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Es kommt aus dem Parallel-Universum - und bedroht die Menschheit Auf Terra und den anderen Welten des Solaren Imperiums schreibt man Mitte Januar des Jahres 3457. Perry Rhodan hat nach den gefahrvollen Abenteuern, die er zusammen mit 8500 Gefährten der MARCO POLO mit viel Glück und Geschick bestand, aus der Parallelgalaxis wieder in die Heimat zurückgefunden. Der böse Spuk mit den Doppelgängern war seit dem Augenblick vorbei, da Perry Rhodan sein negatives Ebenbild tötete. Inzwischen halten sich der Großadministrator, Lordadmiral Atlan, die Mutanten und die anderen Teilnehmer der gefährlichen Reise der MARCO POLO bereits seit ein paar Monaten wieder im Solsystem auf. Sie erholten sich von den vorangegangenen Strapazen, ohne zu ahnen, dass ihr Aufenthalt in der Parallelgalaxis schwerwiegende Folgen zeitigen würde, indem er sie zu Trägern und Überträgern der PAD-Seuche machte. Jetzt besteht kein Zweifel mehr daran. Die "Psychosomatische Abstraktdeformation" - in Kurzform PAD genannt - hat fast die gesamte Menschheit befallen, breitet sich in der Galaxis immer weiter aus und nimmt bedrohliche Formen an. Bezeichnend für das PAD-Phänomen ist die OPERATION STERNSTUNDE ...
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Seitenzahl: 142
Veröffentlichungsjahr: 2011
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Nr. 609
Operation Sternstunde
Es kommt aus dem Parallel-Universum – und bedroht die Menschheit
von H. G. EWERS
Auf Terra und den anderen Welten des Solaren Imperiums schreibt man Mitte Januar des Jahres 3457. Perry Rhodan hat nach den gefahrvollen Abenteuern, die er zusammen mit 8500 Gefährten der MARCO POLO mit viel Glück und Geschick bestand, aus der Parallelgalaxis wieder in die Heimat zurückgefunden.
Der böse Spuk mit den Doppelgängern war seit dem Augenblick vorbei, da Perry Rhodan sein negatives Ebenbild tötete.
Inzwischen halten sich der Großadministrator, Lordadmiral Atlan, die Mutanten und die anderen Teilnehmer der gefährlichen Reise der MARCO POLO bereits seit ein paar Monaten wieder im Solsystem auf.
Sie erholten sich von den vorangegangenen Strapazen, ohne zu ahnen, dass ihr Aufenthalt in der Parallelgalaxis schwerwiegende Folgen zeitigen würde, indem er sie zu Trägern und Überträgern der PAD-Seuche machte. Jetzt besteht kein Zweifel mehr daran. Die »Psychosomatische Abstraktdeformation« – in Kurzform PAD genannt – hat fast die gesamte Menschheit befallen, breitet sich in der Galaxis immer weiter aus und nimmt bedrohliche Formen an.
Die Hauptpersonen des Romans
Dalaimoc Rorvic – Der Tibeter verwandelt sich in Monsieur Molière.
Tatcher a Hainu – Rorvics »Seelenwächter«.
Roi Danton – Perry Rhodans Sohn fühlt sich als »Sonnenkönig«.
Perry Rhodan und Atlan – Der Großadministrator und der Lordadmiral sollen ermordet werden.
Jala von Katranat
1.
»Das ist er«, sagte Major Dragomir Borstow, Kommandant des Leichten Kreuzers PORTO CERVO, zu Dalaimoc Rorvic und mir.
Er meinte Tsittok, den dritten Planeten der gelben Sonne Hagelar in dem offenen Sternhaufen nordwestlich des galaktischen Nordpols, rund zweihundertneunzig Lichtjahre vom Solsystem entfernt.
»Sieht aus wie eine zweite Erde«, bemerkte Rorvic phlegmatisch.
Major Borstow lächelte.
»Das täuscht, Sir. Vielleicht haben auf Tsittok einmal erdähnliche Zustände geherrscht, bevor es sich die Träger der einstigen Zivilisation anders überlegten und es vorzogen, als nomadisierende Jäger zu leben, statt ihre hochstehende Technik weiter zu entwickeln.«
»Interessant«, meinte der fette Tibeter. Sein gleichgültiger Tonfall strafte das Wort allerdings Lügen.
Ich blickte auf den Frontsektor der Panoramagalerie. Die Bildtechniker des Kreuzers hatten eine Vergrößerung geschaltet, so dass Tsittok deutlich als fußballgroße blaue Kugel mit hellen Wolkenfeldern zu sehen war, obwohl wir noch rund dreihundert Millionen Kilometer von dem Planeten entfernt waren.
Mich interessierte diese Welt, und ich bedauerte es, dass unser Aufenthalt voraussichtlich nur wenige Stunden dauern würde. Unsere Aufgabe war trivial: Wir sollten drei Besatzungsmitglieder der MARCO POLO, die hier ihren Urlaub auf Großwildjagd verbrachten, abholen und zur Quarantänestation auf dem Erdmond bringen, wo sich bereits etwa zweitausend Besatzungsmitglieder der MARCO POLO befanden.
Grund für diese Maßnahme, durch die die Frauen und Männer von Rhodans Flaggschiff aus dem wohlverdienten Urlaub gerissen wurden, war der Ausbruch von PAD, einer so genannten Psychosomatischen Abstraktdeformation, die man auch »Seelenumkehr« nannte. In der Flotte sagte man »Persönlichkeits-Atrophie-Desaster« dazu: die entsprechende Abkürzung ergab ebenfalls »PAD«. Die Terraner hatten schon einen skurrilen Humor.
Die PAD hatte alle jene Personen befallen, die den Flug der MARCO POLO in das sekundäre Paralleluniversum mitgemacht hatten – mit Ausnahme von Nichtterranern und Mutanten. Ich war ebenfalls davon verschont geblieben, was wieder einmal bewies, dass Marsianer der a-Klasse jedem Terraner haushoch überlegen waren.
Eigentlich konnte man die PAD nicht als Krankheit bezeichnen, jedenfalls vorläufig nicht. Sie äußerte sich lediglich dadurch, dass die Betroffenen sich menschlicher benahmen als früher. Sie gönnten sich mehr Entspannung, ließen sich nicht mehr von der solaren Werbung hypnotisieren und kümmerten sich nicht mehr um ungelegte Eier, wie man so schön sagte. Statt dessen gingen sie ihren Hobbys nach, entdeckten in sich neue Interessen, die das Leben verschönten und verhielten sich offenbar so, wie sie sich immer schon gern verhalten hätten, wenn die geistige Massenprogrammierung in ihrer Kindheit und ihre beruflichen Notwendigkeiten diese Wünsche nicht mehr oder minder stark unterdrückt und aus dem Bewusstsein verdrängt hätten.
Meiner Ansicht nach überwogen die positiven Auswirkungen der PAD, aber es gab auf der Erde Männer, die anderer Meinung waren. Sie schienen vom Bild des pflichtvergessenen Terraners, das sie in ihren Tagträumen plagte, zutiefst erschreckt worden zu sein. Deshalb wohl auch die Bezeichnung »Abstraktdeformation«, denn für arbeitswütige und pflichtbesessene Erdmenschen mussten die veränderten Handlungsweisen der Befallenen abstrakt erscheinen. Ich hielt sie für sehr konkret, aber auf mich hörte ja niemand.
Dalaimoc Rorvic gähnte tief und kratzte sich gedankenverloren seinen kahlen Schädel. An seinem Verhalten stieß sich sonderbarerweise niemand, obwohl er schon von jeher nur das tat, was ihm gefiel.
Der Tibeter warf noch einen Blick auf den Frontschirm, dann kreuzte er die Beine unter sich zum Schneidersitz. Sein Bauch berührte dabei die Vorderkante seines Kontursessels. Er legte die dicken Hände auf die Knie, ließ die Lider halb herabsinken und verfiel schon wieder in ein Dösen, das er heuchlerisch als »Meditation« zu bezeichnen pflegte.
»Fremdwelt im Universum!«, murmelte er. Anscheinend war er endlich übergeschnappt. Es hatte ja so kommen müssen.
Ich schwang mich aus meinem Kontursessel, ging zu dem leichenhäutigen Mutanten hinüber und hielt ihm die Nase zu. Rorvic wehrte sich weder, noch öffnete er den Mund zum Atmen.
»Was tun Sie da, Captain a Hainu?«, fragte Major Borstow argwöhnisch.
Ich lächelte ihm beruhigend zu.
»Ich verhindere, dass Rorvics Seele durch die Nasenlöcher entweicht, während der Geist seine Kontrolle über den Körper aufgegeben hat.«
Borstows hölzern wirkendes Gesicht verzog sich zu einer Miene, die Verblüffung ausdrückte.
»Müssen Sie das immer machen, wenn Sonderoffizier Rorvic meditiert?«, erkundigte er sich.
Ich nickte und erwiderte ernsthaft: »Stimmt, Major. Ich bin Rorvics Seelenwächter.«
Einige Männer der Zentrale-Besatzung kicherten, verstummten aber sofort, als Borstow sich finster umsah.
Unterdessen war ich doch etwas besorgt über Rorvics Zustand. Ich fragte mich, wie lange das fette Scheusal die Luft anhalten konnte, ohne dass seine Lebensflamme erlosch. Er rührte sich überhaupt nicht.
Ich nahm die Finger weg, aber sofort fuhr Major Borstow mich an: »Nicht loslassen, Captain! Bedenken Sie die ungeheure Verantwortung, die Sie tragen!«
Da merkte ich, dass er nicht auf mein Märchen hereingefallen war, sondern nur zum Schein darauf eingegangen war. Dies Mal lachten die Männer der Zentrale-Besatzung offen, und Borstow stimmte schließlich ein.
Ich lachte allerdings nicht mit, denn Rorvic atmete immer noch nicht. War es möglich, dass er erstickt war, weil ich ihm die Nase zugehalten hatte? Es erschien undenkbar, aber bei Rorvic musste man auf alles gefasst sein. Vielleicht war er absichtlich gestorben, um mich in eine peinliche Lage zu bringen.
Verstohlen, so dass es niemand sah, kniff ich ihn mit aller Kraft in den Oberschenkel.
Im nächsten Moment öffnete er den Mund und blies mir einen Schwall verbrauchter Luft ins Gesicht. Danach atmete er mit geblähten Nasenflügeln ein, öffnete die Augen und sagte dumpf: »Sie sind unschuldig wie die Vögel in den Wäldern, und die Tautropfen im Gras sind für sie eine größere Kostbarkeit als alles Gold des Universums.«
»Von wem sprechen Sie, Sir?«, fragte ich.
Der Tibeter öffnete die Augen, sah mich an und meinte: »Von den Wesen, die den Käfig der technischen Überzivilisation zerbrachen, um die Freiheit wiederzugewinnen.«
»Meinen Sie die Tsittoks, Sir?«, erkundigte sich Major Dragomir Borstow.
Rorvic lächelte undefinierbar und schwieg. Major Borstow drang nicht weiter in ihn. Für die meisten Menschen war der rotäugige Tibeter so etwas wie eine heilige Kuh. Sie kannten ihn eben nicht so gut wie ich, der seine Launen ertragen musste, ohne zu murren.
Inzwischen hatte sich die PORTO CERVO dem Planeten weiter genähert. Wir empfingen die Peilsignale des kleinen Senders, den terranische Techniker vor einiger Zeit auf dem Platz installiert hatten, der als einziger Raumhafen Tsittoks diente. Der Planet gehörte nicht zum Solaren Imperium, aber er war auf Rhodans Weisung unter den Schutz des Imperiums gestellt worden. Die solare Menschheit beanspruchte aus ihrer Schutzmachtrolle keine Vorrechte; sie schützte lediglich die Eingeborenen vor Übergriffen von Raumfahrern aus allen Zivilisationen und garantierte, dass die Tsittoks frei über ihr eigenes Schicksal und ihren Planeten entscheiden konnten.
Hin und wieder landete ein Raumschiff auf Tsittok und brachte ein paar Forscher oder Großwildjäger. Wenn die Eingeborenen es erlaubten, durften diese Leute eine begrenzte Menge Großwild abschießen oder ihren Forschungen nachgehen. Waren die Tsittoks dagegen, mussten sie unverrichteter Dinge wieder abfliegen. Perry Rhodan vertrat den Standpunkt, dass niemand auf einer Fremdwelt etwas zu suchen hatte, wenn die Bewohner jener Welt es nicht wollten und ihrerseits keine Gefahr für andere Zivilisationen darstellten.
Meiner Meinung nach war das ein ganz vernünftiger Standpunkt. Vielleicht spielte auch die Überlegung dabei eine Rolle, dass es besser war, wenn nicht zu viele Menschen an Ort und Stelle erfuhren, dass andere Intelligenzen auch ohne technische Zivilisation glücklich waren.
»Wir tauchen in zehn Minuten in die Planetenatmosphäre ein«, gab Kommandant Borstow bekannt.
Die PORTO CERVO bremste mit hohen Schubwerten ab, und als sie in die Atmosphäre eintauchte, hatte sie fast keine Fahrt mehr. Mit Hilfe der starken Antigravprojektoren sank das Schiff so lautlos wie ein Ballon, aus dem langsam die Luft abgelassen wird. Auf den Bildsektoren der Subbeobachtung sahen wir unter uns einen großen Kontinent. Er war zur Hälfte von Dschungel bedeckt; die andere Hälfte waren Savannen und kleine Binnenseen.
Direkt unter der PORTO CERVO lag ein kreisrunder Fleck in der Savanne am Ufer eines Sees. In einiger Entfernung von ihm waren zweihundert Meter hohe starke Wälle aus Glasfaserbeton errichtet worden. Sie schützten die Umwelt vor den Druck- und Hitzewellen, die ein startendes Raumschiff in der Phase des Starts erzeugte, in der die Impulstriebwerke die Massenträgheit zu überwinden hatten.
»Demnächst werden dort unten Projektoren zur Erzeugung energetischer Start- und Landegerüste aufgebaut«, teilte Major Borstow uns mit. »Bis vor kurzem hatten die Tsittoks die Genehmigung dazu verweigert.«
Wir setzten einige hundert Meter neben der Space-Jet auf, die die drei Urlauber für den Flug nach Tsittok gemietet hatten. Danach befahl Dragomir Borstow seinem Cheffunker, die Urlauber mit dem starken Bordtelekom anzurufen.
»Sie melden sich nicht«, erklärte der Funker eine Viertelstunde später.
Der Kommandant stieß eine Verwünschung aus und meinte: »Jetzt bleibt mir nichts anderes übrig, als Suchtrupps zu bilden und ausschwärmen zu lassen. Leider benötige ich dazu die Erlaubnis der Eingeborenen.«
»Ich kann keinen Tsittok sehen, Major«, warf ich ein.
»Wenn einer da wäre, würden Sie ihn bestimmt sehen, Tatcher«, sagte Rorvic phlegmatisch. »Mit einer durchschnittlichen Körpergröße von drei Metern sind die Tsittoks unübersehbar.«
»Ich werde die Außenillumination einschalten lassen«, erklärte der Kommandant. »Das lockt bestimmt ein paar Tsittoks an.«
»Das wäre viel zu aufwendig«, meinte der Tibeter. »Bedenken Sie nur den Stromverbrauch. Ich kenne eine viel einfachere Methode, Kontakt zu den Eingeborenen herzustellen.
Captain a Hainu!«
Ich zuckte heftig zusammen. Das rotäugige Scheusal unterschlug das »a« vor meinem Familiennamen fast immer; wenn es das einmal unterließ, dann nur, um seine Autorität stärker zum Ausdruck zu bringen.
»Ja, Sonderoffizier Rorvic?«, fragte ich, ebenfalls die vollständige Anrede verwendend.
Dalaimoc Rorvic drehte sich überhaupt nicht um, als er sagte: »Sie werden von Bord gehen und Kontakt mit den Tsittoks aufnehmen, Captain. Ich erwarte von Ihnen, dass Sie diesen Befehl in kürzester Zeit ausführen und einen autorisierten Sprecher der Tsittoks an Bord bringen. Und nun beeilen Sie sich gefälligst! Oder dachten Sie, ich sollte hier Wurzeln schlagen, Sie marsianische Giftspinne!«
»Ja, Sir«, erwiderte ich, ohne erkennen zu lassen, welchen Teil von Rorvics Rede ich damit bestätigen wollte.
Wütend ging ich in meine Kabine, streifte meinen Expeditionsanzug über, schnallte mir ein Flugaggregat auf den Rücken und verließ das Schiff. Ich überflog den See, weil ich annahm, dass sich an seinem Ufer einige Eingeborene aufhielten. Leider bekam ich keinen einzigen Tsittok zu Gesicht.
Anschließend nahm ich Kurs auf den nahen Dschungel – und dort hatte ich mehr Glück.
Zwei humanoide Lebewesen, die auf einem umgestürzten Baum am Rand des Urwaldes gesessen hatten, erhoben sich bei meiner Annäherung und winkten mir zu.
Ich landeten wenige Schritte vor ihnen im hohen Gras der Savanne – und sah sie im nächsten Moment nicht mehr, bis ihre Köpfe beinahe direkt über mir wieder auftauchten.
Sie waren tatsächlich so groß, wie Rorvic sie beschrieben hatte, gegen einen Marsianer der a-Klasse wahre Giganten, mit gelbbrauner, sehr faltiger Haut, menschenähnlich geformten Köpfen mit kurzer, schwarzer, wolliger Behaarung und tiefliegenden Augen. Ihre einzige Bekleidung bestand aus buntbemalten Lederschurzen. In den großen Händen trugen sie sauber gearbeitete Wurfspieße mit Stahlspitzen.
Ich schaltete den Translator ein, der mir vor der Brust hing. Die blumenreiche Sprache der Tsittoks war selbstverständlich in das Gerät einprogrammiert worden.
»Ich grüße Sie!«, sagte ich, und der Translator übersetzte simultan. »Mein Name ist Tatcher a Hainu. Sie dürfen mich Tatcher nennen.«
»Wir erwidern Ihre Grüße. Tatcher von den Sternen«, antwortete einer der beiden. »Mein Name ist Siliah und der meines Bruders Meiloeh. Möge die Erde von Tsittok Ihre Füße immer gut tragen.«
»Warum sollte sie nicht?«, erwiderte ich.
Die beiden Eingeborenen setzten sich vor mich. Dadurch kamen unsere Köpfe auf die gleiche Höhe. Ich sah erst jetzt, wie groß ihre Hautfalten waren: sie hingen lappenförmig herab, und zwischen den Hautlappen entdeckte ich ein Gewimmel unzähliger blaugoldener kleiner Käfer.
»Sie tragen die Kleidung eines Terraners«, meinte Meiloeh, »aber Sie sind kein Terraner, Tatcher von den Sternen.«
Ich nahm mir vor, Visitenkarten mit dem Namen »Tatcher von den Sternen« drucken zu lassen und sie an alle Bekannten zu verteilen. Die würden Augen machen!
»Richtig, ich bin ein Marsianer der a-Klasse«, antwortete ich stolz. »Deshalb hat man mich auch zu Ihnen geschickt. Terranern fehlt das gewisse Fingerspitzengefühl, das man braucht, wenn man mit fremden Intelligenzen verhandeln will.«
»Sie wollen mit uns verhandeln?«, erkundigte sich Siliah. »Worüber denn, Sohn des Himmels?«
»Sohn des Himmels«, das klang fast noch besser als »Tatcher von den Sternen«.
»Auf Tsittok befinden sich drei Terraner. Sie kamen hierher, um mit Ihrer Erlaubnis Großwild zu jagen. Gewisse Umstände zwingen uns leider dazu, sie wieder abzuholen. Da sie sich auf unsere Funksignale hin nicht meldeten, beabsichtigt der Kommandant unseres Raumschiffs, sie suchen zu lassen. Er benötigt dazu aber Ihr Einverständnis zum Ausschwärmen der Suchtrupps.«
»Der Kommandant Ihres Raumschiffs ist ein sehr vernünftiger Mann«, erwiderte Siliah. »Wir würden ihm gern erlauben, seine Suchkommandos ausschwärmen zu lassen. Er müsste damit aber noch einige Zeit warten. Wir haben die Phase der Szeighuus, und sie darf nicht gestört werden.«
Ich hatte keine Ahnung, was die »Phase der Szeighuus« war; ich wusste nur, dass wir unseren Auftrag schnell erledigen mussten. Anschließend sollte die PORTO CERVO weitere sechs Planeten in diesem Raumsektor anfliegen und insgesamt noch siebenundzwanzig Urlauber auflesen.
»Wie lange dauert die Phase der Szeighuus?«, erkundigte ich mich deshalb.
Die Zeitspanne, die Siliah mir nannte, war gleichbedeutend mit einem Vierteljahr Standardzeit. So lange konnten wir nicht warten.
Ich versuchte, den beiden Tsittoks das klarzumachen.
»Was soll ich tun?«, fragte ich resigniert.
»Ist es denn wirklich so wichtig, dass die drei Jäger Tsittok vor Ablauf der vereinbarten Zeit verlassen?«, erkundigte sich Meiloeh.
»Es ist sehr wichtig«, beteuerte ich.
»Dann schlage ich vor, Sie, Tatcher von den Sternen, gehen allein zu den drei Terranern.«
»Wie stellen Sie sich das vor?«, rief ich erschrocken. »Tsittok ist so groß, und ich bin so klein. Wie soll ich die drei Männer finden, wenn sie sich nicht über Funk melden?«
Meiloeh legte mir seine großen, knochigen Hände auf die Schultern und erwiderte: »Wir werden dich zu ihnen führen, Sohn des Himmels.«
Ein Gedanke durchzuckte mich blitzartig. Ich musste ein triumphierendes Lächeln unterdrücken, als ich darum bat, einen Gefährten mitnehmen zu dürfen und seinen Namen mit Dalaimoc Rorvic angab. Dem leichenhäutigen Albino geschah es nur recht, wenn er seine Füße anstrengen musste. Warum hatte er mich aus dem Schiff geschickt!
»Sie werden uns beide willkommen sein, Tatcher von den Sternen«, antwortete Siliah. »Aber wir müssen Sie leider bitten, keine Waffen mitzunehmen.«
»Ich bin damit einverstanden«, erklärte ich.
*
Wie erwartet, sträubte sich der Tibeter dagegen, mich zu begleiten.
»Die Tsittoks haben darauf bestanden, dass wir beide zu den drei Terranern gehen, Sir«, entgegnete ich. »Wenn Sie nicht mitkommen, werden sie auch mich nicht willkommen heißen.«
»Sie sind ein heimtückischer Sandfresser!«, schimpfte Rorvic. »Die Tsittoks können meinen Namen nur von Ihnen erfahren haben.«
»Natürlich, Sir«, erklärte ich in gut gespieltem Erstaunen. »Sie haben mich gefragt, wer der Chef unserer Mission ist – und das sind nun einmal Sie. Oder sollte ich die Eingeborenen belügen?«
Rorvic drohte mir mit dem Finger.
»Sie lügen doch, sobald Sie den Mund aufmachen, Tatcher. Versuchen Sie mir nicht weiszumachen, Sie hätten ausgerechnet den Tsittoks gegenüber Skrupel gehabt.«
Ich zuckte die Schultern.
»Sie müssen es ja wissen, Sir.«
»Ich weiß es auch!«, stieß der Tibeter drohend hervor und stapfte wütend aus der Hauptzentrale, um sich in seiner Kabine umzuziehen.
Dragomir Borstow widmete mir ein listiges Lächeln und flüsterte: »Sie haben Ihrem Vorgesetzten das eingebrockt, weil Sie ihn nicht mögen, nicht wahr?«
»Wie kommen Sie darauf, dass ich ihn nicht mag?«, fragte ich mit unschuldiger Miene. »Ich mag ihn sogar sehr gern, aber nur mit viel Senf, bitte.«
Der Kommandant verschluckte sich beinahe vor unterdrückter Heiterkeit. Während ich auf Rorvic wartete, tranken wir zusammen Kaffee, und ich erkundigte mich bei Borstow nach den kleinen Käfern, die ich in den Hautfalten der Tsittoks bemerkt hatte.
»Sie meinen die Macks«, erklärte Borstow. »Soviel ich weiß, leben Tsittoks und Macks in Symbiose zusammen, aber bisher hat niemand die Art der Symbiose feststellen können. Die Eingeborenen verraten es nicht und lassen auch keine Untersuchungen zu.«
