwehr dort etwa eine Zweigstelle? Wenn ja, war sie in keinerlei Dateien verzeichnet.

Tauschlag wusste es nicht, und er würde es auch nicht herausfinden müssen. Das würden andere Mitarbeiter seines Auftraggebers erledigen.

Wieder hellwach, wartete er.

*

Und wartete.

Anderthalb Stunden lang.

Einmal leuchtete in einem Haus ein Licht auf, und knarrend öffnete sich die Tür. Ein Gäone trat heraus, die Augen halb zugekniffen und noch voller Schlaf, und sah sich um. Zögernd machte er einen Schritt, dann noch einen.

Tauschlag fluchte leise.

Hatte der Hausbewohner etwas gehört? Oder war das ein Ablenkungsmanöver? Hielt Zaidan sich in unmittelbarer Nähe auf? Wartete er darauf, zuschlagen zu können?

Der Soldat wusste es nicht. Er war auf Vermutungen angewiesen und würde ein Risiko eingehen müssen. Falls Zaidan Vertrauensleute vor Ort hatte, würden sie wahrscheinlich im Besitz eines Funkgeräts sein. Und von Waffen.

Aber wenn der Gejagte an ein Funkgerät herankam, benötigte er keine Waffen mehr. Dann konnte er in aller Ruhe seinen Spruch abschicken und abwarten, bis Verstärkung eintraf.

Tauschlag ging allerdings nicht davon aus, dass der Flüchtige Verbündete vor Ort hatte. Und wenn, war er so schwer verletzt, dass er sich irgendwo in der Nähe verkrochen hatte. Nein, die einzige Chance des Gäonen war sein Gleiter.

Der Soldat spannte all seine Sinne an, sah sich um, lauschte, achtete auf jede Bewegung, jedes Geräusch.

Nichts.

Er trat aus der Dunkelheit. Es war besser, wenn er die Initiative ergriff und handelte, statt nur zu reagieren.

»Geh wieder ins Haus!«, sagte er zu dem Mann.

»Was ist hier los?« Der Hausbewohner fuhr zu ihm herum, raffte instinktiv seine Nachtrobe enger zusammen, um nicht ungeschützt und halb entblößt vor einem Fremden zu stehen. »Ich habe aus dem Fenster gesehen und den Gleiter entdeckt. Der gehört nicht hierher …«

Der Mann kniff die Augen zusammen und reckte den Kopf vor. Er erkannte Tauschlags Rüstung, begriff, mit wem er es zu tun hatte. »Ich wusste nicht …«

»Geh zurück ins Haus«, wiederholte der Soldat. »Schalt alle Lichter aus und verhalt dich ruhig, bis es vorbei ist.«

»Ja«, flüsterte der Hausbesitzer. »Selbstverständlich. Ich gehorche.« Er hastete zur Eingangstür zurück.

Tauschlag hörte, wie sie ins Schloss fiel und ein Riegel vorgelegt wurde. Er lächelte schwach. Das Militär hatte einen hohen Stellenwert auf Gäon, und davon profitierte er nicht erst zum ersten Mal.

Er aktivierte die Stealth-Technik, trat zurück in die Dunkelheit, suchte wieder die Deckung der Hauswand auf, schmiegte sich dagegen, verschmolz geradezu mit ihr.

Was, falls er sich getäuscht hatte? Falls Zaidan wider Erwarten tatsächlich Freunde oder Verbündete hatte, bei ihnen untergeschlüpft war?

Tysper Tauschlag hatte keine Wahl. Er musste warten. Zaidan hatte ebenfalls für seinen Auftraggeber gearbeitet. Und versagt. Die Konsequenzen waren klar.

Zaidan musste sterben.

*

Und er wartete.

Noch hatte er Hoffnung, denn der abgestellte Gleiter blieb unberührt. Niemand näherte sich ihm, um ihn abzuholen und in Sicherheit zu bringen.

Nach weiteren zwanzig Minuten hörte er das Geräusch, auf das er gewartet hatte: ein leises, verstohlenes Scharren, nicht weit entfernt.

Tauschlag war schlagartig hellwach. Die erste Spur von Müdigkeit, die sich wieder einzustellen drohte, nachdem das Medikament langsam abklang, wich einer fieberhaften Erwartung.

Der Gejagte war wirklich gut. Er ließ sich viel Zeit. Wäre er nicht verletzt, hätte er sich wahrscheinlich gar nicht aus seiner Deckung gewagt.

So viel Angst um ein bisschen Leben …

Tauschlag blieb ganz ruhig. Er hatte den Gleiter im Blick, sonst war nichts zu sehen.

Sein Widersacher wartete ebenfalls ab. Die Sekunden zogen sich dahin. Tauschlag spürte, wie die Erschöpfung ihn wieder zu überwältigen drohte. Nicht jetzt!, dachte er. Nicht ausgerechnet jetzt!

Dann sah er eine Bewegung, einen Schatten im schwachen Licht Selenes. Wolken waren aufgezogen, bedeckten den Himmel und schoben sich immer wieder vor den Mond.

Noch eine Bewegung. Der Schatten wurde greifbar, war der einer Gestalt. Sie näherte sich langsam dem Gleiter, sah sich dabei immer wieder um.

Nun war jeder Zweifel ausgeschlossen. Es war der, den er gejagt hatte. Er trug einen provisorischen Verband aus weißem Stoff um die Hüfte; dort musste Tauschlags Schuss ihn erwischt haben. Offensichtlich hatte er sich Zutritt zu einem Haus verschafft und die Verletzung dort notdürftig versorgt.

Der Mann legte eine Hand auf die Sensorfläche des Gleiterschotts, das sich geräuschlos öffnete.

Tauschlag wartete nicht, bis der Gejagte die Kabine betreten, auf den Fahrersitz rutschen und das Funkgerät einschalten konnte. Er trat vor und richtete die Waffe auf seinen Gegenspieler. »Es ist vorbei«, sagte er ruhig.

Seine Stimme klang völlig sachlich, ohne jede Spur von Triumph.

Zaidan erstarrte mitten in der Bewegung. Einen Moment stand er stocksteif da, dann hob er langsam die Hände. Er sagte kein Wort.

»Dreh dich langsam um!«, sagte Tauschlag. Er wollte den Verfolgten lebend haben, ihn befragen, herausfinden, wer seine Helfer waren und wie er Tauschlag auf die Spur gekommen war.

Zaidan gehorchte, bewegte sich wie in Zeitlupe – bis er dann plötzlich den Arm hochriss. Tauschlag sah nur ein Aufblitzen im nun wieder helleren Licht des Mondes, einen schimmernden Reflex.

Er drückte ab und warf sich zur Seite. Sirrend zischte ein Messer an ihm vorbei; er spürte den Luftzug an der Wange.

Langsam richtete er sich wieder auf, zielte mit der Impulswaffe auf den Mann, der nun zusammengeklappt wie eine Pappfigur lag, den Oberkörper im Gleiter, die Beine außerhalb.

Ein Blick genügte, und Tauschlag wusste, dass der Verfolgte tot war.

Er sah zum Funkgerät im Armaturenbrett hinter den beiden Vordersitzen. Zaidan hatte es nicht mehr einschalten können.

Um ganz sicherzugehen, feuerte Tauschlag einen kurzen Schuss auf das Gerät ab. Zischend schmolz es zu einer formlosen Masse.

Tauschlag atmete auf. Der Gejagte war in der Tat allein gewesen. Er hatte seine Informationen nicht mehr durchgeben können.

Er war zufrieden. Ja, es würde geschehen.

Nun würde ihn nichts mehr von dem Attentat abhalten können. Es fehlte nur der richtige Moment.

Aber es bahnte sich bereits etwas an, während des Empfangs, den man zu Perry Rhodans Ehren halten würde.

Er lächelte schwach. Welch eine Ironie!

Bis dahin war noch Zeit. Nun musste er aber erst einmal schlafen …

1.

Gäon, Aponte

15. November 1551 NGZ

Cassandra Somerset hatte ein bezauberndes Lächeln, das sie sehr sympathisch wirken ließ. Perry Rhodan mochte sie auf den ersten Blick. Hätten sie einander unter anderen Umständen kennengelernt, wären sie vielleicht gute Freunde geworden. Aber vielleicht war das ja noch möglich, auch wenn Rhodan es bezweifelte. Für den Augenblick standen jedenfalls zu viele offene Fragen und nicht geklärte Probleme zwischen ihnen.

Das kecke Schmunzeln entblößte strahlend weiße, ebenmäßige Schneidezähne und erzeugte kleine Grübchen in den Mundwinkeln, die sie trotz ihrer 66 Jahre jugendlich wirken ließen. Dieser Eindruck wurde verstärkt, als eine kräftige Windbö ihr braunes Haar aufwirbelte und durcheinanderbrachte. Ihre braunen Augen funkelten kurz und erbost, wie Rhodan glaubte.

Wie im Spott über sich selbst wurde ihr Lächeln einen Moment breiter, bevor sie wieder ernst wurde. Sie sah Rhodan an und schritt ihm entgegen.

Wieder spielte der Wind mit ihrem Haar. Er fiel durch die Lücke der beiden Türme, die sich hinter ihr erhoben, Wolkenkratzer von siebenhundert Metern Höhe, blau schimmernd im Licht der untergehenden Sonne Neo-Sol und angestrahlt von zahlreichen Scheinwerfern. In dunklerem Blau gefärbte Streifen überzogen die Oberflächen mit X-förmigen Symbolen. Auf zweihundert und auf fünfhundert Metern Höhe verbanden zwei überdachte Brücken von fünfzig Metern Länge die beiden Türme.

Das Kapitol der Solastratorin, vor dem Cassandra Somerset ihn empfing, war zweifellos das höchste und eines der markantesten Gebäude von Aponte, der Hauptstadt des Planeten Gäon und damit auch des Neo-Solsystems und aller Welten des Orionslandes. Es war ein Triumph menschlicher Baukunst, die selbst Terrania, der Hauptstadt Terras in der heimatlichen Milchstraße, zur Ehre gereicht hätte. Eine Milchstraße, die mehr als einhundert Millionen Lichtjahre entfernt war.

Hinter der Solastratorin standen einige Angehörige ihres Kabinetts oder Regierungsteams oder was auch immer; Rhodan kannte sich mit den Feinheiten der Nomenklatur des Zweiten Solaren Imperiums nicht gut genug aus, um die Männer und Frauen ihren Positionen zuordnen zu können. Das würde sich gewiss bald ändern. Ihm fiel jedoch auf, dass der Sternenadmiral Arbo Perikles Dannan diesmal nicht unter ihnen war. Diesen Namen kannte er.

Er schritt von dem Gleiter, den Cassandra Somerset ihm geschickt hatte, über den für ihn ausgelegten Roten Teppich langsam auf das Empfangskomitee zu. In seinem SERUN kam er sich ein wenig fehl am Platze vor. Allerdings hatte der Schutzanzug, der ohne Zweifel als solcher zu erkennen war, schon während der eigenartigen Konfettiparade, die man zu seinen Ehren veranstaltet hatte, weder für seltsame Blicke noch für Kopfschütteln gesorgt. Irgendwie schienen die Bewohner Apontes von ihm zu erwarten, dass er in einer dermaßen martialischen Aufmachung erschien.

Er warf einen Blick zurück zu seinen Begleitern. Er kannte das Protokoll im Zweiten Solaren Imperium nicht, aber sein Instinkt sagte ihm aufgrund der bisherigen Erfahrungen, dass es durchaus angebracht war, wenn sie ein paar Schritte hinter ihm gingen. In der Milchstraße hatte nicht zuletzt er mit dafür gesorgt, dass solche Bräuche abgeschafft worden waren.

Die Solastratorin kam ihm entgegen. Rhodan erreichte sie, und sie streckte die Hand aus. Der Terraner entsann sich seiner Manieren und deutete einen Handkuss an, ohne mit dem Mund ihre Haut zu berühren. Ihr Lächeln wurde breiter. »Ich freue mich, dich endlich kennenzulernen, Perry Rhodan.«

»Die Freude ist ganz auf meiner Seite, Cassandra Somerset.«

Sie stellte ihm die Minister vor, und er prägte sich die Namen zu den einzelnen Personen ein. Dann tat er der Höflichkeit genüge, begrüßte ihr Kabinett und nannte auch seine Begleiter mit Namen.

Die Vorstellung verlief für Rhodans Geschmack sehr reserviert.

Danach führte die Solastratorin ihn zu einem Eingang des näheren der beiden Türme, die das Kapitol des ZSI bildeten. »Wir haben ein Bankett vorbereitet, zu dem wir dich und weitere Besatzungsmitglieder der gelandeten BETTY TOUFRY einladen möchten«, sagte sie.

»Ich fühle mich geehrt. Wir nehmen dankend an.« Rhodan legte eine kurze Kunstpause ein. »Zuvor würde ich aber gerne, wenn möglich, unter vier Augen mit dir sprechen.«

Cassandra Somerset warf ihm einen nachdenklichen Blick zu. »Warum nicht?«, erwiderte sie. »Sehr gerne. Es ist vielleicht besser, wenn wir wichtige Punkte vorab klären. Möchtest du vorher die Gästeliste mit mir durchsprechen?«

Rhodan nickte. Sie kamen überein, einige Besatzungsmitglieder der RAS TSCHUBAI mit einem Beiboot nach Gäon kommen zu lassen, das dann zum Mutterschiff zurückkehren würde, wenngleich dieses inzwischen zu einer Erkundungstour durch das Neo-Solsystem aufgebrochen war.

Die Solastratorin nickte zufrieden und bat ihn schließlich, sie zu begleiten. Rhodan folgte ihr durch ein Spalier von Raumsoldaten und Kampfrobotern in das riesige Gebäude. Die Eingangslobby wirkte modern und lichtdurchflutet.

Und nichtssagend, wie ein schlichtes Bürogebäude.

Das also ist die Schaltzentrale der Macht des ZSI, dachte er. Ihm war klar, dass er kritische Bereiche nicht zu sehen bekommen würde. Er hätte es anstelle der Solastratorin genauso gehandhabt. Sie führte ihn lediglich durch jene Teile der Gebäude, die für die Öffentlichkeit zugänglich waren und repräsentativen Zwecken dienten.

»Ich habe bemerkt«, sagte er im Plauderton, »dass Sternenadmiral Dannan bei der Begrüßung nicht anwesend war. Das finde ich schade. Der Admiral scheint ein wichtiger Mann zu sein. Ich hätte ihn gerne kennengelernt.«

Cassandra Somerset warf ihm einen nachdenklichen Blick zu. »Dazu wirst du Gelegenheit haben«, erklärte sie. »Dannan musste kurzfristig auf eine Mission mit der ARTEMIS, dem imperialen Flottenflaggschiff. Er wird aber bald zurück sein.«

Rhodan nickte und beließ es dabei.

Sie betraten einen Expresslift, der sie in kürzester Zeit zu den obersten Etagen des Turms transportierte. Die Solastratorin geleitete Rhodan zu einem kleinen Konferenzraum, in dem sie ungestört waren, während ihre Mitarbeiter seine Delegation zu dem Bankettsaal brachten.

Sofort wurde sie ernst. Es war, als hätte man einen Schalter in ihr umgelegt. Perry Rhodan kannte diese Stimmungswechsel aus eigener Erfahrung. Sie gehörten dazu, wenn man sich mit Erfolg auf der politischen Bühne bewegen wollte. »Worüber wolltest du mit mir unter vier Augen sprechen?«

Rhodan wählte seine Worte mit Bedacht. Er wollte in diesem privaten Gespräch mit der notwendigen Offenheit vorgehen, ohne anmaßend oder unhöflich aufzutreten. Er musste verhindern, schon bei ihrer ersten Begegnung Porzellan zu zerschlagen, das sich dann nicht mehr kitten ließ.

»Wenn ich das richtig verstanden habe, habt ihr im Jahr 3487 nach Christus auf Gäon das Zweite Solare Imperium gegründet?«

Somerset betrachtete ihn fragend. Offensichtlich hielt sie nichts davon, bekannte Fakten zu wiederholen.

»Eigentlich müsstet ihr uns solaren Terraner also recht gut kennen.« Rhodan lächelte entwaffnend.

»Bis zu unserem Schicksalsjahr haben wir die gleiche Entwicklung gehabt«, sagte sie nach kurzem Zögern. Offensichtlich ahnte sie nicht, worauf er hinauswollte.

»Dann verstehe ich nicht, dass ihr uns nicht viel besser kennt oder in Erinnerung habt.«

»Ich verstehe nicht, worauf du hinauswillst.«

»Ihr habt uns mithilfe der HaLem-Armee auf dem Merkur nach Sevcooris … eingeladen. Das war ziemlich fahrlässig von euch. Du weißt, es hat Zeiten gegeben, da hätten wir anders reagiert. Stell dir nur mal vor … Auf dem Merkur wird ein Heer von Soldatenfiguren entdeckt, und eine davon bewegt sich plötzlich!

Zu diesen anderen Zeiten hätte ich die Alarmstufe eins ausgerufen, den Befehl gegeben, den Merkur von einer Raumflotte abriegeln zu lassen, und wäre im Solsystem geblieben, um jede mögliche Gefahr von ihm abzuwenden. Damals wäre ich nicht im Traum darauf gekommen, eine andere Galaxis aufzusuchen …«