Perry Rhodan 2997: Die Dakkar-Havarie - Uwe Anton - E-Book

Perry Rhodan 2997: Die Dakkar-Havarie E-Book

Uwe Anton

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Beschreibung

Gut dreitausend Jahre in der Zukunft: Perry Rhodan hat nach wie vor die Vision, die Milchstraße in eine Sterneninsel ohne Kriege zu verwandeln. Der Mann von der Erde, der einst die Menschen zu den Sternen führte, möchte endlich Frieden in der Galaxis haben. Davon ist er in diesen Tagen des Jahres 1552 Neuer Galaktischer Zeitrechnung allerdings weit entfernt: In der von der Superintelligenz ES verlassenen Milchstraße wütet der Weltenbrand, der alle intelligenten Lebewesen betrifft und zu einer Hypersensibilität führt, gegen die es kein Mittel gibt. Wird der Weltenbrand nicht gelöscht, dauert es nur Jahrzehnte, bis die Milchstraße unbewohnbar geworden sein wird. Hervorgerufen wurde dieses Phänomen in erster Linie durch den skrupellosen Adam von Aures, der weitreichende Pläne verfolgt, die letztlich die Evolution der Maschinen und deren Vorherrschaft bedeuten sollen. Es gibt zwar Hoffnung, nachdem mit der Bergung von Proto-Eiris ein Mittel gefunden wurde, das sich womöglich entsprechend modifizieren lässt, den Weltenbrand zu löschen – aber keinerlei Garantie. Atlan, der unsterbliche Arkonide, deckt eine Verschwörung gegen die junge Superintelligenz GESHOD auf: Ausgerechnet deren wichtigster Repräsentant, der Bhal Drush, intrigiert gegen sie und will sie seinem Willen unterwerfen. Nun ist schnelles Handeln gefragt – und DIE DAKKAR-HAVARIE ...

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Nr. 2997

Die Dakkar-Havarie

Der Angriff eines Bhals – und der Sturz einer Superintelligenz

Uwe Anton

Cover

Vorspann

Die Hauptpersonen des Romans

1. Vermutlich: 11. August 1552 NGZ – Unversöhnliche Jäger ...

2. 11. August 1552 NGZ – ... und brüchige Verbündete

3. 11. August 1552 NGZ – Der Appellator ...

4. 11. August 1552 NGZ – ... und das Gewölbe

5. 11. August 1552 NGZ – Vom Regen ...

6. 21. August 1552 NGZ – ... in die Traufe

7. 21. August 1552 NGZ – Taten ...

8. 22. August 1552 NGZ – ... und Worte

Leserkontaktseite

Glossar

Clubnachrichten

Impressum

Gut dreitausend Jahre in der Zukunft: Perry Rhodan hat nach wie vor die Vision, die Milchstraße in eine Sterneninsel ohne Kriege zu verwandeln. Der Mann von der Erde, der einst die Menschen zu den Sternen führte, möchte endlich Frieden in der Galaxis haben.

Davon ist er in diesen Tagen des Jahres 1552 Neuer Galaktischer Zeitrechnung allerdings weit entfernt: In der von der Superintelligenz ES verlassenen Milchstraße wütet der Weltenbrand, der alle intelligenten Lebewesen betrifft und zu einer Hypersensibilität führt, gegen die es kein Mittel gibt. Wird der Weltenbrand nicht gelöscht, dauert es nur Jahrzehnte, bis die Milchstraße unbewohnbar geworden sein wird.

Hervorgerufen wurde dieses Phänomen in erster Linie durch den skrupellosen Adam von Aures, der weitreichende Pläne verfolgt, die letztlich die Evolution der Maschinen und deren Vorherrschaft bedeuten sollen. Es gibt zwar Hoffnung, nachdem mit der Bergung von Proto-Eiris ein Mittel gefunden wurde, das sich womöglich entsprechend modifizieren lässt, den Weltenbrand zu löschen – aber keinerlei Garantie.

Atlan, der unsterbliche Arkonide, deckt eine Verschwörung gegen die junge Superintelligenz GESHOD auf: Ausgerechnet deren wichtigster Repräsentant, der Bhal Drush, intrigiert gegen sie und will sie seinem Willen unterwerfen. Nun ist schnelles Handeln gefragt – und DIE DAKKAR-HAVARIE ...

Die Hauptpersonen des Romans

Atlan – Der Arkonide muss die Dakkar-Havarie herbeiführen.

Sypardh – Der Ghatu muss sich entscheiden, wem seine Loyalität gilt.

Bhal Drush – Der Ruhende Bhal muss sich offenbaren.

Gucky

1.

Vermutlich: 11. August 1552 NGZ

Unversöhnliche Jäger ...

»Bei Gzud!« Minga Hashina sah sich misstrauisch um. »Hier stimmt etwas nicht! Warum habe ich meine Schatzkammer nur verlassen? Sie ist zwar gut gesichert, aber mir wäre wohler, wenn ich ein Auge auf meine kostbaren Güter haben könnte.« Sie sog tief die Luft ein. »Es riecht nach Ghatus! Hier wird es bald vor schwarzen Trutzkleidern nur so wimmeln.«

Ich konnte dem reptiloiden, etwa zwei Meter großen Wesen seine Nervosität nicht verdenken. Es war hypersensibel, hatte also ein Gespür für Phänomene des Hyperraums, und die waren soeben mit voller Wucht über uns hereingebrochen.

Die Phase Shod hatte begonnen. GESHOD war erwacht, und die Superintelligenz hatte sich uns offenbart. Wir kannten nun ihre Geschichte, wussten, wie sie entstanden war.

Die Informationen waren gekommen wie Wellen, die aus dem Meer von GESHODS Erinnerungen an die Landzungen unserer Bewusstseine rollten. Eine Flut der Bewusstwerdung. Zur richtigen Zeit am richtigen Ort ... wenn man eine Station im Dakkarraum so bezeichnen konnte.

GESHOD war ins Bewusstsein getreten, anders konnte ich es nicht formulieren, und dazu hatte er gewissermaßen seine Genese nachempfunden. Es war die Geschichte einer Superintelligenz, die ... formbar war. Die sich immer neu formen und orientieren würde, wenn sie keinen beständigen Anker hatte. Bisher hatte es deren zwei gegeben: das Duo der Bhale im Konglomerat als Taktgeber auf der einen, ES als Mentor auf der anderen Seite.

Aber ES war fort.

Und von den Bhalen war einer im Begriff, sich zum dominanten Faktor aufzuschwingen und GESHOD seinem Willen zu unterwerfen. Er versuchte damit nichts anderes wie einige Thoogondu einst bei ES – und damals war auf Weisung der Superintelligenz das ganze Volk aus der Erinnerung der Milchstraße getilgt worden und harrte seitdem im Exil einer Möglichkeit der Rückkehr.

Irgendwie erschien es mir aus diesem Blickwinkel beinahe logisch, dass sich die beiden unterschiedlichen Völker der Gemeni und der Thoogondu zumindest stellenweise verbündet und für Unruhe in der Milchstraße gesorgt hatten.

Und ES war fort.

Aber GESHOD war da. Das Mündel und denkbare Statthalter von ES. Bar jeden Schutzes, empfänglich für Einflüsterungen aller Art.

Wenn man all das wusste, gab es wahrlich genügend Grund, nervös zu sein.

Das galt zumindest für mich, Minga Hashina würde all das nicht so akut belasten, Hypersensibilität hin oder her. Von daher musste sie andere Gründe haben.

Sogar deutlich handfestere, du Narr!, rief sich mein Extrasinn in Erinnerung. Spürst du es denn nicht?

Selbstverständlich spürte ich es. Die Luft im Gang knisterte geradezu, fast kam es mir etwas kälter vor als noch vor wenigen Sekunden. Als ob eine große Menge Gemeni in unmittelbarer Nähe wäre ...

Es bestand kein Zweifel: Früher oder später würden wir auf Ghatus stoßen, sehr wahrscheinlich viel zu bald. Die Zeit drängte nun, da GESHOD erwacht war.

Unser vordringliches Ziel musste sein, Bhal Drush auszuschalten. In seinem Größenwahn, über GESHOD bestimmen zu wollen, würde der Ruhende Bhal, ohne zu zögern, über Leichen gehen ...

Vor wenigen Minuten hatte Minga Hashina uns aus ihrer Schatzkammer und deren Schutz geführt. Aber wir hatten keine Wahl gehabt. Von dort aus hätten wir nur beobachten können, wie Drush die Macht endgültig an sich riss.

Meine Begleiter waren neben der Echsenartigen drei sehr unterschiedliche Wesen: die Olkonorin Tamareil im weiblichen Roboterkörper, der von Cappins künstlich erschaffene, krötengesichtige Tryzom-Mann Zau und die terranische USO-Spezialistin Mahnaz Wynter.

Optisch seid ihr zumindest eine ganz besondere Truppe ..., kommentierte der Extrasinn bissig. Jetzt zeigt auch, dass ihr der Hoffnungen wert seid, die auf euch ruhen und die ihr selbst euch macht.

Ich unterdrückte den Impuls, in den mentalen Ringkampf mit dem Extrasinn zu gehen. Seit ich ihn unter dem Einfluss des Weltenbrands erlebt hatte, bildete ich mir ein, etwas nachsichtiger mit seinen Sticheleien geworden zu sein.

Zudem hatte er recht: Wir mussten Ergebnisse erzielen, und das so schnell wie möglich. Hinzu kam, dass ich nicht einmal die genaue Zeit bestimmen konnte. Der Transport in das Konglomerat im Dakkarraum war eventuell temporal inkongruent verlaufen – eigentlich sollten wir gerade den 11. August schreiben, aber sicher war das deswegen nicht. Wir mussten hoffen, dass wir rechtzeitig gekommen waren. Dass uns genügend Zeit blieb.

Hoffnung.

Hoffnung auf Zeit.

Hoffnung auf GESHOD.

Hoffnung auf ... ein Wunder?

Nein, damit hatte ich mich noch nie zufriedengegeben.

»Weiter!«, rief ich. »Wir müssen uns orientieren. Hat jemand eine Ahnung, wo wir sind? Tamareil?«

Tamareil schwieg, als ob sie nichts gehört hätte. Manchmal verfluchte ich diese eitle Frau, deren Neigung zur pointenreichen Lüge den Umgang mit ihr verkomplizierte.

Als Bhal Drush uns in den Spross H'NDOTO versetzen lassen wollte, von dem aus es keine Rückkehr mehr gegeben hätte, hatte Tamareil in einer Verzweiflungstat dafür gesorgt, dass uns ein Shod-Spiegel in einen unbekannten Raum des Konglomerats brachte. Dadurch waren wir Hashina begegnet, die unter anderem unseren Empfangs-Shod-Spiegel ... ausgeborgt hatte.

»Wie sollen wir Bhal Drush finden, wenn wir weder unseren noch seinen Standort kennen?«, fragte Mahnaz Wynter und fügte in einem Tonfall voller Bitternis hinzu: »Immer wieder Tamareil ...!«

Ehe ich mich um die dahinterstehende Befindlichkeit namens Zau kümmern konnte, peitschte eine andere Stimme durch den Gang.

»Achtung!«

Die Ghatus hatten uns entdeckt.

*

Es waren sieben oder acht, die sich uns von vorne näherten. In ihren schwarzen Trutzkleidern kamen sie mir vor wie die personifizierte Bedrohung. Ich wusste um ihre Kampfkraft, schließlich hatten wir genug mit ihnen zu tun gehabt. Ghatus waren disziplinierte, erfahrene Kämpfer, die ihre Aufgabe mit Inbrunst erfüllten.

Wieso haben sie uns sofort erkannt?, fragte der Extrasinn. Bhal Drush muss weiterhin davon ausgehen, euch aus dem Weg geschafft zu haben!

Die Antwort auf diesen Einwand war müßig. Die Ghatus kamen schnell näher, richteten ihre Waffen auf uns.

Ich verzichtete auf den Befehl, die Schutzschirme zu aktivieren. Im Konglomerat fiel Technologie mit fünfdimensionalen Komponenten regelmäßig aus, sodass sie bestenfalls sporadisch funktioniert hätten.

Bisher schossen die Ghatus nicht. Mit ihrem energetischen Feuer hätten sie zu schwere Schäden in der Umgebung verursacht.

Ich sah mich um. Wir befanden uns in einem wahren Ganglabyrinth.

»Rückzug!«, befahl ich und rannte los, geradewegs in die nächstbeste Gangmündung zu unserer Linken. Die anderen folgten mir.

»Hinterher!«, rief eine Stimme, und dann: »Feuer!«

Leises Sirren ertönte und verriet mir, dass die Ghatus uns zunächst lediglich mit Paralyse auf den Leib rückten. Aufatmen durfte ich deswegen nicht: Mochten die Schüsse selbst auch nicht tödlich sein, hatten wir trotzdem ausgespielt, falls sie uns in die Hände bekamen.

Der Gang mündete nach knapp zwanzig Metern in einen breiten Platz, der von hohen Gebäuden flankiert wurde. Wir spritzten auseinander und rannten auf die erste erreichbare Deckung zu: ein über zwei Meter hohes Gebilde, das mein Extrasinn für ein Mahn- oder Denkmal hielt. Es bestand aus irgendeinem Metall, war an den Rändern zerfranst und sah aus wie ein glattes Blatt, das auf einer rauen Oberfläche lag. Es ruhte auf einem schwarzen, vielleicht dreißig Zentimeter hohen Podest und wirkte damit größer, als es war.

Sonderlich lange würde uns das Denkmal nicht schützen, aber wir mussten mit dem vorliebnehmen, was wir fanden. Zumindest hockten wir nicht mehr auf dem Präsentierteller.

Die Ghatus hielten sich merklich zurück, schossen nur, wenn wir es wagten, die Köpfe aus der Deckung zu heben. Sie beschränkten sich weiterhin auf Paralysebeschuss.

»Worauf warten sie?«, flüsterte Zau.

»Auf Verstärkung«, antwortete ich. »Sie wollen nicht das geringste Risiko eingehen. Sie haben uns in der Zange, warten aber ab, bis sie ungefährdet zugreifen können. Wenn wir einen Ausbruch wagen wollen, muss es schnell geschehen.«

Minga Hashina bewegte sich trotz ihrer zwei Meter Körpergröße flink auf den nackten, kräftigen Hühnerbeinen. Sie lief zwei, drei Meter aus der Deckung, dann stoppten sie Schüsse, und sie warf sich herum und sprang zu uns zurück.

»Ich will zurück in meine Schatzkammer!«, rief sie. »Die ist schließlich bestens gesichert!«

So leid es mir tat, ich sah keine Möglichkeit, ihr diesen Wunsch zu erfüllen. Sie war gänzlich ohne eigenes Verschulden in diese Lage geraten, aber darauf würden die Ghatus keine Rücksicht nehmen.

»Es wird langsam Zeit«, sagte Tamareil, »dass wir mal den einen oder anderen Ghatu beeinflussen. Wie war das noch gleich, Wynter? Angeblich haben wir ja im Residenz-Restaurant nur zu unserem Vergnügen gehandelt und solche Situationen keineswegs unter reellen Bedingungen eingeübt.«

Ich stöhnte leise auf. Wann würde sie es endlich gut sein lassen und Mahnaz nicht immer wieder mit der Nase darauf stoßen, dass sie vielleicht zu weit gegangen war?

Weitere Jäger der Gemeni trafen ein, die erwartete Verstärkung. Ich schluckte. Durfte ich meinen Augen trauen?

Ja, kein Zweifel. Ich kannte den Anführer der neu Eingetroffenen.

Er bekleidete den wahrscheinlich höchsten Rang der Garde. Und er kannte mich, weil er es gewesen war, der mich zu Bhal Drush geführt hatte.

Es war Sypardh.

*

Erinnerst du dich daran, dass Sypardh kaum merklich gezögert hat, als der Bhal ihm befahl, dich festzusetzen?, fragte der Extrasinn eindringlich. Und er hat schon vorher bewiesen, dass er zu einer Zusammenarbeit fähig ist!

Ich lachte auf. Ich hatte den Befehlshaber der Garde belogen, manipuliert und getäuscht. Durfte ich unter diesen Voraussetzungen davon ausgehen, dass er nur darauf wartete, die Befehle seines Bhals zu ignorieren und mit wehenden Flaggen zum Feind überzulaufen?

Narr!, wischte der Extrasinn meine Einwände hinweg. Sypardh scheint eigenständig denken zu können. Du vergisst, dass es im Konglomerat zwei Fraktionen gibt, die des Bhals Drush und des Bhals Adburn. Vielleicht gehört Sypardh ja nicht zu dem Teil der Zeitlichen Eskorte, die Drush folgt, sondern ist ein Anhänger von Bhal Adburn. Was hast du zu verlieren?

In dieser Hinsicht hatte der Logiksektor zweifellos recht. Wieso war der Anführer der Ghatus persönlich als Verstärkung angerückt? Wollte er die Scharte auswetzen und die lästigen Fremden endgültig zur Strecke bringen, wie sein Bhal es verlangte, oder steckte mehr dahinter?

War er neugierig auf das, was ich zu sagen hatte?

Es war einen Versuch wert.

»Sypardh!«, sprach ich den Anführer der Ghatus direkt an. »Ich bin es, Atlan! Hör dir an, was ich zu sagen habe, wenn du ein Blutbad vermeiden willst!«

Vielleicht geht es auch etwas weniger martialisch?, versetzte der Extrasinn spöttisch. Oder willst du ihn dazu provozieren, mit allem zu feuern, was seine Waffen hergeben?

So ungefähr. Im Gefühl der sicheren Überlegenheit war er vielleicht eher zu Gesprächen bereit.

Mein Plan ging auf. »Ein Blutbad? In wenigen Sekunden seid ihr umzingelt, Atlan. Dann werden wir euch in aller Ruhe mit unseren Paralysatoren außer Gefecht setzen. Ihr werdet bei vollem Bewusstsein bleiben und hilflos zusehen müssen, wie wir eure gelähmten Körper zu einem Shod-Spiegel schleppen und euch diesmal endgültig in den Spross H'NDOTO schicken. Dort könnt ihr dann bleiben, bis im Herbst eures Daseins eure Blätter verwelken und eure Saat vergeht!«

Ich bewunderte die bildliche Ausdrucksweise. An Sypardh war ein großer Dichter seines Volkes verloren gegangen.

»Ist das im Sinne von Bhal Adburn?«, rief ich.

Zu meiner Überraschung trat der Befehlshaber der Garde aus der Deckung. Den Lauf seiner Waffe richtete er nach oben. Schritt für Schritt kam er näher. »Worte sind immer besser als Schüsse. Lass uns reden.«

Er hatte mich richtig eingeschätzt. Mir lag nichts daran, die Lage eskalieren zu lassen.

Ich zögerte keinen Sekundenbruchteil, trat ebenfalls aus meiner Deckung, die Mündung der Waffe in die Luft gerichtet.

»Was hast du zu sagen?«

»Es wird dir nicht gefallen«, antwortete ich. »Du bist einem falschen Herren aufgesessen.«

Ich hatte mit einer heftigen Widerrede gerechnet, doch Sypardh schwieg. Der Befehlshaber der Ghatus wirkte merklich nachdenklich.

»Kannst du deine Vermutung erläutern?«

»Es ist keine Vermutung, Bhal Drush hat es mir selbst gesagt. Für uns kann es nur ein klares Ziel geben. Wir müssen den Ruhenden Bhal stoppen.«

»Was genau hat er dir gesagt?«

Schöne Worte halfen hier nicht weiter. Ich musste Sypardh schonungslos offenlegen, wie ich die Lage sah.

»Bhal Drush arbeitet gegen GESHOD. Wir müssen ihn als Feind ansehen. Er will mit jenem Teil der Zeitlichen Eskorte, der ihm folgt, die Kontrolle über GESHODS Wach- und Schlafrhythmus gewinnen. Er will GESHOD führen und dadurch selbst die Macht an sich bringen. Dabei nimmt er beispielsweise auch den Weltenbrand in der Milchstraße billigend in Kauf, hat betont, dass er ihn sogar befeuern würde, solange es die Kräfte in der Milchstraße ablenken würde und er deshalb in Ruhe seine Pläne verfolgen könne.«

»Hast du Beweise für deine Behauptungen?«

»Es steht eindeutig fest«, überging ich seine Frage, »Bhal Drush ist der Feind in GESHODS innerstem Zirkel und spricht nicht für alle Gemeni. Auch wenn er es vielleicht nicht so empfindet ...«

Sypardh hörte zumindest weiterhin zu.

»Mit seinen Absichten arbeitet er GESHODS Interessen entgegen«, fuhr ich fort. »Und damit denen der Gemeni, der Galaktiker und von ES.«

»Aber Beweise hast du nicht?«

»Als Bhal Drush mir im Resonanzraum seine Absichten offenbarte, hat er mir leider keine Folie in die Hand gedrückt, auf der seine Pläne genau notiert waren. Du erinnerst dich, dass er dich kurz zuvor hinausgeschickt hatte?«

»Ich erinnere mich.« Sypardh drehte sich zu seinen Leuten um. »Angriff einstellen! Ich habe einen Waffenstillstand ausgehandelt.«

»Danke«, sagte ich leise.

»Ich werde deine Behauptungen prüfen«, betonte der Ghatu. »Aber sie passen perfekt zu allem, was sich im Konglomerat abspielt.«

»Dir ist es also ebenfalls aufgefallen?«

Er winkte zwei seiner Leute heran, die dem Braten offensichtlich nicht ganz trauten, da sie ihre Deckung nur mit äußerstem Zögern verließen. Er erteilte ihnen Anweisungen, so leise, dass ich sie nicht verstehen konnte.

Die Ghatus kehrten zu ihrer Stellung zurück, und zogen kurz darauf vollständig ab.

Sypardh meinte es offensichtlich ernst. »Ich will mehr hören. Fass dich ein wenig in Geduld!«

Ich spürte, dass Sypardh ein wertvoller Verbündeter sein konnte. Ich beschloss, offen mit ihm umzugehen, und gab Tamareil und Zau einen Wink. Sie sollten ihn nicht beeinflussen. Gerade bei Tamareil war ein ausdrücklicher Befehl dringend nötig. In ihrer Not hatte sie ja schon vorgeschlagen, die Ghatus zu manipulieren. Falls es nötig werden sollte, würde sie mit Sicherheit zu diesem letzten Mittel greifen.

»Vorausgesetzt, ich sage die Wahrheit«, wandte ich mich wieder an den obersten Gardisten, »und du würdest dich entschließen, für GESHOD und nicht für Bhal Drush einzutreten ...«

»Ja, das vorausgesetzt ...«

»Gibt es überhaupt eine Möglichkeit, Bhal Drush auszuschalten? Im Konglomerat scheint er unangreifbar.«

»Er hat sich in seinem Librationsgewölbe verschanzt, und das ist uneinnehmbar«, bestätigte Sypardh.

Er zögert, konstatierte der Extrasinn. Er könnte dir viel mehr verraten, aber er wartet erst einmal ab. Vielleicht denkt er gerade daran zurück, wie du ihn belogen und benutzt hast ...

»Nun?«, fragte ich. Ich spürte, dass da noch mehr war.

Der Ghatu schwieg. Ich konnte nachhaken, so viel ich wollte, mehr würde ich im Augenblick nicht von ihm erfahren.

In Geduld fassen ... Das war leicht gesagt, wenn man nicht befürchten musste, dass einem in absehbarer Zeit das gesamte Konglomerat um die Ohren fliegen würde. Und diese Aussicht war durchaus real.

Und keineswegs begeisternd.

Sei nicht so hart zu dir! Du hast schon einiges erreicht, lobte mich der Logiksektor zur Abwechslung einmal. Vor ein paar Minuten hast du dich damit abgefunden, dich auf ein vielleicht tödliches Feuergefecht mit den Ghatus einlassen zu müssen ...

Schon gut!, unterbrach ich ihn.

... und jetzt stehst du vielleicht kurz davor, einen wertvollen Verbündeten zu gewinnen. Das ist durchaus ein respektabler Fortschritt! Nicht, dass er ausreicht ...

Ja, ich bin richtig stolz auf mich!, erwiderte ich ironisch.

Die beiden Ghatus, die kurz zuvor weggegangen waren, kehrten auf den Platz mit dem Denkmal zurück. Sypardh winkte sie sofort zu sich und sprach leise mit ihnen.

Als sie geendet hatten, stellten sie sich zu beiden Seiten Sypardhs auf, die Hände an den Waffen.

Der Hauptmann der Garde richtete das Wort wieder an mich. »Bhal Adburn ist nicht mehr erreichbar«, sagte er. »Das bestätigt meine Befürchtung.«

Ich hatte mich allmählich daran gewöhnt, mich in Geduld zu fassen, und schwieg.

»Das dürfte gerade jetzt, in der Phase Shod, nicht passieren«, fuhr Sypardh fort, als fiele ihm jedes Wort schwer.

Also in GESHODS aktueller Wachphase ...

»Und? Was bedeutet das konkret?«

Sypardh wirkte plötzlich entrückt, als führte er ein Selbstgespräch. Auch eine Methode, sagte der Kosmopsychologe in mir, um vorerst einmal zu verdrängen, dass man gerade die Seiten gewechselt hatte und zum vermeintlichen Feind übergelaufen war. Sypardh war noch nicht bereit, sich offiziell mit mir zu verbünden, gab mir aber sämtliche Informationen, die ich brauchte, um mir einen Überblick zu verschaffen.