Perry Rhodan 3361: Ein heikler Handel - Leo Lukas - E-Book

Perry Rhodan 3361: Ein heikler Handel E-Book

Leo Lukas

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Beschreibung

Gut 4000 Jahre in der Zukunft bildet die Erde das Zentrum eines Sternenreiches, das Tausende von Welten umfasst. Überall leben die Menschen in Frieden und Freiheit. Zu den ­anderen Völkern der Milchstraße und ihren ­Angehörigen besteht ein freundschaftlicher Austausch. Perry Rhodan hat darüber hinaus eine Vision: Er will die Verbindungen zu anderen Galaxien ausbauen. Das Projekt von San soll das ermög­lichen, und mit Raumschiffen des Typs ­PHOENIX soll ein Kurierschiffsystem entstehen. Der ursprüngliche PHOENIX ist derzeit aber unter dem Kommando von Reginald Bull auf der Suche nach dem Mausbiber Gucky, den es mit dem Sternwürfel in weite Fernen verschlagen hat. Von den Wycondern weiß Bull, dass am Bau des Sternwürfels ein unsterblicher kosmischer Problemlöser beteiligt war, der womöglich die Option hat, ihn aufspüren zu können. Tatsächlich gelingt es, diesen zu finden und zur Mitarbeit zu bewegen. Die Legende, wie er sich nennt, ist ein auf einzigartige Weise entstandenes Technokonstrukt, das nur einen Wunsch hat: den Tod erleben zu dürfen. Nur wenn der PHOENIX dabei hilft, wird die Legende auch bei der Suche nach dem Sternwürfel helfen. Aber nicht nur das ist EIN HEIKLER HANDEL …

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Seitenzahl: 141

Veröffentlichungsjahr: 2026

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Nr. 3361

 

Ein heikler Handel

 

Sie erkunden eine fremde Galaxis – und stoßen auf schaurige Geheimnisse

 

Leo Lukas

 

 

 

Heinrich Bauer Verlag KG, Hamburg

 

Cover

Vorspann

Die Hauptpersonen des Romans

Prolog: Ein gesunder Geist

1. Der Pakt

2. Ein Hauch von Größenwahn

3. Ein wundervolles Reich

4. Das Kaufhaus im Krater

5. Achtung, Todesfalle!

6. Inselhopping

7. Die Keller von Keerbanoc

8. Bittere Wahrheiten

Epilog: Die große Chance

Fanszene

Leserkontaktseite

Glossar

Impressum

PERRY RHODAN – die Serie

 

 

Gut 4000 Jahre in der Zukunft bildet die Erde das Zentrum eines Sternenreiches, das Tausende von Welten umfasst. Überall leben die Menschen in Frieden und Freiheit. Zu den anderen Völkern der Milchstraße und ihren Angehörigen besteht ein freundschaftlicher Austausch.

Perry Rhodan hat darüber hinaus eine Vision: Er will die Verbindungen zu anderen Galaxien ausbauen. Das Projekt von San soll das ermöglichen, und mit Raumschiffen des Typs PHOENIX soll ein Kurierschiffsystem entstehen. Der ursprüngliche PHOENIX ist derzeit aber unter dem Kommando von Reginald Bull auf der Suche nach dem Mausbiber Gucky, den es mit dem Sternwürfel in weite Fernen verschlagen hat.

Von den Wycondern weiß Bull, dass am Bau des Sternwürfels ein unsterblicher kosmischer Problemlöser beteiligt war, der womöglich die Option hat, ihn aufspüren zu können. Tatsächlich gelingt es, diesen zu finden und zur Mitarbeit zu bewegen. Die Legende, wie er sich nennt, ist ein auf einzigartige Weise entstandenes Technokonstrukt, das nur einen Wunsch hat: den Tod erleben zu dürfen. Nur wenn der PHOENIX dabei hilft, wird die Legende auch bei der Suche nach dem Sternwürfel helfen. Aber nicht nur das ist EIN HEIKLER HANDEL ...

Die Hauptpersonen des Romans

 

 

Reginald Bull – Der Zellaktivatorträger will den Sternwürfel zurückerobern.

Die Legende – Der kosmische Problemlöser konkretisiert seine absonderliche Forderung.

Liam Barstow, Meghan Ontares und Sky – Die Crew des PHOENIX möchte Gucky wiederfinden.

Driéposch – Der Kommerzwart strebt mit allen Mitteln nach Höherem.

Tritt ein, Fremder! Ein freundlicher Gastgeber wartet dir auf mit Brot und mit Wasser im Überfluss, denn hier werden deine Begierden nicht gereizt, sondern gestillt.

(Inschrift am Eingang des Gartens Epikurs v. Samos, ca. 300 vor AZ)

 

 

Prolog

Ein gesunder Geist

Ca. 10. November 2255 NGZ

 

Wie immer erwachte Driéposch exakt zehn Kleinzeiteinheiten, bevor der Alarm losging. Auf sein Unterbewusstsein war Verlass.

Beschwingt stand er auf und erledigte die Stoffwechselfunktionen sowie Reinigungsroutinen. Auf den Körper musste man gut achtgeben. Wenn man ihn nährte und pflegte, dankte er es einem durch lang anhaltende Gesundheit und Geschmeidigkeit.

Als der Alarm erklang, stand Driéposch bereits neben der Gegensprechanlage. Nur einen Lidschlag, nachdem die Sirene aufgeheult hatte, aktivierte er den Internfunk. Er liebte es, seine Untergebenen durch blitzschnelle Reaktion zu beeindrucken.

»Was ist?«, fragte er, knapp, präzise, kontrolliert.

»Raumwarnung, Kommerzwart! Ein Fremdschiff begehrt Einflug ins Collarsystem und Landeerlaubnis auf Collar II. Oh, und da kommt soeben noch ein zweites, aber aus der anderen Richtung.«

»Ich nehme an, es handelt sich um je eine Einheit der Tuyasser und der Assuiden.«

»Vollkommen korrekt, Kommerzwart.« In der Stimme klangen Scheu und Bewunderung mit. »Wie sollen wir ihre Ansinnen behandeln?«

»Positiv. Gestattet beiden, auf dem Haupthafen zu landen.« Platz war mehr als genug. »In einem solchen Abstand, dass sie einander gerade noch sehen können. Teilt ihnen mit, ich werde mich beizeiten melden.«

»Zu Befehl, Kommerzwart.«

Driéposchs Laune hob sich. Dies war ein Tagesbeginn nach seinem Geschmack.

Selbstverständlich hatte er selbst die Assuiden und die Tuyasser nach Collar II beordert und ihnen unmissverständlich klargemacht, dass er auf pünktliches Erscheinen Wert legte. Aber das brauchten die Dienstboten nicht zu wissen.

 

*

 

Er hatte keine Eile, die Besatzungen der beiden eher untermittelprächtigen Raumer zu kontaktieren. Bittsteller im eigenen Saft schmoren zu lassen, schadete nie.

In Ruhe las Driéposch die Unterlagen durch. Er exzerpierte die aktuellen Eckdaten und speicherte sie in seinem Schläfenimplantat.

Sein Vorhaben, erkannte er, würde schwieriger werden als erhofft, da wenig Spielraum bestand. Gleichwohl sprach er sich Zuversicht zu.

Man musste auch den Geist geflissentlich stärken, nicht nur den Körper.

Kurz zögerte Driéposch. Aber er konnte der Versuchung nicht widerstehen, sich ins übergeordnete Netzwerk einzuwählen und seine Aktiva abzufragen.

Die Verbindung zu SekKon-11 kam rasch zustande. Nach der üblichen Werbeeinschaltung erfuhr Driéposch, wie es um ihn stand.

Nicht gut.

Er stieß einen lautlosen Fluch aus. Die Blutsauger im Sektor-Kontor hatten es schon wieder getan!

In der Nacht war eine Novelle in Kraft getreten, die seine redlich erworbenen Kredite um gut ein Viertel reduzierte. Dadurch rückte das Ziel, dem er sich schon so nahe gewähnt hatte, wieder in weite Ferne.

Driéposch geriet außer sich vor Zorn. Er tobte in seinem Büro, zerschlug das eine oder andere kitschige Gastgeschenk, riss Ehrenbürgerurkunden von den Wänden.

Wie ungerecht konnte das Universum sein? Und warum trafen solche Schicksalsschläge immer ausgerechnet ihn?

Nach einer Weile beruhigte er sich. Was ihm half, war der Gedanke: Jemand würde dafür büßen müssen.

Er wusste auch schon, wer.

 

*

 

Die Tuyasser waren ein wenig früher gelandet.

Gerade deswegen berief Driéposch zuerst die assuidische Abordnung zu sich. So stiftete er Irritation und schuf sich von vornherein eine überlegene Verhandlungsposition.

Ordonnanzen in Galauniform geleiteten die sechs Gesandten durch die Prunkhalle. Der hohe, lang gestreckte Raum strotzte vor Meilensteinen der Reklamekunst.

Wem bei der Betrachtung dieser Exponate nicht abwechselnd das Wasser im Mund zusammenlief, der Fortpflanzungstrieb gereizt oder die Besitzgier geweckt wurde, schloss besser mit seinem sinnentleerten Leben ab. Oder er flüchtete sich in Neid.

Den Assuiden stand mangels Barvermögens nur diese Emotion offen. Das war ihrer Mimik unschwer abzulesen.

Driéposch empfing sie im nur unwesentlich kleineren, ebenso überreich geschmückten Audienzsaal. Sowohl sie als auch die Tuyasser stammten von paarhufigen Säugetieren ab. Sie gingen aufrecht, allerdings vorgebeugt, die Rücken zum Hohlkreuz durchgebogen. Die schwabbeligen Hängebäuche bedeckte Kleidung aus relativ edlen Stoffen, verziert mit Bordüren und Orden.

»Seid gegrüßt«, sagte Driéposch. »Hattet ihr einen guten Flug?«

Der Delegationsleiter verneigte sich, bejahte, verneigte sich abermals und sagte: »Wir bedanken uns aufs Herzlichste für deine Einladung, Kommerzwart. Ist der Grund dafür, dass du unser dringliches Ansuchen um Aufschub der Zahlungen erwogen und als rational nachvollziehbar befunden hast? Stimmst du dem Moratorium zu?«

»Nein.«

Eine Pause trat ein, die Driéposch bei sich als unheilvoll etikettierte und sehr genoss. Er schwieg.

Und schwieg.

Und schwieg weiter.

Die Assuiden tauschten verstohlene Blicke aus. Endlich überwand sich ihr Anführer und sagte mit brüchiger Stimme: »Äh ... Warum hast du uns dann hierher zitiert?«

Driéposch verlagerte sein Gewicht im Polstersessel, schlug ein Bein übers andere, verschränkte die Arme vor der Brust, öffnete sie wieder, breitete sie aus, seufzte tief und sagte: »Ihr wisst, wie sehr ich euch gewogen bin. Unsere Organisation, die IIGP, hat eure Autonomiebestrebungen von Anfang an unterstützt.«

»Dafür gebührt dir Dankbarkeit in unermesslichem Ausmaß, Kommerzwart.«

Die Sprache der Assuiden enthielt zahlreiche Grunzlaute. Ergänzend kommunizierten sie olfaktorisch mittels einer Drüse im hinteren Drittel des Rückens, die moschusartige Sekrete ausstieß.

Ihre Vorfahren hatten wohl erbärmlich gestunken. Die zivilisierten Nachkommen versprühten überwiegend wohlriechende, etwas herben Parfüms ähnelnde, oft aussageträchtige Geruchsmischungen.

Selbstverständlich hatte sich Driéposch darauf vorbereitet. Spezielle Sensoren in den Wänden des Audienzsaals übermittelten ihm, dass die sechs Assuiden, ganz wie beabsichtigt, hochgradig verunsichert und der Verzweiflung nahe waren.

Vor einigen Jahrhunderten hatten sie sich von den Tuyassern abgespalten und ein eigenes, ähnlich kleines Sternenreich aus einer Handvoll besiedelter Sonnensysteme gegründet. Seither konkurrierten sie mit dem Stammvolk auf so gut wie allen Ebenen.

»Deshalb«, sagte Driéposch, »wollte ich euch, meine bevorzugten Kunden, darüber informieren, dass die Tuyasser bei mir ein mobiles Raumfort dritter Klasse bestellt haben.«

»Das kann nicht sein!«, schnaufte der Delegationsleiter und klopfte sich an den Rüssel, dass es klatschte. »Unseren Spionen zufolge pfeifen die Tuyasser aus dem vorletzten Loch. Sie haben kaum mehr Ressourcen übrig.«

»Haben sie offenbar doch. Vor allem, wenn sie eure Systeme wiedereingliedern und rekolonialisieren.«

»Da sei der Große Schwarzkittel vor!«, riefen mehrere Gesandte entsetzt.

»Beruhigt euch. Ich gebe nur weiter, was mir zugetragen wurde.«

»Erst kürzlich«, sagte der Anführer, »trat ein bilaterales Abkommen zur Rüstungsbeschränkung in Kraft. Die Tuyasser können diesen Vertrag nicht gleich wieder brechen.«

»Sie können.« Driéposch projizierte das erwähnte Dokument. »Streng genommen sind Raumforts als primäre Defensiveinrichtung gemäß Paragraf vierzehn Absatz neun von eurer Regelung ausgenommen.«

»Na gut. Wenn die Idioten sich deswegen vollkommen ausbluten wollen – sollen sie. Wir hindern sie nicht daran, bankrott zu gehen. Umso früher werden wir sie beerben.«

Die anderen Gesandten grunzten triumphierend.

»Tja, da gibt es ein kleines Problem«, sagte Driéposch. »Ein mobiles, ich betone: mobiles Raumfort dritter Klasse wird immer mitsamt einer kompletten Kampfflotte ausgeliefert. Geeignet, um euch zu überrumpeln, zu besiegen und zu unterwerfen. Anschließend können die Tuyasser eure Welten gnadenlos ausbeuten.«

»Aber wir, wir ... Unsere Infrastruktur leidet, sie steht kurz vor dem Zusammenbruch. Die Versorgung der Bevölkerung ist kaum mehr gewährleistet. Millionen von Kindern hungern. Was wollen sie uns denn noch wegnehmen?«

»Alles, was übrig ist«, sagte Driéposch kalt. »Alles.«

»Du hast gesagt, du stündest auf unserer Seite. Kannst du denn diese irrsinnige Bestellung nicht verweigern?«

»Ich bin euer Freund, jedoch auch ein schlichter Kaufmann, meinen übergeordneten Kommerzherren verpflichtet. Außerdem koordinieren wir solche Geschäfte zwar, steuern selbst aber nur die wichtigsten Komponenten bei. Und die Tuyasser bezahlen pünktlich. Pünktlicher als ihr.«

Der Sprecher der Assuiden klappte zusammen, wand sich wie unter Krämpfen und stieß eine Wolke der Niedergeschlagenheit aus. »Was empfiehlst du uns, Kommerzwart?«

Fast hätte Driéposch Mitleid empfunden. »Was wohl? Vor mobilen Raumforts mit Kampfflotten schützen nur ebenso schlagkräftige Raumforts mit Kampfflotten. Falls ihr euch nicht ergeben wollt ...«

Er führte die flache Hand zur Gurgel, einen tödlichen Schnitt andeutend. »Ihr wisst, was euch dann blühen würde.«

»Ja. Aber. Versteh bitte unsere Lage, Kommerzwart! Womit sollen wir das bezahlen? Die Bodenschätze unserer Planeten und Asteroiden sind fast zur Gänze erschöpft, die Fabriken und die dort spärlich entlohnten Beschäftigten arbeiten ohnehin bereits praktisch nur für euch ...«

»Ach, da fällt uns gemeinsam bestimmt etwas ein«, sagte Driéposch. »Wenn es um die blanke Existenz geht, muss man eben ein paar Zugeständnisse machen, nicht wahr?«

Zwischen ihm und seinen Geschäftspartnern schob sich ein breiter Tisch aus dem Boden. Driéposch breitete die Vertragsfolien darauf aus.

Illustration: Dominic Beyeler

»Lest euch bitte alles genau durch«, sagte er milde. »Es gibt, wie ihr sehen werdet, nichts Kleingedrucktes. Wir sind bekanntlich ein seriöses Unternehmen. Wann immer möglich, stellen wir den Eigennutz hintan, um das Wohlergehen unserer Kunden zu fördern.«

»Ha. Ha. Ihr lasst uns kaum mehr Luft zum Atmen«, grunzte der Assuide.

Aber er unterschrieb.

 

*

 

Die beinah wortwörtlich gleiche Verhandlung führte Driéposch wenig später mit den Tuyassern.

Auch sie knickten ein. Was blieb ihnen übrig angesichts der vorgegaukelten Bedrohung durch ihre abtrünnigen, zu Erzfeinden gewordenen Geschwisterkinder?

Driéposch beglückwünschte sich zu seiner perfekten Inszenierung und speiste die zu erwartenden Profite ins überregionale Netzwerk ein. Ehe er das Resultat abrufen konnte, erschien ein allzu bekanntes, das Holo fast zur Gänze ausfüllendes Gesicht.

»Bravo, junger Mann«, sagte der Kurator, genauer: dessen Holoavatar. »Du bist gut drauf, gut dran, gut drin! Vergiss dennoch nie: Gewinn kommt von Gewinnen, Kunst von Können und Gunst von deinen Gönnern. Mehr wertvolle Tipps erhältst du im Kosmischen Institut zur Wahrung des Einst. Weiter so!«

Personalisierte Werbung, an die sich Driéposch von klein auf gewöhnt hatte. Die Unterbrechung störte ihn kaum.

Danach, endlich, kam die Erfolgsmeldung. »Zugelassen zum Aufstieg in die zweite Führungsebene. Das erforderliche Pensum ist erfüllt. Solltest du eine Versetzung anstreben, hast du dich binnen fünf Großzeiteinheiten in der Handelsbastion SekKon-11 einzufinden.«

Driéposch frohlockte. Geschafft! Gut gelaunt, fast schon euphorisch, packte er seine wenigen persönlichen Habseligkeiten zusammen.

Einmal, kurz, hallten die defensiv vorgebrachten Argumente der Bittsteller in ihm nach: »Unsere Kinder hungern«.

Geschah ihnen recht, fand Driéposch zufrieden. Wie dumm musste man sein, in eine dem Untergang geweihte Welt immer noch Kinder zu setzen?

1.

Der Pakt

15. November 2255 NGZ

 

Meghan Ontares war versucht, sich in den Arm zu zwicken, um sicherzugehen, dass sie nicht träumte.

Aber nein. Sie wusste schließlich, dass sie nicht schlief. Allerdings fiel es ihr schwer, die Realität zu akzeptieren.

Die Besatzung des PHOENIX, angeführt von Reginald Bull, unterhielt sich gerade per Funk mit ... einer Wolke. Mit einer Wesenheit, die aus einer unfassbar riesigen Anzahl technischer Teile bestand.

Es musste, hatte die Bordintelligenz Sky errechnet, Sextillionen bis Sextilliarden von ihnen geben. Die kleinsten Elemente waren etwa fingernagelgroß. Der Durchschnitt lag bei ungefähr einem Meter, die selteneren großen erreichten bis zu zwölf Meter.

Sie trieben dicht an dicht. Ihre gesamte Ausdehnung betrug sage und schreibe anderthalb Lichtwochen, über 270 Milliarden Kilometer.

Das war ... viel.

Der PHOENIX steckte mitten in dieser Technowolke. Eben hatte sie erklärt, sie sähe eine Möglichkeit, die aktuelle Position des Sternwürfels zu ermitteln. Schließlich verstand sie sich als kosmischer Problemlöser.

Im Gegenzug verlangte Die Legende, wie sie genannt wurde und sich auch selbst nannte, Hilfe bei der Bewältigung eines sogar für sie bislang unerfüllbaren Wunsches: Sie wollte sterben.

Ihre Worte waren dahingehend unmissverständlich gewesen: »Sterben will ich.«

Während der Ewigkeit ihrer Existenz, meinte sie, hätte sie schon so gut wie alles gesehen, alles erlebt. Nur eines nicht. Und diese eine, diese letzte Erfahrung wollte sie noch machen.

»Du möchtest«, fragte Bull nach, »dich aber doch nicht komplett auslöschen? Deine gesamte Existenz vernichten, inklusive der in dir geborgenen Heimat des technikfeindlichen Zweigs der Lanathan?«

»Nein«, antwortete die Stimme der Legende. »Meinen Klienten, den entrückten Lanathan, soll nichts Böses widerfahren. Mich zu zerstören, könnte ich im Übrigen auch selbst bewerkstelligen.«

»Also willst du, bitte entschuldige die semantische Spitzfindigkeit, nicht sofort sterben, sondern bloß grundsätzlich sterblich werden?«

»Definiere ›bloß‹.«

Bull drehte sich zu Liam Barstow und gestikulierte. Seinen Fingerbewegungen entnahm Meg, dass er sich vergewisserte, ob der Translator fehlerfrei funktionierte. Die Ingenieurin nickte und hob zugleich die Schultern.

»In unserer Sprache«, sagte Bull, »kommt der Ausdruck ›bloß‹ etymologisch von der Blöße, der Nacktheit unbedeckter, nicht durch Kleidung verhüllter biologischer Körper. Sinngemäß bedeutet er fast dasselbe wie die Vokabel ›nur‹.«

»Affirmiert. – Ja. Schon allein ›bloß‹ potenzielle Sterblichkeit würde mir genügen.«

»Sehr gut. Lass uns konkretisieren, was genau unsere Vereinbarung umfasst.«

»Sprich.«

»Sobald du tot bist, kannst du uns nicht mehr helfen. Richtig?«

»Richtig.«

»Ergo geht es darum, dass wir dir einen Weg eröffnen, sterblich zu werden. Was du, als eine auf natürlichem Evolutionsweg entstandene, dennoch mehrheitlich technologische Entität nicht bist.«

»Warum wiederholst du bereits hinlänglich bekannte Tatsachen?«

»Mein biologisches Gehirn drängt darauf, dass das alles genauer festgelegt werden muss.«

»Suchst du Ausflüchte?«

»Keineswegs. Aber zwischen unseren Existenzformen bestehen gravierende Unterschiede. Ich bin nicht mal zwei Meter groß und gehe auf zwei Beinen, während du ...«

»Du erbittest, dass ich mich dir in einer Gestalt nähere, die ungefähr deiner entspricht?«

»Oder auch jener der Lanathan, ja.«

»Es sei.«

Rings um den PHOENIX, sah Meg auf den Holos der Außenbordkameras, veränderte sich die Umgebung. Teile der Technowolke gruppierten sich um, verschoben sich zu- und ineinander.

Langsam. Quälend langsam.

»Was passiert da?«, fragte Liam Barstow. »Ist das gefährlich? Sollten wir versuchen, es zu unterbinden?«

»Ich registriere keine Anzeichen für Feindseligkeit«, sagte Sky.

»Wir warten erst mal ab«, entschied Reginald Bull.

 

*

 

Nach der Flucht Aelors mit dem Sternwürfel war der PHOENIX zunächst im Wycosystem zurückgeblieben, und die Besatzung hatte überlegt, wie es weitergehen sollte.

Alle hätten gerne den weiten Heimflug zur 238 Millionen Lichtjahre entfernten Milchstraße angetreten. Sie stimmten jedoch darin überein, dass sie vordringlich versuchen mussten, den Sternwürfel wiederzufinden.

Erstens war mitsamt dem Sternwürfel auch Gucky entführt worden. Sehr wahrscheinlich hielt der Mausbiber sich noch immer dort auf und benötigte Hilfe. Ebenso wie alle anderen Bewohner dieses gigantischen, kosmischen Gebildes.

Der Ilt vermochte sich zwar sehr gut seiner Haut zu wehren. Aber auch Aelor hatte bemerkenswerte Fähigkeiten. Dass es ihm gelingen könnte, sich Gucky als Symbiont oder Parasit dienstbar zu machen, war keine erfreuliche Vorstellung.

Zweitens durfte man sowieso nicht einfach hinnehmen, dass Aelor die mächtige Konstellation aus 728 in einem perfekten Kubus angeordneten Sonnensysteme an sich gebracht hatte. Man wusste zu wenig über ihn, seine Absichten und Motive. Ein solches Machtmittel in der Verfügungsgewalt einer Person, deren ethische Haltung und deren Charakter bestenfalls schwierig waren, stellte einen permanenten Unsicherheitsfaktor dar.

Außerdem war Reginald Bull sechzig Jahre lang der Schutzherr der »Hiesigen« gewesen. Die Bewohner des Sternwürfels lagen ihm am Herzen. Er sorgte sich um sie und wollte sie nicht in der Hand eines suspekten Fremden wissen.

Den Wycondern verdankte man zumindest den Ansatz einer Spur. Aufzeichnungen in uralten Archiven hatten die Besatzung des PHOENIX auf eine interessante Gestalt aufmerksam gemacht: die Legende, eine auf natürlichem Weg entstandene, bewusstseinsfähige Maschine mit fast schon wundersamen Fähigkeiten. Sie hatte die technischen Probleme rund um die Transitionsfähigkeit des Sternwürfels gelöst und das System der Steuerwelten entwickelt.

Die Wyconder konnten sogar die Koordinaten liefern, zu denen die Legende als nächstes unterwegs gewesen war, um ein weiteres Problem zu lösen.