Erhalten Sie Zugang zu diesem und mehr als 300000 Büchern ab EUR 5,99 monatlich.
Er ist der Kaiser der Freihändler - und der Wächter des Ghost-System Man schreibt Anfang November des Jahres 3431. Seit dem Tage, da das Projekt Laurin durchgeführt wurde, ist mehr als ein Jahr vergangen. Für Außenstehende oder Nichteingeweihte sind Terra und die übrigen Planeten des Heimatsystems der Menschheit zusammen mit Sol in einem gewaltigen Energieausbruch untergegangen. Die im Solsystem Lebenden wissen es jedoch besser: Sie wurden um exakt fünf Minuten in die Zukunft versetzt, auf daß die Flotten der antisolaren Koalition ins Leere stoßen und es zu keinem Kampf zwischen Menschenbrüdern kommen möge. Perry Rhodan, der Großadministrator des Solaren Imperiums, hat, um Blutvergießen zu vermeiden, ganz bewußt einen spektakulären Rückzug angetreten. Dieser kosmische Schachzug ist Teil des solaren Fünfhundertjahresplans. Terra verschwindet, um aus der Anonymität heraus operieren zu können. Terras Gegner - allen voran Imperator Dabrifa - sind emsig bemüht, das Erbe der angeblich untergegangenen Menschheit anzutreten. Ansatzpunkt für dieses Bestreben ist der Planet Olymp, der von Anson Argyris, dem Kaiser der Freihändler und Wächter des Weges zum Ghost-System, regiert wird. Der Planet Olymp soll überfallen werden, denn er ist Hauptknotenpunkt der mysteriösen STRASSE DER CONTAINER...
Sie lesen das E-Book in den Legimi-Apps auf:
Veröffentlichungsjahr: 2011
Das E-Book (TTS) können Sie hören im Abo „Legimi Premium” in Legimi-Apps auf:
Nr. 403
Die Straße der Container
Er ist der Kaiser der Freihändler – und Wächter des Weges zum Ghost-System
von H. G. EWERS
Man schreibt Anfang November des Jahres 3431. Seit dem Tage, da das Projekt Laurin durchgeführt wurde, ist mehr als ein Jahr vergangen.
Für Außenstehende oder Nichteingeweihte sind Terra und die übrigen Planeten des Heimatsystems der Menschheit zusammen mit Sol in einem gewaltigen Energieausbruch untergegangen.
Die im Solsystem Lebenden wissen es jedoch besser:
Sie wurden um exakt fünf Minuten in die Zukunft versetzt, auf dass die Flotten der antisolaren Koalition ins Leere stoßen und es zu keinem Kampf zwischen Menschenbrüdern kommen möge.
Perry Rhodan, der Großadministrator des Solaren Imperiums, hat, um Blutvergießen zu vermeiden, ganz bewusst einen spektakulären Rückzug angetreten. Dieser kosmische Schachzug ist Teil des solaren Fünfhundertjahresplans. Terra verschwindet, um aus der Anonymität heraus operieren zu können.
Terras Gegner – allen voran Imperator Dabrifa – sind emsig bemüht, das Erbe der angeblich untergegangenen Menschheit anzutreten.
Ansatzpunkt für dieses Bestreben ist der Planet Olymp, der von Anson Argyris, dem Kaiser der Freihändler und Wächter des Weges zum Ghost-System, regiert wird.
Die Hauptpersonen des Romans
Perry Rhodan – Großadministrator des Solaren Imperiums der Menschheit.
Oberst Hubert S. Maurice – Verantwortlicher für die persönliche Sicherheit Perry Rhodans.
Anson Argyris – Ein Wesen, das halb Roboter, halb Mensch ist.
Dabrifa – Ein Diktator, der zu Wutanfällen neigt.
Gideon Olath – Dabrifas Intimus und Saufkumpan.
Galbraith Deighton – Solarmarschall und Abwehrchef des Solaren Imperiums.
Kuszo Tralero – Dabrifas Staragent.
Lupo Cazzuli
In seinem Verweilen liebt der Weise die bloße Erde;
in seinem Herzen liebt er, was tief ist;
in seinen Beziehungen zu anderen liebt er die Güte;
in seinen Worten liebt er die Aufrichtigkeit;
in der Regierung liebt er den Frieden;
in den Geschäften liebt er die Tüchtigkeit ...
Textstelle aus der Philosophie der Taoisten,
altterranische Schriftkulturen.
1.
Oberst Hubert Maurice drückte die Taste der Sammelschaltung. Ein schwaches Klicken ertönte. Auf dreiundsechzig Kleinbildschirmen leuchteten die Symbole von dreiundsechzig Männern des »Sicherungskommandos Großadministrator« auf.
Maurice räusperte sich. In dem aristokratischen Gesicht zeigte sich keine Regung. Nur aus den Augenwinkeln beobachtete der Chef des SGA die Symbolschirme; solange sie die richtigen Symbole zeigten, bestand kein Grund zu verschärfter Wachsamkeit. Bedeutend wachsamer dagegen musterte der Oberst und Abwehrspezialist die große Kommandokuppel des Flottentenders, genauer gesagt, des ehemaligen Flottentenders, denn seit rund dreizehn Monaten war der ehemalige Tender vom Typ DINOSAURIER seinem ursprünglichen Zweck entfremdet und systematisch für eine neue Aufgabe vorbereitet worden.
Die silbergrauen buschigen Brauen Maurices zuckten kaum merklich, als einer der Bildschirme plötzlich rhythmisch pulsierte. Das blieb die ganze sichtbare Reaktion des SGA-Chefs auf die Signalisierung der Tatsache, dass sich ein raumtüchtiges Objekt näherte. Kurz darauf meldete sich eine unpersönlich klingende Stimme aus einem Lautsprecher der Sammelschaltung.
»Überlappungsmanöver beendet; Original abgesetzt. Aktion B3 wird eingeleitet. Ende!«
»Danke!«, erwiderte Maurice kühl. Seine Augen, meist etwas verschleiert wirkend und teilweise unter halbgesenkten Lidern verborgen, bewegten sich. Der Blick des Abwehrspezialisten richtete sich auf eines der Schirmsymbole.
»An Sektionschef Außenkreis: Es gilt ab sofort Befehl XQ-1155. Haben Sie verstanden?«
»Hier Sektionschef Außenkreis«, erwiderte eine ebenso kühle wie sachliche Stimme. »Habe verstanden. Ausführung Befehl XQ-1155. Ende.«
Hubert Maurice wandte den Kopf, als der Türsummer sich gedämpft meldete.
Eine kaum erkennbare, aber genau berechnete Bewegung der Augen über eine scheinbar sinnlos angebrachte Fläche stumpfgrauen Metalls – zwei in haarfeinen Glasfasern dahinjagende Photonenströme wurden umgelenkt und zum Kontakt gezwungen ...
Die Panzerschotte glitten zischend auseinander.
Ein schlanker Mann in der schmucklosen Einsatzmontur des Sicherungskommandos, die Rangabzeichen eines Oberstleutnants am linken Ärmel, betrat den »Zentralen Überwachungsraum Normzeit-Verteiler« und wartete, nachdem er stumm gegrüßt hatte.
Oberst Maurice unterbrach alle Verbindungen. Erst dann wandte er sich seinem Stellvertreter zu. Niemand brauchte den Bericht des Oberstleutnants mitzuhören; niemand durfte die speziellen Anweisungen kennen, die der Chef des SGA seinem Stellvertreter erteilte. Seit es Sicherheitsdienste und Abwehrorganisationen gibt, beruht ein entscheidender Teil ihrer Erfolge auf solchen Faktoren und ein großer Teil ihrer Misserfolge auf dem Gegenteil.
Als die schweren Schotte hinter ihm zuglitten, atmete Oberst Maurice auf. Für den Bruchteil einer Sekunde gab er sich der Illusion hin, die Last der ungeheuren Verantwortung einem anderen übertragen zu haben.
Doch dann riss sich Hubert Selvin Maurice wieder zusammen. Hochaufgerichtet, mit federnden Schritten, legte er den kurzen Weg zum Antigravschacht zurück. Er ignorierte die verborgenen Überprüfungsanlagen, die ihm, dem Spezialisten, nicht alle verborgen bleiben konnten. Ein Mann wie er musste vieles ignorieren, um sich noch als Mensch fühlen zu können.
Der Antigravschacht. Schwereloses Absinken. Ein lautlos dahingleitendes Transportband.
Hubert Selvin Maurice war nur noch Chef des SGA und nichts weiter als das, als er zwischen den letzten Panzerschotten hindurch in die Kommandokuppel des Tenders trat.
Im Hintergrund des großen Raumes wandte ein hochgewachsener Mann den Kopf. Die grauen Augen unter der hohen Stirn schienen spöttisch zu funkeln, als sie Oberst Maurice entgegenblickten.
Maurice reagierte nicht darauf. Sein Gesicht blieb absolut ausdruckslos, als er sich meldete. Dagegen musterte er jeden Quadratzentimeter seines Gegenübers mit penetranter Aufdringlichkeit.
Perry Rhodan, denn kein anderer als der Großadministrator selbst war Maurices Gegenüber, räusperte sich ungehalten.
»Starren Sie mich doch nicht so an, Oberst!«, flüsterte er, um den für seine Sicherheit verantwortlichen Mann nicht in Verlegenheit zu bringen, indem er rangniedere Offiziere mithören ließ.
Hubert Maurice gestattete sich ein dezentes Lächeln; es war keineswegs überheblich, zeugte jedoch unmissverständlich davon, dass der Abwehrspezialist »sich über Kleinigkeiten erhaben fühlte«, wie man zu sagen pflegt.
»Sie erlauben, Sir!«, sagte er.
Bevor Perry Rhodan dagegen protestieren konnte, hatte Maurice ihm die reich verzierte Handimpulswaffe aus dem Gürtelhalfter gezogen. Mit der Gelassenheit des Mannes, der weiß, dass er nur seiner Pflicht gehorcht, wechselte Hubert Selvin Maurice das nahezu leere Energiemagazin in Rhodans Impulsstrahler gegen ein volles aus. Was gleichzeitig hinter Maurices Stirn vorging, konnte man dagegen nur ahnen; zweifellos aber wurden dort Formulierungen gefasst, die sich der für Rhodans Waffen Verantwortliche nicht hinter den Spiegel stecken würde.
In einer Lage wie dieser durfte man sich einfach keine Sorglosigkeiten gestatten!
Kein Zweifel: Noch nie in ihrer langen Geschichte hatte sich die solare Menschheit in einer Lage wie dieser befunden.
Seit rund dreizehn Monaten existierte das Solsystem mit seinen neun Planeten, diversen Monden und zahllosen Planetoiden für die Galaxis nicht mehr. Es war verschwunden, hatte sich scheinbar mitsamt der Sonne in nichts aufgelöst – kurz nachdem man von geheimnisvollen Funden im Tonga-Graben gemunkelt hatte und kurz bevor die Raumstreitkräfte der Antisolaren Allianz das Solsystem hatten angreifen können.
Für die rund fünfundzwanzig Milliarden Bewohner der Sol-Planeten dagegen existierte das System sehr wohl. Für sie war es so existent wie eh und je. Dagegen schien es anfangs, als existierte das Solsystem nur noch in perfekter Isolation, umgeben von dem rötlichen Schimmer des Hyperraums, permanent um genau fünf Minuten in der Zukunft – fünf Minuten, die vom außersolaren Universum niemals eingeholt werden konnten, denn die Zeit verstrich hier wie dort mit der gleichen, unerbittlichen Geschwindigkeit eines Naturereignisses ...
Fraglos sprach es für eine gewisse Reife der solaren Menschheit, dass sie sich, nachdem sie mit allen Tatsachen bekannt gemacht worden war, freiwillig und mit großer Mehrheit für die Isolation in der Zukunft entschieden hatte. Die Alternative dazu wäre ein interstellarer Bruderkrieg gewesen, Milliarden toter, verstümmelter, missbrauchter und psychisch zerstörter Menschen.
Aber die Entscheidung gegen den Bruderkrieg und für den Frieden sind eine Sache – die Hinnahme der damit verbundenen Einschränkungen eine andere.
Dinge, die so selbstverständlich gewesen waren, dass niemand auf den Gedanken gekommen wäre, darüber zu diskutieren, wie Freizügigkeit im interstellaren Reiseverkehr, reibungslos funktionierende interstellare Kommunikation, freie Wahl des Arbeitsplatzes innerhalb Tausender besiedelter Systeme und was der Dinge mehr waren, das alles gab es plötzlich nicht mehr. Niemand durfte mehr ohne weiteres das Versteck in der Zukunft verlassen. Niemand durfte von draußen herein. Es gab keine Hyperkomverbindung mehr zu anderen von Menschen besiedelten Sonnensystemen.
Kurzum: Die Menschheit hatte sich gegen den interstellaren Bruderkrieg entschieden und für die Isolation; die Konsequenzen aber wurden ihr erst allmählich klar.
Der Mann, für dessen persönliche Sicherheit Oberst Hubert Maurice verantwortlich war, hatte das alles seit mehr als fünfhundert Jahren vorausgesehen. Selbstverständlich nicht er allein. Generationen hatten an der Planung gearbeitet: Generationen von Wissenschaftlern und Generationen von Positronengehirnen. Allen war klar gewesen, dass nach der positiven Entscheidung der Ernüchterungsschock kommen musste. Menschliche und positronische Psychologen hatten ebenfalls errechnet, dass dieser Schock nicht verdrängt werden durfte, sollte die Menschheit ihre psychische Gesundheit behalten. Im Gegenteil: Er musste gezielt beschleunigt – und danach in die richtigen Bahnen geleitet werden.
Das war geschehen.
Psychische Spannungen waren aufgebaut, gelenkt und gelöst worden. Dokumentarberichte aus der Normalzeit gaben den fünfundzwanzig Milliarden Bewohnern des Solsystems die Gewissheit, dass ihre Entscheidung richtig gewesen war, dass sie sich zum Segen aller vernunftbegabten humanoiden Lebewesen der Galaxis auswirkte. Noch mehr: Die drei größten Tochterimperien der Menschheit, der Carsualsche Bund, das Imperium Dabrifa und die Zentralgalaktische Union gerieten mehr und mehr in einen Entwicklungssog, den ihre Machthaber indirekt selber ausgelöst hatten, als sie den Krieg und die Liquidierung der solaren Mutterwelten beschlossen. Drei gänzlich vom Militarismus beherrschte Imperien hatten plötzlich keinen gemeinsamen Gegner mehr. Damit entfielen die Faktoren, die sie bisher – in typisch imperialistisch-militaristischer Scheinlogik – zur Zusammenarbeit gezwungen hatten.
Was tun drei hungrige Wölfe, vor deren geifernden Rachen plötzlich der Bär verschwindet?
Langsam, aber stetig, begann das Bündnis zu zerbröckeln, sichtbar nur für diejenigen, die hinter die Kulissen zu schauen vermochten – und der Solare Abwehrdienst schaute hinter die Kulissen.
Die gesamte solare Menschheit wurde Zeuge, wie ihre Entscheidung Früchte trug, wie die Entwicklung zuungunsten der Diktatoren und zugunsten der Unterdrückten lief.
Das, was nur wenige geglaubt hatten, erfüllte sich: Die solare Menschheit fühlte sich durch eine Verschwörung miteinander verbunden: einer Verschwörung für die Freiheit und gegen die Unfreiheit, für den Frieden und gegen den Krieg, für den »Mann auf der Straße« überall, wo Menschen existierten, und gegen die Diktatoren.
Natürlich blieben die Menschen auf den solaren Planeten im Grunde die gleichen Menschen wie zuvor. Sie waren nicht plötzlich besser, edler oder reifer als die Menschen der extrasolaren Welten. Doch sie besaßen nun etwas, was die anderen Menschen nicht besaßen: das Kollektivbewusstsein einer gemeinsamen Verschwörung ungeheuren Ausmaßes. Als Folge davon entwickelte sich ein Ehrenkodex. Es war eine Ehre, im »Ghost-System« zu leben, und es wäre unehrenhaft gewesen, durch unbedachte oder egoistische Handlungen das große Geheimnis der solaren Menschheit zu gefährden.
So – oder so ähnlich – dachte jedenfalls die überwiegende Mehrheit der solaren Menschheit.
Dennoch gab es natürlich, wie überall, Minderheiten, die nicht tolerant genug waren, Mehrheitsbeschlüsse zu akzeptieren und die demokratische Regel zu beachten, dass nach einer Abstimmung der Unterlegene seine Kräfte zur Verwirklichung der Mehrheitsbeschlüsse einzusetzen hat.
Nur wenige Menschen wussten das besser als Oberst Hubert S. Maurice. Er wusste, dass es genügend Fanatiker und Verschwörergruppen auch im Solsystem gab und dass das ihm anvertraute Leben Perry Rhodans immer und überall gefährdet sein würde, sobald er, Hubert Maurice selber, oder einer seiner Leute in ihrer Wachsamkeit nachließen.
*
Maurice zwängte sich zwischen zwei miteinander flüsternden Männern hindurch; der kleinere, mit dem ungewöhnlich großen Schädel und der schiefen Schulter, war Homer G. Adams. Der andere war Imperiumsmarschall Reginald Bull, trotz seines hohen militärischen Ranges und seines hohen Alters – immerhin rund 1500 Jahre – impulsiv bei Debatten wie eh und je.
Jetzt jedoch brach Reginald Bull mitten im Wort ab und starrte hinter dem Abwehrspezialisten her.
Oberst Maurice kam bereits wieder zurück, in seinem Schlepptau einen Ausrüstungstechniker mit hochrotem Kopf, einen silbrig schimmernden Helm in der Hand.
Hubert Maurice trat Bull im Vorbeigehen auf den Fuß, sagte mechanisch und geistesabwesend »Verzeihung« und hielt dicht vor dem Großadministrator an. Eine Fingerbewegung von ihm, und der Ausrüstungstechniker reichte ihm den Helm. Maurice überprüfte ihn und reichte ihn an Rhodan weiter.
»Bitte, Sir!«
Rhodan blickte den Oberst verwundert an.
»Was soll ich mit diesem Ding?«
»Setzen Sie ihn bitte auf, Sir«, flüsterte Hubert Maurice. Eine Schweißperle rann aus dem gepflegten Haar, einziges Anzeichen dafür, dass auch ein Mann wie Oberst Maurice Nerven besaß. »Es handelt sich um einen Emotioschirmaktivator.«
Noch leiser, praktisch unhörbar, fügte er hinzu: »Olymp meldet Anwesenheit feindlicher Agentengruppe.«
Perry Rhodan las die Meldung von Maurices Lippen ab und erblasste leicht. Sicher, damit hatten sie alle gerechnet. Es kam nur etwas früh. Wahrscheinlich Geheimdienstleute des Dabrifa-Imperiums. Sinnlos, jetzt Maurice zu fragen, was der Emotioschirmaktivator damit zu tun hatte. Was war ein Emotioschirmaktivator überhaupt? Schluss damit. Dort hinten blinkten die Kontrolllampen der Aufnahmeobjektive von Solar-Television.
»Vielen Dank«, flüsterte der Großadministrator und lächelte das inhaltslose Lächeln des Staatsmanns, der nie genau weiß, wie viele Leute ihn in diesem Augenblick beobachteten.
Oberst Hubert S. Maurice trat wortlos zurück und machte sich »unsichtbar« wie er es nannte. Er brachte es fertig, sich so unscheinbar zu machen, zu einer so unwesentlichen Randfigur, dass Außenstehende ihn nicht bewusst wahrnahmen. Für die Zuschauer von Solar-Television auf den Planeten, Monden und Planetoiden des Solsystems war Hubert Maurice von nun an bestenfalls ein kaum wahrnehmbarer Bestandteil der grauen Randerscheinung der Statisten.
Gowan R. Nuriman, Senator für Wirtschaftspsychologie und Stellvertreter Homer G. Adams, schob sich unauffällig in den Vordergrund. Hinter und neben ihm bauten sich fünf Herren in konservativ geschnittenen Anzügen auf, jovial in die Feldobjektive der Kameras lächelnd. Niemand sah ihnen an, dass sie an ihren Körpern Waffen und Ausrüstung verborgen trugen, mit der man eine ganze Armee des 20. Jahrhunderts schachmatt hätte setzen können. Ihre einzige Aufgabe war, einen lebenden Schutzwall zwischen den Feldobjektiven und dem Großadministrator zu errichten. Man hatte auch mit so harmlos wirkenden Dingen wie Feldobjektiven bittere Erfahrungen sammeln müssen.
Nichts von alledem entging der Aufmerksamkeit Maurices. Dieser Mann, der so kalt und desinteressiert wirken konnte, der sich niemals Illusionen hingab, zitterte innerlich um Rhodans Leben. Die »Missgunst des Schicksals« hatte, wie Hubert Selvin Maurice es manchmal zynisch auszudrücken pflegte, ihm den Fluch der genialen Befähigung zu Extrapolationen mitgegeben. Und er bangte vor dem Moment, in dem der Mann, der der Menschheit die freiheitlichste Verfassung der gesamten Menschheitsgeschichte und die humansten Ideale gegeben hatte, nicht mehr sein würde.
Die Möglichkeit, dass ein Attentat gelang, bestand immer. Motive gab es ebenfalls mehr als genug. Allein seit der relativen Isolation des Solsystems waren von der Solaren Abwehr vier Verschwörungen aufgedeckt und zerschlagen worden: Verschwörungen von Militaristen, denen der Großadministrator nicht hart genug durchgriff; Verschwörungen von Sekten und Gangstersyndikaten, die Einfluss auf die große Politik zu nehmen versucht hatten.
Obwohl er getönte Kontaktlinsen trug, kniff Hubert Maurice die Augen ein wenig zusammen, als die Sonnenoberfläche ins Erfassungsfeld der Panoramaschirmwand der Kuppel geriet.
Hier, in Höhe der Merkurbahn, wirkte das gefilterte Sonnenlicht wie eine Sturzflut flüssigen Kupfers, das sich unablässig im Bereich von Kraftströmen wand, durcheinander wirbelte und manchmal hinaus in die Leere des Weltraums leckte.
Mit tiefem Brummen sprangen verborgene Maschinenanlagen an. Ein scheinbar nur haardünner Strahl flüssigen Kupfers zuckte aus der aufgewühlten Sonnenoberfläche hervor, wechselte die Farbe, während er zum ehemaligen Flottentender hinüber sprang und aus dem Blickfeld der Menschen in der Kommandokuppel verschwand. Tiefer wurde das Brummen der Maschinen.
Seltsam!, dachte Hubert S. Maurice. Man hat ihn kaum bemerkt, den Zapfstrahl. Dennoch leitet er das zweite umwälzende Ereignis dieses Jahrhunderts ein – vielleicht dieses Jahrtausends.
Gowan R. Nuriman stand im Brennpunkt eines guten Dutzends von Aufnahmeobjektiven. Sein breitflächiges Gesicht strahlte Optimismus und Freude aus, während er den Zuschauern an den Televideogeräten erklärte, was in diesen Sekunden geschah.
