Perry Rhodan Neo 136: Tod eines Mutanten - Rainer Schorm - E-Book + Hörbuch

Perry Rhodan Neo 136: Tod eines Mutanten E-Book und Hörbuch

Rainer Schorm

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Beschreibung

Im Sommer 2051 leben die Bewohner der Erde in Frieden, es droht keine Gefahr mehr. Die Menschheit kann weiter an ihrer Einigung arbeiten, gemeinsam blickt man in die Zukunft. Nach dem fürchterlichen Krieg zwischen den Maahks und den Arkoniden herrscht zudem Ruhe in der bekannten Milchstraße. Doch wie aus dem Nichts tauchen fremde Raumschiffe über der Erde auf. Ihre Übermacht ist erdrückend, ihre Technik weit über dem Niveau der Menschen. Die Fremden nennen sich Sitarakh, sie scheinen in einer direkten Beziehung zur Sonne zu stehen. Perry Rhodan und seinen Gefährten bleibt nichts anderes übrig, als die Flucht anzutreten. Sein Ziel ist, Hilfe bei den Arkoniden zu holen. Doch wie wird sich der neue Imperator gegenüber den Menschen verhalten?

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Seitenzahl: 228

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Zeit:6 Std. 13 min

Sprecher:Hanno Dinger




Band 136

Tod eines Mutanten

Rainer Schorm

Cover

Vorspann

1. Primärdiagnose: Das Hippokratische Protokoll

2. M 15: Rollin', rollin' ...

3. Das Hippokratische Protokoll

4. Asteroidengestöber

5. M 15: Flüssigkristall

6. Aussichten, Einsichten

7. Das Hippokratische Protokoll

8. Kontaktfläche

9. M 15: Bernsteinleben

10. Das Hippokratische Protokoll

11. Drohende Absichten

12. Untergrund

13. M 15: Bohrungen

14. Das Hippokratische Protokoll

15. New York, New York!

16. Augenöffner

17. M 15: Ein genauer Blick

18. Get out!

19. Das Hippokratische Protokoll

20. Our way!

21. M 15: Quarzgeschichten

22. Das Hippokratische Protokoll

23. Bestialität

24. Fluchthilfe

25. Das Hippokratische Protokoll

26. Wenn die Bestie spricht ...

27. M 15: Erschöpfung und andere Zustände

28. Das Hippokratische Protokoll

29. Wellenbewegung

30. Einfach zu viel ...

31. M 15: Flamingo

32. Das Hippokratische Bulletin

Impressum

PERRY RHODAN – die Serie

2036 entdeckt der Astronaut Perry Rhodan auf dem Mond ein außerirdisches Raumschiff. Seither erlebt die Erde einen enormen Aufschwung; auch im Weltall erringt Rhodan Erfolge.

Im Sommer 2051 leben die Bewohner der Erde in Frieden, alle Gefahren scheinen bewältigt. Die Menschheit kann weiter an ihrer Einigung arbeiten. Dann tauchen fremde Raumschiffe auf – es sind die Sitarakh. Mit überlegener Technik reißen sie die Macht an sich.

Perry Rhodan entkommt mit vielen Mitstreitern ins All, wo ihm die mächtigen Liduuri ihre Unterstützung zusagen. Allerdings muss Rhodan auch ihnen helfen, was sich als sehr kompliziert herausstellt.

Auf der Erde versuchen Julian Tifflor und einige Aktivisten, gegen die Sitarakh zu kämpfen. Doch dieser Widerstand fordert immer mehr Opfer – und so kommt es auch zum TOD EINES MUTANTEN ...

1.

Primärdiagnose:

Das Hippokratische Protokoll

»Informationspartitionierung abgeschlossen. Die medizinische Datenbank des Probanden ist vorbereitet und steht für den Neurokonnex zur Verfügung. Bitte überprüfen Sie die Neuroden vor dem Einsatz separat auf volle Funktionsfähigkeit. Ein nicht korrekter Gebrauch kann zu Spätschäden führen.«

Julian Tifflor lächelte dünn. Die Risiken kannte er nur zu gut. Darauf brauchte ihn keine Positronik aufmerksam machen. Das Eintauchen in ein fremdes Gehirn, einen anderen Verstand, war eine gefährliche Reise – in jeder Hinsicht. Ein Labyrinth wartete auf ihn. Zudem war der fragliche Verstand krank, gestört vom Cortico-Syndrom, das neben dem Schlafmangel zu Halluzinationen führte. All dem würde Julian sich aussetzen müssen. In einer spiegelnden Kunststofffläche sah er einen großen, schlanken, braunhaarigen Mann.

Ich bin älter geworden!, attestierte er sachlich. Und ich versuche, die Prozedur hinauszuzögern! Es muss jedoch sein. Wir müssen mehr wissen über diese Pest! Eine Diagnose ohne objektive Fakten ist nichts wert!

Ihm stand mehr bevor als der übliche Virtual-Reality-Einsatz. Das Hippokratische Protokoll war eine Hochrisiko-Technologie, die man nicht leichtfertig anwendete – in diesem Fall allerdings dringend geboten. Die Spaltung seines Bewusstseins in eine distanziert betrachtende Institution und eine empfindende, symptombezogene würde sehr anstrengend werden. Der Einsatz dieser Technik blieb deshalb speziell geschultem Personal vorbehalten. Er musste sich eingestehen, dass er Angst hatte.

»Hippocampus-Aktivität erhöht, Doktor Tifflor. Wünschen Sie ein leichtes Sedativum?«, fragte die Positronik.

Julians Grinsen wurde bitter. Er verneinte. Seine Gedanken schweiften erneut ab: Wie immer fand eine solche Technologie auch den Weg in den freien Markt. Er hatte von einem blühenden Schwarzhandel gehört, in dem sich Schmerzjunkies tummelten. Sogar Agonie-Dealer schien es zu geben.

»Jedem das seine!«, murmelte Julian bedrückt. Er fand die Vorstellung, sich an Schmerzen zu berauschen, sehr bizarr. »Ob mal untersucht wurde, ob Ärzte zum Masochismus neigen?« Er war selbst Raumfahrtmediziner. Er wusste, dass er keine schnelle Antwort bekommen würde.

Er lehnte sich zurück und aktivierte die komplexe Sensorik, die seine Reaktionen bis ins Kleinste protokollieren würden. Aus dem gewaltigen Datenwust würde die Positronik ein biochemisches und bioelektrisches Szenario erstellen, das die Symptome aus dem individuellen Erleben löste und objektivierte. Gerade bei neurologischen Problemen war eine bloße Schilderung der Beschwerden nicht ausreichend. Von Objektivität waren solche Berichte Lichtjahre weit entfernt. Dem Cortico-Syndrom waren obendrein etliche ausgesprochen schwammige Symptome zu eigen, die nur sehr schwer einzuordnen waren.

Die kleinen, ovalen Neuroden legten sich an seinen Schädel, zwei davon über die Augen; sie waren transparent, um die unwillkürliche Panik vor Blindheit zu vermeiden. Das natürliche Blinzeln wurde unterdrückt, ein Austrocknen der Augen durch ständige, aber nicht zu spürende Befeuchtung vermieden. Die Apparatur nutzte einige arkonidische Techniken und einige der Aras; nicht ganz auf dem neuesten Stand, aber der irdischen Biowissenschaft weit überlegen.

Das Lakeside Institute verwendete Protokolle wie dieses im Versuchsstadium bei der Erforschung der Paragaben. Während seines Kontakts mit den ehemaligen Free-Earth-Kameraden Martin Maillard, Roux Gaultier und Louise »Petite« Rebichon hatte Julian kurz Gelegenheit gehabt, Zugriff auf das internationale medotechnische Netzwerk zu nehmen.

Petite hatte ihm die Ausrüstung besorgt. Dazu gehörte der Mindlink zu einem freiwilligen Probanden, den er bisher nicht kannte. Anonymität war zumindest in der Initiationsphase erwünscht – das verhinderte störende Emotionalisierungen. Nach der Erstellung des virtuellen Modells erfolgte die Kopplung an den realen Probanden. Der befand sich aus offensichtlichen Gründen auf der Erde, denn die Symptome zeigten sich lediglich dort. Die Besatzungen der Raumschiffe im freien Weltraum blieben verschont. Eine Untersuchung war also nur vor Ort möglich.

»Bereit, wenn Sie es sind, Doktor Tifflor!«, sagte die Positronik mit angenehm weiblicher Stimme. Julian fragte sich einmal mehr, ob die Stimme wirklich der von Mildred Orsons glich oder ob dies auf Einbildung beruhte.

»Gut. Starte den Konnex!«, entschied er. »Beraume für die Initiierung des temporären Schizoidismus eine Zeitspanne von sechzig Minuten an.« Er fühlte sich merkwürdig. Die Aussicht, gleich eine induzierte Bewusstseinsspaltung zu erleben, war bedrohlich.

Der Einwand der Positronik kam sofort. »Sie wissen, dass die Vorschriften für die Initiierungsphase eine maximale Verweildauer von fünfundvierzig plus/minus zwei Minuten festlegen!«

»Sicherheitsprotokoll übergehen. Autorisation: Tifflor, Julian. Individualkode M-achtundsiebzig-zwanzig-zwanzig-Ypsilon. Freigabe und Risikoübernahme!«

»In Ordnung, Doktor Tifflor. Darf ich Ihnen viel Glück wünschen?«

»Darfst du!«, murmelte Julian und schaltete den Konnex frei.

Die positronisch gesteuerten Nanopartikel schwärmten aus und lagerten sich an die relevanten Regionen des Kortex an. Die holografische Abtastung erzeugte ein hochkomplexes Modell, das die synchron aktiven Impulse der Neuronen simulierte und aufzeichnete. Die Detaildichte war sehr viel höher als bei gängigen bildgebenden Techniken. Was sich da vor Julians Augen aufbaute, war er selbst: sein Bewusstsein in Aktion, genauso wie die unbewussten Vorgänge, einschließlich der Wahrnehmungsprozesse.

Obwohl er wusste, was geschah, obwohl er es selbst veranlasst hatte, spürte Julian die Angst in sich aufsteigen. Seine Stimme klang heiser: »Hippokratisches Protokoll einleiten. Sedierung nur im absoluten Notfall nach Maßgabe der flotteninternen Medorichtlinie V-vierzehn!«

»Hippokratisches Protokoll initiiert«, bestätigte die Positronik.

Julian fühlte sich übergangslos, als schwebe er reglos im All. Er hatte das Bedürfnis, sich zu bewegen, aber die Gliedmaßen gehorchten seinem Befehl nicht länger. Die Trennung der analytischen, höheren Bewusstseinsfunktionen von Wahrnehmung und der vegetativen Ebene seines Körpers hatte begonnen. Zunehmend stellte sich ein Gefühl des Fremdseins ein.

So muss Leibniz sich das vorgestellt haben!, fuhr ihm ein Gedanke durch den Kopf. Eine fensterlose Monade. Das Bewusstsein getrennt von allem ... Wie kann ein einigermaßen normaler Mensch auf eine solche Idee kommen? Ob Philosoph oder nicht ...

Sein Denken verkapselte sich. Wie ein außenstehender Beobachter sah er alles, hörte er alles und fühlte er alles, was sein Körper wahrnahm ... Aber er hatte nichts mehr damit zu tun. Er registrierte jede Kleinigkeit, aber kein Gefühl, keine Empfindung drang zu ihm durch. Er erkannte die Intensität eines Schmerzes, aber er war getrennt davon. Ein Arzt, der Symptome diagnostizierte – objektiv; ganz ohne Furcht, Mitleid und Empathie.

Die Positronik leitete den zweiten Teil des Hippokratischen Protokolls ein: die Einspeisung des fremden, diagnostischen Links. Julian hatte Petite gebeten, ihm das erforderliche Gerät zu besorgen. Im Lakeside Institute hatte man die Möglichkeit, solche Diagnosen zu erstellen. Die Untersuchung und Behandlung der Mutanten erforderte unkonventionelle Praktiken, und die dortige Kybernetische Abteilung für intelligente Hybridtechnik war der passende Ort dafür.

Julian wusste mit einem Mal, dass er schwer war. Der Proband, der sich für die Aufzeichnung zur Verfügung gestellt hatte, war für regelmäßige sportliche Betätigung nicht zu haben. Allerdings stellte Julian kein Unwohlsein fest, dafür eine Neigung zu Nikotin-Ersatzstoffen. Kurz darauf tauchte sein analytisches Bewusstsein ein in das Leben des Probanden ...

Es ist besser hier draußen. Hier gibt's keine Kollegen! Ich brauche Ruhe. Ruhe! Mein Gott, ich fühle mich beschissen. Ich bin so müde wie nie zuvor. Schlafen! Hinlegen und schlafen! Lange ... tief ... friedlich ...

Was ist nur mit mir los? Was ist mit uns los? Immerhin bin ich nicht der Einzige. Ich stelle fest, dass ich nicht denke, sondern wirr vor mich hin murmele, wie ein Accosinsüchtiger im vorletzten Stadium! Nur die Mutanten scheinen nichts davon zu spüren. Na gut, die haben mehr Probleme, als unsereiner jemals haben wird. Warum sollen sie diesen Mist nicht mal auslassen ...

... und dort? Überall hängen diese verdammten Schiffe herum. Sitarakh. Braucht kein Mensch! Dummerweise brauchen sie uns ebenfalls nicht, wie's aussieht. Sie bauen Türme. Hab Bilder gesehen. Straßburg, Dubai ... Peking, glaube ich. Kann mir kaum was merken. Mein Gedächtnis ist wie ein Sieb, das fast ausschließlich aus Löchern besteht. Es ist zum Kotzen. Kann nicht richtig arbeiten. Lenkt mich sonst ab, wenn ich Probleme habe ... Diesmal nicht. Habe gehört, diese großen Dinger könnten Atmosphärenwandler sein. Leben diese Typen in einer derart fremdartigen Umgebung? Dafür scheint's ihnen bei uns recht gut zu gehen. Kann mich natürlich irren. Irre mich zunehmend häufiger ...

Julian Tifflor registrierte ein körperliches Zusammenzucken des Probanden. Eine Welle panischer Angst durchzuckte den Organismus, brachte ihn dazu, sich zu verkrampfen. Der Herzschlag raste. Ein irritierender Druck in den Schläfen und hinter den Augen vernebelte jeden klaren Gedanken.

Verdammt! Was ist das? Was ist das?

Etwas schwebte am Rand seines Gesichtsfelds vorbei. Julian beobachtete die Irritation interessiert. Ein zweiter Angstschub ließ den Probanden panisch zurückzucken, als spüre er die Gegenwart einer wütenden Hornisse an seinem Ohr. Der Eindruck von Schwärze blieb. Dazu ein Hauch von Rot. Es war wie ein blinder Fleck oder eine der schlierigen Erscheinungen, die durch Dichteschwankungen in der Augenflüssigkeit im Augapfel entstehen. Der Eindruck, ein Staubfussel klebe auf der Linse einer Kamera.

Weg! Geh weg. Geh weg ... gehweggehweggehweg!

Julian sah den Probanden nach dem irrealen Objekt schlagen. Der Mann versuchte, es wegzuwedeln, wie etwas, das in der Luft auf einen zuschwebt. Die Angst vor diesem ... Ding war sehr stark. Erneut taumelte links eine schwarzrote Flocke vorbei, wieder schlug der Proband danach. Julian registrierte, dass die Finger des Probanden nervös zuckten. Die Mischung aus totaler Erschöpfung und reiner Panik war für einen Menschen sicher kaum auszuhalten.

Hallo, Doktor Tifflor!, hörte Julian eine quakige Stimme sagen. Er zuckte zusammen.

Dann weitete sich Julians Empfindungswelt mit einem Mal aus. Er glaubte, in die Tiefe zu stürzen ... Das Gefühl war sehr real. Er stöhnte entsetzt. Die plötzliche Flut an direkten Wahrnehmungen war zu stark. Er schwitzte. Und er zitterte!

»Willkommen zurück, Doktor Tifflor!«, sprach die Positronik weiter. »Das von Ihnen freigegebene Zeitfenster ist vorüber. Ihre Biowerte sind in Ordnung. Das Stressniveau ist allerdings beachtlich. Sie sollten sich ausruhen!«

Julian krächzte etwas Unverständliches. Erst danach war er fähig, sich richtig zu artikulieren. »Was? Ich war ... ein paar Minuten! ... oder?«

Die Positronik widersprach. »Sie erhöhten das Zeitlimit um fünfzehn Minuten. Diese Toleranz wurde ausgeschöpft!«

»Das kann nicht ... sein!«

Julian nahm sich mit zitternden Händen die kleinen Neuroden ab. Sie fielen zu Boden, bis auf die zwei, die den Mindlink etablierten. Sie saßen seitlich der Stirn.

Ihm fiel das gestörte Zeitempfinden ein, das die am Cortico-Syndrom Leidenden häufig durcheinanderbrachte. »Der Effekt ist sehr viel stärker als gedacht«, keuchte er. »Und er ist offenbar interaktiv!« Er wandte sich an die Positronik. »Aufzeichnung abschließen, in drei Sicherungskopien speichern und mit der Analyse beginnen. Die Wahrnehmungsdichte ist ausgezeichnet, aber ich revidiere die zeitliche Ausweitung in Bezug auf künftige Nutzungen. Die Belastung ist enorm.«

»Bestätigt!«, sagte die Positronik.

Julian lehnte sich zurück. Er fühlte dicke, kalte Schweißtropfen auf seiner Stirn. Dies waren lediglich die Nachwehen der Simulation. Der Aufbau der Diagnose würde nun unabhängig von seinem Hauptverstand ablaufen. Der Mindlink hatte so gut wie keine Auswirkungen auf das Wachbewusstsein, von vereinzelten Sekundenvisionen abgesehen. Darauf konnte man sich einstellen.

Ausgehend von der Mindlink-Aufzeichnung baute das Protokoll nun eine stabile Verbindung auf. Ein Großteil der Signale reiste huckepack auf anderen Kommunikationsverbindungen. Daraus entwickelte sich eine Verknüpfung mit dem Bewusstsein des Probanden. Wie gut diese Verbindung sein würde, wusste Julian zu diesem Zeitpunkt nicht. Andererseits regulierten die Sitarakh die Kommunikation im Sonnensystem nicht. Ausfälle im engeren Sinne waren daher bisher nicht aufgetreten. Er würde also zuverlässig tief in die Symptomatik eines am Cortico-Syndrom Erkrankten eintauchen, alles miterleben können.

Oder müssen!,

2.

M 15: Rollin', rollin' ...

Die sonderbare Welt kam näher.

»Kan ... der Weiße Spiegel!« Ich betonte den Namen der Weißen Welt, als besäße er einen eigenen Geschmack. »Die Liduuri hatten im wahrsten Sinne des Wortes eine farbige Phantasie.«

»Weiß gilt nicht als Farbe, Atlan«, verbesserte mich Theta trocken und drehte ihren Kontursessel weg. Ihre schlanke Figur verlor sich darin ein wenig.

Ich grinste müde. Mein Verhältnis zur ehemaligen Imperatrice des Großen Imperiums war kompliziert. Eine Ex, wie die Menschen das so prosaisch formulierten. Nun gut, Perry Rhodan nicht. Der Terraner war bisweilen pragmatisch, aber nicht prosaisch. Wie auch immer, ich war sicher, dass sich zwischen mir und Theta auf absehbare Zeit einiges ändern würde.

Narr!, sagte der Extrasinn meines Verstandes. Veränderungen haben es an sich, kausal zu sein! Für eine Änderung gibt es keinen aktuellen Grund.

Ich verzichtete auf die übliche Gegenrede, obwohl ich seine Argumentation nicht stimmig fand. Der Logiksektor hatte häufig genug recht, aber nicht immer waren seine Einlassungen hilfreich. Jeder Widerspruch indes führte regelmäßig zu einem extrem unergiebigen Streitgespräch. Auch das beurteilte der Extrasinn naturgemäß anders.

Perry Rhodan reagierte nicht auf das Geplänkel. Ich war sicher, er war froh, mich an Bord zu haben. Meine Erfahrung war unbezahlbar für ihn – gerade in einem Umfeld wie diesem. Nach der Rekalibrierung von Ca war die Gleichrichtung des Hyperschwalls sichergestellt, die Funktion von Kan hingegen bislang nicht bestätigt. Erst eine Probe des hiesigen Hyperkristallvorkommens würde Klarheit schaffen. Zu diesem Zweck näherte sich die SD 1, eine Space-Disk der LESLY POUNDER, der Weißen Welt. Theta und ich waren mit an Bord; die Wichtigkeit der Mission lag auf der Hand. Rhodans hohe, schlanke Gestalt wirkte beinahe wie eine Statue. Man sah ihm Unruhe, die auch ihn zweifellos beherrschte, nicht an.

Kan rollte auf exotische, astrophysikalisch eigentlich unmögliche Weise ihren Orbit entlang. Ihr Südpol war ständig der Sonne zugewandt, die extrem vereiste Nordpolarregion sorgte für eine Unwucht. Dadurch wirkte es, als rumpele der Planet über seinen Orbit. Die Abweichungen gefährdeten die Stabilität der Umlaufbahn um das Zentralgestirn nicht, waren aber unübersehbar. Welten wie diese waren schwierig, und ihre Erforschung verhieß mit schönster Regelmäßigkeit Ärger.

Als ob dich das bei anderen Gelegenheiten gestört hätte!, flüsterte der Extrasinn spöttisch. Diesmal entgegnete ich nichts, weil er recht hatte.

»Ob diese Bahn auf lange Sicht stabil bleiben wird?«, fragte Tim Schablonski. »Ich meine, die Liduuri denken in ganz anderen Maßstäben als wir, aber ...« Der stämmige Leutnant mit den ausgeprägten Blumenkohlohren beugte sich nach vorn, als erwarte er jede Sekunde eine Katastrophe.

Cel Rainbow nahm den Blick nicht von der Holobatterie, die sämtliche Daten der Schiffstrajektorie mehrfach darstellte. »Ich nehme an, das sind Kinkerlitzchen. Die Leute haben Sonnen verschoben, oder?« Der Lakotaindianer hatte das lange, schwarze Haar mit einem Band zusammengebunden. Er war völlig ruhig, genau wie Rhodan.

»Ja ... Aber wie wir wissen, haben sie einige böse Überraschungen erlebt«, wandte Schablonski ein. »Keine Halbgötter, wenn du mich fragst!«

Rainbow zoomte den Nordpolbereich heran. »Tu ich nicht. Beruhigt?«

»Nicht mal im Ansatz!«, sagte Schablonski trocken.

»Der Anflug der zwölf anderen Space-Disks läuft nach Plan, Sir!«, meldete Rainbow.

Leutnant Carmichael, der offizielle Kommandant der SD 1, stand etwas im Hintergrund. Er war ein mittelgroßer Mann mit einer knolligen Nase. Solange Rhodan an Bord war, würde er sich zurückhalten, ob Rhodan Wert darauf legte oder nicht. Gerade verließ er die Kanzel.

Rhodan studierte kurz die Ortungswiedergabe. »Sie sollen die vereinbarten Wartepositionen einnehmen. Sobald alle bereit sind, starten wir das globale Scanprogramm. Obwohl ich nicht mit einem Erfolg rechne.«

»So stelle ich mir Optimismus vor!«, murmelte Schablonski. »Aber wahrscheinlich stimmt es. Dieses verdammte Zeug ist schwer zu fassen. Auta Rek Redej. Wenn etwas so heißt, kann es nur Ärger machen!«

»Ah!«, sagte ich amüsiert. »Am Namen liegt's. Schablonski, Sie sind ein Philosoph!«

»Ich tu, was ich kann. Aber ernsthaft: Himbeerspat, Rhodochrosit, Turmalin, Realgar, Topas, Bitter- oder von mir aus Flussspat! Das sind Namen, da weiß man, woran man ist. Aber Auta Rek Redej? Ich bin schon misstrauisch, wenn jemand einen Doppelnamen hat. Und das Zeug kommt gleich dreifach daher! – Der Scan beginnt!«

»Menschen!« Das war Theta; sie klang genervt. Ohne Frage hatte sie selbst Vorbehalte gegen viele arkonidische Sitten, Gebräuche und Rituale, aber die naive Direktheit Schablonskis war ihr offenbar zu viel.

Rhodan verfolgte die einlaufenden Ergebnisse. Ich beobachtete den Terraner fasziniert. Gleich darauf zog die Bildwiedergabe meine Aufmerksamkeit auf sich. Das Auta Rek Redej ließ sich direkt nicht anmessen. Der emittierte Hyperschwall blieb diffus – bisher zumindest. Ich kannte Eric Leyden und sein Team mittlerweile gut genug. Ich war zuversichtlich, dass ihnen auch hierfür noch eine Lösung einfallen würde.

Hochachtung vor den Barbaren? Wirst du's nicht langsam leid?, fragte der Extrasinn amüsiert.

Eine Holo-Wiedergabe Kans baute sich auf. Der Globus schimmerte, als sei er in eine Nebelwolke gehüllt.

»Ein Echoeffekt!«, sagte Schablonski. »Die haben diese Welt nicht umsonst Spiegel genannt. Ganz Kan leuchtet wie ein verdammtes Glühwürmchen. Keine Chance, da was rauszulesen! Das Auta Rek Redej kann überall sein. Die Reflexionen überlagern sich unzählige Male. Da lässt sich nichts reduzieren.«

»Landen!«, sagte ich lakonisch.

Wie hätte es anders sein können!, spottete der Extrasinn.

Rhodan musterte mich skeptisch. »Du hast eine Vorstellung, wo wir landen sollten, richtig?«

Ich beugte mich nach vorn. »Hast du daran gezweifelt?«

Rhodan hob abwehrend die Hände. »Ganz und gar nicht.«

»Welche Funktion hat Kan?«, fragte Rainbow. Ich verfolgte gespannt, wie er ein Raster auf den Planeten projizierte. Er bereitete die Landung vor.

»Dient als Verstärker, denke ich«, antwortete Schablonski. »Auf Ca wurden die Impulse des Schwalls gleichgerichtet – hier verstärkt man sie. Das Prinzip dahinter ist simpel: Es schaukelt sich hoch. Die Umsetzung ...«

»Die Umsetzung ist was?«, fragte Theta.

Schablonski kicherte. »Ich kann mich nicht zwischen größenwahnsinnig und brillant entscheiden, wenn ich ehrlich bin. Wir sind einiges von den Liduuri gewohnt. Sonnentransmitter ... Aber dies ist ein technischer Apparat, der so gewaltig ist, dass es mich sprachlos macht!«

»Machen Sie mir keine Hoffnungen, Schablonski!« Thetas Sarkasmus prallte an ihm ab.

»Davon könntet ihr Arkoniden euch mehrere Scheiben abschneiden!«, sagte er lakonisch.

Theta verstummte.

Treffer, versenkt!, kommentierte der Extrasinn in einer spielerischen Anwandlung.

»Also, wo landen wir?«, insistierte Rhodan sachlich.

Ich deutete auf Rainbows Projektion. »Erst mal schwenken wir in eine Kreisbahn über die beiden Pole, schlage ich vor. Dadurch haben wir schnellen Zugang zu allen klimatischen Zonen. Ein Tag-Nacht-Wechsel findet sich nur in der Nähe des Äquators; allerdings nicht sehr ausgeprägt. Dazu die Hitzezone im Süden, die Kältezone im Norden. Etznab hat viele Gesichter.«

Schablonski verzog das Gesicht. »War ja klar. Er muss die alte Maya-Bezeichnung auspacken! Jetzt sagen Sie bloß, Sie waren dort ebenfalls zugange?«

Ich grinste. »Die Maya hatten ähnliche Gebräuche wie die Azteken.«

»Ah. Herzherausschneiden, Häuten und ähnliche Nettigkeiten?«, fragte Schablonski angeekelt. »Ich liebe diese alten Hochkulturen. Damals wussten die Leute, was sich gehört.«

»Eine religiöse Ausrichtung wirkt disziplinierend!«, sagte ich, ein wenig zu provokant.

»Ich ziehe standrechtliches Erschießen vor, wenn Sie gestatten«, erwiderte Schablonski knurrig. Er kratzte sich am linken Blumenkohlohr; wahrscheinlich rein instinktiv.

Ich hob abwehrend die rechte Hand. »Ganz wie Sie möchten. Wir haben alle unsere Vorlieben.«

Schablonski warf zuerst mir einen bösen, dann Perry Rhodan einen fragenden Blick zu. Der schmunzelte und nickte. Damit war der Kurs der SD 1 beschlossen.

Cel Rainbow lenkte die Space-Disk Richtung Norden. Der Pol lag unserem Standort am nächsten. Es wurde dunkel. Die Nordhalbkugel Kans war der Sonne abgewandt und lag in ewiger Finsternis. Die Temperaturen sanken sehr schnell auf sibirisches, anschließend auf antarktisches Niveau. Wir alle beobachteten fasziniert in der aufbereiteten Ortung, wie die Luftmassen aus dem heißen, der Sonne zugewandten Süden der Weißen Welt Richtung Nordpol flossen. Die dortige Abkühlung der atmosphärischen Gase, parallel zur Aufheizung am Südpol, hatte gewaltige Jetstreams zur Folge. Die vergletscherte Polkappe wurde von mörderischen Stürmen überzogen. Eiskristalle, von der Kälte steinhart gefroren, schmirgelten die Oberfläche glatt. Sie würden jedem Lebewesen, das sich ungeschützt im Freien aufhielt, die Haut von den Knochen hobeln.

»Allerliebst!«, sagte Schablonski. »Sicher kennen Sie solche Welten zur Genüge und wissen, wie man sich verhalten muss!«

Ich lachte. »Aber sicher: Das Schiff nicht verlassen! Darauf hätten Sie selbst kommen können. Wir schicken einen EXAR raus. Alles andere ist kompletter Irrsinn. Es sei denn, Sie brauchen ein Eis-Peeling!«

»Sehe ich aus wie die Eiskönigin?«, brummte Schablonski und warf einen versteckten Blick auf Theta.

Ihre millionenäugige, alles sehende Ex-Majestät hat das glücklicherweise nicht registriert!, ätzte der Logiksektor.

In Momenten wie diesen fragte ich mich ernsthaft, warum der Begriff Logik so hervorgehoben wurde. Das durch die Ark Summia aktivierte Sekundär- und Analysebewusstsein war häufig alles andere als logisch.

Vor Schablonski erschien ein beeindruckendes Bild. Es zeigte undeutlich eine beinahe gläsern wirkende Landschaft: weite Flächen, sanfte, kaum erkennbare Hügel. Einige Schrunden wurden sichtbar. Wahrscheinlich Risse im Eispanzer, die aufgefüllt worden waren. Eine Falschfarbengrafik deutete sehr schwach die Luftströmungen an. Die daneben auflaufenden Daten verrieten mir, dass dort draußen ein ausgewachsener Sturm tobte. Ein wesenloses, allgegenwärtiges Glühen irritierte jedoch. Die Hyperortung! Was sie mit dem Grünschimmer anzeigte, war die minimal messbare Streustrahlung des Hyperkristalls, der die Weiße Welt zu etwas Besonderem machte.

»Ist keine genaue Lokalisierung möglich?«, fragte Rhodan. Ich hörte seiner Stimme an, dass er mit genau diesem Ergebnis gerechnet hatte.

»Nein. Die Hyperreflexionen sind omnipräsent«, informierte Schablonski. »Das ist nicht anders als aus dem Orbit oder während unserer Annäherung. Keine Chance, das Zeug exakt aufzustöbern!«

»Geben Sie Befehl an den Rest des Verbands«, sagte Perry Rhodan. »Sie sollen landen, wo das möglich ist, und Proben nehmen. Kein Risiko dabei eingehen, das ist momentan nicht nötig. Ich will niemanden mit Erfrierungen oder Verbrennungen an Bord sehen, klar?«

Schablonski hob bestätigend die Hand. Wir erreichten die Nordpolarregion und gingen zügig tiefer. Die Landschaft unterschied sich kaum von der, die wir beim Anflug beobachtet hatten. Die Messergebnisse waren im Großen und Ganzen dieselben. Die Space-Disk setzte auf. Der ständige Aufprall der beschleunigten Eiskristalle führte auf der südlichen Seite unseres Schutzschirms zu einem beeindruckenden Funkenflug.

»EXAR ausschleusen!«, befahl Rhodan.

Wir beobachteten, wie der gedrungene Explorationsroboter die SD 1 verließ und sich durch Eis, Schnee und Sturm kämpfte.

»Sieht aus wie 'ne fette Flunder!«, bemerkte Schablonski.

»Flunder?«, erkundigte sich Theta. Ihre Kenntnis irdischer Fauna war offenbar ausbaufähig.

»Ein Fisch!«, sagte Schablonski. »Sieht beinahe so aus wie unser EXAR dort draußen. Hat natürlich keine Räder! Das haben Fische selten.«

»Auf Irodigan sieben durchaus!«, erwiderte Theta trocken.

Schablonski war einen Augenblick lang verblüfft, bis er die leise Ironie bemerkte. »Oh. Hoheit belieben zu scherzen!«, brummte er, kaum hörbar. »Ich werd nicht schlau aus ihr ...«

Ich amüsierte mich köstlich. Tatsächlich war Theta nicht leicht durchschaubar. Das war sie nie gewesen. Das lag nicht zuletzt an ihrer Ausbildung als höfische Kurtisane. Es war beinahe ihr Leben lang ihre einzige Sicherheit gewesen, nicht durchschaubar zu sein. Kein leichtes Unterfangen im Umfeld der Großen Häuser und des Spiels der Kelche. In dieser Hinsicht war Schablonski ein leichtes Opfer. Ich glaubte, in ihren Augen den Schalk blitzen zu sehen. Das war eine ihrer liebenswertesten Eigenschaften: ein tiefer, wenn auch häufig bizarrer Humor.

Leutnant Carmichael kam zurück in die Kommandokanzel. Er sah sich um. »Verbindung zum EXAR steht«, meldete er.

»Übertragung läuft!«, ergänzte Schablonski. »Die Bordpositronik startet die Auswertung ... jetzt! Datenpakete haben die kritische Dichte erreicht. Das sieht nicht gut aus!«

»Warum das?« Rhodan beugte sich zu Schablonski hinüber und musterte die Datenkolonnen.

»Kann ich nicht sagen. Tatsache ist, dass im Oberflächenbereich kaum Auta Rek Redej nachweisbar ist. Da sind minimale Spuren, mehr nicht. Komischerweise findet es sich in der Luft ebenfalls.«

»Ein bisschen was im Boden, dafür gleich wenig in der Luft?«, wunderte sich Rhodan.

»Könnte am Eis liegen!«, mischte ich mich ein.

»Am Eis?«, fragte Schablonski verblüfft.

»Exakt«, sagte ich. »Offenbar kommt das Auta Rek Redej nicht oberflächennah vor, sondern ist auf tiefere Schichten konzentriert. Im Eis ist nur das, was der Eis-Wasser-Kreislauf dort einlagert. Die Stürme schleifen Mikrospuren ab. Dieser Staub wird über die Jetstreams hierhergeweht. Auch das Wasser der Eiskristalle enthält diese Spuren.«

»Das ist ... Das kann nicht sein!« Schablonski drehte seinen Kontursessel zur Mitte. »Der Schwingquarz ist als Folge einer Sterneneruption auf Kan gelangt. Vor was-weiß-ich-wie langer Zeit. Wie kann das Zeug dann so tief in die Kruste gelangt sein? Oder sogar in den Mantel?«

Berechtigter Einwand!, anerkannte mein Extrasinn.

Ich hob die Schultern. »Keine Ahnung. Plattentektonik ... andere geologische Vorgänge. Vielleicht hat es sich damals an Wasser gebunden und ist durch die Kruste gesickert? Ich bin kein Planetologe, wissen Sie?«

Schablonski hob die Augenbrauen. »Ach, nicht? Das überrascht mich ...«

»Halten Sie den Mund, Schablonski!«, sagte Rhodan schmunzelnd. »Am Resultat ändert das kaum etwas, oder?«

»Nein, Sir!«

»Also gut. Holt den EXAR zurück. Wir kommen hier nicht weiter!«, fuhr Rhodan fort. »Eine Eisbohrung ist zu kompliziert. Sobald er an Bord ist, starten wir.«

»EXAR kehrt um«, meldete Rainbow. »Einschleusung wird vorbereitet. Wohin als Nächstes?«

Rhodan musterte mich fragend. Ich zuckte mit den Schultern. »Halten wir uns an den Plan. Wir haben keine Anhaltspunkte, die uns weiterhelfen würden.«

»Also weiter zum Äquator.« Rhodan konzentrierte sich erneut auf die Holobatterie.

»Einschleusung abgeschlossen. EXAR an Bord«, meldete Rainbow.

»Ich leite die Startsequenz ein«, sagte Schablonski. Die Space-Disk hob ab. »Das war nichts, oder?«

»Wir werden sehen«, entgegnete ich. »Das Auta Rek Redej ist da, das wissen wir. Das Aufstöbern gestaltet sich schwierig. Aber niemand von uns hat etwas anderes erwartet.«

Leutnant Carmichael verzog das Gesicht und verschwand kommentarlos im Bauch der Space-Disk.

»Warum auch!«, murmelte Schablonski. »Das wäre ja eine positive Überraschung gewesen. Wer rechnet denn mit so was?«

»Kurs liegt an«, sagte Rainbow.

Die Flugbahn der SD 1 führte nun nach Süden, Richtung Äquator. Die Dunkelheit, die auf der Nordhalbkugel Kans lastete, verschwand lange nicht. Erst als die Space-Disk sich langsam dem Äquator näherte, sorgte die Atmosphäre durch die Streuung des Sonnenlichts für etwas, das man anderswo vielleicht als Dämmerung bezeichnet hätte. Ununterbrochen tobten Stürme dem kleinen Raumfahrzeug entgegen. Das ewige Tiefdruckgebiet im Norden saugte die Gase zu sich in die Finsternis.

»Das ist heftig, Sir!«, sagte Rainbow. »Wir könnten dort landen, aber wie wir in diesem Mahlstrom nach Auta Rek Redej suchen sollen, weiß ich nicht. Der EXAR ist robust, eine zielgerichtete Expedition jedoch halte ich für unmöglich. Die Stürme im Nordpolarbereich waren schon kräftig, hier erleben wir ein ganzes Nest aus Hurrikanen, Taifunen, Zyklonen und was Ihnen dazu zusätzlich einfällt. Diese Sturmsysteme haben sich sozusagen festgefressen und werden sich, meinen Messungen zufolge, während der nächsten Monate nicht auflösen.«

»Gilt das für das komplette Äquatorialband?«, fragte Rhodan stirnrunzelnd. »Nach dem, was wir am Nordpol erlebt haben, denke ich, dass uns die Südpolregion kaum besser gefallen wird.«