Perry Rhodan 3098: Letzte Rast bei Mu Sargai - Leo Lukas - E-Book

Perry Rhodan 3098: Letzte Rast bei Mu Sargai E-Book

Leo Lukas

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Beschreibung

Mehr als 3000 Jahre in der Zukunft: Längst verstehen sich die Menschen als Terraner. Mit ihren Raumschiffen sind sie in die Tiefen des Universums vorgestoßen und dabei immer wieder außerirdischen Lebensformen begegnet; ihre Nachkommen haben Tausende von Planeten besiedelt und sich den neuen Umwelten angepasst. Perry Rhodan ist der Mensch, der den Terranern diesen Weg zu den Sternen eröffnet und sie seitdem begleitet hat. Nun steht er vor einer seiner größten Herausforderungen: Er wurde mit seinem Raumschiff, der RAS TSCHUBAI, vorwärts durch die Zeit in eine Epoche katapultiert, in der Terra und Luna verloren und vergessen zu sein scheinen. Mittlerweile hat er in einem Zwilling unseres Universums die beiden Himmelskörper wiederentdeckt und es mithilfe der Staubfürsten geschafft, sie in den Heimatzweig des "Dyoversums" zurückzubringen. Aus dem Mythos Terra ist wieder Realität geworden. In der Milchstraße eskaliert derweil die Situation: Die Cairaner und andere Mitgliedsvölker eines fernen Sternenbundes, die derzeit in der Milchstraße den Ton angeben, versuchen ihrerseits in dieses Zwillingsuniversum zu gelangen. Für ihr Trajekt, wie sie es nennen, brauchen sie das Supramentum und den unsterblichen Arkoniden Atlan. Das Supramentum wurde mittlerweile geschaffen, aber an Bord befindet sich nicht nur der originale Atlan, sondern auch ein optimierter Atlan, ein verbessertes Bio-Duplikat, das die Cairaner hergestellt haben. Während dieser Opt-Atlan nun seine Pläne vorantreibt, kehrt Atlan ein in die LETZTE RAST BEI MU SARGAI ...

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Nr. 3098

Letzte Rast bei Mu Sargai

Perry Rhodan und Gucky auf der Suche – Atlan ringt um seine Ritteraura

Leo Lukas

Cover

Vorspann

Die Hauptpersonen des Romans

Prolog: Der Bewusstseinssturm

1. Ein durchtriebener Plan

2. Die Dohle und der Kompass

3. Der Lichtriss

4. Imperator vs. Alligator

5. Aus dem Ruder

Zwischenspiel: Man kennt sich nun mal

6. Ein Hitzeschild für den General

7. Parapsychische Dämonen

8. Auf einem schmalen Grat

9. Mit der Tür ins Haus fallen

10. Ein schicksalhafter Blick zurück

Epilog: Ein Haarschnitt

Journal

Leserkontaktseite

Glossar

Impressum

Mehr als 3000 Jahre in der Zukunft: Längst verstehen sich die Menschen als Terraner. Mit ihren Raumschiffen sind sie in die Tiefen des Universums vorgestoßen und dabei immer wieder außerirdischen Lebensformen begegnet; ihre Nachkommen haben Tausende von Planeten besiedelt und sich den neuen Umwelten angepasst.

Perry Rhodan ist der Mensch, der den Terranern diesen Weg zu den Sternen eröffnet und sie seitdem begleitet hat. Nun steht er vor einer seiner größten Herausforderungen: Er wurde mit seinem Raumschiff, der RAS TSCHUBAI, vorwärts durch die Zeit in eine Epoche katapultiert, in der Terra und Luna verloren und vergessen zu sein scheinen.

Mittlerweile hat er in einem Zwilling unseres Universums die beiden Himmelskörper wiederentdeckt und es mithilfe der Staubfürsten geschafft, sie in den Heimatzweig des »Dyoversums« zurückzubringen. Aus dem Mythos Terra ist wieder Realität geworden.

In der Milchstraße eskaliert derweil die Situation: Die Cairaner und andere Mitgliedsvölker eines fernen Sternenbundes, die derzeit in der Milchstraße den Ton angeben, versuchen ihrerseits in dieses Zwillingsuniversum zu gelangen. Für ihr Trajekt, wie sie es nennen, brauchen sie das Supramentum und den unsterblichen Arkoniden Atlan.

Das Supramentum wurde mittlerweile geschaffen, aber an Bord befindet sich nicht nur der originale Atlan, sondern auch ein optimierter Atlan, ein verbessertes Bio-Duplikat, das die Cairaner hergestellt haben. Während dieser Opt-Atlan nun seine Pläne vorantreibt, kehrt Atlan ein in die LETZTE RAST BEI MU SARGAI ...

Die Hauptpersonen des Romans

Perry Rhodan – Der Terraner ergreift die letzte Chance, in den Golem vorzustoßen.

Atlan da Gonozal – Der letzte Ritter der Tiefe muss ungewöhnliche Prüfungen bestehen.

Gucky – Der Ilt versucht sich als Überall-zugleich-Retter.

Fräulein, Madame und Mutter Sargai

»Der Orden der Ritter der Tiefe wurde vor rund 2,2 Millionen Jahren gegründet, um die Nachfolge der Porleyter anzutreten und die kosmische Ordnung im Sinne der Kosmokraten zu wahren oder – wo nötig – zu schaffen.

Es existiert eine Charta mit Verhaltensregeln und Vorschriften. Etwa, dass ein Ritter der Tiefe augenblicklich den Kampf gegen das Böse aufzunehmen habe, sobald dieses sich zeige.

Eine Legende besagt, nach dem Tod des letzten Ritters würden alle Sterne erlöschen. Man vermutet, dass sich diese Legende auf das ›Element der Finsternis‹ bezieht. Interessanterweise kursiert eine ähnliche Legende unter den Völkern der den Chaotarchen dienenden Terminalen Kolonne TRAITOR. Sie spricht vom Ende alles Lebens im Kosmos, sollte TRAITOR fallen.«

(Enzyklopädia Terranica, aus den Datenspeichern der RAS TSCHUBAI)

»Mit dem Tod habe ich

nichts zu schaffen.

Bin ich, ist er nicht.

Ist er, bin ich nicht.«

(Epikur von Samos, ca. – 300 AZ)

Prolog

Der Bewusstseinssturm

1. August 2046 NGZ

Ein Mann stand neben einer Medoliege und betrachtete die darauf ausgestreckte Gestalt: sich selbst.

Die äußerliche Erscheinung war absolut identisch. Beide maßen von Kopf bis Fuß 187 Zentimeter. Sie waren gleich schwer, ihre Körper in gleicher Weise athletisch durchtrainiert.

Auf den weißblonden, schulterlangen Haaren lag derselbe Silberschimmer. Dieselbe Schwertnarbe zog sich über die linke Wange des markanten, scharf geschnittenen Gesichts.

Auch die Bauchdecke verunstalteten Narben, bei beiden die exakt gleichen. Allerdings war nur der Mann auf der Liege mehrmals während seiner langen Wanderschaften gezwungen gewesen, das Gerät, dem er die biologische Unsterblichkeit verdankte, zu verschlucken, um es vor feindlichem Zugriff zu retten. Der Zellaktivator war mit den primitiven Mitteln der damaligen terranischen Mediziner wieder herausoperiert worden.

Obwohl er es nicht selbst erlebt hatte, erinnerte sich der Stehende ebenso präzise daran. Denn sie hatten dasselbe fotografische Gedächtnis ... und denselben Stolz, der später verhindert hatte, die Dienste kosmetischer Chirurgen in Anspruch zu nehmen.

Am Kopfende der Liege, auf einem Beistelltischchen, stand eine Vase mit einem Strauß roter, rosa und weißer Nelken. Das waren die Lieblingsblumen der beiden Männer.

Freilich gab es auch gravierende Unterschiede.

Nach realer Lebenszeit war der Liegende um Jahrzehntausende älter. Der Jüngere verfügte zwar – als perfektes Bioplikat – über dessen gesamtes Wissen und all seine Erfahrung. Aber er verstand sich nicht einfach als originalgetreue Nachbildung, sondern mittlerweile als stark optimierte Version.

Weshalb er seinem Namen eine Vorsilbe hinzugefügt hatte. Seither nannte er sich Opt-Atlan.

*

Die dritte Person im mit Medotechnik vollgestellten Raum war Jasmyne da Ariga, schlank und hochgewachsen, mit hüftlangen weißen Haaren und für eine Arkonidin untypischen grünen Augen.

Auch sie war ein Bioplikat, aber ein ganz besonderes. Bei ihr handelte es sich um einen echten Prototypen, gewissermaßen um die Erstgeborene der Milchstraße.

Mit heftigen Armbewegungen wischte sie Holofenster zur Seite, die sie mehrlagig umschwirrt hatten wie vom Wind aufgewirbelte Ahornblätter.

»Zu viele Detailinformationen!«, rief sie ungehalten, an die Medopositronik gewandt, die alle Ergebnisse der zahlreichen Diagnoseapparate verknüpfte. »Fass mir in einfachen Worten zusammen, wie es um Atlan steht!«

»Er wurde aus der Suspension zurückgeholt und liegt nun in tiefer, sehr spezieller Betäubung«, sagte der Rechner, der mit Opt-TOIO, dem ebenfalls erheblich aufgewerteten zentralen Bordgehirn, verbunden war.

»Das weiß ich. Aber was ist das Spezielle daran?«

»Motorik und Sinnesorgane sind lahmgelegt. Jedoch arbeiten einige Areale seines Gehirns mit außergewöhnlich hoher und sprunghafter Intensität.«

»Warum?«

»Über die Gründe kann zum aktuellen Zeitpunkt nur spekuliert werden. Das Elektroenzephalogramm zeigt, dass sich Atlans Gehirn in einem nie da gewesenen Zustand befindet. Gamma-Wellen, Delta-, Theta-, Alpha- und Beta-Wellen wechseln sich in einem chaotischen Muster ab.«

»Und das bedeutet?«

»Die Deltawellen im Bereich von null Komma vier bis drei Komma null Hertz stehen für Tiefschlaf, Trance, Tiefenhypnose; die Thetawellen von drei bis acht Hertz für Meditation und tiefe Entspannung, Alphawellen zwischen acht und zwölf Hertz für leichte Entspannung, die bis einundzwanzig Hertz anschließenden Betawellen für Aufmerksamkeit und Intelligenzleistung. Die Hirnwellen von einundzwanzig bis achtunddreißig Hertz entsprechen permanenter Alarmbereitschaft. Der Gamma-Bereich zwischen vierzig und achtzig Hertz schließlich verarbeitet die Sinneswahrnehmung.«

»Was das Durcheinander der verschiedenen Wellenarten bei Atlan bedeutet, will ich wissen!«

»Mit relativ hoher Wahrscheinlichkeit liegt bei Atlan da Gonozal ein Zustand des introspektiven Hyperbewusstseins vor, einer einzigartigen, spezifischen Mischung aus Traum, Trance und Hellwachsein.«

»Woraus resultiert dieser Zustand? Stellt er eine lebensgefährliche Bedrohung dar?«

»Das«, antwortete die Positronik, »ist zum gegebenen Zeitpunkt leider gänzlich unbekannt.«

*

Jasmyne da Ariga war eine Mnemo-Mediatorin. Seit Längerem bemühte sie sich, das Gehirn des ursprünglichen, »alten« Atlan zu erforschen und zu erschließen.

Dies gestaltete sich aus mehreren Gründen schwierig. Einige Gedächtnisinhalte waren unzugänglich, gleichsam verschüttet; und zwar just solche, die für das Trajekt von entscheidender Bedeutung sein könnten.

Es handelte sich um jene Inhalte, die von den Kosmokraten gelöscht worden waren: Atlans Erinnerungen daran, was er einst in jenem ominösen Bereich hinter den Materiequellen erlebt hatte.

Mangels jeglichen Wissens darüber war und blieb ungeklärt, ob Atlan damals –, im Jahr 3601 AZ und 14 NGZ – aus der Namenlosen Zone tatsächlich in die Sphäre der Kosmokraten gelangt war.

Auf ANNDRIM, der Raumstation im Orbit von Andrabasch, dem einzigen Planeten innerhalb der Synchronie, hatte man ihm erklärt, seine ÜBSEF-Konstante verfüge über einen »septadimensionalen Schatten«. Ein solcher sei bezeichnend für all jene, die sich schon hinter den Materiequellen oder den -senken aufgehalten hätten. Der Vektor deute auf Erstere hin; jedoch sei die Spur einer Manipulation feststellbar.

Der Pilot eines Atopenraumschiffs, der sogenannte Pensor, hatte die auf ANNDRIM gewonnenen Erkenntnisse bestätigt. Außerdem deutete er an, der Raum hinter den Materiequellen sei jedenfalls grundsätzlich derselbe wie hinter den Materiesenken. Vom Standarduniversum aus gesehen befänden sich die Bereiche aber quasi auf entgegengesetzten Seiten, und der Weg dorthin sei entsprechend verschieden.

Spielte es also keine besondere Rolle, aus welcher Richtung Atlan gekommen war?

Nur, wenn man analog dazu glaubte, zwischen Kosmokraten und Chaotarchen bestünde kein großer Unterschied – eine Meinung, die selbstverständlich niemand vertrat, der klaren Verstands und einigermaßen bei Sinnen war.

Jedenfalls war Atlan im Jahr 204 NGZ mit einem konkreten Auftrag der Kosmokraten zurückgekehrt, woher auch immer. Dass sie ihm einen Teil seines Gedächtnisses geraubt hatten, trug nicht gerade dazu bei, sein Vertrauen in die Hohen Mächte zu stärken.

Was wiederum Opt-Atlan ihm sehr gut nachfühlen konnte.

*

»Uns läuft die Zeit davon«, sagte Jasmyne da Ariga. »Ich kann nicht warten, bis sich das EEG beruhigt hat.«

»Du willst die Intervention trotz seines ungeklärten, potenziell kritischen Geisteszustands wagen?«

»Ja. Eventuell wird sie mir dadurch sogar erleichtert.«

Opt-Atlan erhob keinen weiteren Einwand. Auch er war sich des Zeitdrucks bewusst, unter dem sie standen.

»SEMT-Haube positionieren!«, befahl Jasmyne da Ariga dem Medoservo.

Eine Apparatur von der Form eines 30 Zentimeter hohen, aufgeschnittenen Metall-Ellipsoids mit einem eingesetzten, transparenten Visier aus Panzertroplon senkte sich auf Atlans Kopf. Dünne Tentakel fuhren aus der Liege und fixierten das Ei mit einer Feinfühligkeit, zu der menschliche Finger kaum fähig gewesen wären.

Jasmyne da Ariga setzte ebenfalls eine SEMT-Haube auf. Auch diese Geräte und ihre paramechanischen Schnittstellen waren von den Ingenieuren des Schiffsverbunds optimiert worden.

Simultane Emotio- und Mnemo-Transmission war eine Weiterentwicklung der SERT-Technik, wie sie unter anderem terranische Emotionauten benutzten. Während diese Mentalimpulse in positronische Steuerbefehle umwandelte, ermöglichte SEMT die Übertragung der Gedanken und Gefühle einer Person auf eine andere.

Die Erforschung dieser Technologie hatte zumindest offiziell lange Zeit brachgelegen, aus moralischen Gründen: Das gewaltsame Eindringen in die Gedankensphäre eines Individuums galt als fragwürdig.

1514 NGZ war das Verfahren, das manche auch »technische Telepathie« nannten, trotzdem eingesetzt worden, um Attilar Leccores Erinnerungen an die von ihm wahrgenommene ÜBSEF-Konstante des Atopen Mattan Addaru Dannoer zu visualisieren. Mitte des 16. Jahrhunderts NGZ war die SEMT-Technologie dann bereits so allgemein zugänglich, dass sie sogar für die Partnersuche verwendet wurde. Kontaktwillige Personen nahmen Sinneseindrücke des eigenen Körpers auf, bis hin zu Geruch und Hautbeschaffenheit, und gaben sie frei, um eventuell Interessierten vermitteln zu können, wie sie rochen oder sich anfühlten.

Illustration: Dirk Schulz

Gleichwohl barg das Verfahren nach wie vor Risiken. Die Gefahr bestand, dass empfangene Gedanken und Gefühle des »Senders« jene des »Empfängers« überlagerten, sodass dieser einem erhöhten sensorischen Stress ausgesetzt wurde.

Dieser Nebeneffekt konnte durch Eingewöhnung überwunden werden. Danach war der Empfänger in der Lage, die fremden Gedanken quasi zu sortieren.

Dies galt jedoch nur für Personen ohne Mentalstabilisierung. Atlan da Gonozal hingegen verfügte über einen Monoschirm, der ihn vor dem Zugriff von Telepathen oder via SEMT-Haube schützte ...

»Du bist dir sicher, dass du bei deinem Versuch nicht mehr Schaden anrichten als Nutzen daraus ziehen wirst?«, fragte Opt-Atlan.

»Relativ sicher«, sagte Jasmyne da Ariga. »Ich will ja Atlans Gedanken nicht auslesen, sondern nur gewissermaßen anklopfen.«

»Gut. Dann sieh zu, dass du eine Tür findest, auch wenn sie dir verschlossen sein sollte, und klopf an!«

*

Die Mnemo-Mediatorin setzte sich auf einen Stuhl, aktivierte die SEMT-Verbindung, schloss die Augen und sank in Trance.

Opt-Atlan betrachtete sein Ebenbild, seinen Vorgänger. Kein Muskel regte sich, kein Fältchen zuckte in dem für arkonidische Verhältnisse ungewöhnlich sonnengebräunten Gesicht.

Ein alter terranischer Ammenspruch kam ihm in den Sinn: Was du nicht willst, das man dir tu, das füg auch keinem andern zu!

Kants Kategorischer Imperativ für Kleinkinder ...

Tat er Alt-Atlan etwas an, das er sich selbst nicht zumuten würde? Nein. Er, Opt-Atlan, nahm jedes Risiko auf sich, um das große Ziel zu verwirklichen: das Trajekt durch die Zerozone in die endgültige Sicherheit der anderen Hälfte des Dyoversums.

Ein unersetzlich wichtiger Bestandteil des Projekts war Alt-Atlans Ritteraura. Diese hing nur ihm an. Die Cairaner hatten sie trotz aller erbeuteten Superintelligenzen-Technik nicht zu bioplizieren vermocht, ebenso wenig wie die Parafähigkeiten des Mausbibers Gucky.

»Dank Jasmyne weiß ich«, sagte Opt-Atlan sehr leise, fast tonlos, zum Liegenden, »wie sehr dir deine Aura ohnehin zuwider ist. Mit Freuden helfen wir dir, dieses Schandmal deiner Kosmokratenknechtschaft wieder abzulegen.«

Er teilte die Erinnerungen und daher das Gefühl, von den Hohen Mächten missbraucht worden zu sein. Atlans Instrumentalisierung als Orakel von Krandhor; seine unfreiwillige Versetzung als Agent der Kosmokraten in die Galaxis Alkordoom; und, und, und. Nicht zuletzt die Manipulation, wenn nicht gar unwiederbringliche Löschung von Teilen seines Gedächtnisses.

Opt-Atlan konnte das Gefühl der Verdinglichung und der darin beschlossenen Erniedrigung gut verstehen. Dass Atlans Erinnerung an die Vorgänge hinter den Materiequellen vollkommen getilgt worden war, empfand er gleichermaßen als unfassbare Herabsetzung.

Auch das verband sie. Denn war ihm nicht fast genau dasselbe geschehen, wenn nicht sogar noch intensiver?

Er bezweifelte nicht, dass die Cairaner in bester Absicht handelten. Jedoch änderte das nichts daran, dass sie sich seiner bedient hatten. Und nicht nur seiner, auch Tausender anderer Geschöpfe, Besatzungsmitglieder der Pseudo-THORA, Bioplikate.

Darum hatte er rebelliert. Wo das Vorbild sich mit dem Joch der Ritteraura abgefunden hatte, also am Ende unterlegen war, hatte Opt-Atlan gekämpft. Für sich, für Jasmyne da Ariga und die anderen Bioplikate, sehr wohl auch für den alten Atlan.

Er hatte sie alle befreit. Sich, seine Stammesschwestern und -brüder, sein biologisches und mentales Vorbild Atlan, sogar das Raumschiff THORA, das ursprünglich ebenfalls nur als Ersatz, als Surrogat, als Zweitbesetzung geplant gewesen war.

Alt-Atlan würde ihn verstehen und – wie er – für die Cairaner nichts übrighaben als Misstrauen und Ablehnung. Und letztlich würde er Opt-Atlan dankbar sein. Weil er ihm half, die jahrtausendealte Last von seinen Schultern zu nehmen: die Aura eines Ritters der Tiefe, die zu tragen die Kosmokraten ihn verdammt hatten, und die ungeheure Verantwortung, die sie ihm damit und mit der dummen Legende aufgebürdet hatten.

Opt-Atlan glaubte nicht, dass die dunkle Prophezeiung sich jemals bewahrheiten würde. Für ihn klang sie abgeschmackt, allzu hochtrabend und mystisch.

Wie sollten wegen des Todes eines einzelnen Mannes sämtliche Sterne im Kosmos verlöschen?

Gewiss, alles ging einmal zu Ende, auch das Leben eines biologisch Unsterblichen. Opt-Atlan war sich sehr wohl dessen bewusst, dass die angestrebte Operation schwierig werden würde. Die Ritteraura und Alt-Atlan waren mittlerweile eng miteinander verwoben.

Möglich also, dass sein Vorgänger die Ablösung der Aura nicht überleben würde. Aber immerhin wäre damit sein Sklavendasein beendet, und er würde in Freiheit sterben können.

Das kaum hörbare Summen der SEMT-Verbindung wurde noch leiser. Jasmyne da Ariga schlug die Augen auf und straffte sich.

»Hast du etwas gefunden?«, fragte Opt-Atlan.

»Ich bin tatsächlich auf eine Art Pforte gestoßen, die mir den Zutritt versperrte. Aber ich hatte den Eindruck, dass sich dahinter etwas tut.«

»Hast du angeklopft?«

»Was dachtest du denn? Wie gesagt, ich vermochte nicht hindurchzugehen.«

»Irgendeine Ahnung, was ...?«

»Nur, dass hinter der Tür einerseits ein großes, unerhörtes Schweigen herrscht – während andererseits zugleich ein ebenso unerhörtes Geschehen abläuft.«

Opt-Atlan überflog die holografischen Anzeigen des Elektroenzephalogramms. »Die Wellen wechseln sich immer noch in rascher, unregelmäßiger Folge ab.«

»Dort tobt ein wahrer Bewusstseinssturm, ja.«

»Unternimm später einen weiteren Versuch.« Er deutete auf das Chronometer. »Jetzt müssen wir uns der Außenwelt zuwenden. Ich rechne in Bälde mit einer Antwort von Perry Rhodan.«

»Welcher Art?«

1.

Ein durchtriebener Plan

»Die Frist läuft ab«, sagte Gucky.

»In weniger als einer Viertelstunde«, bestätigte Perry Rhodan.

»Willst du's wirklich bis zum letzten Augenblick ausreizen?«

»Es handelt sich ja nicht um ein Ultimatum«, sagte Rhodan seelenruhig. »Sondern um Bedenkzeit, die ich erbeten habe und die mir gewährt wurde.«

»Schon, aber wir sind längst einsatzbereit. Der Plan steht. Nicht, dass ich ihn für so wahnsinnig genial hielte ...«

»Er wurde zusammen mit ANANSI und den führenden Strategen der RAS TSCHUBAI entwickelt. Wir haben ihn bis ins Detail ausgearbeitet und nach allen Regeln der Kunst überprüft.«

»Ja, ja. Ich weiß schließlich keinen besseren. Deshalb habe ich zugestimmt. Aber da alle Vorbereitungen abgeschlossen sind, könnten wir ebenso gut gleich losschlagen.«

»Warum so ungeduldig, Kleiner?«

»Im Golem haben sie ebenfalls«, Gucky krümmte die Finger zu Anführungszeichen, »›führende Strategen‹. Und nicht zuletzt den wahrscheinlich besten, weil erfahrensten von allen.«

»Du meinst den zweiten Atlan.«

»Wen sonst? Ich bin sicher, dass er nicht bloß Däumchen dreht und darauf wartet, was uns eingefallen ist.«

Der Mann war schließlich ein absolut originalgetreuer Nachbau des echten Atlan da Gonozal und verfügte über praktisch dieselben Fähigkeiten.

»Ein paar Minuten Auf oder Ab machen wohl kaum einen Unterschied«, sagte Zemina Paath.

»Da wäre ich mir nicht so sicher. Perry und ich haben unzählige Male Situationen erlebt, in denen es auf Bruchteile von Sekunden ankam.«

»Nicht nur ihr.« Die Thesan sprach perfekt Interkosmo, wenn auch mit einem fremdartigen Akzent. »Und du weißt so gut wie ich, dass Voreiligkeit manchmal – wie sagt ihr? – ›in Teufels Küche‹ führt.«

Dabei ahmte sie Guckys Geste nach. Die hochgewachsene, fast elfenhaft grazile und doch sehr feminin proportionierte Humanoide hatte an der rechten Hand fünf Finger; an der linken hingegen fehlten die beiden äußeren. Auf allen verbliebenen, außer den Daumen, saßen verschieden gestaltete Fingerhüte, die keineswegs nur als Schmuck dienten. Unter anderem vermochte sie damit die Sensorgruben cairanischer Raumschiffe zu betätigen.

Um den schlanken, langen Hals lag eine handbreite Krause, ebenfalls vollgestopft mit hochwertiger Mikrotechnik. Bei Bedarf konnte ein Helm ausgefahren werden, der den Kopf halbkugelförmig umgab. Zeminas auffallend helle Haut kontrastierte stark mit den schwarzen, bläulich schimmernden, kurz geschnittenen Haaren.

Sie blickte Gucky aus blitzblauen Augen an, die ein wenig schräg standen und von schmalen Brauen überwölbt waren wie von dunklen Mondsicheln.

»Hou«, sagte sie. »Bist du nervös?«

»Ich bin nie nervös.«

Sowohl die Thesan als auch Perry Rhodan enthielten sich eines Kommentars. Gucky wusste trotzdem, dass sie ihm nicht glaubten. Er glaubte sich ja selbst nicht.

Was genau ihm an der Planung des kommenden Einsatzes missfiel, hätte er nicht sagen können. Da war bloß ein mulmiges Gefühl in der Magengegend ...

Er zog eine Mohrrübe aus der Oberschenkeltasche, biss die Spitze ab und kaute darauf herum.

*

Kurz nachdem die RAS TSCHUBAI aus dem Sternenrad gekommen und den Hyperfunkhinweisen nachgegangen war, hatte Perry Rhodan vom Kommandanten des Golems die Auslieferung Atlans gefordert.

Dies stellte er als Bedingung, damit die Galaktiker gemeinsam mit den Cairanern die Verwirklichung des Trajekts in Angriff nehmen könnten. Entsprechende Vorgespräche waren geführt worden.

Opt-Atlan hatte kühl erwidert, dass er keine Hilfe benötige. Wieso sollte er Atlan herausgeben und sich somit in eine schwächere Verhandlungsposition bringen?

Im Gegenteil hatte er dafür, dass der Golem den Kugelsternhaufen M 13 verließ, einen Preis genannt. Für seinen endgültigen Rückzug aus der Milchstraße verlangte er niemand anderen als Perry Rhodan, quasi als Back-up für Atlan!

Die Frist war auf drei Stunden Normzeit bemessen. Sein Angebot, hatte Opt-Atlan klargestellt, galt nur, wenn während dieser Zeitspanne kein einziges Raumschiff den Golem attackierte.

Dann hatte er, ohne weitere Gegenargumente zuzulassen, brüsk die Funkverbindung unterbrochen.

Der echte Atlan, dachte Gucky, würde ganz genau so vorgehen.

*

Rhodan hatte sofort beschlossen, das Angebot anzunehmen; freilich auf seine Weise.

Er wollte diese vielleicht letzte Gelegenheit nutzen, in den Golem vorzudringen. Jedoch nicht, um sich dem Supramentum zu ergeben oder gar zur beliebigen Verfügung zu stellen – sondern um Atlan zu befreien.

Das war das Ziel der unmittelbar bevorstehenden Kommandoaktion. Gucky, der sich unverzüglich als Mitglied des Einsatzteams nominiert hatte, wusste nach wie vor nicht, was er von dem getroffenen Arrangement halten sollte.

Perry, Zemina und er saßen in der Steuerkanzel einer Space-Jet der ZALTERTEPE-Klasse, in Kontursesseln, Rhodan arbeitete dabei an den Kontrollen. Sie trugen maßgeschneiderte schwere SERUN-Kampfanzüge, auch die Thesan. Sonst trug sie fast immer eine hautenge, einteilige Kombination aus einem rötlich changierenden Stoff, auf dem sich blaue Bahnen und Linien abzeichneten, als könnte man ihre Organe sehen.

Das diskusförmige, 36 Meter durchmessende Beiboot war vollgepackt bis zum Rand. Sie hatten zwei Notfalltransmitter an Bord, deren Reichweite zehn Lichtstunden betrug.

Außerdem waren zehn Kampfroboter vom Typ TARA-IX-INSIDE über den Innenraum verteilt. Sie nutzten förmlich jede Nische.

Es handelte sich um Konstruktionen mit einem kegelstumpfförmigen Rumpf und vier Multifunktions- und Waffenarmen. Der Basisdurchmesser betrug 65 Zentimeter, die Gesamthöhe mitsamt dem halbkugeligen Ortungskopf 1,90 Meter.

In Ruhestellung schmiegten sich die Arme an den Grundkörper. Beine hatten die speziell für den Einsatz in geschlossenen Räumen entwickelten Maschinen nicht. Ihre Fortbewegung erfolgte auf Antigrav- oder Prallfeldern.

Die Zentral-Individual-Steuerung war biopositronisch ausgelegt. Die Offensivbewaffnung bestand aus je einem Impuls- und Intervallstrahler sowie zwei Kombistrahlern, wahlweise im Thermo-, Desintegrator- oder Paralysator-Modus einsetzbar. Zudem war ein Traktorstrahlemitter eingebaut. Als Defensivsystem diente ein Hyperenergie-Überladungsschirm. Alles in allem große Kaliber.

Gucky war kein großer Fan von Kampfrobotern. Wenn überhaupt, mochte er sie nur als passive Bestandteile eines von ihm selbst dirigierten, telekinetischen Balletts. Jedoch leuchtete auch ihm ein, dass in diesem Fall eine gewisse kybernetische Rückendeckung angeraten war.

Weiterhin hatten sie, als wäre es nicht schon eng genug, Zemina Paaths Paau an Bord genommen. Der 160 Zentimeter hohe und je einen Meter breite und tiefe Koffer war aus einem blauen, fein gemaserten Material gefertigt. Er glänzte metallisch. Die Oberfläche fühlte sich jedoch, wie Gucky mittlerweile wusste, wie warmes Leder oder Haut an.