Perry Rhodan 3267: Der Konstruktor - Robert Corvus - E-Book + Hörbuch

Perry Rhodan 3267: Der Konstruktor E-Book und Hörbuch

Robert Corvus

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Beschreibung

Das Ende des 21. Jahrhunderts Neuer Galaktischer Zeitrechnung ist angebrochen. Mehr als dreieinhalbtausend Jahre von unserer Zeit entfernt lebt die Menschheit in Frieden. Zwischen den Sternen der Milchstraße herrschen keine großen Konflikte mehr. Wie es aussieht, könnte Perry Rhodan, der als erster Mensch von der Erde auf Außerirdische gestoßen ist, sich endlich seinem großen Ziel nähern: der alte Traum von Freundschaft und Frieden zwischen den Völkern der Milchstraße und der umliegenden Galaxien. Die Angehörigen der Sternenvölker stehen für Freiheit und Selbstbestimmung ein, man arbeitet intensiv und gleichberechtigt zusammen. Bei ihrem Weg zu den Sternen hat ein geheimnisvolles Wesen die Menschen begleitet und unterstützt: Es trägt den Namen ES, man bezeichnet es als eine Superintelligenz, und es lebt seit vielen Millionen Jahren zwischen Zeit und Raum. Rhodan sieht ES als einen Mentor der Menschheit. Die Superintelligenz ist in Fragmente zerfallen, die sich in sogenannten Refugien verbergen. Manche dieser Rückzugsorte befinden sich in weit entfernten Galaxien. Eines dieser Refugien befand sich in der Kondor-Galaxis, wurde offenbar aber bereits geborgen – oder entführt. Die Fährte führt Perry Rhodan in ein fremdes Universum. Doch dann wird er in einem unbekannten Sonnensystem festgehalten. Verantwortlich dafür ist DER KONSTRUKTOR ...

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Seitenzahl: 139

Veröffentlichungsjahr: 2024

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Zeit:3 Std. 42 min

Veröffentlichungsjahr: 2024

Sprecher:Martin Bross

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Nr. 3267

Der Konstruktor

Er perfektioniert Jahrmillionen – und gebiert Schiffe

Robert Corvus

Cover

Vorspann

Die Hauptpersonen des Romans

1. Gefangenschaft

2. Werft

3. Refugium

4. Tiefstwerften

5. Register

6. Inkubator

7. Verfolgung

8. Tradition

Leserkontaktseite

Glossar

Risszeichnung Horchende Welt SAGHIK

Impressum

Das Ende des 21. Jahrhunderts Neuer Galaktischer Zeitrechnung ist angebrochen. Mehr als dreieinhalbtausend Jahre von unserer Zeit entfernt lebt die Menschheit in Frieden. Zwischen den Sternen der Milchstraße herrschen keine großen Konflikte mehr. Wie es aussieht, könnte Perry Rhodan, der als erster Mensch von der Erde auf Außerirdische gestoßen ist, sich endlich seinem großen Ziel nähern: der alte Traum von Freundschaft und Frieden zwischen den Völkern der Milchstraße und der umliegenden Galaxien. Die Angehörigen der Sternenvölker stehen für Freiheit und Selbstbestimmung ein, man arbeitet intensiv und gleichberechtigt zusammen.

Bei ihrem Weg zu den Sternen hat ein geheimnisvolles Wesen die Menschen begleitet und unterstützt: Es trägt den Namen ES, man bezeichnet es als eine Superintelligenz, und es lebt seit vielen Millionen Jahren zwischen Zeit und Raum. Rhodan sieht ES als einen Mentor der Menschheit.

Die Superintelligenz ist in Fragmente zerfallen, die sich in sogenannten Refugien verbergen. Manche dieser Rückzugsorte befinden sich in weit entfernten Galaxien. Eines dieser Refugien befand sich in der Kondor-Galaxis, wurde offenbar aber bereits geborgen – oder entführt. Die Fährte führt Perry Rhodan in ein fremdes Universum. Doch dann wird er in einem unbekannten Sonnensystem festgehalten. Verantwortlich dafür ist DER KONSTRUKTOR ...

Die Hauptpersonen des Romans

Antanas Lato – Der Hyperphysiker versteht Maschinen.

Perry Rhodan – Der Aktivatorträger bleibt auf der Spur.

Poquandar – Der Onquore folgt einem Zug.

Vanashy

1.

Gefangenschaft

»Zieht euch aus!«

Nach terranischen Maßstäben waren die zougaturischen Soldaten klein wie Kinder, und selbst in ihren schwarzen Kampfanzügen waren sie so dürr, dass man sie leicht für schwächlich halten konnte. Antanas Lato lächelte innerlich darüber, dass solche spontanen Klassifikationen auch bei Menschen, deren Leben von Hochtechnologie und dem Kontakt mit Tausenden Sternenvölkern geprägt war, durch die evolutionär bewährten Überlebensstrategien eines Rudeljägers bestimmt wurden. Wer größer war, der war auch stärker und brauchte sein Gegenüber nicht zu fürchten, lautete die Logik der Steppe.

Selbstverständlich wusste Lato, dass solche instinktgetriebenen Einschätzungen im Hangar eines extraterrestrischen Raumschiffs tödlich sein konnten. Gemeinsam mit Perry Rhodan und Poquandar stand er einem Trupp Zougaturen in Kampfmonturen gegenüber, deren geschlossene Helme ihnen jederzeit den Einsatz ihrer Strahlenwaffen erlaubten, ohne selbst von den Sekundärwirkungen betroffen zu sein. Schräg über ihnen schwebten zudem stabförmige Roboter mit tellerförmigen Komponenten, an denen Abstrahlfelder flimmerten.

»Wir können euch eure angebliche Anti-Strangeness-Beschichtung samt Anzug ebenso gut vom Leib desintegrieren«, stellte der Wortführer fest. »Aber das wäre unangenehm für euch, wenn wir bis auf die Haut durchkämen.«

Lato waren unpräzise Bezeichnungen ein Gräuel, sie führten häufig zu Missverständnissen. Die Drohung des Soldaten implizierte, dass sein Desintegrator die gesamte Kleidung der Gefangenen auflösen könnte. Die Skaphander waren jedoch lediglich hauchdünne Goldfolien, die ihn, Perry Rhodan und Poquandar vollständig einhüllten und dadurch vor der Strangeness des fremden Universums bewahrten. Ausgenommen war der Truimou, das mehrfach gewinkelte, stabähnliche Artefakt Poquandars, des onquorischen Dimensiologen, das in seinem lichtschluckenden Schwarz einen scharfen Kontrast zum Gold bildete.

»Du müsstest wesentlich mehr auflösen als die goldene Schicht«, korrigierte Lato, um ein Minimum an Präzision in das Gespräch zurückzuholen. »Je nach getroffener Stelle sind unsere SERUNS mehrere Zentimeter dick, insbesondere dort, wo die Gefechtsweste als zusätzliche Schicht hinzukommt, und selbstverständlich erst recht am Tornister. Der entfällt zwar beim Anzug meines geschätzten Kollegen«, er deutete auf Poquandar, eine abwärts weisende Geste, weil der Onquore in seiner typisch gebückten Haltung lediglich einen guten Meter groß war, »aber auch bei ihm wäre noch der Raumanzug zu durchdringen, bevor eine Verletzung der Haut zu befürchten stünde.«

»Ich frage mich, ob das wirklich zu befürchten wäre.« Auf dem Visier des Soldaten spiegelten sich die drei goldenen Gestalten. »Möglicherweise finde ich es erstrebenswert.«

»Ich nicht.« Perry Rhodans Helm faltete sich ein und gab die ernste Miene des blonden Terraners frei. »Bitte bedenkt, dass die Strangeness-Differenz zwischen unseren Universen gesundheitliche Beeinträchtigungen für uns verursachen kann.«

»Die DROCHA hat einen Mediker an Bord«, sagte der Soldat.

Rhodan nahm den Tornister ab und legte ihn auf den Metallboden des Hangars. Der Rückenverschluss seines SERUNS teilte sich.

Lato folgte seinem Beispiel, und auch Poquandar legte seinen Raumanzug ab. Die grünen Schuppen seiner Haut glänzten, als bestünden sie aus poliertem Stein.

»Weiter!« Der Soldat fuchtelte mit seinem Strahlengewehr. »Alles ausziehen!«

Sie legten auch die Unterkombinationen ab.

Mit schnellen Schritten ging der Zougature zu Rhodan, griff hinauf an dessen linke Schulter und riss die Obsidian-Datei ab. Der als schlanker Tropfen ausgeformte Speicher war ein Geschenk der Kosmokratin Mu Sargai und enthielt Daten zu den ES-Fragmenten.

Mit ihm in der Hand zeigte der Soldat auf Latos Gesicht. »Jeglichen Schmuck ablegen!«

Sicher meinte er die Kastellans-Insigne, für die Schmuck wiederum eine unzureichende Beschreibung darstellte, auch wenn die dünne, saphirblaue Scheibe an der linken Schläfe hübsch anzuschauen war. Es wäre jedoch taktisch unklug gewesen, einen Gegner auf die Fähigkeiten der von ES an die Kastellane ausgegebenen Identifikationsartefakte hinzuweisen, weswegen Lato – wenn auch mit Bedauern – auf eine Präzisierung verzichtete.

*

»Sie zeigen die Symptome, die beim Wechsel in ein fremdes Universum zu erwarten sind.« Der Bordmediker desaktivierte sein rechteckiges Handgerät, woraufhin die Holos darüber erloschen. »Mit der Zeit werden sie sich anpassen, die Beeinträchtigungen werden abklingen.«

Offenbar hatten die Zougaturen Erfahrung mit transuniversalen Reisen, überlegte Antanas Lato. Anzeichen von Aufregung erkannte er bei dem Mediker nicht. Im Gegenteil, die Art, wie er die drei nackten Gefangenen untersucht hatte, zeugte von Routine. Er steckte sein Instrument in eine weite Tasche seines Kittels.

»Danke, Alchin«, sagte Spolchon. »Das wäre vorerst alles.«

Die sechsfingrigen Hände des Medikers umtanzten einander, was eine Geste der Zustimmung sein mochte. Er drehte sich um und verließ mit seinem aus Scheiben an einer Mittelachse bestehenden Medoroboter den Hangar.

»Etwas gegen die Kopfschmerzen wäre schön«, meinte Perry Rhodan.

Der Blickwechsel von Alchin zu dem Terraner verursachte ein leichtes Schwindelgefühl bei Lato. Die Konturen der Halteklammern, Magnetbuchten, Container und Gleiter im Hangar verwischten sich in seiner Sicht.

»Eure Physiognomie ist uns zu fremd für eine risikolose Medikation«, wehrte Spolchon ab. Der Herr über die Ordnungskräfte des Mondes Estaliak trug eine cremefarbene Uniform, die mit ihren roten Quasten, Troddeln, Schnüren und funktionslosen Knöpfen wohl auf zeremonielle Zwecke ausgelegt war.

»Dein Argument ist nur bedingt stichhaltig«, fand Lato. »Unsere SERUNS könnten leicht Medikamente für uns herstellen.«

»Euer bisheriges Verhalten rechtfertigt kein Vertrauen«, sagte Spolchon. »Ihr entstammt einer aggressiven Kultur. Wahrscheinlich würdet ihr eure Anzüge für feindselige Handlungen missbrauchen.«

»Uns gefangen zu setzen und unserer Ausrüstung zu berauben ist ebenfalls eine feindselige Handlung.«

»Nein, es ist ordnungsrechtlich geboten«, versetzte Spolchon. »Zum Wohl der zivilisierten Gemeinschaft, in die einzugliedern ihr euch weigert.«

Rhodan zeigte auf ihre entblößten Körper. »Wir kooperieren.«

»Und diese Kooperation steht erst am Anfang«, eröffnete Spolchon. »Vor euch liegt eine Zukunft systemkonformen Verhaltens. Eure Erziehung hat gerade begonnen.«

Rhodan faltete die Hände vor dem nackten Bauch. »Ich verstehe, dass Luchans Tod ein großer Verlust für dich ...«

»Lernt!« Die Finger von Spolchons Rechter tanzten vor dem Roboter, den er mitgebracht hatte.

Die Maschine war massiger als die des Medikers, grob kegelförmig mit runden Auswölbungen und sechs stabförmigen Armen, die Strahler beinhalten mochten. Der Kopf war ein durchsichtiger Zylinder, in dessen Innerem farbige Leitungen verliefen und Energiefelder zitterten.

Vor diesem Kopf erschien eine würfelförmige Holoprojektion. Der Anschnitt eines Planeten füllte eine der Ecken. Darüber trieben Cluster von metallisch schimmernden Objekten in unterschiedlich hohen Orbits. Allein im Bildausschnitt waren es Zehntausende.

»Seht dieses perfekt komponierte Mobile von Zouharra!«

Offenbar sah man auf dem Holo also den elften Planeten des Systems.

»Sind das Raumschiffe?«, fragte Rhodan.

»In der Tat.«

Handgroße Nebenholos tauchten an allen Seiten der Hauptdarstellung auf. Sie zeigten weiße Keile, ineinander gedrehte Spiralformen, Spindeln, gehörnte Ringe, gebogene und gerade Formen, eckige und gerundete, matte und glänzende. Es gab Gruppen gleichartiger Schiffe und einzeln treibende Riesen. Bei manchen konnte Lato Antriebssektionen und Sensorbereiche vermuten, bei anderen waren ihm die Konstruktionsprinzipien fremd.

»Sie sind perfekt«, behauptete Spolchon. »Jedes Einzelne von ihnen.«

Barfuß trat Rhodan einen Schritt vor und hob die Hände, als wollte er versuchen, die unüberschaubar vielen Einheiten damit zu ordnen. »Welchem Zweck dient diese Armada?«

Spolchon schwieg.

»Sammelt ihr perfekte Schiffe?«, stellte Rhodan die nächste Frage. »Oder habt ihr diese Schiffe auf Zouharra perfektioniert?«

Statt zu antworten, vollführte Spolchon eine weitere Fingerbewegung vor dem Kopf des Roboters.

Die Darstellungen in den Holos wechselten.

Latos Sicht verschwamm. Er schloss die Lider und massierte die Augen mit den Handballen.

»Ihr werdet eurer Gerechtigkeit zugeführt!«, verkündete Spolchon. »Der Konstruktor wird euch integrieren. Er ist unübertroffen darin.«

Das Holo gewährte einen Blick auf eine Welt im Endstadium der Industrialisierung. Während sich Poquandar in einiger Entfernung hielt und Rhodan mit beinahe beschwörend erhobenen Händen vor dem dreidimensionalen Bild stand, umrundete Lato mit vorsichtigen Schritten die Darstellung.

Nur ein Drittel von Zouharras Oberfläche war von Wasser bedeckt, entsprechend spärlich fiel die Wolkenbildung in der Atmosphäre aus. Die drei Kontinente waren nicht nur frei von größeren Erhebungen, sondern planiert. Schon im Hauptholo war das Grau von Stahlplast unverkennbar, und die Vergrößerungen in den Nebenholos bestätigten den Eindruck. Ausnahmslos zeigten sie Bilder von Raumhäfen und -werften, ähnlich der Werftplattform der MAGELLAN, mit Wartungskränen, Dockmulden – allerdings trichter- statt halbkugelförmig –, Silos, Robotmagazinen, Generatorblöcken und Energieverteilern, aber vielfach größer als der Ultratender.

Raumschiffe in ebenso vielfältigen Formen wie im Orbit standen auf der Oberfläche, teils Gerippe aus tragenden Konstruktionen, teils halb fertig, teils dem äußeren Eindruck nach einsatzfähig. Riesige Flächen waren mit Glassit oder Chrom überzogen, sodass sie grell spiegelten.

»Ihr seid asozial individualistisch«, flüsterte Spolchon. »Das wird der Konstruktor korrigieren.«

»Keine Wohnhäuser«, beobachtete Poquandar.

Der Onquore hatte recht: Lato entdeckte zwar Straßen, Schienen und Gleiter, aber nichts, was durch Fenster oder Balkone oder ähnliche Vorrichtungen darauf hätte schließen lassen, dass Lebewesen diese Welt bewohnten. Es gab noch nicht einmal so etwas wie den Kommandoturm, der auf der MAGELLAN dazu diente, dass die Ingenieure die Arbeiten überwachten und koordinierten. Wobei die normaloptische Supervision auch dort durch Sensoren hätte ersetzt werden können, aber Lebewesen wollten oftmals mit ihren natürlichen Sinnen operieren.

Illustration: Swen Papenbrock

Lato sah genauer hin, obwohl das seine Kopfschmerzen steigerte. Nirgendwo gab es Grün. Keine Hinweise auf Pflanzenbewuchs, nicht einmal Algenteppiche im Meer.

Er vermisste Lichtesser, seine Topfpflanze, die er in Shema Ghessows Obhut gegeben hatte. Wie es den beiden wohl in der RA erging?

Unvermittelt erloschen die Holos.

Spolchon deutete auf einen Container. »Dort findet ihr Vorrichtungen für eure Nahrungsversorgung und den sanitären Bedarf. Man wird euch abholen, sobald der Konstruktor Ressourcen für euch erübrigen will.«

Gemeinsam mit seinem Roboter verließ er den Hangar.

»Wie ist euer Eindruck?«, fragte Rhodan.

»Wovon?«, fragte Poquandar zurück. »Was unsere persönliche Lage angeht: unkomfortabel.«

Lato massierte sich die schmerzenden Schläfen.

»Ich denke an diese gigantische Armada.« Rhodans rechtes Unterlid zuckte, was bedeuten mochte, dass er ebenfalls unter der Strangeness litt. »Wer eine solche Streitmacht ausrüstet, plant gemeinhin, sie einzusetzen. Das sieht nach der Vorbereitung eines Eroberungsfeldzugs aus.«

»Möglich«, sagte Lato. »Aber es könnte auch eine Vielzahl anderer Gründe dafür geben, etwa einen Exodus. Wir haben zu wenige Informationen, um belastbare Schlüsse zu ziehen.«

»Und das sollten wir ändern.«

*

Antanas Lato wimmerte lautstark und wand sich auf dem Stahlboden des Hangars. Er drehte den Kopf hin und her, die verkrampften Muskeln hielten seine Arme angewinkelt und machten die Hände zu Klauen.

»Du musst dich um ihn kümmern!«, hörte er Perry Rhodans Stimme.

Er war wohl die Schlankere der beiden größten Gestalten, die Lato schemenhaft erkannte. Die Kleinste und zugleich Breiteste war Poquandar, die Mittelgroße und Dürre sicher der Mediker Alchin, der mit seinem Medoroboter gekommen war – der zweiten größeren Silhouette.

»Die Strangeness verletzt ihn!«, fuhr Rhodan fort. »Es wird immer schlimmer. Das steht er nicht durch!«

Lato presste Speichel zwischen seinen Lippen hinaus.

»Ich nehme ihn mit in die Medostation«, kündigte Alchin an. »Ihr bleibt in diesem Hangar.«

Kühles Metall griff Lato um Brust, Hüfte und Knie und hob ihn an. Er wurde getragen, ohne Schritte zu spüren. Der Roboter, der sich auf einem Gleitkissen bewegte, hielt ihn.

Am Luftzug und der Veränderung der Helligkeit bemerkte er, dass sie vier Türen durchquerten, bevor er auf eine Liege gebettet wurde. Er stöhnte und ächzte die gesamte Zeit über.

Farbiges Licht fiel auf ihn. Er verengte den Schlitz zwischen den Augenlidern, um den Mediker einigermaßen zu erkennen. »Ich brauche ... mein Schläfenjuwel.« Er fasste sich an die Stelle, an der die Kastellans-Insigne gehaftet hatte, bis Spolchon sie ihm abgenommen hatte. »Es ist ein medizinisches Gerät. Regelt den Elektrolythaushalt ...«

Alchin berührte ihn an mehreren Stellen mit einer stabförmigen Sonde. »Eine klare Nervenreizung. Nicht ungewöhnlich angesichts der Umstände. Wie stark ist dein Schmerzempfinden?«

Lato stöhnte.

Alchin verschwand aus seinem Blickfeld, kehrte zurück und untersuchte weiter. »Die subjektive Beeinträchtigung ist schwer zu erfassen«, murmelte er. »Vor allem bei einer Fremdspezies ...«

Es dauerte einige Minuten, bis er die Kastellans-Insigne in der Hand hielt.

Lato nahm die funkelnd-blaue Scheibe und drückte sie an seine Schläfe. Sofort ließen Desorientierung und Schmerz nach, und seine Sicht verbesserte sich erheblich.

»Ganz erstaunlich!«, rief der Mediker. »Was ist das für eine Krankheit, an der du leidest?«

»Ich wurde damit geboren.« Lato setzte sich auf und hockte sich auf die Kante der Liege.

Sie stand an einer Wand der 20 Quadratmeter großen Medostation. Der aus mehreren Scheiben und einer Mittelachse bestehende Medoroboter wartete vor einem Schrank, in dem sich eine Vielzahl von Fläschchen in transparenten Fächern befand. Neben dem Mediker gab es eine Instrumentenablage, drei übereinander angeordnete Wandnischen dienten wohl Intensivbehandlungen.

»Dieses Schläfenjuwel bringt unbestreitbar eine Linderung«, stellte Alchin fest. »Ich werde Spolchon um Erlaubnis bitten, es dir vorerst zu lassen.«

Er wandte sich einer Instrumententafel neben der Tür zu, die wohl auch Zugang zur Bordkommunikationsanlage bot.

Lato griff dem Mediker in den Kragen und riss ihn zurück. Das fiel leicht, der zierliche Zougatorenkörper brachte nicht viel Masse ein.

»Was ...?«

Lato hieb eine Faust gegen Alchins Kopf. Der Schädel war hart, der Treffer schmerzte an der Hand. Dennoch schlug Lato nochmals zu.

Der Zougature wand sich in Latos Griff. Er schrie unartikuliert und schützte sich mit den Unterarmen vor den Angriffen.

Lato stand auf und benutzte auch die Knie. Es war ein unangenehmes Gefühl, als würde er auf ein Kind einschlagen. Aber es war notwendig.

Alchin griff einen Stab, wahrscheinlich ein Untersuchungsinstrument, und setzte sich damit zur Wehr. Mehrmals stieß er ihn schmerzhaft gegen die Rippen des Terraners.

Lato schlug seinem Gegner den Ellbogen ins Gesicht, brachte ihn mit einem Fußhaken zu Fall, setzte nach.

Alchins Gegenwehr wurde heftiger, und auch der Medoroboter griff ein. Er schwebte auf seinem Prallfeld heran und schoss einen eng gebündelten Paralysestrahl in Latos Rücken, der sofort taub wurde.

Alchin stieß ihn von sich, hockte sich seinerseits auf Lato, drückte mit einer Hand seinen Hals auf den Boden und holte mit dem Stab aus.

Das endlich schien die Bedrohung für Lato derart zu steigern, dass er Zugriff auf den manipulativen Effekt der Kastellans-Insigne erhielt.

Das Schwindelgefühl, das ihren Träger dabei erfasste, hatte nichts mit Strangeness zu tun. Er fiel in ein hochkomplexes Netz aus Abermilliarden vielfarbig leuchtender Fäden, die weiter reichten als sein Blick und sich auf Tausenden Ebenen kreuzten, verzweigten, verdrillten. Ihre Helligkeit unterschied sich, so wie es auch bei Stattin auf dem Mond Gée gewesen war.

Lato befand sich im Verstand seines Gegners. Mit den Fäden lagen dessen Intellekt, seine Wünsche und Ängste vor ihm. Die Kastellans-Insigne gab Lato die Möglichkeit, dieses Geflecht zu manipulieren und damit Alchins Loyalitäten zu verändern.

Er tat es.

*

»Es tut mir leid, dass es so lange gedauert hat, eure Waffen zu besorgen«, beteuerte Alchin. »Sie waren besonders gesichert.«

Antanas Latos Rücken kribbelte, weil die Paralyse wich. »Ich hoffe, du wirst deswegen keinen Ärger bekommen.«

»Nicht doch.« Der Mediker übergab ihnen die Kombistrahler. »Endlich konnte ich das ärztliche Privileg, mir zu jedem Bereich der DROCHA Zutritt zu verschaffen, einmal sinnvoll einsetzen. Ich freue mich außerordentlich, euch helfen zu können.«

Diesen Impuls, anderen zu helfen, hatte Lato in Alchins Persönlichkeitsstruktur besonders prominent ausgeprägt gefunden. Vielleicht hatte er ihn allzu sehr verstärkt.

Perry Rhodan, Poquandar und er standen in einer Personenschleuse. Sie trugen die goldüberzogenen Anzüge, auch die Obsidian-Datei und der Truimou befanden sich wieder in ihrem Besitz.

Sie überprüften die Strahler, die ebenfalls mit der Goldfolie überzogen waren, und klinkten sie in die Magnethalterungen ein.

»Es würde uns helfen, wenn du die DROCHA unter Quarantäne stellen könntest«, sagte Lato.

»Das tue ich gern!«, rief der Mediker. »In dieser Umgebung erscheint das gleich viel glaubwürdiger als auf den lebensfreundlichen Monden von Iluntasuna. Und auf Glaubwürdigkeit kommt es doch an, damit eine Übung verwertbare Ergebnisse bringt.«