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Hinter der Raum-Zeit-Schranke - im Bann einer verzauberten Welt Man schreibt Mitte des Jahres 3587 terranischer Zeitrechnung. Perry Rhodan setzt in Weltraumfernen seine Expedition mit der BASIS planmäßig fort. Dem Terraner kommt es darauf an, sich Zugang zu einer Materiequelle zu verschaffen, um die so genannten Kosmokraten davon abzuhalten, diese Quelle zum Schaden aller galaktischen Völker zu manipulieren. Sechs der Schlüssel, die zusammen mit Laires Auge das Durchdringen der Materiequelle ermöglichen sollen, sind bereits im Besitz Perry Rhodans, doch mit der Auffindung des siebten und letzten Geräts scheint es nicht zu klappen. Auch die Materiequelle, von der man im Grunde nicht einmal weiß, was man sich darunter vorzustellen hat, lässt sich nicht auffinden, obwohl Pankha-Skrin, der Quellmeister der Loower, die Koordinaten kennt. Nach vier Wochen vergeblicher Suche im betreffenden Gebiet ist Perry Rhodan schon fast geneigt, die ganze Aktion abzublasen und mit der BASIS in die heimatliche Milchstraße zurückzukehren, als man auf die Barriere stößt. Hinter dieser mysteriösen Raum-Zeit-Schranke, die von den Terranern nur mit Hilfe Guckys durchdrungen werden kann, liegt DER TRAUMPLANET ...
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Veröffentlichungsjahr: 2011
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Nr. 957
Der Traumplanet
Hinter der Raum-Zeit-Schranke – im Bann einer verzauberten Welt
von KURT MAHR
Man schreibt Mitte des Jahres 3587 terranischer Zeitrechnung. Perry Rhodan setzt in Weltraumfernen seine Expedition mit der BASIS planmäßig fort.
Dem Terraner kommt es darauf an, sich Zugang zu einer Materiequelle zu verschaffen, um die so genannten Kosmokraten davon abzuhalten, diese Quelle zum Schaden aller galaktischen Völker zu manipulieren.
Sechs der Schlüssel, die zusammen mit Laires Auge das Durchdringen der Materiequelle ermöglichen sollen, sind bereits im Besitz Perry Rhodans, doch mit der Auffindung des siebten und letzten Geräts scheint es nicht zu klappen. Auch die Materiequelle, von der man im Grunde nicht einmal weiß, was man sich darunter vorzustellen hat, lässt sich nicht auffinden, obwohl Pankha-Skrin, der Quellmeister der Loower, die Koordinaten kennt.
Nach vier Wochen vergeblicher Suche im betreffenden Gebiet ist Perry Rhodan schon fast geneigt, die ganze Aktion abzublasen und mit der BASIS in die heimatliche Milchstraße zurückzukehren, als man auf die Barriere stößt.
Die Hauptpersonen des Romans
Gucky – Der Ilt geht seiner Paragaben verlustig.
Milder Dano – Guckys Begleiter.
Burnetto-Kup – Kommandant der DROGERKOND.
Nistor – Der Helk des Quellmeisters.
Vavo Rassa
1.
Der Ilt spürte, wie sich ein fremdartiger Druck auf sein Bewusstsein senkte, und erstarrte mitten in der Bewegung. Sekundenlang blieb er reglos stehen und wartete darauf, dass die Umrisse der Umgebung verblassten und er in eine jener Traumwelten versetzt werde, die auf diesem Planeten zum Standardangebot für verirrte Reisende gehörten.
Er war verblüfft und ratlos, als der erwartete Effekt ausblieb. Der Druck wich, und die Umgebung blieb dieselbe: düstere, hochaufragende Bäume, in deren Zweigen der kühle, feuchte Wind rauschte. Auch die Feuerstelle, deretwegen er hierhergekommen war, hatte sich nicht verändert. Still und stumm lagen die Zeugen einer fremden Zivilisation, Abfälle, die seit wer weiß wie vielen Jahrhunderten auf dem Boden des Waldes geruht hatten und erst durch eines der jüngsten Gravobeben wieder zum Vorschein gebracht worden waren.
Befand er sich dennoch in der Traumwelt? In der Vergangenheit war es so gewesen, dass der Traum den Träumenden in eine Umgebung entführte, die sich von der vertrauten radikal unterschied. Wer aber sagte, dass es nicht auch Träume gab, die in der gewohnten Umwelt spielten?
»Gucky an ERRANTHE«, sprach er in Richtung des Radiokoms, den er am rechten Ärmel seiner Montur trug, »bitte bestätigen.«
Im Empfänger knackte es leise, aber eine Antwort erhielt Gucky nicht, sooft er seine Aufforderung auch wiederholte.
Ungewiss stocherte der Mausbiber in den alten Abfällen herum. Er hatte diese Stelle erst am vergangenen Tag entdeckt und festzustellen gemeint, dass diese Feuerstelle sich in mehrfacher Beziehung grundlegend von jenen unterschied, die bisher untersucht worden waren. Die Abfälle erschienen älter und primitiver. Er hatte gehofft, durch eine intensive Analyse dieses Fundes ein wenig mehr Licht in die reichlich verschwommene Theorie der »Feuerstellen«, wie Atlan sie nannte, zu bringen.
Jetzt aber war er nur noch halb bei der Sache. Der Druck, der den Beginn eines Traumes signalisierte, das Ausbleiben des Traumes und das unverständliche Schweigen der ERRANTHE – das alles war mehr, als er sich zusammenreimen konnte. Er war beunruhigt und sah ein, dass aus der geplanten Analyse nichts werden würde, solange er sich nicht vergewissert hatte, wie es um die ERRANTHE und ihre Besatzung stand.
Er konzentrierte sich auf die Teleportation zurück zum Lagerplatz.
*
Das Ausbleiben des leisen Rucks, der üblicherweise einen Teleportationssprung einleitete, erfüllte ihn ein paar Augenblicke lang mit Panik. Zum zweiten Mal hatte er erwartet, die Umwelt sich schlagartig ändern zu sehen, und ein zweites Mal war das Erwartete nicht eingetreten.
Die Panik hielt indes nicht lange vor. Der Druck, den er vor wenigen Minuten gespürt hatte, musste das Signal für den Beginn eines jener rätselhaften Vorgänge gewesen sein, mit denen dieser Planet in reicher Fülle aufwartete. Perry Rhodan hatte sie metapsychische Spontanprozesse genannt, woraus hervorging, dass auch er nicht viel mit ihnen anzufangen wusste. Ein Spontanprozess war normalerweise gleichbedeutend mit der Versetzung in eine Traumwelt. Hier jedoch, schloss der Ilt, hatte etwas anderes stattgefunden. Etwas, das ihn der Fähigkeit der Teleportation beraubte und ihn überdies daran hinderte, Verbindung mit dem Lager und der ERRANTHE aufzunehmen.
Um seine Hypothese zu prüfen, horchte er eine Zeitlang in den Mentaläther. Er empfing keinen einzigen Impuls – weder aus den Bewusstseinen der ERRANTHE-Mannschaft noch aus den düsteren, von Instinkten gelenkten Subbewusstseinen der Tiere, die diesen Planeten bevölkerten.
Am Rand der Feuerstelle, die er hatte analysieren wollen, lagen die korrodierten Überreste eines fremdartigen Geräts. Er konzentrierte seine Aufmerksamkeit auf den grünspanüberwucherten Umriss eines metallenen Stabes und versuchte, ihn zu bewegen.
Der Versuch schlug fehl. Da wusste Gucky, dass ihm zumindest für den Augenblick keine seiner Parafunktionen mehr zur Verfügung stand.
Er machte sich zu Fuß auf den Rückweg zum Lager. Beim Laufen bediente er sich aller vier Extremitäten, was er schon seit langem nicht mehr getan hatte, und trotz des Ernstes der Situation bedrückte ihn in diesen Minuten nur der triviale Gedanke, es möchte ihn um Himmels willen keiner von der ERRANTHE-Besatzung in dieser Haltung zu Gesicht bekommen.
Der Ilt war ein geschickter und ausdauernder Läufer. Schon nach einer halben Stunde erreichte er den Waldrand und blickte nach Osten auf das geröllübersäte Feld der Moräne hinaus, an deren südlichem Ende sich das Lager befand. Er sah den sechzig Meter hohen, kugelförmigen Umriss der ERRANTHE, aber die Entfernung war zu groß, als dass er hätte erkennen können, ob sich Menschen im Freien befanden. Er sicherte nach Nordost hinüber, wo sich am Rand der Moräne eine mächtige Felswand hinter den düsteren Wipfeln des Waldes emporreckte. Von der Krone des Felsens herab stürzte ein Wasserfall, dessen Rauschen der Wind zu dem horchenden Ilt hinübertrug.
Gucky lief am Waldrand entlang südwärts. Er scheuchte hier und da Kleingetier auf, ohne dass er auch nur einen einzigen Mentalimpuls der verängstigten Kreaturen empfangen hätte. Als er sich auf der Höhe der ERRANTHE befand, überquerte er das Moränenfeld mit raschen, hurtigen Sprüngen und hielt erst wieder an, als er sich in der Deckung der provisorischen Gebäude befand, die im Laufe der vergangenen Tage rings um den Landeplatz der Korvette errichtet worden waren.
Das einzige Geräusch war das stete Rauschen des Windes. Die grauen Wolken hingen tief und eilten in westlicher Richtung dahin, als ob sie irgendwo jenseits des Waldes verabredet wären. Es würde bald regnen. Der Ilt blickte an der metallenen Kontur der ERRANTHE hinauf und schob sich tiefer in die Deckung einer Baracke, als er plötzlich eine Bewegung wahrnahm.
Aber es war nur ein Stück Verpackungsfolie, das durch das offene Luk einer Schleuse heraushing und vom Wind hin und her geblasen wurde. Gucky öffnete die Barackentür und inspizierte das Innere des Gebäudes. Die Deckenlampe brannte und beleuchtete eine Szene, die aus einem Datensichtgerät, einem elektronischen Zeichengerät, zwei Arbeitstischen und etlichen Stühlen bestand. In einem der Stühle saß ein junger Spezialist der Technischen Abteilung, hintübergesunken, die Arme schlaff herabhängend und den Mund weit geöffnet. Der Ilt hatte keinen Grund zu der Annahme, es sei ihm etwas Schlimmes widerfahren, denn der junge Mann schnarchte aus Leibeskräften. Eine Frau mittleren Alters mit dem Emblem der Softwareingenieure auf dem linken Oberarm saß am Boden, mit dem Rücken gegen das Bein eines der Arbeitstische gelehnt, und schlief ebenfalls, allerdings weniger geräuschvoll.
Gucky untersuchte eine Baracke nach der anderen und fand überall dasselbe Bild. Das Lager hatte sich in Dornröschens Schloss verwandelt.
Er schritt zur ERRANTHE hinüber, fand die untere Polschleuse geöffnet und das Antigravfeld in Betrieb.
»Eine Organisation ist das wie in der ungarischen Kriegsmarine«, murmelte er, einen Vergleich gebrauchend, den er von terrageborenen Raumfahrern aufgeschnappt hatte. »Könnte jeder Hanswurst einfach daherkommen und das Schiff klauen!«
Er glitt zur Schleuse hinauf und von dort durch den Axialschacht bis zum Kommandoraum. Nach seinen Beobachtungen in den Baracken hatte er nichts anderes zu finden erwartet. Aber dennoch wurde ihm ein wenig bange zumute, als er Perry Rhodan und Atlan vor einem Kartentisch, an dem sie gearbeitet hatten, Seite an Seite in tiefem Schlaf fand.
Es gab an Bord der ERRANTHE keinen beweglichen Medorobot, lediglich eine Medostation auf dem Deck unmittelbar über dem Kommandoraum. Unter normalen Umständen wäre es dem Ilt ein leichtes gewesen, die beiden Männer per Teleportation in den Behandlungsraum zu befördern. Ohne die Parabegabung war er der Aufgabe jedoch nicht gewachsen. Er musste einen Roboter zu Hilfe rufen.
Er war soeben im Begriff, den entsprechenden Befehl zu geben, als er hinter sich ein Geräusch hörte.
*
Ärgerlich funkelte er die schmächtige Gestalt unter der Schottöffnung an.
»Du hättest etwas sagen können, Dano«, bemerkte er vorwurfsvoll. »Man schleicht nicht so herum!«
Milder Dano, ein Mitglied der Astronomiegruppe, grinste spöttisch.
»Ich dachte, dich könnte niemand überraschen«, sagte er. »Außerdem hatte ich nicht erwartet, dass hier noch jemand wach sei.«
Milder Dano war weit über die einhundert. Er ging ein wenig vornübergebeugt und machte sich nicht die Mühe, die Zahl seiner Jahre durch Färben des schmutziggrauen Haars zu verleugnen. Er stand in dem Ruf, ein sonderbarer Kauz zu sein. Gucky hatte bisher nur wenig mit ihm zu tun gehabt.
»Was ist geschehen, Dano?«, fragte er.
Der Astronom machte eine hilflose Gebärde.
»Weiß ich's? Ich unterhielt mich gerade mit Kanthall über eine Beobachtung, die ich gemacht hatte. Da fing er an zu gähnen, setzte sich in einen Sessel und war ein paar Sekunden später eingeschlafen. Ich wollte ihn wachrütteln, aber ...«
»Wann war das?«
Milder Dano sah auf die Uhr.
»Vor einer Stunde achtundzwanzig Minuten. Ich dachte mir, dass jemand danach fragen würde.«
Der Ilt rechnete zurück. Die Zeitangabe stimmte mit seiner Erinnerung überein. Etwa vor anderthalb Stunden hatte er den eigenartigen Druck gespürt.
»Du hast dich umgesehen?«, fragte Gucky.
Dano nickte.
»Überall. Sie schlafen alle.«
»Warum schläfst du nicht?«
»Weiß der Himmel. Ich nehme an, dass es sich im Grunde genommen um denselben Vorgang handelt, der früher die Traumzustände auslöste. Nur brachte er diesmal keinen Traum, sondern den Tiefschlaf hervor. Mit den Träumen habe ich nie viel Schwierigkeiten gehabt. Ich brauchte mich nur daran zu erinnern, dass ich träumte, und – schwupps – war ich wieder in der Wirklichkeit. Ich nehme an, ich bin konditioniert.« Lächelnd fügte er hinzu: »So wie du!«
»Besser als ich«, korrigierte der Ilt. »Mir sind sämtliche Parafunktionen abhanden gekommen.«
Milder Dano war ehrlich bestürzt.
»Das ist es also! Ich dachte, du wolltest mich foppen, als du dich erschreckt stelltest.«
Guckys Gedanken waren weitergeeilt.
»Hast du versucht, einen der Schlafenden behandeln zu lassen?«
»Dazu bin ich noch nicht gekommen. Ich wollte mich erst überzeugen, dass außer mir wirklich keiner mehr wach war.«
»Hilf mir!«, forderte ihn der Ilt auf.
*
»Eine Exasperal-Injektion kann nicht vorgenommen werden«, erklärte die Medoanlage.
»Warum nicht?«, wollte der Ilt wissen.
»Der Schlafzustand des Patienten wird durch eine von außen kommende Beeinflussung des Neuralnetzes herbeigeführt. Es besteht der Verdacht auf paramentale Einflussfaktoren. Ihre Wechselwirkung mit der durch Exasperal hervorgerufenen Neuralintensivierung kann nicht mit zufriedenstellender Wahrscheinlichkeit vorhergesagt werden. Die Möglichkeit, dass Exasperal in der Wechselwirkung mit den vermuteten Paramental-Faktoren zu einer dauernden Schädigung der Neuralstruktur des Patienten führt, kann nicht ausgeschlossen werden.«
»Also ...?«
»Schlafen lassen«, brummte Milder Dano.
»Es ist ratsam, den Patienten in seinem gegenwärtigen Zustand zu belassen und aufmerksam zu beobachten«, antwortete die Medoanlage, die sich durch vorwitzige Unbefugte nicht aus dem Gleichgewicht bringen ließ.
»Es gibt rund einhundert Patienten mit denselben Symptomen.«
»Diese Anlage besitzt die Kapazität für die gleichzeitige Beobachtung von sechs Patienten. Bei Mehrbedarf ist die Zentralanlage anzusprechen.«
»Zur Zentralanlage haben wir keinen Zugriff«, murmelte Gucky. »Die BASIS befindet sich außerhalb unserer Reichweite.«
Darauf wusste der Medo nichts zu sagen.
»Was tun wir sonst noch – außer beobachten?«, fragte der Ilt. »Bemühen wir uns, die Ursachen des Tiefschlafs zu ergründen?«
»Sämtliche Beobachtungsdaten werden der Zentralanlage zur Auswertung übermittelt. Sobald die Zentral...«
Ärgerlich schlug der Ilt auf den Kommunikationsschalter und beraubte den Medo seiner Stimme. Nachdenklich musterte er Perry Rhodan, der friedlich schlafend in der Diagnosemulde ruhte.
»Es bleibt uns nichts anderes übrig, als zu warten, Dano«, sagte er.
»Immerhin können wir fünf weitere Schlafende hierherbringen.«
»Das ist richtig.« Gucky sah auf. Der Transportrobot, der Perry Rhodan aus dem Kommandoraum heraufgeschleppt hatte, stand reglos in der Nähe der Tür. Er trug ihm auf, Atlan und vier weitere Besatzungsmitglieder der ERRANTHE ins Lazarett zu holen und sie der Medoanlage zur Beobachtung zu überstellen.
Es war ein Glück, dass wenigstens die Roboter von den metapsychischen Spontanprozessen verschont blieben.
*
Milder Dano aß, als habe er eine Pflicht zu erfüllen. Er schob sich, was die Kombüsenautomatik geliefert hatte, in den Mund, wie es ihm vor die Gabel kam, ohne zwischen Fleisch (es war ohnehin synthetisch), Beilage und Beispeise zu unterscheiden. Der Ilt nagte an einem Stück Wurzelsurrogat. Es besaß keinerlei Nährwert und diente lediglich dem Zweck, sein psychisches Gleichgewicht, Abteilung Essverhaltensmuster, zu stärken. Was der Körper brauchte, hatte er zuvor in Form zweier Konzentrattabletten zu sich genommen.
»Ich habe heute eine neue Feuerstelle untersucht«, sagte er.
»Neu? Was kann daran neu sein?«, meinte Dano uninteressiert. »Sie sehen alle gleich aus. Ein festgestampfter Parkplatz, Anzeichen vorübergehender Bautätigkeit, zurückgelassene Abfälle, darunter Maschinenteile.«
»Hast du je eine gesehen?«
»Mit eigenen Augen? Nein. Nur auf Aufnahmen. Ich bin Astronom, kein Archäologe.«
»Dann rede nicht so geschwollen daher. Es gibt sehr wohl Unterschiede in den Feuerstellen. Nicht nur nach Umfang, Alter und Fundgegenständen, sondern auch nach technologischem Niveau.«
»Versteht sich. Wenn es Altersunterschiede gibt, dann gibt es auch Unterschiede in der Entwicklung der Technologie. Je jünger, desto fortgeschrittener, nicht wahr?«
»Falsch.«
Milder Dano blinzelte verwirrt.
»Falsch? Wie? Falsch?«
»Altersanalysen haben ergeben, dass die Technologie der fremden Zivilisation sich abwärts entwickelt hat. Die ältesten Fundstellen zeigen die höchstentwickelte Technik.«
Dano schob das leergeputzte Speisetablett beiseite und trank geräuschvoll aus seinem Laktose-Becher.
»Wo hat man so etwas schon gehört?«
»An vielen Orten. Zeitlich degenerierende Technologie ist oft ein Resultat des Fremdeinflusses. Eine fremde Macht beschert eine fortgeschrittene Technik und zieht sich dann zurück. Die Bescherten kommen mit der neuen Technologie nicht zurecht und verlieren sie allmählich wieder.«
»Na gut«, meinte Dano. »Rätsel gelöst.«
»Nicht ganz. Die Feuerstelle, die ich heute untersuchte, stammt aus der Zeit vor dem Fremdeinfluss.«
Zum ersten Mal zeigte Milder Dano Anzeichen echten Interesses.
»Woher willst du das wissen?«
»Alle bisherigen Feuerstellen enthielten Überreste von Geräten, die eindeutig robotischer Natur sind. Die Feuerstelle, die ich heute in Augenschein nahm, enthält kein einziges Stück Gerät, das als robotisch bezeichnet werden kann. Es gibt einen so genannten Landeplatz, der jedoch nicht festgestampft, sondern von Radspuren zerfressen ist. Sie sind versteinert. Man kann das Profil der Räder noch erkennen.«
»Du bist sicher?«, fragte Milder Dano mit emporgezogenen Augenbrauen. »Ich meine, hast du dir das alles genau und in Ruhe ansehen können?«
»Nein. Bis jetzt gibt es nur Hinweise, aber keine Gewissheit. Sobald sich eine Gelegenheit ergibt, nehme ich mir die Feuerstelle eingehend vor. Aber vorläufig ...«
Er sprach den Satz nicht zu Ende. Alarm gellte durch die Decksgänge der ERRANTHE.
*
»Wer sind sie? Warum haben wir zuvor nie etwas von ihnen bemerkt?«
Gucky antwortete nicht. Ebenso gebannt wie der Astronom starrte er auf den großen Bildschirm, der die Szene südlich des Landeplatzes der ERRANTHE zeigte.
