Perry Rhodan 3217: Griff nach den Sternen - Robert Corvus - E-Book + Hörbuch

Perry Rhodan 3217: Griff nach den Sternen E-Book und Hörbuch

Robert Corvus

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Beschreibung

Das Ende des 21. Jahrhunderts Neuer Galaktischer Zeitrechnung ist angebrochen. Mehr als dreieinhalbtausend Jahre von unserer Zeit entfernt lebt die Menschheit in Frieden. Zwischen den Sternen der Milchstraße herrschen keine großen Konflikte mehr. Wie es aussieht, könnte Perry Rhodan, der als erster Mensch von der Erde auf Außerirdische gestoßen ist, sich endlich seinem großen Ziel nähern: der alte Traum von Freundschaft und Frieden zwischen den Völkern der Milchstraße und der umliegenden Galaxien. Die Angehörigen der Sternenvölker stehen für Freiheit und Selbstbestimmung ein, man arbeitet intensiv und gleichberechtigt zusammen. Bei ihrem Weg zu den Sternen hat ein geheimnisvolles Wesen die Menschen begleitet und unterstützt: Es trägt den Namen ES, man bezeichnet es als eine Superintelligenz, und es lebt seit vielen Millionen Jahren zwischen Zeit und Raum. Rhodan sieht ES als einen Mentor der Menschheit. Doch ES weilt nicht mehr in der Galaxis – das Geisteswesen scheint zwischen den Sterneninseln verschollen zu sein, zersplittert in Fragmente. Diese Fragmente zu finden und wieder zu vereinen, ist Rhodans Ziel. In der Galaxis Morschaztas unweit Gruelfins muss er zunächst das Raumschiff MAGELLAN wieder in seinen Besitz bringen. Atlan nimmt in der Zwischenzeit zur Herrscherin der Galaxis Kontakt auf – der Ewigen Ganja. Er erhält dabei Einblicke in die Vergangenheit und erlebt den GRIFF NACH DEN STERNEN ...

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Seitenzahl: 150

Veröffentlichungsjahr: 2023

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Zeit:3 Std. 34 min

Veröffentlichungsjahr: 2023

Sprecher:Florian Seigerschmidt

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Nr. 3217

Griff nach den Sternen

Die Cappins wollen eine Galaxis – doch ein Ase will mehr

Robert Corvus

Cover

Vorspann

Die Hauptpersonen des Romans

Basis 1

Die Höchsten

Beobachter

Überfall

Pressur

Prüfung

Vhanat

Zerstörung

Epilog

Fanszene

Leserkontaktseite

Glossar

Impressum

PERRY RHODAN – die Serie

Das Ende des 21. Jahrhunderts Neuer Galaktischer Zeitrechnung ist angebrochen. Mehr als dreieinhalbtausend Jahre von unserer Zeit entfernt lebt die Menschheit in Frieden. Zwischen den Sternen der Milchstraße herrschen keine großen Konflikte mehr. Wie es aussieht, könnte Perry Rhodan, der als erster Mensch von der Erde auf Außerirdische gestoßen ist, sich endlich seinem großen Ziel nähern: der alte Traum von Freundschaft und Frieden zwischen den Völkern der Milchstraße und der umliegenden Galaxien. Die Angehörigen der Sternenvölker stehen für Freiheit und Selbstbestimmung ein, man arbeitet intensiv und gleichberechtigt zusammen.

Bei ihrem Weg zu den Sternen hat ein geheimnisvolles Wesen die Menschen begleitet und unterstützt: Es trägt den Namen ES, man bezeichnet es als eine Superintelligenz, und es lebt seit vielen Millionen Jahren zwischen Zeit und Raum. Rhodan sieht ES als einen Mentor der Menschheit.

Doch ES weilt nicht mehr in der Galaxis – das Geisteswesen scheint zwischen den Sterneninseln verschollen zu sein, zersplittert in Fragmente. Diese Fragmente zu finden und wieder zu vereinen, ist Rhodans Ziel. In der Galaxis Morschaztas unweit Gruelfins muss er zunächst das Raumschiff MAGELLAN wieder in seinen Besitz bringen. Atlan nimmt in der Zwischenzeit zur Herrscherin der Galaxis Kontakt auf – der Ewigen Ganja. Er erhält dabei Einblicke in die Vergangenheit und erlebt den GRIFF NACH DEN STERNEN ...

Die Hauptpersonen des Romans

Alschoran – Der Ase entdeckt, was echten Wert hat.

Kaloumeille – Die Emissärin entdeckt eine frische Perspektive.

Ginworasch – Der Vhane entdeckt einen sicheren Weg.

Haidschoran – Der Anführer entdeckt eine neue Heimat.

Atlan

Basis 1

Alschoran zog seine Uniform glatt, zum dutzendsten Mal in der vergangenen halben Stunde. Er hatte abgenommen, war aber bislang nicht dazu gekommen, die Jacke enger machen zu lassen.

Alle Stationen innerhalb der Zentrale der WAYKUSCH waren auf das große Bugfenster ausgerichtet. Die Transplastscheibe diente auch als Projektionsfläche für Holodarstellungen. Momentan war die Sicht in den offenen Weltraum jedoch unverstellt. Wie Silberkörner, die auf schwarzem Samt lagen, hingen die Sterne Gruelfins vor dem Flaggschiff der Asen in der Stille.

Um den Eindruck nicht zu stören, hatte Alschoran die Zentrale abdunkeln lassen, was auch dazu passte, dass sich die WAYKUSCH im Nachtmodus befand. Die Stationen waren nur einfach besetzt, und Alschoran führte als Zweiter Offizier den Befehl in dieser ruhigen Schicht.

Er sah hinüber zur Sensorstation, wo der Spezialist die Daten in dem vor ihm schimmernden Holo ordnete. Hätte Alschoran eine weitere Fernsonde ausschleusen lassen sollen? Ihn überzeugten die gesammelten Informationen, aber darauf kam es nicht an ...

Nochmals zog er seine Uniformjacke glatt. Wirkte er dadurch nervös? Schielten die Soldaten zu ihm herüber?

Er legte die Hände auf dem Rücken zusammen, wie er es bei Kommandant Ginworasch oft beobachtete. Wobei dessen Hände speziell waren. Alschoran durfte auf keinen besonderen Effekt hoffen, wenn er seine ins Blickfeld brachte. Erschien die Geste deswegen als hilflose Nachahmung?

Die Offiziersakademie bescheinigte Alschoran Eifer, Sorgfalt und eine Stärke in logischem Denken. Dass er als Pedotransferer unterhalb des Mittelmaßes rangierte, sogar im unteren Viertel aller Begabten, war für eine Kommandoposition nicht entscheidend. Aber zugunsten seiner Karriere müsse er seine Schwäche im Umgang mit anderen, die ständige Unsicherheit, wie sie ihn wahrnahmen und beurteilten, in den Griff bekommen.

Die aufzischende Tür erlöste ihn aus dem Grübeln.

Alschoran nahm Haltung an. »Kommandant in der Zentrale!«

Die Spezialisten an den Stationen erhoben sich.

Der Blick aus Ginworaschs weißblauen Augen schwenkte über die Anwesenden. »Weitermachen!« Er kam zu seinem Zweiten Stellvertreter, die Tür schloss sich hinter ihm.

Der Kommandant war größer als Alschoran, aber sehniger. Sein schwarzes Haar trug er in kurzen Locken, auch den Vollbart. Das Auffälligste an Ginworasch waren jedoch die Hände, merklich heller als Arme und Gesicht. Manche wollten wissen, dass er den Angriff eines Meuchelmörders nur knapp hatte abwehren können und dabei seine Hände verloren hätte. Andere spekulierten, ein übernatürlich starker Griff sei ihm so wichtig, dass er seine biologischen Hände dafür geopfert und sie durch Implantate ersetzt hätte. Niemand stand ihm nahe genug, um ihn danach zu fragen. Er war ein Vhane, Angehöriger jenes Bundes, der die Asen führte, und pflegte kaum Umgang mit Niederen.

»Ich habe den Weiterflug verzögert«, meldete Alschoran. »Dadurch liegen wir drei Stunden hinter dem Plan, aber ich denke, wir haben vielleicht einen Kandidaten gefunden.«

Ginworasch sah zum Bugfenster und verengte die Lider bis auf Schlitze. »Ein Doppelsternsystem?«

»Fünf Sterne.« Mit einer Geste forderte Alschoran den Mann an der Sensorstation auf, die vorbereitete Darstellung einzublenden.

Markierungen hoben die beiden etwas helleren Punkte hervor, das Holo schien sie näher heranzuziehen. Sie teilten sich.

»Jeweils zwei umkreisen einander«, erklärte Alschoran. »Um eines der Paare kreist ein dritter Stern, um das andere ein Felsplanet. Das Gesamtsystem hat selbstverständlich ein gemeinsames Gravitationszentrum.«

Statt im Kommandosessel Platz zu nehmen, ging Ginworasch einige Schritte auf das Holo zu. »Was wissen wir über den Planeten?«

»Er hat zwei Monde ...«

»Korrektur: drei«, warf der Sensorspezialist ein.

Überrascht sah Alschoran ihn an.

»Die Information kam gerade herein«, ergänzte er, aber Alschoran glaubte ihm nicht. Der Spezialist war einer von Eschirs Günstlingen.

»Also: drei Monde«, stellte Ginworasch fest. »Was noch?«

»Eine stabile Atmosphäre«, nahm Alschoran den Faden wieder auf. »Laut Spektralanalyse besteht sie nahezu ausschließlich aus Stickstoff und Sauerstoff. Die Landmasse verteilt sich im Wesentlichen auf zwei Kontinente, Ozeane nehmen zweiundsiebzig Prozent der Oberfläche ein. Wegen der fünf Sterne und der Monde zerren stark wechselnde gravitative Kräfte an diesem Planeten.«

»Hinweise auf eine technische Zivilisation?«, verlangte Ginworasch zu wissen.

»Keine.«

»Hätte mich auch gewundert«, murmelte der Kommandant. »Die Völker dieser Galaxis werden sich nicht der Mühe aussetzen wollen, einen solchen Himmelskörper zu kolonisieren.«

»Und er liegt weitab der uns bekannten Handelsrouten«, ergänzte Alschoran.

»Deswegen suchen wir ja auch in diesem Sektor.«

»Selbstverständlich. Ich bitte um Entschuldigung.«

Ginworasch stand vor ihm, die hellen Hände im Rücken zusammengelegt, und betrachtete schweigend das Holo, in dem der Sensorspezialist Datenreihen ergänzte.

»Im kosmischen Maßstab wird dieser Planet nicht lange durchhalten«, sagte Alschoran, um die unangenehme Stille zu vertreiben. »Die Gravitation wird ihn in einen der Sterne ziehen. Aber ein paar Jahrtausende wird das wahrscheinlich noch dauern.«

»Du hast richtig entschieden, den Erkundungsflug zu unterbrechen.« Ginworasch drehte sich um, seine eisfarbenen Augen sahen Alschoran an. »Wir landen und nehmen eine genauere Prüfung vor.«

*

Alschorans vollautomatischer Gleiter flog einen Hügel hinauf. Sein Prallfeld drückte das lange Gras zur Seite, hinter ihm fanden die bei Nacht blaugrau erscheinenden Halme schwankend zurück in die ursprüngliche Position. Die Schatten der gelandeten Beiboote waren schwarze Berge im Sternenmeer.

Erst auf der Hügelkuppe kam das Lagerfeuer in Sicht, das zwischen den Stahlkolossen brannte. Die sauerstoffreiche Atmosphäre erleichterte das Feuermachen, aber brennbares Material gab es auf diesem Planeten kaum. Holz oder äquivalente Biomasse hatte sich offenbar nicht entwickelt, soweit es die Asen bisher herausgefunden hatten. Dafür gab es Unmengen an Gräsern, die vielleicht halbwegs brennen würden, wenn man sie schnitte und trocknete. Für den Moment nahmen sie mit Briketts vorlieb, die beim Verbrennen einen Geruch freisetzten, der nicht zu dieser Welt passte.

Alschorans Gleiter landete neben den anderen. Im Aussteigen hörte er die ausgelassenen Gespräche und das Gelächter der Erkundungstrupps. Ginworasch war bislang nicht eingetroffen.

Alschoran entschied, sich einen Moment fernzuhalten und am Rand des Feuerscheins entlangzuwandern. Er gewöhnte sich an den Gedanken, nach einem Tag in der Natur wieder in Gesellschaft zu sein.

Die drei fernen Sonnen waren leicht am Nachthimmel zu finden, wenn man wusste, wonach man suchen musste. Sie waren größer als die anderen Lichtpunkte am Himmel, aber die beiden, die eng umeinanderkreisten – ein Umlauf um ihr gemeinsames Gravitationszentrum in 17 Stunden –, konnte Alschoran mit dem Daumennagel am gestreckten Arm abdecken. Sein Zeigefinger reichte aus, um den Abstand zur dritten Sonne zu messen.

Ihr Licht erhellte die Nacht kaum, wohl aber das der beiden Monde, von denen einer als Sichel über dem Horizont stand und der andere beinahe voll war. Der dritte befand sich auf der Tagseite des Planeten.

Auf dieser Welt war der Großteil des Lebens in den Ozeanen zu finden, wie sie bereits wussten. Auch die Gräser bildeten eine Art von Meer, überlegte Alschoran. Der sanfte Wind schuf Muster in den Halmen, die Wellen ähnelten.

Die Gespräche am Lagerfeuer verstummten. Der Zweite Offizier drehte sich um und sah, dass die Soldaten aufstanden.

Kommandant Ginworasch schwebte gemeinsam mit Eschir, seinem Ersten Stellvertreter, aus der Bodenluke des größten Beiboots. Normalerweise begegneten Alschoran und Eschir sich nur kurz, weil sie an Bord der WAYKUSCH unterschiedliche Schichten abdeckten. Während der Erkundung des Planeten galt diese Einteilung jedoch nicht.

Alschoran beeilte sich, kam aber trotzdem erst nach den beiden am Lagerfeuer an.

»Na, hast du auch endlich deinen Schutzanzug abgelegt?«, rief Eschir ihm entgegen.

»Ich bin eben lieber vorsichtig«, gab Alschoran zurück.

Eine goldene Schulterkette wies den Ersten Offizier als begabten Pedotransferer aus. Um dieses Abzeichen zu erlangen, musste Eschir mehrmals seinen Geist in Zielpersonen verschoben haben, die er nur flüchtig und aus der Entfernung gesehen hatte – etwas, das Alschoran heillos überfordert hätte.

»Ich habe die Berichte gesichtet«, erklärte Ginworasch der fünfzigköpfigen Erkundungsmannschaft, die sich um das Feuer versammelt hatte. »Weder die Aufklärungsflüge noch die Inaugenscheinnahme am Boden haben etwas ergeben, das uns in die Quere kommen könnte. Falls euch Gegenteiliges bekannt ist, korrigiert mich.«

Er blickte in die Runde. Niemand sagte etwas, alle sahen zufrieden aus.

»Gut«, befand Ginworasch. »Die fünf Sonnen bringen einen besonderen Nutzen: Ihre Strahlung wird auch Emissionen im Hyperspektrum weitgehend überdecken.«

Zustimmendes Gemurmel erhob sich.

»Und ihre komplexe Gravitation wird die Einheimischen davon abhalten, sich mit dem System zu befassen«, ergänzte Eschir das längst Bekannte.

Alschoran ärgerte sich, dass der Erste den Anschein erweckte, er habe diesen Vorzug entdeckt. Dabei hatte Alschoran aufgrund dieser Überlegung den Weiterflug verzögert.

»Es gibt bereits Einheimische auf diesem Planeten«, sagte er.

Alle Blicke richteten sich auf ihn.

Sofort wurde seine Kehle trocken. »Nicht die Völker, die wir kennen«, ergänzte er schnell. »Aber ich bin auf eine amphibische Lebensform gestoßen.«

»Wieso messen wir dann keine Spuren von Zivilisation an?«, fragte Eschir hörbar verärgert. »Das atmosphärische Ozon ist nicht aufgespalten, unsere Antennen empfangen keine Funksignale ...«

»So weit geht ihre Technik nicht«, unterbrach Alschoran.

»Also sprichst du von Tieren?«

»Mehr als das. Sie organisieren sich intelligent und haben offenbar eine einfache Sprache.«

»Wieso offenbar?«, bohrte Eschir. »Haben sie eine Sprache oder nicht?«

»Sie haben eine, aber die Translatoren in meinem Anzug und meinem Gleiter sind damit überfordert.«

Illustration: Swen Papenbrock

Eschir starrte ihn an, als empfände er die Entdeckung des Zweiten als Beleidigung.

»Töne dienen nur zur Unterstützung ihrer Kommunikation«, berichtete Alschoran. »Primär tauschen sie elektrische Signale aus. Bioelektrizität.«

In Ginworaschs Miene trat ein lauernder Ausdruck. »Wie können wir uns diese Wesen vorstellen?«

»Schlangen, die offenbar hauptsächlich im Meer leben. Aber ich habe eine Klippe mit Höhlen gefunden, dort bilden sie eine Kolonie.«

»Nicht-technisch, hast du gesagt.«

»Sie benutzen Werkzeuge.«

Der Kommandant fuhr sich über den Nacken. Das tat er immer, wenn er ungeduldig wurde.

»Einfache Werkzeuge«, präzisierte Alschoran. »Bohrer, Hebel. Eine komplexere Apparatur als einen Flaschenzug habe ich nicht entdeckt.«

»Waffen?«, wollte Eschir wissen.

»Keine«, sagte Alschoran.

»Sehr gut«, befand Ginworasch. »Wir können also davon ausgehen, dass sie uns nicht behindern werden?«

»Ich kann keine Gefahr für unsere Pläne in ihnen erkennen«, antwortete der Zweite, wobei er die Pläne allerdings auch nur unvollständig kannte.

»Dann ändern sie nichts an dem Bild, das ich durch die gesammelten Daten gewonnen habe.« Ginworasch streckte die Arme zur Seite, wodurch der Feuerschein auf den seltsam hellen Händen spielte. »Ich nehme diesen Planeten als erste Basis für das Cappinsche Gesamt in Gruelfin in Besitz! Die Navigationsdatenbanken werden ihn unter der Bezeichnung Otnosch 1 führen.«

*

Aus dem Panoramafenster des gelandeten Beiboots betrachtet sah es so aus, als wären die beiden nahen Sonnen miteinander verschmolzen. Die größere war hellgelb. Die kleinere, rötliche, stand mit der Hälfte des Volumens vor ihr. Ihre untere Wölbung löste sich gerade erst vom Horizont.

Den Bauplatz für die entstehende Siedlung zu beaufsichtigen, glich in vielem dem Befehl über eine ruhige Schicht in der Zentrale der WAYKUSCH, überlegte Alschoran. Zwar hatten die Stationen im Leitstand, der in einem Beiboot eingerichtet war, andere Funktionen als jene auf einem Raumschiff, das sich im Leerraum bewegte. Statt Sensoren, Navigation und Energieversorgung ging es um die Koordination der Erz-Prospektoren, der Schürfer, der Bagger, Architekten und Konstrukteure.

Aber letztlich musste ein kommandierender Offizier Prioritäten zu setzen. Er musste erkennen, wo eine Störung drohte, die sich zu einer echten Schwierigkeit auswachsen konnte. Dann musste er zusätzliche Informationen beschaffen oder entschlossenes Handeln einfordern, Streitfälle zwischen Experten entscheiden. In den einzelnen Fachgebieten brauchte er nur so weit bewandert zu sein, dass er ein Gefühl für die Aufgabenstellung gewann und verstand, wo seine Aufmerksamkeit gebraucht wurde und wem er freie Hand lassen konnte. Dieser Einarbeitung hatte sich Alschoran in der vergangenen Woche intensiv gewidmet.

In dieser Zeit hatte der wiederholte Einsatz von Traktorstrahlern und Gravogeneratoren eine vier Kilometer durchmessende Vertiefung in die Ebene vor dem Beiboot gedrückt. Immer weiter verdichteten sie den Untergrund, der das Fundament für den Raumhafen tragen sollte.

Zwischen den Druckphasen schwärmten Roboter unter der Führung von Experten aus und nahmen Materialumwandlungen vor, formten lockere Verbindungen in feste um und zogen flexible Zwischenschichten ein, die Beben abfedern würden. Zwar lag der Standort inmitten einer planetaren Platte, fernab jeder tektonisch aktiven Kante, aber die gravitativen Belastungen des Drei-Monde-und-fünf-Sonnen-Systems ließen auf Otnosch 1 keine vollständig ruhigen Gebiete zu.

Im Süden, wo dunkle Wolken in den Himmel stiegen, trugen andere Roboter Granit- und Schiefergebirge ab, um Baumaterial zu gewinnen. Der dabei entstehende Abraum wurde untersucht und, falls er als tauglich eingestuft wurde, genutzt, um mehr Masse in das Raumhafenareal einzubringen, die in weiteren Arbeitsschritten ebenfalls verdichtet wurde.

Erste Gebäude entstanden ringsum: Lagerhallen, die unterschiedliche atmosphärische und gravitative Bedingungen erzeugen konnten, Wohngebäude, Trainingsanlagen, auch ein Vergnügungszentrum, Energiespeicher, Hangars, ein Funkturm, mehrere Bunker. Noch wirkte alles für das bloße Auge willkürlich, als ließe man den Bautrupps – wiederum hauptsächlich Roboter, angeleitet von Experten – freie Hand, zu konstruieren, wonach ihnen der Sinn stand. Blendete man den Plan auf das Panoramafenster, zeigte sich jedoch, dass alles wohldurchdacht war.

»Erster Offizier im Leitstand!«, meldete ein Soldat.

Die Spezialisten erhoben sich, Alschoran drehte sich zum Eingang um.

Eschir sah übernächtigt aus, seine Uniformjacke war zerknittert, die Augen klein. Seine Stimme klang dennoch forsch. »Weitermachen!«

Alschoran ging zu ihm und grüßte mit der Faust an der Schläfe. »Es gibt einen Wassereinbruch im Nordosten, in einer Tiefe von siebzig Metern. Möglich, dass er sich jahreszeitlich verstärken wird. Das könnte den Hang destabilisieren. Ich habe den unterirdischen Flusslauf erkunden lassen; meine Empfehlung ist, ihn zwanzig Kilometer entfernt, an einer geeigneten Gesteinskonstellation, umzuleiten.«

»Ich werde es mir anschauen«, versicherte Eschir.

»Du findest meine Untersuchungsergebnisse in den Speichern.«

»Nichts anderes habe ich erwartet.«

»Keine weiteren Besonderheiten. Ich übergebe das Kommando.«

Eschir hob seine Faust ebenfalls an die Schläfe. »Ich bestätige die Kommandoübernahme.«

Alschoran ging zum Ausgang.

»Wirst du wieder einen Ausflug in die unberührte Natur unternehmen?«, rief Eschir ihm nach.

»Das geht dich nichts an«, gab Alschoran halblaut zurück.

*

Unter Alschorans Gleiter rauschte das Gräsermeer, das sich im Licht des anbrechenden Tages in Farbtönen von üppigem Rosa bis zu verführerischem Lila darbot. Die Anspannung seiner Aufgabe im Leitstand, die große Aufmerksamkeit erforderte, aber wenig Faszination bereithielt, wich Erwartungsfreude, während er sich der Küste näherte. Er reduzierte den Prallschirm auf einen Schutz in Fahrtrichtung, sodass er den betörenden Duft einatmen konnte, der von den Pollen ausging. Das Salz des Meeres mischte sich hinein, wie die Brandung die Geräusche ergänzte, die der Wind in den Halmen erzeugte.

Die Elemente hatten rote Felsklippen freigeschmirgelt, die sich wie löchrige Säulen erhoben, einige freistehend, die meisten miteinander verbunden. Die Bewölkung beraubte sie der kräftigen Farbe, in der sie am Vortag erstrahlt waren.

Alschoran stellte den Gleiter dort ab, wo das Gras endete. Seine Ausrüstung und ein wenig Proviant hatte er in einer Umhängetasche verstaut, deren Gewicht ein Mikrogravitator verringerte.

Er stieg die steinige Anhöhe zu den Klippen hinauf.

Auf der Baustelle begann die nächste Verdichtungsphase. Traktorstrahlen surrten, und ein Knirschen verbreitete sich im Boden, sodass Alschoran es auch in der Entfernung von fünf Kilometern vernahm.

Er sah den ersten Schlangenfisch, offensichtlich einen Wächter. Das zwei Meter lange, armdicke Wesen lag auf einem annähernd runden Stein. Es richtete das vordere Drittel seines Leibs auf, bog sich, sodass der spitz zulaufende Kopf zu den Klippen zeige, und stieß ein hohes, an- und abschwellendes Pfeifen aus.

Auf den Felsen und in den Höhlenöffnungen bewegten sich weitere Schlangenfische. Blitze schlugen zwischen den Individuen über; vielleicht warnten sie damit Fressfeinde.

Alschoran setzte seine Wanderung mit ruhigem Schritt fort, aktivierte aber vorsichtshalber einen schwachen Energieschirm, dessen Projektor er am Gürtel trug.

Der Späher beobachtete ihn. Seine Augen waren schwarze Halbkugeln, die sich seitlich aus dem Kopf wölbten. An der spitzen Schnauze gab es keine Atemöffnungen, stattdessen fächerten an einer sanften Verengung, am Übergang zum Hauptkörper, fein verästelte Strukturen auf. Alschoran vermutete, dass die Schlangenfische sowohl aus der Luft als auch aus dem Wasser Sauerstoff zu filtern vermochten. Jedenfalls wechselte ihre Farbe in einem Rhythmus zwischen Weiß und Orange, der zu Atemzügen passte.

Die fein geschuppte Haut der Schlangenfische war komplex gemustert, keine zwei Individuen glichen einander. Alschoran fragte sich, ob die Zeichnung mit Spiralen, Zacken, Punkten, Kreisen und geraden Linien konstant blieb oder mit dem Alter wechselte. Beim Späher dominierten Orange und Violett, aber bei anderen Exemplaren hatte der Ase auch Grün, Gelb und weitere Farben beobachtet.

Alschoran vermied schnelle Bewegungen. Er summte vor sich hin, während er in eine Höhle trat, von der er wusste, dass sie Verbindungen zu einigen weiteren hatte. Insbesondere gab es Auf- und Abstiege, Mischungen zwischen Rampen und Treppen. Für echte Stufen lagen die kantigen Erhebungen zu weit auseinander, aber die Schlangenfische brauchten ja auch keine Schrittweite zu beachten; sie wanden sich auf dem Bauch über den Boden.