Perry Rhodan 749: Plan der Vollendung - Kurt Mahr - E-Book

Perry Rhodan 749: Plan der Vollendung E-Book

Kurt Mahr

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Beschreibung

Exodus - die Menschhiet geht den Weg durch das Nichts Überall dort im Kosmos, wohin Teile der Menschheit verschlagen wurden, gibt es Gefahren und Konflikte. Da ist die SOL. Mit Perry Rhodan und Tausenden seiner Getreuen an Bord, hat sie seit ihrem Start aus dem Mahlstrom der Sterne eine jahrzehntelange Odyssee hinter sich, bis sie sich endlich, nach dem Verlassen der Dakkardim-Zone der Zgmahkonen, den Weg zur Heimatgalaxis freikämpfen kann. Da sind die Terraner und deren Nachkommen, die auf vielen Planeten der Galaxis verstreut leben. Die meisten von ihnen führen ein Sklavendasein, andere wieder müssen sich der Nachstellungen der Laren und ihrer Vollzugsorgane, der Überschweren, erwehren. Nur die unter Atlans und Julian Tifflors Führung in die Dunkelwolke Provcon-Faust evakuierten Bürger des Neuen Einsteinschen Imperiums (NEI) können sich einer relativ gesicherten Existenz erfreuen. Jene Milliarden Terraner aber, die mit ihrem Heimatplaneten und seinem Trabanten durch den Soltransmitter gingen und im Mahlstrom landeten, gerieten fast zur Gänze in den Bannkreis der Aphilie, die sie und ihre Kinder in Geschöpfe ohne Nächstenliebe verwandelt hat. Weil die Aphiliker unter Trevor Casalle jetzt aber, da Terra vom "Schlund" zu verschlungen werden droht, um ihr Leben bangen, haben sie mit den Immunen unter Reginald Bull ein Zweckbündnis mit dem Ziel abgeschlossen, Terra zu evakuieren. Doch ein mächtiger Dritter durchkreuzt gleichermaßen die Pläne der Immunen und der Aphiliker. Was er verfolgt - das ist der PLAN DER VOLLENDUNG ...

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Veröffentlichungsjahr: 2011

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Nr. 749

Plan der Vollendung

Exodus – die Menschheit geht den Weg durch das Nichts

von KURT MAHR

Überall dort im Kosmos, wohin Teile der Menschheit verschlagen wurden, gibt es Gefahren und Konflikte.

Da ist die SOL. Mit Perry Rhodan und Tausenden seiner Getreuen an Bord, hat sie seit ihrem Start aus dem Mahlstrom der Sterne eine jahrzehntelange Odyssee hinter sich, bis sie sich endlich, nach dem Verlassen der Dakkardim-Zone der Zgmahkonen, den Weg zur Heimatgalaxis freikämpfen kann.

Da sind die Terraner und deren Nachkommen, die auf vielen Planeten der Galaxis verstreut leben. Die meisten von ihnen führen ein Sklavendasein, andere wieder müssen sich der Nachstellungen der Laren und ihrer Vollzugsorgane, der Überschweren, erwehren.

Nur die unter Atlans und Julian Tifflors Führung in die Dunkelwolke Provcon-Faust evakuierten Bürger des Neuen Einsteinschen Imperiums (NEI) können sich einer relativ gesicherten Existenz erfreuen.

Jene Milliarden Terraner aber, die mit ihrem Heimatplaneten und seinem Trabanten durch den Soltransmitter gingen und im Mahlstrom landeten, gerieten fast zur Gänze in den Bannkreis der Aphilie, die sie und ihre Kinder in Geschöpfe ohne Nächstenliebe verwandelt hat. Weil die Aphiliker unter Trevor Casalle jetzt aber, da Terra vom »Schlund« zu verschlungen werden droht, um ihr Leben bangen, haben sie mit den Immunen unter Reginald Bull ein Zweckbündnis mit dem Ziel abgeschlossen, Terra zu evakuieren.

Die Hauptpersonen des Romans

Reginald Bull – Der Terraner spürt dem Geheimnis der PILLE nach.

Lao Kitchener – Ein Ordnungskommissar.

Hsiao Li Tsen – Ortsältester von Ihsien.

Ta Wen Tang – Ein Mann von Ihsien.

Trevor Casalle – Regierungschef der aphilischen Erde.

NATHAN

1.

Der Mann war von mittlerer Größe, stämmig gebaut und machte einen entschlossenen Eindruck. Nach Lao Kitcheners Ansicht gehörte er zu jener privilegierten Art von Aphilikern, die ihre Instinkte weit in den Hintergrund gedrängt und dem Intellekt das Kommando über das Bewusstsein überlassen hatte. Lao Kitchener fragte sich, warum ihm der Mann nicht früher schon einmal aufgefallen sei. Anching war bei weitem nicht die größte aller Städte.

Wahrscheinlich kommt er von außerhalb, überlegte Lao Kitchener.

»Du stiehlst dem Ersten Ordnungskommissar von Anching seine Zeit, Bruder«, sagte Lao Kitchener mit jenem Maß von Kälte, das er aufdringlichen Besuchern gegenüber für angemessen hielt.

Insgeheim allerdings zweifelte er daran, dass er diesen Mann damit beeindrucken würde.

»Das habe ich nicht im Sinn«, antwortete der Stämmige. »Ich wollte dir etwas über Ihsien erzählen, Bruder, aber wenn du nicht daran interessiert bist, kann ich mich anderswohin wenden.«

Lao Kitchener hatte plötzlich Angst. Was wusste der Fremde über Ihsien?

»Wer bist du eigentlich?«, fragte er.

»Ich heiße Amouar und bin ein Wanderberechtigter«, antwortete der Stämmige. »Meine Geräte müssen wohl in Ordnung sein, sonst hätte deine Positronik längst Alarm geschlagen, oder ...?«

Lao Kitchener blickte vor sich hin auf die Platte seines Arbeitstischs. Es konnte nicht den Vorschriften der reinen Vernunft entsprechen, einem Fremden zu gestehen, dass die positronischen Anlagen des Ordnungskommissariats Anching infolge mangelnder Wartung nur noch unvollständig funktionierten.

»Ich betrachte dich als ordnungsgemäß registriert«, antwortete er ausweichend. »Aber trotzdem weiß ich nicht, was du eigentlich willst. Du bist mir angemeldet worden als einer, der eine wichtige Erklärung abzugeben hat. Statt dessen willst du mir über Ihsien erzählen. Ich weiß nicht ...«

»Ihsien ist ein Stützpunkt der Pillenfresser«, fiel ihm Amouar ins Wort.

»Das weiß ich«, antwortete Lao Kitchener. »Der Stützpunkt wird nicht mehr lange existieren. Die Pillenfresser verachten die Regeln der reinen Vernunft und sind somit Feinde des Staates. Du siehst, dass ich sehr wohl weiß, was meine Aufgabe ist. Was sonst könntest du mir noch über Ihsien erzählen?«

»Dass die Pillenfresser in Ihsien lauter reiche Leute sind und dass sie in den Bergen nördlich von Chimen einen unterirdischen Raumhafen mit wenigstens zwei Dutzend startbereiten Fahrzeugen unterhalten.«

Lao Kitcheners Gesicht blieb unbewegt.

»Kannst du deine Behauptung beweisen, Bruder?«

Amouar stand auf.

»Ja, das kann ich«, antwortete er. »Aber ich halte es für Zeitverschwendung. Ich bin hier, weil ich glaubte, mit dir ein Übereinkommen treffen zu können. Ich sehe, dass du daran nicht interessiert bist.«

Er wandte sich in Richtung der Tür.

»Du bist verhaftet!«, sagte Lao Kitchener.

Der Stämmige ging noch zwei Schritte, dann blieb er stehen und wandte sich um.

»Du hältst mich nicht für so dumm, dass ich hierherkomme, ohne vorher meine Sicherheitsmaßnahmen zu treffen, nicht wahr?«, fragte er in einer Art, die Kitchener zu erkennen gab, dass ihn die Drohung mit der Verhaftung überhaupt nicht beeindruckt hatte.

»Das ist mir gleichgültig«, erklärte er trotzdem. »Du bist mein Gefangener. Bleib stehen, wo du bist! Ein Ka-zwo wird dich mitnehmen.«

Amouars Gesicht war steinern.

»In einer Stunde weiß Hsiao Li Tsen Bescheid«, sagte er.

Lao Kitchener hatte fast schon den Schalter berührt, der die K2-Wache alarmierte. Jetzt zog er die Hand zurück, als hätte er sich verbrannt.

»Was weißt du über Hsiao Li Tsen, Bruder?«, fragte er.

»Mehr als du«, antwortete Amouar. »Hältst du mich hier fest, dann ist Ihsien in weniger als drei Stunden evakuiert, und du wirst weder von den Pillenfressern, noch von ihren Raumschiffen jemals wieder eine Spur sehen.«

Lao Kitchener erkannte, dass er diesem Mann nichts entgegenzusetzen hatte.

»Wir müssen sprechen«, sagte er.

»Ja, aber nicht hier«, wehrte der Stämmige kalt ab. »Wenn du an meinem Angebot interessiert bist, triff mich morgen früh. Fünf Uhr. An der alten Gleitbootmole unten im Hafen, verstanden?«

Lao Kitchener nickte.

*

Der Mann, der sich Amouar nannte, nahm draußen vor dem Ordnungskommissariat einen der wenigen Mietwagen, die in Anching noch funktionierten, und wählte eine Adresse, die weit draußen am nordöstlichen Stadtrand lag. Während das Fahrzeug durch den mäßig dichten Verkehr glitt, bedachte er seine Lage.

Hinter zwei Dingen war er her: hinter einem Raumschiff und hinter schlüssiger Information über die Herkunft der PILLE, jener Wunderdroge, die aus Aphilikern normale Menschen machte. Beides, das Raumschiff und die Information, schienen am ehesten in Ihsien zu haben sein, einer kleinen, altmodischen Stadt in den Bergen südöstlich von Anching. Die dortige Kolonie der Neu-Immunen, »Pillenfresser« nannten sie die Aphiliker, war bekannt und den Ordnungsorganen ein Dorn im Auge. Die Bürger von Ihsien waren reich und hatten bislang jeden Übergriff der Behörde von Anching erfolgreich abwehren können. Aber je mehr die Lage auf der Erde sich zuspitzte, desto größer wurde die Gefahr, in der sie sich befanden. Raumschiffe waren Mangelware auf dem einstmals mächtigsten Planeten der Galaxis. Und gerade die Aphiliker reinsten Wassers, die sich weigerten, auch nur den Namen der PILLE zu nennen, waren angesichts des bevorstehenden Untergangs der Erde so von Todesangst erfüllt, dass ihnen jedes Mittel recht war, in den Besitz eines Fahrzeugs zu gelangen, mit dem sie die Erde verlassen konnten. Zu diesen Aphilikern gehörten aber gerade die leitenden Beamten der Ordnungsbehörden.

Amouar beugte sich nach vorne und musterte sein Gesicht in einem Spiegel. Die Augen waren nahezu ausdruckslos, die Falten um den dünnlippigen Mund waren eingegraben. Er war mit seinem Äußeren zufrieden. Kein Mensch würde in ihm einen Immunen vermuten. Unter der Haut des rechten Unterarms trug er einen gefälschten Personalidentifizierungskodegeber, der das Kodesignal eines Wanderberechtigten ausstrahlte. Damit gehörte Amouar zur Kaste derer, die die Freiheit besaßen, sich auf der Erde zu bewegen, wohin es ihnen auch immer beliebte. Angesehener waren sie darum nicht – im Gegenteil: wanderberechtigt zu sein, hieß, keinen Job halten zu können. Die Wanderberechtigten standen ganz unten in der aphilischen Hierarchie.

Noch bevor der Mietwagen sein Ziel erreichte, wählte Amouar eine neue Adresse. Das Fahrzeug wendete und fuhr wieder stadteinwärts. Amouar sah auf die Uhr. Es ging auf Mittag. Er hatte zwei oder drei Stunden, um sich auszuruhen; dann würde er sich nach Ihsien auf den Weg machen müssen. Denn in Wirklichkeit kannte er Hsiao Li Tsen noch gar nicht. Seine Drohung Lao Kitchener gegenüber war leer gewesen.

Das endgültige Ziel des Wagens lag in unmittelbarer Nähe des Punktes, an dem Amouars Fahrt ihren Ausgang genommen hatte: vor einem Gebäude, das nur durch die übliche Grünfläche von dem Ordnungskommissariat der Stadt Anching getrennt war. Amouar hatte sich inzwischen davon überzeugt, dass er nicht verfolgt wurde. Er bezahlte den Mietwagen, dann stieg er aus.

Das Haus, in dem er Unterkunft gefunden hatte, war acht Stockwerke hoch und besaß insgesamt achtundvierzig Kleinappartements. Amouar wohnte auf der sechsten Etage. In seiner Wohnung vergewisserte er sich zunächst, dass während seiner Abwesenheit niemand hiergewesen war.

Dann erst ging er in die Hygienezelle und spülte und wusch sich die Maske vom Leib. Amouar verwandelte sich in Reginald Bull, der sich vorgenommen hatte, das Geheimnis der PILLE zu entschleiern.

*

Gegen sechzehn Uhr an diesem Nachmittag lenkte Reginald Bull, alias Amouar, sein eigenes Fahrzeug über die Hügelkuppe, die das Tal von Ihsien nach Nordwesten hin begrenzte. Er folgte einer nur undeutlich markierten Fahrbahn, die zwar Funksteuerung besaß, von der Vegetation im Laufe der Jahre aber so überwuchert worden war, dass nur die empfindlichen Sensoren des Autopiloten sie zu ertasten vermochten.

Von der Kuppe des Hügels bot sich Bull ein bezaubernder Anblick. Ihsien war eine kleine Stadt, aus nicht mehr als fünfzig Häusern bestehend, an der die letzten anderthalbtausend Jahre spurlos vorbeigegangen zu sein schienen. Die Gebäude waren im traditionellen Baustil des alten China errichtet und lagen inmitten sorgfältig gepflegter Gärten. An den Hügelhängen zu beiden Seiten des Tales zogen sich lichte Wälder empor. Die Straße, der Reginald Bull folgte, wurde unten am Ortseingang wieder sichtbar und schlängelte sich durch die kleine Siedlung.

Es war ein Bild des tiefsten Friedens, das so gar nicht zu der Szene des Jahres 3581 passte. Bull steuerte den Gleiter über den Hügelhang hinab. Das Haus, in dem Hsiao Li Tsen wohnte, hatte er anhand der Beschreibung erkannt. Es stand am südwestlichen Rand von Ihsien.

Der Meldemechanismus an Hsiao Li Tsens Haus bestand aus einem altmodischen Gong, den Bull betätigte. Hinter dem mit kostbaren Schnitzereien verzierten hölzernen Tor wurden Schritte hörbar. Ein Mann, der weit über einhundertundzwanzig Jahre alt sein musste und in der traditionellen Tracht seines Landes gekleidet war, öffnete. Auf dem Gesicht des Mannes lag ein unverbindliches Lächeln. Er verneigte sich vor dem unbekannten Besucher.

»Man nennt mich Amouar, Bruder«, sagte Reginald Bull. »Bist du Hsiao Li Tsen?«

Das Gesicht des Alten wurde ernst.

»Vor allen Dingen bin ich nicht Ihr Bruder«, antwortete er mit einer Stimme, deren voller Klang in erstaunlichem Gegensatz zu seiner zierlichen Gestalt stand. »Womit kann ich Ihnen dienen?«

Reginald Bull hatte von vornherein gewusst, dass der rüde Ton der aphilischen Gesellschaft in Ihsien keinen Anklang finden würde. Aber er legte Wert darauf, als Aphiliker zu gelten. Immerhin tat er so, als sei er bereit, sich nach den örtlichen Gepflogenheiten zu richten. Er verbeugte sich ebenfalls und antwortete mit wesentlich mehr Zurückhaltung: »Ich bin gekommen, um mit Ihnen über ein Geschäft zu sprechen ... wenn Sie Hsiao Li Tsen, der Vorsteher von Ihsien, sind.«

»Der bin ich«, bestätigte der Alte. »Aber ich habe mich aus dem Geschäftsleben zurückgezogen und interessiere mich nicht mehr ...«

»Der Erste Ordnungskommissar von Anching bereitet einen Schlag auf Ihre Siedlung vor«, fiel ihm Reginald Bull ins Wort.

Hsiao Li Tsen verbarg seine Überraschung nicht. Er stand ganz eindeutig unter dem Einfluss der PILLE.

»Kommen Sie herein!«, bat er den Besucher.

Reginald Bull wurde in ein mit kostbaren alten Möbeln ausgestattetes Gemach geführt. Die Bürger von Ihsien waren unter dem Einfluss der Droge zu den Lebensgewohnheiten ihrer Vorfahren zurückgekehrt. So, stellte Bull sich vor, musste es in einem chinesischen Salon gegen Ende des neunzehnten Jahrhunderts ausgesehen haben. Der Alte wies ihn an, auf einem niedrigen Polster Platz zu nehmen.

»Bitte berichten Sie!«, forderte er ihn auf.

Reginald Bull erzählte die Geschichte, die er sich zurechtgelegt hatte: Er war durch Zufall dahintergekommen, dass Lao Kitchener einen Überfall auf Ihsien plante. Kitchener und eine Handvoll seiner Beamten wollten unter dem Vorwand, einen Schlag gegen die so genannten Pillenfresser ausführen, sich in den Besitz mehrerer Raumschiffe setzen und die Erde auf dem schnellsten Weg verlassen. Aus dem Umstand, dass Lao Kitchener nach dem Überfall niemand mehr Rechenschaft abzulegen gedachte, ließ sich ohne weiteres ableiten, dass die Mittel, die die Bürger von Ihsien bisher zur Abwendung solcher Übergriffe eingesetzt hatten, nun nicht mehr verfangen würden. Lao Kitchener war zum äußersten entschlossen.

»Ich bin bereit, Ihnen zu glauben«, sagte Hsiao Li Tsen, nachdem er die Geschichte gehört und sie überdacht hatte. »Aber welches ist das Geschäft, von dem Sie sprachen?«

»Ich kann Lao Kitchener überzeugen«, antwortete Bull, »dass ich genau weiß, wie man Ihsien am besten überfällt. Ich kann ihm von Wachtposten erzählen, die es zu umgehen gilt, von Sicherheitsvorkehrungen der Bürger von Ihsien ... und so weiter. Das heißt: ich kann Lao Kitchener dazu bewegen, dass er Ihsien zu einem bestimmten Zeitpunkt überfällt. Diesen Zeitpunkt teile ich Ihnen mit. Sie haben dann die Möglichkeit, den Angriff abzuschlagen und Kitchener so bloßzustellen, dass er zeit seines Lebens keine Gefahr mehr für Sie bedeuten wird.«

Hsiao Li Tsen dachte auch über diesen Vorschlag nach.

»Und was versprechen Sie sich davon?«, fragte er schließlich.

»Ich weiß, dass sich in Ihrem geheimen Raumhafen rund fünfundzwanzig Hochleistungsraumschiffe befinden«, antwortete Bull. »Selbst wenn die Bürger von Ihsien die Absicht hätten, die Erde zu verlassen, brauchten sie höchstens sechs oder sieben dieser Fahrzeuge. Als Gegenleistung für mein Unternehmen verlange ich eines Ihrer Raumschiffe.«

Hsiao Li Tsen sah ihn nachdenklich an. Es war ein durchdringender Blick, unter dem es selbst dem an Erfahrungen reichen Reginald Bull heiß wurde. Schließlich sagte der Alte: »Ich halte Ihr Angebot für gut. Ich gehe dabei davon aus, dass Sie in jeder Beziehung die Wahrheit sagen.« Er lächelte ein wenig. »Wir hier in Ihsien mögen auf andere zurückgeblieben und hinterwäldlerisch wirken; aber die moderne Zeit ist keineswegs spurlos an uns vorbeigegangen. So kennen wir zum Beispiel Methoden, von Ihnen zu erfahren, ob Sie es aufrichtig mit uns meinen oder nicht.«

Reginald Bull hatte damit gerechnet. Er sollte unter Drogeneinwirkung befragt werden. Das Risiko, das er damit einging, war minimal. Er war weder hypnotisierbar, noch konnte er durch Medikamente dazu gebracht werden, zu sagen, was er nicht sagen wollte.

»Ich weiß, was Sie meinen«, nickte er. »Ich bin bereit.«

Hsiao Li Tsens Lächeln wurde freundlicher.

»Es freut mich, das zu hören. Ich fürchte, ich hätte dafür sorgen müssen, dass Sie diese Stadt nicht wieder verlassen, wenn Sie nicht einverstanden gewesen wären.«

Er stand auf.

»Und wie steht es mit unserer Abmachung?«, erkundigte sich Reginald Bull.

»Wenn sich Ihre Aufrichtigkeit erweist und wenn es uns durch Ihre Hilfe gelingt, Lao Kitchener zu schlagen, dann werden Sie eines von unseren Fahrzeugen erhalten.«

*

Gegen zweiundzwanzig Uhr war Reginald Bull wieder in Anching. Er hatte die Prüfung über sich ergehen lassen und sie bestanden. Die Leute von Ihsien glaubten, dass er es ehrlich mit ihnen meinte. Er fuhr in seine Wohnung und nahm ein frugales Abendessen zu sich ... wie es die Servoautomatik in diesen Tagen des Zerfalls eben produzierte. Danach schlief er ein paar Stunden. Pünktlich um drei Uhr morgens war er wieder auf den Beinen. Bis zu dem Stelldichein mit Lao Kitchener waren es noch zwei Stunden, und er hatte einige Vorbereitungen zu treffen.

Er hatte sich von Vater Ironsides Organisation »Logik des Glaubens« und von seinen eigenen Leuten, den Resten der früheren OGN, zeitweise getrennt, weil er der Überzeugung war, dass ein Einzelgänger es leichter habe, dem Geheimnis der PILLE auf die Spur zu kommen. Aber er war trotzdem nicht ganz auf sich allein gestellt. Er konnte jederzeit Kontakt mit der LdG aufnehmen, und die zahlreichen Informationsquellen der Organisation standen ihm nach wie vor zur Verfügung. Außerdem hatte ihn Vater Ironside mit umfangreicher technischer Ausrüstung versehen, in der Hauptsache Mikrogeräten. In seinem Gepäck schleppte er eine ganze Laborausrüstung mit sich herum.

Jetzt machte er sich daran, eine Anzahl winziger Sprengkörper zu präparieren. Der Sprengstoff war eine grünliche, halb durchsichtige plastische Masse. Er war in den Labors der LdG entwickelt worden und hatte eine für chemische Explosivstoffe ungeheure spezifische Sprengkraft. Die Plastiksubstanz war hochverdichtet und ziemlich schwer. Reginald Bull formte einzelne Sprengkörper, die nicht größer waren als sein kleiner Finger, und wickelte sie in leichtes Material, bis er sich durch Experimentieren überzeugte, dass sie auf Wasser schwammen.

Danach befestigte er die kleinen Explosivkörper an Ankern, die einfach aus einem Stück Leine und einem schweren Körper an einem Ende der Leine bestanden. Es war kurz vor vier Uhr, als er mit dieser Arbeit fertig war. Er packte sein gefährliches Instrumentarium in einen Behälter und verließ seine Wohnung.