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Entscheidung im Zentrum der Galaxis - die alten Mutanten helfen Auf Terra und den übrigen Menschheitswelten schreibt man den 22. Juli des Jahres 3444 - das heißt, es sind nur noch wenige Tage bis zum 1. August, dem Termin der Neuwahlen zum Amt des Großadministrators. Während die Propagandamaschinerien der zugelassenen Parteien auf Hochtouren laufen, unternimmt Perry Rhodan kaum etwas, um seine Wiederwahl sicherzustellen. Dem Großadministrator geht es vor allem darum, die schrecklichen Folgen der Asporc-Katastrophe, für die die Menschheit indirekt verantwortlich ist, zu beseitigen und die acht Second-Genesis-Mutanten, seine alten Mitstreiter, beim Aufbau des Solaren Imperiums, zu unterstützen. Im Zuge dieser Maßnahmen hat die MARCO POLO mit ihren Trägerschiffen den Riesenmeteoriten von Asporc verfolgt und zusammen mit dem als Raumschiff umfunktionierten Himmelskörper das System der Paramags erreicht. Hier, in der Nähe des galaktischen Zentrums, kommt es zwischen Paramags und Terranern zu folgenschweren Auseinandersetzungen und Aktionen. Da die Paramags, von der irrigen Annahme geleitet, der zerplatzte Planet Zeut existiere noch, die Invasion des Solsystems betreiben, bleibt Perry Rhodan nichts anderes übrig, die Absprungbasis der Invasoren zu zerstören. Es ist dies WABE I, der PLANETOID IM HYPERSTURM ...
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Seitenzahl: 134
Veröffentlichungsjahr: 2011
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Nr. 596
Planetoid im Hypersturm
Entscheidung im Zentrum der Galaxis – die alten Mutanten helfen
von H. G. EWERS
Auf Terra und den übrigen Menschheitswelten schreibt man den 22. Juli des Jahres 3444 – das heißt, es sind nur noch wenige Tage bis zum 1. August, dem Termin der Neuwahlen zum Amt des Großadministrators.
Während die Propagandamaschinerien der zugelassenen Parteien auf Hochtouren laufen, unternimmt Perry Rhodan kaum etwas, um seine Wiederwahl sicherzustellen. Dem Großadministrator geht es vor allem darum, die schrecklichen Folgen der Asporc-Katastrophe, für die die Menschheit indirekt verantwortlich ist, zu beseitigen und die acht Second-Genesis-Mutanten, seine alten Mitstreiter, beim Aufbau des Solaren Imperiums, zu unterstützen.
Im Zuge dieser Maßnahmen hat die MARCO POLO mit ihren Trägerschiffen den Riesenmeteoriten von Asporc verfolgt und zusammen mit dem als Raumschiff umfunktionierten Himmelskörper das System der Paramags erreicht.
Hier, in der Nähe des galaktischen Zentrums, kommt es zwischen Paramags und Terranern zu folgenschweren Auseinandersetzungen und Aktionen. Da die Paramags, von der irrigen Annahme geleitet, der zerplatzte Planet Zeut existiere noch, die Invasion des Solsystems betreiben, bleibt Perry Rhodan nichts anderes übrig, die Absprungbasis der Invasoren zu zerstören.
Die Hauptpersonen des Romans
Perry Rhodan – Der Großadministrator entschließt sich zum Angriff.
Gucky – Der Mausbiber springt in den Hyperraum.
Reginald Bull – Der Staatsmarschall schickt Kuriere los.
Hoc Calvaniyz – Kommandant der CMP-34.
Powlor Ortokur und Neryman Tulocky – Überlebensspezialisten von Oxtorne.
Betty Toufry und Tako Kakuta
1.
Die Stadt trug den Namen Tuniak-Zetto und war die Hauptstadt des Planetoiden WABE I.
Es war eine riesige Stadt, aber wir konnten von unserem neuen Versteck aus nur einen winzigen Bruchteil von ihr sehen. Wir, das waren die acht Mutanten des Alten Korps, die nach zahlreichen furchtbaren Erlebnissen eine neue Heimat in den Körpern von acht Paramags gefunden hatten.
Diese Körper glichen weder unseren früheren Eigenkörpern noch denen der acht Asporcos, in denen wir ins Paramag-Alpha-System gekommen waren.
Der Mausbiber Gucky hatte die Paramags in scherzhafter Anspielung auf die Bezeichnung, die wir Terraner ihm verliehen hatten, Affenbiber genannt. Der Grund dafür war der, dass ein Paramag wegen seines schwanzähnlichen Stützbeins einerseits einem terranischen Biber und wegen seiner stark vorgewölbten Kieferpartie andererseits einem terranischen Pavian ähnelte.
Damit waren die Vergleichsmöglichkeiten allerdings schon erschöpft. Ganz davon abgesehen, dass die Paramags Facettenaugen besaßen und Ultrahorcher waren, gingen sie aufrecht wie Menschen – wenn sie überhaupt gingen. Meistens bewegten sie sich nur mit Hilfe der Paratransdeformation fort, daher auch der Name Paramag, der eigentlich nur eine Abkürzung für Paramagnetiseur darstellte.
Einer von uns – an der individuellen Ausstrahlung erkannte ich Ralf Marten – trat auf mich zu und sagte leise: »Eigentlich sollten sie schon zurück sein, Tako.«
Ich nickte und sah weiterhin durch das kleine Fenster auf den Ausschnitt Tuniak-Zettos, der von hier aus zu sehen war, eine Ballung bizarr anmutender Gebäude, vermischt mit ebenso bizarr anmutenden Pflanzen.
Ralf hatte mit seiner Bemerkung Betty Toufry und Wuriu Sengu gemeint. Betty und Wuriu waren vor rund zweieinhalb Stunden Standardzeit in das Netz der PEW-Adern eingedrungen, die den gesamten Planetoiden durchzogen. Sie sollten feststellen, ob es in der Nähe des PEW-Bezugstransdeformators Aktivitäten gab, die auf eine Invasion des Solsystems hindeuteten.
Nach den vorangegangenen Ereignissen war mit einer solchen Aktion der Paramags zu rechnen. Sie unterlagen noch immer dem Irrtum, innerhalb des solaren Sonnensystems gäbe es einen Planeten, dessen Inneres von einem dichten Netz aus PEW-Metalladern durchzogen sei. Wir alle hielten diesen Irrtum für tragisch. Zeut hatte existiert, aber es gab ihn nicht mehr. Er war vor mehr als fünfzigtausend Jahren Standardzeit durch angreifende Haluter zerstört worden, und seine Trümmer umkreisten als so genannter Planetoidenring die Sonne.
Da wir im Solsystem niemals PEW-Metall gefunden hatten, enthielten die Trümmer Zeuts entweder keines – oder es kam nur auf einigen wenigen noch unerforschten Planetoiden vor. Falls die Paramags also tatsächlich ins Solsystem vorstießen, um das vermeintliche Paradies zu erobern, so würde das Ergebnis in keinem vernünftigen Verhältnis zu den Opfern stehen, die eine Invasion beiden Seiten abverlangen musste.
Ich drehte mich um und musterte die Eintrittsstelle, durch die Betty und Wuriu sich in die PEW-Adern von WABE I eingefädelt hatten. Zwischen uns war vereinbart worden, dass sie nach spätestens zwei Stunden zurückkehren sollten.
Kein Wunder, dass Ralf unruhig geworden war.
Ich selbst war es nicht minder. Vor allem Betty bedeutete sehr viel für mich. Wenn sie stürbe, würde mein Leben viel von seinem Sinn verlieren.
Deshalb atmete ich auf, als Betty und Wuriu plötzlich materialisierten. Ich eilte ihnen entgegen und ergriff Bettys Hand, wobei es mir völlig gleichgültig war, dass es die Hand eines Paramags war.
»Ihr wart lange fort«, sagte ich leise. »Gab es Gefahren?«
Betty erwiderte meinen Händedruck.
»Nicht mehr als sonst auch, Tako. Aber der Transdeformator war stärker als sonst bewacht. Deshalb hatten wir Schwierigkeiten, in die Innenzone einzudringen.«
Wuriu Sengu lachte humorlos.
»Betty untertreibt wieder einmal, Tako. Der Transdeformator ist lückenlos durch Abfangweichen gesperrt. Wir mussten erst einmal die geheimen Überbrückungsadern finden, bevor wir bis zum Außenrand der Innenzone kamen.«
»Und?«, erkundigte sich Tama Yokida, der aus dem Nebenraum zu uns gekommen war.
Bettys Paramaggesicht wurde hart.
»Der gesamte Innensektor stellt das Aufmarschgebiet einer Armee dar. Wir beobachteten, wie zahlreiche Paramags in kleinen Trupps in Richtung auf die großen Paratransaugen verschwanden. Sie führten militärisches Gerät bei sich.«
Wir sahen uns an.
»Du musst sofort telepathische Verbindung mit Gucky aufnehmen und ihm berichten, was ihr beobachtet habt, Betty«, sagte ich. Der Mausbiber befand sich an Bord der MARCO POLO und stellte derzeit unsere einzige Verbindung zum Flaggschiff des Großadministrators dar, das sich am Außenrand des Trümmersystems befand.
»Genau das hatte ich vor«, erwiderte Betty.
»Gut«, erklärte ich. »Dann werde ich in der Zwischenzeit selber einen kleinen Erkundungsgang unternehmen, wenn ihr nichts dagegen habt.«
Weder Wuriu noch Betty noch Tama hatten Einwände. Unsere anderen drei Leidensgefährten konnten sich nicht äußern; sie befanden sich in einer besonderen Mission in den PEW-Adern der Außenhülle von WABE I. Dort lagen die Verteidigungsanlagen.
»Ich werde dich begleiten, Tako«, meinte Tama.
»Das ist nicht nötig«, wehrte ich ab.
»Ich halte es für angebracht, dass Tama dich begleitet«, warf Betty ein. »In der gegenwärtigen Lage sollte überhaupt keiner von uns einen Alleingang unternehmen.«
Das leuchtete mir ein. Außerdem hatten Bettys Worte Gewicht. Ihre Autorität wurde von uns stillschweigend anerkannt.
Tama und ich reichten uns die Hände, damit wir uns in dem komplizierten Gewirr des PEW-Adernnetzes von WABE I nicht verloren. Danach fädelten wir uns ein. So nannte man jedenfalls den Vorgang, bei dem ein Lebewesen zum Bestandteil dieses unheimlichen Verkehrsnetzes wurde.
Körperlos jagten wir in den »Schienen« aus PEW-Metall durch den Planetoiden, orientierten uns an den verschiedenartigen Ausstrahlungen, nahmen die Umgebung mit unerklärlichen Sinnen wahr und materialisierten schließlich in einer künstlichen Höhle, in der zahlreiche bläuliche, regelmäßig geformte Blöcke aufgeschichtet waren.
Die Blöcke leuchteten von innen heraus und schienen zu pulsieren. Wir, die acht Altmutanten, hatten bis jetzt nicht herausgefunden, welche Funktion diese Blöcke erfüllten. Wir wussten nur aus Erfahrung, dass die Wände der Höhle PEW-Adern enthielten, durch die man auf kürzestem Wege zur Außenhülle von WABE I gelangte.
Diesen Weg hatten auch unsere drei anderen Gefährten benutzen wollen.
»Etwas hat sich verändert«, flüsterte Tama.
Ich sah mich um. Wir waren bereits mehrfach hier gewesen, und bald entdeckte ich, was der Telekinet gemeint hatte. Die Blöcke pulsierten stärker als sonst.
»Vielleicht hat es etwas mit der verstärkten Aktivität zu tun, die die Paramags im Zusammenhang mit ihren Invasionsvorbereitungen entfalten«, meinte Tama.
Ich zuckte die Schultern.
Vielleicht hatte Tama recht, vielleicht auch nicht. Mit bloßen Mutmaßungen war uns nicht gedient.
»Soll ich einmal versuchen, die geometrische Anordnung der Blöcke telekinetisch zu verändern, Tako?«, fragte Tama.
»Du könntest ja mal einen einzelnen Block etwas verschieben«, erwiderte ich. »Aber bitte nicht mehr. Wir wissen nicht, was dadurch eventuell ausgelöst wird.«
Tama Yokida lächelte beruhigend. Es war ein Lächeln, das ein gewöhnlicher Terraner überhaupt nicht bemerkt hätte. Ich sah es eigentlich auch nicht, sondern spürte es, teils infolge der mentalen Verbindung, die zwischen uns Altmutanten herrschte, teils mit Hilfe der Hypersensibilität unserer Paramag-Körper.
Er konzentrierte sich auf einen der Blöcke. Ich fühlte die Emission aktivierter psionischer Kraft, dann kippte der Block ein Stück zur Seite.
Und im nächsten Moment war er verschwunden!
Dort, wo er gewesen war, sah ich für den Bruchteil einer Sekunde eine Art von schwarzen Wallen – und ich merkte, wie etwas in der Höhle umhertastete.
Doch es hielt nicht lange genug an, als dass ich es hätte identifizieren können. Genau genommen, blieb nur ein flüchtiger Eindruck zurück, gepaart mit dem Zweifel an der Wirklichkeit der unwirklichen Erscheinung.
»Hast du es auch gespürt, Tama?«, fragte ich.
Der Telekinet nickte.
»Der Block muss Teil einer Mauer gewesen sein, die diese Höhle von etwas anderem trennte. Als er kippte, wurde eine dimensional übergeordnete Öffnung freigelegt – und jemand oder etwas versuchte zu ergründen, wer dafür verantwortlich war.«
»Er oder es kann in der kurzen Zeitspanne nichts festgestellt haben«, gab ich zurück. »Mir erscheint es nachdrücklich wie eine Halluzination, und je mehr Zeit verstreicht, desto stärker wird meine Auffassung, dass es tatsächlich nur eine Halluzination war.«
Tama schüttelte den Kopf.
»Es war bestimmt keine Halluzination, Tako. Etwas tastete mit psionischen Fühlern in dieser Höhle umher, und es war gewiss kein Paramag.«
Er blickte dorthin, wo der bewusste Block noch vor wenigen Sekunden gelegen hatte.
»Wenn ich das Experiment wiederhole, und der gleiche Effekt ...«
Tama verstummte.
Ich blickte ihn verwundert an und empfing eine Welle hochgradiger Erregung. Die Facettenaugen von Tamas Trägerkörper waren starr auf einen Punkt gerichtet.
Als ich dieser Richtung mit meinen Augen folgte, verschlug es mir ebenfalls den Atem.
Der Block, der nach Tamas Versuch verschwunden war, lag wieder am gleichen Ort und in der gleichen Position wie zuvor. Aber er pulsierte nicht mehr.
Ich wollte etwas sagen, doch da nahm ich mit den hochempfindlichen Sinnen meines Paramag-Körpers die Schwingungen wahr, die entstanden, wenn sich »jemand« innerhalb eines PEW-Adernnetzes mir näherte.
Kurz darauf materialisierten drei Paramags in der Höhle – und im gleichen Moment wusste ich, dass es nur äußerlich Paramags waren.
André Noir, Son Okura, Kitai Ishibashi waren aus der Außenhülle des Planetoiden zurückgekehrt.
»Seid ihr fertig?«, fragte ich leicht verwundert, denn die Mission unserer drei Gefährten hätte nach unseren Kalkulationen erheblich mehr Zeit beanspruchen müssen.
»Nein«, antwortete Kitai. »Wir sind nicht aus eigenem Antrieb hierher gekommen, Tako. Eine unbekannte Kraft riss uns plötzlich in das Adernsystem und setzte uns hier ab. Ich begreife nicht, wie das geschehen konnte. Vielleicht handelt es sich um einen Automatismus, den die Paramags in das Verbindungssystem der Außenhülle einprogrammiert haben.«
Tama und ich blickten uns vielsagend an, dann sagte ich: »Wohl kaum. Wahrscheinlich war es der Nebeneffekt eines kleinen Experiments, das Tama soeben durchführte.«
Ich berichtete kurz, was geschehen war. Danach tauschten wir unsere Meinungen über das Phänomen aus, kamen aber zu keiner logisch klingenden Erklärung. Son Okura weigerte sich sogar, einen Zusammenhang zwischen Tamas telekinetischem Experiment und dem unerklärlichen Rücktransport anzuerkennen. Er meinte, das Zusammentreffen der beiden Ereignisse könnte auf einem Zufall beruhen.
»Vorsichtshalber sollten wir uns weiterer Experimente enthalten«, entschied ich schließlich. »Ihr kehrt in die Außenhülle zurück, und Tama und ich werden euch begleiten. Es kann sein, dass wir schon sehr bald genaue Kenntnisse über das Verteidigungssystem der Paramags benötigen werden.«
Ich erzählte, was Betty und Wuriu beim PEW-Bezugstransdeformator festgestellt hatten und schloss: »Möglicherweise muss die MARCO POLO diesen Planetoiden angreifen, um eine ernsthafte Gefährdung der solaren Menschheit zu verhüten.«
Wir legten einen Treffpunkt in der Außenhülle fest, von der aus wir Erkundungsvorstöße durchführen wollten, dann fädelten wir uns wieder in das PEW-System ein.
Die rote Riesensonne Paramag-Alpha schien vor dem Hintergrund der dumpf glühenden Sterne und des flammenden galaktozentrischen Plasmas auf und ab zu tanzen.
Doch in Wirklichkeit war es die MARCO POLO, die im Zugriff des stärksten Gravitationssturms, den ich je erlebt hatte, gleich einem Spielball auf und ab tanzte. Hier wurden Urgewalten frei, die sich ein sesshafter Planetenbewohner überhaupt nicht vorzustellen vermochte.
Allerdings war der Paratronschirm meines Flaggschiffs nicht aktiviert. Die Aggregate zur Umwandlung von normaler Energie in Paratronenergie hatten einen enormen Energiebedarf, und die Deuteriumvorräte der MARCO POLO waren nicht unerschöpflich. Wir mussten damit haushalten, denn die Lage erlaubte es nicht, einen Planeten anzufliegen und die Deuteriumtanks aufzufüllen.
Eine besonders heftige Erschütterung warf mich um, bevor ich einen Kontursessel erreichte und mich anschnallen konnte. Knatternd flogen mehrere Sicherungsbatterien heraus. Das Licht erlosch, dann wurde die Hauptzentrale in das düstere Glühen der Notbeleuchtung getaucht. Es roch nach Ozon.
Ich richtete mich auf. Das Deck schwankte wie ein Schaukelbrett. Ein neuer Stoß beförderte mich in den nächsten freien Sessel. Ich drückte auf einen Schalter und spürte, wie sich die Anschnallgurte um mich schlossen.
Auf dem Schaltpult vor mir sah ich den Interkom. Ich drückte die Aktivierungsplatte hinein und sagte: »Rhodan an Maschinenleitstand. Was ist mit den Andruckabsorbern los?«
»Sind total überlastet«, antwortete eine raue Stimme. Der Bildschirm blieb tot, aber ich erkannte an der Stimme den Ersten Maschineningenieur Dietmar Viebach. »Wenn das so weitergeht, sind sie bald endgültig im Eimer, Sir.«
Unwillkürlich musste ich lächeln. Dieser Ton erinnerte mich an die erste Phase der terranischen interstellaren Raumfahrt. Auch damals hatten meine Leute auf geschraubte militärische Phrasen verzichtet.
»Danke, Viebach«, erwiderte ich. »Behalten Sie den Eimer vorsichtshalber im Auge.«
»Wird erledigt, Sir«, meinte der Erste MI. »Drücken Sie mir die Daumen.«
Ich unterbrach die Verbindung, als ich aus den Augenwinkeln einen weißhaarigen großgewachsenen Mann erblickte, der quer durch die Hauptzentrale auf mich zugeschossen kam und dabei das Wunder fertigbrachte, mit den Füßen Bodenkontakt zu halten.
Es handelt sich um meinen arkonidischen Freund Atlan. Er hätte mich erreicht, wenn der Boden sich nicht plötzlich aufgebäumt hätte. So wurde er aus der Bahn geworfen und landete an der Rückenlehne eines anderen Kontursessels. Geschickt stieß er sich ab, sprang förmlich in den Notsitz neben mir und schnallte sich an.
»Ziemlicher Seegang heute, wie?«, erkundigte ich mich.
Atlan warf mir einen unergründlichen Blick zu, lächelte flüchtig und meinte wegwerfend: »Nicht für einen alten Seefahrer wie mich, Perry. Ich komme aus der Funkzentrale. Der große Hyperkom gibt Töne von sich wie ein defekter Musikautomat.«
»Keine Verbindung mit unseren Außenrandstationen?«, fragte ich. Ich meinte damit die Stationen, die wir an den Grenzen des äußeren galaktischen Zentrumsringes besaßen.
»Nichts. Wenn sie senden, kommen sie jedenfalls nicht durch, und ob eine unserer Sendungen bei ihnen eintrifft, möchte ich bezweifeln. Der Gravitationssturm hat das 5-D-Medium aufgewühlt wie niemals zuvor.«
Ich musste an Major Erkh Stallinger denken, den ich mit der Korvette KMP-11 vor einiger Zeit losgeschickt hatte. Stallinger sollte versuchen, das Solsystem zu erreichen oder doch wenigstens eine Außenstation, die noch Funkverbindung mit dem solaren System hatte. Angesichts des sich, steigernden Gravitationssturms bezweifelte ich, dass er durchkommen würde.
»Du denkst an Stallinger, nicht wahr?«, fragte Atlan.
Ich nickte.
Mein arkonidischer Freund sah mich prüfend an.
»Wenn du annimmst, dass Stallinger nicht durchkommt, musst du ein paar Kreuzer losschicken. Sie haben vielleicht eine größere Chance als eine Korvette.«
Ich dachte eine Weile nach, dann schaltete ich den Interkom zur Ortungszentrale durch.
HyO-Techniker Giovanni Riccione meldete sich.
»Welche Intensität hat der Sturm erreicht?«, erkundigte ich mich.
Der Ortungstechniker sagte es mir und fügte hinzu: »Der Höhepunkt ist offenbar noch nicht erreicht, Sir. Die Intensität steigt weiter an.«
Ich bedankte mich und unterbrach die Verbindung. Zu Atlan gewandt erklärte ich: »Unter diesen Umständen werde ich kein einziges Schiff ausschleusen, Atlan. Ich darf das Leben der Besatzungen nicht aufs Spiel setzen.«
Atlans Blick wurde hart.
»Du änderst dich wohl nie, was? Wenn die Existenz der solaren Menschheit bedroht ist, hat die Sicherheit von Raumschiffsbesatzungen zurückzustehen. Ich bin bereit, das Kommando über einen Kreuzer zu übernehmen.«
»Abgelehnt«, entgegnete ich schroff. »Erstens bin ich nicht bereit, ein so wertvolles Gehirn wie deines zu opfern – und zweitens wissen wir gar nicht, ob die solare Menschheit tatsächlich bedroht ist.«
Ich schaltete abermals den Interkom ein. Diesmal tastete ich eine Verbindung zu Guckys Kabine. Der Mausbiber hatte sich auf meinen ausdrücklichen Befehl in die Koje gelegt. Er sollte Kräfte sammeln, denn ich rechnete damit, ihn in absehbarer Zeit einsetzen zu müssen.
