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Sie sind die Herren der Zwischenwelt - sie dulden keine Fremden in ihrem Machtbereich Rund 120 Jahre nach dem Tage, da Terra und Luna durch den Soltransmitter gingen, gibt es längst keine vereinte Menschheit mehr, und das künftige Schicksal der im Kosmos zersplitterten Menschengruppen ist ungewiss. Das gilt sowohl für die in der Heimatgalaxis zurückgebliebenen Terraner und ihre Nachkommen als auch für die kosmischen Flüchtlinge und deren Nachkommen. Jene Menschen, die mit dem Heimatplaneten den großen Sprung über eine halbe Unendlichkeit wagten, sind im Mahlstrom der Sterne zwar in Sicherheit vor der Macht des Konzils, aber sie gerieten dafür fast zur Gänze in den Bannkreis der Aphilie, die sie und ihre Kinder in Geschöpfe ohne Nächstenliebe verwandelt hat. Die anderen - abgesehen von den Menschen, die den Laren und ihren Vollzugsorganen, den Überschweren, in die Hände fielen - wurden durch Lordadmiral Atlan gerettet. Sie leben als Angehörige des "Neuen Einsteinschen Imperiums" im Schutz der Dunkelwolke Provcon-Faust und versuchen von dort aus, die galaktischen Völker zu einigen, um den Befreiungskampf gegen die Laren wirksam führen zu können. Vom Geschehen in der Milchstraße, das Ende des Jahres 3580 einen dramatischen Höhepunkt erreichte, blenden wir um zu Perry Rhodan und seinem Raumschiff SOL, das während des Untergangs von Balayndagar durch den Dimensionstunnel in die Dakkarzone gelangte, in eine seltsame Zwischenwelt, die voller Gefahren und Geheimnisse ist. Hier stoßen die Terraner auf die Zgmahkonen, das wichtigste Konzilsvolk überhaupt. Die Führer dieses Volkes trachten danach, die SOL zu vernichten. Sie dulden keine Fremden in ihrem Machtbereich - denn sie sind DIE NULLBEWAHRER ...
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Veröffentlichungsjahr: 2011
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Nr. 729
Die Nullbewahrer
Sie sind die Herren der Zwischenwelt – sie dulden keine Fremden in ihrem Machtbereich
von H. G. EWERS
Rund 120 Jahre nach dem Tage, da Terra und Luna durch den Soltransmitter gingen, gibt es längst keine vereinte Menschheit mehr, und das künftige Schicksal der im Kosmos zersplitterten Menschengruppen ist ungewiss. Das gilt sowohl für die in der Heimatgalaxis zurückgebliebenen Terraner und ihre Nachkommen als auch für die kosmischen Flüchtlinge und deren Nachkommen.
Jene Menschen, die mit dem Heimatplaneten den großen Sprung über eine halbe Unendlichkeit wagten, sind im Mahlstrom der Sterne zwar in Sicherheit vor der Macht des Konzils, aber sie gerieten dafür fast zur Gänze in den Bannkreis der Aphilie, die sie und ihre Kinder in Geschöpfe ohne Nächstenliebe verwandelt hat.
Die anderen – abgesehen von den Menschen, die den Laren und ihren Vollzugsorganen, den Überschweren, in die Hände fielen – wurden durch Lordadmiral Atlan gerettet. Sie leben als Angehörige des »Neuen Einsteinschen Imperiums« im Schutz der Dunkelwolke Provcon-Faust und versuchen von dort aus, die galaktischen Völker zu einigen, um den Befreiungskampf gegen die Laren wirksam führen zu können.
Vom Geschehen in der Milchstraße, das Ende des Jahres 3580 einen dramatischen Höhepunkt erreichte, blenden wir um zu Perry Rhodan und seinem Raumschiff SOL, das während des Untergangs von Balayndagar durch den Dimensionstunnel in die Dakkarzone gelangte, in eine seltsame Zwischenwelt, die voller Gefahren und Geheimnisse ist.
Die Hauptpersonen des Romans
Perry Rhodan – Der Terraner unterhält sich mit SENECA.
Mitron – Ältester der Nullbewahrer.
Olw – Der Spezialist der Nacht hat ein Anliegen.
Py – Olws geliebte Gefährtin.
Gucky
1.
Nullbewahrer Mitron lauschte dem Ticken des Zaith, der, gleich einem Klumpen Bioplasma, in seiner durchsichtigen Badeschale schwamm.
Solange das Ticken sich nicht veränderte, bestand keine unmittelbare Bedrohung.
Zufrieden schloss der Nullbewahrer seine blaurot schimmernden Augen und dachte an das Fest der acht Khorvos, das in wenigen Tagen stattfinden sollte.
Und gleichzeitig dachte er an seinen Erbnachfolger Premach, der sicher versuchen würde, ihn im Verlaufe des Festes umbringen zu lassen. Premach hatte es schon mehrmals versucht, aber Mitron war viel zu erfahren in solchen Dingen, um in eine noch so sorgfältig vorbereitete Falle zu gehen.
Schließlich hatte er selbst jahrelang alle denkbaren Tricks ausprobieren müssen, um seinen Vorgänger Emmerey vom Leben zum Tode zu befördern und endlich in den Kreis der sieben Nullbewahrer aufrücken zu können. Was er dabei an Finessen und Winkelzügen gelernt hatte, kam ihm bei seinen Bemühungen, sich das eigene Leben zu erhalten, zugute.
Nein, Premach würde ihn nicht ausschalten können, dafür hatte er gesorgt. Es war alles genau ausgedacht und eingefädelt, damit Premachs Anstrengungen verpufften.
Als der Kommunikator zirpte, streckte Mitron eine Hand aus und aktivierte damit den kleinen Schaltroboter.
Die Maschine schwebte brummend zum Kommunikator und schaltete ihn ein.
Es dauerte eine gewisse Zeit, bis der Bildschirm etwas zeigte, denn die ankommenden Impulse mussten erst durch das so genannte Schutzsieb laufen, wo sie umgewandelt, geprüft und wieder zurückverwandelt wurden, um mögliche hypnotische Beeinflussung auszuschalten.
Als das Bild sich stabilisiert hatte, erkannte Mitron das silbrig schimmernde Gesicht von Jawg, einem anderen der Nullbewahrer. Die starren hellroten Augen Jawgs verrieten nichts von dem, was der Mann dachte oder fühlte.
»Langes Leben!«, sagte Jawg eine der gebräuchlichen Grußformeln der Nullbewahrer auf.
»Langes Leben!«, erwiderte Mitron.
»Verzeihen Sie mir, wenn ich Sie gestört haben sollte, Nullbewahrer Mitron«, sagte Jawg, wobei sein schnauzenartig nach vorn gewölbter Mund klickende Laute von sich gab, Nebengeräusche, die auf eine gewisse Erregung schließen ließen. »Ich habe schon mit Cerlw, Adknogg und Sapuhn gesprochen und Übereinstimmung erzielt. Es geht darum, eine Konferenz aller Nullbewahrer einzuberufen.«
»Eine Konferenz?«, fragte Mitron und klickte aufgeregt. »Meinen Sie tatsächlich eine echte Konferenz, keine Konferenzschaltung, Nullbewahrer Jawg?«
Jawg klickte schneller.
»Ich bin mir der großen Gefahr bewusst, in die wir uns begeben, wenn wir irgendwo zu einer gemeinsamen Sitzung zusammenkommen«, erwiderte er. »Es wird eine starke Versuchung für unsere Erbnachfolger sein, uns alle auf einen Schlag auszuschalten. Aber es gibt keine andere Möglichkeit. Wir müssen uns mit streng geheimen Unterlagen befassen, und bei einer Schaltkonferenz bestünde immer die Gefahr, dass Außenstehende unsere Kommunikation anzapfen und sich in den Besitz der Geheiminformation setzen.«
Mitron überlegte.
Was Jawg gesagt hatte, klang durchaus logisch. Dennoch war sich Mitron nicht sicher, ob das Ganze nicht vielleicht nur eine Falle war, um ihn oder andere Nullbewahrer auszuschalten.
Echte Konferenzen hatten aus diesem Grund in der Vergangenheit nur sehr selten stattgefunden. Die Nullbewahrer misstrauten einander. Noch stärker aber misstrauten sie ihren Erbnachfolgern.
Das Volk der Zgmahkonen wurde seit langem von sieben gleichberechtigten Diktatoren regiert, die von ihren Amtsvorgängern bestimmt worden waren und die ebenfalls ihre eigenen Nachfolger aussuchen durften. Sie mussten dabei allerdings bestimmte Kriterien beachten, so beispielsweise die eines überdurchschnittlichen Intelligenzquotienten und eines Wissensstandes, der ausreichte, um die für die Diktatoren arbeitenden Wissenschaftler wirksam zu kontrollieren.
Das hatte zur Folge gehabt, dass alle Zgmahkonen, die an einem Regierungsamt interessiert waren, ständig intensiv an der Erweiterung ihres Wissens arbeiteten.
Aber noch etwas anderes hatte sich im Laufe der Generationen ergeben.
Die amtierenden Diktatoren hatten herausgefunden, dass es ihnen große materielle Vorteile brachte, wenn sie sich den Mann, der nach ihrem Tode ihre Nachfolge als einer der sieben Nullbewahrer antreten sollte, frühzeitig aussuchten – und wenn ihre Wahl auf einen Zgmahkonen fiel, der sehr wohlhabend war.
Der zum Erbnachfolger ernannte Zgmahkone zeigte sich sehr aufgeschlossen gegenüber finanziellen Wünschen und unterstützte seinen Gönner überhaupt in jeder nur denkbaren Weise, denn er wollte ja nicht, dass seine Erbschaftsberufung rückgängig gemacht wurde.
Doch wie alles, so hatte auch dieses Ding zwei Seiten. Die Furcht vor einer Änderung der Erbschaftsberufung veranlasste die Erbfolger nicht nur zu reichlichen Spenden und sonstiger Unterstützung, sondern stellte einen starken Anreiz dar, den Gönner so bald wie möglich zu ermorden, denn nur ein toter Gönner konnte seine Erbschaftsberufung nicht mehr rückgängig machen.
Natürlich hätte ein Diktator sich dadurch eine Garantie für ein langes Leben schaffen können, dass er keinen Erbnachfolger benannte, doch hätte er dann auf eine ständig sprudelnde Geldquelle und einen reichen und einflussreichen Handlanger verzichten müssen. Da ihn das gegenüber den anderen Nullbewahrern benachteiligen würde, nahm er lieber die permanente Bedrohung in Kauf und sicherte sich anderweitig ab.
Eine der wirkungsvollsten Maßnahmen zur Sicherung des eigenen Lebens war die, in seinem zur uneinnehmbaren Festung ausgebauten Haus zu bleiben und die Regierungsgeschäfte nur über Telefunk wahrzunehmen.
Zum großen Bedauern der Nullbewahrer ließ sich diese Methode nicht immer anwenden. Ab und zu mussten sie persönlich zusammenkommen, beispielsweise dann, wenn es um Angelegenheiten ging, von denen kein Außenstehender etwas erfahren sollte.
Mitron zwang sich zur Ruhe und stellte sein Klicken ein.
»Nullbewahrer Jawg, Sie müssen mir wenigstens andeuten, worum es geht, bevor ich mich entscheide«, erklärte er. »Welche Angelegenheit ist so wichtig und geheim, dass sie nicht auf einer Schaltkonferenz besprochen werden kann?«
»Es geht um die Fremden, die in unserem Sektor aufgetaucht sind«, antwortete Nullbewahrer Jawg. »Aber nicht nur um sie, sondern auch um Olw, jenen Spezialisten der Nacht, der von den Fremden erweckt und entführt wurde.«
»Ich verstehe«, sagte Mitron nach kurzem Nachdenken. »Unter diesen Umständen bin ich bereit, an einer echten Konferenz teilzunehmen.«
»Danke, Mitron!«, erwiderte Jawg. »Würde es Ihnen etwas ausmachen, mit Tellest und Wemmti zu sprechen und sie zu veranlassen, ebenfalls an der Konferenz teilzunehmen?«
Mitron gab einen Schnalzlaut von sich.
Er wusste, dass zwischen Jawg einerseits und Tellest und Wemmti andererseits eine starke Abneigung herrschte, die aus gegensätzlichen privaten Interessen herrührte.
»Einverstanden, Nullbewahrer Jawg«, antwortete er. »Wo findet die Konferenz diesmal statt?«
»Im Palast des Schwarzen Irdul«, antwortete Jawg.
»Das ist gut«, erwiderte Mitron. »Ich werde meine Schutzbeauftragten hinschicken, damit sie alle Vorbereitungen treffen können.«
»Wir werden uns sehen!«, sagte Nullbewahrer Jawg.
»Wir werden uns sehen!«, erwiderte Mitron.
Wenn wir lange genug leben!, fügte er in Gedanken hinzu.
*
Lange saß Nullbewahrer Mitron reglos in seinem Sessel und dachte nach.
Er wurde aus seinen Grübeleien gerissen, als sich das Ticken des Zaith um eine Nuance veränderte.
Mitron richtete sich kerzengerade auf und blickte zu der kleinen durchsichtigen Badeschale hinüber, in der der Zaith schwamm.
Das Wesen hatte seine Gestalt verändert. War es vorher nur ein unförmiger Klumpen gewesen, so ähnelte es nunmehr dem verkleinerten Abbild eines Zgmahkonen. Die Proportionen stimmten allerdings überhaupt nicht. Der Kopf war fast so groß wie alle anderen Körperteile zusammen.
Mitron erhob sich, beugte sich über die Badeschale und schaute konzentriert auf das Gesicht, das sich in dem Kopf bildete. Doch die Formen und Züge veränderten sich ständig. Es dauerte lange, bis sie sich stabilisiert hatten.
Mitron klickte erregt.
Das Gesicht, das der Zaith mit seinem Körper dargestellt hatte, war das Gesicht von Nedir, seinem Wganan, der alle Speisen und Getränke vorzukosten hatte, die Mitron zu sich zu nehmen gedachte.
Jeder Nullbewahrer hielt sich einen Wganan, der sicherstellte, dass sie kein Gift zu sich nahmen. Natürlich wussten auch die Diktatoren, dass es Gifte gab, die erst nach längerer Zeit wirkten. Doch ihre Wganans waren durch eine lange Spezialbehandlung so empfindlich geworden, dass sie auch auf ein ausgesprochenes Gift mit Spätwirkung augenblicklich heftig reagierten.
Allerdings konnte sich Mitron nicht vorstellen, wie Nedir ihm gefährlich werden sollte. Der Wganan war nicht nur physisch, sondern auch psychisch konditioniert. Er hätte niemals etwas tun können, was seinem Herrn schadete.
Andererseits hatte der Zaith ihm noch nie falsch vorausgesagt. Im Laufe der Zeit war Mitron zu der Auffassung gekommen, dass sein Zaith unfehlbar sei.
Nicht ohne Grund war Mitron der älteste aller Nullbewahrer. Die Diktatoren, die an der Macht gewesen waren, als er die Nachfolge von Emmerey antrat, lebten nicht mehr. Sie waren alle im Verlauf weniger Jahre ermordet worden, und sogar von ihren Nachfolgern hatten inzwischen zwei das Zeitliche gesegnet. Allerdings besaß keiner von ihnen einen Zaith. Folglich hatte Mitron berechtigten Grund zu der Auffassung, dass es Premach längst gelungen wäre, auch ihn umzubringen, wenn der Zaith ihn nicht jedes Mal vorher gewarnt hätte.
Nullbewahrer Mitron winkte seinen Schaltroboter herbei und sagte: »Veranlasse, dass Nedir in die Untersuchungskammer gebracht und getestet wird und dass ich alle Vorgänge mitverfolgen kann!«
Der Schaltroboter schwebte brummend davon und aktivierte die festliegenden Programme, was nach Mitrons Auffassung viel Zeit sparte.
Als eine Bildschirmwand aufleuchtete, setzte sich der Nullbewahrer wieder und blickte gespannt hinüber.
Es dauerte nicht lange, da wurde der Wganan Nedir von zwei stämmigen Sicherheitsleuten in die Untersuchungskammer geführt. Nedir sträubte sich nicht; das hätte seine psychische Konditionierung nicht zugelassen.
Aufmerksam beobachtete Mitron, wie die Sicherheitsleute den Wganan auf eine dicke transparente Tischplatte legten. Nedir blieb reglos liegen.
Die Sicherheitsleute schoben Geräte an den Tisch und schlossen sie an den Wganan an. Die Geräte zapften Nedir Blut ab und entnahmen ihm Gewebeproben aus sämtlichen Organen. Alle Proben wurden radiologisch und spektroskopisch untersucht, chemischen Substanzen ausgesetzt und mit allen Giften behandelt, die existierten.
Als Mitron sah, dass die Anzeigen sämtlich negativ ausfielen, warf er einen argwöhnischen Blick auf seinen Zaith.
Doch das kleine Lebewesen erhielt unverändert seine Imitation von Nedirs Gesicht aufrecht. Es musste sehr anstrengend sein, aber durch die innige Schwingungsverbindung zwischen ihm und seinem Herrn hatte der Zaith keine andere Möglichkeit.
Mitron sprang auf und gab ein schnelles Klicken von sich, als endlich eines der Geräte eine positive Wertung anzeigte. Am liebsten wäre der Nullbewahrer persönlich in die Untersuchungskammer geeilt. Nur seine große Vorsicht hielt ihn davon ab.
Einer der beiden Sicherheitsleute las die Analyse ab und drehte sich dann so, dass Mitron auf dem Bildschirm sein Gesicht sehen konnte.
»Nedir ist immun gegen Vrandorsanin«, erklärte er. »Jemand muss ihm seit langer Zeit immer größere Dosen Vrandorsanin appliziert haben, angefangen mit winzigen Mengen, die keine erkennbare Reaktion erzeugten. Zur Zeit würde der Wganan auch dann nicht reagieren, wenn man ihm eine Dosis verabreichte, die stark genug für zehn Männer wäre.«
Mitron schloss seine Augen, indem er die trüben Nickhäute darüber schob.
Er kannte sämtliche Gifte und Gegengifte, ja, er war höchstwahrscheinlich die größte Kapazität des Reiches auf diesem Gebiet. Niemand brauchte ihm zu erklären, wie Vrandorsanin wirkte.
Es handelte sich um kein tödlich wirkendes Gift, sondern um eine Droge, die über einen langen Zeitraum stufenweise so wirkte, dass der Vergiftete nicht mehr in der Lage war, Gegebenheiten logisch zu beurteilen, Vorteile wahrzunehmen und Gefahren zu erkennen. Innerhalb eines Jahres würde sich sein Verhalten derartig verändern, dass er für die gedungenen Mörder seines Erbnachfolgers ein Opfer darstellte, das blind in jede Falle tappte.
»Premach!«, stieß Mitron zornbebend hervor. »Dafür wirst du büßen! Ich werde meine Erbschaftsberufung ändern!«
Er sah auf dem Bildschirm, wie Nedir die Injektion erhielt, die ihn einschläfern würde. Er würde im Tiefschlaf bleiben, bis die Immunität gegenüber dem Gift abgebaut war. Inzwischen konnte der Ersatz-Wganan seine Aufgabe übernehmen.
Plötzlich sprang Mitron auf, lief zu den Schaltungen und bediente sie selbst, ohne seinen Schaltroboter zu benutzen. Ihm war ein Gedanke gekommen, wie er es anstellen konnte, Premach in die Falle gehen zu lassen, die er selbst ihm gestellt hatte.
Die beiden Sicherheitsleute blickten auf, als in der Kammer unverhofft die Stimme ihres Nullbewahrers ertönte.
»Wieder aufwecken!«, befahl Mitron. »Verabreichen Sie dem Wganan zweieinhalb Gnodom Sarpossan! Das wird ihn allergisch gegen Vrandorsanin machen, so dass wir es sofort feststellen können, wenn Vrandorsanin meinen Speisen oder Getränken beigemischt ist.«
»Wie Sie befehlen, Herr!«, antwortete einer der beiden Männer.
Mitron schaltete den Bildschirm ab und klickte in schneller Folge.
Er war erregt, aber diese Erregung kam von der Vorfreude. Wenn Nedir weiterhin seinen Dienst als Wganan versah, würde der Spion, der im Dienste Premachs irgendwo in der Festung arbeitete, seinem Auftraggeber melden, dass alles nach Plan verlief. Das aber würde Premach veranlassen, einen Mordplan auszuarbeiten, der auf ein argloses und unvorsichtiges Opfer zugeschnitten war.
Da Mitron aber niemals arglos und unvorsichtig werden würde, musste es ihm diesmal gelingen, Premachs Plan zu durchschauen und seinen Erbnachfolger zu entlarven.
Klickend verließ der Nullbewahrer das Zimmer.
*
Der Palast des Schwarzen Irdul befand sich auf Schamadir, einer der zahlreichen Inseln in dem warmen und fischreichen Meer zwischen zweien der drei Hauptkontinente.
Als der Stratosphärenkreuzer Mitrons zur Landung auf Schamadir ansetzte, erkannte der Nullbewahrer, dass vor ihm schon zwei andere Nullbewahrer angekommen waren. Zwei Kreuzer, die äußerlich dem seinen glichen, standen auf der gepanzerten Dachplattform des Palastes, der im Grunde genommen eine schwerbewaffnete Festung war.
Mitron überprüfte die Funktionen des Kesitchs, eines Spezialanzugs, der seinen Träger vor beinahe allen denkbaren Gefahren schützen konnte. Kein anderer Nullbewahrer besaß einen solchen Anzug. Der Kesitch funktionierte je nach Wahl seines Trägers auf zweierlei Arten, einmal mittels einfacher Schaltung und zum anderen durch eine bioponische Schaltverbindung zwischen ihm und dem Kleinhirn, dem Sitz des Unterbewusstseins und der Instinkte.
Diese Schaltverbindung war das eigentliche Geheimnis Mitrons. Sie garantierte, dass sein Kesitch auf Gefahren reagierte, die für sein Bewusstsein noch gar nicht erkennbar waren, wohl aber vom Unterbewusstsein und vom Instinkt bereits erahnt wurden.
