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In der Milchstraße schreibt man das Jahr 2072 Neuer Galaktischer Zeitrechnung. Dies entspricht dem Jahr 5659 nach Christus. Über dreitausend Jahre sind vergangen, seit Perry Rhodan seiner Menschheit den Weg zu den Sternen geöffnet hat. Noch vor Kurzem wirkte es, als würde sich der alte Traum von Partnerschaft und Frieden aller Völker der Milchstraße und der umliegenden Galaxien endlich erfüllen. Die Angehörigen der Sternenvölker stehen für Freiheit und Selbstbestimmtheit ein, man arbeitet intensiv zusammen. Doch entwickelt sich in der kleinen Galaxis Cassiopeia offensichtlich eine neue Gefahr. Dort ist FENERIK gestrandet, ein sogenannter Chaoporter. Nachdem Perry Rhodan und seine Gefährten versucht haben, gegen die Machtmittel dieses Raumgefährts vorzugehen, bahnt sich eine unerwartete Entwicklung an: FENERIK stürzt auf die Milchstraße zu. Die Sternenvölker der Galaxis beschließen, sich im Angesicht dieser unberechenbaren Gefahr enger zusammenzuschließen. Der Arkonide Atlan soll die Verteidigung der Milchstraße organisieren. Endlich kehrt auch die RAS TSCHUBAI zurück in die Milchstraße – und gerät unter FREUNDLICHES FEUER ...
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Seitenzahl: 148
Veröffentlichungsjahr: 2022
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Nr. 3163
Freundliches Feuer
Atlan befiehlt Operation Arkonstahl – es ist der Angriff auf die RAS TSCHUBAI
Robert Corvus
Cover
Vorspann
Die Hauptpersonen des Romans
1. Linearraumtorpedos
2. Pflichten
3. Blockade
4. Der unwillkommene Gast
5. Vor der Schlacht
6. Abkommandiert
7. Konsequenz
8. Eskalation
9. Anders
10. Freunde in Not
11. Verfolgung
12. Führung
13. Verwüstung
14. Die zweite Welle
15. Roboterethik
16. Maskenträger
17. Container
18. Wolf
19. Ein ungeliebter Verbündeter
20. Atlans Angebot
21. Begegnung der Unsterblichen
22. Härte
23. Kommando Alaska
24. Teilevakuierung
25. Zündung
26. Freunde
27. Fesseln
28. Befehle
29. Schleier
30. Die Jäger
31. Gefangenschaft
32. Flucht
33. Last
34. Katastrophe
35. Abtauchen
36. Die Geheimwaffe
Leserkontaktseite
Risszeichnung Kobraschiff der Yodoren
Impressum
In der Milchstraße schreibt man das Jahr 2072 Neuer Galaktischer Zeitrechnung. Dies entspricht dem Jahr 5659 nach Christus. Über dreitausend Jahre sind vergangen, seit Perry Rhodan seiner Menschheit den Weg zu den Sternen geöffnet hat.
Noch vor Kurzem wirkte es, als würde sich der alte Traum von Partnerschaft und Frieden aller Völker der Milchstraße und der umliegenden Galaxien endlich erfüllen. Die Angehörigen der Sternenvölker stehen für Freiheit und Selbstbestimmtheit ein, man arbeitet intensiv zusammen.
Doch entwickelt sich in der kleinen Galaxis Cassiopeia offensichtlich eine neue Gefahr. Dort ist FENERIK gestrandet, ein sogenannter Chaoporter. Nachdem Perry Rhodan und seine Gefährten versucht haben, gegen die Machtmittel dieses Raumgefährts vorzugehen, bahnt sich eine unerwartete Entwicklung an: FENERIK stürzt auf die Milchstraße zu.
Die Sternenvölker der Galaxis beschließen, sich im Angesicht dieser unberechenbaren Gefahr enger zusammenzuschließen. Der Arkonide Atlan soll die Verteidigung der Milchstraße organisieren. Endlich kehrt auch die RAS TSCHUBAI zurück in die Milchstraße – und gerät unter FREUNDLICHES FEUER ...
Atlan – Der Arkonide greift nach der RAS TSCHUBAI.
Perry Rhodan – Der Terraner verwehrt den Zugriff auf die RAS TSCHUBAI.
Farbaud – Der Quintarch bleibt auf der RAS TSCHUBAI.
Bouner Haad – Der Haluter hilft den Kleinen der RAS TSCHUBAI.
Alaska Saedelaere – Der kosmische Mensch kämpft um die RAS TSCHUBAI.
Zanya Ullita
1.
Linearraumtorpedos
»Halbraum-Gefechtseinheiten bereit machen!«
Trotz der Ruhe, die in der Stimme von Kommandant Muntu Ninasoma lag, begriff Axelle Tschubai, dass die Lage ernst war. Ein Schwarm Linearraumtorpedos raste auf das Schiff zu, das sich mit zweimillionenfacher Lichtgeschwindigkeit durch die Librationszone bewegte – ebenso schnell, wie der Chaoporter derzeit durch die Kluft auf die Milchstraße zustürzte.
Zum dritten Mal innerhalb einer Minute vergewisserte sich Axelle mit schnellem Blick, dass sie niemandem im Weg stand. Konzentrierte Betriebsamkeit erfüllte die Zentrale. Aus den vier Antigravliften und den beiden Hauptschotten stießen weitere Besatzungsmitglieder zu jenen, die bereits an den Stationen tätig waren.
Der Gefechtsmodus gebot in den meisten Bereichen eine Dreifachbesetzung. Wer im Moment des Alarms aktiven Dienst versah, übernahm die Leitung.
Die erste Pflicht der Verstärkungen bestand darin, sich einen Lageüberblick zu verschaffen. Um die einzelnen Stationen lagen Schallschutzfelder, damit die Einweisung in der Energieverteilung nicht die benachbarten ANANSI-Spezialisten störte und der Feuerleitstand nicht von der Kommandantur für die Landungstruppen abgelenkt wurde.
Da Axelle außerhalb dieser Felder stand, am Backbordschenkel der Ellipse inmitten der Begrünung aus olympischen Breitfächerfarnen, war das Treiben an den Stationen für sie lautlos. Viele der Spezialisten stießen scheinbar ziellos die Hände vor, wischten durch die Luft oder zeigten ins Nichts. In Wirklichkeit bedienten sie Sensorfelder und durchforsteten Holoprojektionen, die nur für sie und die Kameraden mit demselben Aufgabenbereich sichtbar waren.
Inmitten der Stationen wölbte sich der 17 Meter durchmessende Haupt-Hologlobus. In seinem Kern schwebte das Symbol für die RAS TSCHUBAI, das in chaotischem Muster von gut einhundert Trugbild-Projektionen umschwirrt wurde. Diese gaukelten der feindlichen Zielerfassung vor, das Schiff zu sein. Dabei tauchten manche sogar durch die Markierung der RAS TSCHUBAI hindurch.
Obwohl das Symbol für die RAS TSCHUBAI innerhalb der Projektion stillstand, absolvierte der Kugelraumer in Wirklichkeit einen ebenso wilden Tanz wie seine energetischen Abbilder. Das war auf einer Außensicht-Simulation auf einem der Nebenschirme gut zu sehen. Diese rechteckigen, gewölbten Darstellungen fassten den Hologlobus in einem vier Meter hohen Band ein, das ihn in der unteren Hälfte umlief.
Angesichts der abenteuerlichen Richtungswechsel insbesondere in Momenten der Überlagerung mit den sensorisch identischen Trugbildern wurde Axelle flau im Magen bei dem Gedanken, was geschähe, wenn auch nur für eine Sekunde die Andruckneutralisatoren ausfielen. Man bräuchte einen SERUN, um nicht an einer Innenwand zu Brei zerquetscht zu werden. In der Zentrale trug kaum jemand einen solchen Schutzanzug.
Ninasoma stand mit auf dem Rücken übereinandergelegten Armen vor seinem Kommandantensessel. Er wirkte wie ein hölzernes Bildnis, während er den Hologlobus betrachtete.
Auf der Ninasoma gegenüberliegenden Seite leuchtete flammend rot ein Dutzend anfliegender Linearraumtorpedos. Solange sich die RAS TSCHUBAI im Halbraum aufhielt, waren ihre Schirme nicht einsetzbar. Mit einer Ausnahme: Der Linearraumschirm modulierte die Halbraumblase, in die eingehüllt sich das Schiff bewegte. Jedes Objekt, das zu ihm vordringen wollte, musste die Modulation der eigenen Halbraumblase exakt auf jene der RAS TSCHUBAI abstimmen, um nicht hochdimensional an ihr vorbeizugleiten. Der Tevver-II-Linearkonverter veränderte die Modulation ständig und in unvorhersehbarem Muster, um diese Anpassung zu verhindern.
Falls den Zielrechnern der Torpedos jedoch die Angleichung gelänge, müsste das Raumschiff jeden Treffer allein mit der Rumpfpanzerung auffangen – und nach allem, was Axelle darüber wusste, bestanden Torpedos im Wesentlichen aus einem Triebwerk und einer möglichst durchschlagenden Sprengladung. Wieder dachte sie an Andruckneutralisatoren, die infolge einer Detonationskette ausfallen mochten.
Die auf einer runden Nebenplattform positionierte Station für Antriebe und Sensorik zeigte durch eine Grünfärbung des umgebenden Holoprojektor- und Schallschutzfelds eine Durchsage von allgemeinem Interesse an. »Beschleunigen auf Überlichtfaktor fünf Millionen!«
Überrascht versicherte sich Axelle mit einem Blick in den Hologlobus, dass die RAS TSCHUBAI direkt auf die Linearraumtorpedos zuhielt. Welchen Sinn ergab es, die Zeitspanne bis zum Zusammentreffen zu verkürzen?
Besser, sie störte keinen der Spezialisten. Durch einen der Antigravlifte schwebte sie aufwärts und trat auf die Empore. In der Spitze dieses GALERIE-Levels saß Perry Rhodan im Sessel des Missionskommandanten. Er hatte die Sichtbarkeit der Holos, die in drei Lagen hufeisenförmig vor ihm leuchteten, nicht eingeschränkt, sodass auch Axelle die halb transparenten Darstellungen erkannte.
Zu ihrer Überraschung schwenkte Rhodan seinen Sessel zu ihr, bevor sie auf der Besucherbank ein Stück hinter ihm Platz genommen hätte. »Fragen für die Missionschronik?«
»Das hat Zeit bis nachher«, sagte sie hastig. »Nachdem sich alles wieder beruhigt hat.«
»Für eine ganze Weile könnten dies die letzten ruhigen Minuten sein«, meinte Rhodan. »Stell deine Fragen!«
Sie schluckte. »In Ordnung.« Sie zog ihren wie einen Stift geformten Chronikspeicher aus einer Beintasche ihrer Bordkombination und startete die Aufnahme. »Wieso beschleunigen wir?«
»Um die Torpedos auszumanövrieren.«
»Halten wir denn nicht auf sie zu und vergrößern damit die Gefahr eines Treffers?«
»Das gibt ihnen eine Chance, uns zu treffen«, räumte Rhodan ein. »Aber nur genau eine. Sobald wir sie passiert haben, können sie uns nicht mehr einholen.«
»Weil sie keinen Überlichtfaktor von fünf Millionen erreichen!«, begriff Axelle.
Rhodan nickte mit einem zufriedenen Lächeln.
»Sie können wenden, wenn sie uns verfehlen ...«
»... weil sie zum Beispiel eines der Trugbilder angreifen oder an unserer Linearraumblase vorbeigleiten ...«, ergänzte Rhodan.
»... aber sie werden uns nicht mehr einholen!«
Axelle blickte an Rhodan vorbei in den Hologlobus. Sie schätzte die Zahl der roten Punkte, die die anfliegenden Torpedos zeigten, auf einhundert.
»Für die Missionschronik: Die RAS TSCHUBAI verfügt über zehn Librationszonen-Trugbildprojektoren.« Rhodan schmunzelte. »Jeder davon kann fünfzehn Scheinziele erzeugen. Hinzu kommen die Kapazitäten der Halbraum-Gefechtseinheiten. Wenn mehr als zwei Torpedos unser Schiff erreichen würden, wäre ich verwundert. Dass die dann auch noch die richtige Frequenz finden, um den Linearraumschirm zu durchdringen, ist praktisch ausgeschlossen. Und das traue ich mich, als Voraussage in der offiziellen Chronik zu dokumentieren.« Sein Schmunzeln wurde zu einem breiten Grinsen.
Das verwirrte Axelle, aber als Rhodans Miene auf einen Schlag ernst wurde, brach ihr der Schweiß aus.
Er schwenkte zu seinen Anzeigen herum. Offenbar hatte er eine akustische Meldung erhalten, vielleicht über ein Mikrofeld in seinem Ohr. Zielstrebig vergrößerte er eines der Holos.
Axelle trat dicht hinter seinen Sessel. Mit den aufgelisteten Leistungsdaten vermochte sie auf die Schnelle nichts anzufangen, aber die rotierende Schemazeichnung zeigte einen Torpedo, dessen Form ihrem Chronikspeicher ähnelte.
»Arkonidisch«, murmelte Rhodan.
»›Arkonidisch‹? Was meinst du mit ›arkonidisch‹?«
Er stach mit dem Finger in die Luft, was eine Detaildarstellung in einem Nebenholo aufrief. Für Axelle war sie ebenso unverständlich wie die Überblicksdaten.
»Linearraumtorpedos arkonidischer Bauart«, erläuterte Rhodan kaum weniger wortkarg. »Das ist schlecht.«
»Wieso?« Axelle ärgerte sich darüber, dass sich ihre Stimme überschlug. Wenn ihr doch nie der Gedanke mit den ausfallenden Andruckneutralisatoren gekommen wäre! Als formloser Matsch an einer Wand zu enden, war wirklich das Letzte, was sie sich wünschte.
»Die Arkoniden kennen uns seit Jahrtausenden«, murmelte Rhodan, während er weitere Anzeigen aufrief, kurz studierte, verwarf, durch andere ersetzte, Queranalysen startete.
Sofortumschalter, dachte Axelle resignierend. Sie brauchte gar nicht zu versuchen zu verstehen, was genau er herausfinden wollte.
»Sie haben unsere technologische Entwicklung seit dem ersten Mondflug beobachtet. Wenn es jemanden gibt, der einschätzen kann, was unsere Militärtechnologie leisten kann«, Rhodans Blick zuckte von Holo zu Holo, »sind es die Arkoniden.«
»Sie kennen unsere Schwachpunkte?« Axelles Puls flimmerte in ihren Handgelenken. »Sie können die Trugbilder durchschauen?«
»Nicht mit Sicherheit«, sagte Rhodan, »aber ihre Erfolgschance wird höher sein als bei anderen.«
»Dann sind wir ja ...« Sie verstummte, weil er die Hand hob.
Offenbar lauschte er Ninasomas Befehlen. Der Kommandant ließ Abfangtorpedos starten. Sie sollten die anfliegenden Waffen vor dem Kontakt zerstören.
Im Holokubus zog sich der Maßstab enger, die RAS TSCHUBAI erschien größer.
Explosionsmarker im Linearraum zeigten Abwehrtreffer an.
»Kontakt in drei, zwei ...«, vernahm sie ANANSIS Stimme, »... eins!«
Eine Handvoll Torpedos durchflog die RAS TSCHUBAI kontaktlos; die dreidimensionale Holodarstellung vermochte nicht abzubilden, dass sie sich im Bezugssystem des Linearraums woanders befanden.
Aber ein Torpedo traf.
Keine Erschütterung. Kein Donnern. Das Schiff war zu groß, als dass solche Effekte bis zur Zentrale durchgedrungen wären.
Im Holo flammte ein Marker auf der Panzerung auf. Axelle stellte sich vor, wie ein Teil der bläulichen Hülle, auf der Gry O'Shannon so gerne spazieren ging, zerrissen wurde. Wie Notfall-Schotten und Energiefelder den Atmosphärenverlust eindämmten. Wie robotische Gefechtsreparaturtrupps mit Sirenen zum Ort des Geschehens eilten, wobei sie mit Prallfeldern alles und jeden in ihrem Weg zur Seite schleuderten.
Der Widerschein bunten Flackerns auf Rhodans Rückenlehne machte Axelle auf den Mann aufmerksam, der zwei Schritte hinter ihr stand. Alaska Saedelaere, der kosmische Mensch. Selbstverständlich trug er die kantige, weiße Plastikmaske mit den eckigen Schlitzen für Mund und Augen. Sie verbarg seine Miene, aber nicht seine Emotionen. Zumindest hatte Axelle gehört, dass die Aktivität des Cappinfragments in seinem Gesicht mit seiner Stimmung korrelierte.
In diesem Moment tobte es. Purpurn, hellblau, giftgrün und gelb strahlte es unter den Maskenrändern und durch die Schlitze heraus.
Der Mann mit der Maske schien genauso beunruhigt zu sein wie Axelle. Was ihr ganz und gar nicht gefiel.
Illustration: Swen Papenbrock
2.
Pflichten
Anzu Gotjian stand auf. »Ich muss dich verlassen.«
»Schon?«
Obwohl sie sich bereits länger als vier Monate kannten und dabei nicht eben wenig Umgang miteinander gepflegt hatten, löste das Wesen, das ihr diese Frage stellte, vor allem ein Gefühl in Anzu aus: Fremdheit.
Farbaud war ein kraftvoller Krüppel, ein autoritärer Anarchist, ein abstoßender Versucher. Wenn er sich nicht bewegte und man nur flüchtig hinsah, konnte man ihn für eine missratene Skulptur aus schwarzem Eisen halten, die der Bildhauer nach einigen gründlich danebengegangenen Formungsversuchen aufgegeben hatte. Der ovale Kopf trug beinahe die Hälfte zur Körpergröße von zweieinhalb Metern bei. Dagegen wirkten die stämmigen Beine zu kurz geraten. Die Arme schienen zwei unterschiedlichen Entwürfen zu folgen. Während der rechte halbwegs zum Oberkörper passte und die Hand einer menschlichen zumindest ähnelte, wirkte der linke, als wäre er für ein anderes Wesen vorgesehen gewesen. Er war viel dünner und über eine verkümmerte Schulter mit dem Rumpf verbunden. Zwei Daumen und keine weiteren Finger befanden sich an der Klaue, in der er auslief.
»Findest du dich eigentlich schön?«, fragte Anzu.
»Wie kommst du darauf?«
»Deine Kleidung ist sehr freizügig.«
Farbaud trug lediglich einen Lendengurt, der einen knubbeligen Beutel vor seinen Geschlechtsteilen hielt. Sofern er welche hatte, die jenen eines menschlichen Mannes vergleichbar waren. Anzu wollte nicht darüber nachdenken.
»Sie ist bequem«, sagte Farbaud. »Ob andere meinen Anblick ästhetisch finden ...«, er drehte die Arme und winkelte die Ellbogen an, »... das ist nicht meine Sache.«
Anzu betrachtete noch einmal die schwarze, metallisch schimmernde Haut, bevor sie sich der Kabinentür zuwandte.
»Wieso willst du schon gehen?« Sie hörte, wie er sich aus dem klobigen Sessel erhob, der sowohl seiner ungeschlachten Gestalt als auch seinen 800 Kilo Körpergewicht angemessen war.
»Du hast es gehört: Alarm. Ich muss mich auf meine Gefechtsstation begeben.«
Seine schweren Schritte veranlassten sie, sich wieder zu ihm umzudrehen.
Farbaud neigte den Kopf zur Seite, was so aussah, als stünde ein ovaler Stein im Begriff, von einem nur unbedeutend größeren – dem Körper – zu kippen. »Gefechtsstation? Das gefällt mir. Übst du bereits an den Kanonen?«
»Das ist nicht meine Aufgabe.«
»Auf FENERIK wäre es das. Du wärst dort eine hochgeschätzte Sextadim-Kanonierin.«
»Auf der RAS TSCHUBAI erwartet man mich im Bereitschaftsraum der Mutanten.«
»Ach? Du gehörst doch gar nicht zum Parakorps dieses Nagers. Wieso musst du seinen Befehlen gehorchen?« Die fremdartige Miene ließ nicht darauf schließen, ob Farbaud ehrlich interessiert war oder sie provozieren wollte.
»Wir werden angegriffen ...«
Er hob beide Hände, die mit den Fingern und die zangenartige Klaue. »Womit ich nichts zu tun habe!«
»Auch FENERIK nicht?«
»Das würde mich wundern. Sieh doch nach!«
Anzus Blick erlaubte ihr, den Chaoporter bei seinem Sturz durch die Kluft zu beobachten. Aber der Anblick verstörte sie. Glücklicherweise hatten sie die Kantor-Sextanten inzwischen so gut eingestellt, dass diese Geräte den Hauptteil der Ortung erledigten und Anzu sie nur noch ab und zu überprüfen musste.
»Ich spare meine Kräfte besser«, meinte sie.
Farbaud richtete seinen Wuchtschädel wieder senkrecht aus. »Bis der Nager dir sagt, was du damit tun sollst?«
»Kennt ihr auf dem Chaoporter keine Befehlshierarchie?«
»Komm mit mir, und du wirst es erleben.«
3.
Blockade
Während sich Axelle Tschubai mit bleichem Gesicht auf die Besucherbank zurückzog, ließ sich Alaska Saedelaere im Sessel neben Perry Rhodan nieder.
Beiläufig bestätigte Rhodan die Autorisierung für die Bedienelemente der erweiterten Kommandostation. ANANSI baute vor Saedelaere Holos auf, die entweder den allgemeinen Status der RAS TSCHUBAI zeigten oder sich auf die gegenwärtige Bedrohung fokussierten.
»Zweihundert Linearraumtorpedos in der zweiten Welle«, sagte er.
»Robust«, urteilte Rhodan.
Saedelaere rief Details zur ersten Welle auf. »Wir sollten uns nicht davon täuschen lassen, dass bisher nur einer den Linearraumschirm durchdrungen hat. Die Modulation der anderen war nah dran.«
Je enger sich Linearraumblasen einander annäherten, desto bessere Ergebnisse lieferten Ortung und Tastung. Bei den Torpedos, die die RAS TSCHUBAI passiert hatten, waren die Sensordaten so ergiebig, dass ein technisches Handbuch zu diesen Waffensystemen kaum ausführlicher hätte ausfallen können.
»Du meinst, sie hätten uns härter treffen können«, erkannte Rhodan.
»Ich meine, sie werden uns härter treffen, wenn wir es darauf ankommen lassen.« Die allgemeine Statusübersicht wies weder Tote noch Verletzte aus. Die Randbereiche des Kugelraumers waren rechtzeitig geräumt worden, daher hatte sich niemand im Einschlagsgebiet aufgehalten.
»Das denke ich auch.« Rhodan stellte eine Verbindung zu Muntu Ninasoma her.
Zwar sahen sie den hoch aufgeschossenen, dunkelhäutigen Kommandanten ebenfalls durch den halbtransparenten Hologlobus auf dem COMMAND-Podest stehen, aber für eine Unterredung war eine Holoverbindung angemessener, als quer durch die Zentrale zu schreien.
»Angesichts dessen, was da auf uns zukommt, empfehle ich, in den Normalraum zurückzukehren«, sagte Ninasoma.
»Du brauchst nichts zu empfehlen«, stellte Rhodan fest. »Du bist der Kommandant dieses Schiffs. Aber ich halte deinen Entschluss für richtig.«
Ninasoma nickte knapp und ging die wenigen Schritte zu den Piloten. Auch an den anderen Stationen war zu beobachten, dass die Spezialisten neue Befehle umsetzten. Sie wischten durch die Luft, betätigten für Saedelaere unsichtbare Sensorfelder, bereiteten sich auf den Linearraum-Austritt vor. Der Feuerleitstand verzichtete darauf, eigene Torpedos abzuschießen, um die entgegenkommenden Geschosse abzufangen; man sparte Munition.
Die Halbraum-Gefechtseinheiten befanden sich in Bereitschaft, waren aber nicht abgekoppelt. Die derzeitige Taktik setzte auf eine Geschwindigkeit, bei der sie nicht mithalten könnten. Sie kämen zum Einsatz, wenn man sich für einen stationäreren Ansatz entschiede.
»Normalraum-Eintritt in fünf«, meldete ANANSI, »vier, drei, zwei, eins!«
Die Sensorholos vor Saedelaere schienen zu explodieren. Schwärme von Sonden schleusten aus und ergänzten die Ortungs- und Tastungsvorrichtungen des Schiffs, auch die Daten der angekoppelten Beiboote liefen ein. Die Torpedos waren im Linearraum zurückgeblieben, was die RAS TSCHUBAI für sie unerreichbar machte. Die Flotte, der sie sich gegenübersah, wäre jedoch selbst dann bedrohlich, wenn der SUPERNOVA-Raumer die gesamte Defensivkapazität aufböte, die ihm im Normalraum zur Verfügung stand.
Die optischen Sensoren zeigten nichts, dafür war der Bereich, in dem die arkonidische Flotte aufgezogen war, zu weitläufig. Für die Hypertaster war das Aufgebot dennoch unübersehbar.
Drei Trägerschiffe der GAUMAROL-Klasse, deren Kugelkörper mit einem schlanken Fortsatz versehen war, was ihnen grob die Form eines Kelchs gab, bei einem Durchmesser von über zwei Kilometern entlang der Längsachse.
Halb so viel durchmaßen die sechs Superschlachtschiffe, deren Typ nach der traditionellen Kampfkunst DAGOR benannt war.
Jeden der achtzehn YILLD-Schlachtkreuzer verglich ANANSIS Sofortanalyse in Bezug auf die militärische Schlagkraft mit einem OXTORNE-Kreuzer, der größten Beibootklasse, die die RAS TSCHUBAI aufzubieten hatte. Da die BJO BREISKOLL und die FELLMER LLOYD in Cassiopeia zurückgeblieben waren, standen den Terranern nur sechs solcher Einheiten zur Verfügung. Wenigstens meldeten alle volle Einsatzbereitschaft, die Mannschaften waren nach dem Alarm zügig auf ihre Posten geeilt, die Raumlandebataillone hatten ihren Appell durchgeführt und die Handwaffen ausgegeben.
Saedelaere sah auch Markierungen für Schwere Kreuzer der THARK-Klasse und leichtere CARAN-Einheiten, aber bevor er sich damit befassen konnte, ertönte ein Prioritätsruf.
»Atlan von der THETA DA ARIGA für Perry Rhodan«, meldete die Funkstation.
