Perry Rhodan 3233: Das blaue Phantom - Robert Corvus - E-Book + Hörbuch

Perry Rhodan 3233: Das blaue Phantom E-Book und Hörbuch

Robert Corvus

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Beschreibung

Das Ende des 21. Jahrhunderts Neuer Galaktischer Zeitrechnung ist angebrochen. Mehr als dreieinhalbtausend Jahre von unserer Zeit entfernt lebt die Menschheit in Frieden. Zwischen den Sternen der Milchstraße herrschen keine großen Konflikte mehr. Wie es aussieht, könnte Perry Rhodan, der als erster Mensch von der Erde auf Außerirdische gestoßen ist, sich endlich seinem großen Ziel nähern: der alte Traum von Freundschaft und Frieden zwischen den Völkern der Milchstraße und der umliegenden Galaxien. Die Angehörigen der Sternenvölker stehen für Freiheit und Selbstbestimmung ein, man arbeitet intensiv und gleichberechtigt zusammen. Bei ihrem Weg zu den Sternen hat ein geheimnisvolles Wesen die Menschen begleitet und unterstützt: Es trägt den Namen ES, man bezeichnet es als eine Superintelligenz, und es lebt seit vielen Millionen Jahren zwischen Zeit und Raum. Rhodan sieht ES als einen Mentor der Menschheit. Doch ES weilt nicht mehr in der Galaxis – das Geisteswesen scheint in ungezählte Fragmente zersplittert zu sein, die sich in verborgenen Fragmentrefugien ballen. Diese Refugien zu finden und die Fragmente wieder zu vereinen, ist Rhodans Ziel. Die zweite Station seiner Reise ist Spaphu, die Kondor-Galaxis und Heimat der Sorgoren. Dort sichtet er ein ihm wohlbekanntes Raumschiff – es ist DAS BLAUE PHANTOM ...

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Seitenzahl: 152

Veröffentlichungsjahr: 2023

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Zeit:3 Std. 44 min

Veröffentlichungsjahr: 2023

Sprecher:Renier Baaken

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Nr. 3233

Das blaue Phantom

Die Terraner suchen ein Fragment – kommen sie zu spät?

Robert Corvus

Cover

Vorspann

Die Hauptpersonen des Romans

1. Dom

2. Hyperstaub

3. Schnitzer

4. Frachter

5. Horcher

6. Sucher

Fanszene

Leserkontaktseite

Impressum

Das Ende des 21. Jahrhunderts Neuer Galaktischer Zeitrechnung ist angebrochen. Mehr als dreieinhalbtausend Jahre von unserer Zeit entfernt lebt die Menschheit in Frieden. Zwischen den Sternen der Milchstraße herrschen keine großen Konflikte mehr. Wie es aussieht, könnte Perry Rhodan, der als erster Mensch von der Erde auf Außerirdische gestoßen ist, sich endlich seinem großen Ziel nähern: der alte Traum von Freundschaft und Frieden zwischen den Völkern der Milchstraße und der umliegenden Galaxien. Die Angehörigen der Sternenvölker stehen für Freiheit und Selbstbestimmung ein, man arbeitet intensiv und gleichberechtigt zusammen.

Bei ihrem Weg zu den Sternen hat ein geheimnisvolles Wesen die Menschen begleitet und unterstützt: Es trägt den Namen ES, man bezeichnet es als eine Superintelligenz, und es lebt seit vielen Millionen Jahren zwischen Zeit und Raum. Rhodan sieht ES als einen Mentor der Menschheit.

Doch ES weilt nicht mehr in der Galaxis – das Geisteswesen scheint in ungezählte Fragmente zersplittert zu sein, die sich in verborgenen Fragmentrefugien ballen. Diese Refugien zu finden und die Fragmente wieder zu vereinen, ist Rhodans Ziel. Die zweite Station seiner Reise ist Spaphu, die Kondor-Galaxis und Heimat der Sorgoren. Dort sichtet er ein ihm wohlbekanntes Raumschiff – es ist DAS BLAUE PHANTOM ...

Die Hauptpersonen des Romans

Perry Rhodan – Sucher.

Shema Ghessow – Fremde.

Antanas Lato – Denker.

Barellu

1.

Dom

»Auf makroskopischer Ebene sind echte Zufälle nur selten zu beobachten. Möglicherweise sogar nie«, sagte Antanas Lato. »In aller Regel ist lediglich die Berechnung des Resultats überkomplex, oder einige Einflussfaktoren sind unbekannt. Was die Sichtung der LEUCHTKRAFT angeht, wird das ES-Fragment erheblichen Anteil daran haben, dass sich die Kosmokratenwalze in der Kondor-Galaxis aufhält.«

»Vetris Molaud könnte sich dafür interessieren«, funkte Perry Rhodan.

Im Tunnel, der sich unter der Mauer des Sepulcrums der Fayyud hindurchwand, konnten Shema Ghessow und die beiden Männer nebeneinander gehen. Sie bewegten sich in völliger Dunkelheit, aber was die Sensoren ihrer SERUNS ermittelten, wurde als Topografie in Grünschattierungen auf ihre Helmvisiere projiziert.

Das Material dieses Bauwerks wies sämtliche Sensorstrahlen ab, was die Anzeige ungenau machte. Es gab lediglich einen Minimaldurchlass vom Tunnel zur Oberfläche, ein paar Zentimeter dick, gerade genug, um eine Transmitterverbindung zu ermöglichen. Diese hatten sie genutzt, um in einer Sackgasse zu materialisieren. Stattin hatte ihnen die Codes dieses zweiten Transmitters verraten, einer Notfallvorrichtung, wenn dass das große Hauptgerät im Dom ausfiele.

Ein paar Mikrosonden erkundeten voraus, aber der Funkkontakt riss immer wieder ab. Dadurch verblassten sekundenweise Abschnitte der Karte, die Shemas SERUN zusätzlich zur Umgebungsdarstellung auf die Innenseite ihres Helms projizierte, was anzeigte, dass die Messdaten nicht mehr aktuell waren.

Die drei Terraner hielten nicht nur Sichtkontakt, sie blieben auch in einer Nähe von ein paar Metern zueinander, während sie durch den Tunnel gingen. Die Inertialnavigation ermittelte ihre ungefähre Entfernung zum Dom. Dieser war ein Konversen-Relais, in dem die RA bei ihrer Ankunft auf diesem Mond materialisiert war, und sie hofften, die Kastellan-Kapsel noch immer vorzufinden, wo sie sie zurückgelassen hatten.

»Offenbar ist die LEUCHTKRAFT repariert«, fuhr Rhodan fort. »Damit hat Molaud die Mittel, die Distanz von über zweihundert Millionen Lichtjahren zwischen der Milchstraße und Spaphu zu überwinden ...«

Shema ächzte leise. Aber nicht leise genug, damit Rhodan es überhört hätte.

»Alles in Ordnung?«

Sie spannte die Muskeln in Schultern und Armen an, um ihr Schaudern zu unterdrücken. »Ich hoffe, wir kommen bald aus diesem Tunnel. Ich mag die Vorstellung nicht, dass ich von einem Material umgeben bin, das mir verwehrt, mich in die Hypersenke zurückzuziehen.«

»Nur noch zweihundertdrei Meter«, sagte Lato.

Shema grübelte, während sie einen Fuß vor den anderen setzte. Sie hatte nicht gelogen. Der Umstand, dass ihr die ultimative Fluchtmöglichkeit verwehrt war, beunruhigte sie tatsächlich.

Aber die ganze Wahrheit hatte sie nicht gesagt. Rhodan hatte die gewaltige Distanz zur Milchstraße benannt, und das Wissen darum, so unglaublich weit von der Heimat entfernt zu sein, machte Shema zu schaffen. Das war irrational, selbstverständlich. Sie war zehn Jahre auf der MAGELLAN nach Morschaztas gereist. Diesen sternenlosen Abgrund vermochte ein Mensch ausschließlich mit äußerster technologischer Anstrengung zu überwinden. Überhaupt nur zwei Schiffe terranischer Fertigung waren prinzipiell dazu in der Lage, neben dem optimierten Ultratender MAGELLAN die noch immer nicht wieder vollständig einsatzbereite RAS TSCHUBAI. Nach objektiven Maßstäben war es bedeutungslos, ob man 35 oder 200 Millionen Lichtjahre von allem Bekannten entfernt war.

Aber Shema empfand es anders. In Spaphu war sie eine Fremde, hilflos, ausgeliefert, ohne Orientierung, wie ein Schmetterling, den man mit einem Transmitter in die Arktis versetzt hatte.

»Ich kann nicht vollkommen sicher sein, dass ich die LEUCHTKRAFT gesehen habe«, sagte sie leise. »Das Schiff war eine blaue Walze, aber ...«

»Gerade wirktest du noch so sicher«, stellte Lato fest. »Die Umstände rechtfertigen die Hypothese aber durchaus, dass es sich um die LEUCHTKRAFT handelt.«

»Die Suche nach den Fragmenten von ES wird seit Jahren im Dritten Galaktikum diskutiert«, sagte Rhodan. »Molaud kann leicht Kenntnis davon erhalten haben. Wenn die LEUCHTKRAFT repariert ist und er – wie auch immer – herausgefunden hat, dass sich eines der Fragmente in Spaphu befindet, hat er einen guten Grund, herzukommen.«

»Was sollte er von ES wollen?« Shema war klar, dass sie über diese Frage nur spekulieren konnten, aber sie hoffte, sich damit vom Gedanken an die Fremde abzulenken. »Einen neuen Zellaktivator?«

»Möglich«, bestätigte Rhodan.

Molaud hatte sein lebenserhaltendes Gerät an den Maskenträger Alaska Saedelaere weitergegeben und dafür dessen Platz als Kommandant der LEUCHTKRAFT eingenommen. Temporär, wie man zunächst vermutet hatte. Aber Soynte Abil, die zwischenzeitlich den Posten ausgefüllt hatte, war mit der MONITOR-C nach Andromeda zurückgekehrt, während Molaud das Mutterschiff in die Werft TRAPAX gesteuert hatte – so jedenfalls war es Saedelaere vor mittlerweile fast zwanzig Jahren mitgeteilt worden.

Shema schauderte erneut, weil sie unwillkürlich an die ungeheuren Distanzen in Zeit und Raum dachte, die Saedelaere überwunden hatte. Niemand wusste, wie tief der Maskenträger im Dienst der Kosmokraten in die Fremde vorgedrungen war.

Saedelaere war, so sagte man, schon immer ein Fremder, ein Einsamer, gewesen. War das auch Shemas Schicksal? Brachte die Angst davor sie dazu, so häufig an Damar Feyerlant zu denken, den Menschen, der sie besser verstand als jeder andere? Er war in Morschaztas zurückgeblieben, Hunderte Millionen Lichtjahre entfernt ...

Ihr SERUN blendete eine Warnung ein. Eine der Sonden hatte das Sepulcrum erreicht und entdeckt, dass sich dort bereits jemand befand.

*

In völliger Finsternis standen sie beieinander, zehn Meter vor der Stelle, wo der Tunnel in den Dom mündete. Die grauen Gestalten, als die Shema Ghessow den hoch aufgeschossenen Antanas Lato und den etwas kleineren Perry Rhodan sah, waren berechnete Projektionen auf ihrer Helminnenseite, basierend auf den passiven Nahbereichssensoren ihres SERUNS. Sie verständigten sich über abhörsichere, physische Kabelverbindungen.

Eine Darstellung dessen, was die Sonden im Innern des Sepulcrums erfassten, kombiniert mit gespeicherten Daten über seinen Aufbau, erlaubte ihnen eine Lageanalyse. Das Gebäude war ein Ellipsoid mit einer lichten Höhe von 200 Metern und einer maximalen Ausdehnung von 88 Metern. In seinem Zentrum stand eine Art Käfig, mehrere Dutzend Meter hoch, überwuchert von Moos, Ranken und Pflanzen, von denen Shema nicht zu sagen wusste, ob sie lebten oder bloß noch als Dünger taugten. Dieser Käfig schien leer zu sein, was aber hoffentlich nur an der fortgeschrittenen Tarntechnologie der RA lag.

Im Boden der Halle gab es Mulden, die mit der Asche Verstorbener gefüllt und von Würfeln gesäumt waren, die gut in eine Hand passten und Erinnerungen an die Toten bewahrten. Bei vielen gab es zudem Schmuck und weitere Grabbeigaben.

Zwischen den Ruhestätten bewegten sich Cunuur auf ihren vier Beinen, wenn sie nicht die Antigravmodule ihrer blau-metallisch glänzenden Anzüge benutzten. Mit ihren vier Händen bedienten sie Geräte, die nach Sensoren aussahen. Die meisten davon waren persönliche Ausrüstung, aber auch drei größere Aggregate hatten sie aufgebaut.

Mit ihren starren Reptilienaugen blickten die Cunuur auf die Anzeigen oder spähten in die Bereiche, die ihre Anzugscheinwerfer aus der Dunkelheit holen. Offensichtlich waren sie nicht an diesem Ort, um einen Trauerdienst zu vollziehen, sondern suchten etwas. Ihre Pietät mochte sie davon abhalten, die Beleuchtung des Doms zu aktivieren.

»Ich zähle elf«, murmelte Rhodan. »Wie zu erwarten.«

»Es gefällt mir, dass diese Gruppenstärke in ihrer Kultur verankert ist.« Lato erfreute sich an Primzahlen wie andere an Gedichten.

»Entweder ist es mit ihren Scannern nicht weit her«, meinte Shema, »oder die RA ist nicht mehr, wo sie sein sollte.«

»Sie verfügt über herausragende Tarntechnologie!«, brauste Lato auf, als nähme er einen Freund in Schutz.

»Haben wir eine Chance, festzustellen, ob sie sich noch im Käfig befindet, ohne, dass wir unsere Anwesenheit verraten?«, wollte Rhodan wissen.

»Einen Funkspruch an die RA würden die Cunuur bestimmt auffangen«, mahnte Shema, um sicherzugehen, dass Lato das Offensichtliche nicht übersah.

»Selbstverständlich.«

Die Helmanzeige stellte die fünf Sonden, die sich innerhalb des Doms aufhielten, als rote Punkte dar. Einer davon gewann an Höhe und trieb auf den Käfig zu, dessen Stäbe so weit auseinanderstanden, dass auch ein Mensch oder ein Cunuur sie bequem passieren konnte.

»Ich werde physischen Kontakt herstellen«, kündigte Lato an.

Obwohl sich vor der Sonde, 17 Meter über dem Boden, optisch nur Luft befand, meldete sie einen Widerstand, den sie nicht überwinden konnte. Das niederenergetische Prallfeld über dem Deflektor der Kastellan-Kapsel bot für Shema die beste Erklärung.

»Also ist mit der RA alles in Ordnung«, folgerte Rhodan.

»Kannst du uns über die Hypersenke reinbringen?«, fragte Lato.

Der graue Schemen, mit dem der SERUN ihn markierte, verriet keine Blickrichtung, aber es war offensichtlich, dass er Shema ansprach. Mit ihrer Parakraft vermochte sie sich selbst und zwei Verweilgäste bis zu 40 Meter weit durch den Hyperraum zu transportieren – wenn nicht gerade ein solch rätselhaftes Material wie jenes, aus dem die Wand des Doms bestand, sie blockierte. Das war innerhalb des Gebäudes nicht zu erwarten.

Aber Shema erkannte eine andere Gefahr. »Eines der Aggregate könnte ein Paraspürer sein. Möglicherweise mit einer Falle verbunden.«

Vor allem eine bronzefarbene, fünf Meter hohe Konstruktion, die die Cunuur unmittelbar an dem Käfig aufgestellt hatten, betrachtete sie mit Misstrauen. Die verdrehten Ausläufer waren für Sensoren nicht zielführend – solange sie in vierdimensionaler Raumzeit operierten. Höherdimensionale Vorrichtungen mochten auf Parabegabungen abzielen; dass man auf dem Mond Gée in dieser Hinsicht sensibilisiert war, hatte sie bereits gelernt.

»Das riskieren wir nicht«, entschied Rhodan.

»Die Deflektoren unserer SERUNS sind weit schwächer entwickelt als die der RA«, gab Lato zu bedenken. »Mit Energietastern wären sie zu entdecken.«

»Weswegen wir sie auch nicht verwenden werden«, beschloss Rhodan. »Wir nutzen die Camouflagemöglichkeit unserer Anzüge, verbunden mit einer maximalen Wärmedämmung, verzichten auf den Antigrav, halten Funkstille – und pirschen uns außerhalb der Lichtkegel an die RA.«

»Die sind schwer bewaffnet«, stellte Shema fest. »Wir haben nur leichte Waffen.«

Tatsächlich hatten sie keine große Auswahl gehabt, nachdem sie zuvor entwaffnet worden waren, und hatten nehmen müssen, was ihnen in die Finger gekommen war.

Illustration: Swen Papenbrock

»Ein guter Grund, weder zu trödeln noch sich erwischen zu lassen.« Hörte sie Schalk in Rhodans Stimme?

»Ihre Sensoren sind unangenehm leistungsstark«, sagte Lato. »Sie haben die Sonde entdeckt.«

Einer der Cunuur deutete mit einem Lichtstrahl auf die winzige Einheit, die noch immer versuchte, das Prallfeld der RA zu durchdringen. Mit einer weiteren Hand tippte er auf seinem Aggregat herum, mit den beiden übrigen winkte er seinen Gefährten, während er ihnen etwas zurief.

Rhodan veranlasste die Selbstzerstörung der Sonde, die augenblicklich zu einem Kügelchen Metallplast verschmorte und aus der Anzeige von Shemas SERUN verschwand.

»Wir verzichten auf die Nahbereichsortung und die Abfrage der Sonden«, bestimmte Rhodan. »Vermutlich werden wir den Kontakt zueinander verlieren. Wir treffen uns innerhalb des Käfigs, an dieser Strebe.« Sein SERUN schickte eine Positionsmarkierung. »Wenn wir alle vor Ort sind, funken wir die RA an und lassen uns gemeinsam an Bord holen. Und werden uns bessere Waffen besorgen.«

Shema und Lato bestätigen. Die SERUNS zogen die Kabelverbindungen ein, über die sie bisher kommuniziert hatten.

*

Der SERUN empfahl die Injektion eines Beruhigungsmittels.

Shema Ghessow lehnte ab. Sie akzeptierte lieber ihren rasenden Puls und das Surren der Helmventilation, die den Schweiß auf ihrer Stirn trocknete, als eine Trübung ihrer Sinne in Kauf zu nehmen.

Außerdem fand sie das Ausmaß ihrer Unruhe beinahe albern. Perry Rhodan und Antanas Lato mussten in der Nähe sein, vermutlich nur zwei oder drei Meter entfernt, auch wenn die Camouflagefunktion ihrer Anzüge sie in der Dunkelheit verbarg. Shema war nicht allein in dieser ovalen Halle, die sie wegen der paradämmenden Wirkung ihrer dicken Mauern nicht verlassen konnte. Fernab der Heimat, durch einen Hunderte Millionen Lichtjahre weiten, sternenlosen Abgrund von der Milchstraße getrennt ...

Zum Pochen in ihren Schläfen gesellte sich ein Ziehen in ihrer Brust. Eindeutig psychosomatisch, sonst hätte der SERUN bereits mit einer Diagnose aufgewartet.

Vorsichtig setzte sie einen Fuß vor den anderen. Die Helmprojektion markierte die Lage der Aschemulden. Aber das waren nur dann Ist-Daten, wenn das Streulicht von den Lampen der Cunuur ausreichte, damit der SERUN die Strukturen erfasste; ansonsten zeichnete er die während ihres ersten Aufenthalts ermittelten Positionen ein. Falls eine weitere Mulde dazugekommen wäre, würde Shema ahnungslos durch die Asche eines Toten stapfen ...

Sie schluckte.

Besser, sie konzentrierte ihre Aufmerksamkeit auf die Cunuur. Sechs standen bei dem Aggregat, das die Sonde entdeckt hatte. Deren winzige Überreste hatten sie wohl gefunden, jedenfalls ging etwas sehr Kleines von Hand zu Hand. Sie fauchten und gestikulierten, und zwei von ihnen hatten die Strahler gezogen.

Nicht gut.

Die fünf anderen Cunuur flogen durch die Halle, schwenkten Handsensoren und Leuchtkegel und hielten ihre Waffen schussbereit. Shema versuchte, sich damit zu beruhigen, dass sie ihre Aufmerksamkeit auf die Höhe richteten: Keiner flog tiefer als zehn Meter, zwei schwebten sogar unmittelbar unter der Kuppel. Aber sie wusste, dass ihre Gegner von dort oben freies Schussfeld hatten ...

Die Bereitschaftsanzeige des SERUNS behauptete, dass dieser den Hochenergie-Überladungsschirm innerhalb von Millisekunden aufbauen könnte. Schneller, als sich eine Handwaffe auf sie ausrichten würde.

Sofern der Anzug das rechtzeitig bemerkte, ohne Tastung durch aktive Sensoren, allein auf Basis elektromagnetischer, somit lichtschneller, Signale ...

Nochmals schluckte sie, wich einer weiteren Mulde aus und setzte die Füße so vorsichtig ab, als könnte sie damit ihr Gewicht reduzieren.

Sie erinnerte sich daran, dass es in diesem Dom Pflanzen gab, nicht nur am Käfig, in dem sich die RA – hoffentlich – noch befand. Waren einige davon verholzt? Konnten sie knacken, wenn man darauf träte?

Shema erschrak, weil etwas zwischen ihr und den Lichtern der Cunuur am Aggregat flimmerte. Sie erstarrte und hielt die Luft an.

Es war eine optische Störung, wie heißes Gas.

Sie atmete aus. Lato oder Rhodan. Die Camouflagefunktion eines SERUNS passte Farbe und Helligkeit an die Umgebung an, aber vor einer hellen Strahlenquelle und bei einem bewegten Träger gab es optisch erfassbare Störeffekte.

Ein paar Schritte blieb sie hinter dem Gefährten, dann musste sie einer Mulde ausweichen und verlor ihn aus dem Blick.

Am besten ging sie einen Bogen, damit sie sich möglichst vom Aggregat fernhielt.

Dieses kupferfarbene Ding sah tatsächlich nach einer Parafalle aus ... Mit den gedrehten Ausläufern, beinahe wie Fangarme ...

Nach den Ereignissen der vergangenen Tage mochten die Cunuur eine Vorstellung von Shemas Fähigkeit haben, in die Hypersenke zu wechseln. Was, wenn sie ihre Falle darauf optimiert hatten? Falls sie so fein justiert wäre, dass sie die Parabegabte auch dann aufspüren könnte, wenn sie ihr Talent gar nicht einsetzte?

Der SERUN verstärkte seine Empfehlung für ein Beruhigungsmittel.

Widerstrebend stimmte Shema einer geringen Dosis zu.

Gingen Rhodan und Lato ebenfalls einen Bogen? Oder waren sie schon am Ziel, der in der Kartendarstellung markierten Strebe des Käfigs?

Shema stellte sich vor, wo die RA sein musste. Ein tropfenförmiges Schiff, dessen Wölbung sich in knapp 25 Meter Höhe befinden dürfte, weil die nach unten weisende Spitze den Boden nicht berührte ... Deswegen hatten die Cunuur es wohl noch nicht gefunden, sie konnten darunter hindurchgehen.

Ein von oben kommender Lichtkegel erfasste Shema.

Nur nicht bewegen! Ich muss der Camouflage vertrauen!

Solange sie reglos blieb und der Sucher nicht wusste, wonach er Ausschau halten musste ...

Die Fußstapfen! Shema erkannte, dass sie sich auf staubigem Grund befand. Sie hatte Spuren in den grauen Boden gedrückt. Vielleicht war das eine dünne Schicht Asche, die aus einer der Mulden herausgeweht war ...

Würde der Cunuur die Abdrücke korrekt interpretieren?

Würde der SERUN rechtzeitig mitbekommen, falls er den Strahler ausrichtete?

Shema hielt den Atem an.

Sie hatte den Eindruck, ihr Herzschlag tönte so laut, dass er auch für einen Gegner, der 20 Meter über ihr flog, unüberhörbar sein müsste. Und erst das Helmgebläse, das gegen ihren Schweiß ankämpfte!

Der Lichtkegel wanderte weiter.

Shema versuchte, das Suchmuster zu erkennen und ihm auszuweichen.

Derweil trafen die Cunuur am Aggregat offenbar eine Entscheidung. Einer der kupferfarbenen Ausläufer entließ einen Schwarm Mikrosonden, der sich in den Käfig hineinbewegte.

Vorerst hielt er sich am Boden, aber sobald die Geräte aufstiegen, mussten sie die RA ebenso zuverlässig entdecken wie die terranische Sonde zuvor.

Shemas Fuß stieß gegen einen Würfel neben einer Aschemulde, der die Erinnerung an die Verstorbenen bewahrte. Sie bückte sich, hob ihn auf und warf ihn gegen eine entfernte Stelle an der Wand des Doms, wobei die Muskelverstärker des SERUNS ihr zusätzliche Kraft gaben.

Der Würfel zerbrach krachend.

Shema war unwohl dabei, einen Gegenstand beschädigt oder gar zerstört zu haben, der dem Totengedenken diente. Aber sie brauchte eine Ablenkung. Es ging um ihre Freiheit.

Die Cunuur ruckten herum, wandten sich dem Geräusch zu. Über Shemas Kopf sirrte ein blauer Strahler, vielleicht eine Paralysewaffe.

Shema rannte los. Sie schlug einen Haken um eine Aschemulde, sprang über eine zweite.

Der SERUN musste etwas Alarmierendes bemerken, denn er übernahm die Kontrolle, aktivierte den Schirm und die Antigravfunktion, beschleunigte sie so schnell zur Seite, dass sie die Orientierung verlor.

Die Cunuur brachten Strahler in Anschlag.

»Ich erkenne Kampfhandlungen«, meldete sich die Sextatronik der RA im Funk. »Soll ich die Gegner eliminieren?«

»Negativ!«, rief Rhodan. »Nur passive Sicherheit!«

Etwas traf Shemas Schirm, die Energiebarriere flammte hellgrün auf.

In einem dreidimensionalen Zickzackkurs flog der SERUN das markierte Ziel an: die Strebe, an der sie sich mit Rhodan und Lato treffen wollte. Noch bevor sie dort ankam, blitzte der Schirm ein zweites Mal auf, und noch ein drittes Mal, bevor er wieder erlosch.