Perry Rhodan 3028: Die Kristallgetreuen - Uwe Anton - E-Book + Hörbuch

Perry Rhodan 3028: Die Kristallgetreuen E-Book und Hörbuch

Uwe Anton

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Beschreibung

Mehr als 3000 Jahre in der Zukunft: Längst verstehen sich die Menschen als Terraner, die ihre Erde und das Sonnensystem hinter sich gelassen haben. In der Unendlichkeit des Alls treffen sie auf Außerirdische aller Art. Ihre Nachkommen haben Tausende von Welten besiedelt, zahlreiche Raumschiffe fliegen bis zu den entlegensten Sternen. Perry Rhodan ist der Mensch, der von Anfang an mit den Erdbewohnern ins All vorgestoßen ist. Nun steht er vor seiner vielleicht größten Herausforderung: Die Rückkehr von seiner letzten Mission hat ihn rund 500 Jahre weiter in der Zeit katapultiert. Eine Datensintflut hat fast alle historischen Dokumente entwertet, sodass nur noch die Speicher der RAS TSCHUBAI gesichertes Wissen enthalten. Während Perry Rhodan sich auf die Spur der Cairaner setzt und ins geheimnisvolle Galaxien-Geviert aufbricht, bleibt der unsterbliche Arkonide Atlan in der Milchstraße. Insbesondere will er herausfinden, was sich auf Arkon und bei den Arkoniden verändert hat. Dabei trifft er DIE KRISTALLGETREUEN ...

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Seitenzahl: 169

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Zeit:3 Std. 39 min

Sprecher:Florian Seigerschmidt

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Nr. 3028

Die Kristallgetreuen

Atlan im Zentrum von Intrigen – der Frieden in M 13 ist bedroht

Uwe Anton

Cover

Vorspann

Die Hauptpersonen des Romans

1. Zalit sehen und lauschen

2. Vertraue niemandem!

3. Kriminelle in Troschir

4. Kollegiale Rivalität

5. Es geht etwas vor ...

6. Das Spiel der Medien

7. Das falsche Ich

8. Traditionen und Geheimgänge.

9. Sie lebt!

10. Doch. Ich.

Report

Leserkontaktseite

Glossar

Impressum

Mehr als 3000 Jahre in der Zukunft: Längst verstehen sich die Menschen als Terraner, die ihre Erde und das Sonnensystem hinter sich gelassen haben. In der Unendlichkeit des Alls treffen sie auf Außerirdische aller Art. Ihre Nachkommen haben Tausende von Welten besiedelt, zahlreiche Raumschiffe fliegen bis zu den entlegensten Sternen.

Perry Rhodan ist der Mensch, der von Anfang an mit den Erdbewohnern ins All vorgestoßen ist. Nun steht er vor seiner vielleicht größten Herausforderung: Die Rückkehr von seiner letzten Mission hat ihn rund 500 Jahre weiter in der Zeit katapultiert. Eine Datensintflut hat fast alle historischen Dokumente entwertet, sodass nur noch die Speicher der RAS TSCHUBAI gesichertes Wissen enthalten.

Während Perry Rhodan sich auf die Spur der Cairaner setzt und ins geheimnisvolle Galaxien-Geviert aufbricht, bleibt der unsterbliche Arkonide Atlan in der Milchstraße. Insbesondere will er herausfinden, was sich auf Arkon und bei den Arkoniden verändert hat. Dabei trifft er DIE KRISTALLGETREUEN ...

Die Hauptpersonen des Romans

Atlan – Der Arkonide geht einer Verschwörung auf den Grund.

Der TARA-Psi – Ein unbegreiflicher Roboter handelt und zögert.

Larsav da Ariga

Stichwort Zalit: Zalit ist der vierte von insgesamt fünfzehn Planeten, die die rote Riesensonne Voga umkreisen. Das Vogasystem befindet sich nur 3,14 Lichtjahre von Arkon entfernt im Zentrum des Kugelsternhaufens Thantur-Lok.

Der Planet wurde etwa 13.000 Jahre vor Beginn der alten terranischen Zeitrechnung von Arkoniden besiedelt, die sich in der Folge den neuen Umweltbedingungen anpassten und leicht veränderten.

Als Zalit Sitz des Vize-Imperators wurde, nahm der Planet für sich in Anspruch, die älteste und erste Kolonialwelt der Arkoniden zu sein, was in Wirklichkeit allerdings Hiaroon ist.

Regierungsoberhaupt des Planeten ist der Zarlt-da-Zalit, der Zarlt von Zalit. Bewohnt wird Zalit von rund acht Milliarden Zalitern; die Hauptstadt Tagnor hat 30 Millionen Einwohner. Der Regierungssitz der Vereinigten Sternenbaronien liegt in einer eigens dafür gegründeten neuen Stadt: Gosran.

Aus: NDE-Dossier Arkon aktuell

1.

Zalit sehen und lauschen

CAI CHEUNG

Wir stoppten die Fahrt am 16. Januar 2046 NGZ etwa eine Lichtstunde außerhalb des Vogasystems.

Ich nickte Gesa Wisman zu, hätte mir die Geste aber sparen können. Die Kommandantin war eine gute Vorgesetzte, und die Zentralebesatzung reagierte als eingespieltes Team.

Dzsenifer Detaring, die derzeit diensthabende Chefin der Abteilung Funk und Ortung, öffnete einen Kanal und versuchte, Kontakt mit Zalit zu bekommen, während ihre Stellvertreterin mit angestrengtem Blick auf ein Terminal schaute. Dort blendete die Positronik automatisch die Hyper- und Normalfunknachrichten ein, die sie aufgefangen und analysiert hatte.

Selbstverständlich sortierte der Bordrechner die empfangenen Sprüche nach ihrer wahrscheinlichen Wichtigkeit, sonst hätte die Sichtung Wochen, wenn nicht gar Monate gedauert.

Ich fragte mich, ob die Besatzungen arkonidischer Schiffe mit ähnlicher Effizienz vorgingen wie die der CAI CHEUNG.

Verharr nicht in der Vergangenheit!, wies der Extrasinn mich zurecht. Es ist lange her, dass sich die Arkoniden mit Inbrunst den berüchtigten Fiktivspielen hingaben. Die Annahme, heutzutage wären sie weniger fähig als ihre terranischen Pendants, könnte sich als ausgesprochen gefährlich erweisen.

Heutzutage gehen sie in ihren Messingträumen auf, erwiderte ich. Und bedauerte den Gedanken sofort. Dieses Heutzutage war fünfhundert Jahre veraltet und galt wahrscheinlich in den Vereinigten Sternenbaronien am wenigsten.

Schon in Ordnung, versetzte der Logiksektor spöttisch. Du bist nicht besonders gut gelaunt. Wir alle haben unser Päckchen zu tragen.

Ja, und du bist meines.

Und umgekehrt. Aber da es uns beide immer wieder rettet, ertrage ich dich gerne.

Ich ließ mich nicht zu einer Antwort hinreißen, sondern lenkte meine Aufmerksamkeit wieder auf das Geschehen in der Zentrale. Dort herrschte Gelassenheit; die Besatzung hatte schon ganz andere Schwierigkeiten bewältigt.

Die CAI CHEUNG hatte die Aufgabe gehabt, die TREU & GLAUBEN abzusichern. Der Raumer der PATOMAN-Klasse war das wesentlich leistungsstärkere Schiff. Es war nicht nur mit den besten Tarnmöglichkeiten der Liga ausgerüstet, sondern konnte auch über einen Transmitter mit einer Reichweite von fünf Lichtjahren mit der TREU & GLAUBEN verbunden werden.

Über ihn waren die Besatzungsmitglieder des Handelsschiffs, die sich durch die unvorhersehbaren Wirren um Trandafir in die CAI CHEUNG hatten absetzen müssen, wieder auf das Schiff des Barniters Kondayk-A1 zurückgekehrt.

Die Funkverbindung stand, doch der Zaliter, der das Gespräch entgegennahm, leitete die Kommandantin umgehend weiter.

Gesa Wisman hatte den Arkoniden vor unserem Abflug bereits ankündigt, dass wir den verletzten Thantur-Baron Larsav da Ariga an Bord hatten, und damit für einigen Wirbel gesorgt. Es war klar, dass uns kein kleiner Beamter abfertigen würde, der sonst Handelsschiffen ihren Zielhafen nannte, doch es lag in der Natur der Bürokratie, dass es eine Weile dauerte, bis wir mit dem hochgestellten Verantwortlichen sprechen konnten.

Denkst du da nicht völlig falsch, Beuteterraner?

Inwiefern?

Stell dir doch nur mal vor, in früheren Zeiten wäre Perry Rhodan verschwunden, und ein arkonidisches Schiff hätte sich gemeldet und angekündigt, ihn zum Solsystem zu bringen. Wie lange hätte es gedauert, bis sich ein hochrangiger Staatsmann meldet, wenn dieses Schiff schließlich hinter dem Kuipergürtel den Linearraum verlässt?

Worauf willst du hinaus?

Jedenfalls würde es nicht so ein langwieriges Hin und Her geben wie jetzt.

Du meinst ...

Es scheint innerhalb der arkonidischen Bürokratie ein gewisses Kompetenzgerangel zu geben. Das deutet darauf hin, dass hier etwas im Argen liegt.

Dann warten wir mal ab, was dabei herauskommt.

Gesa Wisman vom Planeten Rudyn war mit ihren 70 Jahren eine Frau im besten Alter – erfahren genug für ein Kommando, aber noch nicht so verknöchert, dass sie nicht flexibel reagieren könnte. Als sie sich in ihrer schmucken Uniform ohne Rangabzeichen leicht vorbeugte und den Arkoniden fixierte, erinnerte sie an eine Ärztin, die ihrem Patienten eine schlechte Diagnose mitteilen wollte. Ja, der Spitzname Zahnärztin, den Bully ins Spiel gebracht hatte, ergab durchaus Sinn.

Das tat ihrer Attraktivität aber keineswegs Abbruch. Sie war mit ihrem blonden, halbkurz geschnittenen Haar und ihrer schlanken Figur eine optisch ansprechende Frau und wusste das auch einzusetzen. Sie bestätigte die Frage des mindestens doppelt so alten Arkoniden, der das Gespräch entgegengenommen hatte, mit einem verbindlichen Lächeln. »Ja, wir haben Thantur-Baron Larsav da Ariga an Bord.«

Ihr Gesprächspartner stellte sich als Harkar del Affarith vor. Dem Namen nach gehörte er einem Tai-Khasurn an, war also ein Edler Zweiter Klasse. Ansonsten sagte er mir nichts. Kein Wunder bei fünfhundert Jahren, die ich verpasst hatte. Mit einigen seiner Vorfahren hatte ich schon zu tun gehabt, aber das war wohl kaum von Bedeutung für unsere Gegenwart.

»Was ist geschehen?«, fragte er. Wohl eher ein rhetorisches Geplänkel; ich ging davon aus, dass er sehr genau über die Vorgänge im Holuvasystem informiert war. Sie mussten hohe Wellen geschlagen haben.

»Er ist dem verheerenden Angriff der Ladhonen auf den Planeten Trandafir entkommen, verletzt, aber nicht in Lebensgefahr. Einzelheiten wird er euch selbst berichten. Ich möchte ihm nicht vorgreifen.«

Indigniert rümpfe der Beamte die Nase. »Das hat man davon, wenn man Terraner in seiner Nähe duldet«, sagte er eher zu sich selbst. Es klang wie eine Bestätigung lange gehegter und innig gepflegter Vorurteile. »Zuerst die TREU & GLAUBEN, und jetzt die CAI CHEUNG.« Er wirkte nicht besonders erleichtert, dass sein Baron noch unter den Lebenden weilte.

»Die TREU & GLAUBEN?«, hakte die Kommandantin sofort nach.

Del Affarith nickte unwillig. »Das Schiff ist vor Kurzem auf Zalit gelandet und steht auf einem der Zivilraumhäfen Gosrans. Wir mussten ihm dank seiner offiziellen Diplomatenmission den Einflug gewähren.«

Auch diese Erklärung klang nicht gerade begeistert.

»Aber was interessiert euch die TREU & GLAUBEN?«, fuhr er fort. »Baron Larsav da Ariga ist viel wichtiger. Selbstverständlich bekommt ihr Landeerlaubnis.« Er rief eine Anzeige seines Displays auf. »Ihr bekommt einen Richtstrahl.«

»Peilsignal erhalten«, bestätigte Dzsenifer Detaring. »Aber es leitet uns nicht zu einem der Raumhäfen der Hauptstadt Tagnor oder der neu gegründeten Sternenbaronien-Hauptstadt Gosran, sondern zu einem kleinen, abgeschotteten Militärraumhafen bei der Stadt Troschir.«

Die Kommandantin sah den Beamten an und runzelte die Stirn. »Was hat das zu bedeuten?«

Der Arkonide zog die Brauen hoch und drehte die Hand mit der Handfläche nach oben. »Mit welchem Recht maßt ihr Terraner euch an, die Entscheidung der Verantwortlichen des Planeten Zalit zu kritisieren? Ich bin euch keine Erklärung schuldig. Ihr habt die genauen Koordinaten.«

Gesa Wisman hielt den Blick auf del Affarith gerichtet. »Ich bin gespannt, was der Thantur-Baron zu dem genannten Raumhafen zu sagen hat.«

Die Kommandantin und der Arkonide starrten einander, ohne zu blinzeln, an. Ich pfiff kaum hörbar durch die Lippen. Die Temperatur in der Zentrale schien merklich kälter zu werden.

Gesa gewann das Blickduell. »In Troschir befindet sich ein Krankenhaus, das das absolute Vertrauen des Barons genießt«, sagte der Arkonide schließlich.

Mein Terminal spielte Daten ein, die die Bordpositronik zur Verfügung gestellt hatte. Troschir war eine Stadt, in der fast nur Militärangehörige ausgebildet wurden und mit ihren Familien lebten.

Aber Harkar del Affarith wollte die gefühlte Niederlage nicht auf sich sitzen lassen. »Wir sind selbstverständlich darüber informiert, dass die TREU & GLAUBEN ebenfalls in die Vorfälle im Holuvasystem und rund um dessen an Hyperkristallen reichen Planeten Trandafir verwickelt war«, erklärte er barsch.

»Barnitern ist alles zuzutrauen«, erwiderte die Kommandantin glatt. »Überrascht es euch wirklich, dass eines ihrer Schiffe in einem Brennpunkt auftaucht, zumal in einem, in dem es eine gewinnversprechende Situation gibt?«

Der Arkonide schnaubte kurz. »Selbstverständlich werden die Kralasenen das Schiff im Auge behalten.«

Die Kralasenen – das war der arkonidische Geheimdienst. Die ominöse Drohung des Beamten war nicht mehr als heiße Luft. Die Kralasenen würden die TREU & GLAUBEN so oder so im Auge behalten.

Selbst, wenn sich das Schiff offiziell auf diplomatischer Mission befand. Reginald Bull hatte mit der TREU & GLAUBEN einen offiziellen Unterhändler in untergeordneter Position geschickt, keinen hochrangigen Vertreter der Allianz, sondern einen Provisionsdiplomaten, der diversen Parteien seine Dienste anbot, in diesem Fall der Lemurischen Allianz. Es handelte sich bei ihm um den Barniter Tono-C4 – der in Wirklichkeit allerdings Agent des Nachrichtendienstes Ephelegon war. Der NDE war der Nachfolger des TLD, des Terranischen Liga-Dienstes.

Ich verzog das Gesicht. Allmählich stellte sich bei mir der Eindruck ein, dass in dieser neuen Welt jeder zweite Zeitgenosse irgendein Agent war. Das zeugte davon, wie schlecht die Zeit war und wie schwer die jeweiligen Machtblöcke um ihr Überleben kämpfen mussten. Manche Dinge änderten sich nie. Wie schon Cicero 70 vor Christus in seiner zweiten Rede gegen Verres gesagt hatte: O tempora, o mores!

»Noch Fragen?« Del Affarith klang erkennbar unfreundlich.

»Wir danken dir für die Landeerlaubnis«, sagte Gesa glatt. »Der Thantur-Baron wird es zu schätzen wissen, dass ihm bald die bestmögliche Hilfe zuteilwerden wird.«

Sie beendete die Verbindung.

Einen Augenblick herrschte völlige Stille in der Zentrale der CAI CHEUNG.

»Ich habe gerade den Hyperfunksprüchen entnommen«, brach die Chefin der Abteilung Funk und Ortung schließlich das Schweigen, »dass das Holuvasystem mittlerweile von deutlich stärkeren Verbänden gesichert wird. Vielleicht ist die Information in diesem Zusammenhang von Bedeutung.«

Meine Augen tränten leicht. »Das ist sie in der Tat. Es ist wohl an der Zeit, dass ich mich noch einmal mit Larsav da Ariga unterhalte, bevor wir auf Zalit landen.«

*

Stichwort Thantur-Lok: Der arkonidische Name des Kugelsternhaufens M 13 im Sternbild des Herkules lautet Thantur-Lok. Er liegt etwa 20.000 Lichtjahre oberhalb der Milchstraßenhauptebene und gehört zum Halo der Galaxis. Die Entfernung zum Solsystem beträgt circa 34.000 Lichtjahre. Bei einem Durchmesser von etwa hundert Lichtjahren besteht er aus ungefähr 100.000 Sonnen.

Die erste Besiedlung des Kugelsternhaufens fand vor knapp 25.000 Jahren statt. Dort gründeten die Vorfahren der Arkoniden, die sich von den Akonen abgespalten hatten, im Verborgenen in der Nähe des Zentrums des Sternhaufens eine neue Kolonie im Arkonsystem. Sie blieb den akonischen Stammvätern auch in den folgenden Jahrzehnten und während des Großen Befreiungskrieges verborgen. Nach dem Ende der Kriege siedelten sich die siegreichen Arkoniden dort an.

Im Jahr 1750 NGZ, vor dem Posizid und gut hundert Jahre vor dem Beginn der Cairanischen Epoche, schloss sich die Allianz der Arkonidischen Kristallbaronien enger zu den Vereinigten Sternenbaronien Thantur zusammen. Die Struktur des nun wieder offiziell vereinigten Staatengebildes hat sich gegenüber der Allianz jedoch nicht allzu sehr verändert:

Im Kristallrat arbeiten die Kristallbarone zusammen, es gibt einen Primus inter Pares, den Thantur-Baron, der de facto das Erbe der alten Imperatoren angetreten hat.

Das Ewige Imperium existiert zwar weiter in seiner Messingwelt, hält sich aber offiziell aus allem heraus, wobei es Aktionen, die gemeinschaftlich angegangen werden, unterstützt. Es steht weiter für die Einheit der Arkoniden, nicht für einzelne Staatsteile.

Es heißt bislang, dass der aktuelle Thantur-Baron beizeiten auch das diesseitige Imperium wiedererrichten, keineswegs aber der Lemurischen Allianz beitreten wolle.

Das stabile Kerngebiet umfasst etwa tausend besiedelte Welten.

2.

Vertraue niemandem!

CAI CHEUNG

Mit Erleichterung sah ich, dass die Wiederherstellung des Thantur-Barons Larsav da Ariga beträchtliche Fortschritte gemacht hatte.

Er saß aufrecht in seinem Medobett, eine schlanke, fast hagere Gestalt, die sich in der schlichten terranischen Krankenmontur allerdings nicht sehr wohlzufühlen schien. Das verwunderte mich nicht. Er war Besseres gewöhnt.

Äußerlich wies nichts mehr auf seine schweren Verletzungen hin. Sein Gesicht war völlig wiederhergestellt. Der blondweiße Haarschopf über der hohen Stirn spross voll. Die helle Haut spannte sich etwas straff über den deutlich hervortretenden Wangenknochen; aus leicht rot schimmernden Augen betrachtete er mich neugierig. Nur der gepflegte weiße Bart fehlte, den er getragen hatte; er würde schnell nachwachsen.

Als der Thantur-Baron mich sah, versuchte er, die leichte Decke zurückzuschlagen, um die Beine aus dem Medobett zu schwingen, zuckte aber zusammen und hielt inne. Sogar terranische Spitzenmediker vermochten keine Wunder zu wirken.

»Wie geht es dir, Baron?« Unsere Kommunikation gestaltete sich mitunter etwas schwierig; da ich von höherem Geblüt als er war, hatte ich mittlerweile vorgeschlagen, auf sämtliche Anredefloskeln zu verzichten und uns ohne Titel anzusprechen.

»Den Umständen entsprechend«, antwortete er ruhig und bedächtig, fast introvertiert.

In diesem Augenblick haftete ihm etwas Sakrales an, etwas Priesterliches. Aber ich wusste, dass er machtbewusst war und kaum jemandem vertraute.

Mir schon gar nicht. Instinktiv sah er mich wohl als Person an, die seinen Machtanspruch gefährden und die glorreiche Zeit des imperialen Arkons wieder einführen konnte, obwohl mir nichts ferner lag als das.

Ich hockte mich auf die Kante des Medobetts.

»Aber ich möchte euren Medikern danken«, fügte er nach einer kurzen Pause hinzu. »Ich hätte nicht gedacht, dass sie mich so schnell so gut wiederherstellen können.«

»Ich werde den Dank weiterleiten«, versetzte ich. »Aber deshalb bin ich nicht hier.«

Larsav da Ariga ließ den Blick kurz durch das abgeschottete Zimmer der Medostation schweifen. Es war nüchtern und praktisch eingerichtet; nichts würde das Auge eines Thantur-Barons erfreuen.

Er machte mit der Hand eine lockere Wellenbewegung. »Das habe ich mir gedacht. Was liegt an?«

»Zwei Punkte. Die CAI CHEUNG befindet sich im Anflug auf Zalit und wird bald landen.«

Der Blick des Barons bewölkte sich leicht.

»Allerdings gab es bei der Kontaktaufnahme mit deinen Leuten einige ... unerklärliche Verzögerungen«, fuhr ich fort.

»Unregelmäßigkeiten?«

»Ich hatte den Eindruck eines ... Kompetenzgerangels. Als ob innerhalb der Verwaltungsstrukturen Uneinigkeit darüber herrscht, wer dich in Empfang nehmen soll.«

»Ah, ja.« Larsav da Ariga schloss kurz die Augen, wahrscheinlich, um sich besser konzentrieren und nachdenken zu können. Seine Gedanken gingen wohl in dieselbe Richtung wie meine.

Schließlich schlug er die Lider wieder auf. »Aber das ist nicht alles, befürchte ich. Da kommt mindestens ein zweiter Punkt.«

»Dem Funkverkehr konnten wir entnehmen, dass das Holuvasystem mittlerweile von deutlich stärkeren Verbänden gesichert wird.«

»Die habe nicht ich in Marsch gesetzt.«

»Sondern?«

»Wahrscheinlich mein Stellvertreter, der Ex-Mascant Jarak da Nardonn.«

Ein Mascant entsprach einem Reichsadmiral. Da Nardonn hatte diesen Posten innegehabt, bevor der Baron ihn zu seinem Stellvertreter gemacht hatte.

»Vertraust du ihm?«, fragte ich.

Larsav da Ariga schloss wieder die Augen. »Nun ja«, sagte er nach einer Weile und wedelte wieder mit der Hand. »Da Nardonn unterhält beste Beziehungen zur Flotte. Seine Berufung zu meinem Stellvertreter diente nicht zuletzt seiner Abberufung als Mascant.«

Er hat den Bock also zum Gärtner gemacht, fasste der Logiksektor kurz und knapp mit einer terranischen Redewendung zusammen.

Ich beschloss, nicht mehr um den heißen Brei herumzureden. »Traust du ihm einen Militärputsch zu?«

Der Baron öffnete die Augen wieder. »Es erscheint mir zumindest nicht ausgeschlossen.«

Langsam setzte sich vor meinem inneren Auge ein gewisses Mosaik zusammen. Zalit hatte, wie viele Planeten des arkonidischen Imperiums, eine gewisse Tradition, was Verschwörung, Putsch und Umsturz betraf.

»Wann werden wir auf Zalit landen?«, fragte der Baron übergangslos.

»Bald. Soll ich nachfragen?«

Larsav schüttelte den Kopf. »Arkonidische Mediker werden mich abholen und in eine Spezialklinik verlegen wollen.«

Ich wartete.

Offenbar bereitete es dem Thantur-Baron Schwierigkeiten, sich mir anzuvertrauen. Ich spürte deutlich, welche Überwindung es ihn kostete.

Aber es ging um nicht mehr und nicht weniger als sein Leben. Er war hoch intelligent und schien genau zu wissen, was die Stunde geschlagen hatte. Er musste Verbündete auf seine Seite ziehen, und ich war der einzige, der zur Verfügung stand.

»Ich möchte dich um einen Gefallen bitten«, sagte er schließlich.

Ich runzelte die Stirn. »Was hast du vor?«

»Die Chefmedikerin der CAI CHEUNG soll verlauten lassen, dass ich im Augenblick nicht transportfähig bin«, erklärte er bestimmt. »Ich möchte an Bord des Schiffes bleiben. Gleichzeitig soll sie meinen Leibarzt bitten, an Bord zu kommen.«

Offensichtlich fühlte er sich auf der CAI CHEUNG sicherer als auf Zalit. Ich konnte es ihm nicht verdenken. »Deinen Bauchaufschneider.«

»Bauchaufschneider Kerlin Bakk. Ich sage euch, wie ihr ihn erreichen könnt.«

Ich nickte. »Das lässt sich einrichten.«

Als ich aufstehen wollte, legte der Thantur-Baron schnell eine Hand auf meine. »Noch etwas.«

Ich war von seinem Verhalten überrascht. Aber Larsav da Ariga hatte es sich gründlich anders überlegt und mir einen Vertrauensvorschuss zugestanden. Nun gab es für ihn kein Zurück mehr. Wenn er meine Hilfe akzeptierte, konnte er sie ebenso gut vollumfänglich annehmen. Wenn ich ihn wirklich verraten wollte, standen mir schon genug Informationen zur Verfügung, dass es mir problemlos gelingen würde. Er hatte sich in meine Hand begeben und musste damit leben.

Oder sterben.

»Ich höre.«

»Könntest du ein paar deiner Leute damit beauftragen, sich ein wenig in der Stadt umzusehen? Hauptsächlich in der Klinik, in die ich verlegt werden soll, aber nicht nur dort?«

»Auch das wird sich einrichten lassen.« Ich hatte bereits ein Team im Sinn, das diesen Auftrag übernehmen konnte.

»Und ...« Er hielt kurz inne. »Mein Lebensgefährte wird sich melden und bitten, zu mir vorgelassen zu werden. Zaro da Gnotor. Überprüf ihn genau, aber erfüll ihm seinen Wunsch.«

Ich nickte erneut.

»Er hat mich auf meiner Reise begleitet«, fuhr der Baron fort, »ist dann aber nach Hause geflogen. Die Vernichtung der ARAZUN hat er über Funk mitbekommen.«

Larsav da Ariga hatte eine Tochter, Saylsu, die bei ihrer Mutter Otha da Quertamagin im Tharratsystem aufwuchs. Mittlerweile war er eine neue Beziehung eingegangen, diesmal mit einem wesentlich jüngeren Mann, der von Girmomar stammte, der Hauptwelt der gleichnamigen Baronie.

Zaro da Gnotor gilt als einer der führenden Mathematiker der Gegenwart, zerrte der Extrasinn eine der Informationen ins Bewusstsein, die ich bereits im aktuellen Arkon-Dossier des NDE gesehen hatte, das uns von Bull zumindest teilweise zur Verfügung gestellt worden war. Er hat manchmal etwas Weltabgewandtes, zugleich aber eine starke soziale Ader. Ungerechtigkeiten bereiten ihm beinahe körperliche Schmerzen. Du kannst ihn als das soziale Gewissen Larsav da Arigas sehen.

»Auch das ist kein Problem«, sagte ich. »Im Gegenzug erwarte ich aber, dass du dich an die Spielregeln hältst.«

Larsav da Ariga schien aufbrausen zu wollen, hielt sich aber im Zaum. »Und die wären?«

»Ich halte mich im Hintergrund, ohne mich zu verstecken. Mein Gesicht ist nicht mehr sehr bekannt in der Milchstraße des Jahres 2046 NGZ. Und du wirst mich nicht verraten, mit keiner Silbe meine Identität auch nur andeuten.«

»Selbstverständlich nicht.«

»Gut. Dann sind wir im Geschäft.« Ich stand endgültig auf und verließ die Medostation.

*

Als ich die Zentrale betrat, zeigten mehrere große Holos der Galerie, dass neben der CAI CHEUNG vier große arkonidische Schlachtschiffe gelandet waren und den Raumer sternförmig umzingelten.