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Januar 3582 - drei Männer und ein Roboter auf dem Weg nach Terrania Gegen Ende des Jahres 3581, zu einer Zeit also, da die Erde längst aus dem Mahlstrom der Sterne im "Schlund" verschwunden ist, hat Perry Rhodan, zusammen mit Tausenden von Getreuen, nach einer mehr als vier Jahrzehnte währenden Odyssee, die das Raumschiff SOL vom Mahlstrom der Sterne durch kosmische Weiten führte, endlich die Milchstraße erreicht. Nachdem der Terraner sich über die im alten Heimatbereich der Menschen herrschende Lage informiert hat, entschließt er sich trotz Atlans Einspruch zur Durchführung des 80-Jahresplans, des von den Keloskern gesteuerten Befreiungsplans der galaktischen Völker vom Joch der Laren. Was dieser Plan bewirken wird, steht im wahrsten Sinne des Wortes noch in den Sternen. Auf jeden Fall aber kann es - an den bisherigen Geschehnissen gemessen - bereits als sicher gelten, dass der Plan sich nicht ohne große Schwierigkeiten wird realisieren lassen können. Doch blenden wir um zum Schauplatz Erde! Der Planet ist nach dem Sturz durch den Schlund - gemeinsam mit Medaillon, Goshmos Castle und Luna - in einer unbekannten Region des Kosmos aufgetaucht und auf unerklärliche Weise entvölkert worden. Das hat Alaska Saedelaere, der Transmittergeschädigte, bereits herausgefunden - und dies hat auch Douc Langur, der Extraterrestrier, entdeckt, der auf der Erde gelandet ist. Aber der Planet ist nicht völlig ohne Leben, das beweist das Wiedererwachen von ein paar Menschen in Terrania und in der EISWÜSTE ALASKA ...
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Veröffentlichungsjahr: 2011
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Nr. 759
Eiswüste Alaska
Januar 3582 – drei Männer und ein Roboter auf dem Weg nach Terrania
von KURT MAHR
Gegen Ende des Jahres 3581, zu einer Zeit also, da die Erde längst aus dem Mahlstrom der Sterne im »Schlund« verschwunden ist, hat Perry Rhodan, zusammen mit Tausenden von Getreuen, nach einer mehr als vier Jahrzehnte währenden Odyssee, die das Raumschiff SOL vom Mahlstrom der Sterne durch kosmische Weiten führte, endlich die Milchstraße erreicht.
Nachdem der Terraner sich über die im alten Heimatbereich der Menschen herrschende Lage informiert hat, entschließt er sich trotz Atlans Einspruch zur Durchführung des 80-Jahresplans, des von den Keloskern gesteuerten Befreiungsplans der galaktischen Völker vom Joch der Laren.
Was dieser Plan bewirken wird, steht im wahrsten Sinne des Wortes noch in den Sternen. Auf jeden Fall aber kann es – an den bisherigen Geschehnissen gemessen – bereits als sicher gelten, dass der Plan sich nicht ohne große Schwierigkeiten wird realisieren lassen können.
Doch blenden wir um zum Schauplatz Erde! Der Planet ist nach dem Sturz durch den Schlund – gemeinsam mit Medaillon, Goshmos Castle und Luna – in einer unbekannten Region des Kosmos aufgetaucht und auf unerklärliche Weise entvölkert worden.
Das hat Alaska Saedelaere, der Transmittergeschädigte, bereits herausgefunden – und dies hat auch Douc Langur, der Extraterrestrier, entdeckt, der auf der Erde gelandet ist.
Die Hauptpersonen des Romans
Walik Kauk – Ein Manager schlägt sich durch.
Bluff Pollard – Ein junger Mann schließt Freundschaft mit einer Hundemeute.
Baldwin Tingmer – Ein Hyperingenieur sucht das Vergessen im Alkohol.
Augustus
Prolog
Er hörte den Sturm heulen, und irgendwo tief in seinem schmerzenden Schädel erzeugte ein Mechanismus, über den er keine Kontrolle hatte, immer wieder denselben Gedanken:
Ich muss mich erinnern ...!
Also schön ... ich muss mich erinnern. Name ...?
Walik Kauk.
Wer spricht denn da ...?
Mühsam und unter Schmerzen suchte Walik Kauk die Bruchteile seiner Erinnerung zusammen und begann, sie in Ordnung zu bringen. Er erkannte, dass der, der da dachte, er selbst war. Ein Teil seines Bewusstseins, das mehr Standvermögen hatte als der andere Teil, mit dem er sich identifizierte, hatte ihm keine Ruhe gelassen und ihn aus dem Dunkel der Bewusstlosigkeit zurück in die Wirklichkeit getrieben.
Wirklichkeit ...?
Walik Kauk schlug die Augen auf und erschrak zunächst. Denn es war völlig finster ringsum, und in der ersten Sekunde glaubte er, er sei erblindet. Aber dann zog er den Arm unter dem Körper hervor und erblickte die Leuchtziffern der Uhr, die er am Handgelenk trug. Es war also wirklich finster. Die Stromversorgung musste ausgefallen sein. Die Wirklichkeit, begann Walik Kauk einzusehen, war nicht so leicht zu verstehen. Denn er hatte ein ganzes Leben lang noch keinen einzigen Stromausfall erlebt.
Dann warf er einen zweiten Blick auf die Leuchtziffern der Uhr und fühlte, wie ihm das Blut in den Adern zu gerinnen drohte.
12-01-3582 ...
Da stimmte etwas nicht! Undeutlich erinnerte er sich an ein Datum. Seine Erinnerung war noch lange nicht lückenlos. Vor allen Dingen fiel es ihm schwer, sich an die Dinge zu erinnern, die sich kurz vor dem Beginn seiner Bewusstlosigkeit ereignet hatten.
Er nannte es »Beginn der Bewusstlosigkeit«, weil er nicht genau wusste, was damals geschehen war. Jetzt aber zwang er sein Gedächtnis, die verborgenen Informationen preiszugeben.
Es war der 2. September 3581 ...
Die Erde stand im Begriff, in den »Schlund« zu stürzen. Tag und Nacht flammten die Energiefahnen des Schlundes über den Himmel. Die Menschheit war zum Teil verzückt, zum Teil in Raserei. Verzückt waren die, die sich die Wohltat der PILLE gönnten. Die Raserei blieb den standhaften Aphilikern überlassen, die die PILLE ablehnten, aber angesichts der bevorstehenden Katastrophe vor lauter Angst nicht mehr ein noch aus wussten.
Nome ...
Ich komme aus Nome, erinnerte sich Walik Kauk. Ich habe eine wichtige Position in einem Textilunternehmen dort. (Kann auch sein, dass es heißen muss »ich hatte«, verbesserte er sich in Gedanken.) Ich habe eine Jagdhütte am Fuß der Kigluaik-Berge. Am 1. September habe ich mein Büro verlassen und bin zur Hütte gefahren. Ich besaß einen großen Vorrat an PILLEN. Seit August 3581 war ich ein ständiger Kunde der Pillenhändler, weil ich glaubte, dass mir die PILLE dazu verhalf, ein vernünftiger Mensch zu werden.
Aber irgendwann, erinnerte sich Walik Kauk, entweder am 1. oder am 2. September war er durchgedreht und hatte den ganzen Pillenvorrat auf einmal geschluckt ... mehr als zwanzig, vielleicht an die dreißig Stück. Der Genuss der PILLEN hatte ihn in einen Zustand berauschter Seligkeit versetzt ... und dann schaltete sein Gedächtnis endgültig ab.
Walik Kauk lag still und lauschte dem Heulen des Sturmes.
Viereinhalb Monate, dachte er benommen. Was ist inzwischen geschehen ...?
*
Ein scharfer Schmerz im Bein weckte Bluff Pollard. Er fuhr in die Höhe und schrie. Vor sich in der Dunkelheit sah er eine Menge glühender Punkte. Als Echo seines Schreis hörte er erschrecktes Kläffen, Jaulen und Winseln. Die glühenden Punkte verschwanden. Kratzende, scharrende, hechelnde Geräusche entfernten sich, bis es völlig still war.
Bluff Pollard fror. Er wusste nicht, wo er war. Er fühlte sich am ganzen Körper zerschlagen und hatte Mühe, sich aufzurichten.
Der Winter ist gekommen, schoss es ihm durch den Kopf. Aber gleich schob er den Gedanken wieder beiseite. Gestern noch, erinnerte er sich, war er beim Fernsehunterricht gewesen. Es war der erste Unterrichtstag nach der langen Sommerpause. Der Unterricht hatte stattgefunden wie sonst, als gäbe es nicht diese entsetzliche Katastrophe, auf die die Erde sich mit riesiger Geschwindigkeit zubewegte. Bluff hatte noch die Worte des Instruktors in den Ohren, der vom Bildschirm herab zu ihm sprach: »Die Lehre der reinen Vernunft wird uns helfen, das Ungeheuerliche, das auf uns zukommt, zu überdauern ...«
Anscheinend war es so gekommen. Bluff Pollard war über vieles unsicher, aber eines wusste er ganz genau: Er lebte noch.
Er betastete mit den Händen seine Umgebung. Er bekam eine raue Steinoberfläche zu fassen. Sie war zu beiden Seiten und bildete den Boden, auf dem er kauerte. Vor und hinter ihm dagegen war nichts.
Plötzlich erinnerte er sich. Nach dem Unterricht war er zum Pionierzentrum gegangen, wo junge Leute wie er am Nachmittag zusätzliches Training in den Lehren der reinen Vernunft erfuhren. Das Trainingszentrum lag außerhalb der Stadt an einem Hauptverkehrsweg. Unter diesem führte ein Fußgängertunnel hindurch.
Die steinernen Wände, der raue Boden ... das war der Tunnel! Er war normalerweise hell erleuchtet. Was war aus den Lichtern geworden? Bluff Pollard stand auf. Er hatte Angst. Und noch etwas: Er stellte plötzlich fest, dass jahrelanges Training in den Anschauungen der reinen Vernunft ihm nicht beigebracht hatte, wie man sich gegenüber gefährlichen Geschöpfen verhielt, die sich in der Dunkelheit bewegten, glühende Augen hatten und einen ins Bein bissen!
Er hatte Sehnsucht nach dem Heim. Das war merkwürdig; denn bislang hatte er in dem Heim, in dem er zusammen mit fast eintausend anderen jungen Menschen lebte, weiter nichts gesehen als einen Ort, an dem man zu essen bekam und wo man nachts schlief.
Bluff Pollard machte sich auf den Weg. Irgend etwas war geschehen, das wusste er. Am Ausgang des Tunnels würde er sich orientieren. Er drang vorsichtig bis dorthin vor, wo sonst das Gleitband mit summenden und knarrenden Geräuschen die Fußgänger wieder an die Oberfläche beförderte. Sein Fuß berührte die breite Fläche des Bandes, aber das Band bewegte sich nicht mehr.
Hoch über sich hörte Bluff ein zorniges Heulen und Orgeln, das ihm noch mehr Angst machte. Er wurde sich der Kälte immer deutlicher bewusst. Er wusste, dass er von dieser Stelle aus in den Himmel hinaufblicken konnte ... schließlich war er den Weg oft genug gegangen.
Aber der Himmel war finster.
*
Baldwin Tingmer hatte »die Katastrophe« – was immer es sein mochte – einigermaßen heil an Leib und Seele überstanden. Als der Augenblick herannahte, in dem die Erde in den Schlund eintreten sollte, hatte er sich in seiner Hütte aufgehalten, die ein paar Kilometer außerhalb der Stadt Tin City stand. Baldwin Tingmer hatte sich dort eingerichtet, weil er im Auftrag der Regierung Anomalien des irdischen Gravitationsfeldes in Alaska messen sollte. Baldwin Tingmer hatte sich seines Auftrags entledigt, wie es das Gewissen ihm gebot: denn seit einigen Monaten war er ein Kunde der Pillenhändler und hatte die Aphilie für immer von sich abgeschüttelt. Er hatte gemessen und aufgezeichnet, wie es in seinem Vertrag stand, und sich im übrigen seelisch auf den Augenblick vorbereitet, in dem die Erde in den Schlund eintrat.
Zur Sicherheit hatte er kurz vorher noch ein paar Händevoll PILLEN zu sich genommen. Über zwanzig auf jeden Fall, schätzte er. Eine ebenso große Menge behielt er auf Vorrat; denn wenn die Transition sein Leben nicht auslöschte, würde er das Medikament wieder brauchen.
Im entscheidenden Augenblick musste er wohl bewusstlos gewesen sein. Er erinnerte sich noch an das wilde, zuckende Flammen des Himmels ... und dann war es plötzlich dunkel geworden. Baldwin Tingmer stellte mit Hilfe des technischen Geräts, das sich in seiner Hütte befand, ohne Mühe fest, dass zwischen dem leuchtenden, flammenden Himmel und der Finsternis irgendwie viereinhalb Monate verstrichen waren, über die er sich keine Rechenschaft abzulegen vermochte. Er ließ sich das nicht anfechten, sondern begann, sich umzusehen.
Als erstes stellte er fest, dass das Wetter in Unordnung geraten war. Draußen tobte ein entsetzlicher Sturm, wie Menschen ihn seit mehr als einem Jahrtausend nicht mehr erlebt hatten. Baldwin Tingmer schloss daraus, dass die Wetterkontrolle aus dem Häuschen geraten sein musste. In seiner Hütte war es noch warm, und es gab Licht. Das Notstromaggregat war angesprungen. Denn dass Licht und Wärme nicht mehr aus dem öffentlichen Netz bezogen wurden, bemerkte Tingmer, als er sein Bildgerät einschalten wollte und die Bildfläche sich weigerte zu reagieren.
Die Dunkelheit draußen machte die Sache natürlich noch schlimmer. Der Winter war hereingebrochen, und dicht unter dem Polarkreis bedeutete das, dass die Sonne nicht mehr über dem Horizont auftauchte.
Die Sonne, dachte Baldwin Tingmer müde. Medaillon heißt sie, nicht Sonne ...
Aber das war ein fruchtloser Gedanke, denn Baldwin Tingmer hatte die richtige Sonne, Sol, nie zu Gesicht bekommen. Seitdem er die PILLE nahm, war seine Neugier und vielleicht noch etwas mehr – seine Sehnsucht? – erwacht, und er fragte sich, wie dieser Planet unter dem Glanz seiner naturgegebenen Sonne ausgesehen haben mochte.
Er schloss sein Funkgerät an die Notversorgung an und versuchte, mit der Umwelt Kontakt aufzunehmen. Es meldete sich jedoch niemand. Tingmer schloss daraus, dass die Transition durch den Schlund noch tiefergehende Änderungen hervorgerufen haben musste als den Ausfall der Klimakontrolle.
Also machte er sich fertig zum Abmarsch.
Tin City und Umgebung waren auch zur Zeit des kontrollierten Wetters keine warme Gegend gewesen. Baldwin Tingmer besaß Kleidung, mit der er der Kälte zu trotzen vermochte. Er legte eine heizbare Montur an und verließ die Hütte. In einem kleinen Seitengebäude hatte er einen Gleiter untergestellt, aber schon beim Öffnen der Hüttentür kam ihm zu Bewusstsein, dass es ihm schwerfallen würde, die Garage zu erreichen. Der Schnee lag bis über Baldwin Tingmers Scheitel, und das wollte einiges besagen, denn Baldwin fehlten nur zehn Zentimeter an zwei Metern. Er schaufelte den Umkreis der Hüttentür frei und beschloss, vorerst auf den Gleiter zu verzichten. Statt dessen schnallte er sich ein paar Schneeschuhe an – in vergangenen Wintern hatte er sich ein Vergnügen daraus gemacht, auf den schneebedeckten Hängen der Baird Montains den Langlauf zu üben –, kämpfte sich zur Höhe der Schneedecke hinauf und stemmte sich gegen den Sturm, der von Westen her blies.
Er verdankte es allein seiner beachtlichen Kraft und Widerstandsfähigkeit, dass der Blizzard ihn nicht einfach mit Schnee zudeckte und erstickte. Verbissen kämpfte er gegen die treibenden Schneemassen an und sah schließlich aus dem weißen Teppich, der die Welt bedeckte, merkwürdig geformte Buckel und Hügel auftauchen: die Häuser von Tin City.
Er orientierte sich – was ihm nicht leichtfiel, obwohl er diese kleine Stadt so gut kannte wie keine andere auf der Welt. Er fand Humley's Bar und grub sich in den Schnee hinab, um zum Eingang zu gelangen. Die Tür ließ sich leicht öffnen, aber drinnen war es kalt und finster. Baldwin Tingmer hatte eine Lampe mitgebracht. Er leuchtete ringsum und überzeugte sich, dass die Bar und die angrenzenden Räume völlig leer waren. Der Staub lag fingerdick auf Boden, Tresen, Tischen und Stühlen. Hier war seit einigen Monaten niemand mehr gewesen.
Dabei wusste Baldwin Tingmer ganz genau, dass eine Menge Leute sich geschworen hatten, »den Augenblick des Untergangs« in Humley's Bar zu erleben. Der Zustand der Theke sprach dafür, dass sie ihren Schwur gehalten hatten: umgestürzte Becher, eingetrocknete Pfützen, Reste von nicht ganz verzehrten Imbissen. Humley's Bar war ein altmodisches Etablissement gewesen – ohne Roboter und Servomechanismen.
Da aber all die Leute, die den Augenblick des Untergangs in Humley's Bar miterlebt hatten, spurlos verschwunden waren, schloss Baldwin Tingmer, dass die Auswirkungen der Transition durch den Schlund alle seine bisherigen Vorstellungen überstiegen.
Nicht nur war die Klimakontrolle ausgefallen, und auf Funksprüche bekam man weit und breit keine Antwort mehr: Es hatten sich einfach eine ganze Menge Leute ... in Luft aufgelöst.
1.
Walik Kauk ging der Rätselhaftigkeit seiner Lage mit der Systematik des an der Praxis geschulten Managers zu Leibe. Die Finsternis draußen, das hatte er rasch festgestellt, hing mit der Jahreszeit zusammen. Erst in ein paar Wochen würde die Sonne wieder über dem Horizont erscheinen. Dass er mehr als vier Monate in dieser Hütte überlebt hatte, ohne zu erfrieren, verdankte er dem Umstand, dass das Extraaggregat noch funktionierte, das die Energieversorgung der Hütte sicherstellte, auch wenn das örtliche Netz ausfiel. Es war lediglich der Thermostat ein wenig zu tief eingestellt gewesen. Walik Kauk änderte die Einstellung, und alsbald wurde es in der Hütte gemütlich warm. Beleuchtung war ebenfalls vorhanden, und in der Vorratstruhe fand sich genug Proviant für ein paar Tage.
Walik verspürte nur geringen Hunger, und das wunderte ihn. Nach viereinhalb Monaten Bewusstlosigkeit hätte ihm die Gier nach Nahrung die Därme zerreißen sollen. Walik konnte sich das nicht erklären. Vermutlich, argumentierte er mit sich selbst, handelte es sich nicht um eine herkömmliche Ohnmacht, bei der die meisten Körperfunktionen erhalten bleiben und Energie verbrauchen, sondern um eine Art suspendierter Animation.
Nachdem er sich gestärkt hatte, begann er, sich um die Umwelt zu kümmern. Auch diese Hütte war mit einem Funkgerät versehen. Walik Kauk stellte wahllos ein paar Rufkodes zusammen und spielte sie durch. Von nirgendwoher bekam er Antwort. Er hatte fast schon damit gerechnet. Die Erde schien sich seit dem Sturz in den Schlund in einem ganz und gar desolaten Zustand zu befinden. Viele Radakom-Anschlüsse waren von dem öffentlichen Energieversorgungsnetz abhängig und mit dessen Zusammenbruch ausgefallen. Warum sich keiner der selbstversorgenden Anschlüsse meldete, das allerdings war schon weitaus schwieriger, das heißt: überhaupt nicht zu erklären.
Walik Kauk fand sich einfach damit ab. Es hatte keinen Sinn, sagte er sich, über Dinge zu grübeln, die sich ohnehin nicht durchschauen lassen. Seine größte Sorge war vorerst, wie er nach Nome zurückgelangte. Er war mit einem Gleiter hierhergekommen, aber das Fahrzeug stand draußen im Freien, und Walik hatte bereits wahrgenommen, dass der Schnee über anderthalb Meter hoch lag. In den sonnigen Tagen des Frühseptember war er grundsätzlich mit offenem Verdeck gefahren, und so lag der Gleiter da draußen irgendwo unter den Schneemassen. Walik wagte zu bezweifeln, dass er noch fahrtüchtig war.
Das hieß, dass er sich andernorts eine Fahrgelegenheit suchen musste. Seine Hütte lag unweit der Ufer des Salmon Lake, und drüben, auf der anderen Seite des Sees, gab es eine kleine Siedlung, deren Bewohner in der kommerziellen Jagd beschäftigt waren: Jensens Camp. Das waren rund dreißig Kilometer Entfernung. Bei dem Sturm, der draußen tobte, würde er sich im Handumdrehen verlaufen und irgendwo in den Schneemassen erfrieren. Er musste warten, bis der Sturm sich legte.
Das war ein Entschluss, gegen den seine innere Ungeduld sich sträubte. Er wollte wissen, was geschehen war. Er wollte wissen, wie es auf der Erde aussah. Aber er war klug genug, um zu erkennen, dass Unbesonnenheit ihn in tödliche Gefahr bringen werde.
