Perry Rhodan 3240: Ewig lebe der Ganjo! - Robert Corvus - E-Book + Hörbuch

Perry Rhodan 3240: Ewig lebe der Ganjo! E-Book und Hörbuch

Robert Corvus

3,0

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Beschreibung

Das Ende des 21. Jahrhunderts Neuer Galaktischer Zeitrechnung ist angebrochen. Mehr als dreieinhalbtausend Jahre von unserer Zeit entfernt lebt die Menschheit in Frieden. Zwischen den Sternen der Milchstraße herrschen keine großen Konflikte mehr. Wie es aussieht, könnte Perry Rhodan, der als erster Mensch von der Erde auf Außerirdische gestoßen ist, sich endlich seinem großen Ziel nähern: der alte Traum von Freundschaft und Frieden zwischen den Völkern der Milchstraße und der umliegenden Galaxien. Die Angehörigen der Sternenvölker stehen für Freiheit und Selbstbestimmung ein, man arbeitet intensiv und gleichberechtigt zusammen. Bei ihrem Weg zu den Sternen hat ein geheimnisvolles Wesen die Menschen begleitet und unterstützt: Es trägt den Namen ES, man bezeichnet es als eine Superintelligenz, und es lebt seit vielen Millionen Jahren zwischen Zeit und Raum. Rhodan sieht ES als einen Mentor der Menschheit. Doch ES weilt nicht mehr in der Galaxis – das Geisteswesen scheint in ungezählte Fragmente zersplittert zu sein, die sich in verborgenen Fragmentrefugien ballen. Diese Refugien zu finden und die Fragmente wieder zu vereinen, ist Rhodans Ziel. Während Rhodan selbst in der Heimatgalaxis der Sorgoren tätig ist, versucht Atlan in Gruelfin das dortige Fragment mit friedlichen Mitteln an sich zu bringen. Und dann erklingt der Ruf: EWIG LEBE DER GANJO!

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Seitenzahl: 182

Veröffentlichungsjahr: 2023

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Zeit:4 Std. 5 min

Veröffentlichungsjahr: 2023

Sprecher:Martin Bross

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Nr. 3240

Ewig lebe der Ganjo!

Ein Traum endet – und ein neuer beginnt

Robert Corvus

Cover

Vorspann

Die Hauptpersonen des Romans

1. Treibgut

2. Hilfe

3. Suche

4. Transmitter

5. Zuflucht

6. Lagebild

7. Verlassen

8. Dankbarkeit

9. Kunst

10. Erziehung

11. Berufung

12. Aufbruch

13. Schweigen

14. Strategiespiel

15. Austreibung

16. Drängen

17. Übernahme

18. Schnelligkeit

19. Unterstützung

20. Kommando

21. Führung

22. KONDOR

23. Dunkelwasser

24. Ingenieurskunst

25. Refugium

26. Verfolgung

27. Verluste

28. Flexoretten

29. Tod

30. Zeugnis

31. Freiheit

32. Schicksal

33. Schwarzmetall

34. Rückkehr

Report

Leserkontaktseite

Glossar

Impressum

Das Ende des 21. Jahrhunderts Neuer Galaktischer Zeitrechnung ist angebrochen. Mehr als dreieinhalbtausend Jahre von unserer Zeit entfernt lebt die Menschheit in Frieden. Zwischen den Sternen der Milchstraße herrschen keine großen Konflikte mehr. Wie es aussieht, könnte Perry Rhodan, der als erster Mensch von der Erde auf Außerirdische gestoßen ist, sich endlich seinem großen Ziel nähern: der alte Traum von Freundschaft und Frieden zwischen den Völkern der Milchstraße und der umliegenden Galaxien. Die Angehörigen der Sternenvölker stehen für Freiheit und Selbstbestimmung ein, man arbeitet intensiv und gleichberechtigt zusammen.

Bei ihrem Weg zu den Sternen hat ein geheimnisvolles Wesen die Menschen begleitet und unterstützt: Es trägt den Namen ES, man bezeichnet es als eine Superintelligenz, und es lebt seit vielen Millionen Jahren zwischen Zeit und Raum. Rhodan sieht ES als einen Mentor der Menschheit.

Doch ES weilt nicht mehr in der Galaxis – das Geisteswesen scheint in ungezählte Fragmente zersplittert zu sein, die sich in verborgenen Fragmentrefugien ballen. Diese Refugien zu finden und die Fragmente wieder zu vereinen, ist Rhodans Ziel. Während Rhodan selbst in der Heimatgalaxis der Sorgoren tätig ist, versucht Atlan in Gruelfin das dortige Fragment mit friedlichen Mitteln an sich zu bringen. Und dann erklingt der Ruf: EWIG LEBE DER GANJO!

Die Hauptpersonen des Romans

Alschoran – Der Kastellan von ES will Wiedergutmachung leisten.

Atlan – Der Aktivatorträger will das ES-Fragment retten.

Hilke Silent-Brown – Die Gefreite will ihre Mission erfüllen.

Viyesch und Smyronosch

1.

Treibgut

Sie war Viyesch, die Ewige Ganja, Herrin über Zehntausende Welten und Licht der Panjasen. Milliarden dienten ihr und versuchten, ihr mit Perfektion zu gefallen. Nur wenigen gelang es, sie zu beeindrucken.

Doch in diesem Moment war sie beeindruckt. Alschoran hatte sie gegriffen. Ein Augenzwinkern später hatte sie sich im freien Weltall wiedergefunden, von wo aus sie einige Zehntausend Kilometer auf den Planeten Hotroyto hinabsah. Noch bevor sie das nächste Mal gezwinkert hatte, war Alschoran wieder verschwunden gewesen.

Die Purpurtunika, die sie unter dem Diamantkleid trug, projizierte ein Feld, das sie vor dem Unterdruck schützte und mit Atemluft versorgte.

Alschoran, eindeutig zu erkennen an seinem blau-roten Anzug, tauchte aus dem Nichts auf. Er hatte Atlan da Gonozal dabei und verschwand einen Atemzug später wieder, wobei er den Arkoniden zurückließ.

Unter ihnen wanderte der Terminator über den Planeten, schwarz die Nacht, golden der Tag.

»Er ist also ein Teleporter«, funkte Viyesch.

»Nicht ganz, aber so in etwa«, antwortete Atlan.

Wieder tauchte Alschoran auf. Diesmal hatte er Boriak dabei, den angeblichen Boten der Superintelligenz THERMIOC, einen Mann, so dünn, dass man fürchten musste, ein Windstoß könnte ihn zerreißen.

Viyesch entschied, dass das Diamantkleid in der Leere des Weltraums, nach der Flucht aus einem unter Feuer liegenden Schiff, keine angemessene Kleidung war. Sie schaltete ihre Purpurtunika in den Gefechtsmodus. Das hauchdünne Gewand, das wie ein Negligé unter dem Kleid lag, dehnte sich aus, verformte sich zu einem Harnisch mit silbernen Verzierungen, einem prächtigen Umhang, der sich auch in der windlosen Umgebung bewegte, einem hochgeschlitzten Rock und eng anliegenden Stiefeln. Die Kraft dieser Umwandlung sprengte das Diamantkleid. Die Edelsteine wurden davongeschleudert, das Licht Schaschpandars brach sich in ihrem Schliff.

Eine Explosion erblühte unten auf dem Planeten, groß und feurig wie ein Vulkanausbruch.

Über einen allgemeinen Funkkanal erklang eine triumphale Sinfonie. Schon nach wenigen Noten erkannte Viyesch die künstlerische Handschrift von Smyronosch.

Atlan drehte sich in seinem SERUN, bis sein Gesicht zum Planeten wies. »Gerade rechtzeitig. Sie haben die TUUM zerstört.«

»Die Falle«, ergänzte Viyesch, »in der wir nach Smyronoschs Willen hätten umkommen sollen.«

»Mir scheint, dein Untergebener war nicht restlos zufrieden damit, wie sich das Große Ganjat unter deiner Herrschaft entwickelt hat«, sagte Atlan.

»Und ich fürchte, er will sichergehen, dass er uns wirklich erwischt hat.« Alschoran streckte den Arm hinaus in die Schwärze des Alls. »Meine Sensoren erfassen einen Blutstropfenraumer, der sich nähert. Energieabstrahlung und Masse passen zur NYRRMAUD.«

»Es wird kein Zufall sein, dass Smyronosch sein Flaggschiff schickt.«

»Glaubst du, unsere Energiesignaturen sind auffällig genug, damit er uns findet?« Boriaks hohe, hohl klingende Stimme war eine unästhetische Zumutung.

»Die Energiesignaturen wohl nicht«, antwortete Atlan, »aber es könnte sein, dass du ein Peilsignal ausschickst.«

»Dessen wäre ich mir nicht bewusst.«

»Das glaube ich dir, aber Smyronosch hat dich geschaffen. Er könnte dich mit einem Sender ausgestattet haben, den er von seinem Flaggschiff aus abfragen kann.«

»Meine Sensoren erfassen nichts«, berichtete Alschoran. »Mein Sextaferer hat ohnehin nur noch drei Sprünge. Ich kann uns nicht alle noch weiter fortbringen. Außerdem würden wir damit wenig gewinnen. Oder weißt du, ob sich die TRINIDAD in der Nähe befindet?«

»Sie wird nach dem Alarmstart geflohen sein.«

Viyeschs Sensoren bestätigten, dass sich die NYRRMAUD näherte.

Sie zog ihre Flexorette aus der Gewandschlaufe, richtete die dünne, spitze Klinge auf Boriak und feuerte einen maximal energetisierten Impulsstrahl ab.

Ein Individualschirm blitzte um das Kunstgeschöpf auf, aber nur für eine Millisekunde. Dann zerriss die anbrandende Hyperkraft den Schutz, zermalmte den Körper dahinter und zerfetzte ihn.

Viyesch wechselte auf den Desintegratormodus, wählte einen Fächerstrahl und löste die Reste in Molekularnebel auf. Ein Peilsender konnte sehr klein sein, er hätte unbeschädigt in einem der Fleischbröckchen stecken können.

»Ich habe gerne mit ihm getanzt«, sagte Alschoran. »War das nötig?«

»Ja.«

Das würde der Ase einsehen, er müsste nur eine Weile darüber nachdenken. Vielleicht verdrehte er dabei die Fakten so lange, bis er sich moralisch überlegen fühlen könnte.

Ein jämmerliches Bedürfnis, dem aber auch ansonsten fähige Individuen oft erlagen, weil man es ihnen nicht beizeiten ausgetrieben hatte und sie schwachen Vorbildern nacheiferten. Boriaks Tod, um drei Leben zu retten – schon bei oberflächlichster Betrachtung erübrigte sich jedes Lamentieren. Zudem war das Kunstwesen kein echtes Leben gewesen, nicht einmalig, identisch reproduzierbar. Und selbstverständlich waren nicht alle Existenzen gleichwertig. Die meisten hatten keinerlei ästhetisches oder sonst wie bedeutsames Potenzial.

Viyesch, aber auch Atlan und Alschoran lebten Leben, zu denen kaum jemand fähig gewesen wäre. Die Weite ihres Geistes, die Kühnheit ihrer Träume blieben den meisten Wesen unverständlich, und jene, die eine Ahnung davon erhaschten, ängstigten sie zumeist.

Wenn Alschoran diese Abwägung nicht verstünde, wäre das eine erbärmliche Sentimentalität, die der Vervollkommnung des Universums entgegenstünde.

»Die NYRRMAUD nähert sich weiterhin«, beobachtete Atlan. »Falls Boriak wirklich ein Signal ausgesendet hat, würde ich befehlen, auf die letzte bekannte Position zu feuern.«

Diese Überlegung bestätigte Atlans Wert. Viyesch setzte einen Fluchtvektor und beschleunigte.

2.

Hilfe

»Die Nottransition hat unser Energienetz überlastet und die Schäden ...«

»Ich will nichts von Schwierigkeiten hören!«, donnerte Sichu Dorksteiger dem Holo des Chefmaschinisten entgegen. »Ich brauche den Linearantrieb! Bist du der richtige Mann, um ihn mir zu geben, oder soll ich mir jemand anderen suchen?«

Der rothaarige Ingenieur zog den Kopf zwischen die Schultern. »Ich meine ja nur, dass wir ausbrennen könnten, wenn wir ...«

»Für diese Mission habe ich den Befehl auf der TRINIDAD! Ich werde Atlan nicht aufgeben!«

Er hantierte jenseits des Aufnahmebereichs. »Die Energiespeicher sind verbunden.«

In der Übertragung der optischen Außensensoren überdeckte das Grau des Linearraums das Licht der Sterne.

Sichu sah nur entschlossene Gesichter in der Zentrale des OXTORNE-Kreuzers. Auf Hotroyto hatten ihre Feinde alle Vorteile in der Hand gehabt; die Delegation hatte das Haus Haikart überstürzt verlassen müssen, der 500-Meter-Raumer hatte unter konzentriertem Feuer gelegen, hatte gegen die Schwerkraft und durch die Atmosphäre beschleunigt – und dennoch waren sie den Panjasen entkommen. Mit Blessuren, aber sie hatten sich nicht kleinkriegen lassen.

Sie nickte Mirabelle Eden zu. Die Kommandantin des Mutterschiffs MAGELLAN hatte keine operative Aufgabe, sie hielt sich auf einem Beobachtersitz bereit. In einer Geste demonstrativer Gelassenheit vor einem Einsatz, der für die etwa eineinhalbtausendköpfige Besatzung den Tod bringen mochte, biss sie ein Stück von einer Scheibe Bastirrinde ab und kaute.

Neben ihr saß Damar Feyerlant. Sichu Dorksteiger musste diesen Mann neu kennenlernen. Zehn Jahre hatte er auf dem Flug der MAGELLAN verbracht, dann ein halbes Jahr im Widerstand gegen die Besetzung durch die Panjasen. Erst seit etwa einem Jahr waren sie wieder gemeinsam in Morschaztas und Gruelfin aktiv, doch davon war er mehrere Monate Kommandant einer Flotte geheimnisvoller, nur von Gehirnen bewohnter Schiffe gewesen, der Blaugoldraumer.

Seine Paragabe prädestinierte den Konnektor für diese Aufgabe, weil sie ihm die Fähigkeit verlieh, seinen Geist auf einzigartige Weise mit Biopositroniken zu verbinden. Doch diese Aufgabe veränderte ihn viel stärker als jede Lebensphase zuvor. Er blieb ein nachdenklicher, zuweilen übersensibler Charakter, aber Erkenntnisse, die ihm nicht gefielen und Grundsätzliches infrage stellten, arbeiteten in ihm. Es wäre gut gewesen, wenn er sich mit Shema Ghessow hätte austauschen können, doch die war Hunderte Millionen Lichtjahre entfernt.

Zusammen mit Perry Rhodan, den Sichu auch gerne an ihrer Seite gewusst hätte.

Solche Wünsche ließen sich jedoch nicht in Handlungen übersetzen. Im Gegensatz zum Wunsch, Atlan und Alschoran zu retten.

Die TRINIDAD glitt wieder in den Normalraum, die Sterne kehrten zurück. Schaschpandar leuchtete neun Lichtminuten entfernt, der Planet Hotroyto mit seiner goldenen Atmosphäre war wesentlich näher. Daneben zeigte das taktische Überblicksholo eine Eruption an, deren hyperenergetischer Wert vergleichbar mit der Wirkung von Paratronwerfern war.

»Laurin-Antiortung steht.«

Sichu nahm die Meldung beiläufig zur Kenntnis. Für eine eingespielte Besatzung wie jene der MA-OK-01 TRINIDAD war es eine Selbstverständlichkeit, mit maximaler Tarnung in ein Kampfgebiet einzufliegen. Eine besondere Hüllenbeschichtung optimierte die Leistung der Energieemissions-Absorber, der Hypertaster-Deflektor leitete die meisten überlichtschnellen Sensorstrahlen ebenso zuverlässig um, wie ein konventioneller Deflektor das mit sichtbarem Licht tat.

Wie befürchtet gab es Schäden an den Energieverteilern. Reparaturtrupps nahmen die Arbeit auf.

»Keine Trümmer im Bereich der hyperenergetischen Eruption«, meldete die Ortungsstation. »Verwüstungen im Stadtgebiet rund um das Haus Haikart. Von der TUUM ist nichts übrig. Rettungseinsatz für die Zivilbevölkerung läuft offenbar. Panjasische Raumer stehen überall im System.«

Rote Markierungen in einem weiteren Holo illustrierten die Aussage.

Illustration: Swen Papenbrock

»Smyronoschs Flaggschiff NYRRMAUD befindet sich im Orbit über Hotroyto. Hat vermutlich den hyperenergetischen Schlag geführt.«

»Auf terranischen Notruffrequenzen lauschen!«, befahl Sichu.

»Intensive Kommunikation auf panjasischen Kanälen«, meldete die Funkstation. »Auf mehreren allgemeinen Frequenzen erklingt Musik. Eine Hymne. Nichts auf den üblichen terranischen Frequenzen.«

»ZALTERTEPES ausschleusen!«, befahl Sichu. »Suchmuster im Umfeld der Eruption fliegen.«

Mirabelle erhob sich und schlenderte zu ihr. Die ernste Miene in dem ohnehin hohlwangigen Gesicht machte klar, dass sie sich der Lage voll bewusst war.

Sie stützte sich neben Sichu auf den Handlauf, der sie von den im Halbkreis angeordneten Arbeitsstationen trennte. »Zwei Space-Jets werden nicht reichen«, flüsterte sie.

Weitere der mit herausragender Tarntechnologie ausgestatteten Kleinstraumschiffe führte die TRINIDAD nicht mit.

»Denkst du, ich sollte die anderen ebenfalls rausschicken?«

Der Schlachtkreuzer hatte zusätzliche 24 Space-Jets dabei, die sich aber wesentlich schlechter verbergen konnten. Gleiches galt für die sechs 60-Meter-Korvetten, die 28 30-Meter-Zerstörer und erst Recht für die Schwärme von raumflugtauglichen Shifts und Kampfgleitern, die primär darauf ausgelegt waren, Raumlandesoldaten abzusetzen.

»Ich meine«, Mirabelle biss knackend von ihrem Rindenstück ab, »dass die beiden ZALTERTEPES allein nicht zwei im All Treibende finden werden, die sich verborgen halten müssen, um nicht von einem Schiffsgeschütz atomisiert zu werden. Zudem nützt es nichts, wenn unsere Einheiten sich ebenfalls verbergen, dann werden sich auch von unseren beiden Jungs nicht bemerkt.«

»Also ganz oder gar nicht«, flüsterte Sichu.

»So ist das im Krieg.«

Sichu gestattete sich nur ein paar Sekunden des Bedauerns darüber, dass sie sich in einen solchen Konflikt hatten hereinziehen lassen, der inzwischen eine gesamte Galaxis erfasste. Dabei waren sie als Retter gekommen, auf der Suche nach dem Fragment einer Superintelligenz.

»Die Blutstropfenraumer agieren uneinheitlich«, meldete die Taktikstation. »Es scheint viele Rückfragen der Kommandanten zu geben. Nicht alle folgen widerspruchslos Smyronoschs Anweisungen.«

Diese Unordnung war ihre Chance. Wenn Atlan und Alschoran noch am Leben waren – und im Überleben hatten sie über Jahrtausende hinweg Meisterschaft erlangt –, mussten sie sich außerhalb der tobenden Hypergewalt befinden. Aber allzu weit konnten sie mit SERUN und Sextaferer nicht gekommen sein; Alschoran hatte insgesamt nur zehn Sprünge zur Verfügung, und einen hatte er gebraucht, um sich auf die TUUM einzuschleichen. Bei einer Maximalreichweite von 40.000 Kilometern pro Sprung konnte er also nicht weiter als 360.000 Kilometer entfernt sein. Das entsprach gerade mal dem Abstand von Luna zu Terra.

»MAHARANIS ausschleusen!«, befahl Sichu. »NOSMOS bereit für sofortigen Start.«

Mirabelle nickte.

»Blaugoldraumer!«, meldete die Ortungsstation. »Zwölf in Angriffsformation auf Hotroyto. Korrektur: Fünfzehn. Einundzwanzig. Dreiund...«

»Wir werden von der VORSICHTERBARMEN gerufen!«, unterbrach die Funkstation.

»Annehmen.«

Das dreidimensionale Lichtbild eines Manns in Uniform erschien, dessen dünner Bart seinen Mund rahmte: Paas Calstein, Damar Feyerlants militärischer Berater bei seinem Kommando über die Blaugoldflotte. »Können wir helfen?«

»Wir können jede Ablenkung gebrauchen«, antwortete Sichu. »Aber spart die Umgebung der Hauptwelt aus. Lockt die Panjasen von dort fort!«

Der Soldat bestätigte. Die Wand hinter ihm sah aus wie gefrorenes Wasser, das sich mit geschmolzenem und wieder erstarrtem Gold einen Kampf lieferte.

»Ich komme zu euch!«, kündigte Feyerlant mit einer Entschlossenheit an, die Sichu von früher nicht kannte. »Von der VORSICHTERBARMEN aus kann ich die Suche besser unterstützen. Ich werde mich mit den Schiffsgehirnen verbinden.«

Sichu gab ein Zeichen der Zustimmung. »Genehmigt. Transmitter vorbereiten.«

3.

Suche

»Wir haben ein Signal aufgefangen, das von einem terranischen SERUN stammen könnte«, dröhnte die Stimme von Gno Seppter aus den Akustikfeldern im Shift-Hangar der MAHARANI-Korvette. Der Haluter sah sich noch immer als Atlans Leibwächter und beteiligte sich als Pilot und Kommandant des 60-Meter-Beiboots an der Rettungsmission. »Setze Rendezvouskurs.«

Die Raumlandesoldaten der Kampfgruppe 13 jubelten.

Auch die Gefreite Hilke Silent-Brown reckte die Faust in die Höhe, obwohl man die Geste in der Menge kaum bemerken konnte. Mit 20 Zentimetern vom Scheitel bis zur Sohle war die Siganesin mit Abstand die Kleinste in der zehnköpfigen Truppe, die sich im Hangar neben dem LUPUS-Flugpanzer versammelt hatte.

Die Soldaten wandten sich wieder ihren engsten Kameraden zu: Jedem von ihnen war ein TARA-VIII-UH-Kampfroboter zugeordnet. Die Maschinen waren im Wartungsmodus aufgeklappt und präsentierten ihre Baugruppen zur Inspektion. Hilke glaubte, dass die Überprüfung durch die Soldaten primär der Beruhigung Letzterer diente: Es war gut, vor einem Gefecht beschäftigt zu sein, statt an die bevorstehende Gefahr zu denken. Die Systeme der TARAS waren sowohl von ihnen selbst als auch von Ingenieuren gründlich überprüft worden.

Dennoch flog sie am zweieinhalb Meter hohen Metallkegel hoch. Sie inspizierte die Ynkonit-Panzerung, die so dick war, dass Hilke die Kante mit ihrer Hand gerade so umfassen konnte. Der Mikrosonden-Auswurf war sauber und frei von Hindernissen. Die Dioden am Kernfusionsreaktor leuchteten beruhigend, die Überladungsschaltung war gesichert. Die vier Waffenarme bewegten sich auf ihre Anweisung geschmeidig.

»Wir wissen nicht, wo wir Atlan finden!«, rief Korporal Roland Bor.

Der Ertruser hatte mit Hilke in Kampfgruppe 17 der CONCEPCIÓN gedient, die aber bei der Eroberung der MAGELLAN durch die Panjasen beinahe vollständig aufgerieben worden war. Ihre überlebenden drei Mitglieder hatte man anderen Einheiten zugeteilt, Bor und Hilke waren zusammengeblieben.

»Sie können überall Zuflucht gesucht haben.« Der zwei Meter breite Brustkorb verlieh der Stimme des Ertrusers Volumen. »Es kann sein, dass wir auf den Planeten runtermüssen. Oder rein in ein Wrack. Oder auf einen Asteroiden. Oder dass sie bewusstlos sind und wir sie im Vakuum treibend auflesen. Auf all das seid ihr vorbereitet. Vertraut auf eure Ausbildung!«

Hilke merkte, dass die anderen immer wieder zu ihr herübersahen. In den Raumlandetruppen war sie eine Berühmtheit. Den Widerstandsorden hatten alle Militärangehörigen erhalten, die das halbe Jahr während der Besetzung im Untergrund auf der MAGELLAN ausgeharrt hatten, statt gefangen genommen und nach Ghyzarasch verschleppt zu werden oder sich an Bord mit den Panjasen zu arrangieren. Aber die Purpurfaust für Tapferkeit im Angesicht des Feindes war etwas Besonderes; Hilke hatte sie für ihren Alleingang auf der Werftplattform des Ultratenders erhalten, mit dem sie den Notruf zur Milchstraße abgesetzt hatte.

Noch waren ihr SERUN-Downsize und die anderen Kampfanzüge nicht auf Camouflage geschaltet. Deswegen waren die Symbole für die beiden Ehrenabzeichen an ihrer Brust eingeblendet. Zu klein, als dass man auf ein paar Meter Entfernung die Einzelheiten hätte erkennen können, aber man sah, dass sie da waren.

»Wir liegen unter Beschuss!« Klang da etwa Unruhe in der halutischen Stimme aus dem Akustikfeld?

»Gefechtsbereitschaft herstellen!«, rief Korporal Bor.

Die TARAS klappten ihre Komponenten ein, Lücken in der Panzerung schlossen sich, die Kegelstumpfform wurde offensichtlich, die Waffen energetisierten sich surrend. Helme falteten sich über die Köpfe der Soldaten, Kombistrahler wurden ein letztes Mal überprüft, die Gefechtsroutinen in den Anzugpositroniken priorisiert.

»Wenn die ihre Panjasennasen in unsere Korvette stecken, wird es ihnen ordentlich stinken!«, rief Bor.

Ein Donnern lief durch die Schiffshülle.

4.

Transmitter

Beim Entern von Raumschiffen kam Transmittern eine entscheidende Bedeutung zu. Nach dem Zusammenbruch der Schirme versuchten Stoßtrupps, diese Geräte im Innern des feindlichen Raumers zu positionieren. Waren sie aktiviert, konnte man frische Truppen in beliebiger Anzahl nachführen, die sich noch nicht einmal dem Abwehrfeuer der Schiffsgeschütze aussetzen mussten. Sie materialisierten innerhalb der einzunehmenden Stellung.

Das war den Panjasen gelungen. Zumindest teilweise. Ihr Schiff – größer als die Korvette – war angedockt und ein Loch in die Hüllenpanzerung gesprengt. Ihren Transmitter hatten sie so geschickt zwischen den Fusionsreaktoren aufgestellt, dass die Verteidiger ihn nicht mit schweren Strahlern beschießen konnten, ohne zu riskieren, dass ihnen das eigene Schiff um die Ohren flöge.

Das hatte Gno Seppter auf den Plan gerufen. Der Haluter hatte den Pilotensessel verlassen und war im Maschinenraum in den Nahkampf gegangen. Den Transmitter hatte er zermalmt, aber zuvor hatte dieser einen Panjasen und mehrere Gardisten an Bord gebracht.

Der Panjase erwies sich mit seiner nanitengestützten Selbstheilungskraft und der in seiner Purpurtunika verbauten Hochtechnologie auch für einen Haluter als ebenbürtiger Gegner. Sein Umhang schien ein Eigenleben zu haben, wirbelte immer wieder vor seinen Körper und fing die mörderischen Schläge der vier Fäuste ab. Die Flexorette stach durch Seppters schwarze Haut, obwohl dieser sie zweifellos verhärtet hatte.

Andererseits war die halutische Kraft immens. Der Panjase wurde gepackt und umhergeschleudert, die Aufprallwucht dellte Aggregate ein. Sein Schirm flackerte, und einmal wurde ihm die Flexorette beinahe aus der Hand gerissen. Bei dieser Gelegenheit griff er auf die Thermostrahlfunktion zurück, um sie freizubekommen, was allerdings die Maschinerie beschädigte.

Die Raumlandesoldaten hatten in diesem archaisch anmutenden Kampf keine Aufgabe. Sie jagten die Gardisten, hielten sie in den Schiffsbereichen, in denen das möglich war, mit Strahlerfeuer nieder, nahmen sie mit den TARAS in die Zange und versuchten zu verhindern, dass sie in die Zentralkugel vordrangen, die sich im Verschlusszustand befand.

Hilke Silent-Brown bekam einen Spezialauftrag.

»Bist du scharf auf einen dritten Orden, Große?«, fragte Korporal Roland Bor.

»Her damit!«, verlangte die Siganesin lässig, obwohl der Puls in ihrem Hals hämmerte.

Der Ertruser gab ihr ein Metallgeflecht. Bei ihm passte es in eine Pranke, für Hilke war es eine Last, die sie sich auf den Rücken schnallte. Es war für genau diese Art von Einsatz konstruiert, deswegen fügte es sich in zusammengelegter Form exakt über den Tornister, der ihm Halt gab. Allerdings ragte es über Hilkes Kopf auf und verbreiterte sie auf beiden Seiten um satte drei Zentimeter. Das müsste sie bedenken, wenn es eng würde.

Sie nahm einen Energieadapter und klemmte ihn an ihrer Brustpanzerung fest.

Bor stand auf, womit Hilke ihm noch nicht einmal mehr bis zum Ende des SERUN-Stiefels reichte. »Ich brauche die Kommandocodes für deinen TARA.«

Hilke überspielte sie ihm mit einem Befehl an ihre Anzugpositronik.

Die beiden salutierten. »Mach sie fertig, Gefreite!«

»Jawohl, Korporal!« Auch diesmal half das militärische Ritual, ihre Nervosität in den Griff zu bekommen. Sie tat, worauf sie ihr gesamtes Erwachsenenleben lang hin trainiert hatte.

Bor wandte sich an die beiden Kameraden, die mit ihren TARAS warteten. »Ich will hinterher nur noch leer geschossene Energiezellen sehen!«

»Jawohl, Korporal!«

Per Vorrangschaltung zwang er das Schott zur Halle mit den primären Schwerkrafterzeugern auf. Dort hatte das feindliche Schiff angedockt und den Rumpf aufgesprengt. Der Hüllenriss war unübersehbar, dahinter lag das beleuchtete Innere des Panjasenraumers, eine perlenverzierte Goldwand.

Die TARAS bildeten die erste Angriffswelle. Sie feuerten auf die panjasischen Roboter, rote Maschinen mit ovalen, waagerecht ausgerichteten Hauptkörpern und mehreren Tentakeln, die mit Strahlern gegenhielten.

Schirme gleißten auf, verdunkelt durch Abstrahlaufrisse. Die Soldaten rückten nach.

Hilkes SERUN-Downsize war zu klein für einen vollwertigen Schutzschirmprojektor. Sie konnte ein Prallfeld erzeugen, das sie vor umherfliegenden Splittern und Tropfen verflüssigten Metalls schützte; ein direkter Treffer würde jedoch auf den Anzug durchschlagen. Dessen Material und Klimakontrolle hielten die Hitze von mehreren Zehntausend Grad ab, aber ein Impulsstrahl würde ihn zermalmen, und seine Trägerin gleich mit.

Deswegen musste Hilke schnell sein. Immer eine Pfeilspitze vom Tod entfernt. So lautete der Spruch, den der legendäre Oberst Achill Maccao während der Chaoporterkrise geprägt hatte.

Bor dirigierte Hilkes TARA zusammen mit seinem eigenen ins Gefecht und folgte den beiden Maschinen. Die Schwerkrafterzeuger detonierten, Gardisten stießen zu den panjasischen Kampfrobotern, überall schwirrten Trümmer, Rauch formte dichte Kugeln.

Der Korporal ließ seine Leute zurückfallen, lieferte ein Verzögerungsgefecht.

Die Panjasen setzten nach.

Hilke stürmte vor. Ohne Roboter, ohne Flugmodul, und auch den Prallschirm desaktivierte sie. Keine Energiesignatur, nur eines von Tausenden kleiner Teile, die durch die zerschossene Halle flogen.

Die Fortbewegung in der Schwerelosigkeit glich den Sprüngen eines Froschs, war aber ausgesprochen effektiv: Magnetflächen an Stiefeln und Handflächen verschafften ihr Halt, sodass sie sich weit abstoßen konnte.

Die Chamäleonpigmente in ihrem SERUN kompensierten teilweise das abgeschaltete Deflektorfeld. Das Gittergeflecht erfassten sie zwar nicht, aber auch das war Hilkes Absicht: Falls Sensoren sie bemerken sollten, würden sie die Bewegung, die Magnetlinienverschiebung oder was sie sonst wahrnahmen hoffentlich mit dem seltsam gebogenen Metallknäuel in Verbindung bringen, das im Gefecht irgendwo abgesprengt worden war.